Nr. 51 Drittes Blatt
Freitag, März 1929
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Turnen, Sport und Spiel.
Volkstümliches Turnen im Gau Hessen D. T.
—o— In Erledigung des Amtes eines Gau- toartes für das Dolksturnen hatte der Gau- vbcrturnwart Wilh. Will (Gießen) die Vereins- und Dezirksfachwarte dieses Gebietes für Sonntag nach.nit.ag zu einer -UeburgS- stunde zusammengerusen, die in der Turnhalle des Männerturnvereins zu Gießen stattfand.
Die Teilnehmer einigten sich in einer Besprechung dahin, dem kommenden Gauturntag die Wahl des Turners Georg Schön, Lehrer in Lich, zum Gauwart für das Volksturnen in Vorschlag zu bringen.
Unter der Leitung des Turnlehrers W. Mohr vom Tv. 1846 Gießen wurden in flottem Zeitmaß eine ganze Reihe von Hebungen aus der Geh- und Laufschule durchgenommcn. anschließend lelt.tr der Vorturner Ludwig Malkomesius vom Mtv. Gießen eine reiche Auswahl von ?grundlegenden Formen auS der Körperschule, oweit fie- hauptsächlich als Vorübungen für leichtathletische Leistungen in Betracht kommen. Demnächst wird für den Gau Hessen ein Lehrgang für das Volksturnen in Marburg zur Durchführung kommen.
Im Laufe des Vachmittags vereinigten sich die VolkSturner mit den Teilnehmern des gleichzeitig übenden Lehrgangs für das Männer - turnen in der Turnhalle des Realgymnasiums, um einem Vortrag des Univerfitätserosessors Dr. Huntemüller über den Sinn und die Ausgabe der Leibesübungen beizuwohnen. Der Redner führte dabei u. a. aus, daß die Leibesübungen im Laufe der geschichtlichen Entwicklung ihren Auftrieb vornehmlich drei Gedankenkreisen entnommen hätten, dem Streben noch harmonische Durchbildung von Körper und Seele, dem Wehrgedanken und dem Willen zum Sieg im Wettkampf. Im Iahn- schen Turnen sei dieser dritte Beweggrund mehr in den Hintergrund getreten und dalür die turnerische Ausbildung des Volkes in seiner ganzen Breite ins Auge gefaßt worden. In allen Lebensaltern seien Körper und Seele dankbar für geregelte Leibesübungen, insbesondere bei angestrengter und einseitiger Berufsarbeit, to:e sie in unserer Zeit durch Aufsba'tung des Arbeitsvorganges sich immer mehr entwickelt. Organe cbcr, die nicht geübt werden, verkümmern, und dieses Gesetz sei von größter Bedeutung für alle lebenswichtigen Organe, wie insbesondere Herz und Lunge. Dabei seien wiederum Einseitigkeiten zu vermeiden, weil die einzelnen Gebiete der Leibesübungen durchaus nicht alle so umfassend den Körper in Anspruch nehmen, wie etwa das Schwimmen. Der Geräteturner z. B. entwickelt hauptsächlich den Schultergürtel und kann es, wie manche Erfahrungen leider zeigen, zu dem berüchtigten „Turnerbuckel" bringen, wahrend ihm Herz und Lunge beim Lauf versagen werden: umgekehrt erkennt man den Läufer und Ballspieler an seinen kräftig entwickelten Beinen. Mit Recht wird man daher den Zwölfkärnvfer als den Ausdruck vielseitiger körperlicher Ausbildung betrachten dürfen. Eindringlich machte der Redner auch auf die lebenswichtige Bedeutung der Haut aufmerksam und betonte, daß Licht, Luft und Sonne als Heilmittel täglich immer wieder neu entdeckt würden, insbesondere im Hinblick auf die Rachitis, die eine Krankheit der Dunkelheit sei. Zu sportlichen Höchstleistun-
Das große Grauen.
Vornan von H. A. von Byern.
Urheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister. Werdau.
18 Fortsetzung Nachdruck verbalen
„Du, das hab' i früher oft g ton, wann i g'wußt hätt', daß d' wach bist, hätt'n ma z'samm a Mondscheinpromenad' machen könn'...“
So unschuldi klang dös und... und... es könnt' ja auch fein! Frag' i also bloß:
„Sopherl, warum steigst nacha durch's iFenster?"
„Dummer Bub, soll i erst d' Cent ausweck'n? Weißt d', d' Tür knarrt a.lweil so, da haöi' i mir denkt, springst g eich außi, is ja nit hoch ... Brummst d' am End' gar?“
Alterle, das hat so leb geklung'n und so drollig, fast hab' i mi g'schämt mit mei'm Verdacht ..
Der Vinzenz sah noch immer zu Boden, bohrte mit der eisernen Zwinge seines Iagdstocks in einem alten, halbvermorfchten Stubben herum:
„Am andern Morg'n meidet mir der Iackl. daß droben am Seelar an g'risi nes Kalberstuck liagt — da hat 4i d r „Bauernschreck zum erstenmal «'meldet g'rad in de,'selbigen Rächt..." Er brach ab, trat plötzlich flanj dicht an mich heran:
„Du. sag' mir... weißt d was an Wer- wols 18? 1“
„Gin Wer — Wolf?! 3a, ja. natürlich, die Sage kenn' ich, aber..."
. Sein Atem ging gepreßt, als würge ihn die (Sauft eines Riefen an der Kehle:
,,D' Leut' sag n, mei Frau..." Mit einer hilflosen gebürte schlug er die Hände vor das Gesicht, ein Aufstöh-.en.
„Vinzenz! Um Go..es willen!"
Aber da hatte er sich auch schon wieher in der Gewalt, sah mich an mit eine n Blick, den ich mein Lebtag nicht vergessen werde:
„Is Unsmn, net wahr? Dös hab' i mir auch fl'fagt, hab' g'lacht über das G'tratsch, und dann... Vor acht Tag' fahr' i nüber zum Riki Pernegg, sag' zur Soplfe.l: „Dor drei Uhr früh bin i net z rück, Schätzers, grab', daß d' di net sorgst... Is aber früher g'word'n, kaum Mitternacht, und wia i heimlom.n'. ne) t noch amal ins Schlafzimmer, will meinem Xraueri gut Rächt sagen.., da is d' Bettstatt leer und draußen regnet«...“
Ich wagte kaum zu atmen, jeder Rerv in mir zitterte.
„Und?“
‘ „Rach a Stund' kommt f an, ganz leis', schreit hell auf. als f mich sieht: e5hi?r
gen, die sich immer nur in einem angemessenen zeitlichen Abstand wiederholen dürfen, müssen Körper und Wille planmäßig und mit größter Vorsicht erzogen werden. Turnlehrer und Arzt müssen zusammenwirlen. um für den einzelnen gleichwcit von Uebermah und unbegründeter Aengftlichkeit den richtigen Weg bei der notwendigen Ausübung von Turnen, Spiel und Sport zu finden.
Unter lebhaftem Beifall der Turner sprach der Gauoberturnwart dem Redner den Dank für seine Ausführungen aus.
Schwimmen im Gau Hessen D.T.
—o— 3m Städtischen Schwimmbad zu Gießen sand am Sonntagvormittag ein Uebungs- Lehrgang für Vorschwimmer und Schwimmerinnen des Tumgaues Hessen statt. Dor Beginn der Arbeit gedachte der Leiter, Gauschwimmwart Franz Sauer (Gießen), in sch'ichten Worten des Dolkstrauertages und der auf dem Felde der Ehre gebliebenen Turn- brüber.
Rund 50 Teilnehmer waren zur Stelle aus den Schwimmabteilungen der Turnvereine zu Alsfeld, Bad-Rauheim, Butzbach, Friedberg, Gießen, Tv. 1846 und Mtv., Heuchelheim. Lau- terbach, Lich, Marburg, T - u. Sp.°V. 1850 und Turngemeinde, Rie' er-Oh r.en, Wetzlar, und Schwimmer von der Frankfurter Turngemeinde Eintracht zu ei cm Wa'serl all-Freundscha t spiel mit dem Tv. 1846 Gießen.
Riegenweise wurden die verschiedenen Schwimmarten, Ausschnitte aus der Springfchule und das Gruppens-ringen rnelho'ich durchgearbiit.t, wobei für Anfänger noch besonders eingehende Belehrung erfolgte. Ferner wurde eine praktische und erläuternde Einführung in die grundlegenden Maßnahmen beim Rettungsdienst gegeben und schließlich das Wasserballspiel in den Einzelheiten seines Aufbaues und in einem abschließenden Musterspiel behandelt.
SüdVestdeutsche Sochschuimeisie schaßen.
Innerhalb der S ü d w e st d e u t s ch e n Hochschulmeisterschaften (Marburg _ 23. bis 24. Februar) errang die Universität Gießen unter 9 Hochschulen den 4. Platz. Zu erwähnen wäre:
Hofmann, Burschenschaft Frankonia, l.Sicg im Kunstspringen;
Ludwig Daubcl, A. T. B Rheinsranken, l.Sieg im Säbelfechten und 3. Sieg im Florettfechten;
Saufe, Korps Starkenöurgia, 3. Sieg im Rückenschwimmen;
Mannschcf Gießen (Ku'a. Sahm.Böhm, Janke) 3. Sieg im Kleinkaliberschießen.
Die Hochschulmei st erschaff im Handball errang die Landsmannschaft Darmstadtia mit ihrem ö 2-Sieg über die Verbindung Wingolf. Wa -lauf der Gießener Studentenschaft.
Am 19. Februar gelangte der diesjährige Waldlauf der Gießener Studentenschaft zum Austrag. Wegen des starken Frostes und der hohen Schneedecke war die Beteiligung, im Vergleich zu der beim Gepäckmarsch, leider nur gering, um so mehr auch, da eine Reihe von Mannschaften — anscheinend aus diesem Grunde — nicht antrat. Insgesamt erschienen 17 Teilnehmer, unter diesen 5 Mannschaften zu je drei Läufern, am Start. Die Laufstrecke, etwas über
Todruhig bin t g'wes'n und hab' nur g'fragt: „Wo bist d' g'wes'n?" „Im Park - - — „Das is not wahr!"
Ein Achselzucken:
„Wann du's besser weiht---
„Also gut, im Park," sag' i, „und warum?"
„3 könnt' nicht schlaf'n, hab' so arge Kopfschmerz'n g habt, — glaubst mir leicht nit mehr?"
„Rein!"
„Vinzenz!"
„Rein, i glaub' dir net, da hat's noch an anders Hakerl!" 3ch faß ihre Hand, ganz heiß und feucht san s' g weien.
„Sopherl, willst o' mir net sagen--V
Und auf Damal schreit s' auf wia ein Tier, wirft sich über d' Bettstatt:
„3 Halts nit mehr aus in der Oed, krank werd' i, und i bleib' nit, i bleib' nit!“
So, schön, denk' i, dös hat g'rad noch g'fehlt, steh' ganz dumm dabei, und mein Frauerl weint, weint...
Zeit lass'n, denk' i, und wia s' a bisserl ruhiger g'worden is, fang' i an -reden:
„Schau, Schätzers, muaßt halt Vertrauen zu mir hab'n!“
Sie fahrt auf:
„Glaubst d', daß i was Unrecht s tun könnt'?"
„Ra, g'wih nit!“
„Und hast mi liab?"
„Liaber als mei Leben!"
„Dann frag nit!“
„Aber, Sopherl..."
„Vinzenz! D' Zeit wird schon fommen, wo i dir alles sag', nui; heut' nit, heut' nit!"
Bin i also in mei Zimmer g'gang’n und hab' g'dacht, auch guat, derzwingen hat koan Zweck. Alterle, an die Rächt werd' i denken, solang als i leb'!
In der Fruah geh' i in’ Park, war aber nix z' finden, koane Fuhspur'n — rein nix. Dann kommt dr Kaplan, ob er mi sprech'n könnt. 3a freili, und was' denn gar so Pre sant s gab'? Erst hat a nit recht raus g'wollt mit d'r Sprach', aber dann bringt a mir's so kleinweis bei... dö Leut' halt, dö zreiß'n sich d' Mäuler, d'r „Tauernschreck', dös sei a Mmvsch, sei — d' Sopherl, nächtens hat f oaner g sehn, wia f durchs Cattentürl in' Park g schlupft is.
„Wei.ee nix?“ frag t und lach'. Der Hoch- wür^'ge zuckt d' Achtem:
„Dummes G'ceo', s.eili nur ... man soll halt Eoa Ae^ernis net geb’n, wann i oamal mit d'r Frau Baroni.1 red'n wollt'?" „Dös hab' i g'ie- hen." sag' i, „d' Sopherl hat ihre M.grün' g'haöt, vckllt' a bisferl Lust sch:app'n, und d' Leut' mJ ihrem da'lle.en Gtratscy könn' mir 'n Buckel nauf- fteig’n.“
„Um Mittag 'rum meld't si' dann d'r 3ackl. 3s wieder an Stuck griss'n, glei am Almboden, wo
5 Kilometer lang, führte durch den hinter dem Universitätsfportplatz gelegenen Wald.
Als Sieger im Mannschaftswettbewerb (4 Läufer, die 3 besten wurden gewertetgingen hervor:
1. A. T. V. Rheinfranken I 6 Punkte;
2. Verbindung Wingolf 25 Punkte;
3. A. T. V. Rheinfranken II 25 Punkte;
4. Burschenschaft Frankonia 26 Punkte.
Sieger im Einzellauf wurden:
1. Klemann (A. T. D. Rheinfranken) 17 Min. 37 ©cf.;
2. Hartmann (A. T. D. Rheinfranken) 17 Mtn. 44 Sek.;
3. Ludwig Vaubel (21. T. D. Rheinfranken) 17 Min. 50,4 Sek.;
4. Schwöbel (Burschenschaft Frankonia) 18 Min. 21 ©et;
5. Dapp (A. T. D. Rheinfranken) 18 Min. 23 Sek.
Spielveremigung 1900 Gießen.
ö. Die L i g a e l f der Spielvereinigung 1900 steht am kommenden Sonntag vor dem wohl entscheidenden Spiel über die zukünftige Kla.sifizle- rung. Gegner in dem Bestreben, im nächsten 3ahre der ersten Bezirksklasse anzugehören, ist die Ligamannschaft deS Sportclubs Wetz- lar-Riedergirmes geworden, die an den letzten ©pielsonntagen überraschende Resultate erzielte, und das gerade gegen die führenden Spihenvereine, u. a. zuletzt gegen Sportverein Wetzlar 4:2. Richt ohne Einfluß auf die jetzige Spielstarke dieses Vereins war der ©pielzuwachs, der sich hauptsächlich auf ehemalige Spieler des Sportvereins Wetzlar erstreckte. 1900 erscheint am Sonntag in veränderter Ausstellung. Den Gästen muß man, in Anbetracht der wohl zur Zeit größeren Kampfkraft, die besten Sieges- aussichten zusprechen. 3m Vorspiel siegte 1900 nach wechselvollem Kampf mit 5:4 Toren.
Vorher treffen sich die Reservemannschaften. Auch hierbei tritt der Plahverein mit geänderter Mannschaft an und hofft doch mindestens das Unentschieden (1:1) vom Vorspiel in Riedergirmes zu wiederholen, wozu der Vorteil des eigenen Platzes behilflich fein sollte.
1900’S dritte Mannschaft fährt zum Verbandsspiel nach Laubach. Laubachs zweite Elf wird zu Hause einen stärkeren Gegner abgeben, als im Vorspiel in Gießen, so daß eine Wiederholung des Vorspielsieges für die Dlauweißen in Frage steht.
Die 1. 3ugend 1900'5 svielt in Laubach, die 2. 3ugend hat in Gießen Steinbachs 1. 3ugend zum Gegner in Pflichtspielen.
V. f. B.
2lm kommenden Sonntag fährt die Ligamannschaft zum sä l gen Verbandsspiel nach Herborn. Die Platzmannschaft steht mit dem Sportverein Wetzlar punktgleich und mit diesem an zweiter Stelle der Tabelle. Sie ist besonders auf eigenem Platz ein schwer zu schlagender Gegner, dessen Stärke in erster Linie in der Ausdauer und Energie seiner Spieler liegt. Das Vorspiel auf hiesigem Platze endete mit einem 6 :0- Sieg der V.f.B.-Elf. Seit dieser Zeit hat Herborn jedoch bedeutend an Spielstärke gewonnen; es dürste am nächsten Sonntag alles daransetzen, das Spiel, dessen Ausgang für es von großer Bedeutung ist, für sich zu entscheiden. Ob ihm dies gelingen wird, erscheint jedoch fraglich. V.f.B. hat bewiesen, daß es im Gau Gießen-Wehlar den ।
d' 3agdhütt'n steht, und a Lump is auch im Revier, der and're G'h.ls, der Franz'!, hat’n g'sehn, aber wia ’r 'n anruft, wirft sich der Kerl in dö Latsch'n, is verschwund'n, als hätt'n dec Erdbod'n g'schluckt. — Ro, und da Par dann d'r Klatsch ferti — d'r Werwolf — d'r Hubertus Silvester — fehlt net viel, und i glaub’ selbst noch dran."
Ohne ihn mit einem Wort zu unterbrechen, hatte ich meinen Freund zu Ende reden lassen. Run legte ich ihm die Hand auf die Schulter:
„Du, sieh mich mal an!"
Er versuchte meinem Blick auszuweichen, aber ich ließ nicht locker:
„Vinzenz, das alles sind Phantastereien, Hirn- gefpinste, kranthafte Einbildungen; in Wirklichkeit liegt die Sache ganz einfach: Deine Frau hat Heimweh, ein Heimweh, das selbst die Liebe zu dir nicht ganz unterdrücken kann. Um dir das nicht zu ze.gen, um dir nicht wehe zu tun, läuft sie bei Rächt und Rebel draußen herum, kann nicht schlafen vor Sehnsucht, und du hast nichts im Kops als den sagenhaften „Bauernschreck“, der sich eines Tages als verwilderter Köter entpuppen wird, der vielleicht einmal im Revier war und nie wieder. ..."
„Oha!"
„Ra, was denn?"
„Eh gestern hab' i’n selbst g'spürt, grab an d’r Grenz’..."
„Schön, meinetwegen, aber nun mal ehrlich, was ist dir mehr wert, die Gesundheit und Herzensruhe deiner Frau oder die Gams und Hirsch'n?"
„Geh, red' net so g'schwoll n daher!"
„3a, mein Lieber, das willst du nicht hören, die Wahrheit ist immer unbequem! Dabei bist du selbst in einem Zustand, den ein Psychiater schwerlich als normal bezeichnen würde."
„Dös Schimpf'n laßt fei fein, gell?"
„3ch denke gar nicht daran! Jetzt wird einmal reiner Tisch gemacht! Ein Verbrechen ist es, wie du mit deiner Gesundheit wüstest, zum Alkohol muht du greifen, um nicht zusammenzuklappen, bist um fein Haar vernünftiger als die abergläubischen Einödbauern, und läßt dich nicht einmal belehren..
„3etzt hab' i 's aber satt!"
„3 auch! Und nun pah auf: wenn du mir nicht in die Hand versprichst, innerhalb von drei Tagen mit Frau So ch) abzureisen und dich ein volles Jahr läng nicht in Terofal blicken zu laffen, dann depeschier' ich heut' noch an den Ritter von QKoInar, und bitte ihn, daß er deine Frau abhcll, n t g:nfalls gegen deinen Willen; denn jede Stunde, die sie länger hier bleibt, ist eine Gefahr für ihren Gesundheitszustand I"
..Du!"
Mein Freund stand vor mir, zitternd am ganzen Körper: „Wann mir dös an and rer g'sagt hätt’...!"
technisch reifsten Fußball spielt, ©eine derzeitig gute Form läßt auch einen ©leg über Herborn erwarten. Voraussetzung für ein gutes Abschneiden ist, daß die Mannschaft unter allen Umständen ihren flachen Kombinationsstil beibehält, mit dem allein sie ein günstiges Resultat herauSholen kann.
Die Ligareserve steht ebenfalls im Qkr» bandsspiel der gleichen Herborns auf dortigem Platze gegenüber. Hier darf man der V.s.B.- Mannschaft einen glatten Sieg Voraussagen.
Die Dritte trägt auf eigenem Platz ein Gesellschaftsspiel gegen Garbenteichs Erste auS und sollte erwartungsgemäß hoch gewinnen.
Auch die vierte Mannschaft tritt nach langer Pause wieder auf den Plan, ©ie hat ebenfalls auf eigenem Platz Daubringens Zweite im Verbandsspiel zum Gegner. Wenn sie sich einigermaßen zusammenfindet, kann sie gewinnen.
Leichtathletik der Sp.-Dg. 1900.
Start der 1900er beim Frankfurter hallensporifest.
ö. An die Kette, der in diesem Winter in zahl« reichen Großstädten zum Austrag gekommenen Hallensportfeste schließt sich morgen abend das Frankfurter an, veranstaltet vom Nordmainkreis des Süddeutschen Fußball- und Leichtathletikver- bandes. Nach den Einladungen und Zusagen (Hirschfeld, Körnig, Dr. Peltzer, Troßbach usw.), sowie nach den für die offenen Konkurrenzen abgegebenen Meldungen verspricht die Deranstaltung ein sportliches Ereignis ersten Ranges zu werden. Auch die 1900er-Leichtathleten haben eine Anzahl Meldungen abgegeben. Durch Entgegenkommen der Veranstal- tungsleitung find verschiedene Spieloereinigungs- leute in Einladungswettbewerbe aufgenommen worden, und zwar u. a. im 3000-Meter-Lauf der erst, rnals für die 1900er-Farben startende Langstreckler R. Paul (früher Sinn). In den offenen Konkurrenzen, die nur aus Läufen bestehen, wird man auf das Abschneiden der Gießener Sprinter Seifen, Seipp, Hopfenmüller, Gei st und D. Müller über 50-Meter gespannt sein dürfen, da gerade über diese Strecken außerordentlich zahlreiche Meldungen, und zwar von bestbekannten Leichtathleten aus Frankfurt, Wiesbaden, Mannheim, Frankenthal usw., abgegeben worden find. Nach dem eigens zur Vorbereitung für das Frankfurter Fest in der hiesigen Volkshalle intensive Trainings abgehalten wurden und die dabei gezeigten Leistungen befriedigen konnten, sollte man annehmen, daß sich die Kurzstreckler der Spielvereinigung 1900 einigermaßen gut aus der Affäre ziehen. Dasselbe kann man auch von den drei über 800-Meter startenden Mittelstrecklern Bepperling, Peters und T ö n g e s sagen, vorausgesetzt, daß sie sich bei ihrer Körpergröße gut mit der Hallenbahn abfin- den. Eine besonders schwierige Sache sind bei den Hallensportfesten die Staffeln, da hier die Stabübergabe an die Geschicklichkeit und Aufmerksamkeit der Läufer große Anforderungen stellt. Don feiten der 1900er werden die 3 X 1000-Meter. und die 5 X 50-Meter-Pendelstaffel bestritten. Während bei der letztgenannten die Gießener in der Hauptsache Frankfurter Mannschaften — die „Eintracht" stellt allein drei — zum Gegner haben, werden in der 3 X 1000-Meter-Staffel die Mannheimer lurnge- sellschaft, Sportverein Wiesbaden und Sportverein Darmstadt ein ernstes Wort mitreden.
Volkssport in Hessen und Nassau.
3n Frankfurt a. M. fand dieser Tage die diesjährige Mitgliederversammlung des D e r -
„Willst du mich vielleicht herauswerfen? Mir die Freundschaft kündigen? Versuch's! Keinen Schritt gehe ich von deiner Seite, ehe ich nicht dein Versprechen habe, und sei gewiß, von uns beiden bin ich der Stärkere, weil ich den härteren Willen habe, — ein Schuft wäre ich, wenn ich dich jetzt im Stiche las,en würde!"
Sekundenlang standen wir uns Auge In Auge gegenüber, dann lief ein Zittern über die Hünengestalt, ein Laut, wie das Aufstöhnen eines verwundeten, hilflosen Tieres — der Vinzenz von Andrian weinte — weinte, daß sein Körper wie in einem Krampf zuckte. 3ch wartete ruhig, bis das Aergste vorüber war; mit einer rührend scheuen Bewegung streckte er mir die Hand hin:
„Alterle, verzeih mir!"
„Mein lieber, guter Kerl, da ist gar nichts zu verzeihen, du bist krank, mußt jemanden haben, der für dich denkt und handelt, komm', jetzt gehen wir heim, morgen wird dann gepackt, und ehe ihr nach Kis-Srdo fahrt, seid ihr für vier Wochen meine Gäste, macht meine 3agden mit, nicht wahr?"
Er blieb stehen:
„Alterle, und i bitt’ dich, laß mir noch vier
Wochen!"
„Drei Tage!"
„Mensch, du, i will ja alles tun, d' Sopherl kann heut schon fahren, aber so... so kann i jetzt net surt!"
„Warum nicht?"
„Weil... well..." er stockte: ,3n a Woch harn ma den 19....“
„Ra - und?"
„3 hab' dir's doch verzählt damals, wia b* zum erstenmal in Terofal g'wesen bist, den Tag muß i noch derwartenl"
„Was denn für einen Tag?" Dunkel glaubte ich mich zu erinnern, — irgendeine Schrulle, eine fixe 3dee, aber ich hatte die Sache wieder ver- geflen, entsann mich nicht mehr: „Was war mit dem 19., Vinzenz?"
Er wich meinem Blick aus.
„Mein Todestag..."
„Blech!"
„Wenn d' meinst! Am 19. Oktober 1801 ist der Hubertus Silvester nimmer hrimg'kehri von d'r Birsch, am 19. Oktober 1835 wurde mein Großvater, am 19. Oktober 1859 mein Barer von einem Wildschütz erschossen, und in acht Tag' sind wieder vierunddreißig 3ahr um, — dann bin i an d'r Reih', d'r letzte..."
So müde und hoffnungslos llang es, daß ich ein hartes Wort unterdrückte, — nein, mit dem Vinzenz konnte man jetzt nicht rechten, er war ein kranker Mensch, kränker als ich ge^^tet hatte... Unö schließlich — hier bot sich ja die beste Gelegenheit, um ihn für immer von seinem fatalen Aberglauben zu Hellen!
(Fortsetzung folgt.)


