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Nr. 28 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)

Samstag, 2. Zebruar 1929

wordener Völker dos

Inhaber der Grashofdenkmünze und der Dunsen- . sind 8300 bis 10 000 I Vettenkofer-Ehrentafeb Deine Vaterstadt Rheydt, geschaht worden, so daß | hie Städte Dessau und Aachen ernannten ihn I Stadt Adrianopel bere.ls

die Abwanderung an-

Wir Deutschen bon 30 Staaten DlaatSvoU in 5 in Oesterreich, in

sind allein in Europa in 21 seit alters seßhaft: wir find Staaten: im Deutschen Reich, Danzig, in Luxemburg und in sind Mitträger der Staatlich-

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ier

Außendeutschtum und Binnendeutschtum.

Don Or. Kr. König.

Diese Darlegungen des Herrn Verfas­sers knüpfen an einen Vortrag an, den er vor einigen Tagen vor der Vereinigung auslanddeütscher Studierender in Gießen gehalten hat. Der Aufsah scheint uns ein wesentlicher Beitrag zu der Frage des Winderheitenprob'.ems zu sein, das auf die Initiative Stresemonns hin bekannt­lich in der nächsten Dölkerbundstagung eingehend behandelt werden soll.

nisse« von Staaten und _____

so daß sich vielerorten der Ruf einer Reuord­nung unter volklichen Gesichtspunkten erhebt. Von der Lösung der Völkerfragen hängt der Frieden, hängt das Schicksal der abendländischen Kultur ab. Wir Deutsche sind infolge unserer

zu ziehen.

Europa ist der Erdteil, in dem sich heule in­folge der Gemengelage vieler, alter, bewußt ge- " Problem des Derhält- Völkern vor allem stellt.

Lichtenstein: wir

kett in der Schweiz, und in einer Teilrepublik

Ausstreuung über den Kontinent vor allen an­dern daran interessiert, daß eine rechte Lösung gefunden werd«. Hm unseretwillen und um der abendländischen Kultur willen, um des Frieden« und um gerechten und sittlich begründeten Völker- gerneinsc^ftSlebenS willen müssen wir diese Frage tn den Mittelpunkt unsere« DenkenS und Stre­ben« rücken. Indem wir unser Volksproblem lösen, treiben wir auch da« anderer Völker der Lösung, führen wir Europa glücklicheren Zei- trn zu. ., m

DaS historische Auge de« deutschen Volke« war vor 1918 aus das Reich vom Jahre 1870, auf die Donaumonarchie, auf das Zarenreich eingestellt. Erst als die Reich« untergingen, be­gann sich der Horizont der Deutschen, insbeson­dere der Reichsdeutschen, zur Hmfassung der Gesamwollheit zu weiten. Wir schauen heute ganz anders in den Raum und erleben ganz an­ders die Volkheit in diesem Raum, wir schauen auch ganz ander« in die Tiefe der Zeiten und finden ein ganz anderes Verhältnis zu der alten Reichsgeschichte vor 1800. zu der alten Volks- geschichte vor der Reformation. Wir kommen so endlich zu einem Raum und Zeit umspannen­den einheitlichen Bild deutschen Lebens in Ver- aangenhcil und Gegenwart. ES ergibt sich daraus eine ganz neue gern eindeutsche Der -

so heute inS Bewußtsein, daß Staatsbürgertum unb Volksbürgertum nicht dasselbe sind. Wir Deutsche insbesondere sind beiden Pflichtkreisen verpflichtet: dem einen, der aus unserer Staat­lichkeit. dem andern, der aus unserer Gesamt- vvlkheit erwächst. Wir haben daraus die Fol­gerungen sür den einheitlichen Aufbau deutschen Kulturleben« in Europa, in der Welt

eigenen deutschen Staate«. 3n ihren Raum« sind andere Völker staalsverwaltend. 6c groß nun aber auch die Wert« eigenstaatlichen Lebens sind, es hat auch seine Geiaßren, wenn die Menschen allzu scchr verstaatlichen. ES vor- kümmert leicht die Fähigkeit zur Selbsthilfe. eS verkümmert leicht das organische Gemeinschafts- bewuhtsein, es verkümmert die Anteilnahme am Volksgenossen und an seinem Los. Wir Reichs­deutsche waren aus dem Wege dazu. Die Volk­deutschen im Ausland aber sehen ganz ander«, da sie keinen Staat haben, in den organisch über­kommenen Werten des volkstümlichen Gemein­schaftslebens. das sie vor den fremdvöMschen StaatSgenossen Auszeichnende: Sprache, Gewohn­heit, Sitte. Lied. Spiel und Tracht, die eigene Schule und die eigene Kirche, all daS ist ihnen ungleich wertbetonter und schafft eine volkliche Heberlieferung, wie sie der staatSgebundenc Binnendeutsche so nicht mehr kennt. Es ist schon so: wer Volkstum als menschenverbindende Kraft­quelle kennenlernen will, der gehe hinaus zu den außendeutschen Volksgruppen: er wird bri ihnen volkstümliche Gemeinschaftswerte finden, die wir so nicht mehr haben, gerade weil wir ein so stolzes Staatsvolk geworden waren. DaS was einen verbindet, ist nicht der Staat: eS ist einfach die Tatsache, daß man ein deutscher Mensch ist. Der Hmkreis des deutschen Lebens ist noch leicht überschaubar: man erlebt daS Fremde alle Tage und legt daher um so größeren Wert auf die eigene Art: man weiß, daß die Vor­fahren einst als Kolonisten ins Land kamen, daß eS bald gut, bald schlecht ging, daß bald Krieg war. bald keiner, daß auf Zeiten der Verfolgung Zeiten der Duldung und gedeihlichen Zusammenarbeit mit den fremden Völkern folgten und umgekehrt: man hält aus. auch wenn die Zeiten noch so widrig smd, denn man weiß, daß die Sonne auch wieder einmal scheinen wird. Die Heimat des Binnendeutschen ist nicht so vom Meere fremder Völker umspült, er erlebt daher fein Volkstum nicht so bewußt, bei ihm wirken daher die parteipolitischen Gegensätze, wirkt die Großstadtzivllisatwn. wirkt das Dll- dungswesen sehr viel mehr aufspaltend. so daß gar leicht jene Atomisierung des Lebens cüntrit^ die das Individuum seelisch von der Hrsprungs- gemeinschaft löst, die Gesellschaft entseelt und daS DolkStum inS Hnterbrwußisein zurücksiicken läßt, so daß es verkümmert und jene lebenspen­dende Kraft nicht mehr besitzt.

Dazu kommt, daß die Lebensbedingun-, gen der Erhaltung völkischen Bewußtseins im ganzen günftkjer sind. Es fehlt die Großindu­strie. daher ist die alte Schichtung bet Gesell­schaft besser erhalten: man ist nicht so zwischen die Mühlsteine des hochkapitalistischen Wirt­schaftsprozesses geraten und ist daher stärker auf die natürlich« Lebensgemeinschaft hingewie­sen. Andererseits aber standen die Völker, mit denen man zusammenlebt, im ganzen auf primi­tiverer Kulturstufe: die Deutschen waren Vor­bild, sie haben ihnen die mitteleuropäische Kultur gebracht und haben ihr Leben ungemein be­fruchtet. DaS gab einem hohen volllichen Stolz. ES ist schon etwas, daß man ein Deutscher ist. und die Hmwelt in Ostmitteleuropa erkannte daS und erkennt eS auch an. Man weiß, daß man. als Deutscher Wert auf sich legen muß. damit die' Achtung erhalten bleib«. Man weiß auch, daß btej Vorfahren einst al« Frei« In ein« Welt der Hnsreiheit gezogen sind, daß man zu wert­voller Arbeit inS Land gerufen ward unb daß man wertvolle Arbeit geleistet hat. ES war kein Almosen, da- man empfing: man hat. was man empfangen hat. mit Zins unb Zinseszins zurück­gezahlt unb nimmt so, stolz und sechstbewußt, die Heimat, die man sich erarbeitet hat, für sich in Anspruch: man verlangt daher mit gutem Rechte auch heute von den Mehrheitsvöllern die Frei­heit, die die Altvordern einst besaßen. Hnd wenn uns gar manche bet deutschen Volksgruppen auch als primitiver erscheint, wie die Menschen im Reich, dies mag sie uns erst recht empfehlen. Gerade das Primitive ist für ein Volk unent­behrlich: nur der ist tn Wahrheit noch schöpferisch, der irgendwie noch primitiv ist. Wenn die Volk­deutschen im Ausland auch im ganzen zivilisa-

Die Technische Hochschule in München und die Hnioersität Gießen haben Junkers zum Ehrendoktor crnm t. Tie Gewe.b.h.chschule Cöthen ernannte chn zum Chrcnsenator, ebenso die Technische Hochschule in Aachen. Junkers ist

getreten hat. Da die wirtscha't.ichen Verhält­nisse in absehbarer Zeit sich nicht bessern werden, so ist anzunehmen, daß bet Abwan de rungs- pro.-eh auch weiterhin Fortschritte machen wird. Das Ende der alten berühmten Stadt, die als Hauptstadt des g eichnamigen Wilajets und als wichtiger Eisenbahn- und Handelsplatz eine be­deutsam« Rolle im Wirtschaftsleben der Türkei spielte, scheint damit gekommen zu sein. Denn was von Adrianopel übrig bleibt, ist nicht trid mehr als ein bedeutungsloses Dorf.

Spielhagens schauspielerisches Fiasko.

Dichtgedrängt sitzen die Zuschauer im Theater, in dem ein elendes Stück auS dem Leben Karls XII. in Szene geht. Den Helden spielt ein junger Schauspieler, der chuite zum erstenmal in einer größeren Rolle auftritt. Im 4. Auszug muß sich der Held nach einem öden Monologe eilig von der Szene zurückziehen und erschießen. Aber die Tücke des Schicksals will es, daß die Tür trotz allem Rütteln unb Schüt­teln nicht aufgehen unb dem Darsteller den Albgang ermöglichen will. Der Souffleur flüstert immer wieder: .Schuß! Schuh!": in feiner Kopf­losigkeit feuert bet sich an ber Tür abquälende Darsteller seine Pistole ab, während die Zu­schauer vor Lachen bersten möchten. AIS endlich durch einen Fußtritt die verflixte Tür geöffnet ist, muß der Vorhang fallen und mit dem begra­benen Stück auch alle Hoffnungen deZ jugend­lichen Adepten ber Schauspielkunst für immer verbacken. Hnd welche Hvflnungen, welche Ent­würfe hatte dieser Darsteller im Herzen gehegt, der schon als Schüler des Stralsunder Gym­nasiums unb später als Berliner, Donner, Greifswalber Student im Krei« seiner Freunde ein bewunderter Deflator, Literaturkenner und Dichter gewesen, Rach dem Hnglücf auf ber Dühne feiner Vaterstadt Magdeburg mußte er sich tagen, daß ihm der Weg zum Theater ebenso verbaut war. wie so manch? and«.en Wege. Mo er früher eingeschla en hatte. Rirmand konnte ahnen, daß dieser verunglückte Schau pieler Friedrich Spielhagen kur-« Zeit daraus mit dem Lorbeer des Dichters gekrönt wurde. Seinen Weg und seine Bedeutung für unsere Gegenwart zeichnet Dr. Hans Henning im Februarhest von Delhagen & Klasings Monats­heften.

zum Ehrenbürger. Fast mehr als alle diese Ehrungen bedeutet es aber, daß ber Rame Junkers im Herzen de« deutschen Volkes ge­radezu zu einem Begriff für ein Flugzeug ge­worden ist. wie man den Ramen Zeppelin mit dem Begriff deS Luftschiffe« verbindet: Wie der Rame Zeppelin, so wird auch bet Rame Junkers in ber deutschen Luftfahrt auf ewige Zeiten weiterleben.

Oer Untergang einer großen Stadt.

Durch den Friedensvertrag von Lausanne vom 14.3uli 1923 ist die uralt« türkische Stabt

Abrianopel zum Hntergang verdammt wor­den. Dadurch, daß ber Friedensvertrug ohne jegliche Rücksichten auf die wirtschaftlichen Rot- wendialeiten des betroffenen letzten Restes ber türkischen Bef Hungen auf europäischem Boden ge­schlossen wurde, und die Stadt dadurch von ihrem Hinterlande volllommen abgetremnt worden ist, ist sie langsam dem wirtschaftlichen Tode entgegen gegangen. Der Handel mit der Türkei ist durch die schlechten Verkehrs- und Grenz- bebingungen vollkommen lahmgelegt und mit an­deren Ländern durch hohe Zölle erschwert. Da die Mittel nicht vorhanden stnd, kostspielige Eisen­bahnverbindungen zu schaffen, di« Grenzregelung dies auch nicht zulassen würde, stnd die Be­wohner ber Stadt auf den Gedanken gekommen, auszuwandern, unb zwar auf eine der Stadl gegenüberliegende Stelle lenseits der griechischen Grenz«, wo die neu« Stadt Altun Karagatsch erbaut wird. D.e Wirkung des Vertrages von Lausanne auf die Entwick.ung bet Stadt Adria- nopel läßt sich aus der Tatsache erkennen, daß die Einwohnerschaft in den letzten fünf Jahren von 120000 auf 30000 zurückgegan- gen ist. Das benachbarte griechisch« Thrazien Lag?gen, wo die neue Stadt gegründet wird, erfreut sich eines beträchtlichen Wohlstandes und eines gewaltigen Zuflusses von Menschen. die sich hier eine neue Heimat suchen. Da hier Häuser seh en, in Adrianopel solche jedoch überflüssig sind und leer stehen, so ist man auf den Ausweg ge­kommen. solche aufmaufen, abzureißen und nach Griechenland zu verfrachten, wo sie zum Aufbau der neuen Stadt dienen. D.sher sind 8000 bis 10 000 Häuser über die Greiz« ' 'i ein großer Teil der

Professor Dr. Hugo Zunkers.

Zu seinem 70. Geburtstage.

Don Ingenieur Karl Gkowronnek.

Rachdruck verboten I

Der Rame Junkers hat heute Weltbedeu­tung erlangt. Der große Qimeritaflug von Haupt­mann Köhl, die Wellhöchst eistung im Dauer- flug und zahlreiche andere Spitzenleistungen in ber Flugtechnik in den letzten Jahren sind mit dem Ramen Junkers verknüpft.

Hugo IunkerS wurde am 3. Februar 1859 in Rheydt im Rheinland als Sohn eines Weberec- besitzers geboren. Seine erste Ausbildung er­hielt er in Barmen und besuchte dann die dor­tige höhere Gewerbeschule. 1878 bestand er die Reifeprüfung: an den Technischen Hochschulen tn Berlin, Karlsruhe und Aachen studierte er bann Ingenieurwissenschasten und Maschinenbau. 1883 wurde er Regierungsbauführer.

Der Diertaltgasmowr Ottos und der tn feinem Examensjahr von Daimler erfundene schnell- laufende Gasmotor regten ihn besonders auf Veranlassung von S 1 a b y an, auf diesem Ge­biete hochwertige Leistungen mit geringem Auf­wand anzustreben. Hierzu gründete er zusammen mit Oechelhäuser im Jahre 1889 eine Ver­suchsanstalt für Saskraftmaschinen. Zum Stu­dium ber Wärmewirkung beim Verbrennungs- Vorgang in diesen Motoren erfand er einen Wärmemesser, den er auch zur Prüfung anderer Wärmevorgänge verwendete. Dies führte chn z. D. Äur Schaffung seines bekannten Gasbade­ofens. der in wärmetechnischer Hinsicht das höchste Maß von Wirtschaftlichleit erreicht.

Wegen seiner wärmewirtschaftllchen Arbeiten erhiell Junkers im Jahre 1897 einen Ruf als Professor an die Technische Hochschule in Aachen. Während seiner vierzehnjährigen Tätigkeit schuf er unter anderem den Doppe.kolb' Jnctor, einen Viertaktmotor, bei dem zwei Kolben durch die VerbrennungSgase auseinander getrieben wer­den. Der Vorteil dieses Motors besteht darin, daß der Wärme- unb bamit ber Arbeitsverlust durch Wärmeabgabe an den Zylinderboden ver­mieden wird. 3n einer Werrstätte in Magde­burg später in Dessau wurden bann Mo­toren von kleinen schnellaufenden achtpferdigen Maschinen an biS zu Großleistungsmaschinen von

mit ihr Wesen, ihre Gemeinschastskultur unb hebt sie dadurch doch auch wieder deutlich von den Dinnendeutschcn ab. Aus dieser Sonderlage. aus dieser Sonderkultur erwächst aber gerade ihre Bedeutung für das gesamtdeutsche Leben. Was ist eS mit dieser Sonderlage?

Da ist vor allem eins: fie entbehren be«

Sowjetrußlands: in ber Wolgarepublik: wir sind MinderheitSvolk tn 14 Staaten, in Belgien, Frankreich, Italien. Jugoslawien. Ungarn, Ru­mänien, Tschecho-Slowakei. Polen, Litauen. Lett­land. Estland. Sowjetruhland. Dänemark, wobei wir von dem zu einem westgermanischen Sonder- Volk gewordenen Holländertum unb den Blamen Belgiens und Frankreichs absehen wollen. Das deutsche Volk ist eine all diese Staa­ten ÜberwölbendeGesamtpersönlich- keit. Wir werden nie in einem Staate zusam- menlcben können, wir werden aber eine über­staatliche kulturelle Volksgemeinschaft fein kön­nen. im Volkstum und daher im Geistig-Seelischen verbunden. ES will so scheinen, als ob sich heute

der Staatenwelt gegenüber die Völker auf recken unb um Gemeinschaftsformen ringen, die ihnen die Einheit ihrer kulturellen Volkspersönlichkeit auch über die staatlichen Grenzen hinweg gr Währleisten. Der Staat ist eine Realität, abi auch die Volkheit ist eine Realität: beide bin- den. beide verpflichten die Menschen. ES bringt

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Madrid, Januar 1929.

Im glücklichen Lande Spanien schlummert bte Politik, es gibt keine Ministerkrisen, es gibt keine Unruhen, es gibt im Grunde gar nichts Aufregern des wenigstens für die große Masse des Volkes denn General Primo de Rivera hält über allem feine Hand und sorgt für alles. Seit fünf Jahren, feit dem Staatsstreich vom September 1923, lassen de Spanier sich willig und gefügig regieren und fühlen sich dabei besser als in ber unruhigen Cortez-Zeit. Aber Primo de Rivera ist nicht ber Mann, der untätig fein kann, und da die reine Po­litik schweigt, so soll Spanien um so mehrauf kulturellem Gebiete leisten. In ber Tat wird das Jahr 1929 ganz besonders die Aufmerk­samkeit der Welt auf Spanien lenken. Binnen we­nigen Wochen wird In Barcelona die Weitaus- fteUung und in Sevilla die iberocimerikantsche Ausstellung eröffnet werden. Auf Veranlassung Primo de Riveras sind Einladungen an die Mit­glieder des Dölkerbundsrates und an die beim Völ­kerbund akkredidierten Journalisten ergangen, als Gäste Spaniens zuerst die Hauptstadt Madrid zu besuchen um bann auf Staatskosten nach Barcelona unb nach Sevilla geführt zu werben.

Das, was Spanien auf den beiden Ausstellungen geleistet hat, ist wirklich vewundernswert. Man will dort die Käufer und die Verkäufer dreier Erdteile auf einem großen Markt der Industrien und der Technik sehen. Ueber 100 Millionen Mark sind ver- ausgabt worden, um aus dem Montjuichpark ein prächtiges Ausstellungsgelände zu schaffen, darüber hinaus sind ungezählte Summen ausgeworfen, um Barcelona mit allen modernen Mitteln des Der- kehrs und der Fremdenindustrie auszustatten. Die Plaza Catalufia* wird zu einem prunkvollen Der- kehrszentrum, die Untergrundbahn wird vervoll­kommnet und verlängert. Ganze Stadtteile werden untertunnelt kurz, Barcelona, das schon heute die größte Stadt am Mittelmeer mit ihrer etwa einen Million Einwohnern und die größte Handelsstadt Spaniens ist, wird nun wirklich Großstadt. Ganz neue Riesenhotels werden errichtet, um den erwarteten Massenzustrom an Gästen aufnehmen zu können.

Leider aber ist Spanien kein billig es Land, und roenn auch am 12. Dezember des Vorjahres ein königliches Dekret veröffentlicht wurde, das, um die Besucher vor Ausbeutung zu schützen, eine Er­höhung ber Preise in den Ausstellungsstädten über ^50 Prozent hinaus untersagt und schwere Strafen für die Uebertreter vorsieht, so ist der Trost nur gering, denn schon die Normalpreise sind bedeu­tend höher als in Deutschland, zumal wenn man die ortsüblichen, reichlich mit Knoblauch gewürzten und in Del gesottenen Speisen nicht ver- tragen kann, und wenn man Anspruch auf ein nach nordländischen Begriffen gut möbliertes Zimmer erhebt. Die großen Hotels sind auch ohne den Auf- schlag von 50 Prozent sehr kostspielig, dafür aller- dings auch sehr luxuriös mit vortrefflicher Verpfle­gung. Ohne Extraausgaben wird man dort wenig­stens 100 bi» 150 Pesetas täglich pro Person (eine Peseta gleich etwa 70 Pfennige) brauchen. Die mittleren Hotels sind billiger, jedoch auch dort kostet die Pension ohne den Ausstellungsausschlag 24 bis 30 Pesetas. Dazu kommt, daß die Trinkgelder in Spanien höher als in Deutschland bemessen werden: üblich sind etwa 20 v. H. der Rechnung.

Die Weltausstellung in Barcelona zerfällt in drei Hauptabteilungen: 1. Industrie, Handel und Land- wirtschaft: 2. Altertumskunde und schöne Künste: 3 Sport. Dazu kommen zwei Sonderabteilungen: 1. Die Missionen und Geschichte der Missionen unb

bundenheit". Die Deutschen außerhalb des Reich« erscheinen uns daher nicht mehr als wertlose, zum Untergang verurteilte Dtaspora. sie sind unsDeutsche schlechtweg mtt beson­deren Ausgaben in ber deutschen Entwicklung .

Die Außendeutschen sind aber in anderer Lage wie die Dinnendeutschen. Diese bestimmt 6000 Pserdestärken gebaut unb nahmen ihren Weg in alle Teile der Erde.

Im Jahre 1910 nahm Junkers ein grund­legendes Patent auf dem Gebiete des Flug- wesens. In diesem Patent beschreibt er etn Flugzeug, in dem die ganze Rutzlast unb auch die Motoren in den Flügeln untergebracht sind, eine Bauart, die ja auch Rumpler für fein Riesenflugzeug verwenden will. Der Hauptzweck, den er dabei verfolgte, war die Verringerung des Luftwiderstandes unb auch bte Zugänglichleit der Motoren während des Fluges. Er entschied sich dazu, Flugzeuge ganz auS Metall zu bauen und kam so zu ihrer Herstellung aus Duralumin, ein Schritt, der für die Flugzeugherstellung ber ganzen Welt vo.bckdlich geworden ist. Was mit diesen Flugzeugen geleistet wurde, braucht hier nicht berichtet zu werden: Es ist in frischer Er­innerung. Den Besuchern der Internationalen Luftfahrt-Ausstellung im vorigen Jahre in Ber­lin wird gerade ber Besuch des Junkers-Standes ein Erlebnis besonderer Art gewesen fein.

Mehr als ein Drittel der jetzt täglich im Welt­luftverkehr geflogenen 6000 Kilometer werden von Iunlersflugzeugen zurückgelegt. Hngeheures hat der Deist dieses Mannes für die Menschheit geleistet. Es sei z. D. daran erinnert, daß das große Flugzeug G 31 im Jahre 1927 große Mengen von Impfstoff zur Bekämpfung einer Choleraseuche in drei Tagen von Deutschland nach Persien gebracht hat. Hnzähligen Menschen ist dadurch das Leben gerettet worden. In Reu- Guinea bringen die Iunkersflugzeuge das Gold von den 3000 Meter hoch gelegenen Goldfeldern in einer Stunde an die Küste unb befördern auf dem Rückwege Maschinenteile, Lebensmittel uto. in den Goldbezirk, während diese Beförderung früher ungefähr drei Wochen dauerte. Was Iunkersflugzeuge für di« Volkswirtschaft durch die Schädlingsbekämpfung in den Wäldern und durch Vereinfachung der Kartenherstellung durch Luftbilder leisten, ist von gewaltiger Bedeutung.

Weltausstellung in Barcelona

Don unserem W^Beridjterftatiet.

2. das spanische Volk tn seiner Kulturentwicklung, in seinen Sitten unb Gebräuchen. Alle diese Abtei­lungen haben Ausmaße, die ins Gigantische geben, und die auf ber Höhe der Weltentwicklung stehen. Für die Sportabteilung ist eins ber schönsten Stadions in Europa errichtet worden, der Pa­last der Schonen Künste sucht seinesgleichen auf der Welt, an der technischen und maschi­nentechnischen Abteilung beteiligen sich alle Länder, auch das Deutsche Reich steht im Wett­bewerb. In ber besonderen spanischen Abteilung soll versucht werden, dem Auslande einen richtigen Be­griff des spanischen Dolkslebens zu geben, man will der romantischen, aber falschen Carmen- Legende ein Ende machen, man will das Volk zei­gen, so wie es lebt, arbeitet und oorwärtsstrebt. Die Weltausstellung steht unter der Leitung eines Ehrenausschusses, dessen Vorsitz König Al­fonso XIII. führt, und dem Mitglieder der Re­gierung unb ber Stadtverwaltung von Barcelona angehören. Diesem Ehrenausschuß untersteht ein Ausstellungsdirelwrium mit dem Bürgermeister von Barcelona an ber Spitze, bas wieder ein ausfüh­rendes Komitee ernannt hat. Die ausländischen Aus­steller find den spanischen gleichgestellt unter der Bedingung, daß sie sich den Vorschriften des Aus­schusses unb ber Gerichtsbarkeit der Tribunal« von Barcelona unterwerfen.

Barcelona ist die Hauptstadt Katalo­niens, ber Induftrieprovinz Spaniens. Dort fin­den etwa 150 000 Arbeiter in den 3?tilfabriten Anstellung. Der Wert der jährlichen Produktion be­trägt etwa eine Milliarde Pesetas. Di« Umgangs­sprache eines großen Teiles der Bevölkerung Ka­taloniens ist nicht das Spanische, sondern bas Ka- talonische, b. h. die Sprache ber Troubadoure, die Langue b'oc". Madrid und Barcelona haben oft Fehden auszukämpfen gehabt, ja es hat sich sogar häufig eine separatistische Bewegung be­merkbar gemacht, unb nod> vor zwei Jahren plante der katalanische Separatistenführer, Oberst Macia, von Andorra aus einen abenteuerlichen Feldzug gegen Kastilien, um sein engeres Vaterland vom Madrider Joch" zu befreien. Wenn aber heute die separatistische Bewegung nicht ernst genommen zu werden braucht, so bestehen doch weitgehende re­gionale Bestrebungen, denn der Charakter der Katalanen und ihre Lebensweise unterscheiden sich sehr mertlid) von denen ber übrigen Spanier. D>e Besucher ber Weltausstellung werden demnach, um einen richtigen Eindruck von Spanien zu erhalten, sich nicht auf einen Besuch von Barcelona allein beschränken dürfen. Don Madrid trennt sie eine Nachtfahrt Im Schnellzuge, Valencia erreichen sie in wenigen Stunden unb von bort ist e» ganx nah nach den herrlichen Oartenpflaruungen bei Murcia und Olifante und nach Den Dattel- palmenhainen bei Elche. Aber auch die Eisen- oahnen in Spanien sind nicht billig, um so weni­ger, weil fast alle Schnellzüge nur erste Klasse füh­ren unb weil eine Steife in ben langsamen söge- nannten Postzügen im allgemeinen wenig emp­fehlenswert ist. Barcelona ist allerdings vom Aus- lande schneller als Madrid zu erreichen von Marseille nach Barcelona sind es nur zwölf Stan- den Fahrt aber die vielen Spanienvesucher, die im Ausstellungvjahre erwartet werden, können sich den Preis der Fahrkarten bedeutend ermäßigen, wenn sie an ber Grenze einen sogenannten Kilo- meterschein losen, ber bei Rundreisen eine sehr große Ersparnis gewährt. Die Dauer ber Weitaus- ftellung ist auf ein Jahr berechnet, ebenso bie ibero- amerikanisch« Ausstellung am Guadalquivir in Sevilla. Dieses Jahr will Primo de Rivera zu einem Festjahr für Spanien gestalten.