Deutsche Schularbeit im Auslande
wissen. Den trä-
Kurses rnSchlohEöpenick. Plan und Unter* lagen des Lehrgangs können von der Ausland- abteilung des Zentralinstituts für Erziehung und Unterricht, Berlin W 35, Potsdamer Straße 120, bezogen werden.
Italien wird aufgeforstet.
Von Gustav W. Eberlein, Vom.
Rom, im Dezember.
Hochschulnachrichten.
Der ordentliche Professor für mittlere und neuere Geschichte an der Universität Marburg Geh. Regierungsrat Dr. Wilhelm Busch ist zum 1. April 1929 von den amtlichen Ber- Pflichtungen entbunden worden.
Der Privatdozent an der Berliner Uni- versitat und Ass-stent am pflanzenphysiologischetr Institut ebenda, Dr. Paul Mehner, hat einen Ruf als außerordentlicher Professor für angewandte Botanik an die Universität Tübingen als Rachfolger von Prof. Fr. Oehlkers erhalten und zum 1. Marz 1929 angenommen. — Prof. Dr. tbeol. et phik Karl Bihlmeher in Tübingen hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der Kirchengeschichte in der katho- lisch-theologischen Fakultät der Universität Bonn als Rachfolger von Geheimrat A. Ehrhard abgelehnt. — Prof. Dr. Hermann Kantorowicz in Freiburgi. Dr. hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl für Strafrecht und Strafprozeß an der Universität Kiel als Nachfolger Radbruchs zum 1. April 1929 angenommen.
anschlage für zehn Jahre vor, der von der «5vrst- miliz nach Bedarf geändert werden kann. Dte Erlaubnis zur Abholzung ist grundsätzlich an die sofortige Aufforstung gefilmten, die durch Äautionszwang gesichert wird. Bei jÄrem Provinzkommando der Forstmiliz muh das ovrsb" grundfiuch zur öffentlichen Einsicht aufliegen. Das Ausreißen von Wurzeln auf steilen Gehängen ist verboten, jede unbefugte Fällung eines Baumes wird bestraft und außerdem muß der Schwarzfäller ganz auf eigene Kosten aufforsten, während sonst Staatsunterstühungen winken. Grundstücke, die von dem Aufforstungsplan betroffen werden, stehen mit sofortiger Wirkung unter Hast, die Besitzer haben sich je nach ihrem Vermögen mit dem Staate über die Beforstung zu einigen. Bei Vermögenslosen übernimmt der Staat sämtliche Kosten. Die Miliz legt Dawn- schulen an, um den Bedarf decken zu können. Mit Ruhholz bepflanzte Gebiete bleiben für 25 Jahre steuerfrei; wenn es sich um Ratelhölzer handelt, sogar für 60 Jahre. .
Wenn Mussolini die Aufforstung tatsächlich durchführt, so wird er auch nicht um den Schutz der besten Forstpolizei, die keine faszistische Miliz ersehen kann, herumkommen: der Vögel. Mit öem Verbot des Dogelmortes würde er sich nicht nur gesunde Wälder, sondern auch die Anerkennung einer ganzen Welt sichern.
unpraktisch gewordene Felsennester, Abhängigkeit vom Ausland und das ganze Undsoweiter als Folge des bequemen Grundsatzes «Rach uns die Sintflut!" — all das soll sich zum Segen ter Söhne und Enkel von Grund aus ändern. Die Getreideschlacht Mussolinis, seine Bevölkerungs- pvlitik hängen eng mit dem Forstprvblem zusammen. Das halbe Gebiet Italiens ist gebirgig und folglich unter den heutigen Umständen ertraglos; gelingt es also, hier Wälder zu schaffen und in der Ebene die Sumpflänter auszutrocknen, so erobert das Mutterland zwei Kolonien zugleich. Das Elend ter Dergbauern, die an ihrem Grund hängen wie die Auster an ter Dank, muß sich in Wohlhabenheit verwandeln.
Zweigen. r
Mit den fünfhundert- oder sechshunterttaufend Erinnerungsbäumen ist es freilich noch nicht getan. Zu Milliarden sollen die Anpflanzungen erfolgen. «Jeter Baum eine Fahne auf dem Wege des Fortschritts!" Alle Straßen müssen dem italienischen Vorurtell. ter Schatten wirke schädlich, zum Trotze mit Bäumen eingesäumt werden. Katerweife wird das Land mit Daum- truppen beseht, Hunderttauseute von Hektaren gilt es zu erobern. Schon tauchen an allen Ecken und Enten wieder di« fast ausgestorbenen Pinien auf.
Ein Gesetzentwurf sieht für jeden Waldbesiher die Verpflichtung zu einem wirtschaftlichen Vor-
Es liegt eine Größe in diesem Gedanken, die den Ramen Mussolinis auch dann unsterblich machen würde, wenn sonst nichts von seinem Lebenswerk übrigbleiben sollte. Wir leiten, so sagt er den Dauern, alljährlich viele Monate unter vollständiger Trockenheit, die unsere Aecker und Felder, wie unsere Adern und Venen auszehrt, also müssen wir den himmlischen Segen erzwingen — nicht mit Bittprozesiionen, sondern mit Wäldern, die als Regenspeicher, als Wasfev- erzeuger wirken! .
Dem klar erkannten Gedanken folgt bet Mussolini die Ausführung unmittelbar auf dem Fuße. Er hat eine eigene faszistische Forstmiliz inS Leben gerufen, deren Ausgabe es ist, die Abholzung zu verhüten und die Ausforstung zu unterstützen. Sein Bruder Arnaldo, der Leiter des „Popolo d'Italia" ist zum ersten Llpostel des neuen wirtschaftlichen Glaubensbekenntnisses geworden. Die Struktur des fcrszistischen Staates erlaubt eine sofortige und lückenlose Mobilia fierung aller geeigneten Kräfte. „Wälder, Wälder!" ertönt heute der Ruf, wie vor einigen Jahren ter Schrei . Kanonen, Kanonen!", der zu den Uebermaterialschlachten führte. Wenn in diesem Stile vorgegangen wird, muh auch Misere (Generation noch die ersten Siege erflehen. Vor dem Kriege, wo ein Deutscher an der Spitze des italienischen Forstwesens stand, stießen alle Versuche in dieser Beziehung auf das geringe Verständnis der römischen Bureaukratte.
Die traurigen Ergebnisse ter Abholzung: kahle Gebirge, vermurte Fluhläufe, atmosphärische Un- ausgeglichenheiten, Auswanderung der Bevölkerung in die Ebenen und über die Lantesgrenzen,
sie sich mit jedem Axthieb ins eigene Fleisch hauen, den Kindern bringt man die Freude am Daumpflanzen bei, selbst- das alte Mütterchen, dem mit dem einzigen, im Kriege gefallenen Sohne alle Interessen versandet schienen, sieht jetzt ein geheiligtes Reis auf grünen: für jeden Gefallenen soll ein Baum gepflanzt werten. Viele Dörfer haben auf diese Weise bereits Alleen gewonnen, die Städte bringen es zu ausgedehnten Hainen — ein Opferdienst, ebenso schön wie zweckmäßig. Jede Familie hat «ihren" Baum, den sie hegt und Pflegt, dem sie den Ramen des toten Kriegers gegeben hat, in dem er weiterlebt, von Geschlecht zu Geschlecht. Sehen die anhängen- ten Täfelchen jetzt noch etwas nach Baumschule aus, eines Tages werten sie verwittern und abfallen, und dafür rauscht die Legende in den
deutschtum nach wie vor zu seinem Deutschtum steht und sich durch das Unglück des Krieges der alten Heimat um desto enger verbunden fühlt. Kennzeichnend für die Sonderstellung dieser Gruppe des Auslandteutschtums ist es, daß es ten durch Handels - und Riederlassungsvertrage begründeten Rechtsanspruch auf Gleichberechtigung mit anderen Fremden im Lande erhebt. 3m ureigensten Interesse ist es auf die Herstellung möglichst guter und freundschaftlicher Beziehungen der deutschen Heimat zum Dolle seines Gastlandes bedacht. Es wird eine würdevolle An- näherungspvlittk betreiben wollen und betreiben müffen.
So gering dieses Aus la ndteu t s chtum verhältnismäßig an Zahl ist. so groß ist seine Bedeutung in wirtschaftlicher Beziehung für die deutsche Heimat. Dieses Auslanddeutschtum wünscht möglichste Ausbreitung des deutschen Exports. Es ist doch in seinen besten Tei len ein starker Träger der deutschen Wirtschaftsbeziehungen nach dem Auslande überhaupt. Es darf als Außenposten ter heimischen Wirtschaft angesehen werden. Die ganz andere Interesseneinstellung ter deutschen Kolonien im Auslande im Vergleich mit ter ter deutschen Siedlungsgebiete wirkt sich auch auf dem Gebiete des Schulwesens aus. Die Schulen der deutschen Kolonien im Auslande nehmen in starkem Umfange Kinder des Landes auf, die Deutsch lernen wollen. Diese Schulen lehnen also fremdes Volkstum nicht ab, sondern wollen im freien Volkstum für deutsche Kulturgüter werten und wirken. Diese deutschen Schulen können deshalb mit Fug und Recht als deutsche Propagandaschulen im Auslande bezeichnet werten. Freilich darf diese Bezeichnung nicht zu der irrtümlichen Auffassung Anlaß geben, als ob es sich dabei um eine Art politische Verdeutschungs- Propaganda handeln sollte oder könnte. Es ist nun außerordentlich betrüblich, daß für die Schulen der deutschen Kolonien nicht genug Gelter zur Verfügung stehen, um sie den gegebenen Bedürfnissen nach weiter auszubauen. Di.e im Reiche gesammelten Gelter für die deutschen Schulen un Auslände kommen, wie gesagt, in erster Linie den Schulen der deutschen Siedlungsgebiete zugute. Vielleicht ergibt sich für ten Bund der Ausland deutschen, dessen Tätigkeitsgebiet sich insbesondere auf die deutschen Kolonien und auch auf das sogenannte Einwanderungsdeutschtum im Auslande beschränkt, und der sich in den Dienst der deutschen Propaganda stellt, die zweckmäßige und notwendige Aufgabe, sich nachhaltigst der Schulen der deutschen Kolonien im Auslände an- zunehmen.
Ausbildung von Lehrern für den Dienst an deutschen Auslandschulen.
Das erfreuliche Aufblühen ter deutschen Schulen im Auslände hat zu einer erhöhten Nachfrage nach Lehrern und Lehrerinnen geführt. Leiter ist es vielfach nur schwer möglich, ten geeigneten Ersah in ter Heimat zu beschaffen, was offenbar mit ter Un len n tn i8 weiter Lehrerkreise über die Arbeit ter deutschen Aus- landschulen zusammenhängt. Hier möchte das Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht durch Aufllärung und Ausbildung des erforderlichen Nachwuchses ten deutschen Aus- landschulen helfen. Zu diesem Zwecke wird in der Zeit vom 2. bis 30. April 1929 ein Lehrgang zur Ausbildung von Lehrern für den Dienst an deutschen Auslandschulen veranstaltet. Damen und Herren, die möglichst nicht das 35. Lebensjahr überschritten haben, Philologen, Mittelschullehrer, Gewerbelehrer, Handelslehrer, Dolksschtlllehrer, technische Lehrerinnen, Musik-, Turn-, Werk- und Zeichenlehrer werden zu diesem Lehrgang zugelassen. Eine Teilnehmergebühr wird nicht erhoben, die Teilnehmer erhalten freie Verpflegung und Unterkunft für die Dauer des
Ein Problem von solcher Tragweite kann natürlich nicht mit bureaukrattschen Federhaltern gelöst werden, hier heißt es: alle Mann an Bord! Uni) man muß sagen, daß die beiden Mussolini mit außerordentlichem Geschick ten Befehl in die Form einer nationalen Forderung zu kleiden " gen Elementen wird gezeigt, wieso -dem Axthieb inS eigene Fleisch
Den schönsten monumentalen Bauwerken ter Ratur ten Wäldern, ist es im Laufe der Jahrhunderte in Italien nicht anders ergangen als den menschlichen. seit den Zeiten ter Antike wütet der Unverstand gegen sie, nieder reißend, zertrümmernd, ausrottend. Während aber aus dem Schutt ter Kunstwerke immer wieder neue entstanden, fiel es niemand ein, Kahlschläge auf* zuforsten. Der Baum wurde wie ein Feind betrachtet, soweit er nicht sinnsällige Früchte lieferte.
Vor etwa dreitausend Jahren wird die Halfi- insel kaum anders als ter transalpine Norden ausgesehrn und demgemäß auch ein dem unfern ähnliches Klima gehabt haben. Nicht in Rebenhügeln oder Zitronenspalieren können wir unS die Wölsin vorstellen, die Romulus und Remuö säugte, die ersten Könige hausten wohl wie Hunding in Blockhäusern aus roh behauenen Stammen. Bald aber scheint der Raubbau eingesetzt zu haben. Um die Wende ter Zeitrechnung teerten die Dinge eingeführt, die wir als „Sute früchte" kennzeichnen, die Feigen, Orangen und Zitronen. Rasch weicht der vermeintlich unnutze Wald dem Weinbau, ter Weidewirtschaft. Die Ziegen fressen die jungen Schößlinge ab uni verhindern so auch den natürlichen Nachwuchs.
Dort, wo heute die öde Campagna mit einem dreißig und vierzig Kilometer tiefen Steppengürtel Rom umklammert, wo sich infolgedessen die Malaria einnistete, dort rauschten einst mächtige Wälder. Aber well das Volk mit be- sonterer Zähigkeit an seinen Waldgöttern hing, ließen die Päpste ten Forst ab treiben. Der , Karst, ernst ein herrliches Waldgebirge, wurde zu ter kahlen Steinwüste (die vielen Soldaten aus Splitterwirkungen her in böser Erinnerung tft), well die Venetianer die Stämme zum Bau ihrer Galeeren brauchten. Hier haben wir auch das Schulbeispiel für ten künstlich herbeigeführten Klimawechsel. Während des Weltkrieges wurden die letzten Baumbestände in Italien erbarmungslos niedergeschlagen — was jetzt vor allem Oesterreich „reparieren" muß. Tag und Nacht, seit zehn Jahren wandert der germanische Wald, zu Bauholz und Prügeln zerschnitten, nach Italien aus. Wann immer man ins Kanaltal kommt, findet man die Strecke fast verstopft mit Holzzügen mid im ersten österreichischen Landstrich, in Kärnten, die einst so stolzen Wälder zu elenden
zuweist. Der polnisch-russische Krieg hatte Frankreich veranlaßt, mit einer großen Sendung von Kriegsmaterial feinem Verbündeten unter Die Arme zu greifen. Die Danziger Hafenarbeiter weigerten sich aber, dieses Material auszuladen. Die aus diesem Grunde entstandenen Unzuträglichkeiten führten daraus in der allpolnischen Presse^ zu der Forderung, sich von Danzig „unabhängig" zu machen und seinen eigenen Hafen zu erbauen. Die Möglichkeit hierzu war gegeben, als man sich erinnerte, daß zahlreiche Polen aus der Schicht der oberen Zehntausend als Gegengewicht gegen das bei ten Polen recht beliebte, aber Danzig gehörende Zoppot auf dem gegenüberNegenoen Ufer der Danziger Bucht in ter Nähe des Fischerdorfes Gdingen ihre eigenen Dillen erbaut und damit teu Grundstein zu einem „polnifd)en Seebad" gelegt hatten. Sachverständige stellten genaue Untersuchungen an, die zu günstigen Ergebnissen fühtten. Und heute setzt Polen fein Aeußerstes daran, um in Gdingen einen modernen Welthafen auszubauen, ter zu gleicher Zeit die polnische Handelsmarine beherbergen, ter künftigen Kriegsflotte Polens als Basis dienen und — Danzig durch intenfwe wirtschaftliche Konkurrenz politisch auf die Knie zwingen soll. Etwa 8000 Arbeiter sind seit Jahr und Tag in drei Schichten täglich tätig, um die großen Betonblocks für die Kais fertig- zuftellen. Die ausgebaggerten Sandmengen find jo gewaltig, daß bereits heute Schiffe bis zu einem Tiefgang von acht Meter anlaufen können. Zwar ivar mit den Arbeiten nicht immer alles in Ordnung. Die Anlage einer Mole mißlang, und es kostete viel Geld, um ten entstandenen Schaden wieder gutzumachen. Zeitweilig mußten die Arbeiten eingestellt werden, da sogar die mit ihrer Ausführung beauftragte ©efcUfdjaft kontraktbrüchig geworden war.
Seit Herbst 1926 haben die Arbeiten aber steigende Fortschritte zu verzeichnen. Das Dorf, das gegenwärtig 2000 Einwohner zählt, hat bereits Stadtrechte' erhalten und soll in absehbarer Zeit auf 80 000 Einwohner gebracht werden. Ein pol- nischer Flottenverein entfaltet eine rege Propaganda für ten Hafenbau, wobei er besonders betont, daß es die größte Niederlage Polens wäre, wenn es mit Gdingen den Zugang zum Meere verlöre. Dieser Propaganda ist es zuzuschreiben, daß Gdingen heute in Polen zu einer Art nationalem Heiligtum geworden ist. In Danzig wird die Angelegenheit mit der größten Sorge verfolgt, auf Danzig lastet Gdingen wie ein 2llpdruck, wenn man sieht, daß der neue Hasen mit allen Mitteln merkantilistischer Handelspolitik von Warschau unterstützt, daß den sich dort ansiedelnden Firmen zehnjährige Steuerfreiheit, Vorzugstarife und der- gleidjcn gewährt werden, ja, daß verschiedene französische und andere Gesellschaften beginnen, einen dauernden Schiffsverkehr mit Gdingen zu pflegen.
Von polnischer Seite wird gegenüber ten Danziger Klagen stets auf die steigende Frequenz des Danziger Hafens hingewie- fen, und in der Tat haben sich die Ziffern des Danziger Schiffsverkehrs eine geraume Zeit aufwärts entwickelt. Tatsächlich ist das aber nur Scheinblüte, da durch den steigenden Transitverkehr in Wirklichkeit nur Polen selbst verdient hat, well er durch das Geschick und ten nationalen Zusammenhalt der polnischen Firmen fast vollständig in polnischen Händen ist. Danzig aber nur die bereits afiebbente Konjunktur zum Kohlen- und Holzexport ausnuhte. — In Fachkreisen wird daraus hingewiesen, daß theoretisch sowohl Danzig wie Gdingen nebeneinander bestehen und leben könnten. Tatsächlich geht aber die unverhüllte und eingestandene Tendenz Polens dahin, Danzig erst durch die Gdinger Konkurrenz politisch zum Rachgeben zu zwingen, ehe man sich bereitfindet, ihm einen Anteil an dem Handelsumsatz zuzugestehen. Und Polen hat gegenüber Danzig so viel Trümpfe in der Hand, es hat weiter so unzweideutig ihre Ausspielung angekündigt, daß an der Chancenverteilung leitet kein Zweifel bestehen kann.
Die Aussichten für die durch Arbeitslosigkeit i und Wirtschaftsrückgang schwer heimgesuchte Stadt
Für die deutschen Schulen im Auslande wird bekanntlich durch große Organisationen im Reiche, vor allem durch den Verein für das Deutschtum im Auslände, sehr viel getan. Riem and wird die Verdienste, die sich ter genannte Verein in dieser Beziehung erworben hat. schmälern wollen. Aber es mutz immerhin festgestellt werten, daß sich seine Tätigkeit in ter Hauptsache auf die Schulen ter geschlossenen deutschen Siedlungen im Auslände konzentriert.
Und da ist es zunächst wohl von Interesse, auf die Lebensbelange dieser deutschen Sied- lungsgebiele im Auslände etwas näher einzu- gehen- Soweit das Siedlungsteutschtum im Auslände lebensfähig ist, erhebt es ten Rechtsanspruch auf kulturelle Autonomie. Es will sein Deutschtum innerhalb des fremden Volkstums erhalten; es lehnt das weitere Eindringen fremden Dolls- tums mehr oder weniger bewußt ab. Der Rechtsanspruch auf kulturelle Autonomie gründet sich auf das in ten Frietensverträgen geschaffene sogenannte Minderheitsrecht. Gs liegt auf ter Syanö, daß es eine Ehrenpflicht ter deutschen Heimat ist, dieses Siedlungsteutschtum in fernem Bestreben, sich feine kulturelle Autonomie zu sichern, zu unterstützen, an ter Erhaltung dieses Deutschtums im Auslände mit» zuarbeiten. Es handelt sich um die Erhaltung lebendigen deutschen Kulturgutes, dessen Wert von ten Regierungen ter fremden in Betracht kommenden Länder selbst erkannt werden müßte, wenn kulturelle Einsicht und die Erkenntnis der Notwendigkeit des Minderhellsschutzes die Grundzüge ter Politik bestimmen würden, und nicht 6er Wille zur Macht, zur unbedingten Vormacht des eigenen Volkstums, der Wille zur Unterdrückung fremden Volkstums. So sehr das Recht auf nationale Selbständigkeit und Unabhängigkeit jeden Dolles anerkannt werden muß, so sehr ist das Unrecht der Unterdrückung fremden Volkstums zu verurteilen.
Was die Schulen der deutschen Siedlungsgebiete im besonderen angeht, so ist ihre Hauptaufgabe folgerichtig zu charakterisieren dahin: sie haben dazu beigetragen, das Deutschtum zu erhallen. d. h. das weitere Eindringen fremden Volkstums mehr oder weniger bewußt afizu- lehnen. Es dürste für diese Schulen deshalb die Bezeichnung „Deutsche Abwehrschulen im Auslande" als nicht ganz geeignet erscheinen. Run gibt es aber neben den Schulen in den deutschen Siedlungsgebieten noch sehr zahlreiche untere deutsche Schulen im Auslände, vor allem die Schulen der sogenannten deutschen Kolonien. Solche deutschen Kolonien sind fast in allen größeren Städten im Auslände vorhanden. In ihnen bilden Reichsangehörige, Oesterreicher usw. ^deutsche Hairdelskammern. deutsche Hilfs- und Schut- ixreinc, Turn-, Schützen- und Sportvereine usw. Ließen sich Deutsche in ihrer neuen zweiten Heimat naturalisieren oder ertoarfben fie_ kraft Gesetzes durch Geburt die Staatsangehörigkeit im Lande, so blieben sie und fühlten sich trotzdem auch weiterhin als Mitglieder der deutschen Kolonie, soweit sich die Einstellung ihrer Lebens- mteressen nicht wesentlich änderte.
In ter Vorkriegszeit besaßen die Reichsdeutschen in vielen Ländern ihrer Zahl und ihrem Einfluß nach in den deutschen Kolonien eine führende Stellung und in manchen, besonders während des Kriegs neutral gebliebenen Ländern ist es auch in ter Nachkriegszeit so geblieben. Aus fast allen Ländern, die am Kriege gegen Deutschland teügenommen haben, wurden indessen ine Reichsdeutschen verdrängt, und ihr Wiederem- teingen in die Stätten ihres früheren Wirkens vollzieht sich auch heule noch sehr ungleichmäßig. Die Neigung ter Reichsdeutschen, sich im fremden Lande naturalisieren zu lassen, nimmt auf Grund ter im letz'en Wellkr iege gemachten Erfahrungen w. Nichtsdestoweniger kann im allgemeinen behauptet werden, daß gerate dieses Ausland-
Danzig am Zahresende.
Don unserem ?.°Berichterstatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.
Danzig, Ende Dezember 1928.
Es gibt im Danziger Hafen einen Punkt, von dem aus man zwei Welten sieht. Wer auf einem der kleinen Hafendampfer sich von den neuen Hafen- anlagen nach dem mittelalterlichen Hafen Danzigs in der Mottlou begibt, der erblickt vor sich die alte Hansestadt in ihrer ganzen Pracht. Da ist der etwas unförmige Turm von St. Marien, die jetzt durch die Niste, die sirf) in ihrem Gemäuer zeigen, schwer bedroht ist, umsäumt von den kleinen spitzen Türmen; der Barockturm des Rathauses, die goldenen Kuppeln des Zeughauses, der viereckige Turm von St. Katharinen mit feinem Zwiebelausbau. Blickt der Reisende aber zurück, so sieht er am Horizont den Riesenkran der Schichauwerst, das ineinander verflochtene Gestänge der zahlreichen anderen, kleineren Krane, die Schlote und Masten der Schifte, die ein- und ausladen. — Zwei Welten sind es, die sich hier offenbaren. Geschichte und Wirtschaft, alte Hansepracht, historische Atmosphäre und wirtschaftlicher Rationalismus, wild pulsierendes Leben eines modernen Welthafens.
Dieses Doppelgesicht Danzigs hat fein geschieht liches Schicksal bestimmt. Schon vor dem Weltkrieg, als Danzig noch die Hauptstadt einer preußischen Provinz war, wurde der Kriegshasen gegründet, die Zuckerindustrie neben dem russisch-polnischen Handel entfallet und damit der weiteren wirtschafllichen Entwicklung der Stadt ein Weg gewiesen. Aber erst der Ausgang des Weltkrieges hat Danzig „berühmt" gemacht, hat es in den Mittelpunkt politi- scheu Geschehens gerückt. Das neugefdjaffene Polen begehrt Danzig als seinen Hasen, Danzrg aber wehrt sich, ter alte Hanseatengeift wird wieder wach, Danzig ist deutsch und will deutsch bleiben. Aber wider feinen Willen muß die Stadt zu neuem geschichtlichen Leben erstehen. Sie wird „geschaffen", zum Freistaat erklärt. Sie muß die Aufgaben eines souveränen Staatswesens übernehmen. Allerdings mit sehr wesentlichen Einschränkungen. Denn die Zollpolitik liegt in den Händen Polens und außenpolitisch wird es von Warschau vertreten. Und diese Notwendigkeiten, die von einem keine Fesseln kennenden Kriegsgeist von Versailles diktierten Bedingungen, selbständig fein zu müffen und sich doch wieder praktisch einer polnischen Willkür ausgesetzt zu sehen, — diese widernatürliche Lage legte den Grund zu einer immerwährenden innerund außenpolitischen Krise, deren Ende nicht ab- zusehen ist.
Jede Betrachtung der heutigen Lage Danzigs muß notgedrungen von diesen Tatsachen ausgehen, die die gesamte Entwicklung beherrschen. Ein Zwitterstaat mit im ganzen 360 000 Einwohnern, ter staatsrechtlich die Souveränität besitzt, welche aber zugunsten Polens in wesentlichen Punkten außerordentlich eingeschränkt ist; der zu 97 v. H. deutsch ist, aber fier Kontrolle des Völker- buntes untersteht, einen aus je fünf Danziger und polnischen Mitgliedern unter dem Vorsitz eines Neutralen bestehenden Hafenausschustes dulden und sich das Schalten und Walten Polens in seinem eigenen Hause ansehen muß — das ist der „Freistaat" Danzig. Im Mittelpunkt der Danziger Sorgen steht das Gespenst des Hafens in Gdm- gen, ter von Polen im Eiltempo ausgebaut wird. Dieser Hafen droht das Schicksal ter Freistadt zu werden. Vor einigen Jahren noch ein unbedeutendes, kaum bekanntes Fischerdorf, ist Gdingen von ten Polen dazu ausersehen worden, der polnische Hafen der Zukunft zu werden.
Die Geschichte dieses Hafenbaues ist von nicht geringerem Interesse als die Aufgabe, die Polen ihm
Spargeltestänten verkümmert. Ja, auch ter Kahlhieb greift auf eine Weise um sich, daß jedem Waldfreund das Herz bluten muh.
Im heutigen Italien wird viel von nationalem Aufschwung, von radikalen Aenterungen in ter Lebenshaltung, von der Abkehr vom dolce far niente, das früher die Lebensmaxime schien, gesprochen, aber das Erstaunlichste ist doch wohl ter Bruch mit einer zweitausendjäh eigen Uebet- liefcrung, ter Wille, Italien wieder aufzuforsten. Um voll zu erfassen, was das heißt, muß man nur an die wirtschaftlichen und klimatischen Aente- rungen denken, die eine solche Politik im Gefolge haben kann, an die Umstellung, die ter DrÜkspsyche zu gemutet wird. Der Baum nicht mehr ein Feind, sondern heilig! Die „dunkeln düsteren Forste" nicht mehr ein verächtliches Vorrecht ter Barbaren, sondern ein erstrebenswertes Ziel des „helleren sonnigen Südens"!


