§reitag, L Zebruar 1929
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesseisi
Nr. 27 Zweites Blatt
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Vom Bahnhof kommend passieren wir das Castell Ruovo, das Karl von Anjou erbauen lies), und sehen von der Piazza del Municipio aus von weitem die deutsche Kriegs- flagge wehen, dahinter der Golf von Neapel, nebelig verträumt, seitlich der Vesuv, der sein nie ruhendes Spiel treibt. Die „Emden" ankert ün Porto Beverello unweit des Molo Angioino. Es ist das dritte Mal seit Kriegsende, dah ein italienischen Hafen
8'1, Uhr:
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wanderte man damals aus der alten Hansa st odt an Bord des Linienschiffes und von Bord an Land. Zahlreiche Fäden knüpften sich zwischen hüben und drüben. Als eines Tages die „Hessen" wieder abdampfte und ihre schmale Fahrtrinne sich von neuem schloss, gestanden sich die Zurückgebliebenen, wie sehr die deutschen Blaujacken ihnen in kurzer Zeit ans Herz gewachsen waren. Ein Bild der „Hessen" und ein Mühenband hängt seither zur Erinnerung an frohe Stunden in meinem Arbeitszimmer.
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Arbeitsnachweiswesen und die Wohlfahrtspflege. 72 600 Mk. verlangt das Justizministerium mehr für bauliche Herstellungen in der Zellenstrafanstalt und im Landes,uchthaus Buhbach, am Amtsgcrichtsgesänonis Worms und dem Amtsgerichtsgebäude Offenbach. Für die Landesvermessung werden 94 820 Mk. mehr eingesetzt. Für Äcubauten und Umänderungen in der Wohnung des Staatspräsidenten und am Landestheater werden 27 000 Mk. angefordert. Für Verzinsung derStaats- schuld einschliesslich der Jahresleistungen aus der Vermöge ns»Auseinandersetzung mitdemehem. Grobherzog (590000 Mk.) sind insgesamt 1 390 000 Mk. eingestellt. Für diese Zahlungen an den ehemaligen Grossherzog sollen jedoch die gesamten staatlichen Leistungen aus den ehemals grohherzoglichen Gütern be--
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Dachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. Rom, Januar 1929.
Aach den: ewigen Winterregen ein fomriger Tag; er ist wie geschaffen zum Besuch der „Emden", die in Aeapel vor Anker liegt. 3m Eiltempo durchfliegt der Zug die Römische Campagna auf der neuen „Direttissima". 3m Osten erheben sich die beschneiten Albanerberge, im Westen glänzt in der gerne das Meer. Aach stürmischen Wochen scheint es wieder glatt und friedlich. Die Via Appia, dann die Zweiglinie nach Anzio und Aettuno tauchen auf und verschwinden. Kaum hat man Zeit, sich des wechsel- vollen Schicksals Der in diesem Ort geschlossenen betLhmten italienisch-jugoslawischen Verträge zu erinnern, so winkt schon Delletri — eine alte Feste der Volsker. Nun folgt die Strecke den Monti Lepini entlang durch die Pontinischen Sümpfe.
Die Ruinen des mittelalterlichen Ainfa, aus der die Malaria jegliches Leben vertrieb, zeugen von der heimtückischen Kraft dieser faulenden Gewässer. Die Paludi Pontine füllen in durchschnittlich 14 Kilometer Breite die Sercke zwischen den Bergen und den Dünen aus. Das von Kanälen und Wasserarmen durchzogene Gebiet ist weit überschwemmt. Aber die Entwässerungsanlagen zeugen von dem Kampf, den der Mensch — früher mit wenig Erfolg — i«$t aussichtsreicher gegen das lauernde Fieber führt.
Durch das Rattern des „Diretto" auf gescheucht, flattern Kibihe empor und messen sich mit vereinzelten Möven in graziösem Flug auf den Wellen des südlichen Lichts. Es ist die italienische Atmosphäre, die dem gewaltigsten Bergprofil jede Schärfe nimmt uird selbst den zyklopischen Mauern des alten Avrba milde Umrisse verleiht. Campagnabüfsel plantschen mit fatalistischem Ausdruck durch das sumpfige Gelände. Hin und wieder leuchtet ein schwefliger Wassertümpel in mattem Türkisblau auf.
Aus der Höhe des ins Meer ragenden Vorgebirges der Cu.ee bohrt sich ein Tunnel in den Monte delle Fate, den Abschluß der Sümpfe. 3enseits der Monti Aurunci öffnet sich der Golf von Gaeta und dann beginnen die Orangengärten und Rebenkulturen, die die Sttecke bis Aeapel umgeben.
Während wir über den Garigliano und den Vofturno hinweg den nordwestlichen Teil der Campania durchmessen, wandern die Gedanken voraus zu der „Emden". Es ist schwer zu schildern, was der seltene Besuch eines deutschen Kriegsschiffes für den A u s l a n ddeu t s che n bedeutet. Weit mehr als ein Grub aus dem Mutterlande. Das lebendige Beispiel straffer Disziplin und Tatkraft stärtt den Glauben an den Wiederaufstieg Deutschlands. Gerade vor drei Fahren erlebte ich ein anderes deutsches Kriegsschiaff im Ausland. Die „Hessen" lag damals vor Reval. Richt zum offiziellen Besuch, sondern nachdem sie unter Führung des Kapitäns zur See, Klüpfel, bei der Befreiung zahlreicher deutscher und ausländischer Schisfe aus dem Eise des finnischen Meerbusens entscheidend mitgewirkt hatte. Lieber die gefrorene Reede
*nde des nasiums ein:
Montmartre.
Don Scanne Gaston Leroux.
Die Verfasserin ist die Witwe des französischen Romanschriftstellers Leroux.
Eine junge 3talienerin, Angehörige der besten Gesellsch.:st, sagte einst aus einem Tee zu mir: „Ich le..ne Paris nicht und werde es erst kennen- ’lernen, wenn ich verheiratet bin, dann aber muß ich — alles sehen."
Erstaunt fragte ich sie: „Was wünschen Sie denn als junge Frau zu sehen, was Sie nicht heute schon als junges Mädchen sehen durften <
Sic errötete, ihre Augen bekamen einen flackernden Glanz, als habe sie eine etwas frivole Vision. .Oh, Montmartre und seine Kabaretts entgegnete sie etwas beschämt.
Las also ist der Traum einer iungen Ausländerin, die Paris noch nicht kennt! Nicht Die Museen mit ihren wertvollen Kunstschätzen, nicht die Theater und die wundervollen Baulichkeiten oocr sonstige Sehenswürdigkeiten der Seure- stadt bilden Die A.iziehangscraft, sondern Montmartre und seine Kabaretts!
Eigenartig und traurig, dachte ich, besonders für die junge Dame selbst.
Als Pariserin will ich natürlich m reiner Weise Montmartre verleugnen oder versuck^n, meine Hände in Unschuld zu waschen; aber Monlm.ir re ist wirklich nicht Paris! —
as ist eine Tatsache, von der sich vernünstige Ausländer sehr bald selbst überzeugen, wenn sie einige Zeit hier leben. Und doch geniest Paris und seine Einwohnerschaft einen Rus in der Welt, dah tiian annehmen muß, das Aus-- land stellt sich die Lichtstadt als einen einzigen Ricsenmontmartre vor und den Pariser selbst als den ungezügeltsten Menschen der Erde.
Ist. etwa die 3ägerstratze — Berlin? St. Pauli — Hamburg? Dürien wir Soho mit London und Greenwich Vi".hge mit Aeuyork identifizieren? Sicherlich nicht! —
Eigen üunlich bleibt immer, dah Paris trotz seines schemöar so schlechten Rufes dauernd eine solche Anziehungskraft auf das internationale Rei'iepuWäum ausübt. So versessen scheinen die
Bildtläche. da ihve Beliebtheit im allgemeinen stark der Mode unterliegt. Sie werden heute viel besucht und morgen nicht mehr beachtet. Das Völkchen der Künstler liebt nun einmal die Abwechslung.
Last not least darf man auch den auf dem Montmartre beschäftigten Kleinbürger nicht vergessen. Auch der hat seine kleinen Kabaretts, seine Casös, in denen er ißt, trinkt und sich unterhält. Hier findet man den Nachtportier der Lurusrestaurants in feiner freien Zeit, den Musiker nach Beendigung seines anstrengenden Dienstes, das arme kleine Mädchen, das niemand zum Abendessen einlud, und jene traurigen Gestalten, welche die Strahen des Montmartre zur Nacht bevölkern und die in kleinbürgerliche Restaurants kommen, um eine Tasse Kaffee zu trinken oder um einmal ein freundliches Wort zu hören.
Montmartre ist eine Stadt für sich, eine Stadt innerhalb des großen Paris. Wutz man es, gleich Sodom und Gomorrha, im Grund und Boden verdammen? Nein .und noch einmal nein! Es gibt dort wie überall Leute, die wissen, toi< sie sich zu benehmen haben und solche, die das nicht wissen.
Ein lustiger Abend mit einem guten Diner in irgendeiner Vergnügungsstätte des Montmartre ist keine welterschütternde Angelegenheit; solch ein Besuch ist im Gegenteil nur dazu angetan, Vorurteile zu berichtigen. Will man jedoch unbedingt „alles sehen", dann ist auch auf dem Montmartre wie in jeder Weltstadt dem Erzes; Tur und Tor geöffnet. Alles sehen $u wollen, bedeutet nichts weiter als den Besuch jener Lasterhöhlen, deren Zahl Gott sei Dank täglich immer mehr abnimmt, da der Pariser Polizeipräsident ein wachsames Auge auf diese Lokal« hat und sie sofort schlieht, sobald ihr volksgefährlicher Charakter festgestellt ist.
Aber wer besucht diese Stätten? Auch hier würde die Statistik sehr eindrucksvoll sprechen, wenn sie der Nationalität nach gegliedert wäre. Ich behaupte keinesfalls, dah die Franzosen Heilige sind mit einem kleinen Heiligenschein um den Kops und mit Flügelansätzen auf dem Rücken. Sind wir auch nicht besser als die anderen, so sind wir in Wirklichkeit dennoch nicht schlechte'.
Der Llat Hessens für 1929.
Der hessische Finanzminister hat soeben dem Landtag den Entwurf eines Gesetzes, die Erstreckung des Finanzgesetzes und des Statlsvoranschlages für das Rechnungsjahr 1 928 auf das Rechnungsjahr 1 9 29, dem Landtag übermittelt nebst einer Uebersicht über die gegen das vergangeno Rechnungsjahr eintretenden Ergänzungen und Berichtigungen. 3n dem nur fünf Artikel umfassenden Gesetzentwurf soll auherdem die Regierung ermächtigt werden, die bis Ende 1928 unverwendet gebliebenen übertragbaren Kredite auf das neue Rechnungsjahr zu übertragen. Sie will außerdem zur Deckung der Anleiheoewilligungen aus dem Jahre 1928 im Gesamtbeträge von 6 297 530 Mk., die im letzten Finanzgefeh 1928 noch nicht enthalten waren, einen gleichen (Betrag im Wege des Staatskredits flüfsig machen und zu diesem Zwecke Schuldverschreibungen, Schahanweisungen und Wechsel je nach der Lage des Geldmarktse zu entsprechendem Zinssatz ausgeben.
Wie bereits bekannt, ist ein völlig neuer Etat für das Jahr 1929 nicht ausgestellt worden, der Haushaltsplan beruht vielmehr auf dem Entwurf 1928, der bekanntlich in Einnahmen mit 127 951 625 Mk. und in Ausgaben mit 139 163 688 Mk., also mit einem buchmäßigen Defizit von 11 212063 Mk. abschloh. während im Jahre 1927 123 913 409 Ml. in Einnahmen und 131 233 441 Mk. in Ausgaben standen. Für dieses Jahr ist eine Ausgaben st eigerung um insgesamt 2 490 620 Mk. vorgesehen, so dah also in diesem Jahre die Ausgavenserte des hessischen Staatshaushaltes mit 141,6 Millionen Mark abschließt.
Die wichtigsten Veränderungen gegenüber dem letzten Etat sind' Für die Forst- und Kameral- güter unter Forstverwaltung werden für Herstellung in Klaraberg. Festung Rüsselsheim, Ober- Erlenbach 34 300 Mk. mehr angefordert. Für das Salzwerk und die Badeanstalt Bad-Nauheim werden insgesamt 74 000 Mk. mehr angefordert, für Bad Salzhausen 2300 Mk. Bei dem Hessischen Landestheater will die Regierung einen einmaligen Betrag von 100 000 Mark zur Erneuerung und Ergänzung des Fundes, der Bühnen einrich tun gen und des 3nventars vor- lagsweise verausgaben, da die laufenden Mittel des Theaters zu größeren Anschaffungen nicht ausreichen. Zur Förderung der Neubautätigkeit werden erneut 11 925 000 Mk. bereitgestellt. Für Reparaturen tm Landtagsgebäude wird ein Betrag von 17 500 Mk. angefordert. Das Kapitel Polizei und Gendarmerie ist um 59 800 Mk. für erhöht« Amtskosten, Kosten der UntertunftS- räume, Heilfürsorge, Aus- und Fortbildungszwecke und das Kraftfahrwesen der Polizei besser endgeftattet Für die Hebammenlehran- st a 11 in Mainz werden zu Ausrüstungszwecken 18 700 Mk. angefordert, für die Landeshesl- und Pslegean st alten für Nervenkranke in Gießen zusammen 63750 Mk. Das Kreisamtsgebäude zu Lauterbach, das Arbeitshaus in Dieburg und das Regierungsgebäude in Darmstadt, Neckarstrahe 3, verlangen für bauliche Herstellungen 24 200 Mk.
Die Derköstigungskredite an den Kliniken der Landesuniversität werden um 29 500 Mk. höher angeseht. Für die Technische Hochschule in Darmstadt sind für Lehrmittel 43 400 Mk., für die Pädagogischen Institute in Mainz 6000 Mk. persönliche Kosten ein gefegt Autzerdem wird die Regierung ermächttgt, die der Darlehenskasse der Deutschen Studentenschaft eingeräumten zinsfreien Darlehen von 7800 Mk. auf, 44 800 Mk. heraufzusetzen. Für Neubauten und bauliche Herstellungen an der Universität Giehen und ihren Instituten und Gütern werden autzerdem noch einmal 56 530 Mk., für gleiche Zwecke an der Technischen Hochschule in Darmstadt 42 500 Mk. und an der Aufbauschule Alzey 33 000 Mk. eingestellt. _ .
Das Arbeits- und Wirtschastsrnmisterrum verlangt 10 000 Mk. mehr zur Bekämpsung von Schädlingen im Ackerbau (Kar- wsselkrebs ufto.), ferner 130 000 Mk. für das
ausländischen Reisenden auf die ungesunden Vergnügungen dieses modernen Babylon zu fein, dah sie nicht scheuen, Ozeane und Kontinente zu überqueren, um an dem Taumel des Pariser Nachtlebens teilzunehmen. Noch nie hat Montmartre eine solche Anziehungskraft auf die Welt aus- geübt als gerade heute. Sein Nachtbetrieb scheint förmlich faszinierend auf die Phantasie des internationalen Reisepubllkums zu wirken.
Man besuche einmal Montmartre am Tage, und man wird von dem Anblick etwas überrascht sein. Man sieht winllige Gassen und Gäh- eben, und eine altertümliche Kirche, sonst nichts, überwältigend Interessantes. Was bekommt man aber nachts in den Luxusrestaurants zu sehen, in Den Kabaretts verschiedenarftgsten Ranges und in Den übrigen Unterhaltungsstätten bis herab zu Den alten „Caveaux“? Ausländer und noch einmal Ausländer; Vertreter aller Nationen und Angehörige aller Religionen. Es wäre ein ungeheurer Irrtum, anzunehmen, dah sich etwa nur Reiche an diesen Vergnügungen ergötzen. Es gibt höchst elegante Ver gnügungsre staurants, Stätten des Chiks und der Eleganz und solche, die das Gegenteil davon sind.
Schon die Aufzäh-ung der verschiedenen Vergnügungsstätten scheint Den Ausländer mit einer erwartungsvollen Vorahnung zu erfüllen. Le Perroquet, Florida, die berühmte Abbaye de Theleme, le Caveau Caurasien ufto., das sind die Luxusre staurants, in denen sich die reichen Mill andre aus Nord- und Südamerika amu- tiefen, und wo wir vielleicht dann und wann ein paar reiche Franzo en antreffen.
Aber Palermo, Zellis, der neue Monico. FEI Ga- ron, und vie.e andere, wo sich alle die treffen, deren Börse nicht so woh.gripickt ist, werden von Zranzolen oder gar Parisern fast gar nicht besucht. Der Franzose betritt Mo.ft.nartre schon deshalb nicht bei Nacht, weil er zu dieser Zeit — schläft. Das ist wirllich keine Hebertreibung. -Auch aus.ändische Iournallstei, die Paris genau studiert haben, bestätigen es. So schrieb vor kurzem ein englischer Journalist, er habe nach allem, was :r gehört habe, angenommen, Paris und die Pa.-ser befänden sich in einem dauernden Taumel des Vergnügens. Was er aber sah. widersprach feinen Erwartungen in so hohem
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Mähe, dah er sich gleichsam betrogen fühlte. „Die schwarten Anzüge der Pariser," so schrieb er, „sind das Symbol dafür, dah sie das Leben zu ernst nehmen und nicht verstehen, es richttg zu genießen."
Das ist sicherlich das erstemal, dah man dem Franzosen zu großen LebenSemst zuspricht. Ein neuer Beweis Dafür, dah man nie verzweifeln darf.
Alber kehren wir zu unserem Thema zurück. Es ist eine Tatsache, dah Die Atmosphäre des Pariser Nachtlebens heute mehr denn je kosmopolitisch ist. Hätten die Besitzer Der vielen „Boites de Nuits“ nur mit Dem Konsum ihrer französischen Gäste äu rechnen, so würden Die meisten von ihnen sehr bald gezwungen fein, ihre Türen zu sch liehen, um sich nach einer anderen Erwerbsnchglichkeit umzufehen. Und wenn vielleicht Durch Zufall ein Sicuistiker Die Nationalitäten Der Besucher irgenDeines Nachtlokals feststellen könnte, so würde das Ergebnis sicherlich für vie.e eine ilebcrraid)ung bedeuten, nicht zuletzt für Leute puritanischer Abkunft, von denen man gemeinhin annimmt, dah sie nachts zu Hause bleiben.
Cs gibt natürlich auch Franzosen, Die M,nt- martre frequentieren. Einige Millionäre unu Besucher vom LanDe, die nach Der Hauptstadt kommen, um das Pariser Nachtleben unter allen ilniftänDen aus^ukosten.
Die Schristste.ler, Künstler, Bohemiens und die Journalisten verfügen über ihre eigenen Kabaretts. Dort kennt ein jeder den anderen, dort wird gelungen, diskutiert, getrunken und geraucht In dieser durchaus harmlosen und soliden Atmosphäre verkehren auch die „Chansonniers" des Montmartre, um hier allabendlich ihr bürgerliches Abendessen zu verzehren oder um Die Wirkung eines neuen Schlagers auszuprobieren. Den sie später in irgenDeinem Luxusrestaurant vortragen. Die Besitzer dieser Lokale kennen alle ihr« Gäste bei Namen; ein jeder hat Kredit bei ihnen. „Ih heute, zahle wenn du kannst", das ist ihr Motto. La Potiniere, Le Pere Wolf, Der Franco- Italien und das Maison Rose in Der Rue des Saules sink) Die bela.mtesten Gaststätten dieser Art. Sie wachsen wie Pilze aus Der Erde, verschwinden
I ober meistens auch wieder ebenso schnell von Der
deutsches Kriegsschiff einen . , „
besucht; aber Der Empfang ist Diesmal viel herzlicher als er Der .,Berli n" im vergangenen Februar in Genua und im März 1927 Der „Hamburg" in Palermo zutell wurde. Neapel scheint ein Beispiel seiner sprichwörtlichen Gastsreundschast geben zu wollen. Nach Dem Austausch Der üblichen offiziellen Besuche ist Die „EmDen" Dem Publikum zur Besichtigung freigegeben. Jugend und Alter, Mllitär und Zivll drängt auf Die Boote, Die von ewig gestikulierenden Ruderern an das Fallrepp gesteuert
der Provinz Neapel, Castelli, dem deutschen Botschafter beim Quirinal Freiherrn von Neurath mit Gemahlin, die Spitzen Der Militär- und Zivilbehörden teilnahmen. Almansi leerte sein Glas zu Ehren der deutschen Nation, und der Botschafter antwortete mit einem Tost auf Den König und die Gröhe Italiens. Der an- schliehende Ball, zu dem auch die Kadetten geladen waren, gab dem Bankett einen harmonischen Abschluß. Der in Neapel geborene und dort sehr beliebte deutsche Generalkonsul Brei t - ling förderte wirksam die Fühlungnahme zwischen den Gastgebern und den Gästen. In dem bunten Gewimmel reizvoller Toiletten der Neapolitaner Aristokratie, der verschiedensten Uniformen, Fräcke, Ordensbänder und Ehrenzeichen bewiesen Die jungen Kadetten ihre vorzügliche Schulung. Fröhlich sah man sie in ihren schlichten Matrosenanzügen sich Dem Tanze hingeben. Die Matrosenanzüge sind gewih kleidsani, aber man freute sich doch zu hören, dah Die aus Sparsamkeit oder anderen Gründen seiner Zeit abgeschafften ÄaDcttenuniformen mit dem nächsten Jahrgang wieder eingeführt werden sollen.
Es versteht sich von selbst, dah Der Besuch der blauen Jungen In Der deutschen Kolonie Neapels einen bcsonderen Widerhall gefunden Hot. Der Ball der Vereinigung der Deutschen in Der Sala Romanelli sowie Der vom Deutschen Generalkonsul Breitling unD seiner Gemahlin veranstaltfte Empfang zur Begrüßung des deutschen Botschafter 3 bot willkommene Gelegenheit zu ernstem und heiterem Gedankenaustausch. Der Höhepunkt aber war das Bordfest auf Der Emden. Der Einladung waren Hunderte von Italienern und Deutschen gefolgt. UnD als das Deutschlandlied, begeistert von allen auf gegriffen, erklang, gedachte man der deutsch-italienischen Freundschaft, die ein Neapeler Blatt in diesen Tagen hervorgehoben- Nach allen Festen und Feiern hat die Emden nun wieder die Anker gelichtet, um zu vierzehntägiger Schießübung nach Der Insel Kephalonia zu Dampfen. Dann geht es weiter nach Konstantinopel, Durch den Suezkanal über Indien nach Australien und durch Den Panama wieder in die Heimat.
Schöffengericht Gießen.
• Giehen, 31. Ian. Bor Dem erweiterten Schöffengericht wurde gestern bis in die späten Abendstunden gegen Den Pferdehändler Isidor St., seinen Sohn Julius, seine Tochter $ilh unD seinen Neffen Emil verhandelt.
Das früher gut geheitde Geschäft des Angeklagten Isidor St. ging nach der Stabilisierung der Mark, wohl infolge von Mangel an Betriebskapital, stark zurück, so dah schliehlich anfangs Januar 1925 das Konkursverfahren über die Firma eröffnet wurde. Nach Dem Gutachten des Buchsachverständigen befanden sich die Bücher dec Firma in einem trostlosen Zustand, von einer ordnungsgemäßen Buchlührung. die einen Heber» blick über Den Vermögensstano ermöglichte, kann überhaupt nicht gesprochen werden. Der Aw« geklagte Isidor St. hat sich daher wegen Vergehens gegen Die Konkursordnunq zu verantworten.
Weiter wird sämtlichen Angeklagten zur Last gelegt, unter falschen Vorspiegelungen Die Ruw den Der Firma veranlaßt zu haben, Blankowechsel zu unterschreiben, die Dann aus wesentlich höhere Beträge ausgefüllt wurden, als die wirkliche Schuld de/' Unterzeichner ausmachte. Aus diese Weife sind nach der Behauptung der Anklage viele Kunden, die selbst nicht in glänzenden Derhältnissen leben, um ganz erhebliche Summen geschädigt worden. Denn nachdem die Firma zusammengebrochen war, wurden die Akzeptanten der Wechsel von den Wechsel- Öern natürlich in Anspruch genommen. Die igten verteidigen sich damit, dah eS sich bei "allen diesen Wechseln um reine Gefälligkeitswechsel gehandelt habe, eine betrügerische Absicht habe ihnen ferngelegen. Dieser Darstellung widerspricht aber Die große Mehrzahl der Zeugen, z. T. in sehr temperamentvollen Ausführungen.
Die Verhandlung konnte wegen der vorgerückten Zeit nicht mehr zu Ende geführt werden. Die Verkündung des Urteils ist Freitagnachmittag zu erwarten.
Bei der „Emden" in Neapel
Von unserem v. O.-Berichterstatter.
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werden. Ein nicht endenwollender Strom von Neugierigen überflutet das deutsche Schiff. Wo Sprachkenntnisse versagen, wird mit Zeichen gefragt und erklärst
Der Kommandant, Korvettenkapttän v. Ar- nauld de la Perriöre, seine Offiziere und Kadetten sind durch zahllose Veranstaltungen in Anspruch genommen. Auch für die übrige Besatzung ist gesorgt, damit sie einen lebendigen Eindruck von dem Aufenthalt in Napoli mitnehme. Der ttalienische Fregattenkapitän D l 21 n g e I i, Der Dem Kommandanten als Ordonnanz zukommondiert ist und das Deutsche beherrscht wie unsereins, ist freundlich bemüht, den deutschen Gästen alle Wünsche von Den Augen abzulesen.
Der Kommandant und Die Offiziere haben Die schwierige Ausgabe, nicht nur die Ausbildung Der ihnen Anvertrauten zu leiten, sondern auch Den zahlreichen pol t.schert und gesellschaftlichen Pflichten zu entspr.chen. Aber Die „EmDen" hat einen bewährten Führer. Er empfängt uns in seiner Kabine. Dort hängen wertvolle Erinnerungen, die Kriegsflagge der „11.35", ein Bild der ersten Emden und ein Mühenband, das letzte direkte Andenken an diese tapfere „Emden". Es wurde von einem Engländer auf dem Wrack gefunden, einem Holländer übergeben und von diesem dem Vorgänger des jetzigen Kommandanten zum Geschenk gemacht. , ,
Der Königliche Kommissar von Neapel, A l - maus i, veranstaltete zu Ehren des Kommandanten und der deutschen Offiziere ein Bankett im Gxcelsior, an dem anher Dem Oberfommiffar
stritten werden derart, dah mit Zinseszinsen diese staatlichen Leistungen aus Den Gütererträgnissen in einem Zeitraum von 55 Jahren wieder eingebracht werden.
In einem Schluhartikel wird Dann die Regierung wie üblich ermächtigt, über Den Rahmen der bewilligten Mittel hinausiugehen. wenn es sich handelt um Auswirkungen von Lohnerhöhungen, als Auswirkung gesetzlicher Bestimmungen oder bei Berufung von Dozenten gemachte Zusagen oder aus der Fertigstellung neuer Gebäude- und Institutseinrichlungen. Wie wir hören, wird Der hessische Finanzminister wahrscheinlich im Finanzausschuh Mitteilungen machen, wie er sich Die weitere S inane geb ar ung Denft. besonders im Hinblick auf Die mit Dem Reich schwebenden finanziellen Unterhand- jungen. ,


