Ausgabe 
28.7.1928
 
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dqg ParlamentL cbäudc etwa eine Ormietoalboilla, aber völlig geschmacklos - und bas /palats'' des Präsidenten, ein früb- fches Keines Haus mit zwei Stagen. Man schuf ein paar Hotels, von drnen eins einen, wenn auch bescheidenen, europäischen Komfort auftoeist: aber das genügt ja schließlich auch für eine Stadt, in der das ^baffet für ein Bad mit Sfeln in blauten Kannen herangeholt werden muh. Ti­rana prä!entter( sich hrute also als ein lurio'er Mischmasch zwischen einer kleinen Provinzstadt Osteuropas (man muß bei d^n QieubauLn an Ruhland oder Litauen ixnteo) und einem rein ortenialüchen Ort. Denn neben den neuen Straßen flcbcn noch die alten mit den fenfterlofen Häuser­reihen, vor denen mohammedanisch« Einwohner hocken. Das Außenministerium, als das Bindeglied zwischen Albanien und zivilisier­ten QSteft, ist in ein en Reubau untergebrach i. der nach unseren Begriffen für zwei Familien aus- reicht, vorausgesetzt, dah keine K aber vorhanden sind. Aber Albanien ist keine Großmacht, und der Minister mit feinem Stad von Mitarbeitern, lanu sich, wenn man den Warteraum abrechrrrt. gut und gern in sechs oder sieben Kämmerlein aus- breiten. Ss bleibt immer noch im Keller Platz für die Hausanzüge der beiden Eilboten des Herrn Ministers. Die anderen Ministerien, wie etwa das ter Finanzen, des öffentlichen älnterrichts und der Landwirtschaft sind noch in alten, halb ver­fallenen und schmutzigen Häusern einquartiert. Der Mangel an Wohnungen für die Minister hat übrigens auch eine gute Folge, denn durch ihn ist die albanische Regieruiw gezwungen, die 3abl ihrer Beamten auf ein Minimum herabzudrucken und so bleibt allein Albanien vor der allgemein- europäischen Ministerinflation verschont. Ein wahrer Segen, denn Albanien ist nicht nur arm an irdischen Gütern, sondern auch arm an Gebildeten, die solche Aemter wirklich ausfüllen könnten.

Kl-anaüsch liegt Tirana außerordentlich un­günstig. Ringsum um die Stadt breitet sich eine iiunpfigc Ebene, die von Bergen eingeschlossen ist. Es ist unglaublich heiß in Tirana und die Malaria ist die Geihc! ganz Mittel- und Rorda-lbaniens. Fast alle Einwohner der Stadt sind malaciafran/ »der wenigstens Malaria­sandidaten. Der Hitze wegen arbeitet man in allen Stealsärntern. auch in der Post, von 7 älhr früh bis 1 lUjr mittags. Ilm 1 Uhr stirbt alles Leben aus und erst am Abend erwacht die Stadt. Dann füllen sich die merttoürdig zahl­reichen Eas^s. wo sich alle Welt trifft. 3n dieser. Easi'-s spielt sich auch das politische Leben der Hauptstadt Albaniens ab. Man erfährt dort alle Reuigleiten (soweit Reuigleiten in Tirana oder überhaupt in Albanien passieren: derSefegraaf" erscheint nur dreimal wöchentlich). 3n den GafeS spinnen sich die lompliziertesten Politischen In­trigen. für die der Albaner, wie alle Orientalen, eine besondere Schwäche hat. 3m Augenblick ist es nicht ungefährlich, in Albanien Politik zu treiben, ja. dieser Späh kann das Leben tosten. So ziehen es die albanischen Kasfeehausstrategen der­zeitig vor, in Weltpolitit zu machen und das Schicksal Franlreichs, Deutschlands und Eng­lands umzugestatten ober Herrn Stxefemann, Driand oder Chamberlain zu kritisieren oder zu loben während man Albanien, Achmed Zogn oder Brioni, den albanischrn Auhenminister, lie­ber gar nicht erwähnt. Eine andere 3er* streuung der Tiranoten ist ein Spaziergang auf der Hauplstrahe, die nach Durazzo fuhrt. Diese ungewohnt schöne Strafe wird besprengt, und damit die Automobile die Promenade nicht stören, ist.es strengstens verboten, schneller als im Dier- stunben-Kilomelertcmpo zu fahren.

i Trotzdem Achmed Zogu ein groher Verehrer .nemal Paschas ist. hat er es nicht gewagt, den Fez der Männer ober den Gesichisschleier der Frauen zu verbieten. Die mohanuncdcuvischen Frauen verschleiern also noch heute ihr Gesicht. Aber die jungen Damen tragen nicht desto trotz kurze Röckchen bis übers Knie und sie glauben auch, dah Allah ihnen nicht zürnt, toenn der Schleier hauchdünn und hübsch durchsichtig ist. Wird die Frau älter, dann wird auch der Schleier wieder dichter. Ob Allah daran schuld ist, mag dahingestellt bleiben, auf jeden Sali ist sicher, daß niemand am Richtanblick der bichtvcrschleiertcn Gesichter etwas verliert.

Schlichlich ein baar Worte über das albanische Geldwesen. Roch vor zwei 3ahren war Ai- banicn das einzige Land in Europa, wo Gold frei zirkulierte. Man rechnete mitRapo- l e ons", d. h. mit Goldfrank. Seitdem die Ratio­nalbank existiert, ist das Gold durch Papier er­

setzt Die Münzeinheit ein Goldsrank, der ;n fünf Leks eingeteilt ist. Aber das neue Geld hat das Silber nicht verdrängt, und weil die Oesterreicher und ihre Alliierten enorme Mengen von Silbergeld in Albanien liehen. Jo rechnet man in Silber jetzt nach Ärcnen. Fünf Frank Gold oder c:n Dollar find 13 ... Silbertrvnen. 3m Prinzip ist die Krone gleich der alten österreichischen Krone Tatsächlich aber gibt cs neben diesen noch manches andere. 3n einigen Tagen hab: vdfr mir hier eine Musterkvllettwn ter. Süoermünzcn tast alter lriezsührenden Län­der an legen tonnen französische Franken, italie- nifdfe Lire, Levas. Dinare. Drachmen und selbst drei Martstückc von vor dem Kriege! Dos ist die albanisch? Hauvtstadt in ihrer ganzen Buntheit.

Oberhessen.

NkgLn üver das Trais-Horloff.

Aus Trais-Horloff wird nns ge- schrieben:Die Ausführungen der Direktion der Gewerkschaft Friedrich in Hun­gen dürfen nicht unwidersprochen bleiben, da sie aus eine. 3rreleitung der öffentlichen Meinung hinaus! auf en.

Das Schwelwerk in Trais-Horloff ist ein indu­strielles Unternehmen, das sich, was den von ihm ausgehenden widerlichen Geruch anlangt, in keiner CQkie mit einer Gasanstalt der Großstadt vergleichen lähl. Ein Dutzend Gasanstalten rund um Trais-Horloff würde nicht entfernt solche Belästigungen für die Bevölkerung bringen wie dies eine Unternehmen, das die Gesundheit vieler Familien in gröbster Weise aufs Spiel fetzt. CSenn selbst gesunde Leute unter den Einwirkungen des Gases crbrechem und viele Stunden der Rächt schlailos zubringen, wie sollen ältere oder kranke Personen .zu Kräften kommen? Kinder gehen zur Schule, die ihr erstes Frühstück bereits von sich gegeben haben, weil die Magennerven unter den Einwirkungen der Pestlnft versagen. Aerztliche Gutachten in dieser Hinsicht liegen dem Vernehmen nach bereits vor.

Wenn die Direktion schreibt, dah sich dieser Justond wefentlich gebessert habe und die meisten Beschwerden stark übertrieben seien, so weih man in Trais-Horloff und Umgebung, was von diesen papiernen Beschwichtigungsversuchen zu halten ist. Vollends der Sah. dah die Abwässer der Fabriklediglich etwas Koksstaub" enthiel­ten, ist eine mehr als kühne Behauptung. Wer fein Geruchsorgan diesemWasser" auf etliche 100 Meder nähert, wer dieses Wasser" sieht oder etwa gar damit in Berührung kommt, der ist anderer Meinung.

Die Bevölkerung von Trais-Horloff und Um­gegend läht sich mit Zusicherungen, die eine Ber- schleppungstaltik bedeuten, nicht mehr abspeisen. Man weih allmählich, wie sie gemeint sind, nach­dem man in Trais-Horloff bereits Teerwasfer getrunken hat. Die Direktion des Schwelwerkes glaubt, mit ein paar oberflächlichen Bemerkun­gen die Klagen der Landbevölkerung abtun zu können.

Würde die Stadt solche Rücksichtslosigkeiten erfahren haben, die man sich innerhalb eines halben 3aHves dem Dorf gegenüber erlaubt hat (die Direktion beruft sich in ihrer oben genannten Zuschrift auf die Stadl), so wäre das Echtoel- werk von der öffentlichen Meinung längst ge­zwungen worden, an den elementarsten Forderun­gen der Hygiene nicht achtlos vorüberzugchen."

Da inzwischen eine amtliche Untersuchung des Falles eingeleitel worden ist, dürfte eine weitere Diskussion darüber in unteren Spalten vorerst nicht tunlich fein.

Landkreis Gictzcu.

Kesselbach, 27. 3uli. Das aus der Benne bei Kessclbach neueingerichtete B a s a 11 s ch öf­ter w e r k mit modernen Anlagen wurde in Betrieb gelebt Das Werk wird unter der Firma Basallwerle M. Hertel, Kesselbach, betrieben Wie wir hören, wird der Betrieb, sobald die Maschinen eingebauten sind, unter voller Aus­nutzung der Anlagen arbeiten, so daß eine größere Anzahl Arbeiter (80 bis 100) dauernde Beschäftigung finden.

ch Lich, 27. Juli. Nachdem die nach Nieder- Bessingen führende Landstraße jahrelang in einem sehr üblen Zustand mar, wurde sic in den letzten Wochen von Grund auf ausgebesfert, gewalzt und mit Teer cingeschlcmmt, so daß sie nun als

eine der besten Straften in der gnnyn Umgegend bezeichnet werden kann.

treu Lrhortr».

Aus dem Obcrwald, 27. Juli. Unser an Wajsec in normalen Zeiten reüh gesegneter Ober- walb beginnt nachgerade die Trockenheit auch zu spüren. Die Bächle-n inerten von Tag zu Tag kleiner. Kratzen, Fuchse, hier und da sogar Fisch reiher. Katzen und Dorfbuben machen iich da­zu nutze und hoben oft genug Erfolg bei der F o - r c 11 c n j a g b. Auch die gefaßten unterirdische» Quellen und !ERaHeratern verlieren ihre Eratebia teil, jo daß viele Gemeinten vor zu starkem Üvasser- netbraud) haben öfientlich warnen nuiifen, wenn sie nicht schon dazu udergc^rngen sind, dir Veitun gen für gewisse Abschnitte des Tages abzustesten.

Äxcie Lauicr^ch.

| Lauterbach, 27. Juli. Während ter Vorbe­reitungen zu teu Reichsjugcilbwcltkämp- f c n morden überall dieselben Beobachtungen ge­macht. Dic auis Land übermictencn .nute Unter ans den Städten können sich mit ten (L»ntzeü>ui.teu gut melfen in Sörpertrafl und Ausdauer. 3u (tzewandt beit und cdwicliigfeit sind sie ihnen sogar im all gemeinen stark überlegen. Darum werden, wie bas schon im Vorjahre der Fall war. die Landfinder bei der Zuerkennung der Auszeichnungen nicht io gut abschneibeu wie ihre städtischen Samcraten.

Giarkeuburg.

WSW Darmstadt, 27. 3ulL Die Stadt­verordnetenversammlung hat in ihrer gestrigen Sitzung dtc Stab*t>crtoaltung ermäch­tigt. zur Förderung des Wohnungs­baues im 3obre 1928 für Baulustig" nach ein­gehender Prüfung ter .fehlungssahigtcit und ent­sprechendem Baufortschritt, im übrigen aber nach sreiem Grmcf'cn ganz ober teilweile Bürgschaft zu leisten für verbilligte Baudarletzen, die den Baulustigcn als Vorauszahlung gewotz-rwer­ten für die später durch l. Hypothek zu sichern­den Darlehen. Die bisher geübte Praiis d^r Landesbank, ihr Darlehen (1. Hypothek) erst nach FertigsteUnim des Baues auszubezahten. sowie die weitere Präzis, die verbilligten Baudarlcten aus der Sondersteuer den Bauiustigen erst dann zukvmmcn zu lasten, toent. der Staat die Gelter zur Verfügung stellt, hat sich als schwirr Hem­mung für dieSautätigfeit erwiesen. Mit diesem Beschluß der Stadtverordneten ist nun eitdlich einem XtebcUtand abgcholfen worden. Wie in anderen Städten, fo wird auch hier über das schlechte, unt aubere Trinkwasser ge- flogt. Auch in ter gestrigen Stadtverordneten­versammlung tourte wiederholt Klage darüber geführt, daß das Trinkwasser viel zu stark cifen- haltig fei. Eine Enteisungsanlage tourte gefordert. Da jedoch der Reudau einer Reinigungsanlage einen Kostenaufwand von 2.5 Mill. Mark er­fordert, wurde das Projekt vorerst fallen ge­lassen.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

O W e ft l a r , 28. 3uli. Mit dem Unwetter von gestern abend ging gleichzeitig ein schweres Hagelwetter über unterem Orte nieder. Es wurden an der Franlsurter Straße dicke Kä­st anienbäume umgeknickt. An der Veranda des städtischen Krankenhauses und dem Glasvorbau find die Scheiben eingedrückt worden. 3in unteren Stadtteil floß das Regenwafser durch mehrere Straffen; bei einer Gastwirtschaft am Schillerplatz soll Wasser in die Lokalitäten ein­gedrungen sein,

Krofdorf, 27. Juli. Nachdem dic Ein- dcckungs- und Wahzarbeiten an der Gießener Straße beendet worden sind, konnte gestern vormittag der Verkehr wieder in vollem Umfange ausgenommen werden. _ _ .

<> Dornholzhausen, 28. ouh. Bet dem gestern abend niedergegangenen Unwet­ter hat ein starker Wirbelsturm in der Räche des Knorrhofes an der Provinzialstraße Wetzlar Butzbach erheblichen Schadenan- gerichtct. Ein starker Avsclbaum von etwa 50 bis 60 Zentimeter Durchmesser wurde in der Mitte auseinandergerissen. Der Baum fiel auf die Telegraphenleitung, riß einen Telegraphenmast um. wodurch die Leitung aus eine Strecke von ettoa 200 Meter saft vollstän-

Möwe im Sturm.

Vornan von Sophie Moerß.

26. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Herr Möllmann sagte daraus ohne jede Erregung: ach wollte mich soeben von Eurer Hoheit ncrab- schieden, do ich mit dem Nachtzug nach Frankfurt fahre. Wir haben dort geschäftliche Beratungen, die sich in Bamberg und München fortsctzen. Wenn Euer .Hoheit wünschen, hatte ich Gelegenheit, mich dort nach der Herzogin zu erkundigen."

Sie selbst? Ach, bester Herr SoUmann, das wäre ja reizend. Das wäre mir ja eine solche Beruhigung. Macht es 3l)ncn auch nicht allzuviel Umstande?"

Herr Stollmnnn lächelte, neigte den mächtigen uier- fantigen Kopf über die Hand der kleinen Dame und fegte:Es darf mir schon einige Umstände machen, wenn ich damit nur das Wohlwollen Eurer Hoheit gewinne."

Er verbeugte sich leicht gegen den entfernt stehen- den Hausherrn unb ging durch den Park zu feinem wartenden Auto.

Tiergartcnslraßc?" fragte ter Wagenlenker.

Nein, Dank!"

Es mar nach acht Uhr, und die Räume der Bank lagen dunkel, nur in Kollnmnns Zimmer unb dem dancbenliegenten feines Prioatfekrctärs brannte noch Licht. Als der breitschultrige Monn das Gebäude bc trnt, drückte ter Pförtner auf einen elektrischen Knops, sofort lagen Treppenhaus unb Gange bis zum letzten Winkel in blententem Schein. Herr toicocrfen, ber Privalfekretär, sah das Aufflamrncn in ter Milchglasscheibe feiner Zimmertür unb wußte, wer kam. Ein unterer wäre um blcfe Zeit hier auch nicht mehr erschienen.

Ein leises Schurren draußen, der Fahrstuhl war im brüten Stack angelangl, unb nun faßte eine .Hand schnell unb energisch noch dem Türgriff. Ehe Peter Sieversen auffteben konnte, stand Moünumn schon mitten im Zimmer.

..Nach irgendwelche Eingang, mit ter Abcudpost für mich persönlich?"

Aus 'Amerika von Swift Drolders, Herr Soll mann.'*

..Jetzt erst die Quittung für die letzte Sendung'' Ober sonst etwas?"

Sie fragen an, ob sie bas Geld zurückgehen lassen sollen, Herr ÄollmaniL Es ist unbestellbar."

Es (am doch sonst immer an. Ist die Dame aus Philadelphia verzogen?"

Die Dorne ist tot," sagte Sieversen langsam. Er war sich nicht so ganz klar, In welchem Ver­hältnis die Dame mit dem gleichen Namen wie fein Ehcs zu diesem stand.

Wie was sagten Sie?" Kollman war rasch an ten Tisch getreten, griff in die Briese, riß aus einem Umschlag das Schreiben und las hastig, oebr merkwürdig. 3n der Wohnung heißt cs, die dctrefscndc Dame solle verunglückt und tot fein. Seit vier Wochen nichts Genaueres erfahren. Sollen wir nachforschen?" Denen ist auch wohl bei der diesjährigen Ställe ter Verstand eingefroren. Sollen wir nochsorschen? sollen mir Geld zu- rückjchicken? 3d) sage, diese Anwälte! Wenn nicht ein Vermögen aus einer Sache herausspringt, bann sind sie verdammt langsam."

3ch wartete darum rrnch in der Pank," sagte Sieverjen. ,.3d> hätte cs, wenn Herr ÄoUmanu nicht mehr gekommen wäre, in die Tiergartenstraße gebracht/

Der Generaldirektor horte nickst mehr zu. Er ging mit schweren Schemen auf dem blanken Bo­den hin und ber. Zweimal hob er den Kops zu Sieversen hin, als molk er etwas sagen hielt das Wort wieder zurück und schritt weiter. Das mar sonst nickst feine Art, unb Sieversen überlegte, baß biefe Sache ten Ches ziemlrch nahe angeben müßte. Immerhin, er konnte auch noch eine Stunde hier warten, bas war sein 'Muü.

Sind Sic in Amerika gernefen, Sieverfen?"

Mal drei 3ahre, Herr KoNinonn, unb mal ein­undeinhalb."

Sprechen cckjo fertig EnglUch» Wissen in ter ganzen Union Bcübest»-

Reuyork, Wafhmgton. Philadelphia, Boston da mar td) Reisender für eine Lebensversicherung. 3m Westen hab' ich auch nur die großen Stabte tennenpelenü"

Genügt. Hasten Sie s,ch bereit, hinuberzufahren. io halb ich cs bestimme Meine Ange le genheil tei Bank Und schreiben sofort an die omi't Brothers, baß sfe ein blßcknn »chneü Erkundigungen cucholen falten Gelb gleichgültig. Ader genaueste Einzel- besten."

Sehr wohl, Herr Lollmann."

Alle Nachrichten für inieh, die nicht geschäftlich sind, nach München in den Vanrijchcn Hos. 3ch fahre gleich ab. Wiedersehen

Der Auszug schnurrte abwärts, unten hallte die massige Tur 'des Seiteneingangs, Peter Sieversen schrieb an Swift Brothers, inan sei etwas erstaunt daß die Herren 'Anwälte ihrem 'Hamen so wenig Ehre machten. Herr Äollmann sti gewohnt, nicht erst in seinen Angelegenheiten mahnen zu müßen. 3n aller Höflichkeit lehr teustich.

Peter «.ieocrfen liebte die Panlecs nicht. Er kannte sie zu gut.

Die Damen lvohlrcn hier nct mehr." fegte das Mädchen und sah ten Herrn im vornehmen Geh' pelz neugierig an.

So? Wohin ist das Fräulein von Erdmanns- darf denn verzogen."

Dös weiß i ueL"

,,Abcr Ihre Dame wird cs mahl miffcn Wallen Sic nicht einmal fragen?" Ein silbernes Marsiuick unterstützte das Pegrifssoernmgen fo rnesenllich, daß die Elies sich entschloß, noch Frau Major zu

Die Damen, die hier tei mir gewohnt haben? Ra ja. wie das so ir. haben halt von heut auf morgen die Wohnung aufgefegl und sind davon. Die eine, was sich Baronin genannt hat ist mit einem feinen Kavalier aus die Reife gegangen, die andere" Sie stockte in der Rete unb sah ten fremden Herrn prüfend an. Wie stand ber zu den Damen? Man mußte als Zimmernstniu vorstchiig sein.

Wo ist die untere Dame jetzt?"

Himmel, hatte ter Befehlsaugen. Unb eine Stimme, bic keinen Winkelzug duldete.

Die andere ja die andere was bosFrnuln von Erdmannsdori war Ich weiß net, ob's ihr rocht ist. wenn ich davon sag'. Aber wenn der Herr um dic 6dc geht zum Schmoller. Konditorei und (Safe, da wird ter Herr sie schon um diese Stund' anireffen."

Der Herr griff kurz an ten Hut und ging.

Beim Schmoller war schon Betrieb, aber kein Lebhafter. Es saßen ein paar Dutzend Leute, tran­ken ihre Fleischbrühe unb aßen Posteten^ hinter bem Büfett mar die Frau Wirtin selber deschästigi

N.g zerstört wurde Aus dem Felde tR ein großer Teil der Kornharsten urngeworien und zum Teil wer» lortgcfefecutei: worden.

^Dornholzhausen, 27.3uli. Die H a u p t - Verkehrs st raß« des Hrittenbergs, die am SUee- dach herzte he ndc Landstraße, ift tem Verkehr in ber heutigen xfeit nicht mehr gewachsen. Ist sie doch nur so schmal, daß sich zunü auf der Straße begeg­nende größere Wagen nicht ancinanter begegnen können. Es ist bann eines ter beiden Fuhrwerke genötigt, von ter Strafte lestwürls ab in bas Feld ui fahren, bis bas entere vorüber ist. Bei größeren Autos ist cm Ausweichen völlig ausgejchloyen. Um diesem Hotel adzuhelfen. wird gegeuwärftg die StrabcnernKiLerung an uranchen 'Stellen i»orge­nommen. Auch ;wifchcu hier und dem benachbarten Hochelheim wird die Straße uni etwa zwei Meter breiter ausgebaut.

0 Münchholzhausen, 27. Tfell Die b«- fige Gemeinte laßt gegenwärtig in unterer Sfem<zr- fimg Quellbobrungcu vornehmen, um bas zu dem geplanten Bau einer 3 c at tn le u Wasserversorgungsanlage erforterUdK Wasser zu erschürfe». Die Schürsungsyrm'uell fint utunternehwer .Hoher au5

tragen, der bereits nüt der Bohrung des zweiten Schachtes begonnen hat. 3a dem ersten Schacht bat man bereits eine 'S«!Herater von beträchtlicher Stärke erbohrt, eine solche hofft man auch in tem anderen Schacht zu iinten. Die Lage unseres Orte» bringt es mit fei), daß die zu erbauende Anafser- leitung über natürlichen Druck verfügen wirb, wo- dirrch rrteblid« Sofien erspart werden Dic Mittel für die Schürjungsaideiten werden durch manattich' Kastenbcrträgc der Hauslsttltungsoorstönte anjae bracht.

Klein-Rechtenbach. 27. 3iUL 3n den ausgedehnte > K rschbaruuanlacrn unterer Gtemax- luuit ist die Ernt-- der Späikirschen in vollen, G.znge. Ti: KiZchbäume zeigen burchtvrg. einen ausHczeichnrlen Behang, und die drechätzrige Kirschen ernte ist als dfe teste teil 3echren zu te- zeichneiu Da in and:r.n Orten dic Krrschenrrnte nicht sehr gut ausfällt, berrsckst eine außerordent­lich starte Rachfroge. wie b.e hier nur teilen be­obachtet wurde. Täglich find cm? größere Anzahl Händler hier anÄKtend. um die frisch gepflückten Früchte sofort ab: utrausport irren. Für ben Ifentncr gute Heezkirschen m rten bis zu 40 Mk. bezahlt, während der Breis im Äteiuixrfcutf sich etwas höher stellt.

- - Aus dem Kreise Wetzlar. 27. 3uli. Die Maßnahmen der preußilcheu Regierung, durch Bcihilsen zur Veredlung von ObUbäumen eine Sortev.verracgerung und da­mit bessere Absalzverhältnisfe zu schalien. battet in diesem 3ahre in unterem Streik einen bei­spiellosen Erfolg zu verzeichnen. Während aus den im vorigen 3ahrc erftnmltg zu dickm ^Ztoeck bereitgestcllten Mitteln zu 30000 Vcrediu.vgen (Köpfen) Beihilfen gctoäbrt wurden, belief fich die Zahl der in diesem 3ahre auf biefe Weik vvrgenommenen Veredlungen auf ruub 70 000 Köpfe. Obwohl in diesem 3^chre dem Streife di« stattliche Summe von 5000 Wk. zu dxetem Ver- toendungsztoecke überwiesen War. kann infolge ter hohen Kopfzahl nut ein Zuschuß von 7 Pfennig pro Veredlung geleistet werden, roäfttcnb der Staat im vorigen 3ahr dic Hälfte der $er- edlungslosten, 10 Pf. pro Slops, übernahiu. Die Beihilfen werden nur für einzelne s»'währte Obstsorten gegeben, die unter Berückstchuaung örtlicher Lagen unb Bodenverhältnisse von tem leitenden Ärcidobftbaubcamten bestimmt werben. Bei ber regen Beteiligung ber einheimischen Obst­züchter an bietet Sache kann erwartet werben, baß unserem Kreis auch im nächsten 3ahrc eine namhafte Summe zrt diesem (Zweck von »er Re­gierung zur Verfügung gestellt wird. Rach bem Jahresbericht ber Herbbuchgcfell- schaft für bas Vogelsberger Rinb im Kreise Wehlar hat diese auch im abgelauscnen Geschäftsjahr regen Zuwachs erfahren- fie zählt jetzt 822 eingetragene Tiere, unb zwar 602 Kühe. 66 Rinbcr und 154 Bullen, gegenüber 757 Tieren im Vorjahre in insgesamt 63 Orten des Kreiles Wetzlar. Erfreuliche Erfolge erzielte die Herd- buchgcsellschaft auf der diesjährigen T -L.-G.- Ausstellung in Leipzig, wo ihr ber Siegerehren­preis des preußilcheu Vanbtoirtkbaftimini» steriums unb zwei erste Preise zusielen.

Dillkreis.

bl. Dillenburg. 27. 3ult. Von feiten des Deutschen Luftratcs hat man das im DillftnS gelegene Hirzenhainer Fluggelände »mw-arTB ...... i .in

und hatte wachsame Augen auf Gäste und Per­sonal.

Es machte alles einen feinen unb austäirbigen Eindruck. Kollnuuin sagte sich, daß Maria immer­hin noch nicht ganz ia Rot sein könne, wenn sie hier zu frühstücken pflegte. Er war sicher, daß er sie wiedercikennen würde, er hatte ein gutes Per- icncngcdächtni:. und ihre Erscheinung mußte ihm sofort auffollcn. Einstweilen erblickte er fie nicht. Um aber niemand zu übersehen, der aus- und ein ging, setzte er sich an einen Tisch dicht neben tem Eingang und hob die Augen, sowie die Tür sich rührte.

Jemand sagte neben ihm: ..'fites darf ich brin­gen?" Eüi iliichliger «eitcnblick zeigte ihm ein schwarzes Kleid, eine weiße schlitze er antwor­tete gleichgültigBouillon und Pasteten" und wandte den Blick wieder tem Fenster au, wo eben ein großer dunkler Mann vorüberfchritt^ Der Dunkle hatte etwas Bekanntes gehabt, oo der ganze Umriß, unb wie die eine Schulter ein wenig noch vorn sank wohl irgendeiner, mit bem er auf feinen Reisen .yifaimuengcixoffen. 3mnur noch kein Fräulein von (Srbmamuborf. Seine Zeit war fnupp bemessen, er wollte noch zehn Minuten brar. geben, war sie bis dahin nicht gckmnmen, hatte weiteres Warten keinen Zweck. Dann blieb noch bas Meldeamt, wo sie Bescheid willen mußten.

Eine Hand schob ein Tablett vor ihn aus ten Tisch.Bitte, mein Herr."

Das macht?"

Die Herrschaften bezahlen an der Katze." Kost, mann jah auf. Reben ihm. die Augen auf dos Fenster gerichtet, an bem eben mietet ter große schlanke Mann oorübcrging, stand im schwarzen Kleid unb weißer «tickeretschurze

Aber bas konnte boch nicht sein

Er sprang auf. ..HoheU' Um Gottes willen, wie loinmcn Hobett hierher?"

Maria fuftr ;ulammen Wer redete sie da an? Wer nannte fte mit dem Titel, ter längst begraben unb vergessen mar?

Alles hatte ich glauben können, nur dieses nicht." wiederhol! ber Fremde unb sah sie erregt an. .Od.r darf ich Eure Hoheit nicht mehr tenntn?e Unb mit einer BerneigungKollnmnn."

(Fortsetzung folgt.)