Ausgabe 
1.10.1929
 
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auf diese Weise Übervorteilen können, wenn sie ordnungsgemäß bei der Abrechnung vorgegangen wären. Tatsächlich ließen sie sich ledoch von der Berliner Stadtbank Aufträge beleihen dce überhaupt nicht gegeben u n d de ren Unterlagen gefälscht worden sind. Da die ersten Unregelmäßigkeiten schon vor vier.wahren begangen wurden, können die Sklareks <chon damals finanziell nicht mehr glänzend gestanden haben. Das lag jedoch zweifellos nicht an ihrem Geschäft, sondern an ihrem Privaten Geldver­brauch, der weit über ihre Berhält- nisse ging und den veränderten Zeiten nicht mehr Rechnung trug. Ueberall sind die Kaufleute in Schwierigkeiten geraten, die nicht begreifen wollten, daß die verschwenderische Wirtschaft der Inflationszeit mit der Einführung der festen Währung ein Ende finden mußte. Aber die Sklareks hatten nicht die Kraft, sich einzuschrän­ken. Mit der Leichtfertigkeit der Inflationshelden versuchten sie, auf unlautere Weise die Fehl­beträge wieder herbeizuschaffen.

Die amerikanische Invasion.

DieGefahren derNeberProduktion in USA.

für Europa.

Die Blicke aller Geschäftsleute sind seit Iahren nach Amerika gerichtet. Amerika hat das meiste Geld und Gold der Erde, es ist der einzige wirkliche Kriegsgewinnler und es nützt seine Chance restlos aus. Amerika leiht Europa Leid und läßt sich natürlich Zinsen dafür zahlen. Tatsächlich ist ja der amerikanische Markt derartig übersättigt, daß der Geldverleih in den Bereinig­ten Staaten kein Geschäft mehr darstellt. Niemand will Zinsen zahlen, weil zu viel Geld angeboten wird. Europa ist ein guter Abnehmer, aber Europa möchte auch die Möglichkeit haben, zu verdienen, damit es die Zinsen aufbringen und die Anleihen wieder amortisieren kann.

Es ist ganz selbstverständlich, daß für Europa die Vereinigten Staaten das größte und beste Absatzgebiet der Welt sind. Theo­retisch natürlich! In der Praxis liegt die Sache leider anders. Die Amerikaner müßten sich selbst sagen, daß sie Europa nicht den Verdienst überall wegnehmen oder schmälern dürfen, wenn sie die Aussicht, ihr Geld und ihre Zinsen wieder zu bekommen, nicht verlieren wollen. Sie tun aber gerade das Gegenteil, als ob es ihnen gleichgültig wäre, tote viele europäische Firmen, denen sie Geld geborgt haben, im Laufe der Jahre in Konkurs gehen. Amerika verschließt sich einesteils den ausländischen Produkten durch un­geheuer hohe Schutzzölle, will aber gleichzeitig den europäischen Markt erobern. So etwas ver­trägt sich auf die Dauer nicht miteinander, und es ist sehr leicht möglich, daß die Vereinigten Staaten voreinerKrise stehen. Eine Absah- krise ist ja bereits vorhanden. Der Automobil­markt gibt das beste und sprechendste Bild dar­über. Auf dem gesamten Erdball laufen zur Zeit rund 25 Millionen Automobile, davon allein 22 Millionen in U. S. A. Ieder 5. Einwohner hat seinen Wagen. Da Amerika seit Iahren schon jährlich 5 Millionen Wagen produziert, war vor­auszusehen, daß der eigene Markt eines Tages gesättigt fein müßte.

Dieser Moment ist gekommen. Die großen Fa­briken wie Ford und General Motors kaufen bereits alte Wagen zu den höchsten Bedingungen auf. nur um ihre neuen Produkte an den Mann zu bringen. Und trotzdem stehen allein bei Gene­ral Motors mehr als 100 000 Wagen, die zu­viel hergestellt wurden und nicht abgeseht werden können. Da soll Europa helfend einspringen, und es ist ja reichlich bekannt, mit welchen Mit­teln (nicht nur pekuniärer Art) die Amerikaner versuchen, das Geschäft auch hier an sich zu reihen, sich an Fabriken zu beteiligen und so weiter. Teilweise ist ihnen bad. ja auch gelungen, und die amerikanische Invasion bedeu­tet ohne Frage eine große Gefahr für uns Euro­päer und für uns Deutsche ganz beson­ders. Wir sind am tiefsten verschuldet, wir brauchten am nötigsten einen Ausfuhrüberschuß, und wir stoßen auf die größten Schwierigkeiten, weil uns das Geld fehlt, um unsere Ware im Ausland genügend an den Mann zu bringen. Der Wettbewerb mit den amerikanischen Pro­dukten ist so stark, daß die deutsche Automobil- Industrie, obwohl sie dem Auslande gleichwertige Produkte herstellt, seit Iahren auf keinen grünen Zweig kommt und keine Lieberschüsse erzielt. Wir haben im vergangenen Iahr 12 400 Personen­wagen aus LI. S. A. und 5400 aus Europa ein­geführt und nur 4600 Wagen ausführen können. Die Verhältnisse werden aber für uns von Tag zu Tag schlechter, da sich die Amerikaner wahrscheinlich sehr bald gezwungen sehen werden, ihre Wagen billiger zu verkaufen als sie es heute bereits tun. Die Lieberproduktion und die Absatz­stockung wird sie dazu zwingen, und wir werden nichts dagegen machen können, zumal wir nicht mit den gleichen Schutzzöllen arbeiten können wie das reiche Amerika.

Amtsgericht Gießen.

* Gießen, 24. Sept. Eine nächtliche Auto­mobilschwarzfahrt trug heute dem Chauffeur eines auswärtigen Geschäftsreisenden wegen fahrlässi­ger Körperverletzung drei WochenGefäng- n i s ein. Er hatte auf dieser Fahrt in schuld­hafter Weis? einen Radler überfahren, der durch den Llnfall nicht unerhebliche Verletzungen erlitt. Der Chauffeur kneipte mit einigen Zechgenossen den Abend vorher in einem hiesigen Lokal bis in die Rächt hinein. Dann kam ihnen der Ge­danke, mit dem Auto, das der Angeklagte aus der Garage holte, eine sog. Schwarzfahrt zu unternehmen. Sie fuhren in einen Rochbarort und belustigten sich dort bei Bier und Tanz. Auf der Rückfahrt hat sich dann der Llnfall zu- getragen. Die Schuld trug fraglos der Alkohol, dem der Chauffeur allzuviel zugesprochen hatte. Seine Trunkenheit durfte jedoch keinen Milde­rungsgrund bei der Festsetzung der Strafe bilden. Im Gegenteil, sie bildete einen Straferschwe­rungsgrund, und eine Strafe von drei Wochen Gefängnis erschien durchaus angebracht.

Ein Ausländer wurde in einem hiesigen Lokal von einem anderen Ausländer, der diesen ober­flächlich kannte, derart belästigt, daß ersterer das Einschreiten des Besitzers veranlaßte, zumal der Gast sich auch sn anderen Dingen höchst auf­fällig benahm, so daß Bedenken hinsichtlich seiner Zurechnungsfähigkeit nahelagen. Bei einem der vielen Versuche, ihn aus dem Lokal zu entfernen, beteiligte sich auch der andere Ausländer. Hier­über geriet anscheinend der Angeklagte derart in Wut, daß er ihm einen Stich in den Leib

versetzte. Er wurde festgenommen und stand heute wegen Körperverletzung vor Gericht. Reben einem Dolmetscher wurde zur Hauptverhandlung ein Sachverständiger zugezogen, der sich über den Geisteszustand des Angeklagten, der sich auch schon in Irrenanstalten befand, äußern sollte. Sein Gutachten fiel derart aus, daß das Gericht ihn auf Grund des § 51 StGB. (Ausschluß der freien Willensbestimmung infolge krankhafter Störung der Geistestätigkeit) f r e i s p r a ch.

Oberheffen.

Kriegerdenkmalsweihe in Beuern.

§ Deue r n, 30. Sept. Unter Beteiligung der gesamten Einwohnerschaft und vieler Gäste aus nah und fern fand am gestrigen Sonntag die Einweihung des Denkmals für die Gefallenen unseres Dorfes statt. Schon am Vormittag wurde in einem Gedächtnisgottes­dienst, an dem sämtliche Vereine mit ihren Fah­nen teilnahmen, das Andenken der Gefallenen geehrt. Kirchengesangverein und Schülerchor, beide unter Leitung von Lehrer Edelmann, schmück­ten mit passenden Chören die Feier aus. Die Gedächtnisrede hielt der Ortsgeistliche, Pfarrer Schmidt. Rachmittags stellte sich im Ders- röder Weg ein langer Zug, bestehend aus samt-

zelnen der Gefallenen einen von der Gemeinde gestifteten Kranz nieder. Rach der üblichen Ehren­salve des Krieger- und Schützenvereins wurden am neuen Denkmal unter ehrenden Worten Kränze niedergelegt und von der Gemeinde durch Bürgermeister Linden st ruth, von der Kir­chengemeinde durch Sattlermeister Otto, von dem Reichsbund der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen, Ortsgruppe Beuern, und der Bezirksleitung durch Benner (Heuchel­heim), von dem Krieger- und Schühenverein durch den Vorsitzenden Ludwig Stein, von dem GesangvereinPolyhymnia" durch Reinhard Ranft, von der Freien Turnerschaft und dem GesangvereinDruderkette" durch Ludw. Muhl, von dem Turnverein durch Wilhelm Arnold, von dem Kirchengesangverein durch Heinrich Linden st ruth, von dem GesangvereinLie­derkranz" durch Luis Kumpf und von dem früheren Ortsgeistlichen Pfarrer Wagner (Butzbach). Bürgermeister Linden st ruth gab einiges über die Entstehung des Denkmals be­kannt und übernahm das Denkmal in den Schuh der Gemeinde. Ergreifend wirkte das gemeinsame Lied der anwesenden Kriegsteilnehmer:Ich hall' einen Kameraden". Mit Gemeindegesang und Ge­bet schloß die Feier.

Wer von Osten die Hauptstraße her kommt sieht vor der Kirche auf eine etwa vier Meter

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lichen Vereinen, den Schulkindern und dem Orts- vorstand, auf, um sich unter Glockengeläute zum Weiheatt am Denkmal zu begeben. Rach Eröff­nung mit dem Riederländischen Dankgebet, vor­getragen von der verstärkten Kapelle Sommer- l a d (Beuern), trugen die Schulkinder der ersten Klasse unter Leitung von Lehrer Edelmann den Chor vor:Morgenrot". Gedichtvorträge von Schülern der ersten Klasse, und der Bedeu­tung des Tages angepaßte Gesangvorträge der örtlichen GesangvereineLiederkranz" (Dirigent Musiker Karl S o m m e r l a d),Polyhymnia" (Dirigent Heinrich S ch o m b e r),Bruderkette" (Dirigent Musiker Konrad Ricolai, Großen- Duseck) und des Kirchenchors (Dirigent Lehrer Edelmann) wirkten tief auf die Herzen ver vielen Menschen ein, die an der Feier teil­nahmen. In seiner Ansprache gedachte Lehrer Kahle der Bedeutung des großen Werkes, das unsere Gemeinde geschaffen hat. Er dankte allen Mitarbeitern, dem Kreisbauamt Gießen, dem Ortsvorstand und besonders dem Schöpfer des Denkmals, unserem einheimischen Bildhauer Wil- helm Heidwolf Arnold. Regierungsbaumeister Schneider, früher beim Kreisbauamt Gießen, von dem die ersten Gedanken der Schöpfung des Denkmals ausgegangen waren, war leider am Erscheinen verhindert. Die Weiherede hielt der Ortsgeistliche, Pfarrer Schmidt. Auf folgen­den drei Gedanken baute er seine Rede auf: 1- Gedenket der Opfer des großen Krieges. 2 Seid unseren Toten dankbar. 3. Seid der Toten wert. Rur durch Gerechllgkeit und Liebe könnten wir zur wahren und rechten Volksgemeinschaft kom­men. Linker dem Geläute sämtlicher Glocken ver­las Pfarrer Schmidt die Rainen der 62 Opfer des Weltkrieges, eine außerordentlich hohe Zahl bei einer Einwohnerzahl von rund 1000 im Iahre 1914. Iungfrauen des Ortes legten jedem ein­

hohe und acht Meter breite Lungsteinmauer, unter deren Deckplatte die Worte stehen:Ge­denket der Opfer des großen Krieges." Inmitten der Mauer erhebt sich etwa vier Meter über der Mauer ein vierseitiger Obelisk, dessen Spitze eine Steinkugel mit dem Eisernen Kreuz trägt. An der der Straße zugekehrten Seite des Ehren­hains erhebt sich das eigentliche Denkmal mit vier überlebensgroßen Figuren. Auf der Schauseite der Kampf: ein Iüngling mit hoch erhobenem Flammenschwert, eine Schlange, das Sinnbild des Bösen niedertretend. Auf der lin­ken Seite das Leid: eine alte Frau zwischen Hoffnung und Verzweiflung, die Darstellung des dumpfen, zermürbenden Wartens und Aushal­tens, nicht begreifend das Llnabwendbare. Auf der Rückseite das Opfer: ein Iüngling, dem Tode die Brust darbietend, eine Verkörperung des Opfermuts derer, die für Heimat und Herd in den Tod gingen in dem Bewußtsein:Deutsch­land muh leben, wenngleich wir sterben müssen." Aus der vierten Seite die Hoffnung: Aus Rot und Tod reiht die Mutter ihr Kind em­por und hebt es, an ihm sich aufrichtend, der Sonne, einer glücklicheren Zukunft, entgegen. Auf der Ostseite führt eine Treppe zu dem auf dem ehemaligen Friedhof unserer Vorfahren angeleg­ten Ehrenfriedhof hinauf. Unter dem Schatten alter Linden wurden rund an der Mauer her­laufend für die Gefallenen je eine Gedenkplatte mit den Personalien jedes einzelnen angebracht. Ruhebänke laben zum stillen Derweilen auf dem Ehrenhain ein. Das Material aller Gedenk­steine und auch der Obelisk selbst besteht aus Lungstein, dem ausgezeichneten Blasenbasalt un­serer heimischen Steinbrüche auf dem Rotenholz­berg. In den Brüchen der Firmen Damm und Fuhr wurden die Steinhauerarbeiten für das Denkmal erledigt. Das Denkmal selbst ist

ein Meisterwerk unseres Bildhauers Wilhelm Heidwolf Arnold, der auch das Denkmal des 116. Inf.-Regts. auf dem Brandplatz in Giehen geschaffen hat, und wird von Kennern als eines der besten, vielleicht sogar als das beste Werk des Künstlers, bezeichnet. Die Mittel wurden von der Gemeinde aufgebracht.

Landkreis Gietzerr.

? Heuchelheim, 30. Sept. Bei der dies­jährigen Gemeindeobstversteigerung wurden verhältnismähig hohe Preise für gute Aepfel erzielt. Dagegen war wie auch in anderen Gemeinden für Birnen fast gar keine Rachfrage, trotzdem die Heuchelheimer Breite Birne" eine der besten Mostbimen ist. Scheinbar aber kommen zahlreiche Haushaltun­gen immer mehr davon ab,Birnenhonig" oder Schnitzenhonig" zu kochen. Im Handel konnte man schon für 2 Mk. den Zentner Birnen er­halten. Für Reuanpflanzungen muß jedenfalls darauf Rücksicht genommen werden, daß in der Hauptsache Aepfelbäume gesetzt Werdern

* Klein-Linden, 30. Sept. Die unter Leitung des Dirigenten Heinrich K ö h l_? r, Großen-Linden, stehenden Männergesang­vereine fanden sich gestern nachmittag zu einem Sängertag im GasthausZur deut­schen Eiche" zusammen. Rach herzlichen Gruß­worten des Vorsitzenden des hiesigen Männer­gesangvereinsEintracht", August Böcking, trugen die MännergesangvereineEintracht", Klein-Linden,Einheit", Allendorf a. d. Lahn, Frohsinn", Hochelheim, undIugendfreund", Watzenborn-Steinberg, gut ausgearbeitete Chöre vor und ernteten reichen Beifall der Sanges­freunde. Die Tagung war dem Frohsinn, der Geselligkeit und dem deutschen Männergesang gewidmet und sollte dazu beitragen, Freund­schaftsbande fester zu knüpfen. Tanz, bei dem die Kapelle Lenz, Klein-Linden, die Musik stellte, schloß den schön verlaufenen Sängertag.

Lollar, 30. Sept. Das an mehrerem Sonntagen bei reger Teilnahme abgehaltene Preisschiehen des Veteranen- und Kriegervereins Lollar ging am gestri­gen Sonntag zu Ende. Es wurde bei einer Ent­fernung von 175 Meter Luftlinie über eine Bodensenkung hinweg mit Wehrmannsbüchsen auf die 12er Ringscheibe geschossen. An Stelle der sonst üblichen Preisgegenstände hatte der Verein in diesem Iahre auf vielseitigen Wunsch Geld­beträge für die besten Schützen ausgesetzt. Aus der Siegerliste seien genannt: Iosef Llhrberg mit 35 Ringen, Iustus Frank II., Konrad Pfeffer, Friedrich Heuser mit 33 Ringen, Karl Heuser, Karl Mayer, Heinrich Vo­gel (Mainzlar) mit 32 Ringen, Hch. Brück, Paul Werner, Karl Brück mit 31 Ringen, Otto Wagner, Ludwig Riederhöfer u. a. mit 30 Ringen. Die zum Ausschuß gekommenen! fünf Chrenscheiben erwarben Robert Heinrich, Ludw. Riederhöfer, Karl Mayer, Heinr. Vogel (Mainzlar) und Otto Wagner.

-r. Lang-Göns, 30. Sept. Die Kartof­felernte ist dank der guten Witterung nahezu beendet. Die Landwirte konnten fast überall ihre Maschinen zum Auswerfen in Tätigkeit sehen. Der Ertrag ist recht zufriedenstellend. In der Hauptsache zieht man hier die bekannte SpeisekartoffelIndustrie", die jedes Iahr von hiesigen Züchtern als Original- oder erste Ab­saat neu bezogen wird. Bei schönstem Wetter fand gestern das A b t u r n e n des hiesigen Turnvereins statt. Trommler und Pfeifer voran, marschierte ein Zug weißgekleideter Tur­ner (die Turnerinnen in blau) durchs Dorf, um dann auf dem Turnplatz ihr Können zu zeigen. Besonders müssen die gemeinsamen Freiübungen der Turnerinnen und Turner hervorgehoben iverden. Auch beim Schauturnen waren vor­zügliche Leistungen zu bewundern. Rebeii Reigen, Ballspiel u. a. war von großem Interesse das Preisturnen der Schülergruppe. Preisrichter waren R. Spies und B i n g e l (Grüningen). Die Leistungen der kleinen Turner, die hier zum Teil zum erstenmal auftraten, waren recht befriedigend. Die fünf ersten Sieger waren: Alb. Schwan, W. G ö r l a ch , Alb. Wenzels Helm. G a he r t und Helm. Baumann.

! Aus dem südlichen Kreise Gießen, 30. Sept. Die Preise, die bei den Obftoer- ft eigerungen an den Provinzial st ra­tz en erzielt wurden, waren sehr verschieden So konnte man die besten Tafeläpfel auf der Stratze Kirch-GönsLang-Göns schon für 3 Mk. den Zentner kaufen, während auf der Stratze nach Hochelheim und Großen-LindenLang- Göns einzelne Bäume sehr hoch im Preise ka­men. Allerdings haben gerade diese Straßen­stücke auserlesene Aevfel, wenn sie auch dieses Iahr etwas klein geblieben waren. Gelber Edel­apfel, Goldrenette von Blenheim, Harberts Re­nette u. a. kamen manchmal auf über 12 Mk. (je Zentner) am Baum.

D Lich, 30. Sept. Zum heutigen Kirch­weih m a r k t waren 329 Ferkel aufgetrieben. Bei lebhaftem Handel wurden bezahlt für Fer­kel bis zu 6 Wochen durchschnittlich 28 Mk., bis zu 8 Wochen 38 Mk., bis zu 10 Wochen 48 Mark und über 10 Wochen 60 Mk. Es ver­blieb geringer Lieberstand.

# Aus dem mittleren Horloff tal, 30. Sept. Wenn auch die diesjährige Obsternte bei weitem nicht an den Rekordertrag von 1927 heranreicht, so ist der Ertrag des Mo st obst es mindestens gerade so groß wie damals. Infolge der außergewöhnlichen Trockenheit sind nämlich bei starkem Behang die Aepsel klein geblieben, so daß sie als Eßobst nicht abzusetzen sind. Bereits hat die Aepfelweinbereitung allenthalben eingesetzt. Die Küfer haben alle Hände voll zu tun, um die Fässer in Ordnung zu bringen. Auch ist die Rachfrage nach neuen Gebinden groß. Teilweise sieht man auch von der Eigenkelterei ab und tauscht bei den gewerblichen Keltereien Aepsel gegen Most ein, und zwar für einen Zentner Most obst 30 Liter Aepfelwein. In diesen Tagen wurde das erste Winterobst verladen. Die Preise schwankten von 5 bis 10 Mk. je Zentner. Wirtschaftsobst, wie Herrenäpfel. Ontario, Rheinischer Bohnapfel u. a. kosten durch­schnittlich 6 bis 7 Mk., während Tafelobst (Win­ters Goldparmäne, Boskoop und Baumanns Renette) je nach Sortierung mit 7 bis 10 Mk. bezahlt werden.

Daten für Mittwoch, 2. Oktober.

1839: der Maler Hans Thoma in Bernau im Schwarzwald geboren (gestorben 1924); 1847: Reichspräsident von Hindenburg in Posen ge­boren; 1869: der indische Nationalist Mohandas Karamchand Ghandi in Porbandar geboren;

1927: der Physiker und Chemiker Svante Arrhenius in Stockholm gestorben (geboren 1859).