..Weshalb nicht* ... Es ist jo schon fang« her", sagte Odette. „Und einmal mutz es doch sein."
Das Gericht hatte die Erbschaft freigegeben.
Odette wurde eines Topes auf dos Gericht bestellt. Man händigte ihr die Erlaubnis ein, von ihrem Erbteil Gebrauch zu machen. Es tarnen feine anderen Erben in Betracht, denn der Neffe in Algier war inzwischen dort an Lieber gestorben, ohne Rin- der zu hinterlassen.
..Wie sollten das Ganze einem Anwalt übergeben und es zu wohltaiigen Zwecken vermachen", meinte Charles. „Mr ist dieses Geld unangenehm."
„Dazu haben wir nicht dos Recht", sogt« Odeue. „Du haft zwei Löhne." Und sie tarn wieder darauf zu räch. „Wir wollen den „Lion d'or" ausbauen, ganz gründlich und modern. Dann hast du etwas für deine Söhne getan, und der .Lion d'or' bleibt in der Familie."
Cha ries brach das Gespräch ab.
3m Früh-ahr wurden die Gartenbeete im Duponschcn Hause umgegraben, womit em Gartner beauftragt war. der iedes Jahr den Garten in Ordnung brachte. Der Capitoine kümmerte sich nicht mehr um dieses alle Haus, von dem er nur Rechnungen für Reparaturen ab. die ihm Charles lchickte. Er war nie mehr in di« Stobt gekommen. Er war nach Marokko oersetzt, und es schien «hm dort so gut zu gehen, datz er überhaupt nichts mehr von sich hören ließ.
Als der (üarincr an einem Eckbert eben den Späten anscsttr »tief» er auf etwas Zartes. Cs war ein rostiger Schlussel, der im nahen Erdreich steckte. Hotte er hier schon lange gelegen, t'ber batte ibn jemand über den 3aun geworfen? Und was für ein Schlüssel war das? Man probierte ihn aus, und es fand sich, datz er in die Hoftür patzte. Der diesen Schlüssel hotte, kam damit durch den Hof und den Heller in das Duponsche Haus.
Der Gärtner brachte den Schlüsse- m den „Lion d'or". Die alte Artemis betrcdi.cic fopi- schüttelnd den verrosteten Schlussel. Sie suchte etwas m ihrem Gedächtnis Aber es ging ihr damit uxe mit dem Ämberipiri mit den buntbrflfbten Würfeln. die man 311 Bildern zusammen fetzt. Sie brachte
dos Bild nicht mehr zusammen: es fehlte einige» darin ...
„Die mag nur dieser Schlüssel in den Garten gekommen fein, Madame?"
..Ach, laßt doch diese alten Geschichten", sagte Odette ..Ich mag von diesem House nichts mehr hören." Und sie legte den Schlussel in den Aeld- schranf. Aber in dem Gedächtnis der alten Artemis war etwas angeregt. Wenn sie abends in ihre Mansarde stieg, mutzte sie immer wieder an die alte Frau Gontard denken, di« in dem Du panschen Hause Licht gesehen hatte.
Sie glaubte nicht an den Spuk, die alte Artenns, aber sic war überzeugt, an diesem Hause klebte etwas wie Blut. Es war ihr unheimlich. Um keinen Preis würde sie seine Schwelle überschritten haben, und im Sommer, als dort drüben die Möbel und Matratzen in den Hof gestellt wurden und die Letten geklopft, schickte sie die rote Flämin hinüber, die mit ihren derben Armen kräftig die Bezüge drosch. Sie wollte nicht hinübergehen: sie graute sich davor.
Es hatte sich herausgestelll, datz der Rachlatz der orgu LongeorUe kleiner war, als man angenommen hatte. Die Papiere, die sich im Saft fanden, waren stark im Werte gesunken: das Haus, ver- nachlässig! und mit Schwamm behaftet, feucht und modrig bis unter das Dach, wollte niemand kaufen. Es lag ui unbequem. Und man war hierzulande abergläubisch ... Aber aus der Sorreipondenz ftrau Longeoilles mit einer Marseiller Bank ging hervor, datz sie in den letzten Jahren spekuliert hatte, und nicht immer mit Glück
.Was für sonderbare l-apicre Ihre Tante aber auch genommen hat", sagte der Advokat. „Der mag ihr nur dazu geraten haben?"
..Sie sprach mit mir oft von einem Berater in Marseille", jagte Odette
„Das mutz ein schöner Narr gewesen sein", sagte der Advokat ..oder em Schun. Solchen Dreck kauft doch niemand. E? gibt bestimmte Papiere, die m der ganzen Seit niemand kauft wie solch« olle Damen. Die Bonk sollte sich schämen, ihr bogt geraten zu haben."
Aber der Bankier schrieb, er habe sich selbst gewundert. datz Madame VongcnifTe solche „muhni*
gen" Aktien gekauft habe. Sie habe ihm die Auf- träge aber gegeben, und er habe sie ausgeführt, mehr konnte er nicht tun.
In dieser Korrespondenz befand sich ein Brief der alten Dame, worin sie schrieb - ..Ein Freund von mir in Marseille rät mir dringend, diese Aktien zu kaufen, die noch sehr steigen sollen "
Es roar eine Parfümeriesabrik. die bald nachher Bankerott machte Offenbar hafte diele Fabrik Schlepper gehabt, die gegen Entgelt Aktien unter- brachten. Aber wie war ihre Tante an solche Leute «kommen f Im Safe sand sich fein Silber mehr Do hatte sie dos kostbare alte Silber hingebracht.'
Odette entsann sich, vor Weihnachten, ehe ihre Tante nach Rizto reifte, einmal dazugekommen zu fein, als sie do» Silber einpackte, um es brr Bonk zur Aufbewahrung zu geben. Odette hatte ihr noch geholfen. Sie fand das sehe vernünftig, denn dos Haus blieb unbewacht.
Hatte Frau Longeoille das Silber tatsächlich in bas Safe getragen ober es mitgenommen auf bie Reife?
Der übrige Nachlaß bestand aus vermotteten Möbeln und verbrauchter 'Lösch«. Es war. al» hab« sie alles Loftbare fortgefchofft ober verkauft. Aber in ber Stadt hatte fi« nie ein Stück verkauft. Wohin war alles gekommen?
Dieses stille Haus verbarg ein Geheimnis.
Man hotte Frau Longeoille auf dem Kirchhof begraben, und Odette hatte ihr ein schwarzes Marmorkreuz fetten lasten. Dec Zufall hatte es gefügt, datz nur noch eine Grabstelle neben Madame Gontard frei war, und so tarnen die beiden Frauen, bie sich nn Leben aemieben hotten, und an demselben Tage gestorben waren, noch ihrem Tode nebeneinander, in dieselbe Reihe.
Wenn Odette Blumen auf bas tflrab ihrer Schwiegermutter brachte, tot ihr bas leere, ver Offene Grob ber Tante, um dis sich kein Mensch kümmerte, immer leib, und sie steck, an paar Bla men in das Wasserglas '.wischen dem Efeu. Und jedesmal glaubte sie, die alte Dome zu sehen mü den iwi.geöffneten Augen und dem ent festen Aufdruck eines Menschen, der etwa- Schreckliches sieht- Sic hielt sich nie länger an diesem Grob? auf.
sForisetzimg folgt.)
Nr 204 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhessen)
Donnerstag, 50. August 1928
Schreckschüsse, elektrische Schläge und künstliche Brände. Wie die Polizei ihre Beamten aussucht. — Verkehrsstörungen im Laboratorium. — (km schmerzhafter -Dkutprüser^. — Polizisten sollen Humor haben.
Ttcn Karl (Hillbrück
Unter THtt irbctter hatte Efelegenhest. Dr 3.® Skulle Dozenten brr Deutschem Hochschule für 2nbc<übun4ew. " feinem psychotechnitchen Caboeatonum tu Cpanbau aufzusuchen und dort rtnigr Apparate au erproben bie ber Vrihmq Mm VpIuci- beamten Mene*
Tfcr mit ben Gnrrichtungem be» deutschen Pv- lrierwtll s nicht genau vertraut ist, wirst er- Iwrocken zuIammenlahreo. wenn er von eurer „Hvlterkommer der Berliner Pvli- bort ®r wird entfett fragen, vb <* auch m Druttchlaub ettoai gibt, was ndl dem beruch- tvaxtix . Ik-rbbr dritten ibrabe*' tn Amerika oder »rnt den TTtet hoher. der zgr-sttschen Poki-ei. dem ■Jterbd4)hgcn cm Geftändni» odzuprrisen. zu ver- alcichen tei 21 ber die .Polierfammer. von der Jpct stie Ttehc t1i dient nichk dazu die .schweren 3un- aeno vom Betliner Dedknug au peinigen, in ihr werden vielmehr de jungen Leute norgetiom- men bie sich dem schweren Teruf eine- S 4) u tz- pnliAi tten toidaicn wollen und vor ihrer 2hn- nrhme fefrr gründlich auf ihre körperlichen, fee- kifchen unb geistigen Sigenfchasten untersucht wer- den. Da eine solche mehrstündige Pf hcho- technische Sionungsprüsung grobe An- fnrberungen <w ben Prüfling stellt, und da sie ferner nicht ganz ohne .körperliche Mitzhavdüm- gen Schwergeprüften au-zusuhren tft. wurde Der früframn. ber tm Berliner Polizeipräsidium untergebrach« 'st. ht den Kreisen ber Gingewrihtcn unter dem Romen einer TEarterttammer bekannt Die nettten Prüfverfahren linst von bem Pfhcho- logen A DSchUlte erfonnen. in dessen pspcho- technischen Laboratorium c4 wie bei einem moder» neu Hroenmeister ou-fieht Auf mist unter ben T.tfd>en befindet sich ein rief ge« Vager Appa- raten oller Art. die Wänste kinst mit lehrreichen TWbern imh Tafeln i rbedt aus denen man anschaulich die örgebnille non Lchulteg Forschungen überblicken kann. TI eben den vielen Prüfmethoden, bie Schulte erdacht ha um die sportliche ober berufliche CMgnung eine- Menschen seftzuftellen. bat der noch ziemlich junge Forscher auch mit 'Arbeiten über die Psychologie der Ttellame beschäftigt. um seft-uftellen, ttne bestimmte Plakate ober ähnliche Propaganstarntttel auf ben Tbe- schouer wirken Die Dersuche. die in feinem Labo» ratmium für diesen Zweck angestellt werden, find feeilich nicht so .grausam" nn» die PriifmethoPete stie ein zukünftiger Poltest an sich vornehmen lassen mutz.
ttinächst wird ber angebenbe .Schupo" einer atunMidten ärztlichen LInteiluchung unterzogen. The Sehkraft prüft an Apparat, mit dem man eine Metallspche ganz genau auf einen bestimmten Punkt ein fiel Jen mutz, um sterau-zusrnden. ob der Drüfllng dn gute» Unterscheidung-Vermögen für Harden besitzt, läftt man ipn bunte Zahlen au< einem gan^ bunten Untergrund herauSsuchen. von bem sich bte Ziffern kaum abbeben; wer das Tlicbcrfanen eines Heinen Hammer« auf grosse Ontfenumgen noch vernimmt, beweist dadurch bie Schärfe lerne# Gehör-. ®m 3ugtraftprü|er. dessen Hauptbestandteil eine starke Heber ist. gibt nicht nur ein Matz für die absolute Grösse der angewendeten Äraft. fenstern xcigt auch, welch? Ausdauer ber Prüfling bei Per Leistung einer log. statischen Arbeit besitzt. ähnlichen Zwecken bient der Hubkrastprüscr. bei Dem ein Gewicht mit wagerecht au-gestrecktem Arm möglichst lonac gestalten werben soll Für den Tkr1cbr*polüt1ten ist e- sehr wichtig, aus alle Vorgänge rasch durch eine entsprechende Handlung zu reagieren; die entsprechende Gigenschaft nennt man in ber Tdiffenschast .persönliche Gleichung' oder, volkstümlicher auSgestrücki. .kurze oder lange Leitung". Um sie feft&ufteuen. benutzt man einen Apparat, bei dem ein sterabsaUenber Stab möglichst rasch durch einen .Fingerdruck
bei Prüslmgs. der eine Bremse in Bewegung setzt, auf gehalten werbe?- soll Der G«annnatt>r ertaubt Heb gewölNüub die Losung dieser Ausgabe dadurch zu äfdbtoercii. dc 1 er den Prüfling mir haonlofen Gesprächen von tx m i'evorstebensten Omgnr# ablentt Sieb’ der Polizist im Ctr öfter. • gewühl. so mutz er die richtungtZcbenden Tlrmbr- wegungen ben Berte: riorhermffen anpaikn, ob er dazu Talent ha«, zeigt cm sog .Re»-- breit s ür Zuvrdnungsreaktio n und Mehrsachhandluug". ein stehendes Brett- chen mit Glüst-'ampen m fünf verschiedenen Sorben. bei deren abwechscIndem Aufleuchten ehre entsprechende "Dewegui g au erfolgen hat. ca>a ein Kopfnicken, ober da» Sieben de» rechten Armes oder Tcine». Um sich r.un zu vergewissern, bah der Schupofanbibat nicht leicht zu erschrecken ist. lätzt man zwft<^ndurch Hupen ertönen. Schüsse abfeuern. Blitze das Zimmer durchzucken. und wer dabei fe-ne Auhc nicht verliert.
und vtanstbasrigkeil erweist sich durch das Ber- halten an einem Instrument, dessen zwei Hand- griffa sehr unangenehme elektri scheSchlä g e <rte len, sie sind mit den Polen er.ie# TynamoS verbunden, unb es wird bei der Prüfung stoch bewertet, wenn der zukünftige Pvliz'.st biefe Griffe nontmen mirb. dass ber Prüfling fast stete- bei bitter Getegendctt furchtbare ckeltchter schnei bet. die dem grausamen Graminator vlnlafi zur Heiterkeit geben Hat man b-.efe .modernen Därmen» schrauben" hinter sich, so werden bem Gefolterten die Augen verbunden, in feine Hand wirb das Onbc eine» UebertragungSfhfteins von Hebeln gelegt, unb bann feuert man plötzlich hinter ihm einen Schutz ah. der Lchreck. der ihn dabei befällt, macht sich in einem plötzlichen IusaBnmenfastren bemerkbar dessen Grötze an einem anbr-ren Hebel- ende durch eine ^chreistvorrichinng genau ouf- ge*eichnet wird
Gin Polizist soll fäptg fein, schnell -zu beobachten, nur kurz sichtbare Zeichen, wie Autonummern oder DAogenaufschristen. rasch zu ertennc:-. und auch bitte Gfaenichaft mutz natürlich geprüft werden GS wird ihm daher ein sog. „Xad>i stok0 p" oor gelegt, in dessen AuLschnu: für Bruch eile einer Sekunde Zahlenreihen oder Puch ft obenf eigen erscheinen, die der PriisUng erkennen und behalten soll. Hctt ber Äanbibat alle btefe Ausgaben < 11 r xS;:>riebcnhert g weg noch nicht beendet E-e w-rd ihn, nun bie eieichnung ernc# Labyrinthe» »orgekgt. in dem er ben Drg von acht möglichen AuSgangspuirtten AU einem Gndpunft finden soll. Denn er diele« Aätfel gelöst £at. zeigt man chm einen O rt #- plan ober eine WohnungöslizAe. die er einige Zeit betrachten darf, unb bann au« dem Gedächtinb möglichst sehlerlo« nachzeichnen mutz. Darauf mar. eine An zahl Photographien. die ihm wieder fort genommen werden: er erhält dafür einen Stotz anderer Lichtbilder. unter denen er die Photographien der Personen, die ihm schon gezeigt worden sind. sterauSssinden mutz: denn jeder Polizist soll natürlich ein gutes Personengedächtnis hoben. Mrd ber zukünftige Schutzmann auch befähigt fein, plötzftch auftretende Berkehr-schwi. riglettrn duvch entsprechende Organisation au beiden? Man versucht c». feine Qngnung für d.e'e Ausgabe festAustcllen. indem man hn bittet einen Plan für die Organisation eiiwS Sportfestes bA Schupo oder für die Aufstellung von Polizeiposten an einem grossen DerlchrsknoteTrpunkt zu entwerfen Praklifche Befähigung für feinen Beruf zeigt ein .Kandidat, wenn er eine Reihe hintereinander au-zuführender Aufträge unter möglichst geringem IDeg- und xteitauftoanb erledigt.
Ö6 tft nicht leicht. Schutzpolizist zu werden. Der Prüfling mutz nach all bvefen Anstrengungen
noch einen auAführitchei Bericht über ein Verbrechen schriftttch ausarbeitett. bot ihrt kur, vorher arid). Ibert worden 'st bem erzählt man ibm .ine Reche mehr oder ■ttnb.'r fchwcr.n Ttergrixit und Aerbrechen und e* ist nun lerne Aufgabe, die schwersten und dtc merager wich- ngen Untaten nach ihrer Bedeut.mg zu ordnen, um dadurch *u Verrätern, ob er gerecht tu denken versteht. Schftetzftch tragt man tont einen Streit aufgeregter Oeute vor unb überlast e* bem x and, baten, diesen Äonfltft mit so nif’ Humor we er eben aufbnnge« kann, au schlichten Polizisten sollen Humor haben. auch wenn man fte gefoltert hol. 'SXnm wer
den gckähriiche tuattonen erdichtet, um de n PrAltng (MagcnbcU zu geben, fahre ^etsteS- iTegceoaxt au erproben und au zeigen, wie er ftch - utz gdäbri: jxuSagcn befreien Ipürbv- Schliesslich gxbt e* zw 'ch^^urch noch einen fidnen. fünft- ltch berpcrgcruXmen Brand, be: dem ein ent- • unbetcr Lelluloibltreften eine 1 TVruutfanf $ur *S<pln(u)ti au bringen dropL nvnn die Gefahr ncht schnell ge nto befetrigt wird Hat sich X*r ..mnüe auch durch den ziichenden Dalferdarnpf Hindu rchgearbeitm. der de t.öscharb<n'.en c.- schvorrt so fragt man ihn freundl7-ch. ob er wohl die Prufuna gut beftanX-n habe um feine Selbstkritik beunrtlrn zu kdnnen.
Vom Iugendgenchtsgeseh.
Von ^llamdrichier Amtsgerichtsrai frraty Gros in Gießen.
Rachdrock verboten !!!•)
Selbst itn iraUr einer oreispiachung bat da» et- kennend' Gericht stet» noch zu prüfen, tib für den lugendi'chen .'IngeMagien ^.rziehung^matzregetn er- forderlich find. 'be,aht e- diese jSrage, fo bat ee nach dem Iugendgencht»gesetz entaxber felbft die Er- uebiinflimaftregein anzuordnen oder au»tzusprechen, dass da-* Vormundschaft ^geeicht solche Matzregcln an- zuordncn hat. Letzteres ist an die Forderung de^ Jugendgericht» gebunden. Da» Gesetz gebt hierbei von dem Gedanken .:ii», datz da» Jugendgericht, vor dem bie gesamte Beweisaufnahme stattgefunden bat. die Perioiillchkeit de» Tater» bereit* genau tennengelernt hat. E» wird also unnüle Poppelarbctl ncrimeden, sowie die Moglichkett. datz der Bormimbschaftsrichter eine andere Entscheidung al» bas Strafgericht trifft, unb datz nicht durch sich Widersprech'Mbe Entlch.1 düngen das Zlerteauen be» Bolles in die Tätigkeit ber Gerichte eine Trübung erfährt, d» kann deshalb immer nur wieder die Forderung erhoben werden.
und ixuriorgcrtdiier stets möglichst hie gleiche Persönlichkeit sind, von ber bie genaueste Menntnie ber einschlägigen Verhältnisse zu verfangen ist. Tann — unb nur bann — kann mancher Fehler bei ber Behandlung Jugendlicher vermieden werden.
Hier fei .zwischendurch eine Bemerkung gestattet Derjenige Staatsanwalt w>rb der beste fein, her nut seinen Anklagen bie wenigsten Freisprechungen erlebt Man nerftebe mich rich.ig xur solche Personen sollten angeklagt werben, von deren Verurteilung ber anflagenbc Staatsanwalt oon vornherein überzeugt ist. Dieser Satz gilt mehr noch al- im Strasprozetz gegen Erwachlene in hem Verfahren gegen Iugenb- I'chr, für bie ohnehin Erziehungsmahregeln gegeben smb cclbftoetttänblid) kommen aum Grenzfalle vor, in benen bie ÄUg. meinheit einen Anspruch barauf hat, bah bic Entscheibung über schulbig ober nicht- schuldig von ben ordentlichen Gerichten m öffentlichem Verfahren erledigt wirb, unb bah l icht etwa da? Verfahren durch einen unoeröffentLäjcn Ein- ftellungsbeschluh ober eine ebensolche Luherversol- gunalctz.ing des ÄnAellagten gewis,er mähen in ber Bersenkung verschwindet. Ein solcher ?fall flnnte Misstrauen in bie restlose Unparteilichkeit ber Straf- behörben entstchen lassen. Daburch wäre niemanden geholfen, der Justiz aber wurde größter Schaben zu- gefugt Die Grunblgjse eines jeden Staate» bildet — mögen auch tausend andere nützliche unb nötig. Dinge hin,zuzukommen haben — boch einmal bas Recht Wer ba glaubt, in feiner Jugend falsch behandelt worben zu sein, tragt biesen Stachel vielleicht sein Leben lang in sich. Wir olle wissen es: Eines strengen aber gerechten Lehrers wirb oon sein«. 5d)üfrrn gern noch im Alter bonlbar gebucht. Wehe aber bem Richter, von bem rin Iugenblicher, her not ihm geflanbrn hat, a’auben mochte, haft er ihn mit falschem Maß gemrffen Hobe. Der f-inge Mensch könnte sein Vertrauen in die Rechtspflege und zur Gerechtigkeit für immer verlieren
Rach dieser kurzcit Abschweifung will ich nun auf bic im Jugendstrafrecht feftflclcaten Erziehungsmaß- regeln zu lprechen kommen, auf bie im Rahmen bes Strafverfahrens nur bas crfcnncnbc Gericht eine Entscheibung treffen kann. Halt bas Gericht Er-
*> Bg1. „Giehcner Anzeiger' JIt. W und 202 vom 25. bzw. 2h. August.
ziehungsmahreaeln allein nicht für ausreichend, so muh cs den Angeklagten in Strafe nehmen, b h. ihn in eine Gelb ober irrtibcit»,träfe verurteilen.
Erziehung» maßregeln lind aber keine Strafe unb fallen.reine Strafe fein, mögen sie auch tm Einzelfolle von einem Betest ich en al» folwe empfunden werden Uturr fernen Umftorvbcn will das Iugendger'chtsaefetz durch ihre Anwendung an dem jugendlichen Miffetoter eine Rache für begangene» Unrecht ausuben. Deshalb tft eine körperliche Strafe als Erziehungsmittel dem Strafrecht unbekannt, fo fehl sie auch - theoretisch - z. B. hei boshafter Tierquälerei, Sittlich- fctl»Dcrbrcd)cn und ähnlichen Delikten, bic auf eine fafl tierische Roheit bes Tater» schließen lassen, von weiten Bolkokreisen. wie nicht verschwiegen werden 'oll. für wiinschen--w.it gehalten wirb Im 5tinlr--mi ist die körperliche Züchtigung, wie gesagt, nicht an wendbar lieber ihre etwaige Anwendung in Er- ycbungsanftalten tWrb an anderer Stelle zu reden sein.
91» zulässige Lrziebungsmaßregeln kennt bas Ge se«' 1 bic Berwarnung. 2. bie llebermcifung dc-.- Juden blichen in die Zucht der Erziehungsberechtigten tEttern, GrotzeUern, des 2farmundes> ober ber Schule, 3. bie Auscrlegung befandercr Verpflichtungen, 4. bie Unterbringung (Familie, Handwe.' 'nestt. 11, 5. Die Schutzausstcht, unb schließlich nn äußersten Falle f* die Fürsorgeerziehung. Aus bic einzelnen Maßregeln werbe ich bemnächst in einem weiteren Aussätze zu sprechen kommen.
Wirtschaft.
Die Deutsche Bank über Börse und Geldmarkt.
3m AugustHefi der „Wtrischaftllchen Zuteilungen der Deutschen Bank' weist die Deutsche Bank darauf hin. dass die Engagements, be schon un 3uli zurückgegangen waren, im August noch weiter aogenoirmtcn hätten. Ohne Erleichterung auf dem Geldmärkte, dessen Sätze für Xermrn- geCber hoch hHeben und feine Anlpaimuna genügend kennzeichneten, sind durch be rü(Häufige TdirtfchaftSbewegung noch nicht einpeTOeten. Da Me sa^onmähigen Ansprüche seitens der Landwirtschaft sich zusätzlich bemerkbar machen TfaA Mehrerträgnis der diesjährigen VrtreideeriUe dürfte mit rund 2 Mill. Tonnen angenommen werden. waS zum heutigen Preise i»erech.iei. Mehreinnahmen von 4OJ bi» 500 Mill. Mk bedeute. GS bestehe dabei begründete Auestcht, dass in anderen landwirtschaftlichen Grzeugtnlskm noch grdßere Mehrergebnisse ringedrocht werden. 3ur Beurteilung der vorstehenden Ziffer wirb daraus htergewresen. daß fSmsttche von der Stairftif erfaßten beuriepen Aktie.Gesellschaften 1927 cm ganzen 743 Mill. Mk. an Dividenden <rn-geschüttet hätten.
Ucber die Loge de» Aeuhorker Geldmärkte- wird gesagt, baß die 20ttbtfät bei Federal Reserve Board auch in deutschen Wirt- schaft-treisen starke Beachtung lmdet. Der Federal SefetPe Board hat noch den fahr erheblichen Doldabslüssen in do sein 3aiyer. bic die ganzen Doldzugange der kpleu fünf Jahre absorbierten. Brierginsfe. datz für die Grntebew-gui^g in den
Verhängnisse.
Vornan von LieSbct Dill.
Copyrighl by Martin Feuchtwangcr, Halle (Saale-. 13 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Die Juristen kamen nicht mehr m sein Haus, bas Tl.hiar batte lich an den Bahnhof verzogen in das Cafe de la Lunc. Run. an ben Soldaten lag ihm nichts, unb auf bie Iuriften war er schlecht zu fvrechen. Aber bic anberen ... Der gute Ruf bes Hauses Gontnrd hatte einen bunften Fleck bekommen. Den wischte nichts rot eher weg .
Eines Abenbs gingen sie burch die Selber, unb Charles kam auf bas alte Thema zurück beim An- blick tws Jtoufcv Longeoille, bas mit gcidjloffencn Laben am Dalbranbo auf einen Staufer wartete.
„Du mußt nicht ungerecht fein', tagte DbeUc. „Was fassten sie denn tun? Denn cm Tiorb geschieht. müssen fic noch dem Täter suchen mit allen Misteln. Unb ich war tatsächlich bie letzte, bie mit meiner Tante gesprochen hat."
Sie sprach ost von biefem Abend, als sic herauf- gekommen war in da-- dunkle Haus und ihre Tante ihr selbst bic Gartentür aufgemacht hatte. Sie hatte Erdbeeren eingemacht ..
..Unb von bem Priese hat sie dir nicht» erzählt?" fragte Charles.
Er hatte bas schon einige Male gefragt, und Obctic hatte immer geantwortet:
„Rein, von dem Briefe hot fic mir nichts gejagt."
Er fenkte den Kopf. Weißt du. Odette, mir ist immer, als ob der Mord mit biefem Briefe zu- lammenhange ... und mit dem verbrannten Pa- picr. bas man im Kamin fanb ..."
Odette schwieg. „Es tonn fein", fogte fic zec streut, unb schaute nach dem stillen Garten hinüber. Die Dusche drängten sich schwer über ben morjdxn Saun, ber an einer Ecke zusammengebrochen tm Grase log.
•Ar» wäre Lest, baß sich einmal jemanb um ben Garten kümmert", meinte sic.
.Jlönnleft hu bas, wahrhaftig^' fragte Ehorlcs vernnmbert.


