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«prächtigen Tannen- linb Laubwäldern das Ziel zahlreiche Ausflügler aus der näheren und wei­teren Umgebung, insbesondere aus dem oberschle- sischen Industriegebiet. Große deutsche Logier­häuser bieten Aufenthalt und Erholung. Die deutschen Gewerkschaften Ostvberschlesiens haben hier eigene Heime für ihre Mitglieder errichtet. Wie in der Stadt, so hört man auch in denBer­gen überall deutsch und kann als Deutscher ruhig seines Weges ziehen. Ein Besuch in Bielitz ist für alle Deutschen in Polen eine freudige Er­quickung. Das Beispiel der Dielitzcr, ihre gan^c frohe Lebensart trotz aller Leiden, die auch ste unter polnischer Herrschaft zu erdulden haben, be­deutet für alle Deutschen aus den anderen Ge­bieten Polens, in denen sich deutsches Leben nicht in dem Maße entfaltet wie im Bieliher Land, eine Quelle der Kraft für den Kampf um das deutsche Bolkstunr.

Wie sieht es in Spanien aus?

Bon unserem v. Q«.-Berichterstatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Madrid, April 1929.

Wenn eine gewisse, den englischen und fran­zösischen Petroleumgruppen nahestehende aus­ländische Presse in den letzten Wochen immer wieder durch tendenziöse Meldungen den Sturz Primo de Riveras als unmittelbar bevor­stehend ankündigte, so war das dem mit der spanischen Mentalität vertrauten Beobachter ein deutlicher Fingerzeig für die wahren Zusammen­hänge der letzten Borkommnisse in Spanien. Die großen Petroleumgesellschaften zürnen immer noch der spanischen Diktatur wegen der Einfüh­rung des Petroleummonopols in die­sem Lande, eine Maßnahme Primos, die sich zweifellos zugunsten des spanischen Staatshaus- yaltes ausgewirkt hat, andererseits aber für jene Gesellschaften eine Einnahmeverringerung und vor allem die Schaffung eines europäischen Präzedenz­falles auf diesem Gebiet bedeutet. Trotz der

Hunderte von Millionen Peseten betragenden Entschädigungen, die Spanien anläßlich der Einführung des Monopols an die interessierten Gesellschaften gezahlt hat. lassen diese nun keine Gelegenheit vorübergehen, um das Ansehen der Regierung Primos und Spaniens überhaupt herabzusehen und eine Stimmung der Un­sicherheit hinsichtlich der nrnerpoliiischen Der- hältnisse auf der Halbinsel zu erzeugen. Einen Bundesgenossen fanden die Petroleumdiktatoren in Gestalt verschiedener ausländischer Börsen, die mit Freuden die Gelegenheit wahrnehrncn. über Nacht P e s e t e n st ü r z e zu inszenieren, was ihnen ja nicht schwer fiel, da die spanische Währung eine der wenigen in Europa ist. die immer noch nicht stabilisiert ist und sich infolge­dessen außerordentlich für derartige Machen­schaften eignet. Eigenartig ist nur die Tatsache, daß anscheinend auch heute noch die Mehrzahl der ehrlichen, verantwortungsbewußten Gegner der Diktatur in Spanien nicht gemerkt hat. zu welch dunklen Zwecken ihre plötzlichen Unwillens­ausbrüche außerhalb des Landes benutzt werden.

Tatsächlich sieht es in Spanien doch wesenl - lich anders aus als man nach aufgebauschten Meldungen und Alarmnachrichten, die immer wieder von Paris und London aus in die Welt gesetzt werden, vermuten könnte. Die Borgänge der letzten Monate haben gerade dazu beige­tragen. die Stellung Primos erneut zufestigen. eine Tatsache, die jedem Kenner der spanischen Berhältnisse unbestreitbar erscheinen muß. Große und einflußreiche Kreise, zu denen vor allem die klerikalen gehören, haben sich erneut hinter den Diktator gestellt und sein wei­teres Berbleiben an der Spitze der Regierung gefordert. Nachdem Prinw Ende März offiziell Rücktrittsabsichten geäußert hatte ein ge­schickter Versuchsballon richteten sofort sämt­liche industriellen und kaufmännischen Kreise Spaniens die dringende Bitte an ihn, die Zügel des Landes jetzt nicht aus der Hand zu | geben. Gleichzeitig erhoben die klerikale und die

konservative Presse ibre Stimmen und wiesen auf die Notwendigkeit deS Fortbestehen der Diktatur hin, so daß Primo guten Gewissens be­haupten kann, die Mehrheit des Landes fordere von ihm das Opfer weiteren Durchhaltens.

Eine weitere Bestätigung dieses Wunsches war für ihn die kürzlich in Madrid stattgefundene Kundgebung, die ihn überzeugen mußte, daß seine Anhängerschaft sich verstärkt hat. Hundert­tausend Spanier und Spanierinnen defilierten vor dem Diktator und brachten ihm begeisterte Huldigungen dar. die ergänzt wurden durch über drei Millionen in der Provinz gesammelte Unter­schriften. Gleichzeitig besaß Primo die Gewandt­heit, seinen Gegnern ihre schärfste Waffe aus der Hand zu schlagen, die darin bestand, die Unabsehbarkeit der Beendigung der Diktatur als Schreckgespenst an die Wand zu malen. Primo erflärte unzweideutig und bestimmt, daß die Diktatur im Herbst des Jahres 1930 ihr Ende finden werde. Die bis dorthin noch bleibende Zeit wird der Borbereitungsarbeit für die UOberleitung der Diktatur in neue gesetz­mäßige Berhältnisse gewidmet, deren Basis eine neue Verfassung, deren Entwurf der National­versammlung im Herbst dieses Jahres zur Be­ratung vorgelegt wird, bildet. Durch diese Er­klärung Primos, die vielleicht als bindend be­trachtet werden kann, ist allen denjenigen der Wind aus den Segeln genommen, die eine ge­waltsame Beseitigung der Diktatur für unerläß­lich hielten. Auch der S t u b e n t c n ft r c i t, bei dessen Bekämpfung der spanische Unterricht«- minifter zweifellos eine unglückliche Hand hatte, well er aus der Maus einen Elefanten machte, wird durch die oben erwähnten Tatsachen aus dem politischen Gebiete immer mehr in ein rein akademisches gezogen, d. h. der diktaturfeindliche Charakter jener Demonstrationen verliert durch die Erklärung Primos feinen Sinn und bleibt nur mehr, was er vom ersten Anfang an war, ein Kampf liberaler akademis cher Interessen kreise gegen das Heber« gewicht der Kirche in Schul- und Univer-

sitätsangelegenhciLen. Zusammenfaflcnd muß gesagt werden, daß gerade die Studentenunruhen die politisch lässigen Kreise aufgerüttelt und zur Abwehr jeder Ruhestörung vereinigt haben. Die Diktatur wird ihren Weg weitergehen bis zu ihrem natürlichen Ende, daran ändern auch die hie und da immer wieder austauchendeu Gegendemonstrationen nichts, die im Ausland über Gebühr gewertet werden.

Taten für Donnerstag, 2. Mai.

Sonnenaufgang 4.32 Uhr, Sonnenuntergang 19.23 Uhr. Mondaufgang 2.27 Uhr, Monduntergang 10.43 Uhr.

1519: Leonardo da Vinci in Cloux gestorben (geboren 1452); 1772: der Dichter Novalis in Oberwiederstedt geboren (gestorben 1801).

Berliner Börse.

Berlin, 1. Mai. (WTD. Funkspruch.) 3m heutigen Dormittagsverkehr kann man wieder stärkere Zurückhaltung beobachten. Geschäfte sind bis jetzt noch nicht zustande gekommen. Die Speku­lation, die gestern stark gedeckt hotte, verhält sich reserviert. Man taxiert gestrige Abendkurse. Am Devisenmarkt nennt man: London gegen Paris 124,15. London gegen Kabel 4,8531, London gegen Berlin 20.47, London gegen Madrid 33.60, Lon­don gegen Mailand 92.75, Kabel gegen Berlin 4,2175.________________________________________________

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