Ausgabe 
30.6.1928
 
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Nr. 152 Sechstes Blatt

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Nach Stabilisierung des Franken.

Außenpolitische Umschau.

Don Lr. Otto Loehsch, o. Prof, der Geschichte an der Universität Äerlin, M. d.

Die gesetzliche Stabilisierung des «ranken, beschloßen durch Deletz nom 25 Juni, ifl ein Vorgang von großer Bedeutung W-rdec »nmal baden sich die Bedürfnisse unh Gesetze der Wirtschaft al» stärker erwiesen, gegenüber Hnem politischen Willen, der noch anderer Aich. Frtfl gehen wollte. Denn Poincar,- hielt lange ran fest, daß der Frank .revalorisiert', b aus die alte Grundlage Aurückgebracht wer» den ntksse, unb er behielt sich den letzten (Snt- kchlust ba*u au- innen- und auhcnpolitischen Ge- LchtLpunkten vor, schob ihn immer weiter hinaus. As war klar, dah die Revalorisierung des Franken nicht möglich war. Unb Poincar»- hat sich, »ie er ja in seiner groben Rede offen und ein- drucke voll ou-gesühit hat. dazu burchringen Güssen, bah bas nicht zu machen war Da» an- «wmmene Gesetz seht für bcn Frank, ber vor jem Kriege einen Wert von 320 Milligramm Hold hatte, 65,5 Milligramm Gold fest, stabili- irrt hn gesetzlich also nur zu-m 5.2e i l sei­le» BorkriegSwertes .Zwischen diesen »bcn Zahlen liegen 14 Jahre Welt- Mschichte", schrieb ber .Figaro" ba^u. Dieser Satz Gewinnt mir bann einen wirklichen Sinn, wenn man auch in Frankreich sich an der Tatsache der (heruntersehung des Goldwerte» be» Franken ine Frage vorlegt, toa» nun eigentlich in finan­zieller Beziehung au» dem Kriege gewonnen tt. Auch Frankreich geht verarmt, mit finan­ziellen Verlusten, au» biesen 14 Jahren Welt­geschichte hervor, denen nicht zuletzt gerade Vv i nea r 6 bcn unheilvollen Änstoh gegeben

Die Debürfnisse und Gesetze ber Wirtschaft beben jetzt diesen Abschluß erzwungen, nachdem kV Frank tatsächlich schon seit 1'.', Jahren stabil t*r. R jemand bestreitet ba» grobe Verdienst, he» sich Poincar^ mit ber Stabilisierung erwor- len bat. auf die er nun widerwillig den letzten stempel mit dem Gesetzesart der Rückkehr zur tiolbtoäbrung drücken muhte. Frankreich ist so ziemlich da» letzte Land, das diesen Schritt hfl. Die unmittelbaren Folgen sind im Innern iOdj nicht abzusehen Wahrscheinlich ist Preis- (tfig-rung und Absatzstockung. aber in diesem vonbe, das in Europa die weitaus günstigste Ustrischaffsstruktur hat. wird da» sicherlich schnell überwunden werden. Das Land ist in der Haupt- che finanAtcll wieder in» Gleichgewicht gebracht Und die Krisis der französischen Währung als ne auch dort eintreten de KriegSfolge ist über- en worden, ebne das; die Hille des Aus- Ifrnbe», Amerikas, dazu in Anspruch genommen Ul werden brauchte. Ein Blick auf den Devisen- trat der Bank von Frankreich, ber jetzt burch Nc gesetzliche Stabilisierung bes Franken auf VJ eine ungeheuere Aufwertung erfährt, xeigt, Bit recht die hatten, die in ber stärksten Kris« wch gegenüber bcn gierigsten unb sinnlosesten .1«parationslorderunaen Frankreich» auf bessen iimstige Wirtschaftsstruktur unb grobe innere Hilfsquellen Hinweisen.

Damit gewinnt der Abschluß ber französischen Währungskrise nun eine immer stärkere außen- poli tische Bebeutuna. Man barf nicht ver- irflcn, wie ba« in Äorba meri ka wirken kiuh. Man wirb bort fragen, warum Frankreich ' ch so sehr sträube, seine Schulden an Horb-

Aerika in Ordnung zu bringen durch Anerken- mg eine» Schuldenabkommens, ohne bas Rord-

merifa zu weiteren Schritten gar nicht zu be- Degen ist, und warum ein Frankreich, bas Diese Sinterung fertigbringen konnte, sich einer ver- nnltigen, '.nirttckiaftlich zu recht erligenhr D.hind» ing unb Girdlösung des Reparation-Problems übersetzt. Wir trauen Poincar^ bie Ginlicht u» zu. bab er bas voraussah, unb bab , gerade deshalb die gesetzliche Stabilisierung K Franken so weit wie möglich hinausschieben 39(1 tc.

Run legt dieser Ausgang, zu dem er sich ge- pnmgen sah. der deutschen Regierung :ie Verpflichtung auf. sich unter reinen 11m- rnben verleiten zu lassen, auf bas. was man He Ibee von Thoirv nennt unb was heute paincars auch noch vorschwebt. einzugehen. Jetzt örtnte e» ihm erst recht und doppelt passen, durch röt Mobilisierung der deutschen Obligationen röfn größeren Posten Geld in die Hand zu be- bemen, um Damit heraufziehenbe DrudenDe Der- >sLichtungen an Rordamerika abzubecken unb das p»ze Lchuldenabkommen weiter hinauszuschieben rt bamit eine grunbsätzliche Revision des Repa- rbonsproblcmS überhiupt. Lür niemand, der is Zusammenhänge wirklich ourchdenkt. kann es t<1.clbaft sein, dah Deutschland heute durch- :is keinen Grund Hit, sich auf diesen V<g locken zu lassen! Ss würde sich Zusammen- üsgc und Ansichten zerstören, die im nächsten Iripjabr voraussichtlich grciibarc Gestalt an- ihnen werden. DaS Rheinland wird auch be- Nkifen. warum größere unb weittragende Inter» ,1 en Deutschlands ihm jetzt verbieten, in itfe Dahn einzulenlen. an deren Ende die lHumung des Rheinlanbe« auch noch nicht cin- Ul sicher in Aussicht stünde..

Dann pber wird die Position Poincar«!-» inner- hltUd) noch mehr erschwert. Denn dann hat r seinen Gedanken mehr, um eine Verständigung Kl Deutschland weiteczuführen, so toic, sie ihm vischwebi. Dann erscheint er immer stärker Der f«izösischen Linken als ein Hindernis auch in europäischen Politik. DaS wird an sich nicht b >ehr viel bedeuten, wenn nun nicht al» weiteres stgebnis der Frankenstabilisierung. derBu r g- reden unter den Parieren seinen Sinn ai seine Kraft verlöre. Man beobachtet ja ft in der Politik, dah für einen Staatsmann toibe auf der Höhe einer eben befestigten tenbar unerschütterlichen Machtstellung saft ILxr Rächt der Umschwung und Ab- >«rz beginnt Poincarö hat mit feinem Pro- 19nm einen ungeheueren Sleg in den Wahlen rfi 2lpril davongetragen, unb er hat mit einer ti^ofanten Mehrheit schliehlich die Stabil!- Jkxung der Währung durchgesetzt, zu der er sich : drängt sah. Sofort aber beginnt die Auflösung, iw 5mge erhebt sich in der Kammer unb unter id«n Parteien, die noch weniger al» jemals äon fest kristalisiert haben, ob der Weg nun

i ch rechts oder nach links führe. Dank- mäeit ist kein Artikel, der im Parteileben De- ciLmng hat Man wird sehr bald nicht mehr n Poincares Verdienste denken, sondern von

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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhcsien)

Samstag, 30. Juni (928

2U<$t» und L.ntt gegen chn anftürmen. Jetzt 22 »rosten Fragen ber 3nnrn- und Austen- bouhf. die in Frankreich nun auch nach Lösung verlangen, nicht mehr mit der .Forderung der nationalen Gm.gkeit zurückzulchieden Die neue Kammer wird auch in Dieter Beziehung eine neue Zeit beginnen. Wir wagen noch nicht zu propbeze-.en ob darin Aussichten auf eine ge­mäßigtere Politik Frankreichs bogen oder nicht, aber das politifch-parlamentarische Frankreich wird in der nächsten Zeit doch wohl ein an­dere» Gesicht annehmen, als wir e» bisher an ihm zu leben gewohnt waren Dast ein Mann non Der Snerg-c und Fähigkeit Poincar^» s-ch nicht ohne weiteres über den Haufen werfen labt, ist ober auch klar.

V*ber _ diese Auseinandersetzungen und die weiterzurückliegenden der Wahlbewegung hat auch Frankreich die Austenpolitik etwas m den Hinter- grunb treten lasten. Man hört von Dr-.and kaum etwas, nicht» von ihm in bezug auf Den Wetterwinkel in Südc'ieuropa. mit der Auf­regung in Belgrad, der Hepihon»ftimmung und -Bewegung in Ungarn, der italienischen Politik irn Südoften. ber Kleinen Entente. Diele hat sich auf ihrer Bukarester Zusammenkunft in schärfster Weste gegen die ganze Revifion»- bewegung ausgesprochen. Da» '.st aber auch da» i n 6 i g e . toa» diese drei fest zulammenhält. deren Interessen und Tenden^n nach ganz ver­schiedenen Richtungen auseinandergehen. Gerade, je mehr sich ihre Glieder konsolidieren, um so mehr werden sie gezwungen, selbständige und eigene Wege zu gehen

Wir möchten dabei, trotz der ernsten und schrecklichen Vorgänge im Belgrader Parlament Die Krise in bezug auf Jugoslawien doch auch nicht übertreiben Die jetzige Bewegung zeigt erneut Dem König, ber Armee und Den Politikern, die nun allmählich auf serbischer Seite sehen lernen müßten, wohin die mechanische

Befolgung de» Testament» be» verstorbe-en Pa­sch i t s ch führt, des Programm» nämlich eint» Zentralismus in Belgrad, der b< . Aist- gaben Jugoslawien» w>e es heute geworden ist. einfach nicht gerecht werden kann. Diese Ver­kennung führt, w.e man lieht, zu Erschütterungen aber schwerlich in Bewegungen bis zum Aus- e-.nanberlan und AbfaN nom Gelamtstaate Ome in dieser Beziehung zu Reformen vorwärts- gehende Belgrader Politik aber w rd hd* um Io eher zu Gntlchlülsen durchringen können. Die für Jugoslawien notwendig und heilsam sind, wenn he die Sicherheit gewinnen könnte, dast ber Frie­den dort nicht nur durch die Italienische Politik und den Wettlauf ber Grsstmächte auf der Balkanhalbinsel gestört wird. Denn selbstver­ständlich liegt da» stärkste A.-gument für einen Zentralismus der alten Art Darin, dast er al­lein unter Führung deS serbischen Element» Den Staat fest genug zusammen- fassen könne in der Selbstbehauptung nach aufien. Damit wird in gewisser Weile diese» Problem im Innern zum Problem ber Außenpolitik unb e» mündet ein in die Frage, ob eine fron- zösisch-italie Nische Verständigung überhaupt denkbar ist. Darüber hat Driano feine Gedanken und er hat ja auch erste An- läuft dazu gemacht. Poncarr beschäftigt sich schwerlich mit dieser Frage, aber bisher, seit den Wahlen vor allem, ist er doch immer mehr auch ber Exponent der Außenpolitik Frankreich» geworden Er hat Mussolini geantwortet und er spricht, soweit e» in letzter Zeit überhaupt in Frankreich geschehen ist. über die Austen- Politik Die geschilderte Wandlung in der fran­zösischen Innenpolitik wird bann vermutlich auch auf diesen Zusammenhang zurückwirken, toa» toohi bedeuten würde, dah Driand wieder etwas mehr Die Hände für seine Gedanken und seine Politik 'freibekäme!

Geschichten aus aller Welt.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.

Die geschäftstüchtige Stimme aus dem Jenseits.

(m) Madrid.

Vor etwa Iahrcsjrift starb in Madrid der Roman­schriftsteller Ioss di Alvorez. Sein Name blieb austerhalb der Grenzen von epanien unbekannt, in feiner Heimat jedoch stand er feit etwa einem Jahrzehnt in großer Mode. Die Stadt Madrid stif- tetc also eine (Fbrengrabftättc, die Leichenrede hielt der Vertreter der spanischen Dichierakademie (im Lande der Drangen gibt es eben auch eine solche Einrichtung!) und der .Kultusminister sandte einen eleganten Ilranz. Am nächsten Tag brachten die spa­nischen Zeitungen ausführliche Berichte über die wohlgelungene Beerdigung und damit war die An­gelegenheit des verschiedenen Dichters einwandfrei erledigt. Die Freunde des Lerftorbenen gaben sich große Mühe, seine Braut, eine ebenfalls bekannte Schauspielerin am Madrider Staatstheater, zu trö­sten. Die junge Dame war aber trostlos, um so mehr, als die Bücher des Toten nicht so gut ..gingen- wie zu seinen Lebzeiten. Das undankbare Publikum vergaß gar bald seinen Liebling und die Bücher wurden überhaupt nicht mehr gekauft.

Bis eines schönen Tages, vielmehr einer denkwür­digen Nacht, dasWunder- aeschah, und eine Stimme aus dem Jenseits ertönte. Und zwar zeitgemäß durch's Telepon. Pünktlich um zwölf Uhr klingelte der Apparat im Salon ber Primadonna, die gerade das Abendbrot so nebenbei mit dem besten Freund des verstorbenen einnahm. Ahnungslos nahm sie den Hörer ab, da meldete sich zu ihrem Entsetzen der tote Bräutigam. Seine Stimme war dank der vorzüglichen TelephonanlaAen im Jenseits laut und deutlich. Er teilte zunächst mit, daß er im Him­mel recht standesgemäß empfangen wurde und gleich neben Aristophanes wohne. Dann teilte er feinerVerstossenen" mit, daß seine unge­druckten Manuskripte in einem Geyelmfach ihres Toilettentisches versteckt seien und bat um schleunigste Veröffentlichung der noch unoerwerteten Arbeiten. Dann verabschiedete sich die Stimme des Toten und vergaß dabei nicht, den anwesenden Freund schön grüßen zu lassen. Was einerseits be­weist, daß im Jenseits das Fernsehen bereits voll- kommen funktioniert und andererseits den Beweis erbringt, dah mandrüben" die irdische Krankheit Eifersucht nicht kennt ...

Die nächsten drei Tage nach diesem Telephon- gefpräd) hatte die Diva Weinkrämpse. Am vierten Tage erzählte sie den Vorfall sämtlichen Madrider Redakteuren. Am fünften stand der Fall In allen Zeitungen, am sechsten suchte und fand Mademoiselle die Manuskripte, und am Ende der Woche unter- schrieb sie Den Vertrag mit einem Verleger. Das miliernächllilhe Tclephongespräch bildet das Vor­wort des posthumen Werke», das in wenigen Wochen die zwölfte Auflage erreichte und feit langen Monaten den größten spanischen Buch- erfolg darstellt. Das half's. daß sich zwischendurch der Spaßvogel meldete, dem das spanische Publikum feineSensation- und die Primadonna ein glänzen- de».Geschäft verdankt? Sein Mensch wollte ihm Glauben schenken.

DieBcnutz'Rakele" von Florida.

() N e u y o r k.

Gründlich verfehlt wäre es. nähme man an, der europäische und insbesondere der deutscheRa- fetenrummeT sei in Amerika eine gänzlich un­bekannte Angelegenheit. 3m Gegenteil, je mehr man von Erfolgen oder Mißerfolgen vom j en (eiligen Gestade das Atlantik hört, desto mehr begehn der Nationalstol.) im Pankeelande auf, unb verlangt, die U. S. A. müßten, koste es was es wolle, ihren Platz als Führer auf dem Gebiete der Technik behalten. Hinzu kommt eine ziemlich starke Dosts von Einbil­dungskraft, die man dem Amerikaner für gewöhn­lich nicht zutrauen würde. Iedenlalls munkelt man ganz unglaubliche Dinge, die ba in aller Heimlich­keit hinter den Wänden der Erpenmentierfäle des Raketenmannes- Goddard vor sich gehen sollen.

Ad^r schließlich, hierzulande ist keine Sache viel wert, wenn sie nicht geschästlich ausgenutzt werden kann. Dos sagte sich auch Herr Roben E o n d e aus Tennestee, begab sich ins Land der Upperton nach Florida und begann in dem dortigen Myami eine groß angelegte Propaganda für die Weltraumfahrt. Er sammelte eine große Menge Geldes für den Bau einer interplanetaren Rakete, mit der er gleich zu- erst den Weg zum leuchtenden Lbendstern, zur Venus, antreten wollte. Als feine näheren und

entfernteren Freunde, es gibt deren etliche Tausend, aber das Wunderschiff sehen wollten, wußte ober vielmehr mußte ber gute Eonbe sie vertrösten, weil, ja weil er mit bem Bauen noch gar nicht begonnen hatte.

Da kam ihm ein glänzender Gedanke: er wandte sich an Den Magistrat von Myami, berief fich auf Jules Berne, ber sein Mondprojektil ebenfalls von Florida auffteigen ließ, und bat um die (Erlaub­nis, dieBenusrakete- an Ort und Stelle au bauen, um die Oeffentlichkeil. gegen ent- sprechend es Eintrittsgeld nat.irlich, Zeu- gin des entstehenden Wunders der Technik werden zu lasten. Der prosaische Magistrat hatte dafür aber unerklärlicherweise nicht das geringste Verständnis. Er verweigerte die Erlaubnis derZurschau- fteCung gegen Honorar- und riet Conde, er möge sich erst einmal auf der Venu» umtun. Wenn er bann zurückkäme, wolle man die Sache noch- mal» wohlwollend in Erwägung ziehen. So der Magistrat. Und Eingeweihte wollen wissen, die Mrio- mefer, die Eonde Aur Venus schicken möchten, glaubten, daß auf diesem sonnennahen Planeten der Pfeffer besonders gut gedeihe.

Da» Wanzenmuscum.

(v) Budapest.

Tine sonderbareEntdeckung", die hier allseits schallendes Gelächter hervorrief, hat eine Schweizer Zettung gemacht. Sie bringt einen Artikel, der sich Das iDanzenmuseum- betitelt, wobei u. a. den un­garischen Behörde der Vorwurf gemacht wird, sie hatten bei ihren Bemühungen, die Fremden durch Schilderung ungarischer Besonderheiten anzulocken, die Hauptsache vergessen, nämlich die Wanzen. Der Verfasser des Artikels, der übrigens streng wissenschaftlich gehalten ist, verwahrt sich energisch gegen den Verdacht, einen Scherz zu treiben oder gar spotten zu wollen und sagt wörtlich:

Ungarn interessiert die internationale Gelehrten- weit nicht al» die Heimat von Franz Liszt und auch nicht als die einer ritterlichen Nation, sondern diese Gelehrten wissen von Ungarn vor allem, daß es das beste, interessanteste und wertvollste Wanzen- museum der Welt birgt. Das Sammeln von Wanzen ist nicht einfach. Es gibt deren 14 000 Arien, unb das Budapester Nationalmuseum hat einer ent- sprechenden Sammlung zwei ganze Säle zur Verfügung gestellt. Wenn man diese Räume betritt, so sieht man mit Staunen, welch phantastische Arten von Wanzen es gibt. Da sind solche, die in allen Farben schillern, andere, die wie Hirschkäser aus­sehen. Nur ganz wenige erinnern an jene Tiere, die die nächtliche Ruhe des Menschen zu stören pflegen. Einige dieser Wanzen haben sogar Flügel unb sind,

wenn sie diese ausbreiten, so groß wie eine mensch­liche Handfläche Die fliegenden Wanzen tragen die Eier auf ihrem Rücken. Allein in Ungarn gibt es 1643 Danzenarten, von denen jede durch ein männ­liches und ein werbliches Exemplar im Budapester Nationalmuseum vertreten ist. Sobald ein Gelehrter irgendwo in der Welt eine neue Wanzenart entdeckt und Näheres wisten will, muß er sich an das Buda- pefter Nationalmuseum wenden. Die ungaNschen Re­gierungskreise wisten offenbar nicht, welchen Schatz das Danzenmuseum in bezug auf die Anziehung der Fremden barftellt.-

Die gesagt, sowohl Budapest als auch insbesondere bie Regierungskreise und mit ihnen das National- museum sind auf höchste erstaunt. Sie wußten es bisher wirklich nicht.

Die Rache dedtkrrürften*'.

Paris.

Dor etwa Jahresfrist erregte in Paris ein eigen­artiger Skandal allgemeines Aussehen: der in Frankreich ziemlich bekannte Schauspieler Pierre D a 11 o u r wurde auf eine Anzeige seiner Zimmer- Vermieterin hin ins Irrenhaus geschleppt unb einige Wochen dabehalten. Nach langem Hin und Her gelang es dann den Serteibigem des Akteurs, den Beweis zu erbringen, daß Daltour vollkommen normal und bie Anzeige ein Racheakt fei Der junge Mann hat eben die Liebe der alternden Dame nicht nur verichmäht, son­dern sie bei jeder Gelegenheit öffentlich lächerlich gemacht und mußte diese Frechheit mit dem unfrei­willigen Aufenthalt bezahlen. Der Sensationsprozcß. der mit dem Siege Daltours endete (die Frau im gefährlichen Aller mußte ihm einen nennenswerten Schadenersatz zahlen), war keine schlechte Re­klame für den Schauspieler, und so kam er auf die ausgefallene Idee, fein Abenteuer auchlite­rarisch- auszuschlachten. Er schrieb also ein brei­artiges OuignoUDramaMonsieur Legrain chez

les fou> (Herr Legrain unter Den Verrückten), in dem er in Form einer blutigen öatqre seine eigene Episode erzählt. Da» Stück wurde turzlich im Re- na:"ance Theater zu Pans r.ufgefubn, bie Kritik lehnte es einstimmig ab, unb Da* Publikum füllt wie in solchen Fallen sehr oft allabendlich Den Zufchauerraum bis auf den letzten Platz

Kirche und Schule.

H Manzenberg 25 Ium. Gel em nach­mittag traten Die Gelblichen De» Dekanate» Hungen unter Dem Trritn von Dekan Engel- vbbornDolen zu einer gu achten Dekanats- konserenz tufammen. die von Pfarrer G r a f - Gambach mit Lchrifilefuna und Gebet und mit gemeinsamem Ge'ang eröffnet wurde. Vor Ein­tritt in Die ZageAorbuung widmete Der Vorsitzende dem am 1. August in Den Ruhest and tretenden und nach Gießen verziehetlden Pfarrer Veckel-

20 Jahre in grobem «£<ycn wirkte, herzliche Ab­schied» wo rie Ir.> Mittelpunkt der Verdandlun- gen stand ein Referat von Pfarrer Ködding- U-berftaDt über .die urchristliche und gegenwärtige Milsion. ihre Motivierung und Lage' . an das sich eine rege Aussprache an chloß Vach Bekannt­gabe verschiedener amtlicher Mitteilungen tourbc Die Konferenz geschlossen

Hauptversammlung der hessischen Lehrerinnen.

WSN. D a r m ft a b t, 28. Juni. Die diesiährige Hauptoersan, mlung des Hessischen Landes Lehrerinnenverbonbes wurde durch die Mitgliederversammlungen seiner Landes- fachoerbänden an höheren Sdyulfn. des Hessischen Philologinnenverbandes und des Landesverbandes seminori,ch aebildeler Lehrerinnen an den höheren Schulen Hestens, eingeleitet. Die verschiedenen Fach- verbände, bie im Lehrerinnenheim tagten, behandel­ten die ihre Kategorien berührenden Sondersragen. Den eigentlichen Austakt zur Hauptversammlung bil­dete am Samstagabend im hiesigen Musikoereins­saal der Vortrag von grau Oberschulrätin Emmy Beckmann (Hamburg) über «Neue Fragen der Mädchenbildung", in dessen Mittelpunkt sie die alten Forderungen der Vorkämpferin der Frauenbewe­gung Dr. n.c.-Cange stellte, die höhere Dlubdxn- bilbung müsse der höheren STnabenbilbung pleichw.r- tig sein. Die Vortragende bejahte das '2lbitur für alle Lehrerinncnkatcgorien. auch der technischen Leh­rerinnen. Die Losung der Frage:Werden die in saft jedem Mädchen mehr oder weniger stark vorhein- ocncn praktischen, hausmütterlichen, pflegerischen und künstlerischen Anlagen und 9'eigungen durch die vor wiegend wistenschaitliche Bildung der höheren Schule nicht zu sehr unterdrückt", glaubte die Rednerin mit der Werkoberschule beantwortet zu sehen, gibt aber offen zu, daß hier das letzte Wort noch nicht gespro­chen sei. Unter den Anwesenden bemerkte man bei dieser Versammlung Vertreter des hessischen Mini- teriums für Kultus- und Biidungswesen, des Stadt- chulamtes, ber beiden Kirchenregierungen. der hesst- chen Frauenvereine unb ber einzelnen Lchrerinncn. vereine, die ber Tagung Grüße und Dünsche über­mittelten. Am Sonntag sanden bie geschäftlichen Ver­handlungen bes Lanbesverbondes statt, bie in dem Willen auf gemeinsame Vertretung der Interessen der hessischen Lehrerinnenschaft und ihrer Erzie­hungsziele geführt wurden. Am Montag und Diens­tag unternahm ein Teil der Konferenzmitglieber Be­sichtigungen oerschiebener Institute.

Vundfunkprogramm

de» Frankfurter Sender».

(Au» der »RaDio-Umfchau".)

Sonnlag, 1. 3a(1.

8 bi» 9.: Von Kassel: Morgenfeier, veranstaltet von der Svangelische-n Adventsgemeinde Kas'el. 11 bi» 11,30: Die Slternstunde. 12 bis 13: Don Kassel: Mittag »kontert. 15 bl» 16: Die Stunde der Jugend. 16 bi» 17,45: Don Heidelberg: Kundgebung deS Bundes der Deutschen So ar­vereine. 18 bis 19: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung. 19 bi« 20: Orgel­konzert. 20,30. Bunter Abend Anschließend bi» 0,30: Tanzmusik.

Montag, 2. 3ufL

16,30 bis 17,45 Konzert des Rundfunkorchester»: Französische Opern. 17,45 bi» 18,05: Die Lese- ftunbe. 18,30 bi» 19: .Wa» muß ber Winzer von der Reblausbeläinpfung durch Rebenvered­lung wissen?", Vortrag von Dr. W. Heuckmann. 19 bi» 19.30: Vortragszy!lus des LandeSjugend- amt» in Raffau: »Die Reifezeit der Jugend, ihr Wesen und ihre Bedeutung für die Eharakter- formung", Vortrag von Studienrat Dr Julius Wagner. 19,30 bis 19.45: Englische Literatur- Proben. 19,45 bis 20,15: Englischer Sprachunter­richt 20,15 bis 21,45: Kammermusik-Konzert. 21.45 bi» 22,25: Namenlose Bergarbeiter-Dichter. Anschließend: Spätlonzert des Rund'sunkorche- sters: Ioharm Strauß.

Dienstag, 3. Juli.

12,30 bi» 13,33: Von Kassel: Mittag-konzert. 16,30 bi» 17.45 Konzert drs Rundfunkorchesters: Operetten. 17,45 bis 18,05. Die Lesestunde 18.30 bis 19: Von Kassel: Stund: Der Lrndtoictschasts- lammer Kassel: .Welche Aufschlüsie gibt die che­mische Analyse von Trink- und Rutzwafser". Vor­trag von Dr Haun. 19 biS 19.30: Von Mann­heim: Vortrag. 19,30 bi» 20: Die Schachstunde. 20: Don Dao Soden L Sinfonie-Konzert: Mozart.

Mittwoch, 4. Juli.

15,30 bis 16: Die Stunde der Jugend. 16,30 bi» 17,45: Konzert des Rundfunkorchesters: Gluck- Mozart. 17.45 biS 18,05: Die Bücher stunde 18,30 bi» 19: .Die griechischen Mysterien von Eleusi» und die Mysterien Des Mithras", Vortrag von Pfarrer Clemens Taesier. 19 bis 19,15: Sencken­berg-Viertelstunde. 19,15 bis 20: Französischer Sprachunterricht 20 bis 21: Opern-Konzert. 21: Der alte Bürgerkapitän, Frankfurter Komödie von Karl Malß.

Lprechstttnden der Redaktion.

12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags.

Samstag nachmittag geschloffen.

Eigene Drahtmeldung desGießener arueiger»'.

Jür unverlangt eingefanble Manuskripts ohne beigefügfes Rückporto wirb feine Gewahr übernommen.

G

Mnjeigenaufttäge sind lediglich aa die «fchäftsftelle zu richten.