Nr. 256 Drittes Blatt
Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Dienstag, 50. ©Höbet (928
Turnen, Sport und Spiel.
Aus dem Turngau Hessen (D.T.)
2. Bezirk.
,0, Der zweite Bezirk (Gießen-Wetzlar-Grün-^ berg) des Gaues Hessen hatte am Sonntag in der Turnhalle des Tv. 1846 zu (Liehen seine erste planmäßige Bezirksvorturnerstunde. Der Tv. Großen-Buseck ist neu in den Bezirk hinzugekommen. Bezirksturnwart Paul Schüler (Wetzlar) leitete mit Gang-, Lauf- und Hüpfübungen die Veranstaltung ein und schloß diesen Abschnitt der Ordnungsübungen mit einer eingehenden Behandlung des Stillaufes. Don den Freiübungen, die für die kommenden Gau- veranstaltungen verbindlich sind, wurden die, ersten zwei Gruppen durchgeturnt und die verschiedenen Stellungen und Haltungen mit Anleitung des Gauoberturnwartes Wilh. Will (Gießen) herausgcarbeitet. In Riegen zusam- mengefaßt wechselten die Teilnehmer nunmehr von Gerät zu Gerät. Die Turner Karl Reuter und Karl Müller vom Tv. 1846 Gießen leiteten die Einführung am Reck zu Hangkehre und Aufstemmen: am Barren unterrichteten die Turnwarle Wilhelm Leib vom Tv. Krofdorf und Heinrich Schneider vom Tv. Wetzlar im Ein» und Ausspreizen am Ende des Barrens und in Kraft-Hangübungen; Wilhelm Hofmann vom Tv. Großen-Linden und Heinrich Rabenau vom Tv. Treis a. d. Lda. hatten die Einführung am Pferd zu Flanke und Scher- awfsitzen übernommen. Gleichzeitig wurde auf die Aneignung einer einwandfreien Turnsprache hingearbmtet, zumal diese Geräteübungen im erster Linie der allgemeinen Ausbildung, nicht dem Wettkampf dienen sollen. Hangeln am Tau aus der Gruppe der volkstümlichen Hebungen und ein fröhliches Hallenspiel beschlossen den arbeitsreichen Rachmittag.
Handball-Berbandsspiele im Männerturnverein (O. T.)
M. T. B. I. (spielfrei).
M. T. V. II. — T. V. Heuchelheim I. 2:1 (2:1).
M. T. V. Jugend — T. V. Butzbach 7:2 (4:1).
M. T. B. Schüler — T. D. Großen-Linden 4:1 (2:0).
Die zweite Mannschaft spielte am Sonntag gegen die erste Mannschaft des Turnvereins Heuchelheim und konnte nach interessantem Kampf zwei wertvolle Punkte erringen. Der Sieg der Männerturner ist um so beachtenswerter, weil es selbst dem Spitzenkandidaten in der X-Klasse — Turngem. Friedberg — nicht gelang, die Heuchelheimer auf ihrem Platze zu schlagen. Zeigt dieses Spiel doch, daß die M. T. D. er ihre alte Spielstarke wieder zurückgewonen haben.
Die Jugendmannschaft gewann, wie vorauszusehen, das Spiel gegen den T. V. Butzbach. Wenn die Männerturner auch diesmal die Sieger waren, so muß doch gesagt werden, daß ihre Spielweise sehr enttäuscht hat. Das Spiel wurde zu leicht genommen. Weiter vermißte man den sonst üblichen Zusammenhang in der Mannschaft. Die M. T. V.» Jugend steht zur Zeit ungeschlagen an der Spitze der Gau-Jugendklasse. Gewinnt Friedberg, so muß noch ein Entscheidungsspiel ausgetragen werden.
Die erste Schülermannschaft konnte das Freundschaftsspiel gegen T. D. Großen - Linden ebenfalls gewinnen. Es war eine Freude, zu sehen, mit welchem Eifer sich die Kleinen dem schönen Handballspiel Hingaben. Auffassung und Fangtechnik können als gut bezeichnet werden.
Handball im T. B. v. 1846.
Die Voraussagen, die man für das Spiel gegen Wetzlar traf, lauteten ungünstig für die Gießener. Die Aussicht, gegen die spielstarkste Mannschaft des Gaues zu gewinnen oder unentschieden zu spielen, waren sehr gering. Das 1:1, das die 1846er erzielten, war also eine große Heber* raschung. Die Platzverhältnisse waren die denkbar ungünstigsten. Wetzlar hatte wohl ein kleines Plus im Sturm, doch war die Gießener Hintermannschaft jederzeit auf dem Posten. In der
16. Minute ging Wetzlar durch scharfen Schuh des Rechtsaußen in Führung, doch Gießens Rechtsaußen konnte kurz darauf durch Strafwurf ausgleichen. An dem Halbzeitresultat 1:1 änderte sich nichts mehr, trotzdem Wetzlar mit aller Macht den Sieg an sich reißen wollte. Der Schlußpfiff des Schiedsrichters trennte zwei gleichwertige Mannschaften. Die 1846er zeigten durch dieses Spiel, daß ihre Spielstarke nicht der der übrigen Gau vereine nachstcht.
Vorher spielte die 2. Mannschaft gegen die gleiche von Wetzlar und verlor 3:0. Es wird wohl immer so gehen, wenn der Sturm, wie am Sonntag, völlig unfähig ist, zu schießen. Die Hintermannschaft wird dadurch überlastet.
Die Jugend spielte in Gießen gegen Großen- Dufeck und verlor völlig unverdient 1:0. Es fehlt den einzelnen noch die nötige Spielerfahrung. Vorteile werden nicht ausgenuht.
Handball der Sp.-Vg. 1900.
ö. Am Sonntag hatte die Spielvereinigung 1900 vier Handballmannschaften in den 03er- bandsspielen. Es standen sich gegenüber die erste und zweite aktive Mannschaft, lotete die erste und zweite Iugendelf. Die vorausgesagten Siege der ersten Besetzungen sielen, besonders bei den Senioren, höher aus als erwartet. Man trennte sich beim Stande von 10:1 (Halbzeit 5:1) bzw. 6:2 (Halbzeit 3:2). Allerdings hatte die zweite aksive Mannschaft ihre besten Stürmer noch nicht zur Stelle und konnte daher die herausgearbeiteten Torgelegenheiten nicht verwerten. Ihre Hintermannschaft arbeitete recht ansprechend. Das mußten die Leute der ersten Garnitur besonders zu Spielanfang erfahren. Als jedoch ihr schneller Sturm seine Aksionen einheitlicher aufbaute, muhten sich die Zweitklassigen in regelmäßiger Folge zehn Tore gefallen lassen. Das Spiel wurde flott durchgeführt und hatte in Kunze (D. f. D. Gießen) einen guten Leiter.
Einen recht interessanten Kampf lieferten sich auch die beiden Iugendmannschasten. Die Zweite schien sich etwas vorgenommen zu haben, denn sie ging bald nach Spielbegiim in Führung und glich auch prompt aus, als sich ihr Gegner einen Vorsprung von 2:1 Toren gesichert hatte. Dann trat jedoch die größere Wettkampferfahrung der 1. Jugend zutage, die sie m vier weiteren Toren zum Ausdruck brachte.
D. f. B. Handball.
Die Handballmannschaft toar am Sonntag Gegner der ersten Handballelf des Turnvereins Großen- Buseck und muhte sich der spielstarken Platzmannschaft mit 0:5 beugen. Das Resultat entspricht in keiner Weise dem Spielverlauf. Wenn auch ohne weiteres zugegeben werden muh, dah Großen-Buseck um einiges besser war, so darf jedoch mit Recht gesagt werden, dah das Resultat ohne das allzu körperliche Spiel der Großen Dusecker und bei schärferem Durchgreifen des Schiedsrichters, eines Mitgliedes des Platzvereins, nicht so hoch ausgefallen wäre.
B. f. B.-Kußball.
Die Ligamannschaft schlug die ßiga des D. f. MBuhbach mit 3:1 und gewann damit zwei weitere Punkte. Das Treffen toar ein typisches Verbandsspiel, das an technischen Feinheiten usto. nur wenig bot, dafür aber von beiden Ölkannschasten in äußerst flo tem Tempo und mit einem Eifer durchgeführt wurde, die den besagten Mangel einigermaßen ausglichen. Allerdings berührte das zei.wese allzu massive Spiel der Butzbacher, die als hartspielende Mannschaft bekannt s nd. öfters to.nL er a g nehm. Die I.Hala- zett toar trotz des etwas heileren Feldspiels der Platzmannschaft ausgeglichen, was auch durch das Halbzeitresultat von 1:1 zum Ausdruck kam. Die Gäste, die in ihren bisherig.n Verbandsspielen gegen verhältnismäßig schwache Gegner nicht besonders gut ab geschnitten hatten, überraschten durch ihr auherordentlich schnelles und proüuk- ttves Spiel. Ihre wuchtigen Angriffe brachten
Geld fällt vom Simmet
Roman von Paul Enderling.
Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin.
30. Fortsetzung Nachdruck verboten
„Der Olle Fritz hat mich darauf gebracht. Er wollte doch hier überall Maulbeerplantagen errichten, um die Seideneinfuhr zu verringern."
„Ja, fo heißt es. Aber auch der Alte Fritz irrte sich bisweilen. Aber hier kann man wohl keine Seide spinnen ..."
Beide lachten über den Doppelsinn des Worts, und bann machte er seinen Rundgang durch die Ställe und (Sdjeunen.
Beim Betrachten einer lustig quiekenden Schweine- familie störte ihn das Getrapps schwerer Stiefel auf. Inspektor Specht kam und begrüßte ihn. „Na, sind Sie zufrieden, junger Herr?"
„Man muß wohl, Specht. Die Zeiten sind ja nicht rosig."
„Nein, das sind sie nun wohl nicht. Aber man tut, was man kann."
„Tut man das?" Er betrachtete das treuherzige Gesicht mit den kleinen, etwas schief gestellten Augen genau. Warte, alter Gauner, dachte er. Laut sagte er: „Wir muffen gelegentlich mal die Bücher durchsehen, Specht/
„Das sollen Sie, gnädiger Herr." Er blickte ihn noch um einen Grad treuherziger an als vorher. „Aber viel Freude erlebt man nicht dabei."
„Man kann nicht immer bloß Freude erleben, Specht. Ich finde zum Beispiel, daß die Milchwirtschaft mehr abwersen müßte. Es ist doch alles guter Schlag, und die Stadt ist nicht weit."
Der Inspektor kratzte sich hinter dem Ohr. „Wenn man bloß die bändigen Städter mehr zahlen wollten! Und den Margellens ist auch nicht zu trauen."
„Dafür sind Sie ja da. Na, von nun an soll ordentlich auf alle Finger gesehen werden." Er sah ihn scharf an und bemerkte mit Befriedigung den Zug des Unbehagens. Mit einem kurzen Gruß wandte er sich ab. Er würde ihm schon zeigen, was drei Erbsen für eine Suppe gaben, wie man hier sagte. 1
Der Inspektor blickte ihm nachdenklich nach. Was verstand der junge Bengel davon? Na, und eines Taoes wurde er" schon wieder verduften. Wer so lange in der Stadt gewesen war, der hielts hier auf der Klitsche nicht lange aus. Auch von den Landarbeitern, die einmal die städtische Luft gerochen hatten, kam keiner mehr zurück, ob ihm der Wind dort auch durch die hohlen Backen blies.
Indessen lief Frau Karola aus dem Eßzimmer in die Wäschekammer und wieder zurück. Sie brachte das Mädchen zur Verzweiflung.
Mein Gott, wo mar nur das weiße Tischtuck? Und die Servietten? Waren sie gestohlen? Ach so, in der Wäsche. Ja, aber man konnte doch nicht heute die gestopften decken.
Wie power sah alles aus, wie unansehnlich! Was würde Kurt sagen? Und die Stubendecke war ja schwarz wie die Erde. Hätte man sie nicht längst streichen können? Dachte denn kein Mensch an so was?
Und von dem großen Service fehlten schon wieder drei Teller. Taten die Mädchen denn den lieben langen Tag nichts andres als Geschirr zerbrechen? Man mußte sich ja schämen.
Plötzlich lief sie aus der Stube auf die Veranda, in den Garten, dann auf den Gutshof. Sie stolperte über ein Bündel Reisig und wäre beinahe in den Düngerhaufen gefallen. „Kurt! Wo steckst du nur? Ihr mar etwas Wichtiges eingefallen. „Specht, haben Sie meinen Sohn nicht gesehen?"
Der Inspektor wies auf den Pferdestall und wollte hin. Aber sie war jct)on an ihm vorüber, ehe er ich in Bewegung gesetzt.
In dem dämmerigen Stall ging Kurt Grotteck von Abteil zu Abteil. Er streichelte die glänzenden Pferderücken und beklatschte die Flanken sachgemäß. Pluto ging, etwas gekränkt über soviel verschwendete Liebenswürdigkeit, neben ihm. *
„Kurt, denke nur, ich habe ganz vergessen ...
Er wies auf den Braunen. „Das ist doch ein kapitaler Gaul. Den möchte ich mal reiten."
„Er ist zu wild. Er hat sogar Specht beinahe abgeworfen. Und gestern wäre er auf der Chaussee fast unter ein Auto gekommen."
„Ich werde schon mit ihm fertig werden. Mein alter Reitanzug muß ja noch irgendwo da sein. Na I nun schieß mal los.'
das D. f. D.-Tor mehr als einmal in Gefahr. Wohl zeigte die Platzelf die bessere Technik, lieh aber in punkto Zusammenspiel viel zu wünschen übrig. Die Zahl ihrer Torchancen war der des Gegners mindestens gleich. Jedoch ließ der Sturm jegliche Durchschlags- und Schußkraft vermissen. Rach dem Wechsel machte sich bald bei Butzbach, das sich im ersten Hebereifer zu sehr verausgabt hatte, eine starke Ermüdung bemerkbar, die em sichtliches Rachlassen der Mannschaft zur Folge hatte. Besonders siel die Läuferreche dem Tempo zum Opfer, so daß auch der Sturm kaum noch gefährlich werden konnte. Lediglich die Verteidigung wurde ihrer immer schwerer werdenden Aufgabe einigermaßen gerecht, konnte aber nicht verhindern, daß 03. f. 03. bald zum Führungstreffer einschoß und mehr und mehr überlegen wurde. Als Butzbach auch noch durch Verletzung eines Spielers zahlenmäßig geschwächt wurde, kam es aus seiner Halste, zeitweise sogar aus seinem Strafraum kaum noch heraus. Von einer ganzen Anzahl sicherster Torgelegenheiten vermochte der V. f. B.-Sturm, trotz seiner in der Pause vorgenommenen Umstellung, nur noch eine zum Erfolg zu verwerten. Das Schluhresultat von 3:1 war dem Gesamtspielverlauf nach mehr als verdient, kann aber keineswegs als befriedigend bezeichnet werden. Die ülrsache dieses und der knappen Ergebnisse der Dorsonntage liegt m erster Linie in dem mangelnden Schuhvermögen des Sturmes, der am Sonntag in beiden Aufstellungen, sowohl vor, wie nach der Pause versagte. Allerdings machte sich das Fehlen des Sturmführers B 51 t i g e r stark bemerkbar.
Das in der Vorschau angesagte Gesellschaftsspiel der Ligareserve gegen Ettingshausen kam nicht zustande.
Die Dritte und ihr OZerbandsspielgegner, Laubachs Zweite, lieferten sich einen flotten und interessanten Kampf, den 03. f. 03. mit 2:0 für sich entschied. Beiden Mannschaften gebührt für ihr außerordentlich rühriges und faires Spiel ein Gesamtlob.
Die vierte Mannschaft gewann gegen die Zweite von Lollar hoch mit 9:2. Bis zur Pause vermochte sich Lollar noch einigermaßen zu halten, mußte sich dann aber dem weit überlegenen Spiel der D. f. B er beugen.
Die dritte Jugend und zweite Schülermannschaft waren in S teinber g Gegner der dorsigen ersten Jugend bzw. ersten S<Sllermannschaft. Die Jugend gewann knapp, aber verdient mit 1:0; die Schüler muhten sich mit einem 3:3 zufriedengeben, wobei berück- sichsigt werden muh, dah Steinberg feine Schülerelf durch Jugendliche verstärkt hatte.
(Spielvereinigung 1900 Gießen.
ö. Die in der Vorschau vorausgesagten schlechten Erfolgsmöglichkeiten der 1900er in Herborn sind eingetreten. Die Gießener, die auf fünf ihrer besten Spielery verzichten mußten, lieferten ein recht schwaches Spiel. Die Mannschaft konnte in der ersten halben Stunde auf dem durch fortwährenden Regen ausgeweichten Grasboden zu keiner einheitlichen Aktion kommen. Beim Stande von 4:1 für Herborn stellten die Gießener um. Nun war es mit dem Torschießen der Gastgeber vorbei. 1900 bekam einen Elfmeter zugesprochen, der aber in der Aufregung vom Gießener Schützen nicht verwandelt wurde. Ein Strafstoß 1900s prallte von der Herborner Querlatte über die Köpfe der anftürmenben Gießener ins Feld zurück. Bei einem Gefummel vor Herborns Tor setzten die 1900er den Ball entschlossen ins Netz, das Spiel damit auf 4:2 setzend. Dann verpaßten drei Gießener Stürmer die ein- zige gut berechnete Hereingabe des Rechtsaußen frei norm Tor.
1 9 0 0 6 Reserven konnten trotz schwacher Ausstellung gegen die wenig Können verratenden Herborner Reserven erneu glatten 4:0* (Halbzeit 3:O)-S.eg erringen. Bei Gießen hatte man sich die Sache mit sechs oder sieben Ersatzleuten, darunter gar ein alter Herr, schwerer gedacht. Der S.eg war aber vollauf verdient und hätte noch höher ausfallen dürfen.
„Ich hatte ganz vergessen, zu erzählen, daß Pastors heute kommen. Ich konnte es nicht verhindern. Sie kommen doch jeden Samstag."
„Kommen alle zehn?"
„Acht sind es doch nur. Nein, es kommen nur Pastors selber und Amalie."
Amalie war die älteste der sechs Pastorstöchter. Sie sagte jedem, daß sie alle Partien ausgeschlagen habe, weil sie ihre lieben Eltern einfach nicht verlassen könne.
„Hoffentlich hat sie keine Absichten auf mich. Mutt. Sag' ihr lieber gleich, daß mich der Arzt vor Sommersprossen gewarnt hat."
„Aber wie kannst du nur solchen Unsinn reden!" Sie umfaßte ihn mit einem zärtlichen Blick. „Auf dich wartet die Allerschönste."
Er strich sich über die Stirn. „Laß das, Mutti!" Er fühlte sich mit einemmal müde und verzagt.
Sie sah ihn besorgt an. „Was ist dir? Und so blaß siehst du aus!"
„Nichts. Es ist nur von der Reife. Sie war doch ziemlich anstrengend. Aber heute wollen wir nur vergnügt jein, ja?5* Er nahm sie unter den Arm und spazierte mit ihr durch die Scheunen und über den Hof, über einen kleinen Hahn lachend, der mit gesträubten Federn einen großen Rivalen anfuhr. Aber das Lachen klang gezwungen, und Frau Karola merkte es.
Es war gut, daß Pastors kamen — sie tarnen immer eine halbe Stunde zu früh — und daß sie sie beanspruchten.
Der Pastor war ein alter, schon etwas zitteriger Herr, der Kurt Grottecks Hände gar nicht los ließ und immer wieder beteuerte, wie sehr er seinem Vater ähnlich sei. Seine Frau war rundlich und sah in ihrem „guten Seidenen" noch immer recht statt- lick aus. „Es ist doch etwas anderes, die gute Landluft zu atmen, nicht wahr?"
Amalie fragte gleich, wie lange er bliebe, und sie fetzte, kaum daß er geantwortet hatte, hinzu: ,,9d) für meinen Teil könnte mich hier nicht fort« denken. Ich könnte mich auch von meinen lieben Eltern gar nicht trennen." Sie sprach „liebe Eltern" aus, als lutschte sie an einem süßen Bonbon.
Papendicks Augen zwinkerten verdächtig. „Na, na?" machte er, verstummte aber auf einen bitten
Die 1.Jugend trug hx Lollar das Rückspiel aus und siegte mit demselben Resultat wie im Vorspiel (6:1, Halbzeit 1:1). Mau merkte den 1900ern die vier Ersatzleute nicht an. Das Spiel war ausgezeichnet und immer fair. Auch dem Gastgeber Lollar gebührt ein Lob.
Fußball in Heuchelheim.
E.D. Heuchelheim I. — D.f.R. Ach I. 5:1 (2:1).
Der seitherige Tabellenerste mußte am Sonntag in Heuchelheim eine hohe Riederlage einstecken. Lich stellte eine junge, sehr flinke Mannschaft, die in der ersten Halbzeit ein mächtiges Tempo vorlegte. Den Mangel an Technik, in der ihr die Heuchelheimer um eine Klasse überlegen waren, ersetzte sie durch großen Eifer. Vom Anstoß an kombinierte Heuchelheim, daß es eine Lust war. Bei ßid> gefielen besonders der Tormann, linker Verteidiger und Mittelläufer. Bei Heuchelheim spielte der Mittelläufer ganz hervorragend. Der Sturm toar sehr eifrig, besonders gut die beiden Außen. Schiedsrichter Fischer vom D.f.D. Gießen toar sehr gut.
Spielvereinigung 1926 Leihgestern.
Vollbringen II — ceihgestern I 1:3 (0:3).
Am Sonntag trafen sich diese Mannschaften zum fälligen Verbandsspiel in Vollbringen. Nach zehn Minuten Spieldauer konnten die Leihgcsterner drei Tore erzielen. Saubringen konnte diesen nichts entgegensetzen. Mit diesem Resultat ging es in die Halbzeit. Nach der Pause verteidigte Daubringen stärker, so daß es den Gästen nicht mehr gelang, die zahlreiche Verteidigung des Gegners zu überwinden. Kurz vor Schluß konnte Daubringen das Ehrentor erzielen.
$♦ Sp. B. Steinbach.
Am Sonntag wellte „Teutonia" Steinberg beim Fuhballsportverein Steinbach, um das fällige Verbandsspiel auszutragen. Steinbach stellte eine Mannschaft in den Kampf, an der „Teutonia" nicht rütteln konnte. Halbzeit 1: 0 für Steinberg. Rach der Pause konnte Steinberg dem Siegeswlllen der F. Sp. D.-Els nicht mehr standhalten und mußte sich mit 7:1 Toren geschlagen bekenn en. Schiri Deck, D. s. B. Gießen. toar dem Spiel ein durchaus gerechter Lci.er.
Fußballklub 1926 Großen-Buseck.
Daubringen I — Großen-Buseck l 1:3. Großen-Buseck II — Queckborn l 1:3 (1:0). Obwohl die 1. Mannschaft des F. C. Großen- Buseck am Sonntag gegen die gleiche Mannschaft von Daubringen auf dessen Gelände sich fast durchweg überlegen hielt, war es nicht möglich, den erzielten Halbzeitvorsprung von 3:1 weiter zu erhöhen. Die Busecker Mannschaft arbettete in allen Teilen gut. Auch der Sturm konnte am Sonntag bester genügen. Daubringen scheint wieder im Kommen zu sein.
Die zweite Mannschaft von Großen-Buseck hatte weniger Glück, obwohl sie auch überlegen spielte. Durch diesen Sieg hat sich der Fuhballverein Queckborn seine ersten Punkte geholt.
Der Sportverein von 1920 Heuchelheim ließ seine Jugend nicht antreten.
Aieder-AZeisel I — Lollar I 0:2.
Die erste Mannschaft Lollars war am Sonntag in Rieder-Weisel zu Gast. Mit 2:0 für Lollar ging es in die Pause. Rach Seitenwechsel konnte beiderseits nichts Zählbares mehr erreicht werden.
Arbeiter-Turn- und Sportbund.
Friedberg I — Gießen I 8:0.
Gießens I. Mannschaft toar zu ihrem zweiten Spiel der Rachrunde nach Friedberg gefahren. Schon in den ersten fünf Minuten konnte Friedberg 3 Tore erzielen, die aber wegen angeblichem Abseits vom Unparteiischen nicht anerkannt wurden. Gießen machte einen müden, abgespielten Eindruck und konnte nicht verhindern, daß Fried-
den Blick der Hausherrin und erkundigte sich, ob es Bier, Grog oder Rotspon gäbe.
„Grog? An einem so heißen Tag?"
„Homöopathie, Herr Pastor. Warm oertreibd warm." Alle lachten gefällig, und es war nicht schwer zu merken, daß dieser Witz von Papendick bei jeder gleichen Gelegenheit gemacht wurde.
Beim Essen hielt der Pastor eine lanae Rede auf den Heimgekehrten, der mit Bedauern für sich fest- fteUte, daß die Klopse inzwischen kalt wurden. Endlich war auch das überstanden, und eine Weile hörte man nur das Klappern des Geschirrs und der Gabeln.
Papendick entkorkte die Rotweinflaschen: er tat es wie eine feierliche Handlung. Einen Augenblick sah es aus, als ob auch er eine Rede halten wollte. „Verehrte Anwesende!" begann er, um dann zu vollenden: „Na, Pröstchen allerseits!"
Frau Karola lachte, daß sie sich die Seiten halten mußte, und der Redner setzte sich befriedigt.
Kurt Grotteck faß im Wohnzimmer an dem alten Schreibtisch, an dem er in Kinderjahren so oft den Vater hatte sitzen und rechnen sehen.
Er war früh aufgewesen — zu einer Zeit, wo er in der Stadt noch friedlich schlummerte — und war auf dem Braunen ins Land geritten. Herrlich war es gewesen, wieder ein Pferd zwischen den Schenkeln zu haben. Im wilden Galopp war der Braune matt und zahm gemacht worden, bis er den Herrn erkannt hatte und fromm dahingetrabt war. Bis an die Weichsel waren sie gekommen, die schwer und dunkel dahinstoß, beherrscht von den Dämmen, die die Niederung schützten. Der Ritt hatte ihn frisch und elastisch gemacht.
Das war nötig. Denn die Bücher grinsten ihn herausfordernd und feindlich an, mit jener infamen, unangreifbaren Treuherzigkeit des Inspektors. Er warf sich mit Feuereifer auf sie. Stundenlang saß er stirnrunzelnd davor, notierend und vergleichend. Aber die Versuche, in das Chaos dieser Buchführung einzudringen und den Wirrwarr dieser Tabellen, Rechnungen und Quittungen zu überschauen, waren aussichtslos. Endlich gab er es auf.
(Fortsetzung folgt)


