Nr. 250 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Dienstag, 1. Ottober (920
Etikette in Südamenka.
Von Heinz Erich Platte.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
Das argentinische Kaffeehaus.
In Deutschland ist ein Rendezvous eine höchst einfache Sache. Erfreut man sich erst des grundsätzlichen Einverständnisses der lieblichen Gegenseite, so kann man getrost irgendein Cafe als Treffpunkt vereinbaren, wo sich bei Apseltorte und Schlagsahne die zärtlichen Beziehungen rasch befestigen und vertiefen. Wenn man schon vorher zur Stelle ist, bestellt man eben ein Kännchen Mokka und wartet. Der Kellner sagt nichts. (Was sollte er auch sagen?) —
In Argentinien sagt er was. Er will wissen, was du hier so allein zu suchen hast. Dies hier sei die „sala para familias“ (der Familienraum), jagt er, sagt es so laut, daß es alle anwesenden „Familien" (sprich: Oiebespärchen) hören und jich nach dir umdrehen. In deiner Verwirrung bestellst du einen Cocktail, den dir der Kellner aber nicht bringt; im Gegenteil, er mobilisiert den Geschäftsführer, der dich mit scheinheiliger Liebenswürdigkeit darüber aufklärt, dah das Betreten dieses Raumes nur in weiblicher Begleitung gestattet ist. Deine Bemerkung, daß du ja eine Dame erwartest, wird zwar mit vielsagendem Augenzwinkern zur Kenntnis genommen, ändert im übrigen aber nichts an der Tatsache, daß du das Lokal auf jeden Fall zu räumen hast. Du greifst also nach Hut und Stock, sagst irgendetwas Unhöfliches auf spanisch und ziehst draußen auf Posten, bis deine- argentinische Freundin mit der obligaten südamerikanischen Verspätung nach geraumer Zeit endlich sichtbar wird.
In Buenos Aires ist das nämlich so: der Aufenthalt in den Kaffeehäusern ist an sich nur männlichen Gästen gestattet. Hm nun aber auch den graziösen und glutäugigen Vertreterinnen des schönen Geschlechts Gelegenheit zu geben, sich bei Äs und Limonade zu erholen, hat man diese „sa!a para familias“ geschaffen, jenen Extraraum, den wiederum kein männlicher Gast betreten Darf, es sei denn, dah ihn eine Dame „mitnimmt". Diese „sala para familias“ ist denn auch die liebliche Oase inmitten der verwirrenden und aufreibenden Hast des südamerikanischen Weltstadt- getriebes, in die sich (aus begreiflichen Gründen) jedes europäische Grünhorn in der ersten Zeit verirrt. Denn es ist ja viel verlockender, bei exquisitem Mokka exotische Schönheiten zu bewundern, als in verqualmten Räumen bei lärmendem Tangogedudel sich über jene schwarzhaarigen, temperamentvollen und beredsamen Gäste zu ärgern, die mit Vehemenz und Ausdauer auf den Boden spucken und deren Unterhaltung lärmend wie eine Wahlversammlung ist.
Rein, da geht man doch lieber in den „5a- milienraum“ (denkt der Reuankömmling). Und wenn es chm dann einige Male hintereinander passiert ist, daß er mangels der notwendigen weiblichen Ergänzung mit mehr oder minder ausgesuchter Höflichkeit hinauskomplimentiert wurde, wird er, je nach seinem Temperament, verwundert den Kopf schütteln oder auf das Land jchimpfen, dessen vielgerühmte Freiheit auf die wahlberechtigten Wünsche des Junggesellen auszudehnen man augenscheinlich vergessen hat.
Das Kaffeehaus ist für jeden waschechten Argentinier ein angenehmer Aufenthaltsort, den er oft und gern besucht. Wenn er z. D. auf der Straße einen Bekannten trifft, ihn in der üblichen Weise nach seinem Wohlergehen gefragt und (im Winter) über die „barbarische Kälte" geklagt hat, fordert er ihn sogleich auf, mit ihm zusammen einen „cafecito“, ein Täßchen Kaffee zu trinken. Dieser Kaffee, in winzigen Tassen serviert, ist das argentinische Rationalgetränk. Es scheint auch, als ob er hier dieselbe Wirkung auslöst wie in Deutschland der stammtischerhaltende Gerstensaft. Wenn nämlich der Kellner den damvfenden und köstlich duftenden Mokka vor den Gast hingestellt hat, fühlt dieser sogleich das zwingende Bedürfnis, zu diskutieren._______
Und wahrlich, es wird diskutiert! Mit Ausdauer, Leidenschaft und verschwendungssüchtigem Stimmenauswand. In argentinischen Kaffeehäusern kann man am besten die Beobachtung machen, wie gewandt der Romane im allgemeinen das Wort zu gebrauchen versteht. Dah es sich hierbei meistens um Richtigkeiten handelt, ist an sich belanglos; bemerkenswert bleibt die bewunderungswürdige Hingabe an irgendeine aufgegriffene Idee, ihre glänzende Qkrteibigung und die dabei zutage tretende Kunst geschickt gesteigerter Argumentation. Da auch der Gegner seine Auffassung zu verteidigen weih, wird die Unterhaltung immer hitziger, die begleitende Geste der Hände immer eindrucksvoller, bis bann schließlich, wenn man aufbricht, eine Einigung zustanbe kommt. Denn es geht hier ja weniger um das Prinzip als vielmehr um bie Unterhaltung, die zum Selbstzweck geworben ist. Man sitzt doch im Kasfeehause, und es wäre ja etwas Ungewöhnliches, nein, noch nicht Dagewesenes, schwarzen Mokka zu schlürfen und sich dabei gegenseitig anzuschweigen.
Für den Europäer, der mit dem Gedanken an weltstädtischen Kaffeehausbetrieb die Vorstellung von prickelnder Musik, von Lebenslust und schönen Frauen verbindet, ist das argentinische Kaffeehaus eine Enttäuschung. Abgesehen von einigen wenigen Lokalen sieht er in den Kaffee- Häusern der argentinischen Bundeshauptstadt gewöhnlich nur Männer, die, den Hut auf dem Kopfe, vor ihrem „cafecito" sitzen und dabei über Politik, Geschäfte, Boxsport unb über die Frauen reden. —
Südamerikanische Bauernhochzeit.
Fast senkrecht aus wolkenloser Höhe wirst der Sonnenball seine Lichtgarben auf die Steppen und Urwälder Südamerikas.
Da ist irgendwo ein Dorf im nördlichen Argentinien mit niedrigen, schmutzigen Lehmhütten und malerisch gekleideten braunen Menschen. Die Wege sind von einer dicken weihen Staubschicht bedeckt, und wenn ein Reiter vorbeigaloppiert, steigt hinter ihm eine graue Wolke empor, die eine Zeitlang in der windstillen Luft hängen bleibt.
Draußen am Ausgang der Ortschaft steht inmitten weiter Baumwollfelder der Rancho eines correntinischen Pflanzers, dessen Tochter sich heute mit einem griechischen Almacenero (Krämer) verheiratet. Die beiden leben ja schon längst zusammen; da aber gerade der Kura auf einer seiner Misfionsreisen im Dorfe weilt, soll die Hochzeit jetzt nachgeholt werden.
Der große geräumige Hof, der von zwei offenen, aus Lehm errichteten Scheunen begrenzt wird, läßt eigentlich gar nicht erkennen, dah hier ein Fest gefeiert werden soll. Rur die riesigen Mengen von Spiehbraten, die über dem roten Haufen glühender Holzkohle schmoren, sowie vier grohe, mit Mendozawein gefüllte Korbflaschen lassen darauf schließen, dah Gäste erwartet werden.
Ganz allmählich, in langen Zwischenräumen, stellen sich die Geladenen ein. Die meisten sind zu Pserde, da ihr Weg weit ist; manchs von ihnen haben fünfzig und mehr Kilometer zurückgelegt. Ihr Festgewand besteht aus weihen „Dombachas" (Pumphosen), dunklem Rock und einer frisch gewaschenen Halsbinde. Die Frauen tragen grellbunte, mit Glasknöpfen ober Sicherheitsnadeln zusammengehaltene Kleider unb farbige Kopftücher. Auch alte Mütterchen sieht man unter den Hochzeitsgästen, bie ben weiten Weg ebenfalls zu Pferde bewältigt haben. Doch man merkt ihnen die Strapazen kaum an, wenn sie, die kurze Stummelpfeife im Mund, lustig paffend von ihrem Reittier herunterklettern.
Der Sohn des Hauses macht bie Honneurs; er geht den Gästen entgegen, traktiert die kläffenden Hofhunde mit Fuhtritten und nimmt die Pferde in Empfang, ©eine jüngere Schwester
Vortrag von Wilhelm Schäfer
Zn der ersten Abendveranstaltung der Gießener Ferienkurse sprach gestern der Dichter Wilhelm Schäfer über bas Thema „D e r Dichter unb seine Z e i t". Der Vortrag, aus dem Manuskript gelesen, erschien sowohl als Musterbeispiel jenes höchst kultivierten Prosastils, der sich etwa in Schäfers berühmten Anekdotenbuch unvergänglich nieder- gelegt findet, wie auch als die letzte, prägnanteste Formulierung des bis an die Grenze des Metaphysischen durchgedachten Themas. Gerade deswegen war es aber nicht leicht und manchem sicher unmöglich, diese innerlich ausgereiften und äußerlich antithetisch geschliffenen Gedankengänge während des Vortrages (der sehr klar artikuliert war, aber dem Hörer keinerlei Hilfen vermittelte) völlig und ohne Gedankensprünge oder Lücken zu folgen. Man würde u. E. mehr Genuß und Gewinn aus diesem Essay gezogen haben, wenn man ihn in Muße und wiederholt hätte lesen können, statt ihn gesprochen zu hören. Jedenfalls erscheint es im Rahmen eines knappen Referates kaum möglich, jemandem, der der Veranstaltung nicht beigewohnt hat, mehr als einzelne Gesichtspunkte aus dieser Vorlesung zu vermitteln.
Schäfer ging aus von einer abstrakten Definierung des Zeitbegriffes und seiner Relativität. Er bestimmte dann vier Generaltypen als jeweilige Zustandsforinen des menschlichen Geistes, indem er ein klassisches und ein romantisches, ein epigo- nisches und ein rebellisches Zeitalter einander gegenüberstellte. Ein historischer Rückblick bemühte sich um die Aufzeigung des Verhältnisses des schöpferischen Menschen zu seiner Zeit, im deutschen Mittel- alter, danach um die beispielgebende Stellung Goethes zu den zwischen äußersten Grenzpolen schwingenden Epochen seines Lebensraumes, zu seinem Volke und feine Vereinzelung und Vereinsamung in seinem Volke. Dies führte zu der grundsätzlichen Abgrenzung und Gegenüberstellung des Schriftstellers, der zeitgemäß sein will, und des Dichters, der bilden will und unzeitgemäß fein muß.
Der Vortragende erweiterte sein Thema zum Schluß mit einem Ausblick auf unsere Zeit und die gegenwärtige Weltwende des Abendlandes. Abseits vom politischen Radikalismus einer rebellischen Jugend, die aus zwei Feldlagern hüben und drüben die Festung der alten Ideale berennt, steht der
Dichter, weder Held noch Genießer; dessen Natur und Freiheit ist: zu singen wie der Vogel singt; er kann feinem andern Zustand seines Volkstums Gestalt geben als der Prägung seiner selbst. Der Krieg hat ein Stichwort der Mächte in die moderne Menschheit gerufen, das nicht mehr zu überhören ist: zurück zur Natur! —
Der Vortrag fand lebhaften Beifall im gut besetzten Auditorium. —y —
Haydn, Mozart, Cherubim.
Zum Lymphonie-Konzert des Orchefter-Bereins.
Das musikalische Barock hatte in Bach unb Sjänb c l seinen Höhepunkt unb damit zugleich den Abschluß einer Entwicklung erreicht. Es fand seinen Ausklang in dem galanten Stil des Rokoko. Sielem Entwicklungsausläufer parallel ging das Erwachen des wahren Gefühls, eine Rückkehr zum Raturhaften. Wie sich in der Literatur dieser Umschwung in der „Sturm- und Drang-Periode" äußert, so führt hier der Weg in der Musik über bie Empfinbfamkeit hin zum Subjektivismus, ber mit seiner Dämonik in ber romantischen Periode ausklingt.
Der kontrapunktischen Kunstübung des Barock tritt eine Wendung zum Homophonen, Akkord- lichen gegenüber, indem die der Oberstimme anvertraute Melodie in erster Linie Träger der Empfindung und insbesondere die Chromatik zum Ausdruck subjektiver Erregung wird. Dieser Durchbruch der persönlichen Empfindung des Komponisten ändert sich mit der jeweiligen innerlichen Entwicklung ;ebes Tonstücks, während das Barockzeitalter im Ablauf jedes musikalischen Satzes einen einheitlichen Grundaffekt zu bewahren suchte.
Diese Wandlung mochte einmal ihre Wurzeln bei einigen führenden Persönlichkeiten sowohl der neapolitanischen, als auch in der oberitalienischen Schule haben, welch letzterer sich Iohann Christoph Dach anschlieht; zum anderen fand sie ihren ersten Ausdruck in einigen Vertretern der Wiener Schule (Wegenseil, Monn u. a.). Den stärksten Durchbruch des Impulsiven gaben die Anhänger der Mannheimer Schule mit ihrem Führer Iohann S t a m i tz dubch die Ausbildung einer besonderen Orchesterdynamik. Das Mann-
famrnelt die Umschläge- und Kopftücher der weiblichen Gäste.
Dann geht es in die Festhalle. In dem einen der großen Schuppen sind an beiden Längsseiten Bänke hergerichtet. Dorthin setzen sich die Gäste, rechts bie Männer, links die Frauen.
Inzwischen ist der Kura in einem Fordauto eingetrofsen und nimmt in einem entlegenen Winkel des Hauses die Trauung vor. Damit ist der Bann gebrochen, und der Hochzeitsschmaus nimmt seinen Anfang. Die Speisenfolge weist Suppe, Spießbraten, kaltes Fleisch, Geflügel, Mais unb Süßkartoffeln auf. Es wird langsam und mit großer Ausbauer getafelt. So um Sonnenuntergang herum sind alle satt.
Run begirmt der heitere Teil. Der Polizeikommissar hat zwei Beamte geschickt — für alle Fälle. Sie werden mit Hallo empfangen und bewirtet, was sie jedoch nicht hindert, die Hochzeitsteilnehmer liebevoll nach Waffen zu visitieren. Ieder gibt bereitwillig sein langes Messer zur Aufbewahrung her; wer dunkle Absichten hegt, hat es schon vorher versteckt.
Zwei junge Burschen stimmen ihre Gitarren, und bald darauf sieht der blasse Mond dem Tanz fescher Paare zu. Es ist eine schwüle Rächt, und der Schweiß rinnt den Männern in Strömen in die Halsbinde, doch würde es niemand wagen, den dunklen Rock auszuziehen. Das wäre ein grober Verstoß gegen die Etikette des argentinischen Kamps, die der Gaucho niemals verletzt.
Die beiden Gitarrenspieler werden nicht müde, in ununterbrochener Reihenfolge sämtlich- Tangomelodien Argentiniens erklingen zu lasten, bis ihnen ein plötzlich auftauchendes Instern ment der modernen Zivilisation Schweigen auferlegt: das Grammophon! Der Vater der Braut hat es zur Feier des TageS für teures Geld extra geliehen. Als dann ber erste Walzer sich bünn unb krächzend durch die Trvpennacht schwingt, lauscht alles ergriffen diesem unerklärlichen musikalische» Wunder.
Inzwischen ist der rote Menbozawein in großen Quantitäten durch die durstigen Gauchokehlen geflossen und hat eine primitive Fröhlichkeit entfesselt. Die Paare brefjen sich wild durch diq von Schweiß- und Alkoholgeruch erfüllte Atmosphäre. Alles schreit, singt und tobt. Ein alter, bärtiger Gaucho bellt wie ein Hund; es ist der Freudenschrei der Guarani-Indianer, den er nachzuahmen sucht.
Da, ein Schrei aus einem Dutzend Kehlen! Ein junger Bursche, der immer gerade mit dem schönsten Mädel tanzte, liegt am Boden, und bas Blut quillt langsam aus der Brust und färbt das weih gewaschene Halstuch rot.
Die beiden Polizisten reiten schweigend dem Dorfe zu; zwischen ihnen schreitet schwankend der Täter.
Auf der Pflanzung aber ist es ganz still geworden. Die Gäste sind davongeritten — bie Hochzeit ist aus.
Erster Menschenflug mit Rakete.
WSR. Frankfurt a.IN., 30. Sept. Rach zwei kleinen Startversuchen heute vormittag, bie beide jedoch nicht völlig glückten, gelang heute nachmittag um 3 Uhr Fritz v. Opel auf dem Frankfurter Flugplatz in Anwesenheit weniger Personen, darunter der bekannten Raketen/onstrukteur Sander, der erste Flug mit einem Flugzeug, das allein durch Raketenkraft durch die Luft befördert wurde. Der Start erfolgte auf einer metallenen Startbahn, aus der sich ein durch Raketen angetriebener Schlitten bewegte. Auf dem Schlitten stand das Flugzeug. Sobald die Raketen im Start- schlitten eingeschaltet waren, schoß das Flugzeug von der metallenen Startbahn in die höhe und entschwand tm selben Augenblick hinter einer Rauch- und Feuerwolke den Blicken der Zuschauer. Das Flugzeug umkreiste in weitem Bogen den Flugplatz und legte eine Strecke von etwa 10 Kilometer zurück, wobei die Flughöhe etwa 50 Meter betrug. Der Flug war mit starkem Brausen und Zischen der Raketen begleitet. Besonders
eindrucksvoll war die hohe Geschwindigkei! des Flugzeuges und der diesem nachziehend« kilometerlange Rauchschweif am Himmel. Rach einem steilen Sturzflug näherte sich das Flugzeug wieder dem Boden und wurde mittels Landeraketen nach wenigen Meter Auslauf zum Stehen gebracht. Bei dem Flugzeug handelt es sich um ein Segelflugzeug, ähnlich denen, wie sie auf der Wasserkuppe in Betrieb sind. Der Rumpf ist etwa 3,50 Meter lang, hat vorn den üblichen Führersitz und läuft hinten in einen viereckigen Kasten aus von etwa Quadratmetergröhe. 3n diesem Kasten stecken zwölf Raketen von etwa 12 Zentimeter Durchmesser, die sowohl dazu dienen sollen, das Segelflugzeug die 50 Meter lange Gleitschiene entlang zu fahren, als auch es nach dem Start in die Luft zu heben. Die Gleitschienen selbst ist ein Eisengestell von etwa einem Meter höhe, links und rechts befindet sich eine Führungsschiene, während der Boden mit Eisenbieck belegt ist, auf dem das ganze Flugzeug entlang gleitet.
Eisenbahnzusammenstoß in Mainz.
WSR. Mainz, 30. Sept, heute nachmittag um 2.45 Ahr fuhr ein von Bingen kommender Fern- D - 3 u g kur; vor der Einfahrt in den Mainzer Hauptbahnhof einem auslaufenbcu Güterzug in bie Flanke. Die Lokomotive bes Schnellzugs entgleiste. Mehrere Wagen bes Güterzugs würben zertrümmert. Drei Postbeamte und zwei Reifende wurden leicht verletzt.
Wie von der Reichsbahndirektion Main; ergänzend mitgeteilt wird, hatderfv462dasEinfahrt- f i g n a l bei Stellwerk 6 im Bahnhof Mainz überfahren und ist dadurch dem ausfahrenden Güterzug in die Flanke gefahren. Die Verletzungen der drei Postbeamten und zwei Reisenden sind leichterer Ratur. Beide Hauptgleise sind auf mehrere Stunden gesperrt. Die Reisenden des V-Zuges setzten ihre Fahrt fort. Der Verkehr wird durch Umleitung aufrechterhalten.
Bei dem Zusammenstoß wurden sieben Wagen des Leergüterzuges vollkommen zertrümmert. Die starken Eisenschienen der
Fahrgestelle wurden wie Streichhölzer geknickt und zu unförmlichen Knäueln zusammengebogen. Die Unfallsielle zeigt ein Chaos von verbogenen Eisen- feilen, in den Boden eingewühlter Wagenräder und zersplitterter Holzteile. Die Lokomotive und der Tender des V-Zuges entgleisten. Die Lokomotive legte sich auf die Seite und setzte die Trümmer der Wagen in Brand. Ein hitfszug mit Sanitätspersonal und der Feuerwehr war alsbald zur Stelle. Während der sofort begonnenen Ausräumungsarbeiten muhten die immer wieder aus dem Trümmerwirrwarr hervorschlagenden Flammen gelöscht werden. Der V-Zug wurde umgeleitet und traf mit etwa zweistündiger Verspätung in Mainz- hauptbahnhof ein. Die Aufräumungsarbeiten gestalten sich sehr schwierig, da die ineinander geschobenen Eisenteile mit Schweihapparaten voneinander getrennt werden müssen.
Der Bahnpo st wagen des V-Zuges, der an der Unfallsielle zurückblieb, wurde nur wenig beschädigt. Er war mit e l f B e a m t e n des Bahnpoftamts
Heimer Krefcenbo übte ben allerstärksten Eindruck auf ben jungen Mozart aus. Im Ror- ben Deutschlanbs Wirb Philipp Emanuel Dach zum Haupt einer Schule, die von Einfluß auf Joseph Hahbn wirb.
Die These früherer Zeit, Joseph Hahbn als ben ursprün pichen Schöner ber Symphonie anzu- feiert, ist angesichts der Leistungen der ihm vor- angehenben Zeitgenossen nicht mehr völlig haltbar: beim bie Form ber Symphonie als solcher mit ihrer Aufstellung ber Themen ber Durchführung unb ber Regrist war schon burch bie Mannheimer gegeben worden. Ebenso hatte das Menuett schon vor Haydn seine Einführung in bie Symphonie gefunden, nur die (Norddeutschen lehnten das Menuett als dem ernsten Charakter der Symphonie nicht angemessen ab; während es sich verjchiedentlich bei den Wienern nachweisen läßt. Ernjt allmählich arbeitet sich ber Shm- phoniestil bei Haydn zu jener klassischen Reife durch, die wir an seinen Spätwerken als sein persönlichstes Gut bewundern müssen. Er selber bekennt Philipp Emanuel Dachs Einfluß auf sich und weist den Italiener ©ammartini, den Lehrer Glucks, als Schmierer ab. Die mittlere Symphonieperiode (Pariser Symphonien) gibt dem galanten, geistreich konversierenden Stil des Rokoko, des abklingenden ancien regime, ihren Tribut, um anderseits unter dem Einfluß des erwachenden Humanitätsgedankens zu einer persönlich ausgeprägten Vollendung des Stils hinzuführen, als dessen klassischen Höhepunkt man die sogenannte 12 englischen Symphonien betrachtet. Zu diesen gehört'Die in Aussicht gestellte 6-Dur-Symphonie.
Mit Unrecht gibt man oft dem Meister die De- zeichnung „Papa Haydn" unb verwechselt babei die Raturfrische seiner Empfinbung mit einer gewissen zopfigen Gemütlichkeit. Allerdings haben die Hahdnschen Symphoniethemen einen ins Volkstümliche weisenden Charakter. Wie er sie aber verarbeitet, was er aus ihnen hervorwachsen und emporblühen läßt, wie er bas scheinbar nebensächlichste Motiv zu einem wichtigsten thematischen, organischen Faktor des Werkes werben läßt, das muß bei jedem bie allergrößte Bewunderung abatoingen. Und gerabe burch bie Art der Verarbeitung, bie eine äußerst gestraffte, konzentrierte, geistige Arbeit erfordert, ist er der Vollender des symphonischen Stiles ge
worden, auf dessen Errungenschaften nachfolgenbe Generationen weiterbauen konnten.
Das Hauptthema ber vorliegenden K-Dur-Sym- phonie erwächst aus einer Adagioeinleitung, wo es im Drechungslichte des Moll und ber Chromatik seine Gestalt gewinnt. Die Durchführung bes ersten Satzes ist ein typisches Beispiel bafür, welche innere Geschlossenheit unb Folgerichtigkeit Haydn ber thematischen Arbeit zu geben vermag. Der zweite Satz (Adagio cantabile) wird von einem weih.vollen Thema getragen, aus dem Gegenmotiv herausgewachsen; er läßt eine breit ausgeschöpfte erhabene Stimmung in Andacht ausklingen. Das Menuett und auch das Finale geben naturhafter Heiterkeit Raum. Bei Haydn gelten die ersten beiden Sätze dem Hauptgedanken des Werkes; erst Beethoven war es Vorbehalten, die Symphonie zu ihrem Gipfelpunkte im Finale zu führen.
Mozarts A-Dur-Klavierkonzert erweist ben Meister in der Beherrschung seines persönlichen Stiles, während er in früheren Werken seiner musikalischen Umwelt start verheftet gewesen war. Man könnte das Konzert fast als eine Symphonie mit obligatem ©oloinstrurnent ansprechen, so organisch fügen sich bie beiden gegensätzlichen Klangkörper des Klaviers und des Orchesters ineinander. Das virtuose Element erscheint hier in diesem; vielleicht als bas liebenswürdigste anzusprechende Werk unter den Konzerten Mozarts völlig dem musikalischen Willen untergeordnet.
Zu Anfang bes Programms steht Cheru- binis Ouvertüre zu ber Oper „Der Wasserträger"; einem Werke, bas inhaltlich stark Beethovens „Leonore" verwandt ist. Deechoven selbst schätzte Cherubini als ben befähigsten unter seinen Zeitgenossen ein. Dr. H.
Hochschulnachrichten.
In ber philosophischen Fakultät ber Universität Frankfurt a. M. ist ber Privatdozent für romanische Philologie Dr. Helmut H a h s e l b zum nichtbeamteten außerorbentlichen Professor ernannt worden. — Professor Dr. med. Werner Gerlach in Halle hat ben an ihn ergangenen Ruf auf ben Lehrstuhl ber Pathologie an ber Universität Basel als Rachsolger von Professor I R. Röhle angenommen unb wirb dem Rufe zum | 1. April 1930 Folge leisten.


