Ausgabe 
1.6.1929
 
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Oie Einigung in Paris.

Oer Eindruck in Paris.

Tränenreicher Abschied von Chamberlain.

Paris. 1. Juni. (W.T.D.-Funkspruch.) Die Morgenpresse nimmt ausführlich Stellung zu dem Ergebnis der englischen Wahlen.OK atin" hebt ihre außenpolitische Bedeutung hervor, Frank­reich könne nicht die unverändert freund­schaftliche Haltung und die aufrichtige Unterstützung vergessen, die es bei Chamber­lain gefunden habe. Die Zusammenarbeit mit Macdonald werde sich unter einer an­deren Form in einem neuen Rahmen zeigen, aber die Gedanken und die Absichten Brrands, hinsichtlich des Wiederaufbaues und der Ratifizierung Europas, könnten bei Macdo­nald nur ein sehr sympathisches Echo finden, wenn man sich die Mühe nehme, sie ihm zu unterbreiten. Der sozialistischeP o p u l a i r e" schreibt: Man kann nicht mehr darauf hoffen, daß die Arbeiterpartei die absolute Mehrheit der Sitze erlangt. Unter diesen Umständen wird das Kabinett, das Macdonald bilden wird, keine stabile Mehrheit haben. Es wird wahr­scheinlich binnen kurzem durch die Koalition der beiden Parteien des bürgerlichen Kapitalismus gestürzt werden.Excelsior" schreibt, Frankreich habe ein Kriterium, um die wirkli­chen Absichten Macdonalds, der wahrscheinlich der neue englische Premierminister sein wird, gegenüber Frankreich kennenzulernen: das sei die Wahl des Schatzkanzlers. Würde Snowden nach seinem heftigen Angriff auf Frankreich wegen der Richtratifizierung des Cail- laux-Churchill-Abkommens Schatzkanzler werden, so wäre das gewiß- geeignet, jenseits und dies­seits des Kanals die treuen Anhänger der en- tente cordiale zu beunruhigen.

Oie Liberalen, das Zünglein an der Waage.

London, 1. Juni. (WTB. Funkspruch.) Die li­beral«Daily News" führt zum Ergebnis der Unterhauswahlen aus: Das hervorragendste Merk­mal der Neuwahlen ist der gewaltige Tri­umph der Arbeiterpartei. Das Ergebnis der Neuwahlen wird eine gesündere, ehr­lichere Politik zur Folge haben. Das Blatt erklärt, es sei ein Ende der zur verhüllten Einfüh­rung des Schutzzolles eingefädelten Intrigen und di« offizielle Annahme einer weit energischeren Friedenspolitik von feiten Englands zu erwarten. Es scheine sicher, daß die kleine liberale Partei das Schicksal der anderen beiden Parteien in ihrer Hand halten wird. Trotzdem könne kein Liberaler die Wahlen ohne aufrichtige bittere Ent­täuschung betrachten. Das Blatt hält es für sehr wahrscheinlich, daß das neue Unterhaus kein sehr langes Leben haben wird. Auch die liberale Daily E h r o n i c l e" tröstet sich damit, daß die liberale Partei im Unterhause das Zünglein an der Waage sein wird. Das Blatt ist der An­sicht, daß auch die Arbeiterpartei darauf Anspruch hat, das Wort zu führen. Niemand brauche anzu­nehmen, daß, weil das neue Haus keiner Partei eine absolute Mehrheit gibt, seine Tage gezählt feien.

Zeugenvernehmung im Jakubowski - Rogens - Prozeß.

N e u st r e l i tz, 31. Mai. (WTB.) Im weiteren Verlauf des Jakubowski-Nogens-Prozesses wurden die Angeklagten Blöcker und August Nogens vernommen. Den Blöcker soll Jakubowski einmal ge­fragt haben, ob man den kleinen Nogens wohl fin­den würde, wenn er im Kaninchenloch stecke, worauf Blöcker geantwortet haben soll:Wie kann man einen großen Jungen ins Kaninchenloch stecken?" August Noaens bleibt dabei, er habe von Jakubowski gewußt, daß der Mord von Blöcker began­gen worden sei. August Nogens gibt zu, bei seinen Aussagen früher nichtbeiderWahrheitge- b l i e b e n zu sein. Fritz Nogens erklärt, sein Bruder August habe ihm bei einem Zusammentreffen in Lübeck gesagt, er, A u g u st, hätte dem kleinen Ewald die Kehle zugedrückt. August Rogens bestreitet diese Aeußerung.

Als erster Zeuge gab Pastor Buhre ein knap­pes Charakterbild über Frig Nogens und Frau Kähler und erklärte, daß er mit Jakubowski in der Zeit zwischen dem Mord und der Auffindung der Leiche auch über das Verschwinden des kleinen Ewald gesprochen habe. Jakubowski habe erklärt, er wäre nicht schuldig. Er, der Pastor, habe den Eindruck gehabt, daß Jakubowski ja von dem Mord gewußt habe, daß er ober nicht selbst den Mord begangen hätte. Auf die Frage, ob Fritz Nogens wohl zur Zeit des Mordes geistig so entwickelt gewesen sei, daß er die Tragweite seiner verbrecherischen Handlung habe erkennen können, er­klärte der Zeuge, daß Fritz Nogens den Plänen der anderen kein energisches Nein habe entgegen­setzen können. Die Frage des Nebenklägers, Nechts- anwat Dr. Brandt, ob Jakubowski nach Ansicht des Zeugen in der Lage gewesen sei, einer Gerichtsver­handlung in deutscher Sprache zu folgen, beant­wortete Pastor Buhre mit einem unbedingten Nein. Schließlich bezeichnete Buhre die Familie Nogens als die am mooralisch tiefsten stehend« Familie der ganzen Gegend.

Der Zimmermann Wunder, der Vormund der beiden Kinder Jakubowskis, erklärte u. a., daß Jakubowski in der ersten Zeit seinen Ver­pflichtungen immer nachgekommen sei. Rach einem halben Jahre habe sich das jedoch geändert, und Jakubowski habe der Frau Rogens fünf Mark monatlich abgezogen. Jakubowski wurde dar­auf von dem Zeugen Duncker zur Rede gestellt, warum er so nachlässig bei den Zahlungen der Alimente sei. Darauf erklärte Jakubowski, daß er, solange die Kinder von Frau Rogens nicht besser behandelt würden, nicht mehr zahlen würde. Der Zeuge Duncker erklärte im Anschluß hieran: Ich habe stets die Auffassung gehabt, daß Jakuwobski Ewald gerne l o s sein möchte. Rebenkläger Rechtsanwalt Brandt wirft dem Zeugen Duncker vor, daß er eine vorgefaßte Meinung von der Schuld des Hingerichteten Jakubowski mitgebracht habe. Dar­auf tarn ein weiteres Indiz, das zur Verurtei­lung Jakubowskis führte, daß Jakubowski mit lächelnder, zynischer Miene nach län­gerem Suchen nach Ewald erklärt habe:Ich weiß nicht, wo Ewald ift, zur Erörterung. Der Zeug« Duncker macht das Lächeln Jaku-

Parls, 31. Mai. (WB.) Die Verhandlungen von Delegation zu Delegation über die Formulie­rung dec noch offenstehenden Vorbehalte und Bedingungen find heute nachmittag so geför­dert worden, daß man von einer grundsätz­lichen Einigung aller Delegationen sprechen kann. 3n den nächsten Tagen kann daher bereits mit der fertig ft ellung des end­gültigen Berichts für die Regierungen ge­rechnet werden, lieber das Ergebnis der Verhand­lungen über die Vorbehalte werden folgende Ein­zelheiten mitgeteilt:

1. was die höhe der ungeschützten An­nuitäten betrifft, ist grundsätzlich eine Einigung dahin zustande gekommen, daß sie einschließlich, des Zinsendienstes für die Dawesanleihe konstant 660 Millionen Mark betragen soll (571 Mil­lionen ohne den Zinsendienst für die Dawes- anleihe).

2. Zur Tilgung der 21 letzten Annui­täten für die Schuld bei Amerika soll die Bank für internationale Zahlungen in der weise herangezogen werden, daß 80 v. h. ihres Gewinnes vom ersten Tagendes Funktionierens ab in einem für diesen Zweck bestimmten Fonds an­gesammelt werden. Die Abtragung der 21 Jahres- zahlungen soll also durch Anwendung der Methode der Akkumulierung vor sich gehen. Ein wei­terer Beitrag zur Deckung dieser letzten 21 Annui­täten wird sich aus einer evtl. Herabsetzung der amerikanischen Schuldenforde- rungen ergeben können. Für diesen Fall ist un­abhängig von dem Reparationsbericht, also ohne Mitarbeit der amerikanischen Delegation, ein Ver­teilungsabkommen in Aussicht genommen, das Deutschland 66,67 v. h. dieser eventuellen amerika­nischen Nachlässe verspricht, den anderen Ländern 33,33 v. h. mit der Maßgabe, daß, solange nicht vollständige Deckung für die letzten 21 Annuitäten vorhanden ist, diese Länder von ihrem 33,33-v. h.- Anteil 8,33 v. h. von dem gesamten Nachlaß in den diesbezüglichen Fonds der Bank für internationale Zahlungen abführen.

3. Das Kapital der Bank für inter­nationale Zahlungen soll 400 Millionen Mark betragen. Es sollen einzahlen die allier- ten Länder: I. zinslos einen Betrag von 200 Millionen Mark, stammend aus den in der Kasse des Generalagenten für die Reparationszahlungen liegenden Summen, II. einmalig den Betrag des ungeschützten Teiles einer Jahreszahlung, also etwa 660 Millionen Mark, und zwar diese zinsentragend und ohne daß eine Eigenkumsänderung vor sich geht. Deutschland soll entsprechend Einzah­lungen leisten und zwar s) zinslos 100 Millionen Mark, stammend aus den beim Kommissar für die Reparationszahlungen durchgehenden Summen, b) jedoch hat dieser Plan noch keine bestimmte Gestalt angenommen etwa 300 bis 400 Millio­nen Mark als zinstragende Anla^e ohne Eigen­tumsänderung, vielleicht in Form von Raten ä 50 Millionen Mark. Die Notenbanken sollen gegen einen geringen Zinssatz bei der Bank für inter­nationale Zahlungen einen Devisenbetrag hinter­legen, dessen höhe noch nicht bestimmt ist.

4. Die geplante Regelung sieht Abschaffung aller Kontrollen vor. Die Eisenbahn- und 3n- dustrieobligationen werden verschwinden. Die Reichsbahngesellschaft zahlt auf Grund besonderer Abmachungen mit dem Reiche 645 Mil­lionen Reichsmark im 3ahre in Form einer Steuer. Dieser Betrag wird von der Reichsbahn­gesellschaft unmittelbar auf das Konto der Bank für internationale Zahlungen bei der Reichsbank eingezahlt: der Betrag, der nahezu den ungeschützten Teil der Annuität deckt, läuft also nur durch den Etat durch.

5. Berücksichtigt wird ferner das Recht Deutsch­lands, sich je nach Lage der Umstände den Rück­kauf von ausgegebenen Anleihen oder konvertierten Anleihen vorzubehalten.

6. was die Heranziehung der Nach­folge ft a a t e n zur Aufbringung der Leistungen angeht, so wird das Gutachten der Sachverständigen dahin gehen, die Gläubigermächte aufzufordern, innerhalb der Frist eines 3ahres zu bestimmen, was damit geschehen soll.

bowstis in charakteristischer Weise nach. Rechts­anwalt Dr. Brandt sprang erregt auf und er­klärte:Es ist unmöglich, Herr Duncker, daß Sie nach so langer Zeit das Lächeln noch so genau nachmachen können. Ueberhaupt spricht aus all Ihren Aussagen eine vorgefaßte Mei­nung. Auf Grund dieser JhrerErinn e- r u n g an die lächelnde Miene ist seinerzeit Jaku­bowski hingerichtet worden.

Skagerrak-Zeier der Reichsmanne.

Kiel, 31. Mai. (WTB.) Am heutigen Tage jährt sich zum 13. Male der Tag der See­schlacht am Skagerrak. Aus diesem Anlaß fand heute vormittag auf dem Garnisonfriedhof eine Gedächtnisfeier an den Gräbern der Gefallenen statt, an der Abordnungen aktiver und inaktiver Offiziere und Mannschaften sowie die Hinterbliebenen in großer Zahl teilnahmen. Anschließend nahm der Stationschef, Konteradmi­ral Hansen, auf dem Flandern-Platz eine Parade ab. In seiner Ansprache gedachte Kon­teradmiral Hansen des Führers in der Schlacht, Admirals Scheer, und mahnte zur Ge­schlossenheit und O p f e r b e re i t s ch a f t des deutschen Volkes, damit die Kräfte, die uns zur Skagerrak-Schlacht befähigten, unser Volk wieder groß, stark und frei machen könnten.

Oas Notariat in Hessen.

DerGesetzgebungsausschutzlehntdenAntrag Best ab.

Darmstadt, 31. Mai. Der Gesetzgebungs» ausschuh des Hessischen Landtages befaßte sich erneut mit dem Antrag auf Abänderung des hessischen Rotariatswesens. Dr. Best (Volks­rechtspartei) ging auf die mündlichen Erklärungen der Vertreter der Regierung ein. Finanzminister

7. Die Liquidationsmaßnahmen hören innerhalb eines 3ahres auf (ebenso die Schiedsge­richts- und Ausgleichsverfahren).

8. Das Aufbringungsmoratorium wird mit dem Transfermoratorium, das ihm in der Anwendung vorausgehen muh, verbunden werden. Das Transfermoratorium soll nach dem Plan von feiten der deutschen Regierung auf zwei Jahre erklärt werden können. Nach einem Jahre soll die deutsche Regierung die Möglichkeit haben, für die Hälfte der Summe, für die der Transfer- schuh in Anspruch genommen wurde, das Aufbrin­gungsmoratorium zu verlangen. Die Entscheidung hat im Einvernehmen mit dem zuständigen Prü­fungsorganismus der Dank für internationale Zah­lungen zu erfolgen.

9. Die in Deutschland angefammelten Beträge bedürfen nicht, wie von den Gläubigern anfänglich gefordert worden war, einer besonderen Sicherstellung, sondern die Reichsbank soll hinsichtlich ihrer Anlegung freie Hand behalten. Der Bereich der Verwendung dieser Summen soll sich nicht nur aus die Gewährung von zinsbringenden Anleihen be­schränken, sondern auch zur Finanzierung von Spezialsachlieferungen dienen, dh. Sachlieferungen solcher Art, bei denen feststeht, daß sie nicht zu Lasten des kommerziellen Exportes gehen, sondern alszusählicherExport anzu­sehen sind. Der R e c o v e r y Act, der 20 Prozent für Sachlieferungen ausmacht, wird sich der fallcn- den Kurve der Sachlieferungen (von 750 Millionen durch jährliche Verminderung um 50 Millionen auf 300 Millionen) anpaffen und infolgedessen von 150 auf 60 Millionen sinken und alsdann mit den Sach­lieferungen erlöschen. Alle noch bestehenden Dis­kriminierungen werden abgeschafft.

Dem Bericht werden mehrere Anhänge beige­geben, so ein Sachlieferungsanhang, ein Anhang, der das Statut der Bank für internationale Zahlungen enthält, und ein Anhang, der den Verteilungsschlüs­sel der Zahlungen unter die Gläubiger festlegt.

Eine Interpellation der Oentschnationalen.

Die Neichsregierung soll die Pariser Vereinbarung ablehnen.

Berlin, 31. Mai. (V.D.Z.) Die Reichstags­fraktion der Deutschnationalen Volkspartei hat folgende Interpellation beim Reichstag eingebracht: Die durch amtliche Mitteilung der Pariser Konferenz vom 29. Mai bekanntgegebene Einigung über die deutschen Jah­reszahlungen rechtfertigt alle Besorgnisse, zu den seit September 1928 die Einleitung und Führung der Pariser Verhandlungen Anlaß, ge­geben hat. Entgegen den getroffenen Verein­barungen hat die Konferenz nicht ein wirt­schaftliches Gutachten abgegeben, sondern ein in die Form sachverständiger Begutachtung gekleidetes politisches Abtommen getrof­fen. Dabei sind alle rechtlich und politisch be­gründeten Forderungen Deutschlands unbe­rücksichtigt geblieben. Auch die bisherigen deutschen Leistungen sind nicht angerechnet wor­den. Die auf dieser Grundlage vereinbarten Zah­lungen übersteigen die Leistungs- fähigkeit Deutschlands.

Die am 29. Mai in Paris getroffene Verein­barung ist unausführbar. Ist die Reichs­regierung gewillt, die in Paris getroffenen Ver­einbarungen abzulehnen und hat sie die Gewißheit geschaffen, daß der Herr Außenmini­ster im Falle seiner Teilnahme an der Tagung des Dölkerbundsrates in Madrid es vermeidet, Vereinbarungen im Sinne der Pariser Verhand­lungen zu treffen oder festzulegen?

Wie wir von deutschnationaler Seite erfahren, ist die Regierung ersucht worden, sich zur Beant­wortung der Interpellation unmittelbar nach der auf Dienstag, 4. Juni, angesetzten Sitzung des Auswärtigen Ausschusses, jedenfalls aber vor der geplanten Abreise des Reichsauhen- ministers bereit zu erklären. Danach sind zu Beginn oder Mitte nächster Woche Plenarver­handlungen im Reichstage über die Tributfrage zu erwarten. Reichskanzler Müller hat zugesagt, die deutschnationale Interpellation s o - fort nach Abschluß der Pariser Ver­handlungen im Plenum des Reichstages zu beantworten.

Airnberger hielt an seiner ablehnenden Hal­tung fest. Besonders betonte er, daß eine ent­schädigungslose Entlassung der Notare nicht in Frage kommen könne, da sie im Beamtenverhältnis mit Pensions­recht stünden.

Abgeordneter S t u r m f e l s (S.), der selbst Rotar ist, sprach über die Einnahmen und Aus­gaben im hessischen Rotariat. Die Ausgaben, die mit dem Rotariat selbst verbunden seien, würden häufig zu niedrig eingeschäht.

Von feiten der Deutschen Volkspartei schloß man sich im allgemeinen den Ausführun­gen des Justizministers an. Das Notariat habe sich in Rheinhessen linksrheinisch und rechts­rheinisch sehr gut bewährt, so daß es schwierig sei, diesen seit 30 Jahren bestehenden Zustand dadurch zu ändern, daß man die Notariats­geschäfte den Ortsgerichten übertrage. Das würde einen erheblichen Rückschritt bedeuten. Die Best- schen Anträge seien eine rein finanzielle Angelegenheit. Wenn der Antrag Best durchge­führt werden könne, nach seiner Ansicht eine Ersparnis für den Staat erreicht werden könnte.

Der Vertreter des Zentrums wandte sich gegen die Destschen Anträge, setzte sich aber f ü r ein« Senkung der außerordentlich hohen hes­sischen Gebühren ein. Das Zentrum hätte sich mit den Bestschen Anträgen einverstanden er­klärt, wenn es sich um eine Einschränkung des Notariats gehandelt habe, so aber liefen die Anträge auf eine Aufhebung hinaus.

Don den Abgeordneten Werner (srccktions- lvs) und Böhm (Dntl.) wurde beantragt, die Regierung möge einen Gesetzentwurf vorlegen, in dem die Notariatsfrage zugunsten des hessi- Staates etwa nach badischem Muster ge­regelt werde.

Der Vertreter des Bauernbundes sprach sich dahin auS, daß die gesetzlichen Bestimmungen

über die Ruhe- und Hinterbliebenenversorgung der Notare beseitigt und die Gebühren herab* gesetzt werden möchten.

Bei der Abstimmung wurden sodann sämtliche Destschen Anträge sowie der Antrag Werner und Böhm gegen wenige Stimmen abgelehnt.

Annahme fand ein Antrag der Abg. Schrei­ber und o. H e l m o l t (Bbd.), der von der Regie­rung wünscht, baldigst dem Landtag einen Gesetz­entwurf vorzulegen, der unter Anpassung an die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit namentlich im Grundstücks- und Grundbuchverkehr eine Sen­kung der Stempel- und sonstigen Ge­bühren in den Angelegenheiten der freiwil­ligen Gerichtsbarkeit vorsieht. Ferner möge die Regierung in die sofortige Prüfung der Frage eintreten, ob ohne Verletzung wohlerworbener Rechte eine Beseitigung der ft a a 11 i d) e n Pen- ons - und Hinterbliebenen »ersorgung ü r das Notariat durch Schaffung einer selb- tändigen Zwangspensionskasse unter selb­ständiger Verwaltung der Notariatskammer möglich ist und bejahendenfalls im Landtag eine entspre­chende Vorlage einoringen.

ilO.ReichSfrontsoldateniaginMünchen.

München, 31. Mai. (Privatmeldung.) Der 10.Reichsfrvntsoldatentag nahm heute durch Er­öffnung der Stahlhelmaus st ellung und mit einer M u st e r m e s s e im Kunstgewerbe­verein seinen Anfang. Am Abend versammelte der Stahlhelm seine Anhänger zu einer Kund­gebung un Löwenbräu-Keller, bei der der Bun­desführer S e l d t e in einer Rede die Ziele des Stahlhelms darlegte. Er erklärte u. a., der Stahlhelm kämpf« dafür, daß das deutsch« Volk wieder zu einer politischen Volkse g e m e i n s ch a f t werde, wie sie im Kriege vorhanden gewesen sei. Die Bedeutung d.s Stahlhelm-Volksbegehrens sei, in die weite­sten Kreise des deutschen Volkes die Ueberzeu- gung hineinzutragen, daß das heutige politische Regierungssystem den Zustand der Unfreiheit und Versklavung verewigen wolle. Der Stahl­helm wolle keine Revolution. Mit allen Kräften steuere der Stahlhelm wieder zu Bismarcks We­gen hin, um an die Stärke der Vergangenheit anzuknüpfen und von ihr aus deutsche Zukunft zu formen.

Schluß deer sozialdemokratischen Parteitags.

Magdeburg, 31. Mai. (WTB.) Im wei­teren Verlauf des Parteitages sprach Schreck, Dielefeld über Arbeitersport und 6o< zialdemokratie. Die Einrichtungen der Ar­beitersportbewegung repräsentieren einen Wert von 50 Millionen Mark. Besonders diene der Arbeitersport auch de mKampfe gegen den Alkoholismus. Zum Schluß wurde ein An­trag angenommen, der erklärt, der Parteitag erwarte von der Reichstagsfraktion, daß sie in das Reichsschankstättengeseh einen verstärk- ten Jugendschuh gegen den Alkoho­lismus einzubauen versucht. Ein weiterer An­trag trat unter der Betonung der Ablehnung jeder kulturkämpferischen Unduldsamkeit für voll« Freiheit der wissenschaftlichen Forschung und des künstlerischen Schaffens ein. Auch dieser Antrag wurde angenommen. Zum Schluß des Partei­tages gab der Vorsitzende Wels unter großem Beifall die Erfolge bekannt, die die englische Arbeiterpartei bei den Wahlen errungen habe, und teilte mit, daß als letzte Handlung des Parteitages ein Glückwunschtelegramm an die Arbeiter Englands geschickt werben solle.

Oie Wetterlage.

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'.31. Hai 1929. 7h aDds.

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* Schnee Graupeln eNeoei K Qe*/itter.(Q)windstiiie.O' leichter Ost massiger Sudsidwest stürmischer «ordwes» Oie Pfeile fliegen mit dem Winde Die oeioen Stationen stenenden Zah­len geben die Temperatur an. Die Linien veromden Orte mit gleichen! auf MeeresniVeau umgerechneten Luftdruck

Wettervoraussage.

Die Temperaturen wurden weiterhin durch den Zustrom kühler Luftmassen beeinflußt. Wenn auch tagsüber durch die Einwirkung der Sonne wieder kräftige Erwärmung stattfand, so erfolgte nachts eine ebenso starke Abkühlung. Von Spanien her steigt neuerdings der Luftdruck wieder kräftig an. Gleichzeitig nähert sich ein Druckfallgebick im Nordwesten. Infolgedessen wird allmählich der Herantransport kühler Luftmassen beendet und wärmere Luft kommt zum Vordringen, was sich aber erst zu Beginn der nächsten Woche auswirken wird.

Voraussage fürSonntag: Teils heiter, teils wolkig, nachts noch sehr kühl, tagsüber Er­wärmung, trocken.

Voraussage für Montag: Wärmeres Wetter, zeitweise stärker bewölkt.

Lufttemperaturen am 31. Mai: mittags 21,8 Gras Celsius, abends 13,2 Grad: am l.Juni: morgen« 11,1 Grad. Maximum 24 Grad, Minimum 9,4 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 31. Mai: abends 24,6 Grad: am 1. Juni: morgen! 26,1 Grad. Sonnenscheindauer 12z Stunden.