Formel sei. die nur dann Inhalt bekommen würde, wenn sie ihre Spitze gegen Rußland richtet. Do« soll nun nicht heißen, als ob man in Moskau n'icht gerne den Pakt unter» schreiben würde Die Diplomatie des Kremls bewirbt sich schon lange um die Gunst Washingtons und man würde hoffen, auf diesem Wege das Wohlwollen des nordamerikanischen Staatsdepartements zu erwerben, vielleicht würde auch die Kriegsgefahr des Augenblicks dadurch beschworen werden. Denn trotz aller kühnen Reden weiß man In Moskau sehr wohl, daß ein Krieg zum Sturz des Sowjetsystems führen konnte. Aber aus jeden Fall würde für die Sowjetregie- rung die Annahme des Kellogg-Pattes nichts :nehw als ein Mittel zum Zweck sein.
Keine amenkanischeLnitiative.
3)er Beitritt steht Rußland frei.
Washington, 28. Juli. Jn Kreisen der hiesigen spanischen Botschaft wird eine lebhafte CEnb läuschung darüber nicht verhehlt, daß Spanien nicht gleichfalls in den Kreis der ersten Signatare ein- bezogen werde. Rußlands wegen war jedoch eine progwmmänberung nicht mehr möglich. Die Moskauer Meldung des „B. 1“, wonach Rußland ohne allzu große Schwierigkeiten bewogen werden könnte, dem Kriegsächiungspakt beizutreten, sofern nur die Bereinigten Staaten gewillt seien, auf Rußland in diesem Sinne einzuwirken, begegnet hier starkem Jnteresse. Sämtliche führenden Zeitungen geben ausführlich die Moskauer Mitteilung des „B. T." wieder. Erkundigungen in bestunterrichteten Kreisen ergaben einen Hinweis auf Kellogg» Rote an den hiesigen französischen Botschafter vom 28. Dezember v. J„ in der ausdrücklich als Auffassung der amerikanischen Regierung festgeflelll wird, daß der Kriegsöchtungsvertrag „jur Unterzeichnung durch alle Rationen offen stehl". Jn Uebereinslimmung hiermit fleht nach hiesiger Auffassung Rußland» Beitritt zum fieUoggpaff nichts Im Wege. Line amerikanische Jnitia- live, um einen solchen Beitritt Rußlands herbei- zufllhren, fleht jedoch gänzlich außer Frage.
Staatssekretär Kellogg verweigerte jegliche Aeußerung, wie lll»erhaupl das Staatsdepartement sich amtlich an alle russischen Fragen völlig desinteressiert zeigt. Die Meldung dc« „B. T." wlrd als r u s s l s ch e r s e l t s inspiriert betrachtet und hat daher auch die starke Beachtung gefunden. Die verantwortlichen hiesigen Stellen lehnen es jedoch ab, daraus die Folgerung zu ziehen, daß die Sowjetregierung auf dem Wege über die Unterzeichnung des Kelloggpokles die Frage ihrer Anerkennung durch die Bereinigten Staaten ventilieren konnte. Falls in Moskau solche Erwägungen ongeflevt werden sollten, würden sie hier als ganz und gar abwegig beurteilt. Mit der Beteiligung Rußlands an dem pariser Unlsr- zeichnungsakt wird hier jedenfalls nicht gerechnet. Die Einladung an Kellogg. Amerika widerstrebt jeder Erweiterung des Pariser Programms.
Heu hort, 27. Iuli. lWTB.) Wie die Associated Preß aus Washington meldet, erhielt Staatssekretär Kellogg von der französischen Regierung die Sinladung. Paris *n 27. oder 28. August zu besuchen, um persönlich an der Unterzeichnung deZ KriegSöch- mngSpaktes tellgimebmcn. Kellogg wird, wie verlautet, der Einladung Folge leisten, falls auch die anderen Signatarmächte durch ihre Außenminister in Poris vertreten sein werden. Wahrscheinlich wird Frau Kellogg ihren Gatten nach Paris begleiten. Kellogg hat bereits beschlossen, mit dem ersten nach der Unterzeichnung des Vertrages verfügbaren Dampfer nach Amerika zuruck zu reisen. 'Der Staatssekretär beabsichtigt nicht, seine Eurvpareise zu informellen 'Besprechungen mit den verschiedenen Ministern des Aeuhern über die Amerika angehenden Fragen auszunutzen. Vom Staatsdepartement wurde erklärt, der einzige Zweck der Reise Kellogs sei Ne Unterzeichnung des Antikriegspaktcs. Kellogg geoenke nicht, von diesem Programm abzuwexchen und an irgendwelchen Unterredungen teilzunehmen, die über beiläufige Besprechungen internationaler Fragen hinausgehen. die naturgemäß bei einer Zusammen tuns t von Außenministern so vieler wichtiger Länder in einer Stadt stattfinden werden. Ausdrücklich wurde im Staatsdepartement erklärt. Kellogg werde in Paris nicht die Schuldenfrage erörtern. Meldungen aus europäischen Hauptstädten hätten cmgedeutet, einige der Außenminister, besonders Dr. S t re sein ann, dürften «ine Erweiterung der Unterzeichnungszeremonie zu einer allgemeinen informellen Erörterung von Fragen, wie der Repara- tionSfrage und der Frage der Zurückziehung der Truppe aus dem Rheinland« erstreben. Staatssekretär Kellogg beabsichtige jedoch nicht, an derartigen Erörterungen teilzunehmen.
Paris rüstet zum Empfang.
Kommt Ltrcsemann?
Paris, 27.3ulL (TU.) Die Unterzeichnung des Kellogg-PakteS am 27. August im Uhrensaal des Quai d'Orsay beschäftigt die französische Oefsenklichkeit >md vor allem die politischen Kreise auf das lebhafteste. Der Zeitpunkt scheint insofern nicht glücklich gewählt, als er in bi« großen Ferien fallt, die jeder Pariser, der etwas auf sich hält, draußen aus dem Lande oder am Meer« verbringt. So wird eS sich denn alS notwendig «rw«is«n. zahlreich« Aenderungen in den Urlaubsobsichten der höheren Beamten des £ludi d'Orsay vorzunehmen. Präsident Doumergue unb PoincarS. die an den Feierlichkeiten teilnehmen, weilen auf ihren Land- fchlössern hx ber Pariser Umgebung, so dah es ihnen nicht schwer fallen dürste, für einig« Tage nadb der Hauptstadt zu kommen. Wre verlautet, sind große Festlichkeiten geplant. Man rechnet mit einem Empfang bei dem Präsidenten der Republik unb einem zweiten bei Briand in den 'Räumen des französischen Auswärtigen Amtes. Zehn Außeummäter werden hx PaxiS erwartet, außerdem der itaiienifdK UixterstaatSsekretär ® ran bi unb der spanäch« Ministerpräsident Primo de Riv?rn Ob Dr. S t r e se m a n n kommen w rd scheint noch immer nicht endgültig sestzustet^en ? .'• v x w,rd von amtlicher tranzblischer Seite niet Stillschweigen über feine Antwort bewahr'
j Der „Intransilgeant" stellt bereits jetzt mit boshafter Ironie fest, dah man sich in gewissen politischen Kreisen Deutschlands bet Hoffnung hingebe, dah Stresemann «ine Zusammenkunft mit Potncarö haben werd«. Der französisch« Botschafter in Washington. ®taube I, ist am Freitag hx Havre eingetroffen. Auch er dürft« an der Unterzeichnung des Keslogg-Paktes. an dessen Zustandekommen er nicht unwesentlich beteiligt ist. tellnehmen.
polnische Schikanen.
Himefeld im Korridor avgehalteu.
Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".
Berlin^ 28. Zulx. Die Aachrichten. die von polnischen Schikanen gegen Reichsdeutsche in der letzten Zeit zu berichten wissen, häufen sich immer mehr, so daß es doch angebracht sein dürste. Polen gegenüber einmal energisch den Stand- pxmkt klar zu machen. So wird gemeldet, daß der Ozecmflieger. Freiherr v. Hünefeld. der gestern abend mit dem V-Zug von Danzig über Dirfchau nach Berlin zurückfahren wollte, in Dirschau von ber polnis chen P atzkon- trolle angehalten tmirbe. weil fein Durchreisevisum. das vom Königsberger pülnischenKon- sulöt beschafft worden war. angeblich unkorrekt gewesen sei. Freiherr v. Hunesekd itrutzte daraufhin nach Danzig zurückkehren unb hat den Rückweg nach Berlin mit Hauptmann Köhl im .Flugzeug zurückleaen müssen. Werter beschäftigt ja die Oeffenllichkeit schon seit etrttaen Tagen die Nachricht von der schikanösen Behandlung ber deutschen Presse in Warschau. die sogar so toei-f ging, dah man den Warschauer Korrespondenten der Telegraphen- Union mit ber Ausweisung bedrohte, die nur durch Verhandlungen des deutschen Gesandten Ulrich Rauscher nicht zur Ausführung kam. Aber auch die üorigen Pressevertreter werden in der letyten Zeit von der polnischen Presse geradezu skandalös behandelt. So greift der .Glos Prawdh" den Korrespondenten !es Berliner Tageblattes an. weil er nicht den Regierungs- standpuntt Polens vertritt und bedient sich dabei ebner Reihe von Weisungen, die sonst tn der zivilisierten Welt nicht üblich sind. WaS Polen mit dieser Häufung der Schikanen an Reichsdeutschen beabsichtigt, läßt sich nicht begreifen. Ma-n tann nur mlnehmen. daß der polnische Uebermut jetzt auch zu diesen Methoden übergreift
Aochmals die VetneWchecheit der Reichsbahn.
Berlin, 27. 3uli. (WTB.) Der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn, Dr. Dorp- müller. gab Vertretern der Press« in einer Erklärung über die Frage ber Snchcrheit aus den Reichsbahnen eine einer (>enbc Darstellung der einzelnen Unglücksfällc Der letzten Zeit, um dann auf die Lehren einzugeben, die die Eisenbahn daraus ziehen muß und di« irn wesentlichen bereits in dem gestrigen Kommunique über die Besprechung zwischen dem ReichSver- kehrSministeriurn unb der Reichsbahn bekanntgegeben worden sind. Richt nur in der Kriegs- zeit. sondern auch in der RachkriegSzeit mußte mit allen deutschen Wagen Raubbau getrieben werden. Der Friedensschluß nahm uns die besten Wagen und Lokomotiven fort. Die Industrie begann erst allmählich, sich zu erholen und der Ruhreinbruch legte Lange Zeit die tzauptrüstungSkammer für die Dahnen still. „3d, kann es deshalb verstehen," fuhr Dr. Dorpmüller fort, „bah auch d i e bayrischen Wagen der Deutschen Reichsbahngesellschaft in einem weni g erfreulichen Zustande übergeben wurden. Ich kann es aber nicht verstehen, bah von unS verlangt wird, daß wir alle die Schäden in einer kurzen Zeit von noch nicht vier Jahren beseitigt haben sollen, die aus einer zehnjährigen Ausbeutungszeit zu - rückgebliebe n sind. Wenn ein Teil der bayerischen Presse die Schuld an den letzten Unglücksfällen dem Mangel an Verständnis der Reichsbahn für die Bedürfnisse des bayerischen Rehes zuschreiben will, so muß ich das energisch zurückweisen." Dr. Dorpmüller betonte, daß der Verwaltiingsrat für Ausgaben zur Sicherung des Betriebes volles Verständnis zeige. Vor den im Verwaltungsrat sitzenden Fachleuten des 3n- und Auslandes sei bei solchen Forderungen jede Debatte überflüssig gewesen. Trotz unserer Finanznot wurden im März 60 Millionen und im 3uni weitere 75 Millionen für solche Zwecke zur Verfügung gestellt. Dr. Dorpmüller schloß seine Ausführungen mit dem Satz: „D i e Sicherheit ist für jede Bahn bic höchst« Pflicht."
Das neue Belgrader Kabinett.
Belgrad. 27. Cfidl (DB.) Dem Führer der Volkspartei. Korosetsch. ist es heute nachmittag 5 Uhr gelungen, die Regierung zu bilden, und zwar mit den Vertretern der bisherigen MehrheitS grupp en. d. h. der Radikalen, der Demokraten. Der Slove- Nischen Vollspartm und der Muselmanen. Die neuen Minister leisteten heute abend 6 Uhr den Eid.
Hilfe für landwirtschaftliche Unwetterschäden.
Berlin. 27. Zull. (DDZ.) Reichsinnenmini stcr Severing hat erneut die Frage der Bereitstellung eine- besonderen Betrages von f v. n f Millionen Mark für die Behebung landwirtschaftlicher Unwetterschäden geprüft. Das Äabinett Marx hatte grunHähllch Der Bewilligung eines solchen Fonds zuaestimmt. aber erklärt, daß über die jetzt verfügbaren Mittel buchmäßig bereits disponiert sei. Aus Antrag SeveringS hat nxm das ReichS- tabinett beschlossen, in Den ordentlichen Etat für 1 929 dies« fünf Millionen einzustel- len, sie jedoch bereits jetzt für die Unwetter- schäden au8 1927 unb 1928 anzuweisen und sie durch das federführende Reichsinnenmini ste- riinn verteilen zu lassen. Die Verteilung soll bereits in ber nächsten Doch« erfolgen.
Versonalpolitil / des Aeichöinnenminifleriums.
Berlin. 27. 3ult «Priv -Tel.) Der neue rid)dinnenminifier Severin« bat laut .Boss, a Frau Ober: n D v. Tilling. M't- ber deustchnatwnaten Sandtagsfraktion mit- rtcijt. daß ihre Tätigkeit a lS Hilfsarbei
tern im Reichsinnenmimsterrum. in welches sie Minister v. Keudell berufen hatte, mit dem 31. 3uli 1928 beendet ist. — Wie ferner der Reichsanzexger mitteilt, wurde der Ministeriab' bireftor im Rcichsminifterium des Innern, v. K a- meke, in den einstweiligen Ruhestand versetzt.
Aus aller Wett.
Schiedsspruch zwischen -letzten und kaufmännischen Ersatztasfen.
Vom Verband der Aerzte Deutschlands wird mitgeteilt: Bekanntlich fd>jxbte zwischen der Aerzteschaft und den kauftnänMschen Sriatzkassen seit Monaten ein Streit übet die Honorierung der kassenärztlichen Leistungen. Die Verhandlungen waren Ende Juni gc- schextert. Indessen erklärte sich die Aerzteschaft trotz erheblicher Bedenken bereit, den bestehenden Zustand noch bis zum 1. August zu verlängern, um Roum für neue Verhandlungen zu schaffen. Inzwischen wurde das im bisherigen Vertrag« vorgesehene Schiedsgericht einberufen, das am 25. 3uli in Leipzig tagte unb einen Schiedsspruch fällt«, durch den der bisherige Vertrag zwischen dem Verband der Aerzte Deutschlands und den kaufmännischen Be- rufSkrankenkassen bi6 Ende des Jahres 1928 verlängert tmrb mit ber einzigen Abänderung, dah an die Stelle der bisherigen Begrenzung nach dem Reichsdurchschnitt eine feste Begrenzung Ser Honorare nur verschieden für die einzelnen Vierteljahre tritt. Diese Zohlen find ausgerechnet worden nach den erfahrunas- mäßig eintretenben Schwankungen in ber Erkrankungshäufigkeit. Durch diesen Schiedsspruch, der den Wünschen der Aerzteschaft zum Teil Rechnung trägt, ist somit der verttagslose Zustand zwischen Aerzten unb kaufmännischen $r- satzkassen vermieden.
Di« Anleihealtl»«sttzschj«bimgen.
Zu der Verhaftung des früheren Sekretärs von Hugo St'mnes jun., v. W al do w. meldet bi« Amtliche Just izpresse stell« Berlin: Sext mehveren Wochen schwebt beim Unter- suchungsrichter beim Landgericht I eine Voruntersuchung gegen mehrere Ü3 ertönen. die verdächtigt sind, inbetrügerischer Weise deutsche Anleihe als A l t be s i ha nle i he angemeldet zu haben. 3n die Angelegenheir ist auch em früherer Angestellter des Hugo-Stmnes- KonzernS verwickelt. Ss handelt sich um ähnliche Betrügereien mit Altbesitzanleihen, wie lie dem Bankier Kunert zur Last gelegt werden. Es ist gelungen, zu verhüten, dah das Reich um erhebliche Gummen geschädigt wurde. ($5 besteht der Verdacht, dah weitere Betrügereien mit Altbesitzanleihen von anderen Personen vorge- nommen wurden. Die Ermittelungen werden von der Staatsaixwallschas't I Berlin geführt. Es wird gebeten, zweckdienlich« Mitteilungen dorthin zu richten. Die Finanzbehörden, di« die Anleihe- fchiebxmgen aufgebedt haben, haben, «ine annähernde Schätzung des Schadens vorgenommen, ber dem Reich durch di« Betrügereien zugefügt werden sollte. Ts soll sich um eine (Summe zwischen 25 unb 30 Millionen Mark handeln. Ob irgendeine Schädigung des Reiches bereis eingetreten ist, oder ob es gelungen ist. alle Schiebungen noch vor ihrer Abwicklung aufaxibeden, konnte bisher noch nicht festgestellt werden. Sine gründlich« Rachprüfung aller 11m- tauschanträge unb alter bereits durch geführten Transaktionen ist eingeleitet worden.
Weiterreise der „Monte Lervantes".
Rach ebner Mitteilung der Hamburg-Sudame- riko-DampfschiffahrtSgescl'schäft nehmen die AuS- besserxrngsarbeiten an ber „Monte Cervantes" ihren Fortgang. Das Schiff wird Voraussicht!ich am Samstag ober Sonntag seine Reise von. Spitzbergen über Hammerfest und dir not» ivegischen Fjords fort setzen föirncn und wahr- schänllch am 4. Au-gust fahrplaTrmäyig in Ham- bxrrg eirrtreffen. Am i. August tnirb dann die „Monte Dcrvaxrtes" eine neue Rordlcmdreise antreten.
Deutsch« Pfadfinder in Konstantinopel.
Die bayrisch« Pfadfindertruppe, die yeaenwärtig in Konstantinopel weilt, legte auf dem Chrensried- Hof in T Herapia auf dem Mrabe d e s (9 e - neralfeldmarschalls Freiherr von her Goltz einen Kranz nieder. Der deutsche Botschafter Radolny begrüßte in einer Ansprache die deutschen Pfadfinder unb bi« onwesenben Vertreter der türkischen Pfadftnder. deren gemeinschaftliches scheinen beweise, daß die einstige deutsche Arbeit in den Herzen der Jugend Früchte trage.
Hitzewelle auch In Spanien.
AuS Madrid wird gemeldet, daß ganz Spanien unter einer drückenden Hihwell« leide. Die waldreichen Gegenden in Antalusien und 6a» slllien werden von Bränden verheert.
Die Hitzewelle in Jialien.
Die Hitzewelle m Ztalien hält Weiter an 3n Bologna starb em 70jähriger Mmm an Hetzschlag. Aus Reapel werben zwei Todesfälle durch Hitzschlag gemefbet.
Lrplofion von Benzinfäsiern
Zn Düsseldorf erfolate auf dem Coger» arxnxdstück bet Dineta G. m. o. H. Rostschutz». Farben- und Walzfettsaorikation. eine große Benzin- efplosion. Gkwa zwölf Benzmfässer. d.e gerade gelagert worden waren, flogen in bi« L u f t Die Flammen hüllten ein benachbartes drei- stöckiacS Grundstück ein und zerstörten ben größten Teil der Wohnungen. Sine Frau, die in ber BadewanTU saß. konnte sich nur mit Mühe vor den hereinschießenden Flammen retten. Sin Angestellter der Firma wurde schwer verletzt, eben’o ein Hausbewohner, dem ein Schrank auf den Brustkorb fiel
Brandpanik In einer amerikanischen Jrrenanflall.
3n Ra shv ille iTenx^sseei, wurden in der letzten Rächt di« zwei oberen Stockwerke des ZentraL-Staatshosvitals für G«ist«s!ranke durch F « u e r zerstört. Der 1272 Patienten bemächtigte ßch «'ne gewaltig« Aufregung. 300 Irrsinnig«. barmrtcr «in« größere Anzahl gefährlicher geisteskranker Verbrecher, entflohen, von Panik cogrtften. in di« Umgebung der Stadt und irrten auf ben Landstraßen, den Feldern und läng« der Bahndämme umher. Drc. Stunden nach der Ldschuixg des Brandes war die Mehrzahl ber Entflohenen in die Anstalt zurückgebracht rrorben. Wtt Hille der Polizei organisierten bte Beamten der Anstalt ein« systematisch« Sxxche nach Iten noch Petrn':fiten Zrrllnmgen. Soweit bekannt, ist bei dem Brande niemano umgefommen oder nerlett worden.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 28. 3uft 19M
Medizinalrat Ör. Bötticher.
2uf Grund des Ge'ey-s über b.c Altersgrenze der Staatsbeamten tritt der langjährig« Leiter des Hessischen Unter suchungSamtes für (Infektionskrankheiten zu Gießen. Herr Medizinalrat Dr. Bötticher, am 1. August d. Z. m den Ruhestand.
Medizmalrat Dr. Bötticher, der einer alten hessischen Bcamtenfamilie entstammt, absolviert« feine medizinischen Studien in Gießen und München unb war bann mehrer« Jahre als praktischer Arzt in Lauterbach tätig. Rach 'einer Berufung als Kreis-Assistenzarzt in Gießen im Zahre 1900 wurde Dr. Bötticher neben leinet amtsärztlichen Tätigkeit mit der Wahrnehmung ber Dienst- g« schäfte an der mx gleichen Zahre unter Gafsky bei dem Hygienischen 3nftitxit ber Lanbes-Universität errichteten „Untersuch u n g s st e l l e" durch das Ministerium betraut
Meoizinalrat Dr. Bötticher batte ba^ erkannt daß dieser Stell« bei der Seucheixvekämpfung noch ei-nmai eine bedeutende Rolle zusallen würde, unb arbeitete sich unter Daftkys Führung schnell in die damals noch hinge bakteriologische Wissenschaft ein.
3m 3ahre 1907 wurde d « Unterixichung^stelte. deren Arbertsgebtet sich unter Dr Böttichers Tätigkeit bedeutend «rttxüert hatte, von dem Hygienischen Institut räumlich getrennt und seiner Leitung unterstellt. Die Ausdehnuxxg des D«- schäftSvereiches auf di« Provinzen des Lande» und bte weitere unvorhergesehene UnttDidiung des UnterluchungSamteS für Infektionskrankheiten. wie die Untersuchungsstelle später amtlich benannt wurde, war der rübrigen Tätigkeit seine» Letter», des streng fachlich unt> kritisch arbeiten*" ben Bakterio'sgen auf der Kochschen Schul«, zo verdanken. Besondere Berd'enste Bat sich Me- ditzinalrat Dr. Böttcher ans dem Gebiet der ThphitSberämpfung in den Hessischen Landes- Heil- unb Pslegeanstaltrn erworben, nachdem man erkannt hatte, welche Bedeutung den BazLlen- trägern und DauerauSscherdern. insbesondere in Krankenanstalten, zukommt. Durch eixxe ausführliche wissenschaftlich« Arbeit auf diesem Gekstct hat er die Literatur über die TyphuSbekänxpsuna in Heilanstalten fördernd bereichert Währ«» des Weltkrieges stellte er sem ärztliches Können unb sein reiches Wissen auf dem Gebiet der Sexchenbekampfung dem Roten Ärexu unb der Militärverwaltung zur Verfügung und hat auch hier, insbesondere bei der Bekämpfung deS Th- Phus m dem großen Gefangenenlazarett zu Dteßen, segensreich gewirkt.
AlS Leiter der Hessischen DesinfekttonSschul« lag ihm die cheorettsche unb praktische Ausbildung ber Desinfektoren nb. die er auf Dxund feine* umfaixgreichen Wissens auf N*m Gebiete des Desinfektionswesens ut<b der Schödllngsbekämp- fung »u tüchtigen Desinfektoren c^btlbete. Die Organifatiom der Desinfektoren hatte ibn deshalb schon feilt Jahren zum Ehrenmitglied ernannt.
3m Jahre 1914 wurde Dr Bötticher durch ben früheren Grvtzberzog ber Eharalter als Ute« ditzinalrat verliehene während unb nach Been- Zhffnng des Welckrieges zeichnete ihn das Rote Krexiz unb dir Militärbehörde durch Berleihx'ng hoher Orden aus.
Reben seiner amtlichm Tättgkeit ist Mediztnas- rat Dr. Bötticher noch Schusarzt und Mitglied des Schulvorstandes.
Mdg« dem nxmmeljr aus dem Staatsd enft auSscheidenden xxoch rüstigen und arbeltsfreudiaen Beamten «in langes otium cum dignitate be- schieden fein.
Wettervorauvsage.
Ein Tiefdruckgebiet liegt mit feinem Kern heute morgen über Südskandinaoien und Dänemarf. Die an seiner Rückseite bei nne einftrömenöc KoIHuft wird noch vorübergehend Bewölkung herdeizuführen unb vereinzelt Regenschauer auskommen lassen.
Wettervoraussage für Sonntag: Teils wolkig, teils heiter, Temperaturen etwas zurückgehend, vereinzelt Regenschauer, westliche bi« nordwestliche Winde.
Witterungsaussichten für Montag: Borübergehend heiter und meist trocken.
Lufttemperaturen am 27. Zuli: mittag« 31,2 Grad Celsius, abends 33,6 Krad Celsius, am 28. Qulk morgen# 22,6 Grad Celsius. Maximum 31,7 Grad Celsius, Minimum 17,5 Grad Celsius. — (Erbtempe* raturen in 10 Zentimeter liefe am 27. Juli: abends 28,2 Grad Celsius, am 28. Juli: morgens 21,4 Grad Celsius. — Rieberschlag 0,2 Millimeter. — Sonnenscheinbauer 10% Stunden
Hochschulnacknchlen.
Das wissenschaftlich« Mitglied des Kaiser-Wilhelm-Instituts für physikalisch« Ehemie und Elektrochemie in Berlin-Dahlem, Professor Dr. mea. et phil. Michael Polanvi, hat den an ihn ergangenen Ruf auf das Ordinariat der physikalischen Chemie an der Deutschen Universität in Prag abgelehnt Dr. Polanyi, aebürfig aus Budapest, gehört zugleich dem Lehrkörper der Berliner Ied?nifd)«r Hochschule, Fachabtei- lung für Chemie unb Hüttenkunde, als Privatdozent an.
Der emerit. Ordinarius ber romanischen Philologie an der Universität Greifswald, Senior ber dortigen Hochschule. Geheimer Regie- rungSrat Dr. öbmunb Mae Stengel in Marburg feiert am 27. 3ult sein 60 j ä b r t • ges Doktorjubiläum. Geheimrat Stengel ist 1845 zu Halle a. S. geboren. Seine Lehrer waren Boebrncr in Hall«. Diez unb Delius in Bonn, sowie Gaston in Part». ($r promovierte in ‘Bonn, wurde 1870 Prwat- dvzent hx Basel, arbeitete mehrere Jahre tn Rom und Florenz und wurde 1873 Ordinarius in Marburg von wo er 1896 als Rachfolger von Gd. Kofchwiy nach Greifswald überstedeite. 1913 wurde der Gelehrte von feinen amtlichen Verpflichtungen entbunden.
Der durch die Cmeritlerung des Geh. Rats E. Cichvrius an der Universität Bonn «rlebiatc Lehrstuhl der alten Geschichte ist dem ordentlichen Professor Dr. Wichelm Weber in Halle angeboten worden. Webers Werke und Abhandlungen bettefsen besonders griechische und römische Geschichte, Politik, Rcligion, ilniversalprobleme. — Dem Prioatdozenten an der Universität Munster, Dr. Bernhard Rose n m ö l l e r, ist ein Lehrauftrag zur Vertretung der mittelalterlichen Philosophie erteilt worden. — Der Leipziger Prioatdozent Lic. theol Gottfried Quell wird der Berufung an die Universität Rostock, wo ihm das Ordinariat der alttestamenttichen Theologie an Stelle non Professor Friedrich Baum- c.arte! angeboten wurde, mit Beginn des kommenden Äinterfemester» Folge leisten.


