Ausgabe 
2.3.1929
 
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Nr. 52 Viertes Blatt

Oberhessischer Landgemeindetag.

3n der im Hotel Kobel in Gießen dieser Tage abgehaltenen Vorstandssihung, zu der fast alle Vorstandsmitglieder erschienen waren, wurde die von einer Anzahl oberhessischen Gemeinden an­geregte Aenderung des Stromtarifs der Provinz Oberhessen und der Str0mberechnung für die Strahen- b e l e u ch t u n g als wichtigster Punkt der Ta­gesordnung eingehend besprochen. Der für dos Lieberlandwerk erschienene Direktor von S t a d - I e r legte in eingehender Weise die Gründe dar, weshalb eine Herabsetzung des Kra'tstromtarifs unter keinen Umständen möglich fei. Bezüglich der Grundpreise für die Straßenbeleuchtung teilte er mit, daß nur 13 Prozent aller an das Ueber- landwcrk angeschlossenen Gemeinden die vertrag­lich festgesetzte Garantiesumme nicht erreichten. 3m Hinblick auf diese Tatsache sei es nicht an­gängig. die Garantiesumme weiter herabzuschen. Aach ausführlicher Besprechung wurde beschlossen, bei dem Llcberlandwerk der Provinz Oberhessen darauf hinzuweisen, daß Härten, soweit sie sich durch die Garantiesumme der Straßenbeleuchtung ergeben, bei den wirtschaftlich schwach gestellten Gemeinden nach Möglichk it eine Milderung er­fahren oder beseitigt werden sollen.

-Zu der Angelegenheit der Beiträge der G e m e ind e b e a m t e n zur Arbeits­losenversicherung wurde auf Vorschlag des Vorsitzenden beschlossen, die we>t?re Behandlung dieser Angelegenheit dem Gesamtvorstand des hessischen LandgemeindctagS zu überlassen. Cs sei anzunchmen, daß das kommende Gemeinde- beamtengeseh diese strittige Frage regeln werde.

Zur Frage der Erhebung der gemeind­lichen Gewerbe st euern für 1 928 be­richtete der Vorsitzende über die hier in Betracht kommenden hauptsächlichsten Bestimmungen des Gesetzes. Die Gemeinden sind an die Bestimmun­gen des Gesetzes nicht gebunden, wonach, wenn das Gewerbckapital weniger als 500 Mark bzw. der Gewerbeertrag weniger als 1200 Mark be­trägt, eine staatliche Gewerbesteuer nicht er­hoben wird. 3m Hinblick auf die ganz verschie­denen örtlichen Verhältnisse in den einzelnen Gemeinden beschloß der Vorstand, zu der Frage, ob sich die Gemeinden der obengenannten Be­stimmung des Gesetzes hinsichtlich der gemeind­lichen Gewerbesteuer anschliehen sollen oder nicht, keine Stellung zu nehmen. Dagegen werden sich die Gemeinden mit allem Nachdruck dagegen wehren, daß nunmehr auch die gemeindlichen Gas-, Wasser- und Elektriz'titswerlbetriebe zur Gewerbesteuer herangezogen werden sollen, weil diese Betriebe als gemeinnützig im Sinne des Art. 2 des Gewcrbesteuergesetzes anzusehen feien.

Einer eingehenden Besprechung wurde d i e Tätigkeit der Gemeinde für die Ar­beitslosenversicherung unterzogen. Hier­zu teilte der Vorsitzende mit, daß das Arbeits­amt Gießen infolge der durch das neue Gesetz über die Sonderfürsorge für Arbeitslose notwen­dig gewordenen Llmstellung derart mit Arbeit überlastet worden sei, daß die Einrichtung der Nebenstellen nur langsam vorgenommen werden könne, und die Eröffnung für die meisten Neben­stellen wohl nicht vor Ende April dieses 3ahres möglich sein werde. Was die Vergütung an die Gemeinden für ihre Tätigkeit in der Arbeitslosen­versicherung anbelangt, so gab der Vorsitzende be­kannt, daß hierüber demnächst Verhandlungen zwischen dem hessischen Landgemeindetag und den Arbeitsämtern stat'.finden würden. Entsprechende Vorschläge liegen bereits vor. Der Vorstand be­schloß. bei dein Arbeitsamt Gießen den Antrag zu stellen, daß die Nebenstellen so bald als mög­lich, spätestens aber zum 1. April 1929 zur Er­richtung kommen. Tie Gemeinden erklären, daß

Nachdruck verboten.

19 Fortsetzung.

Weg, der an ziehen unsere

Niger Weg ist das Leben, ein W Abgründen vorbeiführt, und wir </ - Straße in unwissender Blindheit, sehen nicht die

Gut," sagte ich nach kurzem Besinnen,wir wollen einen Pakt schließen: am 20. Oktober fährst du mit mir, bleibst ein volles 3ahr lang von Terofal fern..

3a!

Lind bis zu deiner Abreise trinkst du keinen Tropfen Alkohol mehr, gibst mir dein Ehrenwort." 3a!"

Recht so! Nun noch das letzte: ich rede nachher mit deiner Frau, sie fährt, wenn irgend möglich, schon morgen."

3al"

3ch atmete auf Gott sei Dank! Aber dann fiel mir ein:

Halt, das mußt du mir auch noch versprechen: die unsinnige Hcrumlauferei im Revier hat von dieser Stunde ein Ende, du tust keinen Schritt ohne meine Begleitung! Meinetwegen können wir uns mal auf denBauernschreck" an- fehen, - den Lumpen überläßt du dem 3ackl und dem Franzl, abgemacht?"

Wenn's... sein ... muh .. ?"

3a, Vinzenz, und ich danke dir, daß du Ver­trauen zu mir hast!"

Kein Wort weiter haben wir auf dem Heim­weg gesprochen. Lieber Himmel, wie bin ich da­mals stolz gewesen auf meinen Erfolg, wie habe ich mich gefreut, und wenn ich heute, nach zwanzig langen 3ahrcn, an jene Stunde Sutüd- denke, dann ist es mir immer, als trüge rch Schuld, daß alles so kam, wie es kommen muhte, wie es kommen mußte... Wäre ich fest geblieben, hätte ich mit aller Energie auf der sofortigen Abreise bestanden... Ach was, nicht daran denken, nicht grübeln und forschen, heute weiß ich, dah es keinenZufall gibt, daß es nutzlos ist, sich aufzubäumen gegen jenes dunkle Rätsel, das wirSchicksal nennen... Ein steiler, dor-

Schatten, die uns folgen...

Eine Stunde später sprach ich mit Frau Sophy.

Gnädige Frau, glauben Sie mir, eS ist das beste, wenn Sie morgen schon reisen."

Ohne den Vinzenz?!"

Er kommt ja in ein Paar Tagen nach. Sie können einstweilen in München bleiben, in Meran..."

.Olein, das... das wäre Fahnenflucht..."

Das große Grauen.

Vornan von H. Ä. von Byern.

Llrheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau.

Samstag, 2. März 1929

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

asimohrbniche in öffentlichen Leitungen

nnd Schadenhastung.

Nachdruck verboten.

Der außerordentlich strenge und anhaltende Frost hat dem Volksvermögen und dem einzelnen bereits großen Schaden zugefügt. Noch ist der Frost aber nicht zu Ende, und es steht zu be­fürchten, dah die bevorstehende Tauperiode die Zahl der großen und kleinen Schäden noch er­heblich vermehren wird. Gegen die drohende Hochwassergefahr haben Behörden und Private jede erdenkliche Mahnahme getroffen. 3n den Häusern sind die bedrohten Teile der Wasser­leitungen von Vorsichtigen genügend verwahrt worden. Anders ist es jedoch mit den in dem Boden, in den ösfentlichen Straßen und Wegen der Städte und Dörfer verlegten Rohrlei­tungen von W a s s e r v e rs 0 r g u n g s - an la gen lWasserleitungen) aller Art. Die Trinkwasserlcitungen sind deshalb so tief in den Erdboden gelegt, um den Zapfstellen immer ein möglichst kühles Rah entströmen zu lassen, we­niger. um die Rohrleitungen vor Frostgefahr zu schützen, und in gewöhnlichen Zeitläuften dringt ja auch die Kälte nicht so tief in den Boden ein, daß sie zur Urheberin von Rohrbrüchen wird.

Nicht das in den Rohren dahinstromende, in ständiger Bewegung befindliche Wasser ist, von ganz verschwindenden Ausnahmen abgesehen, die Ursache von Rohrbrüchen, sondern die mecha­nische Arbeit des infolge der Kälte in eine außerordent'iche Dew?gung g-r-'t nen Erdreichs. Kälte und überspannt?r Dampf führen zu Explo­sionen, jedes von ihnen auf seine Art.

3st ein Rohrbruch in einer Straße entstanden, so wird oft das Nachbargelände in erheblichem Maße in Mitleidenschaft gezogen. Sind die Rohre in einer Straße verlegt, deren Decke besonders stark eingewalzt oder asphaltiert ist, so wird das an einer Rohrbruchstelle ent­weichende Wasser meist nicht nach oben, sondern nur nach der Seite hin entweichen können und deshalb, wie die tägliche Er'ahrung l h-t in die Kellcrräume der privaten Anlieger einörinqen und dort erheblichen Schaden verursachen kön­nen. Es wird sich deshalb die Frage aufwerfen, wer solchen Schaden und den für die Wieder­trockenlegung der beschädigten und durchnäßten Keller usw. notwendig gewordenen Ze t- und Arbeitsaufwand zu tragen hat. Der Besitzer des Anwesens wird zunächst versuchen, den Unternehmer, d. h. den Eigentümer der öffentlichen Wasserleitung, die Pro­

vinz, die Stadt, die Gemeinde oder die Genossen­schaft schadenSersahpflichtig zu machen. Der Geschädigte könnte wohl nur dann einen Erfolg haben, wenn er nachweisen könnte, dah es sich in seinem Falle um ein auS besonders schlechtem Material gefertigte- Rohrnetz handele, dessen Mangelhaftigkeit dem Eigentümer der Leitung bekannt gewesen sei, dessen Er­setzung er aber schuldhafterweise unterlassen habe. Dieser Fall wird aber außerordentlich selten Vorkommen. Dagegen wird der Eigentümer der Wasserleituna einwenden, daß der Schaden auch bei höchster Sorgfalt seinerseits unter dem Einfluß höherer Gewalt entstanden wäre und daß er deshalb, weil er in einem solchen Falle nicht ver ant­wortlich sei, jede Schadenhaftung ablehne. Unter höherer Gewalt wird im Rechtsleben wie nach dem Sprachgebrauch ein z u f ä l l i g e s Ereignis verstanden, dessen Verhütung für den Berechtigten nicht menschen­möglich war, unabwendbar wie etwa ein Brand, ein Sturm, ein Hochwasser, ein Erd­beben. Das Bürgerliche Gesetzbuch, die Zivil- und die Strafprozehordnung sprechen an ver­schiedenen Stellen von höherer Gewalt, die den von ihr Betroffenen von einer Schadenhaftung befreit. Es würde zu weit führen, an dieser Stelle die einzelnen Fälle aufzuführen, die der Gesetzgeber als Ausfluh einer höheren Gewalt ansieht.

Ohne Zweifel werden sich die Gerichte mit zahlreichen Klagen wegen des Ersatzes von Schäden, die eine Folge von Rohrbrüchen sind, in nächster Zeit zu beschästigen haben. Es wird abzuwarten sein mit der Einklagung von Scha- densersahforderungen, bis ein besonders hoher Schadensersatzanspruch zur Höch st richter­lichen Entscheidung gekommen ist, um un­nötiges Prozessieren mit ungewissem Ausgang M vermeiden. Die Werkbesiher werden in der Regel versichert sein. Sie und die Dersiche- rungsgesellfchaften haben einenlängeren Atem" als der einzelne, und sie brauchen Kosten kaum zu scheuen. Dagegen können sich etwa Haus- besihervereinigungen zusammentun, um sich für die Kosten einer Prozeßführung solidarisch zu erklären, damit ein revisionsfähiyer Fall bis zum Reichsgericht gebracht wird. Bis dahin mögen kleinere Geschädigte ihre vermeintlichen Ansprüche zwar a n m e l d e n, aber vorerst von einer Klage absehen. O.

sie infolge Überlastung mit diesen Arbeiten, be­sonders in der gegenwärtigen kritischen Zeit der großen Arbeitslosigkeit, nicht in der Lage sind, über diesen Termin hinaus noch die Geschäfte für die Arbeitsämter erledigen zu können. Es wird ferner beantragt, dah den Gemeinden für die seitherigen Arbeitsleistungen auf dem Gebiete der Arbeitslosenrer ifjerung Abschlagszahlungen, sofern die Gemeinden die dafür erforderlichen Unterlagen vorlegen, gewährt werden. Der Vor­stand des hessischen Landgemeindetages in Gon­senheim soll ersucht werden, alsbald die Verhand­lungen mit dem Arbeitsamt wegen der Vergütun­gen der Bürgermeistereien aufzunehmen und dazu nicht erst die Richtlinien der kommunalen Spihen- verbände des Reiches abzuwarten. Ueber die Frage, ob diese Vergütung den Bürgermeistern, soweit sie nicht besoldet sind, oder der Gemeinde­kasse zufließt, soll noch eine Klärung herbeigeführt werden.

Aber ich bitte Sie!"

Lieber Freund, das verstehen Sie nicht, der Vinzenz braucht mich jetzt und... und... ich hätte keine ruhige Stunde..

Wo ich bei ihm bin?!"

Auch dann!"

Alles Zureden war zwecklos, ich mußte mich fügen. Weiberschrullen oder vielleicht auch... Pflichtgefühl, Treue, ich war schon froh, daß ich wenigstens etwas erreicht hatte! Aber die Stun­den vergingen bleiern langsam, und erst nach dem Nachtmahl taute mein Freund etwas auf, erzählte von seinen Reisen, seiner Militärzeit, es wurde ein ganz gemütlicher Abend. Bis draußen auf dem Flur die alte Kastenuhr elf tief klingende Schläge tat, da blies ich zum Aus­bruch mein Tagewerk war getan, vielleicht das wertvollste meines Lebens...

Unwillkürlich lasse ich die Feder vasten und greife nach dem vergilbten, an den Rändern schon etwas brüchig gewordenen Blättern im roten Maroquineinbano. Kühl und glatt faßt sich das Leder an wie die Haut eines Reptils... Ein Lichtbild fällt heraus, verblaßt Schloß Terofal in der Oed, und auf der Rückseite das Datum: am 18. Oktober 1903.

Der letzte Tag vor der Abreise. Die Koffer standen schon gepackt, auf den Möbeln lagen leinene Schutzbezüge, und wir saßen im Arbeits­zimmer meines Freundes, rückten näher an den Kamin; denn draußen schneite es unablässig schon seit Stunden...

Zum Abschiednehmen just das rechte Wetter! 3ch brannte mir eine neue Zigarette an und gähnte.Ra, übermorgen um diese Zeit sind wrr schon in München I"

Der Vinzenz nickte nur und stocherte mit dem stählernen Schürhaken in dem Feuer herum, und Frau Sophy blickte zum Fenster hinaus, wo Flocke um Flocke im lautlosen Taumelflug her­niederrieselte.

Ueber den Flur kamen Schritte, ein Klopfen an der Tür, der Alois Sedlmayer trat ein:Ob der 3adl den Herrn Baron sprechen dürfe?"

3a freili, soll nur kommen!"

Gleich darauf schob sich der 3agdgehilf ind Zimmer, blieb verlegen an der Schwelle stehen.

Grüß Gott beieinanb' I Er drehte den mürben Filz zwischen den braunen Fingern, blinzelte in das Dämmerlicht des Frühnachmittags. Mein Freund stand auf.

Also, 3ackl, was is? Hast d' ebba gar den Lump'n verwischt?

Na, Herr, aber a Meldung hätt i z'mach'n, tn der Reih'n am Seekar liegt a Kälber stuck, grat) vor a paar Stund' erst kann s g riffen fein, noch Warrn g'wesen, wia i 's g'fünfen hab', und daneben an nagelfrische Fährt'n..

.Dom .Dauernschreck?!

Spielplan ver Frankfurter Theater.

Opernhaus. Sonntag, 3. März, 19.30 bis gegen 22.30 Uhr: Der Zigeunerbaron. Montag, 4. März, 19.30 bis 22.30 Uhr: Samson und Da­lila. Dienstag, 5. März, 19.30 bis gegen 23 Uhr: Die Fledermaus. Mittwoch, 6. März, 20 bis 22.30 Uhr: Tiefland. Donnerstag, 7. März, 19.30 bis gegen 23 Uhr: Die Zauberflöte. Freitag, 8. März, 20 bis 22 Uhr: Tanzgastspiel, Dera Skoronek und ihre Kammergrupve. Samstag, 9. März, 20 bis 22.45 Uhr: Cavalleria rusticana. Hierauf der Bajazzo.

Schauspielhaus. Sonntag, 3. März, 15 bis 17.45 Uhr: Das Käthchen von Heilbronn. 20.15 bis gegen 22.45 Uhr: Paulus unter den 3uden. Montag, 4. März, 20 bis gegen 22 Uhr: Schluck und 3au. Dienstag, 5. März, 20 bis 22.30 Uhr: Paulus unter den 3ufen. Mittwoch, 6. März, 20 bis 22.15 Uhr: Schwengel. Donners-

Mein' scho, daß er's g'wes'n is, d' Spur steht Pfeilgrad' in d' Latsch'n ehrt, wenn ma sich da ansetz'n tät heunt abend."

Donnerwetter, ja Alterle, was meinst d', wär doch an Abschluß! Kunnt leicht fei, daß 's die- malen trefft!

3ch überlegte.

Hm ein bissel spät, schon ein halb vier Uhr, und dann, es wird eine stichdunkle Nacht..

Ah, koa Spur net! meinte der 3äger.Hört eh' schon auf mit 'm Schneiden, Vollmond is a."

Na also, ja dann wir müßten uns freilich beeilen, eine gute Stunde ist's wyhl?"

Frau Sophy legte ihre Häkelarbeit beifette.

Dinzenz, 's is der letzte Abend» morgen kommt man doch nit zur Ruh'..

Aoer Schätzer!! Er lachte.2HT die Tag' her bin i net im Revier g'wes'n, und schau, oamal möcht i 's halt noch probier'n d' letzt' Dirsch', nacfe bin i zu jeder Stund bei dir, gelt ja?"

Ein leichter Seufzer:

-Also dann... aber bleib* nit so lang'I"

Mein Freund war schon an fett Gewehrschrank getreten.

Dis um zwei san ma z'ruck« da kannst di drauf verlass'n! Alterle, was willst d' nehmen, an Mannlicher oder den Drilling?"

,3ft gleich, gib nur her," uno dann trat ich an die junge Frau heran, sprach leise, hastig: Sie brauchen sich nicht zu beunruhigen, gnädige Frau, ein bewaffneter Spaziergang, weiter nichts ich bin ja dabei, und der 3ackl...

Sie sah zu mir auf, lächelte ein wenig.

Sonst hätt i den Dinzenz auch nit fortg'lassen, gelt, Sie geben a bisserl Obacht?*'

Mein Wort darauf!" Dann ging ich nach meinem Zimmer hinüber, um mich fertig zu machen. Eigentlich ein Unfug, bei dem Wetter tn den Bergen herumzukraxelnimmerhin, die Zeit verging rascher, und allzu 'amüsant waren die letzten Tage nicht gewesen. ^Packerei. gran­tige Stimmung, bei den Mahlzeiten muhte der Kaplan und ich immer den Syruptanteil der Unterhaltung beitragen.

Zehn Minuten später trat ich tn die Halle. Dort wartete schon der 3ackl.

Glauben Eie fenn wirklich, dah es ein Wolf ist?"

Mei, dös kann i a net für g^wih sag'n, hab' meiner Lebtag noch koa Wolfsfährt'n g seh'n, aber diemalen soll s ja solche g*geben Ham da herinnen in der Oed. is leicht zrjwwi g'wechselt."

So, hm, und Sie meinen, derBauernschreck wird das Luder wieder annehnilen?"

Kunnt leicht fein, Herr, is a ganz frischcp Riß, Deckung Ham ma grad gnua, un' d'r Wind steht guat"

Irgendwo klappte eine Tür, Krau Sophy kam von den Wirtschaftsräumen her.

Hab noch a paar Packerin z'qechtg'macht und

tag, 7. März, 20 bi- 22.30 Uhr: PauluS unter den 3ufen. Freitag, 8. März, 20 bis 22 Uhr: S ein unter Steinen. Samstag, 9. März, 20 bis 22 Uhr: Aim6e. Sonntag, 10. März, 15 bis 17.15 Uhr: 3m weihen Röhl. 20 bis 22.30 Uhr: PauluS unter den 3ufen.

Wirtschaft.

Konjunkturrückgang und Ausfuhrsteigerung.

Seit mehr als einem 3ahre verzeichnet die deutsche Wirtschaft einen andauernden Rückgang von Produktion und Be­schäftigung. Zu Leiem steht in e nein gewissen Gegensatz die R 0 h st 0 s s e i n f u h r, die sich von Schwankungen abgesehen feit fern 3ahre 1926 dauernd gesteigert hat. 3m letzten Monat 3anuar hat sich die Rohstosseinfuhr erneut erhöht. Zum Teil handelt es sich dabei allerdings um eine Saisonbewegung (Textilrvhstoffeinfuhr). Aber selbst wenn man diese Einflüsse ausschaltet, ist die Rohstoffeinfuhr gestiegen, und dies kann nach Ansicht deS 3nstituts für Konjunkturfor­schung damit Zusammenhängen, daß die Rohstoff­vorräte im Vergleich zum Produktionsumfang verhältnismähig klein sind, und daß die lausende, Eindeckung wieder größere Bedeutung erlangt hat. Die übersaisonmäßige Steigerung der Roh­stoffeinfuhr im 3anuar deutet also nicht auf eine gebesserte Geschäftslage im ganzen hin.

Die Ausfuhr von 3ndustrieerzeug- nissen setzt ihre Aufwärtsbewegung fort. Diese ist zum Teil struktureller Art. Ander­seits ist die deutsche 3ndustrie bestrebt, ihre Aus­fuhr zu steigern, auch aus dem Grunde, um die konjunkturelle Verminderung des 3nlandabsahes auszuglcichen. Die Aufwärtsbewegung der Aus­fuhr hatte in den letzten 3ahren im wesentlichen die gleiche Grundrichtung, tote die binnenwirt­schaftlichen Gesamtumsätze. Es zeigt sich aber, dah in den einzelnen 3ahren die Ausfuhr um so stärker wächst, je langsamer die Dinnenumsätze steigen, und umgekehrt. Demnach wären also augenblicklich in einer Zeit, wo der 3nlandabsah nachläht, die binnenwirtschaftlichen Voraussehun- §en für eine raschere Exportsteigerung gegeben, eren Umfang und Tempo wesentlich von der Aufnahmefähigkeit der einzelnen AuSlandmärkte abhängig ist.

Weiterer fionlunttnrrfltfqanfl Im Februar.

Nach der auf Grund von Berichten der Preußi­schen Industrie- und Handelskammern und des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertags im preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe zusammengestellten Uebersicht setzt« sich der R ü ck ° ?ang der Konjunktur im Februar weiter ort. Hierzu trugen nicht nur saisonmäßige Ein­flüsse, wie der starke Frost, bei, der Rückgang war oielmebr auck in der allgemeinen Lage der Wirt­schaft oegrünoet, die sich infolge der starken öffent­lichen Belastung und des yohen Zinsfußes, sowie der durch die Reparationsverhandlungen bedingten Ungewißheit der Zukunft und insbesondere auch in­folge der Ungeklärtheit unserer inncrpolitischen und Finanzlage nicht zu erholen vermag. Der Kohlen­absatz ging trotz gesteigerter Abrufe in Hausbrand- koylen und Koks gegenüber dem Dormonat zurück. In der eisenschaffenden und eisenverarbeitenden In­dustrie ließen Beschäftigung und Auftragseingang weiter nach. Auch in der chemischen Industrie trat ein Rückgang an Aufträgen ein. Die Lage der Tertilindustrie war weiterhin schlecht. Handwerk und Einzelhandel klagten über einen Rückgang der Geschäftstätigkeit. Die Kaufkraft der Bevölkerung läßt überall nach. Der Lebenshaltungsindex ist von 153,1 im Januar auf 154,4 im Februar gestiegen.

a Therrnosflasch'n mit Kaffee, wollen © nit a Deck'n mitnehmen?"

Die Lodenmäntel tun 'S schon, gnädige Frau, falt ist's ja nicht weiter."

Also dann Weidmannsheil!" Sie klopfte an die Tür des Ankleidezimmers.Dinzenz! Bist d' rroch nit fertig?"

3a, glei I" Er polterte heraus:Hast d' alles, Alterle? Na pack' ma'S halt an, und, Schätzer!. Iah was Warmes Herrichten, werd'n net so arg lang bleib'n."

Der 3ackl schien recht zu behalten. Als wir binauStraten, fielen nur noch vereinzelte Flocken, und aus dem blendenden Weih ragten die Zacken und Zinnen, waren umzogen von flimmernden Linien, dem Widerschein der Sonne, die hinter den Gipfeln versank und ein letztes Leuchten her­übersandte. Herb und würzig war die Luft, leise knirschte der Neuschnee unter den grobgenagel- ten Sohlen. Bedachtsam, mit gebogenen Knien, stieg der 3agdgehilf' voran, quer durch den schütteren Nadelholzbestand. Dort lagen schon tiefviolette Schatten, eine Tannenmeise ziepte, sonst kein Laut. 3ch blickte zurück, als wir den Almboden erreicht hatten. Kerzengerade stieg aus einem Einödhof der Rauch in die Höhe, stand als schlanke, graue Säule in der unbewegten Luft, die von Myriaden winziger Schneekristalle wie vom fliegenden ©ilberftaub erfüllt war. Ockergelbe Streifen säumten den westlichen Horizont, gingen über ein sattes Orangenrot, das als goldener Heiligenschein das wuchtende Massiv des Hoch- kogels umstrahlte. Dann blitzte drunten im Tal ein Lichtlein auf, nun ein zweites drittes..

Dor uns dehnte sich das Latschenfeld, eine dunkle, geschlossene Masse, die gleich schwarz- grünen Wellen an den Hängen emporbrandete bis dahin, wo rötlichgraues Felsgestein sich türmte. Mit dem Rauch seiner kurzen 3agd- pfeife prüfte 3ackl den Wind.

Müass'n ma uns halt a bissel weiter nach links halten."

Es hieß vorsichtig zu gehen, um nicht in eine überschneite Spalte zu treten. Hin und wieder löste sich ein Schneebrocken, rollte träge über die schiefe Ebene, wuchs und wuchs, bis der Ballen ein paar hundert Meter weiter drunten an einem Stamm zerschellte. Nun hatten wir die Schneid erreicht, überblickten das verfilzte Gewirr der sich mit klammernden Zweigen, knorrigen Aesten in­einander verrankenden Latschen.

Glei' da vorn is!"

Richtig, auf einem aperen, wohl an vierhundert Quadratmeter großen Fleck lagen die Ueberreste des gerissenen Kälberstuckes, fünfzig bis sechzig Schritte davon entfernt ragten Sterntrümmer auf, ein idealer Ansihplah! Mein Freund nahm das Glas hoch, setzte es dann wieder ab:

(Fortsetzung folgt)