Ausgabe 
1.10.1929
 
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15 in Oberhausen beseht. Der Oberpostsekrelär Schlitt hat durch Anschleudern gegen ein Derlei- lungssplnd anscheinvd Vruslquetschungen und eine schwere Gehirnerschütterung erlitten und ist noch ohne Bewuhtsein. Der Postassistenl Horn hat eine leichte Gehirnerschütterung erlitten. Beide Beamte wurden in das hiesige Sladtkrankenhaus überführt

Stadtratssitzung in Lauterbach

A Lauterbach, 29. Sept. Vor Eintritt in die Tagesordnung übermittelte Bürgermeister W a l z dem 1. Beigeordneten Möller, der am 14. d. M. sein 25jähriges Dienstjubiläum begangen hat, die herzlichsten Glück- und Se­genswünsche des Stadtvorstandes. Bürgermeister BZalz dankte Herrn Möller für seine seit­herige Tätigkeit als Beigeordneter und gab. der Hoffnung Ausdruck, daß Herr Möller dieses Amt noch lange 3ahre in der seitherigen kör­perlichen und geistigen Frische und Gesundheit versehen möge. Der Platz des Herrn Möller war mit einem prächtigen Rosenstrauß geschmückt. Außerdem war dem Llubilar bereits an seinem Ehrentage durch den Bürgermeister ein silberner Pokal überreicht worden. Herr Möller dankte für die ehrenden Worte und Geschenke und ge­lobte, auch weiterhin die Pflichten eines Bei» geordneten zu erfüllen.

Es fand sodann die Verpflichtung des neu in den Stadtvorstand eingetretenen Postinspektors Koch statt. Bei dieser Gelegenheit dankte Bür- germeister Walz dem infolge Versetzung nach Darmstadt ausgeschiedenen Ministerialoberrevi- sor Metzger für seine stets zielbrwuhte und tatkräftige Mitarbeit.

Der Vorsitzende Bürgermeister Walz gab sodann davon Kenntnis, daß das Kreisschulamt den Abschluß einer S ch ü l e r u n f a l l v e r - sicherung angeregt hat. Als jährliche Ver­sicherungsprämie werden für jedes Kind 50 Pf. gefordert. Die Stadt hätte im vorliegenden Falle jährlich rund 450 Mk. zu bezahlen. Auf Vor­schlag der Finanzkommlssion wird beschlossen, die Angelegenheit zu vertagen, da die geforderte Versicherungsprämie zu hoch erscheint. Es sollen dieserhalb mit der in Frage kommenden Ver­sicherungsgesellschaft zwecks Herabsetzung des Prämiensatzes Verhandlungen angebahnt werden.

i dem nächsten Punkt ter Tagesordnung be» gte sich der Stadtvorstand mit der Ein-

. , r ung einer F i li a l st eue r in der Stadt Lauterbach. Der Bürgermeister verlas den Ent­wurf der diesbezüglichen Ortssahung. Dieser wurde nach Durchberatung genehmigt und be­schlossen, die Steuer einzuführen.

Die Reichszentrale für Heimat­dienst beabsichtigt auch in diesem Jahre eine Wochenendtagung in hiesiger Stadt abzuhalten. Zu Lieser Veranstaltung wurde wie in den vor­ausgegangenen Jahren ein Betrag von 50 Mk. bewilligt. Weiterhin wurde für die Errichtung eines neuen Studentenhauses in Gie- ß e n ein Betrag von 30 Mk. zur Verfügung ge­stellt. Dem Landwirtschaftlichen Te,irksverein (Kreisobstbauverein) wurden für die am 12. bis 14. Oktober d. 3. stattfindende Obstausstellung 25 Mk. bewilligt.

Für die neue Kläranlage ist eine Schlamm­saugpumpe erforderlich. Es wurde beschlossen, diese von der Firma Breitung in Wiesbaden zum Angebotspreis von 623,50 Mk. zu beziehen.

Der Dürs!'rmeister gab sodann davon Kennt­nis, daß die Wohnungen im alten Kran- k e n h a u s in der Rockelsgasse soweit fertig» gestellt sind, und bis spätestens 15. Oktober be­zogen werden können. Durch diesen Umbau kön­nen insgesamt 13 Familien untergebracht wer­den. Die Frietensmietpreise dieser Wohnungen betragen für eine Zweizimmerwohnung monat­lich 19 Mk., für eine Dreizimmerwohnung 24 Ml. Dir Friedensmiete für die beiden Wohnungen in der Isolierbaracke wurde für jede Wohnung auf 15 Mk. festgesetzt. Die für diese Wohnungen von der Wohnungskommission vorgeschlagenen Mieter wurden vom Stadtvorstand genehmigt.

Am Schluß der öffentlichen Sitzung verlas der Bürgermeister ein Schreiben der Molkerei, in dem diese über nicht genügende Stromspannung Be­schwerde führt. Es wurde beschlossen, in dieser Angelegenheit Ober-3ngenieur Gundernatsch zu hören und von diesem Vorschläge einzuholen, wie der Llebelstand behoben werden kann.

Preußen.

Kreis Biedenkopf.

xx Bieber bei Rodheim, 30. Sept. Hege­meister Mans auf Forfthaus Haina tritt am 1. Oktober in den wohlverdienten R u h e ft a n d. Er kam zu Anfang des Krieges als Rachfolger für Förster Möhringer aus dem äußersten Hin­terland in den hiesigen Bezirk. Der bewährte Forstmann hat sich die Liebe und Wertschätzung der gesamten Bevölkerung im Laufe der Jahre erworben. Herr Mans nimmt seinen Ruhesitz in Krofdorf.

xx Aus dem Biebertal, 30. Sept. Schmitter Hof", die Gemeinde Rodheim und die Staatsstraße folgten diesmal nacheinander mit ihren Ob st ver st eigerungen. Die Preise waren trotz starker Rachfrage nicht hoch. Eine Ausnahme machte ein BaumSchöner von Bos­kop", für den die Gemeinde 42 Mark erzielte. Aeußerst reichhaltig war der Obstertrag an der Straße nach Fellingshausen, der Preis dagegen selbst in besseren Sorten durchweg angemessen.

Kreis Marburg.

O Fronhausen, 30.Sept. Rachdem unser Hauptlehrer Kornemann am 1.Oktober vori­gen Jahres in den wohlverdienten Ruhe st and getreten und diese Stelle ein Jahr unbesetzt war, ist jetzt unser erster Lehrer Wilhelm Schick mit Wirkung vom 1. Oktober d. 3. ab zum Haupt- l e h r e r ernannt worden. Hauptlehrer Schick wirkt bereits seit 15. Mai 1905 hier, und er hat sich in dieser Zeit die allgemeine Wertschätzung der Bevölkerung erworben. Der beliebte Schul­mann wirkt neben seiner beruflichen Tätigkeit auch als Leiter des Gesangvereins vorbildlich im 3nteresse und zum Segen unseres Gemeinwesens.

Oie Jagd im Oktober.

O könnt' es Herbst im ganzen 3ahre bleiben, das wär' es, was mein Herz begehrt" klingt es aus einem vielgesungenen 3ägerlied. Che der Winterwald sein einfarbig schlichtes Gewand an­legt, hat Maler Herbst noch einmal alle Farben seiner Palette ihm aufgetragen, und nun prangt er im buntesten Schmuck. Die Rächte werden kälter, und bald wird der Fuß im frisch ge­fallenen Laube rascheln, das der erste Frost zum Fallen brachte. Dann kommt die schöne, viel- ersehnte Zeit,wenn im Wald die Hunde lustig jagen", und der 3äger Ernte hält in seinem Revier.

Das Rotwild steht noch in der Brunft und hat die Rähe der feit langem gewohnten Brunft- plähe noch nicht verlassen. Geht die Zeit der Minne im Laufe des Monats zu Ende, so stellt es sich gern wieder in große, ruhige Dickungen ein, um zur Nachtzeit Rapsfelder aufzusuchen oder auf Kartoffel- und Rübenäckern Rachlese zu halten. Die Salzlecken sind in Ordnung zu bringen und die Futterplähe vorzurichten.

Beim Damwild ist die Brunft im Gang.

Sauen find feist, denn ihr Tisch war in den letzten Monaten reich gedeckt. Kommt noch Cichel- oder Bucheckernmast hinzu, so bietet ihnen der Laubwald willkommene Aesung. Sonst werden die Kartoffeläcker auch nach der Ernte immer wieder umgebrochen und nach Knollen und Lar­ven, Mäusen usw. durchsucht. Sobald der erste Schnee fällt, wird mit dem Dejagen begonnen.

Das Rehwild legt sein graues Winterkleid an. Einzelne Böcke, oft nicht die schlechtesten, werfen schon ab. Am 16. Oktober beginnt in Hessen, falls nichts anderes bestimmt wird, der Rickenabfchuh.

Erfreulicherweise bricht sich die Erkenntnis auch in unserer Gegend immer mehr Bahn, daß der Rehabschuß auf Treibjagden und mit Schrot eine aus verschiedenen Gründen verwerfliche 3agd- methode ist. Wer wenigstens sich Mühe gibt, seinen Rehstand planmäßig und bei wirtschaftlicher Ruhung schonend zu besagen, muß wie bei dem Bockabschuß auch hier zum Wahlabschuß, und zwar mit ber Kugel, übergehen. Wenn bei der Treibjagd wahllos Bock und Altreh, Schmalreh und Kitz auf der Strecke liegen, wie es gerade, kam, und nach der Parole3mmer auf den stärksten Kasten", da haben alle schönen Worte von Heben der 3agd, Hege usw. keinen Sinn und wirken auf den Kenner nur lächerlich. Der Abschuß soll sich auf Altrehe, die keine Kitze führen, Dchmalrehe und (möglichst) weib­liche Kitze erstrecken. 3hn auszuführen ist nicht ganz einfach und deswegen Weidwerk, das ebenso jagdliches Können erheischt wie die 3agd auf den roten Bock. Linser Rehwild ist zu schade, um der Schrotsprihe von Gastschühen manchmal höchst fragwürdiger jagdlicher Qualität ausgeliefert zu werden! für deren Flinte es keine Entfernungen gibt und die auf alles fünfen, was da fleucht und kreucht. Krankes Wild, mutterlose Kitze, die der Führung und Milch noch bedürften, und zu­friedene Füchse sind das Ergebnis der Reh­treibjagden. die hoffentlich immer mehr aus un­seren heimischen Revieren verschwinden.

Der Dachs hat aute Zeiten gehabt. Lleberall in Wald und FeldXfindet man die Stellen, wo er gestochen hat. Als die Zwetschen fielen, war er über diesen Leckerbissen hocherfreut. Er ist feist geworden und lohnt jetzt das Graben, wenn der 3agdherr Wert darauf legt. Aber dann mit Maß und Ziel, denn als Schädlingsvertilger hat der Dachs eine wichtige Aufgabe in unseren Revieren.

Der Fuchs ist im Haarwechsel. Gegen Ende des Monats kann der Abschuß schon mit der Aussicht, einen guten Balg zu erbeuten, beginnen. Stolz legt der glückliche Schütze ihn zur Strecke der Treibjagd. Aber Freude macht es auch, ihn

allein zu besagen und ihn am Paß zur Strecke zu bringen.

Die Felder sind geerntet und der Bauer ist überall tätig, bestellt die Aecker oder pflügt sie um. Da wird es dem Hafen zu unruhig, und. er rückt gern in den Wald. Deswegen ist jetzt die rechte Zeit für Waldtreibjagden.

Die Rebhühner haben noch Schuhzeit. Die Deckung ist wenig geworden, und die Hühner stehen früh auf, halten den Hund nicht mehr aus und streichen weit weg, wenn sie befchoffen werden. Rur manchmal an schönen warmen Oktobertagen halten sie in den Mittagsstunden ausgezeichnet, selbst in ganz schlechter Deckung. Es muß dabei die Mauser eine Rolle spielen.

Die Waldschnepfe ist auf dem Durchzug. 3n manchen von ihnen gern besuchten Revieren kann sich die Suche mit kurz suchendem Hund lohnen. Auch der Strich kann den Bogel mit dem langen Gesicht an den Galgen bringen.

So bietet sich Gelegenheit zum 3agen genug. Daneben muh der rechte 3äger aber weiter- denken. Wir haben einen schweren Winter hinter uns und können sagen, daß die Wildstände un­serer engeren Heimat dabei gut durchgekommen sind. Aber Hand aufs Herz, nicht weil wir fto tüchtige Heger und Pfleger sind, denn auf einen solchen Winter und auf Winterfütterung über­haupt, sind die meisten Reviere gar nicht ein­gestellt. ilnfer Wild hat die Eichelmast gerettet. Ohne sie hätten wir auch mit Berlustzahlen von 10 bis 50 Prozent rechnen können, wie das in Revieren der Falk war, die von uns gar nicht zu weit entfernt sind. Das möge uns eine War­nung fein, dah wir uns vorher überlegen, was geschehen soll, wenn der Winter etwa wieder einmal ähnlich wird. 3eht ist es Zeit, Eicheln, Bucheckern, Kastanien sammeln zu lassen, die Futterplähe für Fasanen und Hühner herzu­richten und vor allem Salzlecken in allen Wald­revieren einzurichten. Die Erfahrungen mit Pfannensteinen waren in mehreren Revieren der engeren Umgebung von Giehen sehr gut. Die Annahme erfolgte rasch und nachhaltig. Hat sich das Wild einmal daran gewöhnt, so entbehrt es den Leckerbissen nur ungern und sucht die Lecken immer wieder auf. Werden im Falle der Rot hier Fütterungen angebracht, fo sind sie vom Wild rasch gefunden.

Da vielfach Unklarheiten über die als Hot* mahnahme abgeänderten Schuhzeiten bestehen, lassen wir eine Uebersicht über die für uns in Frage kommenden Staaten, Hessen und Preußen, folgen:

Hessen.

Die Schußzeit für Hasen, Fasanenhähne und -Hennen sowie Auer- und Birkhähne beginnt erst am 16. Oktober.

Die Schuhzeit der Rebhühner endigt am 30. Rov.

Der Abschuh von Haselhähnen und -Hennen so­wie von Auer- und Dirkhennen bleibt bis auf weiteres verboten.

Wegen endgültiger Festsetzung der Schonzeiten für andere Wildarten ist weitere Cntschli^ung Vorbehalten.

Preußen.

Die Schußzeit für männliches Rot- und Dam­wild endigt am 31. Dezember 1929.

Die Schubzeit für weibliches Rot- und Dam­wild wie für Wildkälber endigt am 31. Dezember.

Männliches Rehwild darf bis zum 31. Okto­ber geschossen werden. Die Schußzeit für weib­liches Rehwild beginnt am 1. Dezember.

Hasen dürfen erst ab 1. Rovember geschossen werden.

Die Schußzeit der Hühner endigt am 31. Ott.

Die Schonzeit der Enten beginnt am 1. 3anuar 1930.

Anzeigen oder ...?

Von L M. Voß.

Richt der Werbung schlechthin, aber der ziel- bewuhten, kultivierten Werbung erste, eindring­lichste und billigste Form ist das 3nferat.

Bevor Sie zweifellos aus 3 hrer Erfah­rung heraus zum Gegenbeweis ansehen, lassen Sie uns noch ein paar Worte sagen. Und viel­leicht auch ein paar Fragen stellen.

Amerikanische Verhältnisse brauchen wir, die wir in deutschen leben, die wir über die deutschen hinlänglich informiert sind, ja nicht zum Vergleich heranzuziehen.

Aber haben Sie schon einmal darüber nach­gedacht, warum gerade die ganz großen Ziga­rettenfabriken immer und immer wieder, Woche für Woche, 3ahr um 3ahr mit ganzseitigen Anzeigen in den Tageszeitungen, in der 3llu- strierten und Fachpresse herauskommen und so Publikum und Wiederverkäufer zu erfassen su­chen? Und ähnlich die Sektfirmen, die Hersteller von Parfümerien, von Schokoladen, von Staub­saugern kurz alle Markenartikel-Fabrikanten? Rechnen Sie doch den Etat einer einzigen Woche nach. Glauben Sie nicht, daß diese Großinseren­ten wissen, wie am besten die Abnehmer zu fassen sind?

Haben Sie je erlebt, daß eine Reueinführung irgendwelcher Ware einmal anders versucht wurde, als durch 3nserate?

Sehen Sie einmal den Anzeigenteil irgendeiner Tageszeitung an. Ohne über werberischen und ästhetischen Wert einzelner oder aller Anzeigen mich in eine Debatte einzulassen sind nicht die Anzeigen in ihrer Gesamtheit ein Beweis ihrer Rotwendigkeit oder zum mindesten ihrer Zweck­mäßigkeit?

Rein, sagen Sie noch nichts. 3ch nehme 3hren Einwand schon vorweg: Warum bringen denn so viele Anzeigen so geringen, so manche gar keinen fühlbaren Erfolg?

Das 3nferat an sich ist nicht schuld. Das 3n- ferat bringt andern doch Vorteil und Erfolg. Und die tagtäglich wachsende Anerkennung, die das 3nferat bei denen findet, die sich feiner in großem und größtem Ausmaß bedienen, die stets

und ständig zunehmende Schar der 3nseventen beweist doch eigentlich, daß der Erfolg, den es andern bringt, g u t fein muß. Bei dem einen oder andern 3hrer Geschäftsfreunde, bei Ihnen selbst sollte es versagen?

Lassen Sie uns ganz kurz nur nach mög­lichen Gründen dieses Versagens suchen.

Vielleicht haben Sie zu klein inseriert? Viel­leicht nicht oft genug; denn steter Tropfen höhlt den Stein? Vielleicht haben Sie die Regel vom weißen Rand" nicht beachtet? Vielleicht gaben Sie zu viel oder zu wenig Text? Beides muß man überlegen und die richtige Mitte einhalten. Und wie steht es mit der Illustration, über­haupt mit der künstlerischen Gestaltung?

Lind denn: Haben Ihre Anzeigen wertvollen Gehalt? Sind es Anzeigen, die gelesen werden? Sind sie geschickt gesetzt, haben sie einen Blickfang, der das Publikum reizt, nun auch den Text zu beachten? Ditte, das Publikum denn nicht an Sie selbst oder schließlich noch an die Konkurrenz richtet sich die Anzeige. Es ist der Fehler aller Gelegenheitsinserenten, der Feh­ler selbst vieler Viel- und Grohinserenten, daß die Anzeigen aus allzu genauer Kenntnis der angebotenen Ware gefertigt werden, die beim Publikum vorausseht, was es gar nicht wissen kann. Kann man seiner eigenen Ware so vor­urteilsfrei gegenüberstehen, daß man sich ganz ausschaltet und sich ganz in die Situation des Publikums verseht? Die wenigsten können das.

So gibt es noch mancherlei ileberlegungen, die zum guten, wirksamen Inserat verhelfen. Jede Anzeige ist das, was man aus ihr m ach t!

Berliner Börse.

Berlin, 1. Oft. (WTD. Funkfpruch.) Rach­dem es gestern abend in Frankfurt angeblich auf Abgaben von Dankfeite, etwas schwächer ge­worden war. konnte sich heute früh im Verkehr von Dureau zu Dureau noch kein Geschäft ent­wickeln. Die Spekulation hielt sich zurück und die Tendenz blieb abwartend. Kurse sind noch nicht zu Hörem Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,8250. London gegen Mailand 92,77, London gegen Spanien 32,77 zu 32,79, London gegen Kabel 4,8590.

Buntes Allerlei.

Selbstbiographie der Derbrecherkönigin.

Chicago May", mit ihrem bürgerlichen Namen Man Churchill, bie vor kurzem verstorbene Ver­brecherkönigin, die bei ihrem Todedie verruchteste Frau der Welt" genannt wurde, hat eine Selbst­biographie hinterlassen, die jetzt unter dem Titel Chicago May ihre Lebensgeschichte" erschienen ist und ein psychologisch interessantes Dokument dar­stellt. Wie die meisten Verbrecher ist auch Chicago May zu der Ueberzeugung gekommen, daßVer­brechen sich nicht bezahlt macht".Meine Unkosten waren zu groß", schreibt sie.Was ich für Rechts­anwälte und Gerichtskosten ausgeben mußte, was mir von Helfershelfern und Erpressern abgenommen wurde, belief sich auf mindestens neun Zehntel mei­ner Roheinnnahmen. Ich hatte gute Zeiten und schlechte Zeiten, aber ich mußte schwer arbeiten und viel leiden für die guten Zeiten, und die schlechten kamen so notwendig, wie der Landmann mit schlech­tem Wetter rechnen muß." Diese schöne Verbreche- rin, die eine ungeheure Macht über Männer besaß, arbeitete hauptsächlich als Hochstaplerin und Erpres­serin. Sie wußte Männer, die mehr Geld als Ver­stand hatten, zu umgarnen und auszubeuten, und machte sich besonders an in der Oefsentlichkeit stehende Persönlichkeiten, an die sie bann immer wieder Forderungen stellte, bie sie aus Angst vor ber Bloßstellung befriedigten. Sie lehnt die Bezeich­nungDiebin" entrüstet ab:Ich habe niemals mir Dorgenommen zu stehlen, wenn die Gelegenheit dazu auch noch so günstig und verführerisch war. Ich habe auch niemals aus bloßem Vergnügen ge­stohlen; ich bin keine Kleptomanin. Wenn ich mir von meinen Freunden auf eine Weile Geld ver­schaffte, bie ben Gesetzen zuwider lief, so geschah es, weil ich Gelb brauchte und weil ich keine Arbeit fanb, bie mir genug eingetragen hätte, um ein Leden auf bem Fuße zu führen, ben ich mir wünschte." Sie war eine geborene Irin, stahl ihrem Vater mit 14 Jahren 60 Pfunb und entfloh nach ben Vereinigten Staaten. In Chikago heiratete sie ein Jahr später einen bekannten Hochstapler, ber sie ausbildete; sie behauptet aber, denletzten Schliff" erst in London erhalten zu haben. Sie beschäftigt sich in ihren Lebenserinnerungen hauptsächlich mit ihren Methoden und viel weniger mit den großen Verbrechen, die s in der ganzen Welt berüchtigt machten, wie mit dcm Mordversuch gegen ihren früheren Freund Eddie Guerin, der von einem an- bern ihrer Freunde Charlie Smith erschossen wurde, und dem großen Raub, ben sie bei ber American Expreß-Gesellschaft verübte.

Blinde Passagiere.

Es ist nickt Nachahmung der blinden Zeppelin- Passagiere, sondern sozusagen eine V o l k s s i t t e in Spanien, baß die Mehrzahl der Reisenden heute ohne gültige Fahrkarte in den spanischen Zü­gen mitfährt. Natürlich wehrt sich die Eisenbahn gegen diesen Unfug so gut sie es vermag und je­her Zug wird von Gardisten begleitet, die über­aus ftreng vorgehen, wenn sie einen blinden Passa­gier erwischen aber trotz ihrer großen Zahl soll es nur selten gelingen. Dann allerdings geht es dem säumigen Zahler schlecht. Wer Geld hat, muß den doppelten Fahrpreis bezahlen, wer Feins hat, kommt mindestens zehn Tage ins Gefängnis. Wenn der Schaffner nicht bezeugen kann, auf welcher Sta­tion ber blinde Passagier zugestiegen ist, muß er ben Fahrpreis für die ganze Strecke zahlen, was unter Umständen sehr teuer sein kann. Also sind alle Gefängnisse Spaniens mit Leuten gefüllt, die bei dieser allgemeinen Volkssitte abgefaßt wurden. Besonders an Feiertagen und zu Festen schwillt die Zahl der blinden Passagiere ins Unübersehbare. Als kürzlich bei Cadiz ein großer Stierkampf statt- fanb, fanden die Schaffner in einem dichtbesetzten Zuge so viele Leute ohne Karten, daß ihnen angst wurde und sie ben Zug halten ließen, um die Passa­giere zunächst einmal loszuwerden. Da aber nicht viele Gardisten und sehr viele blinde Passagiere vorhanden waren, entkamen sämtliche Schwarzfah» rer auf dem Wege zum Gefängnis und Polizei und Eisenbahn hatten wieder einmal das Nachsehen.

Zeitschriften.

Das schöne Heim, Monatshefte für Haus. Wohnung. Garten, Kunsthandwerk. Ver­lag F. Druckmann QI.»®., München. Monatlich 1,60 Mk. Diese neue Zeitschrift widmet sich einem Gebiet, dem in unseren Tagen besondere Aktualität zukommt, um so mehr, da auch die Wohnansprüche mittlerer und einfacherer Art genügend behandelt werden. In dem Eröffnungs­heft finden wir zunächst Olbbildungen mehrerer Einfamilienhäuser von Architekt I. C. Mangner mit Verständnis für die Anpassung des Hauses an das Daugelände und seine Umgebung und natürlich auch an die Menschen, die es bewohnen sollen. Rach Entwürfen von Architekt Grenander sehen wir Räume, Möbel und dekorative Ar­beiten. Mehr auf einfachere Ansprüche zuge­schnitten sind die Räume und Möbel von Mar­lene Poelzig, die unseren Anforderungen nach einer guten schlichten Form, wie sie der ge­bildete Mittelstand bevorzugt, entsprechen. 3m kunsthandwerklichen Teil werden Porzellane ge­zeigt, moderne Dlumenständer, dekorative Stoffe usw. Aber auch praktische Fragen werden nicht vernachlässigt, wie uns die illustrierten Bei- träge über die neuzeitliche Küche, über den ge­deckten Tisch, über Zeitnöte und Gartenform, Eigenheim und Blumenschmuck, die Plastik im Heim usw. beweisen.

3m Zauber des Zirkus" heißt ein inter­essanter Dilderaufsah von Dr. Alfred Lehmann in Rümmer 4411 der Illustrierten Zei­tung (Verlag 3. 3. Weber, Leipzig). Auch sonst enthält die vorliegende Rümmer viel Lesenswer­tes. Ein Kunstbeitrag zeigt einige Beispiele aus dem Schaffen des anthroposophischen Malers Bernhard Eib. Ein TableauLinser Storch" bietet interessante Momente aus dem Leben unseres Freundes Adabar. An reproduzierten Kunst­werken sind zu nennen: die GemäldeMittags­stille" von Georg Wickert,Marion" von Wolf­gang Dom und drei RadierungenMalerisches aus Görlitz" von Otto Engelhardt. Allerlei in­teressante Ereignisse aus der Tagesgeschichte, dar­unter das 50jährige 3ubiläum des deutschen Reichsgerichts.

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