Ausgabe 
1.5.1929
 
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Mittwoch, 1. Mai 1929

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Nr. 101 Drittes Blatt

Aus Natur und Technik

richten über ihre Tätigkeit und ihre Erfolge, brin­gen ihre Klagen vor, nehmen Anweisungen und Anregungen entgegen, geben selbst solche, unter­richten sich aus den Verhandlungen über die gesamte Geschäftslage - kurz, sichern immer Me­der das zu einem gedeihlichen Fortschritt nötige enge Zusammenarbeiten des Ganzen. Die Vor­bereitungen zu einer solchen Besprechung er­fordern viel Zeit und Arbeit: die einzelnen Teil­nehmer müssen z. B. die nötigen Hinterlagen, Schriftstücke. Akten, Bücher usw. sammeln, um den während der Besprechung auftauchenden Fragen gewachsen zu sein, oder sie müssen für die Zeit ihrer Abwesenheit Anordnungen treffen, um die ordnungsgemäße Abwicklung aller Ge-

schästsvorgängc sichcrzustcllen. Wegen der not­wendigen unifangrcichen Vorbereitungen ist cs auch nahezu unmöglich, etwa außer der Reihe eine Besprechung anzuberaumen, obwohl die Rot- wendigkcit hierfür häufig vorliegt. Die Benach­richtigung der Teilnehmer würde eben sehr viel Zeit erfordern und müßte der angedeuteten Vor­

der Firma Siemens und Halske gebaut, linket Bild 1 erläutert die Wirkungsweise einer solchen Anlage. Der im linken Teil des Bildes bär­gest eilte Leiter der Besprechung hat auf fernem Schreibtisch einen Fernsprechapparat besonderer Bauart (Bild 2), die übrigen Beteiligten haben ebenfalls Fernfprechapparate mit Sondere,nnch- tungcn (Bild 3l an ihren Arbeitsplätzen. Der 2lpparat des Leiters hat an seiner Vorderseite eine der Anzahl der übrigen an die Anlage angeschlossenen Teilnehmer entsprechende Zahl von Hebeln: unter jedem Hebel befindet sich em Schauzeichen. Soll eine Besprechung abgehalten werden, so drückt der Leiter die Hebel der Her­ren. die an der Besprechung teilnehmcn sollen. Darauf ertönt an jedem Apparat ein Klingelzei­chen, das zum Abnchmen des Hörers aufsordert.

bereitungcn wegen schon sehr frühzeitig erfolgen, auch würde die häufige und unregelmäßige Ab­wesenheit der Beteiligten von ihren Arbeits­plätzen so störend auf den Geschäftsgang wirken, daß der Autzen der Besprechung durch die nach­teiligen Folgen vielleicht aufgehoben würde.

Mm allen diesen Schwierigkeiten aus dem Wege zu gehen und sich dennoch die durch häufiges Zu­sammenkommen der verantwortlichen Mitarbeiter ergebenden Vorteile zunutze zu machen, hat man neuerdings Einrichtungen geschaffen, die eine ge­meinsame Besprechung mehrerer Personen er­möglichen, ohne daß diese ihre Arbeitsplätze zu verlassen brauchen. Diese Einrichtung heißt Konferenzfernsprecher" und wird von

Die Festigkeit, mit der man jetzt Stoffe her­zustellen versteht, ist nämlich derartig erstaunlich, daß sich das Anwendungsgebiet dauerhafter Ge­webe noch ganz beträchtlich erweitern dürfte. Die Grundsätze für den Straßenbau sind gleichfalls von ehrwürdigem Alter. Hier ist es vielfache Gepflogenheit, daß man harte Steine der verschiedensten Art sowohl für den Grundbau wie für die Decke verwendet. Der Gedanke, aus einer stark befahrenen Straße irgendwie ein Ge­webe zu benutzen, erscheint uns geradezu sinn­los. Aber das, was vor kurzem noch sinnlos erschien, wird dank der neuen Dichtung gedank­licher technischer Arbeit heute sinnvoll und zweck­mäßig. Eine harte Straßendecke aus harter Unter­lage birgt eine ganze Anzahl von Mrsachen in sich, die zu einem raschen Verschleiß führen kön­nen. Durch ein Gewebe wird das System elastischer, die Reibungsflächen werden vermin­dert die ' Dauerhaftigkeit wird vergrößert. Aus diesem Grunde hat man auf einer Fahrstraße im Staate Carolina eine Strecke von etwa drei Kilo­meter Länge mit einer eigenartigen Mnterlage versehen. Sie besteht aus einem Gewebe aus Rohbaumwolle, das auf der Sohle ausgebreitet wurde. Darüber kam die Straßendecke. Das Stande hat sich so bewährt, daß eine zweite Strecke in Angriff genommen wurde.

Auf den verschiedensten Gebieten zeigen sich also Ansänge, die darauf schließen lassen, daß wir vor weitgehenden Mmstellungen stehen, deren Umfang sich noch nicht absehen läßt.

Rachdruck verboten!

In jedem größeren Unternehmen sind die in regelmäßigen Abständen z. B. an bestimmten Wochentagen stattfindenden Besprechungen von größter Bedeutung für das Leben und Gedeihen des Betriebes. Zu diesen Besprechungen kom­men die Leiter der Llbtcilungen zusammen, 6c-

Bild 3.

Apparat der übrigen Teilnehmer.

mers gleich einschalten kann. In diesem Augen­blick springt ja, wie schon erwähnt, beim Leiter das entsprechende Schauzeichen vor, so daß der neu Hinzugekommene die im Gang befindliche Besprechung nicht durch seine Meldung zu stören braucht. Besonders interessant am Apparat des Leiters ist seine Ausstattung mit einem hoch­empfindlichen Mikrophon und einem Lautspre­cher: dieser ist in den Gehäusefutz eingebaut, während die Mikrophonöfsnung in der linken

Bild 1.

Wie der Leiter (links) der Fernbesprechung die anderen Beteiligten anruft.

täglich in ungeheueren Mengen befördert wird, ergeben sich infolge der Denkarbeit des Tech­nikers ganz beträchtliche wirtschaftliche Vorteile, die noch dadurch vergrößert werden, daß jede Reinigung wegfällt und daß ein Verderben der Milch infolge einer von schlecht gereinigten Fla­schen herrührendcn Infektion vollkommen aus­geschlossen ist.

einem Ergebnis geführt, das überrascht: In Zu­kunft wird man Milch, und zwar flüssige, mcht etwa Trockenmilch, in Papiertüten beziehen.

Die neuen Milchtüten, deren Herstellung in Amerika in großzügigem Maßstab eingesetzt hat haben eine eigenartige Form. Sie stehen aus einer runden Grundfläche und sind oben slach- gequetscht. Aus dieser Gestalt ergibt sich eine Ersparnis an Raum, die sich gegenüber den Flaschen gewöhnlicher Form auf 50 v. H. belauft. Die Tüten stehen nämlich nur im Haushalt aus der Grundfläche. Während ihrer Beförderung auf der Bahn, im Schiff oder im Wagen wird jede zweite verkehrt gestellt, so daß sie mit igrer Rachbarin zusammen einen Zylinder bildet. Aus der gleichen Grundfläche wie bei einer Flasche wird also die doppelte Menge Milch befördert Der Raum kann ir/olgc der Form, die sich auch von den Seiten her entsprechend berjungt, bis auss Aeußerste ausgenützt werden.

Für die Herstellung des Papiers wird ein aus Radelhölzcrn gewonnener Zellstoff verwendet. Das Papier selbst ist ziemlich dünn und dennoch sehr fest. Eigene Maschinen wurden gebaut, um aus den Papierbahnen die Flaschen herzustellen. Iede dieser Maschinen kann im Tag 50 000 Tuten liefern. Die Anfertigung vollzieht sich in. drei Ur» beitsgängen. Im ersten werden die Böden her- gestellt, die etwas dicker sind. Im zweiten die Konusse, im dritten werden beide miteinander ver­einigt. Die fertige Tüte wird innen und außen mit einer hauchdünnen Schicht von Paraffin über­zogen, die genügt, um sie wasser- undluftdicht zu machen. Rach dem Einfüllen der Milch, das auf dem laufenden Band erfolgt, werden die Tüten automatisch verschlossen und mit dem Tagesstempel versehen. Soll daraus Milch ent­nommen werden, so wird die eine Ecke mit der Schere weggeschnitten.

Die einzelne Milchflasche ist ein kleiner und un­scheinbarer Gegenstand. Wird sie durch die Pa­piertüte ersetzt, so ergeben sich ungeheuere Er­sparnisse art Raum und Gewicht. Die Milchzuge brauchen nur noch die Hälfte der Wagen. Wit der gleichen Menge Kohlen kann eine größere Menge Milch befördert werden, weil das schwere Gewicht des Glases durch das im Verhältnis dazu kaum in Betracht kommende des Papiers ersetzt wird. Eine Tüte wiegt nur 30 Gramm. Bei einem Massengut, wie es die Milch ist, das

gelöst, es wirdgerastert", genau wie beim Drucken nach Lichtbildern, und jeder Bildpunkt wird einzeln, je nach feiner Helligkeit, in stärkere ober schwächere Stromreize umgewandelt. Schwarz-Weiß-Bilder werden dabei durch 30 ober mehr spiralförmig auf einer Schübe ange­brachte Löcher gerastert. "Bei 10) Mmdrehungen der Scheibe werden also 3003 Bildpunkte über­ragen. Wollen wir das Bild in seine Grund­farben zerlegen, so müssen wir von jedem Bild- Punkt drei Ausnahmen durch die drei Farbfilter für Gelb. Rot und Blau nacheinander machen. Soll dies' in der gleichen Zeit geschehen, so muß die Drehzahl der Scheibe verdreifacht werden. Statt der einfachen Spirale werden drei Spi­ralen in bestimmter Kurve verwendet, von der jede ein Drittel der Scheibe beansprucht. Die Stromreize gehen hierbei nicht als gelbe, rote und blaue weiter, sondern lediglich in verschie­dener Stärke, genau wie bei Schwarz-'Weiß. Im Empfänger' dreht sich genau die gleiche Scheibe wie im Sender mit drei Spiralen, die aber farbige Blenden in Gelb, Rot und Blau tragen, durch die die in der Cmpfängerlampe aus Stromreizen in Lichtreize umgetoanbeltcn Stromschwankungen leuchten. Es erscheint nun der gleiche Bildpunkt so rasch hintereinander

In welchem Mmfange die Gedankenarbeit des Technikers mit alten Gewohnheiten aufräumt, dafür ein weiteres Beispiel. Auch das erscheint uns als eine unvermeidliche Rotwendigkeit, daß der Eisenbahnwagen außen mit einem An- strich versehen sein muß. Rur verhältnismäßig wenige Wagen besitzen eine äußere Holzver­kleidung. Das war so von Anfang an und ist so geblieben. Der Anstrich wird mit der Zeit ab­genutzt und unscheinbar. Er muh deshalb in regel­mäßigen Zwischenräumen erneuert werden. Das macht Arbeit, kostet Geld und hat den weiteren Rachteil, daß ständig eine bestimmte Anzahl von Wagen aus dem Verkehr gezogen ist. Während dieser Zeit bringen sie keinen Ruhen. Aus diesem

Allerlei technische Neuerungen.

Von Dr. Hellmut Thomasius.

Die Denkarbeit des Technikers von heute unter­scheidet sich von der des Technikers von einst in wesentlichen Zügen. Roch nicht ^llzmange ist es her da war alles Denken ausschließlich Darauf gerichtet, eine neue, noch nicht dagewesene Wirkung zu erzielen. Das Denken war rein kon­struktiv. Es ist cs auch heute noch, sogar in sehr weitem Mmfange. Daneben gewinnt aber eine andere Art der Auffassung immer mehr an Raum. Die Wirkung soll nicht nur durch eine bestimmte Maschine oder Kontraktion herbei- geführt werden. Es kommt auch darauf an sie init dem geringsten möglichen Aufwand zu schaffen.

Daraus entsteht eine neue Richtung des Vor­gehens, die sich bis auf die kleinsten Einzelheiten erstreckt Bei allem und jedem wird geprüft, wo noch gespart werden kann. Dieses Destreben hatte zur Folge, daß man jetzt vielfach Stoffe durch andere erseht, die uns von ^rsh^ lieb, g^ wohnt und vertraut geworden sino. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Er pflegt nicht darüber nachzusinnen, ob dieser oder jener S off noch zu unseren Ansichten über technische Er Parmsmog lichtesten paßt. Er wird einfach weiter benutzt weil es schon immer so war Bis danni «ntf Tages der denkende und rechnende ^echmker kommt und Gründe entwickelt, die sich Nicht wider­legen lassen.

Ein kennzeichnendes Beispiel für diesen neuen Geist ist die Milchflasche. Von jeher hat man sie aus Glas angefertigt. Glas ist schwer nn Gewicht. Das Reinigen von Millionen von Milch­flaschen verursacht Kosten. Zurückbleibende Keime können Infektionen herbeisühren. Daher ging man schon vor einiger Zeit dazu über, Milchflaschen auch aus Papier herzustellen. Die Gedankenarbeit des Technikers hatte den Weg gefunden, auf dem sich eine Verringerung des Gewichts, der Wegfall jeoer Reinigung und Keimfreiheit erzielen netzen, wurden die gebrauchten Flaschen doch einfach ver­brannt. Aber noch bestand die Flasche aus einer Art Pappdeckel. Sie war also ziemlich dick. Außerdem aber hatte sie noch die Form der alten Glasflaschen. Die gedankliche Arbeit des Tech­niker- setzte sich hier weiter fort und hat zu

Bild 2.

Apparat des Leiters mit Lautiprecher im Gehäuses uh.

Sobald ein Teilnehmer seinen Hörer zur Hand genommen hat. springt am Apparat des Leiters das betreffende Schauzeichen vor. fo daß man erkennen kann, wer zur Besprechung bereit ist. Alle Teilnehmer sind jetzt mit dem Apparat des Leiters und untereinander verbunden, jeder Be­teiligte hört sowohl den Leiter als auch jeden anderen Teilnehmer. Der Apparat beim Ver­handlungsleiter ist mit besonderen Einrichtungen ausgestattet, die für seinen Zweck von Wichtigkeit sind. Sehr zweckmäßig sind zunächst die schon erwähnten Schauzeichen, die jederzeit genau er­kennen lassen, wer gerade an der Besprechung teilnimmt. Mit den Schalthebeln kann man na­türlich auch während der Besprechung irgend­einen Herrn, helfen Teilnahme nicht mehr er­forderlich ist, ausschalten oder weitere Herren hinzuziehen. Wird jemand abgeschaltet. so macht ihn ein Ticken darauf aufmerksam, ebenso ertönt ein Ticken, wenn ein zur Teilnahme aufgefor- berter Herr gerade nicht an seinem Platze ist. damit er sich bei Betreten seines Arbeitszim-

Fernsehen in natürlichen Farben.

Von Ernst Marsch.

Während in allen Ländern an der Vervoll­kommnung des Fernsehens in Schwarz-Weiß ge­arbeitet wird, beschäftigen sich, wie eine amcrita- nische Zeitung berichtet, vorausschauende Kopfe bereits damit, die Dildübertragung in den na- türlichen Farben vorzubereiten. Es läge eigent­lich näher, zuerst den doch schon technisch hoch­entwickelten Laufsilm farbig zu gestalten: aber selbst dies ist noch nicht einwandfrei gelungen. Die mühsam von Hand in Hunderttausenden von Einzelbildern ausgemalten Filme können wirk­lich keinen Anspruch auf die Wiedergabe natür­licher Farben erheben.

Run will man das noch in schwerem Ringen uni seine Daseinsberechtigung stehende Fern­sehen gleich ganz vollkommen gestalten: cs liegt aber technisch lein unüberwindliches Hindernis vor, nach dem gleichen Gedanken auch ruhende und Filmbilder farbig wiederzugebcn. Diese An­wendung dürste sogar viel aussichtsreicher und rascher durchführbar sein, weil dem Laufbild- wesen ganz andere Mittel zur Verfügung stehen als dem noch so jungen Fernsehen.

Wie ist es nun möglich, farbige Bilder zu übertragen? Bekanntlich wird der in em Prisma cinfallende Weiße Lichtstrahl in das Spektrum zerlegt, an dessen leuchtendem Farbenspiel in allen Schattierungen von gelb, rot. grün, blau bis ultraviolett sich jeder schon oft erfreut hat. Bekannt ist ferner, daß man Bilder durch den sogenannten Dreifarbendruck vervielfältigt der durch Mebereinanderdrucken des gleichen Bildes in Gelb. Rot und Blau eine gute Wiedergabe der natürlichen Farben erzielt. Hierbei wird aber nicht etwa der gleiche Druckstock benutzt, sondern c8 werden drei verschiedene verwendet, die nach drei Ausnahnicn mit verschiedenen Farbfiltern vom gleichen Gegenstand gemacht sind. Die drei Farbfilter zerlegen das Bild in drei ©runb- fbne, Gelb, Rot und Blau unb bestimmen gleich­zeitig für jeden Bildpunkt die Menge der dann enthaltenen Grundfarben, das heißt ob er nur wenig ober viel Gelb, Blau oder Rot enthält. Die nach diesen drei Aufnahmen hergcstellten Druckstöcke stimmen in allen Mmrissen haarscharf aufeinander; die für den Druck, das heißt für die Aufnahme der Farbe hochstehenden Bild­punkte sind aber auf jedem Druckstock verschieden. Auf diese Weise entstehen beim Druck die feinsten Abstufungen, z. B. bei Grün aus Gelb und Blau, bei Orange aus Gelb und Rot, bei Purpur aus Rot und Blau, bei Braun aus Gelb, Rot und Blau usw., je nachdem, welche Farbe kräftiger gedruckt wird. Werden die Bilder nicht genau übereinander gedruckt, wie man es gelegentlich sieht, so entstehen einseitig farbige Grenzlinien, z B. in Rot oder Blau: dadurch leidet das ganze Bild im Ansehen und verliert feine Ra- iürlichkeit. Erinnern wir uns ferner an Die als Kinderspielzeuge und im Anschauungsunterricht verwendeten Pappscheiben mit aufgemalten Grundfarben in Gelbrot. Gelbblau usw.» die beim Drehen der Scheibe die entsprechende Milch­farbe Orange, Grün usw. ergeben. Hierbei se^n wir auch die Wirkung der Drehzahl: Erst bei einer gewissen Geschwindigkeit tritt eine völlige

Grunde sind englische Techniker der bisher noch nicht erörterten Frage nähergetreten, ob denn ein Anstrich der Eisenbahnwagen überhaupt nötig ist und ob er nicht durch etwas anderes erseht werden kann. Rach längeren Versuchen hat man ein Gewebe gesunden, von dem man sich viel verspricht. Es wird in Form langer Stoffbahnen hergestellt und die Wagen werden auf ihrer Außenseite damit bekleidet. Die probeweise derart ausgestatteten Wagen laufen nunmehr auf einer Strecke unb sollen sich bis jetzt sehr bewährt haben. Vielleicht verschwindet deshalb über kurz ober lang der Anstrich nicht nur von Eisenbahn­wagen. sondern auch von zahlreichen anderen Gegenständen, die wir bislang stets nur an- gestrichen zu sehen gewohnt sind.

Farbmischung ein.

Wenn uns diese beiden, altbekannten Vorgänge gegenwärtig sind, so verstehen wir ohne weiteres, daß man die drei Grundfarben statt sie auf­einander zu drucken oder zu drehen auch alä Lichtbilder auseinander toerfen kann. Es tft aber nicht erforderlich, daß dies gleichzeitig geschieht: man kann sie auch rasch nacheinander auf die gleiche Stelle werfen, wobei die Trägheit des Auges die Mischung vornimmt. Grundsätzlich ist die Aufgabe hiermit gelost, in Wirklichkeit gibt es aber noch viele Schwierigkeiten zu über­winden. .

Beim Fernsehen wird das Bild im Sender Durch die Ripkowschc Scheibe in Bildpunkte auf-

Das Bestreben, schwere Stosse immer mehr durch leichte, vor allem durch Papier zu ersehen, macht sich aber auch auf anderen Gebieten gel­tend. Bei den Flugzeugen verwendet man in aus­gedehntem Maßstäbe das Leichtmetall Alu­minium unb seine Legierungen. Aber eben haben Versuche eingesetzt, das Gewicht noch weiter zu verringern. Zu diesem Zweck hat man Papier, Seide und Holz bestimmter Form und Art, um ihnen mehr Festigkeit zu verleihen,, auf elektro­lytischem Wege mit einem Metallüberzug ver­sehen. Das Verfahren, Metalle mit Hilfe des elektrischen Stroms auf Papier niederzuschlagen, ist nicht neu. Dabei handelte es sich aber meist um Zwecke, bei denen es auf eine besondere Festigkeit nicht ankam. Durch die Verbindung einer auf elektrischem Wege erzeugten dünnen Metallschicht mit Papier, Seide oder Holz will man diesen bei leichtem Gewicht eine derartige Festigkeit verleihen, daß sie sich für den Dau von Flugzeugen eignen. Auch hier würden sich bann die Vorteile einer Ersparnis an Brennstoff unb dazu die Möglichkeit der Erzielung noch größerer Geschwindigkeiten als bisher ergeben.

Die Versammlung ohne Versammlung

Von Ingenieur Walter Zaelel.

gdb. rot ober blau, daß im Auge nur die richtig gemischte Farbe erkennbar ist. Voraus­setzung hierbei ist eine Lampe mit rein weißem Licht, also nicht mit rötlichem, wie es z. D. die Rcorilampe gibt, damit die Farben richtig toieder- gegeben werben, sowie ein genauer Gleichlauf 'der beiden Scheiben im (Sender unb Empfänger. Lebes Loch der Sender- und Cnipsängerscheibe muß im gleichen Augenblick den gleichen Bild- punlt bestreichen, sonst entstehen Verzerrungen. Roch empfindlicher werben solche Gleichlausschler für das Auge bei der farbigen Mebcrtragung. weil hierbei jeder Punkt dreimal nacheinander übertragen wirb: bewegt sich der zu übertra­gende Gegenstand rasch, so decken sich die Drei Bilder nicht, und es entstehen die so störenden Farbverschiebungen, genau wie im Buchdruck.

In Laiissilmcn können bie drei gleichen Farb­bilder, bei Verwendung einer umlausenden Farb- blende, hintereinander auf dem gleichen Film­band folgen ober es können drei Filme neben­einander in den erforderlichen kurzen Abstänben auf den Schirm geworfen werden. Roch handelt es sich um sehr belangreiche Versuche, die aber bald, wenigstens für ruhende Bilder, zur Wirk­lichkeit werden können.

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