Ausgabe 
1.10.1929
 
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Dienstag, 1. Oktober 1929

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Nr. 250 Zweiter Blatt

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nisiert sind; auch in Südtirol wächst eine Genera­tion heran, die der Gesahr unterliegt, den gegen­wärtigen Zustand als eine Gegebenheit hinzu­nehmen.

Wir sehen zwei Wege und Möglichkeiten dieser Hilfe' wir müssen im Reiche und in aller Welt die Llcbcrzcugung verbreiten, daß Italien solange nicht Anspruch auf den Namen eines europäi- chen Staates hat, solange es einem hochkultivier­ten Volkstcil die einfachen Menschenrechte ver­weigert. Wir müssen besonders in Deutschland den naiven Glauben ausrotten, ein solches Ita­lien könne ernsthaft als politischer Partner an­gesehen werden; die Stellungnahme gewisser deut­scher Kreise zur Frage Südtirol ist ein Muster­beispiel für die verhängnisvollen Wirkungen der ilebertragung innerpolitischer Sympathien auf außenpolitisches Gebiet.

Diese mittelbare Arbeit muß ergänzt werden durch eine unmittelbare, praktische Hilfe, die sehr einfach ist: Reisen nach Südtirol. Laßt uns aus der R e i sefreudigkeit des deut­schen Volkes eine politische Waffe

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machen! Südtirol hat es nicht nötig, dah man seine landschaftlichen Schönheiten besonders an­preist, dies Land kann sich getrost mit der Schweiz messen, in die jedes Jahr große Summen deut­schen Geldes getragen werden, ohne den gering­sten Ruhen zu stiften. Jede Mark aber, die nach Alt-Italien getragen wird, ist ein politischer Verlust, während jede Mark in Südtirol einen politischen Dienst leistet.

Der Aufenthalt im Etschland ist zugleich das beste Heilmittel gegen eine unangebrachte Faszis- mus-Schwärmerei. Wir müssen helfen, ehe cs zu spät ist. Wir dürfen dem Gegner nicht die kleinste Konzession machen; die italienischen Post- und Vahnbcamten verstehen die deutschen Orts­namen ausgezeichnet. Wir müssen es als unsere Pflicht ansehen, die kleinen Unannehmlichkeiten gern zu tragen, die ein Aufenthalt imGefängnis Südtirol" mit sich bringt: was uns nur zum geringen Teile trifft und nur auf kurze Zeit, müssen dort deutsche Menschen Tag für Tag erduldend Südtirol hofft und vertraut auf uns das ehrende Wort soll uns zugleich eine Ver­pflichtung fein.

Die zahlreichen Skandale unserer Tage finden | oft ein zu gewichtiges Echo. Da spricht man von tragischen Schicksalen, erregt sich über den Zu- | sammenbruch scheinbar solider Häuser und wun­dert sich nach ein paar Zähren, dah die Träger hart mitgenommener Ramen seelenruhig im Ge­schäftsleben wieder auftauchen; oft gelingt es ihnen, ohne sehr große Schwierigkeiten, eine neue Existenz zu gründen. Roch kein Jahr ist ver­gangen, seit der Direktor eines chemischen Werkes in einem Verliner.Vorort verhaftet wurde, weil er durch schwere Urkundenfälschung und betrüge­rische Manipulationen seine Gläubiger um nahe­zu 10 Millionen Mark gebracht haben soll; da keine Fluchtgefahr mehr vorliegt, hat man ihn aus der Haft entlassen, aber der Skandalprozeß selbst steht noch bevor. Dennoch ist es diesem jungen Direktor, einem intelligenten und wag­halsigen Spekulanten, schon jetzt gelungen, wieder in angesehenen Kreisen Fuß zu fassen und ein neues geschäftliches Unternehmen aufzubauen. Spieler und Hochstapler sind verwandte Ra- turen, deren gemeinsamer Renner Leichtfertig­keit heißt. Die Summe von 10 Millionen Mark wird auch bei dem Fall der Vrüder Sklarek genannt, deren Zusammenbruch weder tragisch noch sonst beunruhigend ist, wenn man davon absieht, dah er ein trübes Licht auf die Leicht­gläubigkeit der Verliner Vehörden wirft. Die Sklareks sind ebenfalls im tiefsten Wesen Spie­ler, mögen sie nun an der Vörse spekuliert, mit Grundstücken Geschäfte gemacht, in den Spielklubs hohe Summen gesetzt oder eigene Rennstalle unterhalten haben. Solange die Spekulation glückte, war cs billig, von geschäftlichem Genie zu sprechen. Da sie jetzt fehlgeschlagen ist, wird nur die Tatsache offenbar, dah pfiffige und allzu eitle Spekulanten oft skrupellos in der Wahl ihrer Mittel sind, wenn sie Fehlbetrag« decken sollen.

Der neue Reichtum siedelt sich mit Vorliebe im allerneucsten Berliner Luxusviertel an, i n W e st- c n d. Dort wohnen in der Ahornallee die beiden Vrüder Max und Willi Sklarek in zwei Villen, deren elegante Ausstattung berühmt ist. Leo

ihren leisen Warnungsruf hörte, besann und unter die Bäume fuhr, deren Schatten sie beide vor den Blicken Reugieriger bargen.

Dort zog er die Ruder ein und begann zu sprechen, leise nur, aber dringlich, und seine Stimme hatte einen bestrickend warmen Klang, seine Worte waren berauschend für das uner­fahrene, junge Mädchen.

Käthe." sagte er.Sie müssen sich nicht vor mir fürchten, Sie dürfen es nicht, denn ich liebe Sie, habe Sie geliebt, als ich Sie das erste Mal sah, und wenn Sie mir ein wenig gut sein kön­nen. dann will ich zu Ihrer Tante gehen und sie bitten, dah sie uns heirate? läßt ..."

Ilm Gottes willen!" schrak Käthe auf und hob die Hände.Rur das nicht! Versprechen Sie mir. Herr Klauben, nicht zu meiner Tante zu gehen!'

Das klang so angstvoll, dah es ihn durch­schauerte. Warum fürchtete sie sich vor der alten Frau?

Doch er fragte nicht, er ergriff auch nicht ihre Hände, er wollte sie nicht einschüchtern. Er sprach nur:

Käthe, ich liebe Sie und will Sie zu meiner Frau machen! Wie soll da die alte Frau uns hindern? Oder lieben Sie mich nicht?"

Ich weih nicht." flüsterte sie.

Sie wissen cs nicht. Käthe? Freuen Sie sich denn nicht jedesmal, wenn wir uns Wiedersehen? Fühlen Sie sich nicht glücklich, daß Sie jetzt mit mir zusammensein können? Ist in Ihrem Herzen nicht eine Stimme, die für mich spricht, ein leises Jubeln bei meinen Worten. Käthe?"

Das junge Mädchen antwortete nicht. Er sah, dah üe den Kopf tief gesenkt hatte, und dann hörte er sie schluchzen.

Da kniete er vor ihr nieder und faßte die Hände, die sie vor die Augen geschlagen hatte, zog sic herab und prehte sie an seine Lippen.

Käthe, nun weih ich. daß du mich liebst!' rief er froh.Du zeigst es mir durch diese Trä­nen! ilnb nun werde ich dich nicht mehr lassen, nun muht du mein werden! Käthe, sage mir nur einmal, ob du mich liebst!"

Doch die ersehnte Antwort kam nicht. Rur das Schluchzen ward stärker als vorher. Die ganze zarte Gestalt erbebte. Und in unbeschreib­lichem Mitleid umfaßte Berndt sie und zog sie an sich.

Käthe, zweifelst du daran, daß ich dich glück­lich machen will? Mein Leben gäbe ich,für dich? Ich habe noch nie eine andere geliebt, ich werde nur dich lieben. Willst du nicht meine Frau werden?"

Lind als sie immer noch schwieg, fuhr er ein­dringlich fort:

Du fürchtest die alte Frau, die streng und hart gegen dich ist. Aber sie kann das Glück unserer Liebe nicht stören, kann nicht hindern, dah ich dich heirate. (Fortsetzung folgt.)

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leichter als mit den Heereslieferungcn zu vcr-

Die Sklareks waren keine Betrüger. Ihre Ge­schäfte wickelten sie so ehrlich ab, toic das nun einmal so üblich ist. Während des Krieges hat­ten sie zu hohen Preisen der Armee H ec r c s- materialicn verkauft, die nicht schlechter als die Lieferungen der Konkurrenten ausficlen. Als der Waffenstillstand diesem Geschäft em ®noe machte, siedelten die Brüder Sklarek aus Schle­sien nach Berlin über und kauften das Heeres- material zu entsprechend niedrigen Preisen zuruck. Alle Textilien waren zu verwerten: aus Uni­formen konnte man gute Zivilanzuge machen, denn das deutsche Volk hotte nichts mehr an- zuzichen. So verdienten Sklareks an den Web- warcn beim Verkauf und beim Rückkauf. Das Geschäft ging so gut, dah sie es nun nicht mehr nötig hatten, auf den Rennplätzen auf fremde Pferde zu wetten; sie wußten, daß man als Rennstallbcsiher in vornehmen Kreisen po­pulär wird, und sic konnten sich diese Verbesse­rung ihres Rufes etwas kosten lassen. Der vor­sichtige Max Sklarek hatte zwar zunächst Be­denken; aber die Brüder Willi und Leo kauf­ten sich im Jahre 1920 ein paar Pferde des Gestüts Graditz und gründeten damit einen Renn- stall, dessen Jockeys eine schwarze Klippe, eine weiße Jacke und eine altgoldene Schärpe trugen. Das war eine ziemlich bunte Ausstattung, die aber bald volkstümlich wurde, weil wirklich gute Pferde liefen. Berühmt geworden ist vor allen Dingen der Hengst Famulus, dcr von dem Jockey Rastenberger im Jahre 1923 zum ersten­mal zum Sieg geritten wurde. 3m vorigen Jahr war besonders erfolgreich das Pferd Lu­pus, das in den drei größten Rennen den Preis gewann. Die Erfolge dieses Rennstalles liehen dann auch Max Sklarek nicht ruhen, der sich ebenfalls einen Stall zulegtc, ohne die sport­liche Bedeutung seiner Brüder zu erlangen.

Es steht nicht fest, ob die Rennställe den Brü­dern Sklarek etwas eingebracht haben oder ob ihre Unterhaltung sogar noch Geld kostete. Aber die Sklareks hatten es nicht nötig, mit cm paar zehntausend Mark zu rechnen. Die Inflationszeit konnte den rührigen Brudern nichts anhaben; im Gegenteil verstanden sie es. ihr Vermögen ständig zu vergrößern, während die Kapitalien der großen Masse dahinschwanden. Ein besonders gutes Geschäft machten sie dann mit der ilebemaßme der K.V.G.. der Kleider­verwertungsgesellschaft der Stadt Berlin. Dieses Unternehmen war in den Kriegsjahren geschaffen worden, um dem Waren­mangel und der Rohstoffknappheit in der Reichs­hauptstadt ein wenig abzuhelfen. Ursprünglich wurden dort alte Kleider angeiammelt, die dann auf Kleiderkarten an die bedürftige Bevölkerung und an die Dienststellen der Stadt Berlin ab­gegeben wurden. In der K.V.G. vertrieb man auch die schrecklichen Bekleidungsstücke, die m jenen schweren Zeiten aus Papierfasern, Brenn­nesseln und ähnlichem Material hergestellt wur­den. Als es endlich wieder Wolle und Baum­wolle gab, geriet das Unternehmen in Schulden, und die Stadt Berlin war froh, dah die Brüder Sklarek die Firma übernahmen freilich nur unter der Bedingung, dah die Reichshauptstadt für die vorhandenen Schulden haftete und einen festen Lief erver trag abichloh, nach dem die K.V.G. die Aufgabe behielt, die Behörden weiter mit Kleidungsstücken zu versehen. Das Monopol, das ihnen bei der Versorgung der kommunalen Stellen damit zufiel, haben die Brüder Sklarek gehörig ausgenutzt. Da sie keine Wettbewerber hatten, konnten sie die Preise festfetzen, die oft in argem Mißverhältnis zur Beschaffenheit der Ware standen. Aber sie hätten wahrscheinlich noch jahrelang die Stadt Berlin

Aach einer Aeise durch Südtirol.

Von Friedrich Nerfling.

Der Ton macht die Musik, und die kleinen Er- lebnisse geben den Erfahrungen die Farbe.

Es wirkt wie ein Symbol, daß zwischen der österreichischen Station Drennersee und dem ita­lienischen Grenzbahnhof Brenner auf einer Strecke von 500 Meter die elektrische Leitung unter­brochen ist und eine Dampflokomotive umständlich die Verbindung Herstellen muß. Ihren ersten Pfiff wird kein Reisender vergessen; er ist das Zeichen eines allgemeinen Aufatmens. Endlich sind Beil und Ruten verschwunden, endlich haben die Schnüffler und faszistischc Miliz den Zug verlassen, endlich darf man sich wieder deutschen Landes freuen, nachdem in Südtirol Trauer und Zorn die Freude an diesem von der Ratur so reich beschenkten deutschen Volksboden verdunkelten.

Ich fuhr vom Brenner nach Innsbruck mit zwei Oesterreichern zusammen, einem Kaufmann, der in Meran Verwandte besucht hatte, und einem unteren Eisenbahnbeamten; beide waren mitein­ander bekannt. Wie oft mochten sie schon über Südtirol gesprochen haben, auch diesmal sprachen sie von Land und Leuten hinter der frcvlerisch gezogenen Sperre, die sie aus ganzem Herzen verdammten. Sie waren fest überzeugt, daß eine solche Grenze, entstanden aus Lug und Trug, , keine Dauer haben kann. Sic kannten ihre neuen Grenznachbarn aus vier langen Kriegsjahren zur Genüge, um zu wissen, daß sie nur Schwachen und Ohnmächtigen gegenüberstark" sind. Sic sagten einander:Der Deutsche muh es machen!"

Wer mit offenen Augen durch das gesegnete Etschland reist, ist beglückt von soviel Schönheit in immer wechselnder Gestalt. Wer diese Schön­heit spürt und bei ihrer. Anblick des bitteren Gegensatzes zum Schicksal seiner Bewohner nicht eingedenk ist, dem spricht man vergebens von Volksnot und Volkskampf. Aber nur die kleine Schicht der Snobs und der professionellen Landes­verräter kann gefühllos am Leid der Südtiroler vorübergehen. Wer mit eigenen Augen gesehen hat, wie die Südtiroler mit allen Mitteln der Politik und Verwaltung entrechtet und unterdrückt werden, für den kann, für den darf es nur eine Frage geben: Was können wir tun, um das Los der Südtiroler zu erleich­tern, um den Kerker zu spreng en, zu dem ein zynischer Feind seinenSieg' ausgebaut hat?

Italien, das Südtirol zum Symbol seines ver­meintlichen Sieges im Weltkriege erhoben hat und aus militärpolitischen und strategischen Grün­den im Besitz Südtirols die Garantie seiner Großmachtstellung zu sehen glaubt, wird niemals freiwillig das Land herausgeben, dessen unrecht­mäßigen Erwerb es mit der grotesken Theorie einer Reitalianifierung zu verdecken sucht. Die letzte Entscheidung über das Schicksal Südtirols . liegt im Bereich der großen Politik; wir können dazu nichts anderes tun, als in einer opfer­bereiten Gesinnung die Grundlage für diese neue Entscheidung" zu schaffen. Nachdem aber Italien die politische Führung der Deutschen Südtirols zerschlagen hat, nachdem die Schule völlig verwelscht ist und der Lateran-Vertrag dem italienischen Staat das Recht gibt, in allen Teilen des Landes auf die Bestellung italienischer Geist­licher zu dringen, nachdem schließlich auch die Wirtschaft in Abhängigkeit vom faszistifchen Sy­stem gebracht worden ist, kann es uns nicht ge­nügen, resigniert auf jene außenpolitische Ent- scheiduiVg zu warten. Mit jedem Tage wird die Zahl derjenigen kleiner, die aktiv und passiv Krieg gegen Italien geführt haben und dadurch gegen alle Verlockungen und Drohungen immu-

Wie die Sklareks groß wurden.

Millionäre des Krieges und der Inflation. - KonsektionSreisende^ennstallbesiher und Kleiderhändler en gros.

Von Walter Sersky.

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Als es Abend geworden war, schlich sich Berndt Klausen zu dem Hause unter den Ka» ft amen und umkreiste es, spähte bald durch dieses, bald durch jenes der unverhüllten Fenster, konnte aber nichts sehen, da alles finster war.

Endlich ging er, aber am nächsten Morgen fragte er seine Wirtin nach der Tante Käthes und erfuhr, daß sie eine alte Jungfer namens Wohllcbe sei, die schon über zehn Jahre hier wohne und sich den Sommer über durch Plätten, Nähen und Waschen ernähre, im Winter aber wohl von ihren Ersparnissen lebte. Schlechtes könne ihr niemand nachsagen, sie spräche nur mit niemand mehr, als unbedingt nötig toar.

Und das junge Mädchen ist wirtlich ihre Nichte?" fragte Klausen.

Es wird wohl so sein," erwiderte die »rau.

Lieber die Eltern des Mädchens wissen Sie nichts?"

Kein Sterbenswörtchen. Herr! Lind weil nur scheint, als hätte die Käthe es Ihnen angetan, Herr Klauen, möchte ich Ihnen raten, lassen Sie die Hand von ihr! Mit der Wohllcbe ift nicht gut Kirschen essen. Da könnten Sie was erleben!"

Berndt Klausen lachte unbekümmert.

Man könnte es darauf ankommen lassen, er­widerte er.Aber Sie sorgen sich umsonst, Frau Brandt. Mir tut das arme junge Ding bloß leib. Ein anderes Interesse habe ich mcht an ihr!"

Aber damit hatte Klausen gelogen!

Hatte er schon vorher alle Tage ausgclugt, ob er das liebe, blonde Mädel nicht zu erspähen vermöchte, nun hatte er schon gar keine Ruhe mehr, unb immer wieder trat er Käthe Fernau in den Weg. immer wieder bat er sie, ihm ein­mal abends eine Stunde zu schenken.

Ich habe fcftgcftellt, dah Ihre Tante >ehr zeitig schlafen geht," sagte er einmal.Da muß cs Ihnen doch ein Leichtes sein, aus bem Hause zu tominen, ohne daß sie etwas merkt. Wir fahren bann mit einem Boote ein Stuck auf den See hinaus, wo niemand uns beobachten und am nächsten Tage klatschen kann. Ober furch­ten Sie üch vor mir, Käthe?"

Olein, bas war cs nicht, aber vor der Tante hatte sic Angst, unb doch gewann sie es über sich, bah sic eines Nachts, zitternd vor Furcht, doch ein heimliches Glücksahnen im Herzchen, durch das Küchenfenster ins Freie stieg und zu dem Platze eilte, wo Berndt Klausen auf sie wartete.

Käthe!" jauchzte er auf, als sie zu ihm trat.

Er wollte sic in seine Arme reihen unb sie küssen aber als er im Mondenschein ihre angst­erfüllten Augen sah, lieh er die Arme wieder sinken und schritt neben ihr her zum Seeufer, half ihr ins Boot, griff nach den Rudern und steuerte hinaus auf den See, bis er sich, als er

Dor den Blicken, die sie aus feinen Augen trafen, errötete dqs junge Mädchen und senkte den Kopf. Es fand keine Antwort, strebte ledoch, an dem Manne vorbeizukommen, ohne dah es glücken wollte. , , r. ....

Lassen Sie mich, bitte! sagte sie endlich flehend.Wenn Tante mich mit Ihnen sieht ...

Ihre Tante ist wohl ein rechter Drachen? fragte Klausen, wieder lachend.Dah muh sie ja auch sein, denn Drachen hüten immer Schatze, hier ein golbhaariges, blauäugiges Mägdelein. Fräulein Käthe, haben Sie nicht Lust, nut in den Garten zu kommen? Lockt die MU,ik Sie gar nicht ein bihchen?"

Käthe schaute unbewußt hinüber, und ebenso unbewußt kam in ihre Augen der Ausdruck heimlicher Sehnsucht. .

Ach, wie sehr, sehr gern wäre sie gegangen, hätte sich unter die heiteren Menschen gesetzt, gelacht, geplaudert und alles andere vergeben'.

Aber schon blickte sie hinüber nach dem Häus- cheii unter den Kastanien, das Tante gehörte. Lind sic atmete auf, als sie die alte Frau nicht unter der Tür stehen sah.

Sie spürte immer eine Angst vor dieser tfrau die ihre einzige Verwandte auf Erden war unb ßie doch nie ein gutes Wort für sie hatte, noch weniger die geringste Zärtlichkeit nie, ,eit Käthe denken konnte!

Flehend hob sie nun die gefalteten schmalen Hände und schaute bittend in das sonnen- gebräunte, hübsche Gesicht des jungen Mannes.

Lassen Sie mich gehen, Herr Klausen! sagte sic.

Da war es, als käme ein tiefes Erbarmen über ihn. Mitleidig schaute er sie an.

Armes kleines Mädchen!" sagte er leise, und diele Worte drangen Käthe Fernau ties in die Seele. Zum ersten Male hörte sie gute Worte. Zum ersten Male hatte jemand Mitleid mit ihr! ' .

Fast erschrak Berndt Klausen vor dem Blick, der ihn aus ihren Augen traf. Was hatte er denn ge'agt, baß sie ihn so dankbar anschaute?"

Lind plötzlich faßte er ihre Hände, drückte sie und sagte: , . .

Käthe, Fräulein Käthe! Ich muß Sic Wieder­sehen! Ich muß! Lind sorgen Sic sich nicht mehrl Vielleicht kann ich Sie aus Ihrer Einsamkeit erlösen, Ihnen die Freude geben, nach der Sie sich so sehnen ich sah cs Ihneü vorhin an ..

Da biß sie sich los.

Die Tür drüben war aufgegangen, die Tante stand auf der Schwelle. .

Berndt Klausen schaute ihr nach, wie sie rasch hinüberlief, aber er sah nur noch, daß die ha­gere Frau ein wenig zur Seite trat, daß Käthe ins Haus schlüpfen konnte, bann sich umwandte unb die Tür hinter sich schloß.

Htndelsschule JKunzelminn Gleßcn, Bßhnhofctr. 60 Oktober nau Kurse.

Sklarek besitzt eine Villa in der Lllmenallec und ein Wochenendhaus in der Heerstraße, das frei­lich luxuriöser und eleganter als die Wohnung manches bekannten Industriellen eingerichtet ist. In diesen vier Villen, die mehr als sechs Mil­lionen Mark wert sein sollen, trafen sich ständig zahlreiche bekannte Persönlichkeiten, Kaufleute unb Künstler, auch Politiker unb natürlich die vielen Freunde, die in so reichen Häusern niemals fehlen. Es war der Ehrgeiz der Brüder Sklarek, eine Rolle z u spielen und mit der Aristo­kratie und der alten Finanz in einem Atem genannt zu werben. Dabei stammen Willi, Max und Leo Sklarek aus einfachsten Verhältnissen. Sie wurden in Schlesien geboren und begannen ihre Laufbahn als Konfektionsreisende. Schlecht unb recht ernährten sie sich durch den Besuch von Breslauer Firmen und durch Reisen in andere schlesische Orte. Als der Krieg ausbrach, schlug ihre große Stunde. Damals zerfielen alle Völker in zwei Teile: die überwiegende Zahl der Män­ner wurde zum Heeresdienst eingezogen und hatte nur die Sorge, die Heimat zu verteidigen, wäh­rend eine Handvollklügerer" Persönlichkeiten sofort erfaßte, daß der Krieg nicht nur Opfer fordere, sondern auch große Gewinne ab* werfen könne. Die Brüder Sklarek gehörten zur zweiten Sorte. Sie waren unentbehrlich, un­abkömmlich, reklamiert, denn sie mußten Zelt­bahnen, Brotbeutel, Stiefel, Uniformen und die tausend anderen notwendigen Dinge herbei- schaffen, die man damals brauchte. Gewaltige Summen wurden leicht verdient und leicht aus- gegeben. Man weiß, daß die Generation der Kriegsgewinnler und Inflationshelden für das normale Wirtschaftsleben von Grund auf ver­dorben ist. Diese Männer haben nicht gelernt, mit Pfennigen zu rechnen und sich, wenn die Geschäfte schlechter gehen, nach der Decke zu strecken; sie vetstehen nur, mit bem Geld um sich zu werfen unb der Mitwelt den Wert ihrer kleinen Persönlichkeit durch luxuriöses Auftreten zu beweisen. Mit den ersten Kriegsgewinnen erwachte in den Brüdern Sklarek die Sucht zu imponieren und der Drang, am Spieltisch noch

Liebe in Ketten.

Roman von Hans Mitteweider. _

Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale). Nachdruck verboten!

Käthe Fernau kam aus dem Forsthaufc. wo sie einige Näharbeiten abgeliefert hatte, die Unke Hand in der Kleidtaschc, wo die Fmger sich um den fast neuen Zehnmarkschein schlossen, der ihren

Sie war sehr sroh über diesen Schah. Wenn sie ihn der Tante gab, würde deren immer fin­steres Gesicht sich vielleicht einmal erheitern Viel­leicht würde sie gar ein Lob für sie haben Es wäre so schön gewesen. Die Somie strahlte so warm vom Himmel, und alle Men chen waren fröhlich. Aus dem Wirtshausgarten ,chaNte lär­mende Blechmusik. Dort saßen die fremden mergäste beim Kaffee und schwatzten und lachten unb überlegten sich, was sie am Nachmittag be-

Käthe aber würde höchstens vor der Tür sitzen unb zusehen können, wie der flinke ^eiue Dampfer den schmalen Kanal dahinsauste der aus dem großen See nach dem Meere hinuberfuhrtc. nach dem großen Badeorte, der nur eine Stunde von Herzogenheide entfernt war. den iie aber trotz­dem noch nie gesehen hatte.

Warum Tante nur so einsam für sich lebte unb mit keinem Menschen verkehrte:

Ein Schatten fiel über den Weg des jungen Mädchens, das den blonden Kopf nachdenkUch gesenkt hatte und nun die großen blauen Augen fast erschrocken hob.

Ein junger Mann stand vor ihr und zog höflich grüßend den leichten Hut. der ganz zu der ele­ganten Kleidung paßte, zu den braunen Schuhen, zu dem seidenen Oberhemd.

Endlich finde ich einmal Gelegenheit. Sie an- zusprechen, Fräulein," sagte der Unbekannte leise, als gälte es ein großes Geheimnis.Sie hu­schen immer so flink dahin daß 'ch Siecher vergebens einzuholen suchte. Haben Sie denn

Nein'Herr," erwiderte Käthe, ohne sich über die Anrede besonders zu wundern.Aber wenn Sie etwas für uns zu tun haben, so sagen Sie 'cs. bitte. Wir werden es schnellstens erledigen. Tante plättet ganz ausgezeichnet ...

Da lachte er heiter. . . . ,..

Vielleicht habe ich auch einmal etwas sur Ihre Tante, Fräulein wie heißen Sie doch. Käthe Fernau? Ich nenne mich DerndtKlawen und bin Techniker aber lassen wir das! Kön­nen Die sich wirklich nicht denken Fräulein Käthe, warum ich so sehnsüchtig darauf gewartet habe, Sie einmal sprechen zu können?

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