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Zreitag, 1. SebruorJOZO
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Nr. 27 Drittes Blatt
Mttelcheinifcher Jabrikanten-Verein.
Der Verein hielt in Mainz eine zahlreich besuchte Mitgliederversammlung ab, die von dem stellvertretenden Vorsitzenden, Kommerzienrat Karl Dycker hoff, güeitet wurde.
Nach Begrüßung der Gälte berichtete Dr. Weesmann zunächst über
dLrfch'.edenr aiiuelle Fragen.
Zu den bevorstehenden Reparationsver- handlungen und dem Bericht deS Repara- tionsagenten Parier Gilbert bemerüe er, daß die Verhandlungen nur zu einem guten Ergebnis führen länn'.en, wenn die Wirtscha tslage Deutschlands, die durch eine mit ausländischem Kapital künst.ich hervorgerufene Scheinblüte verschleiert werde, nach ihrer wahren Bedeutung gewürdigt werd«. Geschehe dies nicht, so fei es i<.-?r, wenn die Verhand.ungen scheitern und auf einen geeigneteren Zeitpunkt vertagt würden. Er lo- richtete sodann über die Arbeiten des Reichs- verbondes der Deutschen Industrie betressend Aufstellung eines Exportfördecun g s - P r o g r a i.i m s, das eine bessere Ausgestaltung des deutschen Konsulats- und Nachrichtenwesens und eine intensivere Pf.ege der Aus andpropaganda vorsehe und eine nähere Ausarbeitung erfahren werde. 3n lieberem stirn- ntung mit dem Referenten begrüßte die Versammlung diese Pläne. Ferner nahm der Neichsver- band der Deutschen Industrie zur Ausbildung der Gewerbelehrer Stellung, in der Richtung, daß der Nachdruck auch in der theoretischen Vorbildung auf die gewerbliche Tätigleit gelegt und da r auch eigentlichen Pral- ttleni der Beruf des Gewerbelehrers fveigegelien werde. Auch diese Stellungnahme fand den vollen Beifall dec Versammlung. Zu den Steuersragen übergehend bemerkte Redner u. a., für Hessen sei beabsichtigt, mit anderen hessischen Wirtschastsverbänden bei dem Zinanzminister im Sinne einer Senkung der Real steuern aemätz § 4a des Finan^auLgleichsgesetzes vorstellig zu werden. Endlich erwähnte Redner die Beendigung des E i se n k on f l i k te s und gab die Erklärung des Vorstandes der Gießener H o ch s ch u l g c s e l l s ch a s t, die die Neutralität der Wissenschart gegenüber Arbeitskämpfen und das enge Verbundenfein von W ssenschaft und Wirtschaft betont, bekannt. Gleichzeiiig forderte er zum Beitritt zur Hochschulgesellschaft auf.
Hiernach hielt Freiherr Rüdt v.Collenberg «inen hochinteressanten Vortrag über dir Wirtschaftsstruktur des Faszismus.
Zunächst behandelte der Vortragende die historische Entwicklung des Faszismus. Aus der Not der Nachkriegszeit, die sich ähnlich auswirkte wie in Deutschland, wurde die faszistische Bergung geboren, indem sich Kreise der Jntelli- gens, der äugend und sozialistenfeindlichen Arbeiter zusammenfanden. Für den inneren Aufbau waren vor allem zwei Richtungen maßgebend, der Nationalismus und der Syndikalismus. Diese beiden Strömungen berührten sich besonders eng in ihrer Stellung zur Produktion. Beide lehnten den Individualismus in der Wirtschaft und damit die Freiheit der Preis- und Vertrags- birdung ab. Beide Strömungen wollten die freie Wirtschaft erseht sehen durch eine Wirtschaftsbindung im Interesse der nationalen Produktion, und wollten den Parlamentarismus ersetzt sehen durch eine Elite von Sachverständigen. Eine Reihe wirtschaftlicher und politischer Maßnahmen sollten diesem Endziele dienen. Aber etwas Entscheidendes geschah nicht, bis die Ermordung Matteottis den Faszismus in eine schwere Existenz-Krise stürzte. Aus dieser Krise heraus schuf Mussolini sein Werk der Staatsreform, das sich in der Hauptsache auf den Einbau der Wirtschaft in den Staat konzentrierte. Drei große Geseheswerke stellen diese Staatsreform dar, nämlich dos Gewerkschaftsgeseh vom 3. April 1926, die Arbeitsverfassung vom 21. April 1927. unb
das Wahlgesetz vom 3. Februar 1923. Das Ge- werkschaftsgcsetz regelt den Aufbau der Syndikate und Korporationen, weist diesen Organisationen bestimmte Aufgaben und Rechte zu und verflicht sie mit dem S.aate. Die obligatorischen Arbeitsgerichte sollen gewissermaßen als höhere Instanz wirken und Streik, wie Aussperrung überflüssig machen. Die Arbeitsverfassung stellt weniger ein Gesetz im eigentlichen Sinne dar, sondern eine Zusammensallung von Erlassen, durch welche die grundsätzliche Einstellung zu Fragen, wie Arbeitsvermittlung, Lohn- und Arbeitsverhältnisse, technische und kulturelle Fortbildung geregelt wurden. Das Wahlgesetz endlich soll — wen gstens theoretisch — eine Art Ständeparlament schaffen und damit den Ausbau des Wirtschaftsstoates gewissermaßen abschließen. Es erscheint vorläufig sehr fraglich, ob sich die wirtschaftliche Struktur des Faszismus wird ohne diktatorische Gewalt aufrechterhalten lassen, und trotz Mussolinis Wunsch, das Regime von den Zufälligkeiten seiner Person zu befreien, wird dies erst gelingen, wenn die kommende Generation ganz in dieser Auffassung groß geworden ist. Wer auch außerhalb Ita
liens sieht man das Vordringen der Wirtschaftskräfte und kann man beobachten, wie mehr und mehr die freie Wirtschaft durch eine modern ge- bundene Wirtschaft ersetzt wird. Deshalb kann auch das deutsche Wirtschaftsleben viel von der fasz'.stischen Wirtfchaftsstrullur lernen. Der Vortrag fand reichen Beifall.
Dr. Meesmann gab sodann noch einen kur- zen äleberbllck über die
Tedingungen zur Neuwertversicherung, wie sie zwischen Reichsverband der Deutschen Industrie und Arbeitsgemeinschaft der privaten Dersichecungsgesellfchaften vereu.bart_ worden sind, die darauf hinausgehen, daß künftig in- dust.ielle Betriebe ihre Gebäude und Maschinen nicht nur nach dem Zeitwert (dem Wert zur Zeit des Schadensereignisses), sondern auch zu dem Neubeschaffungswert versichern können. Daran schloß sich eine Erörterung, an der sich Kommerzienrat D y ck e r h o f f, Dr. A v e n o - r i u s (Herborn), Bürgermeister H i e m e n z . Fabrikant Schwerdtfeger und Vertreter der Versicherungsgesellschaften beteiligten.
Lumen, Sport und Spiel.
Turner-Schwimmen im Mittelrh einkreis D. T.
Hessen an der Lpitze.
— Aus dem jetzt veröffentlichten Schwimmbericht des stellvertretenden Schwimmwarts des Mittelrbeinkreises ist ersichtlich, daß es im T u r - n e r s ch w i m m e n Haupt, ächlich in Hessen erfreulich vorwärts gegangen ist. Einen Hauvt- antcil hatte die hessische Turnerschwimmerschaft an der großen Stromstaffel zum 14. Deutschen Turnfest in Köln, die den Rhein und seine Nebenflüsse umfaßte. Dar große Wintertreffen der D. T. in Halle, das Iahnschwimmen, sah eine größere Anzahl Hessen als Sieger, vor allem Darmstädter und Offmrbacher Schwimmer. Die Vorschau für die D. T.-Meisterschaften tn Köln bildeten die Kreismeisterschaften in Darmstadt, die von 28 Vereinen aus 13 Gauen des Mlltelrheimr.ife', beschielt waren. Allein sechs neue De st lei st ungen wurden von hessl- schen Turnern und Turnerinnen erzielt, und zwar: viermal 100» W eter-Brust-
staffel für Turner: Tgm. Besungen 5:59,1 Min., 40-Meter-Streckentauchen für Turnerinnen: Ida Hauck, Tv. 1343 Gießen 40,4 Sell: 100-Meter-Bru st schwimmen für Turnerinnen: Lilly Arndt, Lv. 1846 Gießen 1:33,7 Min.: 100 Meter Freistil für Turnerinnen: E. Gerhardt, Tgm. Darmstadt 1:31,5 Min.; 4x50-Meter-Brust staffel für Turnerinnen: Tv. 1846 Gießen 3:07,5 Min.: 4x50-Weter°Lagenstaffel: Tgm. Darmstadt 3:10,5 Min. Zu den Meisterschaften in Köln wurden aus dem Mittelrheinkreis 108 Meldungen abgegeben, wovon 74 erfüllt wurden. Der Kreis zeigte damit die höchste Meldeziffer und errang von allen Kreisen der D. T. die meisten Siege. Auch der Turngau Hessen war an den Erfolgen stark beteiligt Wir nennen als Sieger: Wehrlampf der Turner: 5. Sieger Geißmar, Tv. 1846 Gießen, 127 Punkte; 6. Schäfer, Tgm. Friedberg. 125ll/so Punkte: 50- Meter-Streckentauchen: 1. (Meister)
Schäfer, Tgm. Friedberg: 200 Meter Lagen für Turnerinnen: 1. (Meister) Tilly Arndt, Tv. 1846 Gießen 3:42,4; 1 0 0 - M e t e r - B r u st: 2. Tilly Arndt. Tv. 1816 Gießen 1:34.8; 4x50-Met:r°Bruststaffel für Turnerinnen: 2. Tv. 1846 Gießen 3:12,4.
4. Bezirk im Turngau Hessen. (O.T.)
— Der 4. Bezirk im Turngau Hessen hielt unter Leitung des Bezirksturnwarts B a st i a n (Alsfeld) in Lauterbach eine sehr gut be-
suchte Dezirksvorturnerstunde ab. Außer den laut Turnplan vorgeschriebenen Or^nungö- und Freiübungen wurden vor allem die Pflichtübungen für das Wintergeräterurnen durchgelurnt unb eingehend besprochen. Letzteres war für den 10. Februar in Grebenhain vorgefe-en, muß aber auf einen späteren Sennin nach Lauterbach oder Schlitz verlegt werden.
Handball.
Polytechnikum Friedberg — Universität Gießen (2:5) 6:7 (abgebrochen).
Schon zum zweitenmal innerhalb kurzer Zeit war es für Mannschaften, die bei den Polytechnuern zu Gaste waren, nicht möglich, chr Spiel bis zum Schluß durchzuführen, da sie durch den vom Polytechnikum gestellten Schiedsrichter aufs schwerste benachteiligt wurden. Ob der Schiedsrichter in diesem Fall nicht wollte oder nicht konnte, möge dahingestellt bleiben. Jedenfalls stand er fast immer auf der Mittellinie und äußerte auf alle vorgebrachten Beschwerden, es hätte von seinem (weit entfernten) Standpunkt so geschienen.
Die Universität war klar überlegen und führte kurz vor Halbzeit bereits 4:0. In der zweiten Halb- zeit konnte Friedberg aufbolen, größtenteils durch Fehlentscheidungen des Schiedsrichters, der weitere Erfolge der Gießener systemati ch verhinderte. Dadurch wurden die Gießener au s äußerste erbittert, bis zwei Minuten vor Schluß das Spiel bej einem neuen Fehlentscheid von Gießen abgebrochen wurde.
Da dieses Vorkommnis, wie schon oben erwähnt, nicht das einzige dieser Art ist, werden die Polytechniker sich stark anstrengen müssen, ihren Ruf in dieser Richtung wieder zu bessern.
V. f. B.
Rückblick und Vorschau.
Nachdem die Ligamannschaft im vorigen Jahre aus der ersten Bezirksligaklasse absteigsn mutzte, kam sie bei der Neueintellung in den Gau Gießen-Wetzlar der Lahnkreisliga (zweite Dezirksiigaklass«) und hatte mit den Ligamannschaften der Vereine aus Gießen (Spielvereinigung 1900), Wetzlar, Herborn, Burg, Dillenburg, Frohnhaufen (Sill), Niedergirmes und Butzbach die Verbandsspielserie 1 9 2 8/29 zu bestreiten. Während sie bis kurz vor Beginn der Punktkämpfe in ihrer Form sehr schwankend war und verhältnismäßig wenig Aussicht auf ein gutes Abschneiden hatte, schritt sie nachher von Sieg zu Sieg, um dann sogar alle Erwartungen zu übertreffen. Sowohl die erzielten Resultate, als auch ihr Spiel an und für sich
lassen eine ebenso stete, wir deutliche Aufwärtsbewegung ihrer Leistungskurve erkennrn. Wenn auch der eine oder andere Sieg im Verhältnis zur Größe des gegnerischen Vere.ns und Spielstärke seiner Mannschaft etwas knapper ausftcl. so konnte er doch als voller Erfolg gebucht werden, da dann fast immer wichtige Um .änöi. wie un^u.ängllcye Platzverhältnisse ufw., bei der Bewertung mit in Betracht gezogen werden muß- len. Die ^ormverbesserw g der V. f. B.-Eif zeigte sich besonders in den drei letzten Spielen, ob- gleich am vergangenen Sonntag der Torerfolg nicht hoch war. Aber gerade in den ersten 20 Minuten dieses Treffens führte die E.s eive.i Fußball vor, wie ihn zur Zeit wohl keine Mannschaft der Lahnlreisl.ga zu spielen imstande sein dürste. Daß der Wetzlarer Sportverein lrotz- denr nicht höher verlor, verdankt er lediglich seiner regelwidrigen Spielweiie.
Von den 16 Spielen der Serie hat V. f. B. bts jetzt 12 aabgetragen und alle 12 gewonnen. Die Reihenfo ge der Gegner und der Sieze ist foi« aente: Vorrunde gegen Hervor,i u.0, Sillen- bürg 7:2, Spiel verein izung 1900 1:0, Frohnhausen 3:1, Butzlar.- 3:1, Wetz'ar 2: 1, Brrrg 5:1. N.e.e gir.nes 6:1; Nachrunde Si.Lcn- bürg 3:1, Butz ach 9:0, Frohihau.ea 12.1 und We.^ ar 4:3. Mit diesen zwöch Siegen hat sic.) V. f. V. die S p i tz e n st e l l u n g i m G a u G i e - he n- Wetzlar err. ngm und auch die Meiste r- schaft soa-eit s-cherge^elrt. Die Gegner ucr noch aus u trag en den Spiele sind: Niedergirmes. Herborn. Burg und die Spielvereinigung Gießen. Während die V. f. B.-E.f gegen die ersten drei, selbst gegen den seitherigen Talellendriiten Herborn, nicht allzuviel Muhe haben sollte au gewinnen, muß sie sich gegen die jetzt an dritter Stell» stehende Spielvereinigung gewaltig andren gen, wenn sie die Saison ohne Punktverlust beenden willl Gegen Niederginnes, Herborn und ihren Lokalgegner mutz sie auf deren Plätzen an- trelen, dagegen hat sie nur noch gegen Burg den Vorteil des eigenen Platzes.
Tabelle des Gaues GießenWchlar.
Spiele
gern.
unentfu).
oerL
Pll.
V. f. B.
12
12
—
—
24
Wetzlar
12
7
1
4
15
opeg. 1900
12
6
1
5
13
Herborn
12
5
3
4
13
Dillenburg
11
4
1
6
9
Burg
12
3
3
6
9
Frohnhausen
12
4
1
7
9
Butzbach
11
2
3
6
7
Nieüer^Girmes
10
1
3
6
5
Die Spiele Butzbach — Herborn und Burg — Spieloereirtigunp Gießen wurden beide beim Stand von 2:2 bzw. 2:4 vorzeitig abgebrochen, können aber mit ziemlicher Sicherheit als für Butzbach und Gießen gewonnen betrachtet werden und sind in der Tabelle enisprec^nd eingesetzt.
" ispiele am nächsten Sonntag.
Am kommenden Sonntag ruht der Der- bandsspielbetrieb für sämtliche Mamt- schaften. Die d r i t t e und v i e r t e Mannschaft tragen auf eigenem Platz Gesellschaftsspiele gegen die Erste bzw. Zweite von Nauborn aus. Die Dritte mutzte im Vorspiel auf dortigem Platz eine recht hohe Niederlage einstecken. Auf Grund ihrer bisherigen guten Leistungen darf man ihr einen klaren Sieg Voraussagen. Auch die Vierte sollte mit ihrem Gegner fertig werden können, wenn sie sich etwas besser zusammenfindet, als in ihrem letzten Spiel gegen Leihgestern.
Arbeiter-Tunr- und Gportbund.
Watzenborn — Hungen.
Watzenborns 1, ülkannschaft kommt am nächsten Sonntag einer Forderung von Hungens I. Mannschaft irach. Das Vorspiel konnte Watzenborn auf eigenem Platze 3:2 gewinnen. Ob die Wahen- borner Mannschaft auch in Hungen siegreich bleibt, bleibt abzuwarten, da sie wahrscheinlich mit Ersatz antreten muh.
Nachdruck verboten.
60 Fortsetzung.
Laibe Naiazro!
Roman von 3- Schneider-Foerstl.
Urbeberrechtsschutz Oskar Meister, Werdau i. Sa.
Ununterbrochen rasten die Sanitätsautos zum Krankenhause und wieder zurück. Allmählich Uetz sich einigermaßen ein äleberblick gewinnen und au) Grund der Listen feststellen, wer noch abgängig war. .
Es fehlten noch an zwanzig 2Nann.
älnd Chefingenieur Hettinaen.
Feßmann lief das Gelände kreuz und quer. Schon sank die Dämmerung, die ersten Fackeln leuchteten in grellem Rot über öie älnglucksstätte. Mit einem verzweifelten Laut preßte er öie Finger gegen die Stirne. Er mutzte chn findenI ^Z7h'sanken seine Hände. Er sah Hildes well offenen fchreckerstarrten Blick an lenem Abend und hörte ihre Worte: Hier liegt er mcht! Hier nicht! Viel weiter nach rechts! Dort, wo die roten Blumen stehn.
Note Blumen! Wo sollte es die noch geben? Es war ja alles wie von Elefantensützen zerstampft. , . ,.
Er setzte den Fuh weiter nach der rechten Seite des Terranrs. Nichts als Trümmergewirr I Diebow war ihm gefolgt und bückte sich. »Sehen Sie, Herr Doktor, zwifchen all dem Gräßlichen noch dieses Blütenwunder": er zeigte nach Der Gruppe feinstieliger Pechnelken, die unversehrt nebeneinander standen.
Fehmaniis Gesicht erblaßte vollends. „Nun werden wir ihn finden!"
„Wieso?" rief Diebow verständnislos.
Er bekam keine Antwort.
Feßmanns Augen wurden scharf, wie die eme8 Falken. „Wenn Sie mir eine Fackel holen möchten!" wandte er sich an Kurt.
Ungesäumt machte sich dieser auf den Weg.
Zwei Meter abseits ein Stöhnen.
„3oad)im!"
„Hans!" _
Ter Doktor machte einen Sah nach vorne, em Toter mit dem Rücken nach oben lag im Wege, die Arme weit ausgestreckt, wie ein Gekreuzigter, und unter ihm Hettingens blutüberronnener Körper.
Es war nur ein Griff, mit dem Fetzmann die Last von der Brust des Freundes nahm. Er kniete schon neben ihm und wischte ihm das rote klebrige Gerinnsel vom Gesichte. Zwei wache Augen suchten unter dickverschwollenen Lidern zu ihm aufzusehen. „Ich kann kein Glied rühren, Hans. Ich glaube, es ist alles kaputt an mir!
„Das meinst du nur, mein Lieber! Diebow, hierher," schrie er Kurt entgegen, der mit hocherhobener Fackel über das Geröll stolperte, und im nächsten Augenblicke vor Hettingen am Boden kniete. , ,
Er sprach nichts, nur ein Schütteln ging über feinen Körper, als er sich gefaßt hatte, schnellte er auf. „Ich hole Sanitäter." Er war schon weg.
„Run wird es gleich Überstanden sein, Achim!" tröstete Feßmann, der ein Glied Hettingens nach dem anderen zu betasten begann, es fehlte weit, aber er ließ es sich nicht merken. „Du bist sehr glimpflich davongekommen, mein Lieber!" sagte er offensichtlich erfreut, um Hettingen Mut zu machen. „Wenn wir erst zu Hause sind, wollen wir weiter sehen."
„Es wird nicht viel mehr zu sehen fein, mein Alter. Einen Krüppel wirst du hoffentlich nicht aus mir machen wollen." wehrte Ioackim, atmete aber doch auf, als er sah, wie die Träger kamen, ihn mit einer Bahre fortzuschaffen.
Die Mutter gab keinen Laut der Klage von sich, als man ihr den Sohn ins Haus brachte. Seit der älnglücksstunde war sie zwischen der Wohnung und der ilnfallftelle hin und her gelaufen, immer hoffend, er müßte ihr begegnen.
Nun hatte sie ihn wieder. Die eine feiner Hände in den ihren haltend, sah sie reglos und sah bald nach seinem stillen, weihen und bald nach Fehmanns ernst ruhigem Gesicht, in dem sich keine Muskel regte.
Ioachims Lippen bewegten sich. Das Ohr des Doktors neigte sich zu ihm herab. „Keinen Krüppel aus mir machen, Hans!" Cs war eine rührende Bitte, die zu ihm aufllang.
„Nein, mein Lieber!"
Hettingens Augen schrien nach Gewißheit.
„Du kannst dich'auf mich verlassen, Achim," versprach Fehmann, als die Baronin für einen Moment sich entfernt halle. „Wenn ich sehe, dah es nicht anders geht — — —“
„Läßt du mich in Ruhe sterben, ehe man noch viel an mir herumschneidet." ergänzte der Kranke.
„Du hast mein Wort, Achim! — Nun muht du aber auch tun, was ich für gut finde."
Aerzte in weihen Kitteln erschienen unter der Türe.
„HanS!" bat Hellingen dringend. »Vergiß nicht, was du mir versprochen hast!"
„Nein! — Sei ganz ohne Sorge."
Geruch von Clorosorm und Aether durchzog den Raum. - Worte sprangen auf: kurz, bündig und verstummten wieder. — Der weihe Schleier einer Schwesternhaube umschwebte Ioachims Gesicht wie ein schneeiges Flügelpaar.
„Ich habe meinem Freunde das Ehrenwort gegeben, dah er nicht zu einem Krüppel-Dasein verdammt fein soll."
Ein Räuspern des Chirurgen, der Chefarzt am Krankenhause zu Bellinzona war. dann ein Achselzucken. „Sie haben etwas viel versprochen, Herr Kollege!"
älnd wieder Stille.
Nach einer Stunde war eS vorüber. — Gegen zwei älhr nachts erwachte Hettingen aus der Narkose. „Mutter!"
Die verweinten Augen der Baronin senkten sich in die seinen. „Ganz stille fein, mein armer Bub!"
„Hans!"
Als Hettingen Feßmanns Gesicht über sich geneigt sah, fragte fein Blick in wortlosem Schweigen.
„Hast du Schmerzen, mein Aller? 3a? An der Hüfte. Wir muhten dir ein Stück zerschmetterten Knochens herausnehmen, haben dir aber dafür Ersatz gegeben. Sonst haben wir dir alles fein säuberlich wieder zusammengeflickt. Nicht einen Finger wirst du verlieren, mein Lieber!"
„Ich — danke dir — Hans!"
Eine Spritze Morphium lieh ihn Schlaf bis gegen Mittag finden. — Dann lag er in wachem Schweigen und lähmender Schwäche bis zum Abend. Fehmann übernahm die Nachtwache, aber die Baronin ließ es sich nicht wehren, sie mit ihm zu teilen. Sie war den ganzen Tag keinen Schrllt vom Bette des Sohnes gewichen.
Morgens sieben älhr traf Richlhosen mit Isabella Ieska ein und in ihrer Begleitung eine Krcuckenpflegerin, die sie aus Wien mitgebracht hatten.
Tiesschwarzes. glallgescheitelles Haar, im Nacken zu einem Knoien geschürzt, umrahmte ein feines, blaftes Gesicht, aus dem die blauen Augen unter den langen seidenen Wimpern wie fülle Seen auf ihre Umgebung sahen. Als sie die Baronin im Flur begrüßte, neigte sie sich über deren Hand,
ohne fähig zu sein, irgendein Wort zu finden.
Isabella bat die Mutter für ein Paar Minuten in ein Zimmer nebenan. Richthvfen stand mit Feßmann in einer Nische des Ganges im Gespräch. „Er ist bei vollem BÄvuhtsein, Leopold! — Ich werde mit Schwester Elisabeth hineingehen und, ihm seine Pflegerin vorstellen. — Wenn Ich nach drei Minuten nicht wieder zurück bin, kommst du nach. — In Gottes Namen, Schwester! — Kommen Sie!"
Hettingen tag mit geschlossenen Augen, öffnete sie aber, als Feßmann zu ihm ans Dell trat „Wie fühlst du dich. Achim! Der Oberarzt des Krankeichauses hat uns eine Psl^erin geschickt. Der Herr Baron ist sehr geduldig, Schwester Elisabeth," wandte er sich an diese, die mit einem stillen Lächeln ans Dell trat.
Ihre Hand legte sich leicht auf die Joachims. „Wir werden uns gut verstehen. Herr Baron! — Vorausgesetzt, dah Sie schön folgsam sind. Wollen Sie?"
Hettingen horchte — lieh seine Augen auf dem schmalen Gesichte ruhen, das nun von einer matten Röte überhaucht lag, sah die dunklen: Wimpern, unter denen die Augen ein moer- farbene# Blau an nahmen, und von diesen hinweg nach dem tiefschwarzen Haar, das schlicht aus der Stirne gestrichen diese In ihrer ganzem schneeigen Weiße freilieh.
„Hans!--“
Feßmann stand schon über ihn geneigt, während die Pflegerin nach dem Fenster ging und sich unbemerft über die Wangen fuhr.
„Ich---" Hettingen schluckte an den Wor
ten. „Ich habe geglaubt, ich sehe Maria!"
„Wirklich?" sagte Feßmann erftaunt. „In bet, Sprache vielleicht! Aber sonst haben die beiden, doch wahrhafttg nicht die mindeste Aehnlichkell — — — und Maria Richthofen dürfte kaum für diesen Beruf geeignet sein. Kranke waren ihr immer entsetzlich. Sie wäre so gerne mit Leopold gekommen, dich zu sehen, aber ich habe ihr abtelegraphiert. Wir können jetzt keinerlei Aufregung brauchen"
Hettingen nickte und sah wieder geradeaus. Richlhosen kam ins Zimmer und hinter ihm die Baronin mit Isabella Ieska. Niemand als die Mutter nahm Notiz von der Pflegerin. Erst als diese sich mit einer Frage an Feßmann wandte, stellte dieser knapp vor. „Schwester Elisabeth vom städtischen Krankenhause hier. — - Untere Freunde aus Wien." (Fortsetzung folgt.)


