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so scharf zwei verschiedene Ansichten herausgebil* Let hätten, die im Endziel doch einig seien. Oluf alle Fälle wolle feine ganze Fraktion, daß in der «Schwarzlach gebaut werde. «Stadtratsmitgl. Qlicolaug habe nicht bekräftigen können, daß auf dem von ihm empfohlenen Wege die beschlos­senen 60 Wohnungen gebaut werden könnten, da­gegen bestehe bei dem Projekt der Stadtverwal­tung die Gewähr für die «Schaffung dieser Anzahl Wohnungen. Die Verlängerung des Asterweges nach den Vorschlägen der Stadtverwaltung sei das richtigere. Die Bautätigkeit in der Schwarz­lach solle jetzt nicht mehr abgeschlossen werden. Das Gelände müsse nun endlich erschlossen und weiterbebaut werden. Die Geländestürnpfe zwi­schen Sderstraße/Schottstrahe könnten nach einem Iahr auch noch bebaut werden, vielleicht fänden sich private Baulustige, die dieses Gelände für Wohnungsbauten mit Geschäftsläden wünschten, nachdem durch die Ingangsetzung der Bautätig­keit in der «Schwarzlach das erforderliche wirt­schaftliche Hinterland geschaffen sein werde. Dort könne sich dann mancher Gewerbetreibende zu seinem (Nutzen betätigen. Seine Fraktion bedauere die Zuspitzung der Ansichten in dieser Frage, aus den oben borgetragenen Gründen sei aber die große Mehrheit feiner Fraktion zu dem Er­gebnis gekommen, daß sie für den Antrag der Stadtverwaltung stimmen werde. Dieses Projekt solle möglichst rasch in Angriff genommen werden.

Stadtratsmitgl. Mann (Soz.)

gibt seiner Genugtuung über diese Stellungnahme der Mehrheit der volksparteilichen Fraktion Aus­druck, bestreitet die Richtigkeit der Behauptung des Stadtratsmitgliedes Ricolaus, daß man in den Strahenstümpfen die Wohnungen zu den gleichen Kosten wie beim Projekt der Stadtver­waltung erstellen könne, begrüßt es, daß das Schwarzlachgelände jetzt für die Bebauung auf­geschlossen werden soll und betont, wenn hier mit der Siedelung tatkräftig und systematisch fort­gefahren werde, könne für ungefähr 700 Familien im Schwarzlachgebiet Wohnungsmöglichkeit zu er­schwinglichen Mietpreisen geschaffen werden. Der Redner gibt der lleberzeuguna Ausdruck, daß sich auch genügend Privatunternehmer zur Bebauung in diesem Stadtteil finden würden und damit könnten dann dieSünden" früherer Iahre wie­der gutgemacht werden. Seine Fraktion sei von Anfang an für das Projekt der Stadtverwaltung gewesen, für das sie auch jetzt stimmen werde.

Stadtratsmitgl Schmäht (Fr.Bgg.)

teilt mit. bafr auch die Mehrheit seiner Fraktion für das Projekt der Stadtverwaltung eintreten werde. Man müsse der Stadtverwaltung und insbesondere Baurat G r a v e r t dankbar da­für fein, daß er einen so schönen Wohnungsty geschaffen habe und dank ausgezeichneter Raum- crusnutzung Kleinwohnungen zu tragbaren Mie­ten schaffen wolle. Auch nach den Ausführungen des Stadtratsmitglieds Ricolaus sei an den Planen des Hvchbauamts im großen und ganzen nichts auszusehen. Die Hausfrauen in diesen Häusern würden es sicher angenehm empfinden, daß der Trvckenraum gleich im Kellergeschoß ne­ben der Waschküche liege und ihnen dadurch das schwere Tragen der feuchten Wäsche vom Keller bis zum Boden erspart bleibe. Der Redner unterstreicht die Ausführungen der Herren Horn und Mann und hebt hervor, daß Herr Rico- laus nicht erklärt habe, er könne bei seinem Vorschläge auch die beschlossenen 60 Wohnungen schaffen. Er begrüßt weiter die Ermöglichung tragbarer Mieten für diese Wohnungen und die endliche Inangriffnahme der Baulandaufschlie­ßung in der «Schwarzlach, in der nun energisch der neu beschrittene Weg der Baulandschaffung weiter gegangen werden müsse. Der Einwand der llnfertigfeit der Straßen könne ihn nicht ge­gen den Antrag der Stadtverwaltung gewin­nen. Er lege größten Wert darauf, daß in die Wohnungen für die weniger bemittelten Mit­bürger soviel wie möglich Sonne hineingebracht werde. Die Stadtverwaltung möge in dieser Weise weiter bauen.

Stadtratsmitgl. Schwicdcr (D. B.)

begrüßt als Vorsitzender des Rordostvereins das Vorgehen der Stadtverwaltung, wobei er hervor-

Roman einer Nacht

Von Paul Nofenhayn.

17. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Die beiden stopften durch die Mahagonitür in den hellerleuchteten kleinen Raum, aus dem ihnen Lachen, Gläserllingen und der verräterische Duft verbotener alkoholischer Genüsse entgegen* schlug. Eben ging die Sirene von neuem durch die Stille: die junge Dame blickte mit einem unbehaglichen Gefühl in das Grau zurück, das nun das «Schiff wie ein undurchdringlicher Drei einhüllte.

$>ie zwei nahmen an dem kleinen polierten Spiellisch Platz, den der Mixer sreigehalten hatte und bestellten irgendein Getränk mit einem ge­heimnisvollen Ramen.

Wann sind wir eigentlich in Kopenhagen?" fragte die junge Same.

Riedinger zuckte die Achseln.Ich weih es nicht, Miß Stone. Ich weiß es wirklich nicht. Rachdem wir diesen Rebel bekommen haben, ist es ganz unsicher geworden."

Miß Stone hob das Glas. Dann nahm sie die Kappe vom Kopf und warf sie achtlos auf die Lederbank: sie schüttelte den Kopf: erst jetzt sah man, daß sie hübsch und blond war.

Ich meinte nur. Wo Sie selbst doch ein so großes Interesse daran haben." Sie warf einen schnellen Seitenblick auf ihren Rachbarn, dessen schwermütige dunkle Augen auf dem Bilde der Gva Sullivan, der Schutzpatronin dieses Schiffes ruhten. Cs hing in einem goldenen Rahmen dort drüben an der Wand.

Eva Sullivan gefällt Ihnen wohl?" nickte Miß Stone lächelnd: vielleicht fahren Sie ihret­wegen nach Kopenhagen?"

Eva «Sullivan?" wiederholte er verständnis­los.Die Amerikanerin?"

«Sollten Sie das wirllich nicht wissen? Sie gastiert in einem Kopenhagener Theater. Cs stand heute morgen in der Dordzeitung."

Er zuckte die Achseln und zog nervös die älhr.

Dies ist die letzte Rächt, Mr. Riedinger," sagte Miß Stone,die wir beide aus demselben Dampfer zubringen. Wenn Sie mir jetzt eines Tages wieder begegnen, irgendwo in der Well dann werden Sie sich sicher nicht mehr meiner erinnern.

hebt, daß der Rordosten auf diese Förderung schon lange genug habe warten müssen. Von den Bewohnern des Rordostens werde die Ini­tiative der Stadtverwaltung mit Beifall begrüßt in der Hoffnung, daß nun die Baulanderfchlie- hung in der Schwarzlach ständig fortgefeht werde. Die Bebauung der Geländestürnpfe Ederftratze bis «Steinstraße könne evtl, später noch nach- geholt werden. Der Redner fordert schließlich noch die Erledigung der Frage des Dammstrahe- Durchbruchs.

Stadtratsmitgl. Becker (Fr. Bgg.) tritt für den Standpunkt der Dauausschußmehr- heit ein und unterstreicht dabei die Ausführungen des Herrn Ricolaus.

Stadtratsmitgl. Fischer (Dem.) erklärt, einmal fei zu prüfen, wie mit den vor­handenen Mitteln möglichst viele Wohnungen geschaffen werden könnten: Das Projekt der «Stadtverwaltung sehe 60 Wohnungen vor, wäh­rend das bei dem anderen Vorschlag nicht der Fall fei. Das fei schon entscheidend. Der Redner begrüßt weiter die Aufschließung der Schwarz­lach und sagt, gewiß wolle Herr Ricolaus nicht, daß dort die Bautätigkeit wieder ein* schlafe, er (Redner) fürchte aber, daß dieses Wiedereinschlafen der Bautätigkeit in der Schwarzlach kommen werde, wenn man nach dem Vorschläge der Bauausschuhmehrheit ver­fahre. In anderen Stadtteilen, wo die (Bauluft schon lange in erfreulicher Weise rege sei, bedürfe es keiner städtischen Förderung, für die «Schwarz­lach aber fei diese Rachhilfe geboten. Der Redner erinnert daran, daß man doch die Herren Dr. Hamm und ©rotiert ausdrücklich zu dem Zweck hierhergeholt habe, daß durch fie ein grö­ßerer Zug in unsere Bautätigkeit hineingebracht werde. Wenn nun die Stadtverwaltung dieses große Projekt durchführen wolle, von dem ein dauernder und weitreichender «Aewinn für die Stadt zu erwarten sei, dann solle man der Ver­waltung vertrauensvoll folgen. Das fei kein Sprung ins Dunlle, sondern ein verheißungs­voller Weg in die Zukunft.

Stadtratsmitgl. Loeüer (D.B) begrüßt als Handwerksmeister im Rordostviertel das Vorgehen der Stadtverwaltung, der man für ihre Tätigkeit im Interefse des Rordostens danken müsse. Weiter gibt der Redner seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß in der Schwarzlach solide Wohnhäuser gebaut werden sollen und nicht- wie in Gerüchten behauptet wurde, Baracken. Die aufllärenden Darlegungen des Stadtbaurats Gravert hätten erfreulicherweise die Befürch­tungen von Rordostbewohnern wegen Baracken­bauten zerstreut. Der Redner bat zum Schluß noch um baldrnoglichste Bereinigung der Damm- straße-Angelegenheit.

Stadtratsmitgl. Winn (D. B.) betont, er habe vor der Beratung dieser An­gelegenheit sich mit dem Vorsitzenden der volls- parteilichen Fraktion, Stadtratsmitglied Prof. Dr. K r a n s m ü l l e r, ins Benehmen gesetzt und von diesem die Ermächtigung erhalten, nach seiner eigenen, freien Lieberzeugung und nach seinen fachmännischen Gesichtspunkten zu der Sache Stel­lung zu nehmen. Der Redner bedauert weiter, daß die von ihm angestrebte Verständigung mit den Vertretern des gegenteiligen Standpunktes nicht zustandegekommen ist.

In der weiteren Aussprache polemisieren die Stadtratsmitglieder Mann und Ricolaus scharf gegeneinander, weil ersterer der Bauaus­schuhmehrheit bei dieser Sache Gesichtspunkte des eigenen materiellen Interesses in zwar indirek­ter, aber doch ganz eindeutiger Form unterstellt, eine Behauptung, die von Hernr Ricolaus namens der Ausschuhmehrheit mit größter Ent­schiedenheit zurückgewiesen wird. Gegen die Be­merkung des Herrn Mann, der Bauausschuh habe hier vom Plenumeine Ohrfeige" erhalten, wendet sich Herr Horn namens der volkspartei- lichen Fraktion mit der Bemerkung, dah der Ver­treter ihrer Fraktion im Bauausschuh (Herr Winn) nicht desavouiert worden fei, er im Ge­genteil nach wie vor das Vertrauen der Fraktion genieße. Beigeordneter Dr. Hamm bemerkt noch.

Er bllckte sie überrascht an; der Ton ihrer Stimme war ernster, als tijre Worte es erfor­derten.

Wir wohnen im Hotel Dagmar, meine «Schwe­ster und ich. Wir wollen drei Wochen bleiben und Ausflüge machen. Dann fahren wir weiter, nach dem Rorden." Lind indem sie ihn mit einem strahlenden Blick ansah, setzte sie hinzu: Llnd Sie ... ?"

Panik im Schiff.

Als er nicht antwortete, legte sie, wie in einem plötzlichen Entschluß die Hand auf die seine. Die Bewegung hatte nichts, was an Flirt erinnerte; sie war spontan, wie aus einem jähen Mitleid heraus, fast mütterlich.Mr. Riedinger, ich muh Ihnen etwas sagen."

Ditte, Miß Lilian."

Rein. Richt so. Ich fische nicht nach einem Kompliment; ich will auch keine Konversatton mit Ihnen machen. Es ist etwas Ernstes."

Oho." Er zog mit einer tragischen Gebärde die Augenbrauen hoch.Dann freilich."

Sie haben mich noch immer nicht verstanden? Lind indem sie seine Hand preßte, sagte sie mit leiser, eindringlicher Stimme:

Sie sind im (Begriff, eine Dummheit zu machen."

Ich?"

Ich weih mehr von Ihnen, als Sie glauben. In der dritten Klaffe fährt jemand, den meine Schwester leimt. Er hat uns von Ihnen er­zählt. er kennt Sie aus Paris. Sie haben ein gefährliches Metier, Wr. Riedinger. Wissen Sie, was uns jener Mann aus der dritten Klasse erzählt hat?"

Run?"

Man erwartet Sie in Kopenhagen."

Das stimmt."

(Kein. nein. Richt was Sie meinen. Richt das Gericht."

Das wissen Sie auch?"

Sie sehen es. Cs ist etwas anderes. Irgend* eme eine Liga ich weih nicht, wie man sich ausdrückt will unter allen Umständen ver­hindern, dah Sie in Kopenhagen zum Gericht fahren. Man wird Ihnen alle Hindernisse in den Weg legen, die Menschen erfinden können; ja. man sagt ... Miß Stone blickte scheu um sich:man spricht sogar davon, daß man Sie ... dah man Eie ...

-Wer ist dieser Herr aus der dritten Klasse?"

Ich weih es nicht."

es sei auch nach seiner Meinung natürlich nicht die Absicht des Herrn Ricolaus, der Aus­schließung der Schwarzlach einBegräbnis erster Klasse" zu bereiten, aber aus der Verwirklichung seiner Vorschläge werde ein solchesBegräbnis" herauskommen.

Oie Abstimmung.

In der Abstimmung wird der oben abge­druckte Antrag der Stadtverwaltung

mit grotze-r Mehrheit angenommen. Dagegen stimmt die Fraktion der Wirtschaftlichen Vereinigung geschlossen, ferner stimmen dagegen die Stadtratsmitglieder Winn, Kreiling und Becker. Der Stimme enthalten sich die Stadtratsmitglieder Höhn und H a u b a ch.

Durch die Annahme des Anttages der Stadt­verwaltung ist der Antrag Ricolaus (Dau- ausschuhmehrheit) abgelehnt.

Ein deutsches Bollwerk in polen.

Besuch in Bielitz, einer deutschen Kutturinsel am Fuß der Beskiden.

Don unserem Kattowiher W. di.-Berichterstatter. Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Dielitz, April 1929.

In der südwestlichsten Ecke des neuen Polens liegt, eingebettet in den Bergen der Beskiden, das Bielitzer Ländchen. Don Kattowitz, der Metropole der Schlesischen Wojewodschaft, kommt man in drei Zugstunden in einem gemüt­lichen Fahrttempo nach Dielitz. Wenn man auf dem Dielitzer Bahnhof, der nach dem Schema der alten Bahnhöfe der österreichischen Monarchie gebaut ist, aussteigt, so spürt man sofort einen anderen Hauch. Es ist nicht nur die frische Ge­birgsluft, die von den (Bergen weht. Man fühlt sich in einer anderen Umgebung, die nicht das gewaltsam polonifierte Bild des an Polen ge­fallenen Oberschlesiens zeigt und die auch nicht die Mißstände aufweist, wie fie in den anderen östlichen Teilen Polens durch typische polnische Wirtschaft entstanden sind. Es ist ein Stück Land von altösterreichischer Gemütlichkeit. Man hört fast nur deutsche Laute der österreichischen-weane- rischen Mundart, so daß man sich sofort heimisch fühlt. Der (Barbierplauscht", die Straßenpassan­ten, die man um Auskunft bittet, weisen einem liebenswürdig den Weg, ja sogar der blaue Polizist in der polnischen Uniform an der Haupt- verkehrskreuzung der Stadt gibt freundlich auf deutsche Anfrage Auskunft in deutscher Sprache.

Bielih ist deutsch. Es ist das Bollwerk des Deutschtums in Polen, die deutscheste Stadt der ganzen polnischen Republik. Um die Stadt herum liegt ein Kranz von deutschen Dörfern. Auf einem Spaziergang in die Berge, bei einer Begegnung mit einem alten Mütterlein, das Holz aus dem Wald heimholt, grüßt dieses mit einem freundlichen deutschenGrüß Gott", so dah man irgendwo im deutschen Tirol oder in den baberifeben Alpen zu wandern glaubt.

Das deutsche Dielitzer Ländchen liegt wie eine Insel im Gebiet der sog.Slonzaken", die pol­nisch sprechen. So ist es schon feit Iahrhundcrten. Die Dielitzer fühlten sich daher stets, auch schon in den Zeiten der österreichischen Monarchie, als Vorposten und Vorkämpfer des Deutschtums, und sind den Kampf gewohnt. Ihr durch Iahrhun- derte bewährtes, zähes Festhalten am deutschen Volkstum weicht wohltuend von der Unsicherheit der Deutschen in den ehemals preußischen West­gebieten Polens ab; denn jene wurden durch das widersinnige Schicksal des Friedensdiktates ahnungslos überrascht. Sie dachten nie an die Rotwendigkeit eines Kampfes um ihr Volkstum. Es fehlt ihnen daher auch die Kraft, die Erfah­rung und die Festigkeit, die andere Deutsche, wie diese hier in Dielitz, in dem Iahrhunderte langen Kampfe gewonnen haben.

Die Stadt Bielih hat eine Gemeindevertretung mit einer überwältigenden deutfchen Mehrheit. Der Bürgermeister ist deutsch. Das jetzige Ge­meindeparlament regiert feit 1925 und wird in diesem Iahre neu gewählt werden. Man hofft zu­versichtlich. die deutsche Mehrheit durch die Reu­wahl noch zu erhöhen, denn trotz aller Poloni- sierungstiersuche hat das Deutschtum im DieNtzer Land in den letzten Iahren zu genommen. Dies haben am besten die im vorigen Frühjahr durchgeführten Wahlen zum Warschauer «Sejm und Senat bewiesen. Bei den Sejmwahlen konnten die Dielitzer für ihr Teilgebiet ein deutsches Mandat mehr erreichen. Allerdings bemühen sich

die Polen krampfhaft, auch dieses Stück deutschen Landes zu polonisieren. Um die Iahreswende wurden mehrere leitende deutsche Gemeindebeamte auf (Betreiben der nationalpolnischen Wojewod- schaftsleitung zwangsweise pensioniert. Dieser zwangsweisen Absägung leitender deutscher Be­amten mußte das Genieindeparlament auf höheren (Befehl feine Zustimmung geben, da fönst eine Auflösung der Gemeindeverwaltung und ein Er­satz dieser durch eine kommissarische, von der Re­gierung zu ernennende Vertretung zu befürchten stand, die selbstverständlich nach dem bekannten Kattowiher Muster entgegen den tatsächlichen Mehrheitsverhältnissen rein polnisch gewesen wäre und auf völlig unbestimmte Zeit die Gemeinde- geschäfte in ihrem Sinne geleitet hätte.

Bielih besitzt als einzige Stadt in Polen ein ständiges deutsches Theater, das von einem Wiener geleitet wird. Kulturell tendiert das Dielitzer Land stark nach Wien. Von dort bezieht es alle kulturellen Anregungen. Wiener Sänger und Künstler sind oft in Dielitz zu Gaste. Dielitz hat mehrere Volksschulen mit deutscher Llnterrichtssprache und ein deutsches Realghm- nafium. Das «Schulwesen untersteht hier nicht dem bekannten Genfer Abkommen, das nur für den vberschlesischen Teil der Wojewodschaft Schle­sien geschlossen ist. Die «Schulaufnahme wird durch eine sogenannte Schulbeschreibungskommis- fion geregelt, vor der die Eltern angeben müssen, ob sie ihr Kind in die deutsche oder in die pol­nische (Schule schicken wollen. Selbstverständlich kommen bei dieser Echulbeschreibungskommifsion häufig polnische Deeinflussungs- und (Berge toal- tigungsversuche der deutschen Eltern vor, ins­besondere in den kleineren Dörfern. Aber hier weiß man schon, wie man sich wehrt.

Unmittelbar an Dielitz schließt sich dos rein polnische Dia 1 a an. Dielitz und Biala sind nur durch ein kleines Gebirgsflüßchen getrennt. Dieses schmale seichte Flüßchen ist die sichtbare Grenze deutscher und polnischer Kultur. Es gibt keine augenfälligere Kulturgrenze als den Unterschied zwischen Bielih und (Biala. Bielih, eine saubere, schöne Stadt. (Biala, ein wüster Schmuhhaufen. Bielih bemüht sich, vorwärts zu kommen. Man hört von großen Plänen. An dem Flüßchen soll eine große Talsperre gebaut werden, die sieben Millionen Zloty ungefähr drei Millionen Reichsmark kostet. Ferner beabsichtigt die Stadtverwaltung, ein gro­ßes Stadthaus zu errichten, das bemerkens­werterweise nach einem Entwurf des bekannten deutschen Städtebauers Professor Poelzig ge­baut werden soll. Einen glänzenden Eindimck macht auch die Dielitzer Industrie. Es gibt Tuch- und Webindustrie, Schraubenfabriken und chemische Werke. Dielitz exportiert sehr viel und hat sich durch feine Fabrikate Weltruf erobert. Das Interefse an einem deutsch-polnischen Han­delsvertrag ist hier nur gering, da das Dielitzer Land mit Deutschland wenig Geschäfte macht. Seine Hauptgefchäftskontrahenten find Uebcrfec- und Mittelmeerländer, aber auch die östlichen europäischen (Randgebiete.

Dielitz ist eingeschlossen von einem Kranz von 'Bergen, die im milden Frühlingssonnenlicht lie­gen. Auf den Gipfeln liegen noch weiße Schnee- feldcr. Irn Winter bieten die Beskiden präch­tiges Skigelände, im Sommer sind sie mit ihren

Wir werden Ihre «Schwester nach ihm fra­gen."

Rein. Weine «Schwester hat mir verboten. Ihnen davon zu sprechen. Aber ich konnte es doch nicht übers Herz bringen, zu schweigen."

Ich fürchte mich nicht."

Sie schüttelte den Kopf und sah ihm mit un­verhohlener Angst in die Augen.Es gefällt mir natürlich, daß Sie sich nicht fürchten. Aber was nützt es Ihnen? Diese Leute sind mächtiger; Sie stehen ihnen als einzelner gegenüber.

Ich könnte vielleicht an das Gericht telegra­phieren. daß man mich durch eine Eskorte emp­fangen läßt."

Warum spotten Sie darüber? Sie wissen genau, daß «Sie in Gefahr sind."

Ich bin in meinem Leben schon in so manchen Gefahren gewesen, daß es auf eine mehr oder weniger nicht ankommt."

Lilian Stone nickte.

Sie leerte das Glas mit dem dampfenden In­halt in einem hastigen Zuge.

Ich habe einen Traum gehabt."

Haben Sie von mir geträumt?

Auch. Glauben Sie an Träume?"

Rein."

Warum sagen Sie die Unwahrheit? Ieder Mensch glaubt an Träume. Er schämt sich nur. es einzugestehen."

War es ein schöner Traum?"

«Sie schloß die Augen und schüttelte den Kopf.

Es war ein furchtbarer Traum." sagte sie mit schwerem Aufatmen.Ich sah Wasser. Viel Wasser. Dunkles, böses Wasser."

Das ist kein Wunder. Da Sie Tag für Tag nichts als Wasser um sich sehen."

Immer höher stieg es; ich rang vergeblich nach Atem; das Wasser füllte mein Zimmer ich sah, wie es über mir zusammen schlug: ich wollte schreien, aber jeder Laut erstickte in dem dunk­len Wasser."

Und ich?"

Dann sah ich plötzlich, wie Sie zum Fenster hereinsahen. 2ll>er nein, es war kein Fenster; es war ein Spiegel, darin erblickte ich Ihr «Be­sicht; es war aufgedunsen. Ihre Haare hingen in Strähnen herunter, auch von ihnen tropfte das Wasser nieder. Sie winkten mir. Ich deutete Ihnen an. daß ich keinen Schritt vorwärts könne; aber Sie schienen mich nicht zu verstehen. Immer winkten Sie nur. Plötzlich sah ich Ihnen in die Augen. Ein merkwürdiges Leuchten ging von

ihnen aus. Seltsam phosphoreszierend. Dann, plötzlich, fühlte ich einen dumpfen Schlag, fast als ob die Wand meines Zimmers zerbräche. Iemand rief meinen Ramen; es kam wie aus weiter Ferne. Es war eine Stimme, die ich kannte, aber ich wußte nicht, wessen Stimme es war. Older dann erwachte ich; meine «Schwester hatte mich bei der Hand gefaßt; ihre Stimme war es, die meinen Ramen gerufen hatte. .Du mußt einen schrecklichen Traum gehabt haben, Lilian/ sagte sie mitleidig. Llnd es ist wahr." Miß «Stone führ sich mit der Hand über die «Stirn;nie habe ich etwas so deutlich, so be­klemmend gespürt, wie dies alles aus dem Traum der letzten Rächt." Und indem fie die Hand auf Riedingers Arm legte, sagte sie hastig:Was werden Sie tun. wenn dieses Schiff unterginge?"

Ich würde ein Rettungsboot nehmen."

Die Rettungsboote fassen nicht alle Passa­giere."

Dann werde ich schwimmen."

Und ich? Und meine Schwester?"

Er sah ihr zärtlich in die Augen, in denen es noch immer wie der Reflex der nächtlichen Angst lag.

Ich möchte Ihnen einen Vorschlag machen. Wir wollen in den Musiksaal gehen. Dort wer­den Sie Ihre furchtsamen «Bedanken bergeffen."

Die beiden gingen zur großen Treppe, deren jenseitiges Ende auf die Glastür des Tanzsaales mündete. Der Garderobier nahm chnen Hut und Mantel ab und öffnete bereitwillig die Tür.

Der Tanzsaal war erfüllt von Licht und Duft. Eben setzte eine Tangomelodie ein; wiegend und zärtlich schlug den beiden der Rhythmus entgegen. Der Steward wies auf den kleinen Tisch: auch über ihm hing das Bild der Eva Sullivan. Be­hutsam rückte der Steward die Stühle zurecht; Riedinger lachte; alle Bediensteten dieses Schif­fes möchten angesichts des Landes in diesem Augenblick in Gedanken Trinkgeld-Kalkulationen an stellen.

Wieder begann das «Schiff stärker zu stampfen; warnend ging die «Sirene, der Ton pflanzte sich durch die Wände des Raumes fort, nicht dem Ohr, mehr dem Gefühl wahrnehmbar.

Wollen wir tanzen?" fragte (Riedinger. Sie nickte. Er erhob sich.

Eben wollte er den Arm um sie legen, als irgend etwas geschah, was kein Mensch so recht begriff.

(Fortsetzung folgt.)