Mittwoch, 2. Januar 1929
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesstn)
Nr. \ Drittes Blatt
G. D. Vrühl."
Gießen, den 1. I. 1829.
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Sechzehn Jahre später, also 1845, erwarb er von dem Hofbuchhändler und Hniversitäts-Vuch- drucker Georg Friedrich Heyer Vater dessen Druckerei, wodurch das Unternehmen eine Erweiterung erfuhr.
In den letzten Jahren seiner Wirksamkeit muh Vrühl 1 schon mit einer Vuchdruck-Schnellpresse gearbeitet haben, denn ich fand 1898 eine alte Schnellpresse aus dem Jahre 1857 vor mit einem riesigen Schwungrade zur Bedienung von Hand. Später wurde sie mit einem Gasmotor angetrie- 6en. Diese Neuerung bedeutet einen wesentlichen technischen Fortschritt.
Anfang 1861 übernahm sein Schwiegersohn, Friedrich Christian Pietsch, das Geschäft, wie wir aus einem Schriftstück ersehen können, wonach das Großherzogl. Ministerium des Innern ihm die Erlaubnis zur älebernahme der Vrühlschen Buch- und Steindruckerei, sowie Verlagsbuchhandlung unter dem 30. Januar 1861 erteilte.
Hatte Drühl Ende der vierziger Jahre schon bewegte Zeiten duvchgemacht, so fielen in die Wirkungszeit seines Nachfolgers die Kriege von 1866 und 1870/71. An den Zeitungsbänden aus diesen Jahren kann man ersehen, wie das Lese- bedürfnis in dieser spannungsvollen Zeit zunahm. Der Gießener Anzeiger, der früher als Wochenblatt, dann zwei- und dreimal wöchentlich erschien, konnte von 1871 an täglich heranS- gebracht werden. Auch das Drnckereigeschäst nahm erheblichen Aufschwung. Die Räumlichkeiten an der Schlohgasfe in dem später Vrückschen Anwesen wurden zu eng. Deshalb fand eine Llebersieds- lung nach dem ausgebauten Grundstück Schul- straße 7 statt. Reben der alten Schnellpresse wurden mehrere neue aufgestellt, zuletzt eine Doppel- fchnellpresse für den Druck der Zeitung: zum Antrieb wurden nacheinander zwei Gasmotor« auf- gestellt, neue Schriften und Einfassungen wurden beschafft. Man gewinnt nach allem den Eindruck, daß auch der Inhaber der zweiten Generation das Geschäft vorangebracht und eine tüchtige Fachleistung vollbracht hat. Herr Pietsch starb 1890: für seine Erben führte dessen Teilhaber, Adam Sch eh da, das älnternehmen bis zu
sinter dem 23. September 1823 erhielt Brühl Die Erlaubnis zur Errichtung und zum Betriebe einer lithographischen und typograpischeen Duch- D ruderet.
Also recht vielseitig sollte sich das Unter« nehmen des jungen Druckers gestalten. Aber noch mehr. Durch das Ableben des Druckers des „Gresser Anzeige-Bla!tes ", drs Regierungs- und Universitätsbuchdruckers Schröder, wurde Brühl bon Großherzoglich Hessischer Polizei- depu'.ation der Druck des Blattes vom 1. Januar 1829 an übertragen.
Aach diesen Angaben können wir mrs ein Bild machen von der Beschaffenheit der Brühl - chen Druckerei zur Gründungszeit und von Brühls Unternehmungsgeist.
QHit folgenden Sähen wird sein Geschäft von ihm selbst umrissen in einer Beilage zum Giesser Anzeige-Blatt vom 3. 1. 1829: „Ich beehre mich hierdurch sowohl allen hochverehrlichen Großherzoglichen Behörden, wie einem verehrten Pu- blrhun ergebenst anzuzeigen, daß ich allhier eine Buchdruckerey und lithographische Anstalt neu errichtet habe. Beide Geschäfte sind mit dem Erscheinen des ersten Stücks dieses Blattes in meiner Druckerey beginnend, eröffnet.
Im Auftrage des Deutschen Buch* drucker-Bereins brachte
Buchdruckereibesiher SinfrernageL Friedberg
seine Glückwünsche mit folgender Ansprache darr Sehr geehrter Herr Lange! An dem Tage, an dem der größte Fachbetrieb unserer Gegend auf sein lOOjähriges Bestehen zurückbstckt, ,st es Pflicht der Organisation, der Sie angehören, auch Ihres Betriebes und Ihrer Persönlichkeit zu gedenken, und so habe ich als Vorsitzender des Bezirks Gießen des Deutschen Buchdrucker- vereinS die Ehre, vor Ihnen zu stehen, um Ihnen die herzlichsten Glückwünsche des Bezirks Gießen auszusprechen. Herr Lange sprach vorhin davon, ob wohl die vergangene und die gegenwärtige Generation ihre Ausgabe richtig erfaßt und erfüllt hätten. Wenn em Betrieb aus den kleinsten Anfängen heraus gewachsen, sich stetig ausgebreitet hat und zu einer stolzen Höhe ausgewachsen ist, wovon der heute vollendete Dau, in dem wir uns befinden« das deiitlichste Zeichen abgibt, so glaube ich. daß die Frage, ob die Generationen ihre Aufgabe richtig erfaßt haben, von selbst beantwortet ist durch bteje Tatsache. Ich kann Ihnen sagen, daß ich!
Hochverehrter Herr Lange! Sehr geehrte Fest- verfaminlung! Die Feier des Tages, an dem vor 100 Jahren die Brühlsche Druckerei gegründet wurde, veranlaßte den Betriebsrat, mich zu be- auslragen, namens des technischen und Hilfspersonals. Ihnen, sehr verehrter Herr Lange, die herzlichsten Glückwünsche zum Ausdruck zu bringen. Hundert Jahre Brühlsche Druckerei! Worte von vielsagender Bedeutung. Der Betrie.', aus den kleinsten Anfängen entstanden, hat dank der vorzüglichen Organisation seiner Geichacks- leitung, aber auch dank frer Arbeitsfreudigkeit seinerMitarbeiterschaft eiiren Ausschwuiig erlebt, der bis weit über die Grenzen des Hessenlandes hinaus ihm größte Anerkennungen eingetragen hat, und dessen Leistungsfähigkeit rn den höchsten Auszeichnungen dokumentiert ist. Sehr verehrter Herr Lange! Wenn Sie aus Anlaß des Jubiläums Ihres Betriebes die Mitarbeiterschaft mit einer Jubiläum sgabe bedachten und toenn Sie ferner ein F e st geben, das sich im Lause des heutigen Tages noch abwickeln wird, !o dürfen Sie versichert fern, daß beides bei Ihren Mitarbeitern stärksten Widerhall gesunden hat, und ich sage Ihnen auch an dieser Stelle unseren herzlichsten Dank. Es gereicht mir zur besonderen Ehre, Ihnen, hochgeehrter Herr Lange, an diesem denkwürdigen
beglückwünscht. Dieser sagte:
Sehr verehrter Herr Lange! Im Auftrage der Angestellten und Prokuristen Ihres Hauses möchte ich Ihnen hiermit unsere herzlichsten Glückwünsche zu dem heutigen Iubeltage Dar- bringen. Ich möchte Ihnen, wie mein Vorredner, auch danken für die willkommene 2 u o i- l ä u m s g a b e, mit der Sie uns alle bedacht haben. Wenn wir heute den Ausdruck unserer Gefühle hier darlegen möchten, so ist es wohl am besten, wenn ich Ihnen die Adresse, di«Ihnen hiermit von Ihren Angestellten tfnö Prokuristen verehrt werden soll, zur Verlesung bringe. Es ist darin das gesagt, was uns am Herzen liegt. Wir möchten uns auch Ihren hochverehrten Gästen gegenüber und vor anderen Arbeitswllegen aus allen Abteilungen Ihres Betriebes hiermit dazu bekennen:
Heute sind hundert Jahre verflossen, seitdem Georg Daniel Brühl mit der Ankündigung seines Buchdruckerei. und Zeitungsoerlags. Unternehmens in Gießen hervorcrat. In dankbarem Gedencen dieses Mitglieds Ihrer Familie ist fein Rame erhalten geblieben, obwohl Sie, sehr verehrter Herr Lange, der Brühlschen Druckerei seit breiig Jahren Inhalt und Dichtung geben; erst seit 1904 tritt Ihr Dame in die Erscheinung. Dieser Ausdruck treuer Wahrung übernommenen Gutes, diese Bescheidenheit in der Wertung eigener Leistung sind Wesenszüge Ihrer Persönlichkeit, die Ihnen die freudige Mitarbeit Ihrer Angestellten sicherten in guten uyd in schweren^agen. Mit Willenskraft und Ausdauer ließen Sie em Werk entstehen, das heute in seinen Abteilungen: Zeitungsverlag, Buckdruckerei und Buchbinderei nicht nur führend ist in weitem Umkreis, sondern auch mustergültig in allen seinen Betnebs- einrichtungen. Ihr hauptsächliches Verlagswerk, der Gießener Anzeiger nebst semen Beilagen, legt täglich Zeugnis ab von der hohen Gesinnung seines Verlegers. Hier wirken Sie führend und fördernd weit über den Rahmen eines geschäftlichen Unternehmens hinaus. Aber auch . die Gestaltung der Einzetteistungen 2pre§ Ducy- druckereibetriebes ist von Ihrem künstlerischen Empfinden befruchtet und von Ihren Anregungen in bester Weise beeinslußt worden. So konnte es nicht ausbleiben, daß heute Ihr Druck- und Verlagshaus zu den angesehensten und größten Hessens gezählt werden muh, und daß es ur Fachkreisen des ganzen Reiches mit Achtung genannt wird. Uns, Ihren nächsten Mitarbeitern im Alltag, gibt der heutige Festtag willkommene Veranlassung, Ihnen unsere herzlichsten Gluck- und Segenswünsche hiermit nahezubringen.
Gießen. 1. Januar 1929.
Die Prokuristen und Angestellten der Brühlschen Universitäts-Buch- und Steindruckerei
R. Lange.
Glückwünsche, aber auch als Zeichen unserer un- vervrüchlichen Hochaa-tung diese Adresse, ein Produkt Ihres eigenen Betriebes, in Ihre Hände legen zu dürfen. Ich verbinde damit die besten Wünsche für den weiteren Ausbau der Brühlschen Universitäts-Buch- und Steindruckerei.
Die G l ü ck w u n s ch a d r e s s e hat folgenden Wortlaut:
Technisches und Hilfspersonal. Herrn Richard Lange anläßlich des hundertjährigen Bestehens der Brühl- chen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, Gießen.
1. Januar 1929.
Bor nunmehr drei Jahrzehnten war es Ihnen vergönnt, die Brühlsche Universitäts-Buch- und Ste.ndruckerei zu übernehme Die Hundertjahrfeier gibt uns willkommene Gelegenheit, Ihnen herzlichste Glückwünsche darzubringen. Solche für menschliche Begriffe lange Zeit gebietet uneingeschränkte Anerkennung der Tätigkeit der Gründer, die angesichts der damaligen Verhältnisse manche Schwierigkeiten überwinden mußten. Wenn die folgenden Jahre einen gefunden Aufstieg der Druckerei brachten, so war dies die bescheidene Grundlage zu dem Ausbau des Betriebes, wie wir ihn heute vor uns sehen. In Ihnen, verehrter Herr Lange, würdigen wir den Mann, der der Druckerei die ihr gebührende Stcl- limg in der Reihe hervorragender Betriebe zu verschaffen wußte. Der feste Wille und das Ihnen in hohem Maße eigene Zweckmäßigkeits- und Schon- heitsgefühl verkörpern sich am heutigen Tage mit in dem Erweiterungsbau Ihres Betriebes. Dieses alles sichert Ihnen den Dank der ganzen Belegschaft. Wenn fernere Jahre eine weitere Ausgestaltung des Gefamtbetriebes bedingen werden, dann möge Ihnen die Kraft, mit der Sie gewirkt, und der immer betätigte Wille zur Pflege unseres schönen Berufes er- halten bleiben bis weit hinein in das zweite Betriebsjahrhundert. Diesen unseren Wunsch bekräftigen wir mit dem alten schönen Buchdrucker-Wahlspruch
Gott grüß' die Kunst!
Für die Prokuristen und Angestellten aller Abteilungen des Hauses wurde Herr Lange von
Geschäftsführer Beck
schäftsinhaber,
Herr Wichard Lange
die e st a n s p r a ch e, in der er unter Hinweis auf das frühere alte Gebäude des Druckere'grundstucks am Kanzleiberg und den an dieser stelle errichteten Erweiterungsbau ausführte- An der Stelle, an de wir uns befinden, stand noch vor e-mgen Monaten ein altes Haus in barocker Stilart, tn bem früher nnaefchcne Gießener Familien gewohnt haben. Als angeleyene Wohnzwecken brauchbar war,
die'ie es als Lager. Wegen Altersschwäche hatte
N Stü'nL geschlagen, $ es mußte me ergestg
»ntftaffi ber ben nöt^en Kaum ur ben terten Zeitungsbetrieb mit einer neuen Runddruck
ferei beute vor hundert Jahren gegrunzt und von ihrem Gründer Georg Daniel Brühl eröffnet wurde. Das ist ein besonderer Mattstein in der G.schichte unseres Betriebes und deshalb haben wir uns gerade heute rn diesem Daum mfam^ienaehinben, um Winkelhaken und Klopf W ^nmal rubm zu lasten. Alle aus diesem An?aß Erschienenen heiße ich herzlich willkommen.
Drei. Ge.ner a t ionen hindurch MW^e sthon an'die Tür; sie macht dasRecht. der rtpnb nettem) und ist auch wohl eher d>.rufen aus w?r Alte^ den schnell wachsenden Forderungen ihrer Zeit Rechnung zu tragen.
Da wirft sich die Frage auf: Sind form bte bisherigen Inhaber
berungen gerecht geworden? ihni bwfe »rag richtig beantworten zu können, müssen wir uns vergegenwärtigen, wie verschiedenartig bi hältnisse in den drei Generationen warm.. Sm Iabre 1829 als die Druckerei durch Georg Daniel Brühl gegründet wurde hatte-man in Deutschland fast nur Handpressen, im Buch druck sowohl, wie iin Steindruck. Die mgren, von ihrem Erfinder Friedrich König herg^tellten Duchdr-ucklchnellpressen fanden um d^se^it e^t zögernd in Deutschland Eingang, so in Augsburg Berlin, Magdeburg, etwa 20 Jahre g in England. In kleinen Druckorten bürgertest sich die Schnellpressen erst viel spat^t em. schon wegen der hohen Anschaff ungi-kosten. Handab ziehpressen, ähnlicher Att, wie Gutenberg sie auch benutzt hat, dienten zur Herstellung ^der typographischen Drucksachen, Steindruck-Han^ pressen zur Gewinnung von kkthvgraplstchen zeugnissäi. wie Formularen. Tabaksetiretten und
war also ^uch- und Stern- bruder und. wie wir gleich erfahren, auch Buchhändler. Rach dem, was uns über kommen ist, muß er ein tüchtiger Sachmann gewesen sein. Er stammte aus Biedenkopf, machte sich hier 1828 seßhaft und kam zunächst »um.Er theilung der Eoncesslon zur Emnchtung einer Kunst-, Musilalien- und Verlagshandlung ern ^ Diese wurde ihm am 10. April 1828 erieur.
pflanzt.
Das Neue, das Alte, verknüpfe, gestalte Zum ewigen Bund der lebendige Sinn.
Ein Sängerchor, zusammengestellt aus Angehörigen aller Betriebsabteilungen, fang hierauf unter Leitung des Herrn Gutjahr den feierlichen Chor „Das ist der Tag des Herrn".
Im Anschluß an Die Rede des Chefs des Hauses sprach zunächst als der dienstälteste, soeben mit der goldenen Gedenkmünze ausgezeichnete Mitarbeiter
Herr Hermann Ette:
Ich darf wohl annehmen, daß mir als dienst- ältestem Angestellten Vollmacht erteilt wird, im Ramen der heute mit einer Auszeichnung bedachten Mitarbeiter unseren herzlichsten Dank für die ehrende Würdigung unserer Arbeit im Dienste der Brühlschen Druckerei hiermit auszusprechen. Ein oft angewandtes Sprichwort lautet: Geteilte Freude ist doppelte Freude!; ich möchte dieses Sprichwort ändern in den Satz: Geteilte Ehrung ist doppelte Ehrung; die uns gewordenen Auszeichnungen ehren nicht nur die damit Bedachten, sondern tn hohem Matze auch den Betrieb, der seine Mitarbeiter eine Re ihe von Jahrzehnten zu halten versteht. Persönlich empfinde ich eine besondere Freude darüber, daß es mir vergönnt war, seit über einem halben Jahrhundert Zeuge und Mitarbeiter an dem Aufstieg der Brühlschen Druckerei gelten zu sein. Dieses freudige Rückblicken auf langjährige Tätigkeit teile ich mit denen, die heute ebenfalls einer Auszeichnung gewürdigt wurden. Die Rückschau auf unsere Mitarbeit trübt uns aber nicht den Blick in die Zukunft, von Der wir hosten, daß auch sie die Brühlsche Druckerei auf der Höhe findet, die unser schönes Handwerk ihr anweist. Richt zum fröhlichen Jagen, aber zum mutigen Wagen und Wirknt, von der Mitwelt bewundert, hinein ins zweite Jahrhundert.
Darauf sprach im Ramen des gesamten technischen und Hilfspersonals Der Vorsitzende des Betriebsrats
Herr Heinrich Schneider:
seinem Tode weiter.
Bei der Uebernahme des Geschäftes durch mich im Jahre 1898 waren die Räume in der Schul- strahe schon wieder zu eng. Deshalb benutzte ich gerne die sich bietende Gelegenheit, das an das Hinterhaus anstoßende Gebäude, Kanzleiberg 9, auf dem wir uns hier befinden, zu erwerben. Bald er= tand auf dem Hofe dieses Grundstückes ein kleiner Teilbau, der sechs Jahre später, 1904, zu dem jetzigen, hinter uns liegenden Druckereigebäude erweitert wurde. . .
Während also Redaktion und Setzerei im alten Hause blieben, sanden Druck und Plattenherstellung, sowie die Auslieferung der Zeitungen in dem kleinen Neubau statt. Aber auch diefe Erweiterung konnte den Raummangel nicht lange beheben, ganz abgesehen davon, daß die alten Arbeitsräume den zeitgemäßen hygienischen Ansprüchen nicht mehr genügten. So entstand 1907 der oben erwähnte geräumige Bau mit Linoleumbelag, Entstaubungs- anlage, großen Fenstern in hohen Räumen und Zentralheizung. Die alten Schnellpressen wurden durch neue ersetzt, 1913 kam zu der alten Ratations- maschine eine neue löseitige mit neuer Stereotypieanlage hinzu. In den letztverflossenen Jahren mußten neue schnellaufende Druckpressen angeschafft werden, die mit automatischen Anlegeapparaten versehen wurden. Mit der ersten Rotationsmaschine hielt die erste Typograph-Zeilen-Sctz- und Gießmaschine ihren Einzug, sieben weitere gesellten sich dazu, nach dem Kriege noch zwei Linotype- und eine Intertype-Setz- und Gießmaschine. Nach der Inflation tarn auch eine Monotypeanlage und die Erweiterung der Buchbinderei hinzu. Nunmehr ist die Ißfeitige Rotationsmaschine durch eine 32seitige ergänzt, um den Druck der Zeitung noch schneller und sicherer bewältigen zu können. Beide Maschinen haben im Erdgeschoß dieses Zeitungsanbaues Aufstellung gefunden.
Warum diese dauernde Vervollkommnung der maschinellen Einrichtungen? Weil wir vor dreißig Jahren bei der Uebernahme des Geschäftes durch mich etwas mehr als den fünften Teil der jetzigen Auflage druckten, weil wir die Zeitung früher mit den Nachmittagszügen nach außerhalb beforberten, jetzt mit den Mittagszügen. In vier Stunden muh etzt das Redigieren, Setzen, Drucken und Expedieren der Zeitung bewerkstelligt werden, früher druckten an manchen Samstagen eine Doppelfchnell- preffe und mehrere einfache Schnellpressen fast »en ganzen Tag an der Bewältigung der kleinen Auf- laae jetzt benötigt eine Rotationsmaschine anderthalb bis zwei Stunden zum Druck der weit höheren Stückzahl, fertig gesalzt und eingesteckt.
Darüber wie Die Dritte Generation ihre Aufgabe gelöst hat, urteilt bei der Zeitung die große Gemeinde Der Leserfchast, Die sich besonders bei unserem Zeitungsjubiläuni im Jahre 1925 von allen Seiten und aus allen Devolkerungs. schichten zum Wort gemeldet hat. Der Ausfall dieser Urteile hat uns alle, Die wir an Der
nugtuung erfüllt. UnD feit dieser Zeit haben wir nicht gerastet, vielmehr den Weiterausbau gesördett.
Ob wir auch in Der Druckereiabteilung Vor angenommen sind und vor allen Dingen gute Leistungen vollbracht haben, ergab sich einerseits aus Dem stetigen Anwachsen unseres Drualunden- kreises, Dem nicht nur hiesige Verlagsfirmen, son- Dem auch namhafte auswärtige Verlage angehören, anDererseits aus Der Bewertung unserer Erzeugnisse auf Den von uns beschickten Ausstellungen in Der Rahe und in der Ferne, zuletzt im Kriegsjahr 1914 in Gießen auf Der Gewerbe- schau, in Köln auf Der WerkbunDausstellung und in Leipzig auf Der Internationalen Buchdruck- ausstellung, Der Bugra. An Den Drei Plätzen haben wir — z. T. mit Dem Auslände — in scharfem Wettbewerb gestanden und ehrenvoll abgeschnitten. Wir alle haben ein Recht, stolz auf diese Leistungen zu sein.
Daß wir auch seit 1914 trotz des verlorenen Krieges, trotz des Zusammenbruchs, trotz des jahrelangen Mangels an gutem Material — besonders in Papier und Farbe — oorangekommen find, möge auch im Rahmen einer kleinen Auswahl von Drucksachen gezeigt werden, die zusammen mit einer Uebersicht über die Entwicklung der Schrift heute und in den beiden nächsten Wochen tn Dem nahegelegenen Aus stellungsraum des Turmhauses am Brand öfsentiich ausgestellt sind. Dem Vorsitzenden des Oberhessi- schen Kunstvereins, Herrn Landgerichtsdirektor Bücking, sowie Herrn Oberbürgermeister Dr. Keller als Hausherrn danke ich für die Liebenswürdigkeit, mir Den Raum für Diese Zeit zur Verfügung gestellt zu haben.
Sie alle. Die Sie hier aus Dem Betriebe versammelt sinD, haben an einem guten Gelingen unseres Werks Ihren Anteil, jeder an seinem Platze. Dafür Ihnen allen heute meinen herzlichsten Dank zu zu sagen, ist mir ein Bedürfnis.
Daß verschiedene unserer Mitarbeiter schon über Die halbe Zeit unseres Betriebsjahrhunderts in Der Druckerei tätig sind, gereicht ihnen, wie dem Geschäfte zur Ehre. Es freut mich besonders, ihnen die von dem Deutschen Buchdruckerverein für langjährige Tätigkeit in dem gleichen Betriebe geschaffene Gedenkmünze mit Zustellungs- urkunde heute überreichen zu können, und zwar die goldene den Herren Loos, Elle, Ettel und Bender, Die silberne Den Herren B c ck und Lenz. Ich wünsche und hoffe, daß gleiche Ehrungen noch vielen meiner Mitarbeiter in Der Brühl'schen Druckerei beschieDen fein möchten.
Den nächsten Markstein in Der Geschichte Der Brühl'schen Druckerei nach 50 Jahren werden wohl Die wenigsten unter uns erleben, Doch hege ich Den innigsten Wunsch, daß Der in unserem Betriebe waltende Gei st sich Durch die kommenden Generationen fort-
Nachdem Der Gießener Anzeiger, der im Berlage der Brühl'schen Univerfitäts Buch und Stein- Druckerei R. Lange erscheint, bereits vor Drei Jahren seinen 175. Jahrgang hatte vollenD.n können, war am gestrigen 1. Januar 1929 Die hundertste Wiederkehr des Gründungstages der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lang e-gekommen. Dieses Ereignis war für Den Geschäftsinhaber und feine Mitarbeiter Anlaß zu einem frohgestimmten Feiertag, bei Dem der Geist der Werk- und Arbeitsgemeinschaft als ein alle umschließendes Band in bester Weise zutage trat.
Am Tage vor dem Jubiläum hatte Der Geschäftsinhaber, Buchdruckereibesitzer und Verleger Richard Lange, alle seine Mitarbeiter durch eine Iubi - läumsspende erfreut. Der Festtag, dem strahlender Sonnenschein nach Dem wochenlangen trüben Winterwetter noch eine besondere Note gab, wurde mit einer
Msrgenftier
im obersten Saale des am Kanzleiberg unter Der Leitung des Architekten Ernst Schmidt (Gießen) neuerftanDenen Erweiterungsbaues Des Betriebsgebäudes eingeleitet. Zu dieser Feier waren neben allen Mitarbeitern als Ehrengäste erschienen Se. Magnifizenz Der Rektor Der LanDes-Universitat, Prof. Dr. Herzog, Provinzialdirektor Graes als GHief Der ProvinzialDirektion Oberheffen, Oberregierungsrat Dr. Heß als Vertreter Des Kreisamts Gießen, Landgerichtspräsident Neuen- hagen als Leiter der oberhefsifchen Justizbehörden, Bürgermeister Dr. 6 ei b als Vertreter des Oberbürgermeisters und Der Stadtverwaltung Giessen der Kommandeur des hiesigen 1. Batls. Jnf.- Regts 15 Major Lüter s mit feinem Adjutanten, Oberleutnant ©(ft euer Pflug, als Vertreter der Reichspostbehörden in Gießen Postdirektor Korber, Telegraphendirektor T e tz l a f f, Telegraphen- baudirektor Gabel, für die Industrie- und Handelskammer Gießen-Alsseld-Lauterbach deren Präsident, Kommerzienrat Schirmer (Gießen), für Die Gießener Bankenvercinigung BankDirektor Grießbauer (Gießen), als Vertreter Der Uni- versitats-Bibliothek Pros Dr. H e p D i n g ferner Stadtschulrat Prof. Dr. Alles (®ie6en), Ober- studiendirektor Henk (Gießen) Studienrat Prof. Oßwald, Prof. Dr Velke (Gießen), der Vorsitzende des Oberhefsifchen Kunstvere.ns Landge- richtsdirektor i. R. Bücking (<Men) ine Duch- druckereibesitzer Bindernagel (Fnedberg) und Scharfe (Wetzlar), Schriftg.eßereibesitzer Dr h. c. Klings vor (Offenbach), Lehrer Buß (Leihgestern), Der Vorsitzende Des Verbandes der hessischen Imker, dessen Zeitschrift in der Vruhl chen Druckerei hergestellt wird, als Vettreter des Gießener Verlagsbuchhandels wit engeren Beziehungen zur Druckerei Die VerlagsbuchhanDler S ch m tz für den Brunnenverlag unD H a o g für den Schulbuchoerlag Emil Roth, Bucherrevisor Hermmm Will (Gießen), Der frühere Prokurist und Geschäftsführer Der Brühl'schen Druckerei, Architekt Ernst Schmidt (Gießen), der Leiter Des neuen Betriebs-Erweiterungsbaues.
Nach einer musikalischen Einleitung htelt der Ge-
■■■im— !■■■ ■'■ruwrnmi i ------- ------------------- -- ---
Hundertjahrfeier der Brühl'schen Druckerei in Gießen


