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Nr. 151 Zweites Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Zreitag, 29. Juni (928

Chinas wahres Gesicht.

Nach der Räumung Pekings. - Japan und Tfchangtfolin. - Die Stellung der Ausländer in China. - Dunkle Zukunft.

Don Otto Landgraf.

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Seit Oafrren geht mm da» Äriegtglüd bin und her ganze 2rmccn -- der Harne ist auch so ein Suphemi-mu-s gehen hüben und drüben zum Feinde über, der Dollar ist dabei mächtiger al- alle Taktik und Strategie. Die Luppe müssen einstweilen die unglücklichen Bewohner der gc- brandschahlen Kriegsgeb icte auslösseln. im Hin­tergründe aber lauert die chinesische S-chicksalS- gdttin - jedenfalls ein fratzenhaft scheuhliche- Äeib mit hundert Armen zur Onlgcgcnnabmc der Bestechung-gelber um einen der Segn er endgültig nieder,ulchlagen, damit der anoerc grausam« Bache nehmen und damit da» ganze

1 wn Betrug, Gaunere'. Hinterlist, Be­drückung. Schlemmerei und Opiumrausch neu be­ginnen kann

Daß Tschangtsolin .Peking geräumt hat. würde für den endgültigen Au-gang biese- Machtstreites gar nicht- besagen, auch wenn er bei dem Attentate selbst umgekommen und feine restliche Armee zu den Süd trupp en übergegangen wäre. Letztere« bezweifle ich stark, denn eS han­delt sich um die mandschurischen Kerntruppen, die Tschang bisher DDrlb-phgennetlc ,müdgebaltcr. hat. um seine Stellung nicht zu fcf;r zu schwächen

Lehr bald beginnt nämlich die Regenzeit, die jeder Kriegführung in Ehina ein Ende be­reitet Diese Helden kämpfen nämlich nicht gern, wenn es heiß, kalt oder regnerisch ist. im letzteren Falle überhaupt nur. soweit eS der a u f g e - Lpannte Regenschirm au- geöltem Papier zu- if>t Aach der Aegcmzeit zwingt die Rücksichtnahme auf die Ernte deren Erlös ja die weiteren Kriegskosten größtenteils aufbringen must - zur weiteren Fortdauer eine- still schweigen den Waf­fenstillstandes Ersl der Hcrbit läßt die chine­sischen Siegfriede .zu neuen Toten" die furcht­baren Waffen ergreifen und fie unter viel Mu­nition-Verschwendung in der ungefähren Rich- tung des Feindes abfeuern. Dast dabei immer wieder Verletzungen Vorkommen, beweist den all-

; ' Leichsiinn bei der Handhabung mit Feuerwaffen

Ob sich inzwischeit die in Peking einmarschi«' renden Süd-Gencräl« miteinander vertragen wer­den, ob nicht der eine ober andere sich mit Horb- china verbündet, ob nicht die Japaner mehr aus ihrer Aeserve berau»treten, wer vermag das heute zu sagen? Tschangtsolin hat sich i ebenfalls rechtzeitig und glücklich vom Feinde gelöst, alles rollende Eisenbahnmaterial der Hauptlinie Pe­king -Wukden mit sich genommen und damit praktisch diese einzige BerbindunaSader vom Süden nach Kirben auf lange Zeit für den Gegner wertlos gemacht Er beherrscht die völlig ruhige Mandschurei mit ihren reichen Ernten an Sojabohnen. Reis und Weiten, die er ge­waltsam gegen sein wertloses Papiergeld, den Fungpien aufguLiufen und gegen gute Goldwäh­rungen dem Weltmärkte wuführen pflegt. DaS gibt ihm stets neue Mittel zur Krieg­führung an die Hand, abgesehen von den un­geheuren Beträgen, die er seit Jahren planmäßig im Auslande, besonders in Aordamerika und Kanada, aushäuft. Die Japaner aber, die in der Mandfchmrci ein wichtiges Glacis für den bevorstehenden Streit mit Aordamerika und ein Bollwerk gegen Moskau leben, hatten bisher besondere Dkunde. Tschangttolin zu schützen, auch wenn sie nach austen hm mit ihm verfeindet f(bienen. Daher wird nie ein südchinesischer Sol­dat betoaffnet die mandschurische Grenze über­schreiten. das verhindert der starke japanische Militärkordon, der dank der japanischen Dahnen tn Korea und der Mandschurei jeden Monat be­liebig verstärkt werden farm. So kann Tschang, wenn er noch lebt, in Ruhe hinter dem japanischen Grenzschutz ein neues Heer aufbauen und dann

) Dgl. den ersten Teil des Aufsatzes in Ar. 149 des _G. A." vom 27.3imL

Die Arbeit des Goethe-Sundes im Jahre 1927/28.

Dr. jur. Otto Henning.

Mit der Feier des 14. Iahressestes, das der Goethe-Bund in diesen Tagen im Rahmen eines Goethe-Abends begeht, wird die Dortrag-tätig- feil für 1927/28 und damit wieder ein Jahr er kolgreichei Arbeit beendet. Wohl hat es auch oi«es 3abr viel Mühe gekostet, aber größer und schöner ist der Rückblick auf das. was geleistet und erreicht wurde.

Eine Reihe wertvoller literarifcher Genüsse, um die uns ohne Zweifel manche Großstadt be­neiden wird, konnte der Goethe-Bund wiederum den Gießener Literatur- und Kunstfreunden schen­ken Eröffnet wurde die dieswinterliche Dor- tragstätigkeii des Bundes durch die intereffanlc und in ihrer literarischen Eigenart nicht alltäg- siche Ausführung des Drama- .Malbvrough »iedr in den Krieg' von Marcel Achard, in Acus'ck gefetzt von Krenek. durch die Kasseler Puppen­spiele. Eine Ticranftaltung von ganz besonderer Bedeutung wurde sodann der Dichterabend von Franz Werfel, dem einige Tage zuvor der Schillerpreis oer liefen worden war und der seinem Dortragsabend durch die wüchsige und gestaltungsstark« Vorlesung aus feinem _Tod des Kleinbürgers" tiefsten Aachklang zu geben ver­stand Es fölgte als bntte Deranstallung eine tief empfundene Gedächtnisfeier für Rainer Maria Rille, für die der bekannte und hier in unserer Stadt sehr geschätzte Vortragsmeistcr Dr. Friedrich Eastclle aus Düsseldorf gewonnen worden war

Eingänge des Jahres 1928 veranstaltete der Goethe-Bund einen jedermann frei zugängigen Werbeabend, um damit immer tocüercÄrcife der Bürgerschaft mit den Bundesbestrebungcn bekanntzumachen Der bekannte Literaturhisto­riker Dr. Ha n nS Martin Elster aus Ser­if n hielt einen geistvollen Vortrag über .Die öage ber Dichtung und Kunst in der Gegenwart . wobei er mahnend aufforderte, der Pflege deut­schen Geisteslehms und deusichen Kulturgutes das größte Interesse. entgegeryubringen, wenn

yuf ifen genehmer Zeit wieder nach Süden vor-

Es ist für Tschangtfolins wirtschaftliche Stärke nicht ohne Bedeutung, daß feit Monaten täglich 6000 bis 8000 Flüchtlinge auS Süd- und Mittelchina auf den mandschurischen Dahnen nach Aorben ziehen, wo ihnen die Regierung Acker­land. Saatgut und Lebensmittel bis zur nächsten Ernte bietet. Diefe Menschenmassen find ein wichtiger Zuwachs für die Mandschurei, sie be- Völkern die weiten Fluren des im Aorden noch völlig jungfräulichen Lande» und schaffen Ernten, die nach obigem Rezept wiederum von der Re­gierung gewalsiam eingezogen werden.

Ist Tschangttolin tot. so wird viel davon ab- hängen. ob Oangjuting. der längst der eigentliche Kops der Aordoegierung war. den Kampf eventuell zusammen mit Tschangs Sohne Tschangschuliang neu aufnehmen wird, unterstützt von den Japanern, mit denen er schon immer passierte. Die in der griechischen Sage werden bann wohl aus dem abgeschlagenen Hydrahaupte Tschangtsollns wenigstens zwei neue entstehen, denn auch andere Gouver­neure uiib Generäle Tschangs sollen wie man mir schon vor sechs Wochen in Peking zu- slüsterte Diktatorgelüste verspüren und die <jahl der Eondottieri dieses eigenarsigen chine­sischen Risorgimento vermehren.

Wo stehen nun in diesem Kriegsspiele die wahren Interessen der Ausländer, msbeson- berc der Europäer? Denn die Japaner, Ameri­kaner wie Engländer diese haben sich ja längst zur vorwiegend asiatischen Großmacht fprt- entwickelt- gehen eigene Dege, die auS Raummangel hier nicht erörtert werden können. Wenn die Sache des Aordens obsiegen würde, so könnte bei energischem Auftreten der Mächte den Fremden im Lande immer noch ein gewisses, ungefährdetes Arbeitsfeld gesichert werden, wenn­gleich auch heute nicht mehr entfernt die Gewinne in Ehina erwartet werden dürfen, die noch vor dem Kriege üblich waren. Die Aordchinesen haben unter Tschangtsolin die Fremden nicht zu sehr bedrückt, wenngleich manch: ihrer Verord­nungen so z. D da» Verbot des Grundbesitz- erwerbes außerhalb der Fremdenkonzessionen - unbillig und unsinnig sind. Es hindert doch kein Derbot den Ehinesen daran, Immobilien tn Berlin oder Paris zu erwerben. Es kamen hie und da Mebcrgriffc nordchinesischer Lokaldehör- den gegen Ausländer vor. fie wurden aber in ber^ Regel von Peking aus nicht mehr gebilligt.

Triumphiert dagegen schließlich und endlich die .nationale Regierung" der Südchinesen, so wirb jeder Europäer gut tun. rechtzeitig Ehina zu verlassen, zumal wenn er tm LandeS- trniern wohnt DaS hat die Abwehr des bol- schewi frischen Aufstandes in Shanghai bewiesen, wo nur das Eingreifen der englischen Kriegs­schiffe und Landungstruppen, wie die Energie der freiwilligen Fremdenkorps ein Massaker an den Fremden verhindert haben. Dabei wären die Fremden trotzdem verloren gewesen, wenn der bolschewistische Plan der Anzündung der Ehinesenstadt um die Fremdenkonzession herum gelungen wäre.

Daß heute angeblich die Dolschewisten im Lüden auSgerottet werden, glauben Kenner der Verhältnisse nicht. Man gibt wohl den politischen Gegnern, die man füfilicrcn läßt, den Hamen Dolschewisten, um damit die fremden Mächte, voran England, zu beruhigen, nach wie vor aber ist der geheime Einfluß Moskaus zu fbüren und an richtigen Tagen offen zu er­leben. Die Gleichgültigkeit, mit der die übrigen Mächte England und Japan wohl ausge­nommen die Entwicklung der Dinge in Hüd- china zufehrn. ist erstaunlich, als ob es einerlei wäre, wenn eines TageS Tausende von Weissen mit Frauen und Kindern dem entfesselten chme- sischen Mob zum Opfer fallen, der von bomben - baffenben .Intellektuellen" aufgehetzt wird. Die

Lage erinnert absolut an die Zeit vor dem Borer- aufstande 1900. al- alle Gesandten ihren Regie­rungen die Bewegung als geringfügig schilderen, bis es zu spät war und mit vielen Weißen auch unfer deutscher Gesandter von Ketteler den Leichsiinn des Diplomatenkorps mit seinem Leben bezahlen mußte.

Heute tchon begegnen dtc Ausländer in Süd- china auf Schritt unb Tritt der jürogan* der .Intelligenz', die in meist grüner Jugend ihre ausländische Weisheit in hohen Staatsstellungen dazu verwendet, um die Europäer Spezialisten in Fabriken und Bergwerken. Aerzte in Kranken­häusern, Professoren an Hochschulen unter Bruch der Verträge zu verjagen wobei ein beliebter Entlassungsgrund .Verletzung der Staatsgrund- sätze über die soziale Gleichstellung durch schlechte Behandlung von Untergebenen" lautet. Denn der Beschuldigte nur einen unverschämten Kuli zurechtgewieten hat. wie es heute jeher Weiße tun muß. fo genügt dies, ihn zu entfernen. Das Schlagwort .China den Ehinesen" bedeutet nicht eine langsame Ablösung der Ausländer durch eine gründliH ausgebildete chinesische Führcr- schicht in Wissenschaft unb Technik - wie es ähnlich im Laufe von Jahrzehnten in Japan geschah sondern die südchinesifchen Propagan­disten dieses Fansarenrufes bereiten den Boden für einen brutalen Hina uswu r f der Aus­länder vor. um bann ihr Land nach den bol- schewistifchcn Dogmen umzugestalten, die zwar heute von Ranking abgeleugnet werden, dem Weißen aber in allen Debatten mit der jungen Intelligenz Südchinas begegnen. WiL bei allen Revolutionen der Geschichte wird auch hier die Leibung immer mehr nach links geraten, dafür sorgt schon die Moskauer Patenschaft der Kuo- mintangbetoegung. dafür arbeiten Tausende von bolschewistischen Propagandisten in den südchine­sischen Hasen- und Industriestädten, wo ja ein Lohnstreik den anderen mit immer wilderen Ausschreitungen ablöst. In Shanghai mußte Eng­land. durch daS fortwährende würdelose Aach- geben Aordamerika- gezwungen, die beiden gro­ßen den 'Ausländern reservierten Parks auch den Ehinesen öffnen. Die Folge ist. daß fein Weißer mehr diese einzigen Srholungsplätze auf- fuchen kann, will er nicht von den auf Rasen und Bänken berumlümmelnbcn schmutzigen Kulis in­sultiert werden Die Arroganz dec breiten chine­sischen Massen ist aber dadurch so gestiegen, daß auch auf dem Aanking-road. der Hauptgeschäfts­straße Lhanghais, der Europäer in den großen Verkehr-stunden rücksichtslos von Ehinesen auf den Fahrdamm herabgestoßen wird Eine An­rufung der chinesischen Gerichte ist schon längst eine Selbstentwürdigung für jeden Weißen, denn die Richter verbinden ihre chauviisisttschen tir- teilssprüche mit den höhnischsten Kommentaren über die entschwundene Machtstellung der Aus­länder. 5Xibet sind die meisten Fremden noch durch die eingangs erwähnten AuSnabmerechte einstweilen davor bewahrt, vor dem chinesischen Richter erscheinen au müssen, wehe aber, wenn erst einmal diese Rechte falten, woran die chine­sische Regierung unablässig arbeitet.

Das wahre Gesicht des Ehinesen haben eine Reihe von Europäerinnen entdecken müssen, die vertraiwnsvoll chinesischen Männern in die Ehe nach Ehinagefolgt sind, denn der in Europa mit Studien beschäftigte und schein­bar so kultivierte (Bräutigam und Gatte kehrte in seiner Heimat sofort zu feiner ursprünglichen Weltanschauung zurück: er nimmt mehrere Frauen und zwingt seine europäische, mit diesen zusam- menzuhausen, was sie der Tücke unb den Quäle- lereien der Konkubinen schutzlos au6liefert Schutzlos, denn durch die Heirat ist fie Chine­sin geworden und fein deutscher Konsul kann ihr in ibrcr_ Rot mehr Helsen, auch wenn ihm noch so erschütternde Einzelheiten übet das Los dieser Unglücklichen berichtet werden. Die Berührung mit der Heimat macht eben aus dem

wir daS Volk der 'Dichter und Denker bleiben wollen. Sodann las. allseits lebhaft begrüßt. Dr. Rudolf G. D i n d i n g ein Kapitel au- feinem Derk .Erlebtes Leben" und erntete rei­chen Beifall. Mit dem nächsten Dichterabend gab der Bund die begrüßenswerte Gelegenheit, die perfönliche Dekannttchast mit einer intet« effanten deusichen Dichterpcrsönlichkeit machen zu könneni Jakob Schaffner Anfang- Februar la- an Stelle des erkrankten Dichters Hermann Helle der Präsident der Deutschen Dichterakademie Wilhelm von Scholz aus eigenen Werken vor Wilhelm von Scholz, der ein ausgezeichneter Interpret feiner Dichtwerke ist. bereitete seinen zahlreichen Zuhörern einen äußerst genußreichen Abend Das winterliche Vortragsprogramm des Dundes wurde beschlossen durch eine musikalisch- literarische Darbietung betitelt .Alte Meister in Wort unb Ton".

Frau Alice Ehlers, die unter die be­deutendsten deutschen Älaoiercpmbal-Äünftlerin- nen der Gegenwart zu zählen ist. brachte auf ihrem stilechten Cembalo, das eine vollkommene Pariser Rachbilbung eines allen Originals ist. Kompositionen von Dach. Häirdel und franzö­sischen Meistern in meisterhafter Wiedergabe zum Vortrag. Ferner trug Dr. Heinrich Michae - I i s. der durch seine hohe Vortragskunst viele begeisterte Freunde sich hier erworben hat. Storm. Grimm unb Claudius, in feinsinniger Weise vor. Immer wieder hervorbrechenberBei­fall dankte den beiden geschätzten Künstlern für die unvergeßliche Weihestunde. die fie allen Dortragsbefucherrn geschenkt hatten

3u erwähnen ist fernerhin noch ein M,t- glicberabcnb. an welchem Dr. weck. Haeberlin einen höchst intcrcfTantcn Vortrag über . Aus- drucksgehall unb Psychologie der Handschrift" hielt. Außerdem wurde den Dundesmitgliedern eine stattliche und anregende Reihe von Vor­tragsabenden durch Vermittlung bei Vortrags- Vereinigung geboten, zu denen die Mitglieder des Dundcs ebenso wie zu den DunbeSabenden freien Eintritt hatten

Die starke Anteilnahme unserer Mitglieder unb der hiesigen Bürgerschaft an diesen 'Veranstal­tungen des Goethe-Bundes sowie vor allem das sehr starke Anwachsen der Mitglieberzahl legte

das beste Zeugnis dafür ab. daß das. was ge­boten wurde, nicht nur allseitiges Interesse er­weckte, sondern auch allen Wünschen und Ge­schmacksrichtungen Rechnung getragen hat. Der hier gegebene Rückblick auf die gebotenen Dar­bietungen erbringt des weiteren den vollen Be­weis Dafür, daß daS künstlerische unb geistige Leben in dem Goethe-Bund gute Pflege unb Förderung gefunden hat, indem bet Bund <iIS festgefügte schöngeistige Interessengemeinschaft sich mit Verantwortung und innerer Anteilnahme feiner hoben kulturellen Aufgabe unterzieht und zielbewußt auf der Grundlage der Gemeinnützig­keit arbeitet!

Diese Erkenntnis berechtigt zu den schönsten und größten Erwartungen für das kommende dieüwinterliche VortragSproaramm: Wiederum ist die Einladung an eine große Reihe unserer be­deutendsten deusichen Dichter unb Denker und Vortragskünstler ergangen. Eine enge Fühlung­nahme des Goethe-Bundes mit der rührigen neu berufenen Intendanz unteres hiesigen Stadt- theaters wird die literarischen Belange unserer Stadt wirkungsvoll und fruchtbringend beein­flussen und ergänzen!

So kann der Goethe-Dmck) am Abschluß feines 14. BundeHahres un Rückblick unb Ausblick mit Befriedigung unb Freude bekennen, daß er ein maßgebender Kultursaktor und ein unersetzlicher Mitarbeiter bei der Ausgestaltung des Geistes- lebend_ unserer Stadt wie auch allgemein bei der Förderung deusichen Kulturgutes geworden ist, dem man nur aufrichtigen Herzens weiteren Erfolg wünschen kann zum Wohle unseres Volles?

Das ,blaue Wunder^.

Dic herrlichsten Schmetterlinge der ganzen Erde, neben den Paradiesvögeln und KÄibris wohl überhaupt die größten Zaröenwunber, die die Ratur geschaffen, sind die Morphiden. die in dem geheimnisvollen Halbdunkel der feucht- heißen ürtoälber Südamerikas dem Reisenden ein unvergeßliches Schauspiel barbieten. Dieses ..blaue Wunder" schildert Julius Stephan nn ^Raturforscher". Die Angehörigen der Gattung Worpho. deren Derbreitung sich von Mexiko bis Argentinien hin erstreckt, zeichnen sich durch große glän-ende Schwingen aus, die je nach bet

Asiaten immer wieder einen Asiaten, mag er auch noch so lange auf deutscher ober englischer Hochschule europäische» Dissen sich angeeignet und in europäischen Familien wie ein Ämb de- Hauses verkehrt haben. Die Kraft der gelben Ralle zeigt sich ja auch darin, daß bei Ehen zwischen Chinesen und Weißen die Kinder im­mer wieder Chinesen werden, mit den typisch mongolischen Gesicht»zügen, leider aber auch mit den tückischen iSbariHeranlagen, die den Gelben so unerireulich auSzcichnen. Sogar bie so starke semitische Raste, btc bekanntlich bei Mischungen mit Ariern immer obsiegt, gebt im Chinesen völlig unter, eine biologisch hoch­interessante und jedem Wissenschaftler in China bekannte Tatsache

Je mehr also die ..nationale Regiermrg" in China an Boden gewinnt, desto bedrohlicher wird die Sachlage für die Europäer, desto ent- fchiedener muß daher darauf gedrungen werden, daß durchgreifende Maßnahmen der Mächte in gemeinsamem Vorgehen geschehen, wenn nicht eine» Tages die Welt durch schrecken- erregende Rachrichten in Alarm gesetzt werden soll. Roch wäre eS nicht zu spät, man müßte nur die zwecklosen Sitzungen in Gens über die euro­päischen Fragen ~ an denen bezeichnenderweise eine südchinesische Abordnung selbstbewußt teil- yunebmen pflegt durch eine Beschlußfassung über bie chinesische Frage ersetzen, bei der einmal alle an Ehina unb an dem Wohle ihrer dortigen Landsleute interessierten Länder sich zu aktivem Vorgehen einigen mühten. Allo keine .Vermahnung' in juristisch cinuxinbfi-ciev Form, sondern eine Beschlußfassung mit sofortiger Ausführung über den Schutz bei Weißen in Ehina durch Austeilung in klare Interessen­sphären und Entsendung von Truppen dorthin zur ständigen Garnifonierung. Das mag mili­taristisch. atektionistisch, unzeitgemäß Hingen, aber eine andere Lösung zum Schutze der Europäer­in China sehe ich nicht, zumal wenn das KriegS- glück sich jetzt ober später den Südchinesen zu­wenden sollte.

Zilchners Zorschungsreise nach Tibet.

Merkwürdige» Verhalten der dcntschc« Behörden

Der berühmte Ostasien-, Tibet- und Polar­forscher Dr. h. c. Wilhelm Fi lchner au« München, der seit Dienstag in Berlin wellt, ge­währte einem Vertreter der Telegraphen^Tlnion eine ilntcrrebung, in bei er seine Erleb­nisse während seiner fast dreijährigen Fve- ftfaung »reite durch Süd-Rußland Ehina und Tibet schilderte. Trotz unendlicher Strapazen und Leiden, die Dr. Filchner durchzumachen hatte, macht er einen überaus rüstigen und frischen Eindruck ,Im Dezember 1925 fuhr ich," so er­zählte er. .zunächst nach Moskau unb von bort nach Kuldscha. Meine Absicht bestaub in der Durchführung einer erdmagneti­schen Messungskette im Anschluß an ba« europäisch-westasiatische VermessungSnetz. Den Winter verbrachte ich in der Rähe deS Kloster- Ku m bum, um bann im Winter nach Lin - ning F u vorzustoßen. Mittellos, ja fastohne Kleider und Schuhe, kam ich dort an. Ich batte nichts mehr zu essen, als mich eine chine­sische Familie ausnahni unb in anerfennenADer- tefter Weise für mich sorgte.

Trotz der Ausiord-rung der deutschen Behör­den. mich nach Offen zu begeben, um auS der Kampfzone hcrauszukommen, setzte ich meine Ar­beiten fort und wurde von den chinesischen Soldaten, gan^ gleich, ob zur Süd- ober Rordarmee gehörig, äußerst freundlich behandelt Besonders war es ®mcra[ Fc n g. ber ausdrücklich Anordnunaen erlassen hatte, mich nicht zu belästigen und mir. wenn nötig.

nlfe zu Liften, Leider ließen es die deu tschen

Beleuchtung in den verschiedensten Farben tönen, vom zartesten Weihblau bis zum sattesten Ultra­marin unb Violett, schillern. Einige sinb völlig ohne Zeichnung unb sehen aui, al« wären sie au« dem tiefsten, schimmerndsten blauen Atla« getoebt. Der große Naturforscher Wallace nennt ben Anblick ber großen blauen Morpho un­vergeßlich, und Prof. Bürger hebt an diesen hin- retßenden Erscheinungen besonders da« wechseinb« Spiel der Farben hervor^ ..Bald ist es wie ein völliges Verschwinden, dann em gelbe« ober violettes Aufleuchten und schließlich ein Er­strahle!, im tiefsten Azurblau, das wieder jäh tn einem matten Perlmutterglanz ersterben kann " ..Da leuchtet eS plötzlich drüben hoch zwischen ben Zweigen wie daS Blitzen eines Edelsteins" schreibt ber Entomologe Dr. Hahne! von der schönsten ber log. Rbetenor-Gruppe, ..unb einen Augenblick später tritt aus dem Dunkel des LaubeS in stürmischer Fahrt bie im tiefsten Blau erglänzende Gestalt de« Rhetenor hervor. Kein Falter überfliegt ein weiteres Gebiet als dieser König der Wälder, der in zwei- biL brei- ftünbigem. geradeaus eilendem Fluge an die 30 Kilometer und mehr am Tag zurücklegt unb bann wohl erst die Genossin findet, bet er auf fanget einsamer Fahrt nachgezogen, unaufhalt­sam über Wald unb Wasser .. " Die Schnellig­keit unb die Höhe beS wellenförmig auf- unb absteigenden Fluges macht das Fangen dies er blitzenden Juwelen ber Luft überaus schwierig, und Hahnel hat oft stundenlang auf einem fünf­en Fuß hohen Gerüst im Urtoalb in fürchtet- "cher Hitze gewartet, bis ihm bie kostbare Deute durch einen Fehlschlag des Riesennetzes doch noch entwischte. Ein wahres Göttertier ist auch Morpbo cypns, der hauptsächlich bei ben Smaragdminen von Wuzo in Kolumbien gefunden wird. Die werhbebänderten Flügel dieses Schmetterlings zeigen, tn einiger Entfernung be­trachtet, ein Himmelblau von fo ätherischer Rein­heit und so starkem Feuer, daß alle übrigen Farben dagegen verblassen. Dor noch nicht langer ?>eit war dieses blaue Wunder eine hvchbezaSte Seltenheit in europäischen Sammlungen, aber die Indianer haben jetzt so viele Tiere gesammelt, daß man schon für sechs Mark ein schönes Stück erhalten kann.