Behörden gänzlich an der nötigen materiellen Hilfe fehlen, die mir aber um so mehr von anderer amtlicher stelle zufloß. dank der ich meine Arbeiten fortsehen konnte. Ein amerikanischer Missionar und der Engländer Matthewson waren meine treuesten Begleiter und Helfer. Außerdem haben mir aber auch Italiener. Tibetaner, Chinesen und Austen äußerst wertvolle Dienste geleistet. Nachdem ich noch einem furchtbaren Gallensteinleiden versuchte. weiter nach Tibet vorzudringen, wurde ich an der tibetanischen Grenze an- gehalten, da man mich zuerst für einen Spion hielt. Erst auf ein Schreiben meinerseits a n d e n Dalai Lama wurde mir der Weitermarich nach Leh gestattet, wo ich im Dezember 1427 ankam.
Don Leh erhielt ich sodann von amtlicher ausländischer Stelle weitestgehende si- nanzielle und materielle Hilfe. Leider mußte ich hier meinen treuen Begleiter Matthewson zurücklassen, da ihm während der Durchquerung des Tibet, wo teilweise im Winter minus 45 Grad Celsius herrschten, beide Füße derart erfroren waren, daß an eine Ueberquerung des §hnalaia im Winter nicht gedacht werden konnte.
ch befürchte, daß man ihm sogar einen Fuß amputieren muß. Ich selbst hatte stark unter dem Frost zu leiden. Meine Füße waren erfroren, aber dennoch wagte ich die Lleber- guerung des großen Gebirges, die ich in 22 Tagen, größtenteils zu Fuß, bewältigt«. Im Gebirge stürzte ich mehrere Wale, brach mir einige Rippen und schlug einmal so unglücklich mit der rechten Hand gegen einen Felsen, daß sie brach und bis heute noch nicht richtig geheilt ist. Während des Sommers litten wir sehr unter Wassermangel, da die Flüsse fast alle ausgetrocknet waren. Lieber Kalkutta trat ich dann meine Heimreise nach meiner Heimatstadt München an. während mein Begleiter, der amerikanische Missionar, über Kalkutta -Schanghai nach seinem Missionsort zurückkehrte."
Lieber seine weiteren Pläne befragt, äußerte sich Dc. Filchner dahin, daß er zunächst mindestens 1' _. Jahre an die Ausarbeitung seiner wislenschastlichen Ergebnisse gehen werde. Damit sei sein Programm aber noch nicht beendet. Doch eine Forschungsreise wolle er unternehmen, um sich nach deren erfolgreichen Abschluß "Ruhe zu gönnen. Ganz zum Schluß kam der Forscher auf die Finanzierung und obgleich er sich sehr vorsichtig ausdrückte, konnte man seinen Worten dennoch das äußer st e Befremden über das Derhalten der amtlichen deutschen Stellen entnehmen. »Ich selbst habe keine Mittel und bin auf fremde Hilfe angewiesen," so drückte er sich aus. »Obgleich mir von ausländischer Seite alles zur Verfügung gestellt wird, möchte ich doch unter deutscher Fahne arbeiten, denn meine Arbeiten sollen ein rein deutsches Werk sein und bleiben."
Oberhessen.
Landtrei» Gießen.
00 Klein-Linden, 28. Juni. Aus der jüngsten G c m e i n d e r a t S s i h u n g ist als bemerkenswert zu berichten: Die Besuchszeit des Friedhofs wird festgesetzt für Wochen- tage von nachmittags 4 Ahr bis abends 8.30 Uhr, für Sonntage von vormittags 9 Uhr bis abends 8.30 Uhr. — Auf Antrag wird einem hiesigen Einwohner ein Stück Wiese auf der kleinen Wald weide in der Größe von 568 Quadratmeter al« Bauplatz überlassen. Der Kaufpreis beträgt für den Quadratmeter 3,50 Ml. ainb ist in drei Raten zahlbar. Dom Tage der ^Auslassung sind 8 Prozent Zinsen zu bezahlen. ^Sämtliche Kosten trägt der Käufer. — Einem anderen Antragsteller wird eine Wiese von
-.856 Quadratmeter, in der Frankfurter Straße gelegen, als Baugelände überlassen. Der Kaufpreis beträgt 1200 Mk., die Bedingungen sind dieselben wie beim obigen Fall. — Infolge der vielen Unfälle, die in der sehr abschüssigen Kirchstraße in letzter Zeit borge- kommen sind, wird die Kirchstr aß e von der Einmündung der Stcinstrahe ab bis zur Einmündung in die Wetzlarer Straße, für Kraftfahrzeuge aller Art sowie für den Fahr- radverkehr gesperrt. Ferner werden die Derbindungsgäßchen von der Steinstraße zur Hintergasse und von der Hintergasse zur Lützel- lindener Straße für den Motor- und Fahrrad«
verkehr gesperrt. $:r Gcmeinderat erteilt der im Entwurf vorliegend:n Polizewero.dnung fc.re Zustimmung.
• Klein-Linden. 28. Juni. Bei dem am Sonntag in Ettingshausen stattgehabten Aad- fahrerfest des Oberhessischen Radfahrer-Bundes konnte der hiesige Radfahrer-Verein 1904 trotz sehr starker Konkurrenz zwei schöne Erfolge erringen In der Klasse A gewann er im Äorfo- fabren den zweiten Preis, im Reigensahr en den ersten Preis.
T Allendorf a. d. Lahn. 28. Juni. Ein leider zur Seltenheit gewordenes Aaturschau- spiel ist gegenwärtig in unserem Dorfe zu beobachten. Unsere Storchenfamilie. deren luftiges Heim einen Eichbaum in dem Garten der hiesigen Gemeinschaft krönt, hat kürzlich vier Junge als Zuwachs bekommen. Diese sind inzwischen schon so groß geworden, daß sie mit ihren drollig anmutenden Flugübungen beginnen können. Unermüdlich schleppen die Altrn aus den großen Wiesengrunden unserer Gemarkung Futter für die jungen Aimmersatte herbei.
, Wirberg. 28. Juni. Die D e r st e i g e - rung des Heugrases der Wiesen der Pfarrei Wirberg zeitigte, wie auch die Dersteige-
rungen des .<5cugrafeS der Gemeinden Saaten und Göbelnrod, einen Mehrertrag von etwa 50 Pro, gegen den Durchschnittspreis. Zum erstenmal seit 1914 wurde der Dorkriegs- prcis der Wiesen erreicht mit einem Erlöse von 394 Mk. - Zu dem 7. Wirberger Misst o n s k e ft e . das dieses Jahr am 26. August stattfinden soll, wurde als Feftprediger Missionar Walter ("Beuern) gewonnen.
i. Ettingshausen. 29. Juni. Auf eine langjährige und ehrenvolle Dienstzeit darf unsere Hebamme. Frau Elise Görnert, geb. Blei, zurückblicken. Sie kann am nächsten Sonntag (1. Juli) ihr 40 jähriges Dienstju- b i l ä u m feiern. Wie von feiten ihrer vorgesetzten Behörde, des KrcisgesundheitsamteS Gießen immer wieder anerkannt wurde, hat die Jubilarin stets mit vorbildlicher Gewissenhaftig- letk und hingebender Treue ihren Beruf erfüllt, der sie ihren Mitfchweftern zu einer helfenden Beraterin werden ließ. Der Gemeinde lorftanb will es sich nicht nehmen lassen. Frau Görnert an ihrem Ehrentage die dankbare Anertennuna der Gemeinde zu bezeugen. Ebenso werden viele, denen Frau Görnert in ihrer langen Bernfszeit mit Rat und Tat beigeftan-
Heimat im Nttd Gietzenct Samilien&tätiee
Die Scholle
Das sind die zeitgemäß ausgestatteten, auf unsere einheimische Bevölkerung abgeffimmten, im eigenen Betriebe bearbeiteten und auch gedruckten Sonderbeilagen zum Gießener Anzeiger
Bäder, wandern, Reffen Aus dev wett des Silms Tmrnen, Svovi und Spiel Aus dem Reich dev Kvau Lugend nnd Hochschule Stus Raluv und Technik $tw den Nücheviksch
Das sind die regelmäßig wiederkehrenden, sämtliche Gebiete des modernen Lebens, des Geistes, der Technik und der Kultur straffzusammenfastenden Sonderseiten des Gießener Anzeigers
Das große Heimat« und Anzeigenblatt Oberheffens und der benachbarten preußischen Gebietsteile ist der seit 111 fahren erscheinende, mit allen Volksschichten aufs engste verwachsene
GieSenee Änzetgev
Möwe im Sturm.
Roman von Sophie Moerh.
1. Fortsetzung. Nachdruckverboten.
Maria drückte sich ein bißchen fester in die Ecke.
Abscheulich hart war das Holz. Und zu denken, daß man so die ganze Nacht fahren würde. Nicht einmal das kleinste Kissen war da, es hinter den Stopf zu schieben. Nicht Die kleinste Fußbank für die müden Füße, die in den letzten Tagen soviel gelaufen waren. Ja, diese drei läge, seit Tante Innozentia nach ihrem langen Leiden heimgegan- gen warl Und niemand bei ihr als die dicke Floren tlne und der gute Stephan. Und als einziger Besucher und Ratgeber die alte Exzellenz Mierendorf, die auch schon fast mit beiden Füßen im Krade stand. Nun ruhte die selige Xante in der Gruft der Ur|ulhicrinncn, wo alle ledigen Mitglieder des Hauses seit drechundert Jahren ihren letzten Schlas schliefen, und morgen kam die allergnädigste Tanlc Theres, und dann sollte sie, Maria, selber zu den Urhdincrtnncrt---
Da schauerte sie so zusammen, daß ihr Segen über fragte. „Soll ich das Fenster schließen, gnädiges Fräulein?"
Wieder der schlanke Schwarze. Sie hatte — in ihren Gedanken vergraben — gar nicht bemerkt, wie er herelnkam.
„Danke, ja, wenn sie so frcimblid) jein wollen."
Er setzte sich nieder, ahne einen weiteren Versuch zur Annäherung au machen, nahm eine Zeitschrift und besann zu lesen. Sie konnte ihn, ohne aufui. fallen, beobachten Kein österreichische Gesicht. Zu herbe dazu, zu geschloffen. Schmal, kantig, mit einem eigensinnigen Munde und einer hoben Stirn Aber noch iung, die Mitte der Zwanzig konnte der junge Mann nicht lange überschritten Haden, Seine .nänbe waren gepflegt, nxmn auch die Kleidung nicht dc gant war.
Und ihre eigene? — Wieviel Mich, hatte es gc macht, noch eine anftändige Trauerflcibung znsoin. menzirb ringen!
Draußen '.Rufen und Pfeifen. Der Zug glitt a. » der Halle. Vom Gang herein drängten dic eilen den Ein dicker Mann stand in der Tur de • hob ferne Karte und sagte dröhnend Sie .xraal'n.
der Platz da in der Ecken — wann Sie so gut fein wolle, dos war' meiner."
Maria schrak zusammen. „Ader ich sitze hier schon seit einer ganzen Zeit," stammelte sie. „Er war nicht belegt."
„Wär' nicht nötig gewesen, i hab' a Platzkart'n."
Platzkarte? Was war das? Davon hatte sie nichts gewußt. Verlegen stand sie auf. Ein Mittelplatz neben dem Dicken, der sich schnaufend in die Ecke bugsierte, war noch frei, (»kaufen überfiel sie bei dem Gedanken, hart an diesen Nachbar gedrängt die ganze lange Nacht hinbringen zu müssen.
Elen! E» ist schwer, zu bk zu kommen. —
„Bitte, gnädiges Fräulein, nehmen Sie meinen Platz." Der schlanke Dunkle hatte sich erhoben und gab die Ecke frei. „Ich stehe doch im Gang."
Indem er es sagte, ging er schon hinaus, kaum daß sie einen flüchtigen Dank stammeln konnte.
Klatschend schlug der Negen gegen die Fenster, durch die sinkende Nacht flammten grellweihe Blitze, aber der Donner wurde übertönt von dem Brausen und Rasseln des Zuges.
Um sich hörte sie dick Mitfahrenden reden: „Wenn das Unwetter die ganze Nacht anhält, kann es bös werden in den Bergen."
„Fahren Sie auch ins Italienischs?"
,.Zu den Makkaronifresfern? Sann mich beherr. ichen. In Innsbruck steig ich aus."
„Innsbruck! Wann find wir da?"
..Wenn wir feine Verspätung haben, so gegen sieben."
„Aber einen Wagen haben wir erwischt, wenn der nicht uinfätit —"
Ja, das Material wird immer schlechter. Wo foll's Herkommen ? Böse Zeiten."
„Wissen Sie. wie die Krone heute stand
.Seins stad, bitt' schön. *)ab’ gar kein Verlangen, noch was vom leibigen Geld zu hören."
..Das Visum kostet auch ein Heidengeld. Wann wird das abgeschoist?"
..Nicht zu eilig. Bringt was ein. Geld brauchen bk hohen Negierungen alle.
..Und eine Bummelei ist's damit. Sechs Wochen bad' ich warten können, bis ich's vom italienischen Konsulat bekommen hab' "
'!‘funV Was das wieder war. Sie lauschte im halten Schlummer weiter. Himmel, war <ie müde' Äber sooft der Äopf gegen die Wand zurücksank, so
oft wurde er von einem harten Stoß des schwankenden Wagens wieder nach vorne geschleudert. Zu denken, daß Tausende von Menschen so ihr Leben lang dritter Klasse fahren mußten! Eine vierte sollte es ja auch wohl noch geben! Grundgütiger Heiland. — Und in jähem Schrecken in ihr eine Stimme, di« jagte: „Wirft alleweil jetzt dein Leben lang drit ter fahren. Nicht nur in der Eisenbahn '
Der Schlaf floh vor dem garstigen Wort, hell wach sah sie durch die regenblanfen Scheiben in die Nacht hinaus. Wo waren sie? Einmal eine Station — da hörte man das Heulen des Sturmes, das Brüllen des Donners. Das ganze Land schien in den Fängen des Unwetters zu neben. Jemand auf dem Gang — er triefte von Nässe, war wohl eben «ingc- stiegen — sagte: „Grad über dem Fluß hat's eine Windhose gegeben. Das Wasser ist in alle Qaffen, geströmt. Wenn nur der Bahndamm nicht unter spült ist."
Langsam fuhren Sie weiter, tastend in der rabenschwarzen ')lad)t, in der bit Blitze nur Blendung schufen. Zweimal hielt der Zug mitten im Walde, die Neisenden steckten die Köpfe hinaus aus den Fenstern und zogen sie eilig zurück, wenn ihnen das himmlische Naß eisig in die Gesichter klatschte. La fernen glitten auf dem Damm hin, man hörte Rufe. Glockengebimmel kam von den Signalstationen, und langsam ging e» weiter. Als es auf Mitternacht ging, sah Marias Nttter, der sich dauernd draußen im Gang ausgehalten hatte, in das Abteil
„So werden gnädiges Fräulein keinen Schlaf bekommen. Ich habe mit dem Schaffner gesprochen. Er bringt ein Luftkissen. Gestatten — bitte —. lieber ihren Kopf hinweg griff er in die Ecke.
„So. Und da wäre auch das Kissen." Der Schaff ner reichte ein Luftkissen zu, der Dunkle hängte die Lese an den riaten und jagte, dabei zum erftenmal ein bißchen lächelnd: „Da, wird Ihrem Kopf gut tun."
Marin war es gewöhnt, umsorgt zu werden, wenn auch nur von den Hau »bediensteten: sie spürte, daß diese Fürsorge etwas ganz anderes war: dic Nitter- lichkeit eines vornehm denkenden Mannes gegen eine hilflose Frau. Aber da er sich so ganz einfach, ohne jede Zudringlichkeit gab, sah sie ihn banfbai an und nahm die Wohltat mit einem antwortenden Lächeln bin. Ohne ein weiteres Wart hob er darauf eine Decke aus dem Netz, legte fic auf ihren Schoß, brei
ben hat. dankbar ihrer Hrtte gebenfen und dem Wunsche anfchlichen. daß die Jubilarin noch lange Jahre ebenso umsichtig und gewiffen- haft wie bisher ihren Dienst versehen möge.
eie Friedberg.
WSR. Friedberg. 28. Juni. Linker Teilnahme aller Bürgermeister der Landgemeinden, der drei Städte des Kreises und der Beamten des Krewamks sand am Dienstag im ..Deutschen Haus" hier eine schlichte Abschiedsfeier für den scheidenden Kreisdirektor Gebhardt statt, die durch ihren erhebenden Verlauf Zeugnis gab über das zwischen der Kreisverwaltung und den Vertretern der Gemeinden bestehende gute Verhältnis. — Ein Telegraphenarbeiter ftürate in Ausübung seines Berufs von einem Baum. Er brach sich das Genick und war sofort tot.
pb. Butzbach. 28. Juni. Zur festlichen Herrichtung unserer Stadt für das Gauturnseft am nächsten Samstag und Sonntag hatten die Weißbinder in den letzten Wochen rege Arbeit zu leisten, um den Häusern durch neuen Verputz und Anstrich «in würdiges Festkleid zu geben. Von den renovierten Hausern ift besonders das frühere- Gasthaus „3um goldenen Löwen" zu erwähnen. daS nach der Beseittgung des Verputzes nunmehr wieder in seiner alten Schönheit als Fach- w e r k b a u zutage tritt. Als der Verputz abgeschlagen war. fand man sehr gut erhaltene Holzschnitzereien vor. so in einer Füllung die Darstellung eines Husbeschlags. EinSchmiede- acsell hält den Fuß 5eS Pferdes. während der Meister das Hufeisen auf fegt, in einer anderen die Darstellung der Göttin der Gerechtigkeit, in. einer weiteren das Sinnbild der Hoffnung mit dem Anker und der Taube in der Hand, in der nächsten Füllung das Bild eines Straußen paares, welche in den Schnäbeln ein Hufeisen halten. Weiter fanden sich noch über dem oberen Stockwerk vier Medaillons in Holz geschnitzt vor. deren Kopse leider durch Abhauen zum Teil zerstört sind. Sie werden aber nach Möglichkeit durch einen Holzbildhauer wieder hergestellt werden. Weiterhin sanden fidf^ folgende Spruch c: »Den 5t. junius 1710 ist dreier Bau ausgcaricht, den ihr söhk. Den Bauherrn will ich sagen, her ist Meister Iohenrich Jung Husfschmied allhier, den hat Gott lasen bauen dis Haus. Gott be- hütte alles was gehet ein und auß, den Vater und die Kinder sein laß dir o Gott besohlen fein — Dieses Haus stehet in Gottes Hand. Zu der alten Hufffchmidt ist as genadt. Gott bc- Hütte es vor Wasser, Feuer und Brand di- ganze Stadt und auch das Vaterland." Durch dieses HauS hat jetzt unser alter Marktplatz ein weiteres Schmuckstück neben dem Rathaus auf» zuweifen, das ihm zur Zierde gereichen und jeden Beschauer erfreuen wird.
Mrei» Büdingen.
* älizter-Widdersheim, 28. Juni. Dieser Tage fanb die Versteigerung des Heugrases der ® emeinbe toief en statt, zu der sich zahlreiche Kausliebhaber aus den umliegenden Ortschaften, besonder» von Ober- Widdersheim. eingefunden hatten. Wegen der großen Nachfrage kamen die Preise über die des Vorjahres Das Stück (3< Morgen mit 1500 Quadratmeter) tarn bei Grasstand mit minderwertigem. sauren Futter auf 10 bis 15 Mari, solche mittlerer Güte stellten sich auf 15 bi» 22 Mark, während Stücke, deren Dürrfutter sich Aum Verfüttern an Pferde eignet, auf über 30 Mart tarnen.
—/— Ortenberg. 28. Juni. Die Bautätigkeit hat in diesem Jahre eine große Belebung erfahren. Zur Zeit gehen öitl Häuser ihrer Vollendung entgegen, da» bei Kaufmanns F. Weckefs« r. des Geflügel- farmer» Hebei und de» Kanzlisten Hild. Trotzdem ist die Wohnungsnot noch nicht behoben.
—/— Aus dem Riddertal. 28. Juni. Die Heuernte ift hier in vollem Gange sie ist «als Mittelernte anzusprechen. In den letzt« Tagen haben überall die Heugrasverfteigerung« der Gemeinden und StandeSherrschaftc-n statt- gesundem Die Preise bewegten sich in erträglicher Höhe — Der Stand der Winter- und Sommersrucht ist gut Bei günstiger Witterung ift mtt einer AufriebenfteUenb« Ernt* zu rechnen. Auch die Hackfrüchte berechtigen zu den besten Hoffnungen. Das bisherige kühle und feuchte Wetter ist besonders dem Setzen der Dickwurz zugute gekommen. Dagegen fällt
tete dic Enden über ihre Füße und stand wieder draußen, »he fle ein Wort der Abwehr ober bei Dankes hatte sagen können.
Jetzt erst spürte sie ganz, wie miibe und verfroren fic gewesen war. Erlöst lehnte sie sich gegen das Kissen, kuschelte die schmalen f)änbc unter die wärmende Hülle, schloß wieder die Augen unb dämmerte ein.
Einmal, als sie bei einem Aufenthalt erwachte, sah sie ring» um sich schlafend« Gesichter. Der Dicke in der Ecke ihr gegenüber schnarchte mit offenem Munde, aus dem Nebenabtell kam oas Geplärr her Kinder, die auf den harten Bänken nicht zur Ruhe tarnen. Ein kleiner alter Herr war gana zusammen- gesunken unb lag wie ein Bündel abgeschabter Älei» düng auf seinem Sitz. Auch der Dunkle schlief. Gegen die Wand zurückgelehnt, saß er so, daß der Campen- fchein Haar und Stirn hell überglänzte, während das Untergeficht im Schatten lag. oo iah man nicht den herben Mund, nur die knabenhaft reine Stirn.
Maria mußte an den einzigen Bruder denken. Der hatte eine Stirn gehabt wie jener dort drüben. Aber nicht den festen Mund, sondern einen weich sinnlichen. der die Frauen sehnsüchtig machte nach seinen Küssen. Einmal, al» Ho»» Ulrich noch ein halber Knabe war, hatte die Mutter ihm mit der Hand über Haar unb Stirn gestrichen und gesagt: „Ach, möge nie der Gram sich setzen auf diese reine fülle Braue---"
Die Mutter war hmübergeaanaen, al» noch da» Haus in Glan, unb Pracht stand, wenig Wochen nach tilena» glanzender Hochzeit nid Sergei Wladimirowitsch, und der Bruder schlief feit sechs Jahr« in einem namenlosen Grab tief in d« Karpacheft. Von einer Rugd eingebunden, «h Gram unb Not unb Schuld Zeit gehabt hatten, ihre häßlichen Nuiie« in die junge Stirn zu graben.
Unä fic. die Jungst« des Hauses, fuhr w emMn engen, dumpfigen Wagen allein durch bi« Nacht unb wchtc das letzte, was ihrem Leben geblitbm war. die schöne, strahlende, hettere Schwester.
Waren es di« Gedanken an Elena, war es di« manne Decke, Aum erftenmal seit fit sich auf die Horte Bank gesetzt, wurde ihr ganz behaglich zu sinn. Jtur noch eine halbe Nacht unb ein kurzer Dag und ivenn dis oonn« wieder sank, war fit am Ziel.
(Fortsetzung folgt)


