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Nr. 52 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Samstag, 2. März (929

Aus Natur und Technik.

Karl von Siemens.

Zu. 100. Wiederkehr seines Geburtstages.

Bon 3ngemeur KarlSkowronnek.

Es ist erfreulich, wenn sich Brüder zusammen­tun und das Lebenswert des stärk,len unter ihnen fördern. Zwischen den Brüdern Siemens herrschte dieses Verhältnis Werner besonders, ober auch Wilhelm und Friedrich waren s.tzöpse- risch-erfindcr sch:ig. Karl aber war der weit­sichtige, umsichtige Geschäftsmann. der die Er­findungen der Brüder verwertete, die Firma lei­tete und die geschäftliche Ordnung in den Betrie­ben aufrecht erhielt.

:^arl von Siemens wurde am 3. März 1829 in Menzendorf geboren. Aus dem Gymnasium in Lübeck und später in Berlin beschäftigte er sich viel und gern mit chemischen Arbeiten, verfolgte aber nebenbei Werners Schafien. Nachdem er sich zunächst drei Jahre lang mit Versuchen aus dem Gebiete der Ehemie, besonders der Zement- fobrikation, beschäftigt Halle. wendete er sich der Telegraphie zu. Im Jahre 185? ging er als Telegrapheningen.cur in den preussischen Staa.s- diensl und war Werner bei den staatlichen Tele­graphenbauten behilslich. 1851 aber trat er ganz zu der Firma Siemens' und Halske über, wo er den ihm zusagenden Wirkungskreis fand. Be­reits im selben Jahre bekam er die Vertretung der Firma für die Londoner Weltausstellung und führte die Erzeugnisse der Firma Siemens und Halske in Cnglaird und später von Paris aus in Frankreich ein.

*853 gab ihm Werner den Auftrag, ihn selbst bei den eingeleiteten Telegraphenarbe ten inRutz- land zu vertreten. Dort errang er sich durch rasche und zuverlässige Aus ührung der wichtig­sten Linien das Vertrauen der Regierung, so daß sich an diesen Bau ein Vertrag zur Unterhaltung der Linien auf zwölf Jahre ansch'. Daraus ergab sich die Notwendigkeit, eigene W rkstä ten in Petersburg anzulegen. Die so entstandene rus­sische Zweigniederlassung entwickelte sich trotz der eigenartigen rus i chen Drr.ä tnis e au'er'tb.n lich gut. sie bewährte sich insbesondere beim Bau der indoeuropäischen Linie, die auch weite Strecken durch Nustland führt und uns im Welt­kriege große Dienste geleistet hat.

Durch den Tod des Zaren Nikolaus und die dadurch bedingten Beränderun-en kamen schwere geschäftliche Sorgen, Karl erkannte, daß der Höhepunkt des russischen Telegraphengeschäftes vorüber sei. Er entschloß sich daher, die Leitung des von ihm und Werner im Jahre 1864 er­worbenen Kupferbergwerkes Kedabeg im Kau­kasus zu übernehmen. Dort überwand er viele technische Schwierigkeiten, und es gelang ihm auch, die Erzeugung eines reinen ^Gark ipsers", die von den europäischen Fach'euten ängstlich geheim­gehalten wurde, nachzuer'inden.

Ein Leiden seiner Frau bestimmte ihn. im Jahre 1868 Hals über Kops nach Berlin zurück zu reisen, wo er einstweilen seinen Bruder Werner in der Leitung des Geschäftes unterstützte. Anfang 1869 starb seine Frau. Der Entschluß wurde ihm da­her leicht, nach London zu gehen um eine Span­nung zwischen dem Ber'iner und dem Londoner House zu beseitigen. Dort fand er nun einen neuen Wirkungskreis Er baute ba5 Kabelwerk in Woolwich aus. Unter seiner Führung wurde mit dem der Firma gehörenden Kabeldampfer Faraday" im Jahre 1874 das erste in Amerika landende Ueberseekabel verlegt. Die technische Welt staunte, als er es ermöglichte, das gerissene Kabel aus fast 6030 Meter Tiefe zu heben. Im

Aussterbende Metalle.

Von Or. Emil EarthauS.

Nachdruck verboten.

»Solange Eure Herrlichkeit nicht schwarze Men­schen finden werden, können Hochdieselbe nicht große Dinge, wirkliche Schätze, wie Gold, Dia­manten und edle Gewürze, erwarten", schrieb der spanische Juwelier Jaime Ferrer 18-15 an Christoph Columbus. Es ist insofern etwas Wahres daran, als das Gold namentlich in ab­gelegenen Gegenden der Welt vorzukommen scheint, als schon von dem Jugendzeitalter der menschlichen Kultur an der Erdboden überall dort, wo sich betriebsame Menschen seßhaft gemocht hoben, eifrig noch Gold abgesucht worden ist. So waren in unserem Vaterland, welchem nach Worten des T a c i t u s Reichtum an Edelmetal­len von wohlmeinenden Göttern versagt war, nach zuverlässigen Schrifturkunden um die schlesische Stadt Goldberg herum im Jahre 1200 wahr­scheinlich 4000 Bergleute mit der Goldgewinnung beschäftigt, die wöcyentlich 63 000 Mark nach un­serem Gelbe einbrachte. Unglaublich groß sind die Menschen des schönen Edelmetalls, dos die Kulturwelt der Erde im Laufe von mehr als fünf Jahrtausenden schon entnommen und ver­braucht hat. Man denke nur an das Gold, das sich im alten Rom zur Kaiserzeit angehäuft hatte, wo goldene Gefäße selbst in den Häusern der gemeinen Bürger gewöhnliche Dinge waren und Neros Gemahlin Poppäa sogar die Hufe aller ihrer Maul.icre mit Gold beschlagen ließ. Wäh­rend des Mittelalters wurde nicht mehr so viel Gold gefördert, dann aber kam von der Neuen Welt eine wahre Flut von Gold über Europa Später traten Rußland, Kalifornien und Austra­lien nacheinander mit ihrem Goldsegen hervor. Sie wurden aber durch Transvaal in den Schat­ten gestellt, das seit mehr als fünfzehn Jahren für annähernd dreiviertel Milliarden jährlich an den Weltmarkt abgibt. Die gesamte jährliche Goldproduklion der Welt beläuft sich ebensolange schon auf 500 030 bis 703 003 Kilogramm. Trotz­dem herrscht heute in der Weltwirtschaft ausge­sprochener Mangel an Gold, und es ist feit dem Weltkrieg schon oft die Frage erörtert worden, wie lange bei der steigenden Nachfrage sein Standardvreis von 2.'93 Mark pro Kilo für den Weltmarkt und das Münzwesen noch zu haben sein wird. Ware man aber gezwungen, diesen Preis, der die Grundlage der Goldwährung bil­det, zu erhöhen, toürje damit der Preis für alle Güter ins Wanken geraten und eine Katastrophe der Weltwirtschaft eintreten. Ist doch das Gold bas allgemeine Tauschmittel im Handel und Der-

Mit Karl von Siemens schied der letzte der Brüder und ohne Zweifel der beste Geschäftsmann unter ihnen aus dem Leben. In Rußland legte er die Grundlage zum Siemensschen Vermögen, und durch feine Tätigkeit ist aus Kedabeg ein nutzbringendes Unternehmen geworden. Die G ötze des Anteils, die Karls Persönlichkeit an dem Werke der Brüder Siemens gebührt, würdigt Werners Aeutzerung in den Lebenserinnerun­gen" ^Karl war das richtige Bindeglied zwischen uns vier Brüdern, die wir eigentlich alle wesent­lich verschieden voneinander waren, aber durch die alles überwindende brüderliche Liebe während unseres ganzen Lebens zu gemeinschaftlichem Wir­ken zusammengehalten wurden."

Jahre 1880 kehrte er nach Petersburg zurück, da er unter dem keuchten englischen Klima zu leiden begann.

Als Werner im Jahre 1890 von der Geschäfts­leitung der Berliner Firma zurücktrat, übernahm Karl als Teilhaber mit feinen beiden Reffen Ar­nold und Wilhelm die Leitung des Gesamtge­schäftes. Seit Beginn des Jahres 1891 war er dauernd in Berlin, und als die Firma im Jahre 1597 in eine Aktiengesellschaft verwandelt wurde, übernahm er den Vorsitz i n Aufsichtsrat. den er aber im Jahre 1931 aus Gesundheitsrücksichten niederlegen mußte. Am 21. März 1936 starb er in einem Sanatorium zu Mentone, wo er seit dem Herbst 1935 eine Zuflucht gesucht hatte, an einer Lungenentzündung.

Mihäiys neuer Kernseher.

Von Max Fischer.

Nachdruck verboten!

Wie bereits bekannt wurde, hat einer der Pio­niere dec Ferns,h.echnik, Denesvon Mihäly, die Aufgabe gelöst, einen Fernseher für R n n d s u n k g ä si e zu schaffen, der für billiges Geld zu haben sein wird und sehr einfach zu bedienen ist. Nun möchten die Leser aber auch gern wissen, wie ein solcher Fernseher eigentlich aus'icht und wie er wirkt. Das will ich ihnen im folgenden erzählen, denn ich habe ihn gesehen und habe tat ächlich auch ferngesehen Damit wir

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Abbildung L

bestimmten Augenblick eines Ereignisses, erst einige Zeit nachdem sich dieses Ereignis abge­spielt hat, oder es zeigt ein unbewegtes Bild, z. D eine Landschaft oder ein Lebewesen, einige Zeit nach der Aufnahme. Ein solches Bild kann bann immer wieder betrachtet werden.

Beim Fernsehen ist dies ganz anders: Man will dabei ein bewegtes Bild sehen also ein Lausb ld. und zwar im gleichen Augenblick, wo dieses Bild auf dem Sender gezeigt wird. Man will gewissermaßen durch einen Draht hin-

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Abbildung 2.

Der Sender des Mihalyschen Fernsehers.

Die Lampe wirft ein Filmbild aus die Lochscheibe, aber nur ein einzelner Lichtstrahl. die strich- punklle.te Linie bringt durch ein Loch der Scheibe und huscht über die Photozelte, in der Stromschwankungen entstehen, die zum Empfänger gelangen.

uns verstehen, möchte ich zunächst noch einmal die grundsätzlichen Unterschiede zwilchen der Bild- telegraphie und dem Fernsehen auseinandersehen, da Bildtel gcaphie und Fernsehen häufig durch­einandergeworfen werden.

Bei der Bildtelegraphie wird das Bild auf der Empfangsstelle nach der Vorlage auf der Sendestelle Pur.ll für Punkt ganz allmählich ge­zeichnet ein Bild von 10x10 Zentimeter Größe in etwa 2 Minuten, und man betrachtet es erst, wenn es fertig ist. Ein telegraphiertes Bild ist ein einzelnes unbewegtes Bild wie jedes Lichtbild, das man mit einer gewöhnlichen Licht­bildkammer au'g.'nommen hat. Es zeigt einen

Der Empfänger des Mihalyschen Fernsehers.

Der Beschauer sieht im Spiegel durch ein vor- beihuschendes Loch der Lochscheibe die in ihrer tre ligkeit schwankende Glimmlampe als über den Spiegel rasenden Lichtpunkt und glaubt dort das ganze sich aus dem wandernden Punkt zusammen­sehende Bild zu sehen.

durch oder über eine elektrische Welle als Träger der S,hstrahlen etwas betrachten, genau so, wie man ein stehendes oder sich bewegendes Bild mit bloßem Auge sieht. Das Bild wird nicht auf Papier festgehalten, sondern erscheint nur beispielsweise auf einer Mattglasscheibe, genau wie im Lich.spielhaus auf bet Leinwand Sobald die Lichtquelle erlischt, die das Bild auf die Scheibe wirft, ist es verschwunden.

Bei der Bilbtelegraphie geschieht bie ilebcr- mittlung so, daß bas zu übermittclnbe Bild beim Sender auf eine Dilbwalze gewickelt wird, die z. B. aus Glas hergestellt fein kann. Ist das zu sendende Bild ein Film, also durchsichtig, so

kann man eine Lampe in die Walze fteeren, die von einem undurchsichtigen Gehäuse mit einem Keinen Loch verhüllt ist. so daß nur ein feiner Lichtstrahl herausbringt und nur einen einzigen Punkt des Bildes durchleuchtet, etwa den m der linken unteren Dildecke. Dreht man nun bie Walze fchraubenörmig, also so, datz sie auch in der Längsrichtung wandert, so durch­leuchtet man nach und nach bas ganze Bild mit dem Lichtstrahl, der so breit sein muh, daß sich der Gewindegang, den er auf dem Bilb beschreibt, unmit.elbar ne. en ben vorhergehenden Gewinde­gang legt. Ist bas Bilb undurchsichtig, so ver­fährt man ebenso, nur steckt man die Lampe nicht in die Walze, sondern erzeugt mit dem Lichtstrahl einen heilen Punkt auf dem Bild, der dann zu­rückgeworfen wird.

Je nach der Helligkeit der durchleuchteten oder vom Lichtstrahl getrogenen Bildstelle ist der hin- durchgegangene oder zurückgeworfene Lichtstrahl versch.eden hell. Er trifft auf eine sogenannte Phowzelle, durch die ein elektrischer Strom flieht, der nun je nach der Helligkeit des Lichtstrahls stärker oder schwacher toub. Dieser Strom gelangt entweder über den Draht oder auf einer elektri­schen Welle durch die Luft zum Empfänger und beeinflußt dort eine wiederum nur einen Licht­strahl aussendende Lampe, deren Helligkeit nun entsprechend ben Stromschwankungen unb damit den L chtschwankungen beim Sender genau folgt. Diesen Lichtstrahl läßt man auf lichtempiindtiches Papier oder einen lichtempfindlichen Film fallen, Die man ebenfalls auf eine schraubenförmige Walze gewickelt hat, so daß sich das Bild nach und nach aus einer Schraubenlinie zusammen- seht. Natürlich müssen die Walzen beim Sender und Empfänger genau gleich schnell laufen.

Das Fernsehen unterscheidet sich hiervon in mehrfacher Beziehung Man wlll das ganze Bild aus einmal sehen und es nicht all­mählich entstehen lassen, man will auch wirkliche Gegenstände sehen, die man natürlich nicht auf eine Walze wickeln kann, und man will vor allen Dingen auch bewegte Bilder sehen. Dem­entsprechend muh das Verfahren geändert werden. Zum Fernsehen beleuchtet man daher zweckmäßig das ganze zu übermittelnde Bild und tastet es nicht nur mit einem Lichtstrahl ab, wenn dies auch bei ausländischen Apparaten zum Teil so gemacht wird. Da man aber nicht das ganze Bild auf einmal übermitteln kann, so löst man es auf andere Weise in Streifen auf, und das macht man so: Denken Sie sich einmal ein Bild, sagen wir von 10X10 Zentimeter im Quadrat, an die Wand g.heftet und hell beleuchtet. Vor dieses Bild setzen wir eine Scheibe von etwa 50 Zenti­meter Durchmesser so mit dem Mittelpunkt in Bildhöhe, daß der linke Rand des Bildes unter dem linken Rand der Scheibe liegt. In die Scheibe machen wir am linken Rand ein kleines Loch, beispielsweise von einem Millimeter im Quadrat, so daß wir gerade die linke untere Ecke des Bildes durch bas Loch sehen. Nun drehen wir die Scheibe im Uhrzeigersinn: Wenn dann das Loch gerade über dem oberen Bild­rand steht, so haben wir offenbar während der Drehung einen Bildstreifen von einem Milli­meter Breite gesehen. Jetzt machen wir ein zweites Loch in die Scheibe, und zwar dicht üfer dem unteren Rand des Bildes, aber einen Millimeter rechts vom Rande. Wenn wir nun bie Scheibe toieber im Uhrzeigersinn drehen, so sehen wir wieder einen Streifen von einem Milli­meter Breite, aber nicht denselben wie vorher, sondern einen Streifen, der unmittelbar rechts von dem zuerst gesehenen liegt. Wenn wir bann ein drittes Loch machen, das zwei Millimeter

kehr, das zur Bewertung aller anderen Güter und Arbeitsleistungen dient.

Es gibt kein anderes Metall, das das Gold in der Weltwirtschaft ersehen könnte, unb ba auch bie Technik und das Juweliergewerbe beträcht­liche Mengen davon beanspruchen, wird das An­gebot die immer noch steigende Nachfrage auf Dem Weltmarkt nicht mehr lange decken können. Hat doch die Weltproduktion an Gold allem Anschein nach im Jahre 1915 ihren Höhe­punkt erreicht. Die Randminen Südafrikas lassen nach und sind bis auf ein Viertel erschöpft. Zwar sollen die Goldfelder Kaliforniens noch für 600 Milliarden Mark Gold enthalten, doch ist dieses größtenteils an Eisenkies gebunden, und es fragt sich, wieviel davon unter Innehal­tung seines Standardpreises noch gewinnbar ist Der Goldbergbau von Alaska und Kanada scheint noch sehr erweiterungsfähig zu fein, aber er wird kaum jemals zu einer Hauptstütze des Goldmarktes der Welt werden. Da nun die Goldausbeute Australiens seit 20 Jahren au» ein Fünftel zurückgegangen ist unb die Aus­sicht auf Entdeckung weiterer Goldfelder von großer Ergiebigkeit kaum noch zu erwarten ist, so setzt man feine Hoffnung vornehmlich noch auf die Goldfelder an der Lena in Sibirien, deren Ausbeute einen Wert von mindestens 25 Milliarden ergeben wird. Mag sich auch die Goldproduktion noch einige Jahrzehnte lang auf der jetzigen Hohe halten unb die heute der Weltwirtschaft zur Verfügung stehende Gold­menge einen Werl von 35 Milliarden Mark dar­stellen. so rückt doch der Zeitpunkt bedenklich nahe, wo das herrliche Edelmetall wie Alexander von Humboldt schon lange vorhergesagt hat wohl noch fortfahren wird, die Zierde des Wohlhabenden zu sein, aber aufhört, als allge­meines Lauschmittel der Welt zu dienen".

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In noch größere Nähe als die Erschöpfung der Lagerstätten des Goldes erscheint die der Zinnerzlagerstätten gerückt. Das Zinn kommt in der Natur fast ausschließlich als so­genannter Zinnstein vor, unb zwar noch viel mehr als das Gold in Wäschen oder Seifen. Diese bestehen aus Schutt von gewissen Urgebirgs­gesteinen, worin fich der Zinnstein auf natür­lichem Dege besonders angereichert hat, unb liegen alle nahe an der Oberfläche. Da alles Zinn ursprüng.ich als Li hiong immer gebunden erscheint, ist das Vorkommen von Zinnerzlager­stätten sehr beschränkt, und sehr viele von diesen, wie z. B die des Erzgebirges, sind bereits gänzlich erschöpft. Der Hauptzinnlieferant für ben Weltmarkt ist heute die südasiatische Halb­insel Malakka, welche lange Zeit fast die

Hälfte des zwischen 100 000 und 130 000 Tonnen schwankenden jährlichen Zinnverbrauches der Welt lieferte. Von ben anderen zinngewinnenden Gebieten finb vor allem die malaiischen Inseln Banka und B i l l i t o n, B o l i v i a, China, sowie die afrikanische Kolonie Nigeria zu nen­nen. Alle diese Lagerstätten, die von Dolivia vielleicht ausgenommen, werden nun aber, wenn ihr Abbau fo weiter geht, in gar nicht fern- liegender Zeit erschöpft sein. Und da die Ent­deckung neuer Zinndistriktc kaum noch zu er­warten ist. wird die Weltwirtschaft nur zu bald vor einer wahren Zinnot stehen. Ist doch das schone weiße Metall wegen seines vielseitigen Gebrauches zum Löten und zum Legieren mit anderen Metallen, zum Verzinnen von Eisen­blechen unb Geräten sowie zu gewissen chemischen Zwecken heute unentbehrlich geworben. Dabei ist sein Preis in ben letzten hundert Jahren auf das Vier- bis Fünffache und seit 1914 um mehr als 50 Prozent gestiegen.

Wenn ihre Ausbeutung in dem Matze wie bis­her fortfchreitet, werden auch die Nickel erz- lagerftätten der Erbe nicht mehr lange aus- halten Auch ihr Vorkommen ist sehr beschränkt, es kommt fast alles Nickel aus dem Distrikt Sudbury in Kanada sowie von der auf ralischen Insel Neu-Kaledonien. Mag es der Me­tallurgie auch gelingen, das Nickelmetall durch andere Metalle unb Legierungen zu ersehen, so wird sich doch sein Fehlen einmal in der In­dustrie höchst unangenehm fühlbar machen. Man denke nur daran, welche Rolle heute das 1751 entdeckte Metall in der Stahlindustrie, bei der Fabrikation von Geschirren und Bijouteriewaren, wie auch als Munzmetall spielt und daß der jährliche Weltverbrauch sich bis zu mehr als 30 Millionen Kilo gesteigert hat.

Es würde zu weit führen, noch von den an­deren Nuhmetollen zu sprechen, mit denen der Kulturmensch eine wahre Raubwirtschaft treibt, wie mit dem Mangan unb ben zur Herstel­lung von Ebelstahl bienenden Elementen Chrom und Wolfram. Das eine sollte man mit Alexander von Humboldt beherzigen: Eine Generation folgt in der Welt der anderen, und die Zahl der menschlichen Individuen vermehrt sich von Tag zu Tag Getreidearten und alle Tierarten de den M n ch.n zur Bahr. ng dienen lassen sich in aufeinander,olgen7en Generationen nachzüchten. Anders aber ist es. sobald wir die Grenzen des Lebens überschreiten und um Gaben anllopfen in dem von Todesstarre umfangenen Reich der Erbentiefe.

Kraftwagen und Asphalt.

Durch den Siegeszug des Kraftwagens wird bie Aerkehrslechnik immer wieder vor neue Aufgaben gestellt. So wird z. B. der Verkehr auf asphaltierten Straßen bei schwachem Regen von Jahr zu Jahr dadurch gefährlicher, daß die Gummireifen auf der sch'üpfrigen Bodenoberfläche nicht genügend haften. Nach neueren Untersuchungen beträgt der Reibungs­wert zwischen Gummireifen und Fahrbahn auf trockenem Macadam 0,67, auf trockenem Asphalt so­gar 0,71, auf schlüpfrigem Asphalt dagegen nur 0,17, auf trockenem Asphalt sogar x,wpst.5 ML 0,17, unter besonderen ungünstigen Umständen so­gar nur 0,06. Die Berliner Asphaltstraßenbauver- einigung hat sich aus begreiflichen Gründen an das staatliche Materialprüfungsamt gewendet, um fest­stellen zu lassen, warum selbst bei schwächstem Regen der Asphalt so schlüpfrig wird und warum die übliche Straßenreiniguna nicht genügt, den schlüpf­rigen Ueberzng der Asphaltstraßen zu beseitigen, während ein kräftiger Regen in kurzer alles weg- nimmt Professor Kindscher und Dr. Schöne- b e r g berichten in der Zeitschrift für angewandte Chemie über das Ergebnis ihrer im Auftrage des Materialprüfungsamtes oorgenommenen Unter­suchungen Aus einem Quadratmeter einer verkehrs­reichen Asphaltstraße liegt eine Schmutzschicht, die durchschnittlich 1 bis 3 Gramm wiegt, also außer­ordentlich dünn ist. Die chemische Untersuchung hat ergeben, daß die Schmutzmasse zum größten Teil aus Mineralölen besteht, und zwar handelt es sich sowohl um Benzin, das von den Kraftwagen her­abgetropft ist, als auch um Oele aus dem Bitumen des Asphaltes Außerdem enthält die Schmierschicht Erzeugnisse unvollkommener Verbrennung des Ben­zins, die durch die Auspuffgase auf den Boden ge­schleudert werden, ferner kleine Asphaltstückchen, Reste von Stoff und Leder, Asche aus den Schorn­steinen und tierische Abfallstoffe. Merkwürdigerweise fand man keine Kautschukteilchen, sie scheinen sehr rasch durch den Luftsauerstoff zerstört zu werden. Da die organischen Stosse zum Teil bei Gegenwart von Wasser aufquellen, so entsteht bei schwachem Regen eine emulsionsanige Schicht, die wie ein Smiermittel wirkt. Daß ein starker Regen diese Schmutzschicht soviel leichter zerstört als Leitungs wasser unb Bürste, kommt daher, daß dieses mit fei nen 1 Ibis 15 Härtegraden eine wesentlich geringere Benetzungsfähigkeit hat als das weiche Regenwafser Durch Zufügung von Soda, Wasserglas ober Na tronlauge kann man dem Leitungswasser eine gro- ßre Reinigungskraft geben. Man ist zur Zeit eifrig bestrebt, Mittel und Wege zu finden, um die asphal­tierten Straßen verkehrssicherer zu gcftalten, unb Zwar einmal badurch, daß man die Asphaltdecke künstlich rauh macht, unb dann durch Mittel zur Beseitigung jener dünnen Schmutzichicht. O. H.