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GebmtrmülkMg und Wohnungsbau.
Von Prof. Or. Huntemüller, Leiter des Instituts für Körperkultur an der Hess. Landesuniversität.
3n den Hummern 98 und 99 des „Gießener Anzeigers" vorn 27. und 29. April d. 3. hat schon Professor M o rn b e r t auf den Geburtenrückgang und seine große Gefahr für das deutsche Volkstum hingewiesen. Wir sind im Begriffe, ein sterbendes Volk zu werden ebenso wie Frankreich, das seine Volkszahl und Volkswirtschaft nur durch Einwanderung volksfremder Elemente aufrecht erhält, denn der Lieberschuh der Geburten über die Sterbefälle, der 1927 noch 6,3 (1900 dagegen 14,73) auf tausend Einwohner betrug, ist ein Trugbild und hauptsächlich darauf zurückzufuhren, daß die mittlere Lebensdauer sich infolge der letzten fünfzig Jahre um rund zwanzig Jahre erhöht hat. Dr. Burgdörfer, Oberregierungsrat im statistischen Reichsamt, be- rechnet auf Grund der heutigen mittleren Lebensdauer von 57,4 Jahren, die sich nicht im selben Maße steigern lassen wird, eine zu erwartende (bereinigte) Sterbeziffer von 17,4 auf je 1000 Einwohner; sie beträgt aber bei dem heutigen abnormen Altersaufbau nur 12,0 vom Tausend der Gesamtbevölkerung. Unter Berücksichtigung des Geburtenausfalles der Kriegsjahre und des
Geburtenrückganges in der Rachkriegszeit beträgt nach seinen Berechnungen die Geburtsziffer 16,6 vom Tausend statt der rohen 18,3 vom Tausend. In einer stationären Bevölkerung (d. h. in einer Bevölkerung, die an Zahl weder zu noch abnimmt) von 63,25 Millionen mit einer mittleren Lebensdauer von 57,4 Jahren und jährlich 17,4 Lebendgeborene, ist aber der Bestand an gebärfähigen Frauen ein geringerer als in der heutigen noch nicht stationären Reichsbevölkerung. Mit Rücksicht hierauf stellt sich die „bereinigte" Geburtenziffer auf 15,9 v. T.
Die wahre Bilanz unserer Bevölkerungsbewegung sieht ganz anders aus, als sie nach der rohen (unbereinigten) Berechnung erscheint.
Statt einer Geburtenziffer von 18,3 auf 1000 Einw. und einer Sterbeziffer von 12,0 auf 1000 Einw. mithin einen Geburtenüber-
schuß von .4- 6,3 auf 1000 Einw.
ergibt sich, bezogen auf eine stationäre Bevölkerung, folgendes Bild:
Geburten-Soll gleich Sterbeziffer 17,4 v. T. Geburten-Ist (Geburtenziffer 1927) 15,9 v. T.
mithin Defizit (—) 1,5 v. T.
Die Vermehrung des deutschen Volkes reicht heute schon nicht mehr aus, um auch nur seinen Bestand zu erhalten. In keinem anderen Lande weist der Geburtenrückgang nach dem Weltkriege ein schärferes Tempo auf als in Deutschland.
Das Geburtendefizit ist am größten in den Großstädten, die über ein Viertel der deutschen Bevölkerung beherbergen. Die rohe Geburtenziffer ist hier aus 13,4 auf 1000 Einwohner zurückgegangen. Die Reichshauptstadt geht voran und hat 1927 mit 9,9 (bereinigt 7,6) Geburten auf 1000 Einwohner den traurigen Ruhm, die unfruchtbarste Stadt der Welt zu sein. Sie bleibt hinter dem Soll von 17,4 Geburten auf 1000 Einwohner um (—) 9,8 zurück. Berlin würde, ohne Zuzug von außen, in einer Generation auf die Hälfte, in einer weiteren Generation wiederum auf die Hälfte, also in zwei Generationen von 4 Millionen auf eine Million zusammenschrumpfen.
Nicht viel günstiger als in den Großstädten liegen die Verhältnisse in den deutschen Mittelstädten. Die rohe (unbereinigte) Geburtenziffer betrug 1927 in den Gemeinden
mit 50—100 000 30—50 000 15—30 000 Einw.
15,9 15,8 16,1
Die „bereinigte" Geburtenziffer würde sich für 1927 in den deutschen Großstädten von 13,4 auf 10,0 v. T. reduzieren und um gut zwei Fünftel hinter dem Soll von 17,4 zurückbleiben, in den Mittelstädten von etwa 16 auf 12 v. T. heruntergehen und fast um ein Drittel hinter dem Soll Zurückbleiben.
Die Geburtenhäufigkeit geht aber auch auf dem Lande stark zurück, so daß die Städte nicht mehr wie bisher mit einem Geburtenüberschuß und Zuzug vom Platten Lande rechnen können.
Das 20. Jahrhundert ist mit Unrecht als das Jahrhundert des Kindes bezeich
net worden, denn wir sehen in allen zivilisierten Ländern mit der Jahrhundertwende eine starke Einschränkung der Kinderzahl. Der Schrei nach dem Kinde hat sich vielfach in Furcht vor dem Kinde gewandelt. Ein Kind ist vielen unbequem und ein Hindernis bei der Befriedigung der übermäßig gesteigerten Ansprüche an einen verfeinerten Lebensgenuß.
Viele Ehen, die sogenannten Kameradschaftsehen. verzichten von vornherein auf Rachkommenschaft. Andere würden gern eine größere Kinderschar ausziehen, wenn die Umweltbedingungen andere wären. Unter diesen Umweltbedingungen spielt neben der allgemeinen wirtschaftlichen Rot die Wohnungsfrage eine hervorragende Rolle. Man schätzt, daß in Deutschland etwa 1 Million Wohnungen fehlen und weiterhin auf Jahre hinaus 250 000 gebaut werden müssen, um den Abgang der baufälligen zu ersetzen und den im Heiratsalter noch vorhandenen Devölkerungsüberschuh aufzunehmen.
Die Etagenwohnungen in den städtischen Mietskasernen sind ferner zur Aufzucht von Kindern wenig geeignet. Gerade der Säugling und das Kleinkind brauchen zu ihrer gesunden Entwicklung Licht und Luft, woran es in diesen übervölkerten Wohnungen vielfach mangelt. So finden sich denn unter unserer Stadtjugend die vielen, in der Entwickelung zurückgebliebenen, mit ©frofulofe und Rachitis behafteten, blutarmen. müden Kinder. Obwohl dje Wohnverhältnisse auf dem Lande auch häufig viel zu wünschen übrig lassen, wachsen die Kinder lyier doch mehr oder minder im Freien auf, während die kleinen Kinder in der Stadt an das Haus bzw. die Etage gebannt sind.
Nur der Bau von Kleinhäusern bzw. Heimstätten mit einem wenn auch nur kleinen Garten, kann hier Abhilfe schaffen. Hier haben die Kinder Gelegenheit in Luft und Sonne heranzuwach- sen, sich nach Kräften zu tummeln, ihren Ellern bei der Gartenarbeit zu helfen und so den eigenen Herd schätzen und lieben zu lernen. Daß das Einfamilienhaus selbst in den Großstädten durchführbar und wirtschaftlich tragbar ist, haben die Erfahrungen in unseren Hansestädten Bremen und Lübeck und in der Industriestadt Essen gezeigt.
Die Frage ob Hochbau, d. h. Mietskaserne, oder Flachbau, d. h. Einfamilienhaus, sollte beim Wohnungsbau überhaupt nicht mehr diskutiert werden. Der Nationalreichtum eines Volkes liegt in erster Linie in der Zahl und der Tüchtigkeit seiner Bürger und erst in zweiter Linie in materiellen Werten, die nur dazu dienen sollen, die ersteren zu erhalten und zu mehren.
Die in den Städten herrschende Bodenspekulation verteuert aber die Grundstücke derart, daß unter den heutigen Bedingungen, zumal bei der jetzigen Geldknappheit, an eine Unterbringung größerer Teile der Bevölkerung in derartig hygienisch einwandfreien Siedlungen nicht gedacht werden kann. Hier will das Wohnheim st ätten- g e s e tz Wandel schaffen, das jede mißbräuchliche Benutzung des Bodens, insbesondere solche preis» treiberischer Art ausschließt. Der Vater der beut- \d)tn Heimstättenbewegung, Ehrendoktor der Gießener theologischen Fakultät, Dr. jur. h. c., Dr. med. h. c. A. Damaschke ist auch der Urheber dieses Gesetzentwurfes, der dem Reichstage demnächst vorgelegt wird.
Nach Artikel 155 der neuen deutfcken Reichs- Verfassung soll jede deutsche Familie Anspruch auf eine Wohn- oder Wirtschaftsheimstätte haben. Der Anfang zu seiner Verwirklichung war das Reichsheimstättengesetz vom 10. Mai 1920. Die „Reichsheimstätten" genießen steuerliche Vorteile, sie bleiben von der Zwangsvollstreckung verschont und über alle Wechselfälle des Lebens hinaus gesicherter Familienbesitz.
Um großen Teilen der Beamtenschaft den Erwerb einer Heimstätte zu ermöglichen, ist dann am 18. Juni 1927 das „Gesetz über die Abtretung von Deamtenbezügen" kurz „Beamten- heimstä11engeseh" genannt, vom Reichstag in 2. und 3. Lesung gegen die Stimmen der Wirtschaftspartei und eines Teiles der Kommunisten mit überaus großer Mehrheit angerwm-
i ii r iimin i imi’ innr;uwniiiian Aus der Höhe.
Ein Sommer-Erlebnis.
Von Will Scheiter.
Mehr Glut als Geleucht, denn es ist, von hier aus gesehen, als wäre sie irgendwo verborgen, preßt die Sonne ihren Odern wider die Welt; und was der als Lebenshauch entströmt, verbindet sich mit dem Sonnenglast zu feuchtwarmem Brodem. Das Land da drunten liegt unter diesem Schleier grauen Dunstes — seine Umrisse verschwimmen und seine Gliederung in Felder und Wiesenstücke, Straßen und Wege, Gräben und Wasserläufe, Dörfer und Weiler wirkt wie das verworrene Muster eines weichen, welligen Teppichs, unter langem, langem Gebrauch etwas undeutlich geworden. ...
Hier oben, wo der Anstieg der Fichtenschonung, die den Grasweg herauf säumte, von einem Bestand junger Eichen übergipfelt wird, geht so etwas wie das Vorgefühl eines leichten Windes. Aber auch hier bringt die Sonne, ohne Widerstand zu finden und unsichtbar, wie sie zu sein scheint, durch den Schatten der Stämme und Wipfel bis an den Boden, wo die braunen Blätter vom vorigen Herbst, mürb wie Zunder, über hergewehten Schichten modernder Fichtennadeln rascheln — in dieser halben Ahnung eines Windes rascheln, der ganz, ganz oben, wo die Eichen in der blauen Himmelswölbung allein sind, ein sanftes, mitunter ein wenig anschwellendes Rauschen hervorruft. Und wo die Sonne zwischen diesem grünen Gewirr Eingang findet in den Wald, da wirft sie ockerfarbene Flecke auf den Boden; über den jungen Fichten aber schimmert es beinahe schwefelgelb.
Insekten, kleiner als ein Radelknopf, surren in winkligem Flug auf und ab; andre, käfer- groß, summen dröhnend heran, ziehen beharrliche Zirkel und stürzen plötzlich davon. Andre wieder hängen fast reglos auf vibrierenden Flügeln in der Luft. ... Kaum ist es zu merken, wie der Rachmittag vorrückt. Was ist das — eine Stunde? Von unten her, aus dem unsichtbaren Tal, flattern Fetzen eines Getöns von Hörnern und Trompeten den Berg hinan: in einem Dorf wird gefeiert. Einmal kommt auch Glockengeläute daher, ist aber auf dem Flug durch die heiße Stunde zu einem etwas blechernen Gebimmel geworden.
Diel lauter ist der Schrei eines großen Vogels plötzlich da, der suchend über den Eichen kreist. Von weit weg antwortet ihm eine ähnliche Stimme, und nun geht es eine Weile so zu mit Rede und Antwort. Bis sie einander gefunden haben und zu zweit, immer noch schreiend, talwärts fliegen. Für den Teil eines Augenblicks werden ihre dunklen, weit ausgespreizten Schwingen sichtbar. Dann sind sie entschwunden.
Die gelben Flecke auf dem braunen Waldboden fangen an, sich zu röten. Mit einem Male steigt, unfaßbar, wo, doch vernehmlich, hell, klar, ein Zwitschern aus der Tiefe, die musikalische Spirale eines Zwitscherns und Flötens, das Tirili eines einzigen, endelosen Vogel-Atems — wirklich, da ist lein Zweifel: eine Lerche grüßt den Sommerabend, der noch gar nicht da ist, aber allenthalben sich ankündet in dem eiligen Rascheln des trockenen Laubes am Boden, in dem nun volleren Rauschen der Eichenwipfel, in dem be- fänftigten Brand der Sonnenstrahlen, in dem tieferen Rot der Lichtgebilde um das Wurzelwerk der Bäume und art den moosigen Kanten der ungefügen Blöcke aus Basalt. Eine abendliche Lerche — kühne, kleine Sünderin wider den Raturgebrauch — hebt sich auf den holden Stufen ihres unnachahmlichen Liedes einer Sonne entgegen, die nun allerdings weniger gewaltsam glänzt und glutet. Wie sich's freut, das winzige Gebild von einem Vogel, dessen klingende Erscheinung um so winziger wird, je höher sie kommt. Und nun ist sie schon nicht mehr zu vernehmen — so bald auch diese Lust vorüber I
Indessen, der Atem geht nun freier aus und ein. Da der sengende Sonnen-Odem weicht, drängt allenthalben der kühle Hauch der Erde nach, dürstende Kreatur beglückend. Ein angegrauter Hase hoppelt friedlich den Abhang hinunter; eine Weile lauscht er mit steilen Ohren — dann setzt er mit hohem Sprung ins Unterholz hinein. Was Festgetön? Was Glockenklang? Was Vogelschrei und Lerchenlied? Des hohen Sommers wilde Sonne sinkt — ein Mond, verhalten, sacht. und groß, wird balde durch die Zweige schimmern, und um ihn, silbern, das Sternenrund, zeitlos leuchtender Zierrat des Alls über friedvoll verdunkeltem Teppich irdischer, in erquickenden Schlummer gesunkener Landschaft. Gerade daß noch ein Käuzchen rufen, daß noch eines Rachtfalters gedrungener, samtener Körper 1 auf flatterndem Fittich durch ein offenes Fenster
men. Dadurch ist aflert öffentlichen Reichs-, Staats- und Gemeindebeamten, Geistlichen und Lehrern die Möglichkeit gegeben, gegen Abtretung eines Teiles ihrer Gehaltsbezüge unkündbare Darlehen zum Dau von Heimstätten zu erhalten.
Auch die obersten Behörden der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden haben den großen sittlichen Wert gefunden Wohnens erkannt und gewähren ihren Mitgliedern vpar- darlehen zum Bau von Heimstätten.
Die Reichs- und Staatsbehörden bringen der Heimstättenbewegung großes Interesse entgegen. Der Hess. Finanzminister hat be- ftimrnt, daß die aus der Hauszinssondersteuer zur Verfügung stehenden Darlehen in erster Linie dem Kleinwohnunqsbcru zugute kommen sollen.
In den nächsten Jahren werden die fehlenden Wohnungen geschaffen, und damit wird auf lange Jahre hinaus die Wvhnweise für einen großen Teil unserer Bevölkerung fest gelegt werden. Die Kommunen und gemeinnützigen Siedlungsgesellschaften, die diese Bauten in erster Linie durchführen, tragen daher eine große Verantwortung gegenüber dem kommenden Geschlecht.
Es ist vom sittlichen, hygienischen und bevölke- rungspolittschen Standpunkt grundfalsch, die De- völkerungsmassen in Mietskasernen unterzubringen, wie es z. B. die Wiener Stadtverwaltung nach dem Kriege in großzügiger Weise getan hat. Einsichtsvolle Kommunalbehörden, wie z. D. Frankfurt a. Main, suchen demgegenüber unter Verwendung der Hauszinssteuer Eigenheime zu schaffen, die den Mietern gegen erträgliche Verzinsung und geringe Amortisation zu Eigen überlassen werden.
Man unterscheidet Wohn- und Wirtschafts- Heimstätten. Für größere Siedlungen kommen nur die ersteren in Betracht, sie sollten mindestens 200 Quadratmeter Grundfläche umfassen. Wirtschaftsheimstätten sind nur für ländliche Verhältnisse angebracht, wo Kleintierzucht möglich ist und die hierbei entstehenden Abfallstoffe zur Düngung des Gartenlandes verwandt werden können; ihre Gröhe ist auf etwa 900 bis bis 1200 Quadratmeter zu bemessen. Sollen die Siedler ihren vollen Lebensunterhalt durch die Bewirtschaftung des Grundstückes gewinnen, so müssen jedem Siedler mehrere Morgen Land zugewiesen werden, je nach der Ertragsfähigkeit des Bodens.
Der Bauplan muh den wirtschaftlichen Verhältnissen und der Gröhe der Familie Rechnung tragen. Da die Lebensbedürfnisse großer Bevölkerungskreise sehr ähnlich sind, so geht man mehr und mehr dazu über, Eigenheimtypen aufzustellen, die nach bautechnischen, hygienischen und ästhetischen Gesichtspunkten gut durchgearbeitet, sich bei hundertfältiger Ausführung weit billiger stellen, als wenn für jeden einzelnen Bau ein besonderer Bauplan angefertigt werden muh.
Eine Familie mit zwei oder mehr KindernI beiderlei Geschlechts benötigt ein Wohnzimmer, ein Eltern- und zwei Kinderschlafzimmer, ferner Küche, Klosett und Badezimmer bzw. Dusche. Zu viele und zu große Räume sind unwirtschaftlich, zumal sie größere Ausstattungskosten, mehr Heizung und Reinigung erfordern. Der Kraftaufwand, der von der Hausfrau gefordert wird, muh auf ein möglichst geringes Mah beschränkt werden.
Früher hat man vielfach, besonders in ländlichen Gegenden, Kücbe und Wvhnraum (Wohn- küche) vereinigt, damit die Hausfrau.die Kinder leichter beaufsichtigen kann, doch ist man heute wieder davon abgekommen. Jedenfalls muh aber bei dieser Anordnung ein besonderer Spülraum vorgesehen und für gute Dmrchlüstbarkeit der Wohnküche gesorgt werden.
Ueberhaupt ist auf gute Durchlüftung und Beleuchtung grober Wert zu legen. Ein Erwachsener braucht stündlich etwa 32 Kubikmeter frische Lust zum Atmen, wenn der Kohlensäuregehalt nicht über 1 Prozent steigen soll; für ein Kind rechnet man durchschnittlich die Hälfte. Da sich die Luft eines Wohn- bzw. Schlafzimmers mit Hilfe der natürlichen Lüftung durch die Poren des Mauerwerks, durch Fenster- und Türritzen auf die Dauer
taumeln mag. Stille wird fein, dort unten, hier oben, Stille und nichts anderes mehr als das dunkel tönende Harfen im hohen Wald — wundersames Saitenspiel der Rächt!
Die Ohrfeige.
Von Kritz Müller, Partenkirchen.
„Rosel, du bist jetzt fünf Jahre da, diesmal gehst du mit ins Gebirge. '
„Ui, gnä’ Herr — uiii, gnä’ Frau!"
In dem Uiii lag alles, was die Rosel von den Bergen sich versprach, tagsüber Holdrio—i—öh, das nie abrih und nachts ein Fensterln bis zum frühen Morgen.
„Rosel, was die Arbeit im Gebirge angeht, die ist ungefähr die gleiche."
„Für was gengan wir nacha hin?"
„Die Gesundheit soll ein romig aufgebürstet werden."
. Rosel sah an sich und ihrer Drallheit langsam abwärts. Nein, die brauchte man nicht aufzubürsten. Für sie oerblieb’s bei Holdrioh und Fensterln.
In der kleinen Bergstadt stemmte unsre Rosel ihre Arme in die Hüften. Sie war bereit, tagbereit und nachtbereit.
Die Arbeit war es freilich auch. Das verdroß die Rosel. Sie ging um acht aus, knapp vor Mitternacht kam sie nach Hause. Sie ging um sieben aus, knapp nach Mitternacht kam sie nach Hause. Sie ging um sechs aus, knapp nach sechs Uhr klopfte es.
Wir waren fest entschlossen, nichts zu hören.
Da — die Rosel hatte sich entschlossen, mittels Läutens abzuweckseln. Ich nickte meiner Frau zu: „Hörst du was? — „Nicht einen Ton."
Da — die Rosel draußen fing zu jodeln an: „Holdrio—i—öh!" Meine Frau und ich, wir waren nie so einig, unsre Taubheit zu beschwören.
Draußen wurde es mit einemmal still. Die Stille der Entladung. Dann eine Stimme, die die aanze Straße hören mußte: „Was is 's denn, ’nei macht i!"
Meine Frau war weiter für die Taubheit. Meine Rechte, die zu zucken anfing, war fürs Gegenteil. Ich öffnete die Tür. Ich verabreichte der Rosel im Morgengrauen die gelassenste Ohrfeige meines Lebens.
Wieder jene Stille. Die Stille vor dem zweiten Sturme: „Deß werd'n S' bercl’n — i appilier' — dee Watschen müssen S' zahl'n!"
nicht m-Shr als zweimal in bet öhmbe ernstem läßt, fo beträgt der Mindest kubikraum für einen Erwachsenen 16 Kubikmeter, für ein Kind 8 Kubikmeter. Bei einer Geschoßhöhe von 2,50 Meter, die bei Flachbau genügt, sind für das Eltem- schlafzimmer etwa 13 Quadratmeter Dodenfläche erforderlich, bei einer Geschoßhöhe von 2,75 Meter etwa 12 Quadratmeter. Das Wohnzimmer, das die ganze Familie aufnehmen soll, muh dementsprechend größer gehalten werden, bie Kinderschlafzimmer können evtl. Heiner sein.
Die Lage der Zimmer soll sich nicht, wie man es heute noch vielfach bei Reubauten sieht, nach der Straßenfront richten, sondern Wohnräume und Schlafzimmer werden am besten nach der Sonnenseite, Küche, Speisekammer, Badezimmer. Abtritt und Treppenhaus nach der Schattenseite (Rvrden, Rordost, Rordwest) gelegt. Wo wegen Platzmangels auf einen Gatten verzichtet werden muh, können auf den Häusern Dachgärten angelegt werden.
Aus wirtschafllichen Gründen und um die Siedlung nicht zu weitläufig werden zu -lassen, wird die Anlage von Reihenhäusern bevorzugt, in ländlichen Gegenden ist dagegen das frd» stehende Einfamilienhaus das Gegebene. AuS den gleichen Gründen können die Straßen in den Wohnsiedlungen, die ja nicht dem Durchgangsverkehr dienen, schmal gehalten werden. Im allgemeinen soll die Breite der Strahe der Höhe der Häuser entsprechen, so kann genügend Licht auch in die unteren Stockwerke gelangen. Damit die eine Front der Häuser nicht ständig im Schatten liegt, sollen die Straßen nicht von West nach Ost verlaufen, besser ist in unseren Breiten eine Straßenrichtuna von Rordost nach Südwest, ober Rordwest nach Südost, die neben einer guten „Durchsonnung" auch eine gute „Durchlüftung" gewährleistet, da Südwest- und Rord- westwinde bei uns vorherrschen. Besondere Grünanlagen und Kinderspielplätze sind in öerartigen Wohnsiedlungen unnötig, Sport- und Spielplätze für die Heranwachsende Jugend und die Erwachsenen sollten dagegen in ausreichender Menge und Größe (5 Quadratmeter pro Kopf der Bevölkerung) im Bebauungsplan vorgesehen werden.
Die Gießener Stadtväter haben durch den Reubau der Volksschulen bewiesen, daß ihnen unsere Jugend am Herzen liegt, mögen sie durch eine weitsichtige Wohnungs- Politik auch dafür sorgen, dah ein ausreichender Rachwuchs in Gießen heranwächst, damit die neuen Bildungsstätten auch in späteren Zeiten über eine genügende Schülerzahl verfügen können. ___________________________
Reit- und Fahrweiibewerb in der Rabenau.
Ein Reitturnier mit einem acht Nummern umfassenden Programm erwartete am vergangenen Sonntag die Bevölkerung von Londorf und Umgebung. Wie in den Vorjahren, so war es auch diesmal wieder dem Ländlichen Reit- und Fahrverein Rabenau unter der Führung seines ersten Vorsitzenden Rittmeister a. D. Frbr. Roeder von Diersburg gelungen, den yipl- reich erschienenen Zuschauern mit glänzenden reitsportlichen Darbietungen aufauroarten.
Um 2.30 Uhr bewegte sich ein Festzug unter Führung von Hofgutsbesitzer Hermann Neu» m e y e r (Winnerod) durch die festlich geschmückten Straßen Londorfs, um unter den Klangen der Marschmusik des (Brünberger Musikvereins im Parademarsch sich auf dem Turnierplatz vorzustellen. Ein anschließendes Reiten von Schlangenlinien im Trabe, das ebenfalls von Hofgutsbesitzer Hermann Neumeyer gefiihtt wurde, fand den ungeteilten Beifall aller Zuschauer. Hier präsentierten sich die wohlgepflegten Pferde der ländlichen Reiteroereine. Vor allem ist auch die von Ritt- meister a. D., Frhr. Roeder von Diersburg, vorgestellte historische Quadrille, geritten von acht Reitern des Ländlichen Reit- und Fahr- Vereins Rabenau, rühmend hcroorzuheben. Begeisterter Beifall dankte der Gruppe für ihre wunderbare Leistung.
Hierauf erfolgte die Verkündung der Sieger der Vielseitigkeitsprüfung, die aus Geländeritt, Reiterprüfung Klaffe A, und Fahrerprüfung (Kutschwagen) bestand und bereits
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Und war verschwunden. Kam den ganzen lag nicht wieder. Auch am nächsten Morgen nicht. Kein Zweifel, Rosel hatte einen Rechtsanwalt genommen.
Meine Frau verfügte, daß wir gleichfalls einen Rechtsanwalt zu nehmen hätten. Ich entsann mich eines Anwaltschildes auf dem Marktplatz. Ich trug unfern Fall vor. Der Anwalt hörte lammsgeduldig za. Ich war fertig, fing von vorn an und begann den Fall von einer anderen Seite oorzutragen. Der Anwalt hörte lammsgeduldig zu. Ich war fertig und begann nervös zu werden: „Herr Doktor, warum äußern Sie sich nicht?"
„Wozu — das heißt: Fünf Märker, wenn ich bitten dürfte."
„Wofür?"
„Für Erledigung des Falles. Ihre Rosel war schon gestern hier. Ich habe sie hinausgeworfen und — und einen zweiten Anwalt gibt's hier nicht."
Ich berappte sehr vergnügt und ging nach HausL Es blieb weiter nichts zu tun. Meine Frau war weniger vergnügt. Denn ihr blieb zu tun genua: Die ganze Hausarbeit allein zu machen. Denn nicht nur keinen zweiten Anwalt, auch kein zweites Dienstmädchen würde es hier geben.
Also Zimmer richten, Mittagesien kochen, bas Geschirr abtragen. „Bleib doch noch ein wenig sitzen", sag' ich.
„Geht nicht", sagt sie müde, „draußen ist Geschirr zu spülen."
Verdrossen öffnet sie die Küchentüre und erstarrt: Da steht die Rosel und spült ab. Spült stumm ab. Spült mit gesenktem Kopfe ab.
Meine Frau sagt nichts und holt mich, heißt mich in die Küche sehn, wir sagen beide nichts.
Erst nach einer langen Weile — das Geschirr war fertig — sagt die Rosel freundlich: „A neue Abwischtuch brauchenten ma, gnä Frau."
„Ja, Rosel, das könnten wir brauchen."
„Des hab i mir glei denkt — fcho' gestern —* drum hab i glei eins mitbracht — schaun S: Dees da— a gtnz gute Kwalidäht und gar net teier."
Noch neun Jahre war die Rosel bei uns. Dann hat sie geheiratet. Sie nahm Abschied. Auch von mir.
An der Türe meines Arbeitszimmers drehte sie sich nochmal nm: „Wissen S, gnä Herr, die Waatschen vergiß i net — so zur rechten Zeit eine Waatschen — mehra net — die is oft gsund." „3a, Rosel, so gesund wie zur rechten Zeit ein Anwalt im Ort, nicht mehrere."
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V Zu * $eiS UZ Lich): J berg); ? Ober-Ho' Aoede jA-A- ter Ssn' tershai" währte" Seiner" Lohn slchenä al fr-ttin ges Plakette, । lang in; liche fc» leilneiM urkunden Meiiun! Landstall zegcdach
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