et auch im *3enteren glich, rst Drrt*ve vergessen, Don ihm erzählte man, daß er ,ich bei bet Schlußszene feine« letzten Films ,Der tanzende Tor" schossen habe. Die Rolle schrieb diesen Ausgang vor und man soll die Szene zu Ende gedreht haben, ohne zu ahnen, daß sich da eine echte Tragödie abspielte. Max Lindner, der fesche Pariser Lustspielhell), fiel ten Rauschgiften sum Opfer, das gleiche Schicksal teilte die be- üebtc Grete Lund.
Das sind aber, ausgenommen Eva Moy. deren Selbstnrord vielleicht noch in Erinnerung tft, !üe einzigen, von denen man weih, was aus ihnen geworden ist. Tie vielen anderen — sie find untergetaucht In der grohen Masse und niemand fragt nach ihnen. Wer tentd noch Hedda Vernon die liebliche Blondine, entzückend als Lady Godiva, die als Beitel durch die Strahen citt, nur bedeckt von der Fülle ihres Haares? 'ZSer besinnt sich noch der bezaubernd charmanten Esther Earenna? Sie war schauspiele- risch großartig i?. ihrsn Fllm ^Wenn C-olvrnbiire winkt". Sascha Gura, die schone mondäne Frau, Edith Podzka mit dem wunderbar ruhigen Gesicht, sehr eindrucksvoll im ^Para- dies der Damen" nach dem Roman von Z o l a, aber sonst nie mehr gesehen. R i a 3 e n bc, die temperamentvolle Raive, Gertrude Welker, die Gräsin Toldt in .Dr. Machuse", ® er - Hard Staut mann, Martha Orlando. Lu Sy n d und viele andere — sie <tfte sind verschollen. Keine Chronit erzählt vo» ihrem Leben, niemand weist, wo sie blieben.
Bor ein paar Jahren starb Viktor Plagge, einer der bekanntesten deutschen H-ilm- fomiler, aber auch er wird nicht lange mehr in der Erinnerung der Rachwelt leben, und wenn heute auch noch Hunderte von Frau«r um bat Tod des schönen Rudrif Valentino trauern, der einer tückischen Blinddärmentzündring erlag, so wird es d)ch nicht mehr lange dauern, bis auch sein Rame verblaßt, bis auch fein Ruhm von einem noch gr 5 ter en überschattet tofcb. Lassen wir neidlos federn Fibnmimen seine Berühmtheit und freuen wir uns der Sonne, die seinem Leben leuchtet — die Leinwand ist eine Dell des grmu- diosesten Aufstiegs, aber auch eine Wetz, in der eä fein Erinnern gibt und keine Treue.
Das hessische Gteuervorauszahlungsgeseh für 1929.
3m Regierungsblatt Rr. 24 vom 20. Dezember 1928 ist das neue Steuervorauszab- lt-ngsgesch zur Beröflentlichung gelangt 3m Hinblick darauf, daß damit zu rechnen tz't, dost zu Beginn des Rechnungsjahres 1929 die Landes - steuerbescheide noch nicht zugestellt fein werden, erschien der Erlast dieses Gesetzes auch mr das neue Rechnungsjahr notwendig, da sowohl die Staatskasse, tote auch die Gemei rdrkasfey eine Stockung in den Steuercingängen nicht vortragen. Wegen der einheitlichen Erhebung ist auch die Grundsteuer in das System der DorapSzah- dingen einbezogen worden.
DaS neue Gesetz schließt sich eng an das vor- jährige an. Demgemäß bestimmt e3, dah bis zur Aufteilung der Landes st euerbescheide über Grundsteuer. Svndergebäudesteuer und Gewerbesteuer für daS Rechnungsjahr 1929 Vorauszahlungen zu leisten sind nach den für daS Rechnungsjahr 1926 zuletzt festgesetzten Best euerungSgrundlagen und Steuersätzen. Soweit bis zur Zustellung des Steuer- vvrauszahlungsbeschrides die ©etoerbefieiter nach den Vorschriften des Gewerbesteuergesetzes für 1928 vom 10. Wai 1928 veranlagt ist, tritt an die Stelle der nach den obengenannten 'Berech- mingsgrundlagen zu ermittelnden Gewerbesteuer- Vorauszahlungen eine solche in Hohe ber für 1928 veranlagten Gewerbesteuer, lieber die zu entrichtenden Steuervorauszahlungen erhält ber Steuerpflichtige, wie im Vorjahre, einen schrist- llchen Steuerbescheid.
Da für die Gemeinden und Kreise nicht Steuer- Vorauszahlungen, sondern vorläufige Steuer« in Frage kommen, so gibt das Gesetz in Artikel 6 die Ermächtigung, dast die Gemeinden. Kreise und Provinzen berech i:t sind, für das Rechnungsjahr 1929 bis zur Zustellung der endgülligen Steuerbescheide tie Grundsteuer. Sondergebäudesteuer und Gewerbesteuer vorläufig nach den für die StaatssteuervorauSzohlun- gen vorgeschriebenen Besteuerungsgrundlagen zu erheben, wobei Artikel 1 Absatz 1 Satz 3 keine Anwendung findet. Der Höchstsatz für die Oon» dergcbäudesteuer, die Gemei nden und Gemci.rde- veroände zusammen erheben dürfen, beträgt wie im Rechnungsjahr 1928 77 Pf. je 100 Mark Friedenöwert. Auch für dir gemeindliche Grmck> und Gebäud.steuer gilt toi :bcr dieselbe Sperr- bestimmung, dast eine Genuiidr die ©tcuertoertc des Grund- und Gebäudebesitzes mit höheren Ausschlägen als 15 Reichspfennig je 100 Mark Steuerwert der Gebäude und Bauplätze und 30 Pf. je 100 Mark Steuerwert des land- und fvrstwirtscha tlich genutzten Grundbesitzes nur dann belasten darf, wenn sie zusammen mit den Ge- meindeverbänden an vorläufiger S ndergebäude- fteuer den obengenannten Höchstsatz von II Pf. erhebt.
Während die Gewerbesteuer für 1928 endgültig zu veranlagen ist, hat es hinsichtlich der G r u n d- steüer und Sondergebäudesteuer für 1928 bei den Vorauszahlungen sein Bewenden. Der Art I bestimmt daher, dast die staatliche Grundsteuer und 6o a b :r geb äubefteuer für 1928 abgegollen sind durch die Gablungen, tte auf Grund des Steuervorausza)lungsgefetzes für daS Rechnungsjahr 1928 zu triften waren. 'Diese Bestimmung kann durch bit zuständi 'en Mini- sterien entsprechend für dir kommunalen Steuern für anwendbar erklärt werden.
Es wäre im Interesse nicht nur des Staates und drc Gemeinden, sondern auch im Interesse aller Steuerzahler dringend notwendig, dast endlich dieses System der Vorauszahlungen einmal a u f h ö r e n würde. Wir man aus zuverlässiger Quellr erfährt, ist aber mit ber Einführung der neuen Einheitswerte für die Üanbcs» steuern nicht vor dem Jahre 1931 zu rechnen.
Daten für Mittwoch, 2. Januar.
Sonnenaufgang 8.05 Uhr, Sonnenuntergang 16(13 Uhr. — Mondaufgang 0 Uhr, Monduntergang 11.51 Uhr.
1582: Eröffnung der Universität Würzburg: — 18d8: der Schauspieler Joseph Kainz zu Wiefelburg In Ungarn geboren (gestorben 1910), — 1861: der Schriftsteller Wilhelm Dölsche in Köln geboren; — 1921: der Maler Franz von Defregger in München gestorben (geboren 1835).
Die Jagt) im Januar.
Die großen Schlachten in Wald und Feld sind geschlagen. die Haupterntezeit des Weidmannes geht mit der Jahreswende ihrem Ende entgegen. Die jagdlose Zeit beginnt Die meisten Durchschnitts, jäger sehen ihre Tätigkeit als beendet an. Die Waffe wandert in den Schrank, um nach Wochen vielleicht, wenn die Schnepfe streicht, oder wenn es dem roten Bock gilt, wieder herausgeholt zu werden. Das sind nicht die Weidmänner von denen es beißt:
Doch wer sich ergötzet an Wild und an Wald. Auch wenn es nicht blitzet und wenn es nicht knallt. Und mer noch hinauszieht zur jagdlosen Zeit, Wenn Heide und Holz sind vereist und verschneit, Wenn mager die Aesung und bitter die Not, Und hinter dem Wild einherschleicht der Tod, Und wer ihm bann wehret, ist Weidmann allein. Der .<)lgcr, der Pfleger kann Jäger nur sein.
Der Dezember hat uns den ersten Schnee ge^ bracht War er noch kaum von nachteiliger Wirkung für das Wild, so konnte er eine Warnung sein an den Säumigen, daß nun bald Herr Hartung, der gestrenge Januar, sein Regiment führen werde. Und so wird es die Haupttätigkeit des Beständers bleiben, sein Wild vor Not zu bewahren. Ausreichendes und fleißiges Füttern wird ihm später reich gelohnt werden. Hat er keine Fütterungen angelegt, so gehe er zur Schneezeit wenigstens hinaus und reche Stellen frei, wo die Heide wächst oder schlage mit dem Standhauer da und dort Weichholz ober veranlasse den Dbftpfleger, dah Obstreisig, das beim Pflegen der Bäume abfiel, draußen liegen bleibt. Alles wird dankbar angenommen. Mitte! und Wege zur Wildpflege gibt es genug, auch ohne große Kosten, wenn nur das Gefühl dafür und ber Wille vorhanden find.
Wenn auch der Jagdschein wieder mehr und mehr ! Schonzeit zeigt, so ist deswegen noch Gelegenheit ! zur Iagdausübung genug geboten.
Im Rotwildrevier gilt der Abschuß dem Kahl- wild und geringen Kalbern sowie schlecht veranlagten Hirschen.
Die Jagd auf Schwa rzwild wird fortgesetzt und jede Neue zum Kreisen benutzt.
Das Rehwild hat Schonzeit
Hasen treibjagben finden noch bis Mitte des Monats statt. Dann hat auch Mümmelmann wieder Ruhe. Der Hauptabschuß ist zu Ende und der Abschuß im Januar sollte, wie das meist auch geschieht, tunlichst eingeschränkt werden.
Der Frost im Dezember hat uns starken Zuzug von Enten gebracht, die sich an den offenen Stellen fließender Gemässe^ in großer Zahl ein- finden. Auch Gänse find'als seltene Gäste auf= getreten. So vermag die Wasserjagd dem Jäger noch manche Jagdfreude in Aussicht $u stellen.
Bor allem aber gilt die Winterjagd jetzt dem Raub wild. Sein Balg ist nun, nachdem wir eine Frostperiode hinter uns haben, vollwertig geworden.
Der Fuchs beginnt Mitte des Monats zu ranzen. Dann steckt er häufig im Bau, aus dem ihn der schneidige Erdhund vor die Flinte bringen kann. Da er auch die Baue gern auf ber Suche nach der Fähe absucht, kann der Ansitz am Bau morgens oder abends zum Erfolg führen. Ebenso kann man ihn ein kreisen und bann versuchen, ihn auf dem bekannten Wechsel zu strecken.
Auch anderes Raubzeug, wie z. D. unsere Marder, können in ähnlicher Weise bei einer Neuen bestätigt werden. Das weiße Leinentuch der Erde zeigt dann leicht, wo das Gelbkehlchen aufbaumte, um einen hohlen Baum anzunehmen, oder wo es ein Krähen- oder Eichhornnest bezog oder sich unter einem Holzstoß steckte.
Mausepfeifchen und Hasenquäke sollten jetzt stete Begleiter im Revier fein. Denn sie wirken auf alles Raub wild. Auch die Luderhütte muß nun zum Erfolg führen.
Neben Wildpflege und Iagdausübung darf der Jagdschutz nicht fehlen. Angenehme Nachbarn versuchen, Wild zu sich herüber au kirren, Wilddiebe jagen in mondhellen Schneenächten und zehnten die aufgebaumten Fasanen. An den Dorfgärten warten Schlingen in Hecken und Zaunlücken, oft auch die Flinte hinter dem Fenster. Der Beständer ober Jagdschutzbeamte, der jede Nacht im warmen Bett ober im Wirtshaus zubringt, merkt davon nichts. Aber der Schnee weiß mcmd}es Lied von zwei- und vierbeinigem Raubzeug zu fiingen, Drum sollte der Jäger keine Neue ungenutzt lassen. Sie zeigt ihm sein Revier, als blicke er in ein aufgeschlagenes Buch.
Im Januar kommen auch die ersten Jagdverpachtungen. Was helfen alle persönlichen Anstrengun- gen, Entsagungen und Opfer Derer, die ev mit ber deutschen Jagd gut meinen, wenn immer noch Jagden auf Zeiten verpachtet werden, di» zur Hebung einer Jagd zu kurz sind. In sechs Jahren kann eine abgeschossene Jagd nichts werden. Neun Jahre müßte die Mindestzeit fein, zwölf Jahre wäre noch besser. Die Jagd ist ein Stück Vermögen des Verpächters, das der Pächter verwaltet. Es kann der Gemeinde u. E. nicht einerlei sein, wie dies geschieht. Hat der Pachtlustige die Aussicht, das Revier länger zu bekommen, so wird er gern mehr dafür ausgeben und mehr Dafür tun, als wenn er sich einer zu kurzen Pacytzeit gegenübersieht. Jagden von zu kurzer Pachtbauer find nur für Schießer da, die eine Jagd pachten, möglichst rasch in Grund und Boden ruinieren und dann nach Ablauf ber Zeit ein neues Feld ihrer Tätigkeit suchen, ber Gemeinde ein leeres Revier zurück- lassend, für das niemand etwas gibt. Die Interessen der weidgerechten Jägerei und ber Gemeinden gehen Hand in Hand. Wann wird man das in letzteren einmal einsehen?
Hubertus.
Gängertag des Gängerbundes ^Mittleres Niddatal".
# Ober-Widdersheim. 1. 3ani Dieser Tage sand hier Im Saale von Ferdinand Weis der diesjährige ordentliche Dertretertag des Sängerbundes ,M ittlere- 21 i b b a- t a l" statt. Aach einem Bcgrüßungschor durch den Gesangverein .Eintracht" und den Willkommen- grutz durch dessen Vorsitzenden, Steinbruchbe- siher A i ck e i dahier, erstattete der Dundesvor- sitzende. Lehrer Lentz von Geih-Aidda. den Geschäftsbericht. Dem Bunde gehören nun zehn Vereins an: B-ellrmtth. Blofeld, Dorsdvrs. Dauernheim, Fauerbach. Geitz-Aibda. Ober-Wid- dersheim, Ranstadt, Steinheim und Wallemhau- sen. deren. Vertreter sämtlich anwesend waren. Die Zahl der Sanger hat sich im Geschäftsjahre nur unmerklich erhöht: sie beträgt jetzt mehr als 300. Im Berichtsjahre wurden zwei Sängertage, zwei DvrstcnÄssihungen, ein Dirigententag und ein Dundessinaen zu BorSdors abgehalten, das ganz im Zeichen des großen Tonmeisters Franz Schubert stand. Es wurden verschiedene Mißstände gerügt, die sich dort gezeigt hatten. Rach den gefaßten Beschlüssen sollen in Zukunft Kinder unter 14 Jahren keinen Zutritt £u Dun- desveranstaltungen haben und alle Vereine künftighin mit ihrer vollen Sangerzahl an den Massenchören sich beteiligen. Es hat sich erneut gezeigt, daß der Bund in dem Bestreben, in chor- technischer Hinsicht die Stiftungen zu heben und auf eine gute Chorwahl hinzuwirken, auf dem besten Wege nach vorwärts ist. Bei der Rechnungsablage konnte der Dundesrechner Fleischhauer (Gciß-Aidda) seiner Freude Ausdruck geben über den pünktlichen Eingang der Bundesbeiträge. Der Kassenbestand beläuft sich bei einer Einnahme bzw. Guthaben von 588,95 Mk. und einer Ausgabe von 219,78 Mk. auf 369,17 Mk.. welcher Betrag nach Abzug von 50 Mk. Betriebskapital zinstragend angelegt wurde. Da der Bund im kommenden Jahre auf sein 20j ahriges Bestehen zurückblicken kann, soll ein Bundesfest in größerem Ausmaß mit Wertungssingen abgehalten werden. Wegen der vorhandenen Räumlichkeiten wurde Dauernheim das Fest übertragen, das am 26. Mai 1929 erfolgen soll. Der Vorsitzende gab bei diesem Punfte d:r Tagesordnung in gedrängter Form das Wichtigste aus der Geschichte des Bundes bekannt, der sich am Gründungstag, 10. Januar 1909, zum Wahlspruch „Singet“ ausgesucht habe. Jedem Verrin wurde aufgegeben, einen Pflichtchor und einen Chor nad) freier Wahl, der ein Volkslied ober volls- tümliches Lied fein muß, vorzutragen. liebet die Zahl dec Werter und die sonstige i Bestimmungen soll der Bundesvorstand entsprechende Beschlüsse fassen. Man war jedcch der Meinung, einen erfahrenen Praktiker, der auch den finan» ziellen Verhältnissen des Bundes gerecht wird und möglichst in feiner Organisation ist, zu bestimmen. Aus Anlaß der Dundesjubelseier soll eine Ehrung verdien ter Mitglieder und älterer Sänger stattfinden-, es wurde mit großer Mehrheit beschlossen, allen Sängern der Bundes-Gründervereine, die 20 Jahre ununterbrochen im Dienste des deutschen Liedes gestanden haben, und bei den übrigen Vereinen, die nachträglich dem Bunde beigetreten sind, alle treuen Sänger und Mitglieder mit mehr als 35jähriger Dereinszugehörigkelt, mit einer Gedenkmünze auszuzeichnen- Mit Rücksicht auf das ansehnliche Dundeevermögen wurde der Bundesbeitrag auf nur 30 Pf. je Sänger festgesetzt. An dem früher gefaßten Beschlüsse der Gleichbehandlung aktiver und passiver DereinSmitglieder soll auch
weiterhin festgehalten werden, wenn für letztere der DundeSbeitrag entrichtet wird. Eine lebhafte Aussprache rief der Punkt „Beitritt zum Hessischen und Deutschen Sängerbund" hervor. Die allgemeine Meinung war, dah eS an sich nur zu begrüßen sei, wenn alle Gesangvereine in einer Grvßorganisation $u* sammengeschlossen seien, doch müßte dabei mehr als seither auf hie finanzielle Lage gerade der kleinen ländlichen Gesangveveine Rücksicht genommen werden, die schon jetzt ost unter den größten Opfern einer kleinen Sängerschar in ihrem Bestehen gehalten werden könnten.' Wan beschloß einstimmig, auch weiterhin eine abwartende Haltung einzunehmen, bis von feiten der Organisation die Möglichkeit geboten werde, beizutreten. Scharfe Kritik wurde an dem Verhalten der Gema und Agfa, der Verbände zum Schutze der 11 ö- heberrechle, geübt, wodurch eS den Landvereinen unmöglich gemacht werd«, neuere Chöre zur Aufführung zu bringen, da die Verbände für jeden öffentlichen Vortrag 10 bis 20 Mk. verlangen. Einstimmig wurde der Beschluß gefaßt, die alten Volkslieder auszu graben und Chöre von solchen Komponisten zu beziehen, die sich ein Aufführungsrecht nicht bezahlen lassen. Mit der Mahnung an die Sangesfreunde, auch weiterhin ihre volle Kraft dem deutschen Liede zu weihen, das gerade in Zeiten schweren wirtschaftlichen Druckes Kraft und Erquickung spende, schloß der Vorsitzende die Versammlung.
Die hessische KnmmalstaiWk 1927.
WSA. Im Bezirk des hessischen Oberlandesgerichts wurden im Jahre 19 2 7 insgesamt 8658 Angeklagte wegen Vergehens gegen das Strafgesetz verurteilt, und zwar 6620 Fälle wegen Vergehens gegen das allgemeine Strafgesetz, 5 wegen Vergehens gegen das Militärstrafgesehbuch und 2033 wegen Vergehens gegen sonstige Gesetze. Reben 43 Ausländern wurden insgesamt 1094 weibliche Personen strafrechtlich zur Verantwortung gezogen. In 1110 Fällen endete das Verfahren mit Freispruch, in 289 Fällen mit Einstellung. Insgesamt 395 Jugendliche, darunter 42 weibliche Personen, standen vor dem Richter, der in 366 Fällen zur Verurteilung schreiten mußte. In 138 Fällen verhängte er Erzichungsmaßregeln, und zwar 23ma( Schutzaufsicht und zehnmal Fürsorgeerziehung, während 149 Verurteilten Strafaussetzung zuteil wurde. Reben einem Fall, in dem auf Todesstrafe erkannt wurde, erscheinen 72 Verurteilungen zu Zuchthaus. 2639 Verurteilungen zu Gefängnis (200mal zu mehr als 1 Jahr, 737mal von 3 bis 12 Monaten, 1702mal bis zu 3 Monaten). In 5390 Fallen wurden Geldstrafen verhängt. Die Ehrenrechte wurden in 80 Fällen abertannt, unter Polizeiaufsicht kamen 12 Personen. Sehr interessant ist. wie sich die Vergehen und Verbrechen nach ben einzelnen Gebieten verteilen: Es erscheinen da (in Klammern weibliche): Hoch- und Landesverrat 3 (1). Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte 208 (6), Landfriedensbruch 114 (8). Geldfälschungen 8, Verletzung der Ädespflicht 27 (13), Blutschande 13 (3), 8 175 7, unzüchtige Handlungen an Kindern 66, Aotzucht 13, Kuppelei und Zuhälterei 18 (12). unzüchtige Handlungen 62 (3), Beleidigung, Verleumdung 865 (232). Mord 2, Totschlag 9 (3), Abtreibung usw. 64 (40), Körperverletzungen, leichte und schwere, 1246 (50), Nötigung und Bedrohung 109, einfacher und schwerer Diebstahl 1177 (185), Unterschlagung 551 (62), Raub 9. Erpressung 16 (1), Hehlerei 141 (32), Betrug 815 (76), Urkundenfälschung 190 (26), Wildern 132. Sachbeschädigung 278 (16), Brand- stiftung 24 (6), Aahrungsmittelfälschung 321 (134), Diehseuchengesetze 120 (6).
Amisgrrichi Gießen.
In der Nacht vom 29. auf 30. September v. F I entstand in einer hiesigen Wirtschaft zwischen zwei Gästen ein heftiger Wortstreit. Der eine bedrohte den anderen mit einem Stuhle, und ber Debrohte stellte in Aussicht sich gegebenenfalls mit dem Messer zu wehren. Sein Gegner verließ bann dte Wirtschaft, öffnete aber gleich darauf wieder die Türe und rief von außen provozierende, auf den Angeklagten gemünzte Worte herein, die diesen veranlaßten, ebenfalls die Wirtschaft zu verlasten. Kaum war er vor ber Türe, da stürzte sein Gegner zu Boden; er hatte einen Messerstich tief in den Oberschenkel erhallen, der von dem Angeklagten, wie er selbst zugab, herrührte. Der Angeklagte behauptete, in Notwehr gehandelt zu haben, er sei von dem Verletzten gleich nach dem Verlassen der Wirtschaft angepackt worden, zudem sei dieser in bas Messer hmeingerannt. Notwehr lag aber nach Ansicht des Gerichts nicht vor: die ganze Situation spricht dagegen. Der Angeklagte hätte nicht non dem Messer Gebrauch machen dürfen? zumal der Verletzte keinerlei Waffen trug und diesen nur mit der Hand angepackt haben konnte. Wenn der Verletzte wirklich in das Messer hineingerannt sein sollte, so ändert dies an der Tatsache ber Körperverletzung nichts; das herein rennen lag dann in ber Absicht des Angeklagten, der selbst zugab, das Messer — angeblich zur Abwehr — vor sich gehalten zu lyrben. Ein solches Verhallen kommt einer auf eine unmittelbare Körperverletzung gerichteten vorsätzlichen Handlungsweise gleich uno kann nicht c. va als eine fahrlässige Körperverletzung angesehen werden. 9tur einem Zufall ist es zu verdanken, baß ber Verletzte sich nicht auf der «straße verblutete. Oer häusig vorbestrafte Angeklagte erhielt eine Gefängnisstrafe von drei Monaten: er hätte noch mehr erhalten, wenn der Dertetzte nicht den ganzen Vorfall provoziert Ijätte.
Rundfunkprogramm
des Frankfurter Senders.
(Aus der „Radio-Umschau".)
Sreitog, 4. Jannm.
830: Morgengymnastik. 12 bis 13c Schall- Platten-Konzert: Berichncke Sänger und Sängerinnen. 15,05 bis 15,35: Stunde der Jugend. 15,55 bis 16,05: Hausfrauendienst. 16,35 bis 17,35: Hausfrauen-Ra chmi'.tag. vrransteltet vom Frarrksuner Haussrauen-Berern G. V., Frankfurt a.M. 17,35 bis 18,05: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18,10 bis 18,30. Less- stunde. 18,30 bis 19: Stenographischer Fprtbil- dungskursus für Anfänger und Fortgeschrittene (Diktat von 60 Silben auswärts). 19 bis 19.20: Zwanzig Minuten Fortschritte in Wissenschaft und Technik. 19,20 bis 19,30: Film-Wochenschau. 19,30: Vom großen Saal des Saalbaues: Aach Stuttgart: Konzert der Museums-Gesellschaft. Anschließend: Schallplatten-Konzert: ^Erinnern Sie sich?"
Samstag, 5. Januar.
6J0: Morgengymnastik. 13,15 bis 14,15: DVt- tagskonzert des Rundfunkorchesters. 15,05 bis 15,35: Stunde der Jugend. 15,55 bis 16,05: Haus- frauendienst. 16,35 bis 18,05; Aach Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters: Karl Goldmark (gest. 2. Januar 1915). 18,10 bis 18,30: Lese- stunde. 18.30 bis 18,45: Briefkasten. 18,45 bis 19,15: Esperanto-Unterricht. 19,15 bis 19,45: ,Aufbau, dichterische Formen, einleitende und entworfene abschlieberrde Dichtungen in Goethes , Faust", Dort vag von Pfarrer Tae-ler. 19,45 bis 20.15: Stun§r des Frankfurter Bundes für Volksbildung: »Erziehung zur Menschlichkeit. Vortrag von Henriette Fürth. 20,15: Don Slutte ! gart: -Dallnacht". Operette von Oscar Straus. I Anschließend bis OJO: Tanzmusik.
Bücheriisch.
— Coli« RoßrMit Kamera,Kind und Kegel durchAfrika. 175 Seiten 8°, mit 32 Abbildungen. Geh. 3,25, Leinen 4 Mark. F. A. Brock- hau», Leipzig 1928. (774.) — Das lebendig und spannend geschriebene neueste Afrika-Buch des bekannte« Weltreisenden Colin Roß, besten Vortrag in Gießen noch in guter Erinnerung sein dürste.
— Das Insel schiff (eine Zeitschrift für die Freunde des Insel-Verlages: Preis: 75 Pf.) hat sein Weihn^chisheft 1928 als eine Festgabe zum 50. Geburtstage des Dichters Hans Caro s-sa herausgebracht, dessen Werk im Inseb- Veriage erschienen und früher hier zum Teil besprochen worden ist. Albrecht Schaffter gibt in einem umlassenden Leitaufsatz eine auSgezelchuete, liebevoll vertiefte und formvollendete Einführung in das dichterische Wesen Carossas; Gedichte und ein Prosastück runden das Bild des kürzlich mit dem Dichterpreis der Stadt Müirchen Gelrönten ab und laden dazu ein, sich mit ihm bekannt zu machen. Aus dem übrigen Inhalt des bibliophilen Heftes seien Gedichte und Briefe Rilkes, Gedichte von Ernst Bertram, Hoftnannsthals ©in- üritung zu den Erzählungen aus Tausendundeiner Rächt, lotoie eine Szenenkette aus Leonhard Franks Heimkehrerschauspiel „Karl und Anna" hervorgehoben, das demnächst bei uns, gleichzeitig mit Berlin, urausgrführt werden soll.
— Zeitschrift für Musik. Vlonatsschrift für eine geistige Erneuerung der deutschen Musik. Herausgegeben vom Steingräber-Verlag.» Leipzig. .tzauptschriftleiter Dr. Alfred Heuh. Dezemberheft 1928. Heftpreis 1,50 Mk., Wonne- mentpreis vierteljährlich 4 ML -- Aach einem Appell der Schriftleitung an die. Leser xuai Jahreswechsel legt Hermann Zilcher das Glaubensbekenntnis eines deutschen Musikers ab und nimmt zu den verschiedensten musikalischen 3e.it- frageh bestimmt und entschieden Stellung. Zwei Schubert aufs ätze des vorigen Heftes (Richard Gottschall: ..Franz Schubert im Lichte übler Nachrede"; Alfred Heuh: „©in trunkenes Iüng- lingslled von Franz Schubert)" werden beendigt Konrad Huschke (Weimar) stellt die beiden großen 6-Dur-Trios der deutschen Wusll einander gegenüber: Schuberts op. 99 und Bee Hovens op. 97. Dem Geigenfreund bietet eine Plauderei über altitalienische Geigen von Georg Schmidt (Schweinsurt) mancherlei In eressantes. Heber bie 7. Deicheschulmusilwoch-e in München berichtet 3. Müller-Glattau (Königsberg), über das 16. Deutsche Dachfest in Kassel Alfred Heuh, über die Darmstädter Festwoche ter Tonkünstler Robert Hernried (Berlins. In die im Steingräber-Verlag erscheinende Volksausgabe des Locheimer-Liederbuches führt Wilhelm Weismann ein. (In ber Musikbeilaae neben anderen Gaben ein Lied als Probe.) Bilder, Konzertberichte.


