Heue Einsprache gegen die sicher Sürgermeisterwahl.
L i ch, 28. März. Wie zuverlässig verlautet, ist gegen die am vorigen Donnerstagabend vorgenommene Bürgermei st erwähl, bei der bekanntlich der Gerichtsreferendar a. D. Hans Geil (Oberstein) in der Stichwahl zum Bürgermeister unserer Stadt gewählt wurde, von zwei Seiten erneut Einspruch erhoben worden. Die Einsprüche stammen von den landwirtschaftlichen Vertretern im Gemeinderat unö von den Vertretern der Sozialdemokratischen Partei. Es werden von beiden Seiten Formfehler geltend gemacht, lieber die Gültigkeit der Einsprüche muh erst die Entscheidung der Aufsichtsbehörde abgewartet werden.
Land-ris Gießen.
a. Klein-Linden, 27. März. Schon wieder einmal wird eine gründliche Instandsetzung der Frankfurter Straße vorgenommen, nachdem erst im letzten August ähnliche Arbeiten zur Verbesserung der Straße vollzogen worden waren. Mit Klcinschotter unter staäem Zusatz von Teer wird die Straße in fahrbaren Zustand verseht. So sehr diese Arbeiten auch zu begrüßen sind, so wenig verspricht man sich von ihrem Erfolg. Die Staubplage verschwindet durchaus nicht, und die alten Löcher sind in wenig Wochen durch den von Tag zu Tag sich steigernden Verkehr mit Kraftfahrzeugen wieder aufgerissen. Wann wird hier die Provinz endlich einmal ganze Arbeit schaffen lassen und eine durchgreifende Teerung oder Kleinpflasteruna. wie außerhalb des Dorfes, nach Großen-Linden und Wetzlar zu, vornehmen? Im Interesse der Gesundheit der Anwohner und der die Straße benutzenden Personen wäre eine endgültige Instandsetzung dringend zu empfehlen.
X Wieseck, 27. März. Den Abschluß des Sonntags Iudika mit der Vorstellung unserer 67 Konfirmanden bildete eine zugleich als Konfirmandenelternabend gedachte Lichtbilderandacht mit dem Thema: „Untere evangelische Kirch e". Die hier gezeigt, von Konfirmanden- und Gemeindegesang unterbrochene Lichtbilderreihe war der letzte von fünf durch den Deutschen Evangelischen Filmdienst herausgegebenen Konfirnipnden-Lehrfilmen. Er behandelt in trefflichen Bildern mit begleitendem Text: Gottesdienst, Konfirmation, Sakramente und Sonntagsfeier. Luther, Zwingli, Calvin und die Vereinigung der protestantischen Kirchen: weiter bringt er Wichtiges zur Auseinandersetzung mit den Sekten imb der katholischen Kirche.
CD Lollar, 27. März. Ein Autounfall ereignete sich heute vormittag kurz nach 11 Uhr auf der Straße Lollar—Marburg, unweit vor Kirchberg. Das von Gießen kommende, mit leeren Kannen und Flaschen beladene geschlossene M i l ch a u t o des Gutspächters Adam ' . r r s ch u ck in Friedelhausen fuhr, nachdem einen Daum am der rechten Straßenseite «.streift hatte, mit voller Wucht gegen den nächsten Baum, wobei es se^ stark beschädigt wurde. Der Fahrer, ein Angestellter des Hofgutes Friedelhausen, erlitt hierbei neben einer Gehirnerschütterung Verletzungen im Gesicht und an der Hand und wurde nach erster ärztlicher Behandlung durch einen hiesigen Arzt der Klinik in Gießen zugeführt. Das Auto mußte abmontiert werden.
: Aus dem Busecker Tal, 27. März. Nachdem im Laufe der vergangenen Woche gelindes Wetter eingetreten ist, haben unsere Landwirte mit der FrühjahrS^clussaat begonnen. Soweit beobachtet werden kann, ist der Weizen sehr gut durch den Winter gekommen und zeichnet sich durch vorzüglichen Stand aus. Roggen dagegen läßt zu wünschen übrig, manche Stücke müssen umgesät werden. Der Stand der Kleefelder ist befriedigend.
Z"2lllendorfa. d. Lda., 27. März. Dieser Tage vollendete unser Mitbürger Konrad Krieger II. sein 7 5. Lebensjahr. Aus diesem Anlasse brachte ihm der hiesige Männergesangverein ein wohlgelungenes Ständchen und ernannte ihn zu seinem Ehrenmitglied. Ebenso wurde er vom hiesigen Schützenoerein zum Ehrenmitglied ernannt. Herr Krieger, der sich noch einer vorzüglichen Gesundheit erfreut, war über 32 Jahre als Kom- munalforftwart für unsere Stadt tätig, bis er auf Grund des Dienstoltersgesetzes am 1. April 1.19 in den wohlverdienten Ruhestand versetzt wurde. — In
Bie goldenen Berge.
Vornan von Clara Viebig.
Copyright bh Deutsch« Verlags-Anstalt Stuttgart.
25. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Es hingen ihrer viele, kein Stock setzte aus, und sie waren gesund. Keine Beeren durch den Sauerwurm schwarz geworden oder sonstwie befallen, hingen dazwischen; und das Weinlaub war nicht verkrumpelt, große, oollentwickelte Blätter zeigten ihr schimmerndes Grün unterm weißbläulichen Anhauch. „Dat war ja en Jammer", sagte Bremm und atmete auf.
Seit Bremm im Berg war, fühlte er sich freier. Er empfand plötzlich die Last nicht mehr so, die ihm auf der Seele lag. Wie, Halle er denn gestern nicht, vorgestern, nicht all die Tage schon gesehen, wie gut es eigentlich hier stand? Nein. Er war zu mutlos gewesen, er war allein. Aber heute ging einer neben ihm, der ihm Mut gab. Wenn der junge Dreis ihm das vorftreckte, was er so herzlich, so dringend an- geboten hatte, dann konnte er sich wieder rühren, war nicht wie gelähmt. Dann konnte er Zinsen und Steuern zahlen, und wenn er dann einen guten Herbst machte, und wären es selbst nur drei Fuder, dann war ihm geholfen. Dann bezahlle er zuerst seine Schuld an den Dreis zurück; der durfte nichts an ihm verlieren. Den Blick hebend und voll in das Gesicht des jungen Winzers sehend, sagte er, und ein Lächeln, wie fein Gesicht es lange nicht gezeigt hatte, huschte darüber hin und milderte dessen verschlossene Härte: .Ich danken Euch vielmals. Ich hoff, ich kann et Euch einmal vergelten, wat Ihr an mir tut, an mir und an meiner ganzen Familie!" Er faßte, wie plötzlich ergriffen von Rührung und Freude — Herrgott ja, er war nun erlöst, erlöst! — nach der Hand des Dreis und schüttelte sie kräftig: „Sie werden et Euch alle danken."
Alle — die Maria auch! Das schoß dem Kaspar blitzschnell durck den Kopf. Er vergaß völlig, daß er sich soeben noch einen Summen geheißen hatte und die Maria untren. Kräftig gab seine Hand den Druck zurück und kräftig klang seine Stimme: „Wir Winzer müssen zusammeichalten!" Und dann wagte er es, nun sicherer geworden, noch einmal nach dem Mädchen zu fragen, das heißt, doch nur ganz hintenherum: „Et is auch zuviel Arbeit für Euch allein. Euer Schwiegersohn, der müßt tüchtig sein!"
unserer Stadt leben zur Zeit noch 18 Personen, die über 80 Jahre alt sind, und zwar sieben Männer und elf Frauen. Einer der Männer konnte vor einiger Zeit seinen 91. Geburtstag feiern. Es war dies der Schreinermeister Heinr. K r i e b II. Leider hat er das Augenlicht und Gehör fast ganz verloren. — Die Krähen, Raben und Maulwürfe hoben sich in den letzten Jahren in hiesiger Gemarkung so vermehrt, daß sie zu einer empfindlichen Plage für den Landwirt geworden sind. Der Gemeinderat hat deshalb in seiner jüngsten Sitzung die energische Bekämpfung dieser Schädlinge beschlossen. Mit dem Wegschießen der Krähen und Raben wird das Feld- und Forstschutz- personal beauftragt.
(-) L a ng - G ö n s, 27. März. Die hiesigen Landwirte sind zur Zeit mit dem SäenderSommer- srucht beschäftigt. Nur ganz wenige hatten sich seinerzeit in den warmen Februartagen zur Aussaat des Hafers verlocken lassen. Nun ist das Wetter viel günstiger, und Kälterückschläge sind nicht mehr zu erwarten. Allerdings würde man es begrüßen, wenn bald ein warmer Frühlingsregen tarne.
=£ Aus der mittleren Wetterau, 27. März. Die Frühjahrsaussaat ist dank der guten Witterung der letzten Woche beendet. Besondere Sorgfalt hat man in diesem Jahre auf das Saatgut verwendet, indem man die vermehrt angeschafften Getrcidereinigungsanlagen benutzte. Da nur in seltenen Fällen Auswinterungen vorgekommen sind, wurde Sommerweizen nur wenig ausgestellt. Der rote Klee ist gut durch den Winter gekommen, er hat auch die letzte schneelose Frostperiode ohne Schaden zu nehmen überstanden und zeigt gleich Korn und Winterweizen, einen prächtigen Stand, so daß ein gutes Futterjahr in Aussicht steht. — Die Nachfrage nach Kartoffelsaatgut nimmt dauernd zu, und demzufolge steigen die Preise. Während noch vor vier Wochen der Zentner gelbfleischige Sorten (Edeltraud und Industrie) mit 3,50 Mark bezahlt wurde, werden jetzt 5,40 Mark geboten. Auch die Ferkelpreise haben sich feit Weihnachten verdoppelt. Für 6 bis 7 Wochen alte Jungtiere werben 20 bis 25 Mark je Stück bezahlt.
Kreis Friedberg.
o Friedberg, 27. März. Von einem schweren Verlust wurden die Kreislehrerschaft und der Hessische Landeslehrerverein betroffen. Rektor Koch, der Vorsitzende des Kreislehrervereins, wurde nach kurzem Krankenlager in bestem Mannesalter heute unerwartet vom Tode da- hingerafft. Der Verstorbene war Rektor der Seminarübungsschule und wurde nach deren Auflösung Leiter der Mädchenfortbildungsschule. Seit langem gehörte er dem Vorstand des Hessischen Landeslehrervereins an, der in ihm einen seiner besten schulpolitischen Führer verloren hot. In der Arbeitsgemeinschaft der Junglehrer des Kreises, die seiner Leitung anvertraut war, war er der sachkundige und erfahrene pädagogische und methodische Berater. Polittsch gehörte der Verstorbene zur Demokratischen Partei. Er vertrat diese seit 1919 als Stadtverordneter im Stadtparlament und war außerdem Vorsitzender des demokratischen Kreisvereins und Vorstandsmitglied des hessischen Landesverbandes der demokratischen Partei. Auch im Deutschen Deamtenbund war Rektor Koch führend tätig und hat sich außerdem als Stadtverordneter um das städtische Schulwesen und um die Wohlfahrtspflege verdient gemacht. Als Politiker ließ er das Parteilich« stets zu- rüdtreten hinter dem Menschlichen, das ihn immer ausgleichend und auf der Basis der Verständigung tätig fein lieh.
WSN. Vilbel, 27. März. Am 1. September läuft die Amtszeit des 1919 gewählten Bürgermeisters R e ch t h i e n ab, so daß noch im Laufe des Jahres mit einer Neuwahl des Bürgermeisters gerechnet werden muß.
Kreis Büdingen.
rl. Büdingen, 27. März. Die Lehrlichtbildstelle des Kreises hat in diesen Tagen ihre 9. Do r f ühr ung s r e i s e beendet. Allen Schulen, in einigen Dörfern auch den Erwachsenen, wurde der nrlturgeschichtlich, erdkundlich und volklich sehr lehrreiche Film von der Tagung des Vereins für das Deutschtum im Ausland in Goslar 1927 gezeigt. Die abwechselnd vorführenden Lehrer Koch Hasen, Schnierle und Horn gaben die nötigen Erläuterungen.
Er klopfte nur auf den Busch. Aber da sprang auch der Hase gleich.
„Schwiegersohn?" Bremm sah verwundert aus, er wußte von keinem Schwiegersohn; es war auch keiner in Aussicht. „Schwiegersohn —?!" Aber frei« lich, wenn er einen kriegen könnte, der tüchttg war! Wieder huschte ein Lächeln über fein Gesicht und machte es weicher, fein Blick traf voll und freundlich den jungen Mann: „3a, den könnt ich gebrauchen."
Weiter wurde nichts darüber gesprochen; aber sie wußten ja nun beide Bescheid. Als sie durch den ganzen Berg gegangen waren, den mit vollstem Interesse gemustert hatten, trennten sie sich unten norm Dorf. Der Nachen des Dreis lag da an einem Stumpf feftgernacht. Sie schüttelten sich noch einmal die Hände, schon im Nachen stehend lüftete Dreis abschiednehmend seinen Hut, da sagte Bremm noch: „Anfang Dttober kömmt die Maria."
Und diese letzten paar Worte nahm Kaspar sich mit. Sie waren ihm wie eine Verheißung. Die Maria, die Maria, nun kam sie bald! Und sie Halle ja gar keinen Bräutigam — das wüßte ihr Vater doch —, es gefiel ihr nur nicht mehr fort von Haufe. Ach, es würde wieder schön sein wie früher, sie war noch die gleiche, sie war ihm nickt untreu geworden! Untreu — was für ein Unsinn! Der Kaspar lächelte in sich hinein, als er mit langsamen Ruderschlägen zum anderen Ufer hinüberglitt. Er ließ sich mehr treiben, als daß er ruderte, versonnen sah er den Tropfen zu, die perlend vom erhobenen Ruder rannen: er war sehr glücklich. Den Brief des Mädchens hatte er ganz vergesien. —
Auch Bremm war glücklich. Er kam mit einer Miene zum Mittagessen nach Haus, daß die Frau sich heimlich verwunderte; sie war es nicht mehr gewohnt, daß ihr Mann so erheitert aussah, und sie verwunderte sich noch mehr, als er das Amlinchen in den Keller schickte nach etwas Besserem als nach dem Fluppes. Er hatte da noch ein paar Flaschen stehen, übriggeblieben vom Einunidzwanziger. Sie waren ihm immer wie heilig gewesen.
„Anna, hol du dir auch en Glas," sagte er heute. Er schenkte ihr «in. Die Kinder standen herum mit erstaunten Augen: das hatten sie noch nie gesehen, daß Vater und Mutter zusammen Wein tranken.
Bremm leerte sein Glas auf einen Zug. Er leckte mit der Zunge über die Lippen und holte dann tief Luft- ho das war ein Labsal! Er schenkte sich wieder ein, und cs durchrann ihn wohlig. Daß man
L Nidda, 27. März. Der Vorstand des hiesigen Turnvereins hatte die Ueberzeugung gewonnen, daß zur Beaufsichtigung und zu den regelmäßigen häuslichen Arbeiten in der neuen Turnhalle ein Hausmeister, der in dem Gebäude wohne, unerläßlich sei. Nachdem nun eine entsprechende Familienwohnung in der Halle über den Wirtschaftsräumen errichtet worden ist, wurde in der Jahreshauptversammlung beschlossen, die bisherige Ler- einsdienerstelle abzuschaffen und dafür einen Hauswart anzustelten. Als solcher wurde W. Stadler gewählt, der fick auch als Mädchentumwart für den Turnverein sehr verdient macht, — Dieser Tage wurde in der Stadtkirche der Film „Glaube und Heimat" oorgeführt. Etwas über 300 Personen folgten den Vorführungen, die einen tiefernsten Eindruck machten. Die Filmvorführung erlitt eine unangenehme Unterbrechung dadurch, daß plötzlich mitten in der Darbietung, etwa 10 Minuten lang, das elektrische Licht versagte und die Kirche in Finsternis gehüllt war. Dieser Mißstand trat auch in allen Häusern unserer Stadt ein.
-4- Stockheim, 27. März. Sonntag fand hier die Gründungsversammlung des Gaues Vogelsberg-Süd vom Hess. Sängerbünde statt. Der Niddatalsängerbund und die Vogelsberger Sängervereinigung waren durch ihren Vorstand vertreten, außerdem hatten etwa 25 Vereine Vertreter entsandt. Der Provinzialvorsitzende des Hess. Sängerbundes G e n g- nagel (Grünberg) beleuchtete einleitend den Kampf, den die Männergesangvereine in der Jetztzeit sowohl in ide« ler, als auch in finanzieller Hinsicht zu führen hätten, und erörterte die Vorteile, die der Anschluß an den großen Deutschen Sängerbund zur Folge habe. Außer den bereits angeschlossenen 29 Vereinen erklärten weitere sieben ihren Beitritt. Die wenigen noch ausstehenden Vereine des Nidder-Seemental- Sängerbundes hofft man gleichfalls in aller Kürze dem Bund zuführen zu können. Die Wahl des Gauvvrstandes hatte folgendes Ergebnis: 1. Dors. Stork (Altenstadt), 2. Dors. Diehl (Ober-Schmitten), Schriftführer Sinner (Dlei- chenbach), Rechner Schultheiß (Büdingen), Beisitzer Strohinger (Ober-Lais).
r Bluter-W iddersheim, 27. März. Dieser Tage fand im hiesigen Gemeindewald die einzige diesjährige Brenn- und Nutzholz- Versteigerung statt, zu der sich eine verhältnismäßig gelinge Zahl Kaufliebhaber eingefunden hatte. Eichenstämme 2. Klasse kosteten durchschnittlich je Festmeter 20—26 Mk., 3. Klasse 25—28 Mk., 5. Klasse 30—36 Mk. Einzelne Stämme gutes Schnittholz kamen etwas teurer. Für Fichtenstammholz wurden bezahlt je Festmeter in Klasse la 20-24 Mk., in lb 22—25 Mk., in 2a 28—30 Mk. Fichtenderbstangen kamen je nach Stärke und Qualität auf 1—4 Mk. Sämtliche Preise müssen als billig bezeichnet werden. Auch die nachfolgende Brennholzversteigerung erbrachte niedrige Preise gegenüber Versteigerungen in der ilmgegenb. Buchenscheitholz, etwas anbrüchig, kam je Raummeter auf 10—15 Mk., Duchenmischreisig kosteten je 4 Raummeter 2 bis 4 Mark. Fichtenknüppel wurden mit 3—5 Mark bezahlt. Fichten stocke kosteten 2—5 Mk. Fichtenreisig durchschnittlich 40—50 Pfg. Eichenscheitholz wurde je Raummeter mit 10—13 Mk. bezahlt, Eichenknüppel (Stammknüppel) 8—10, Astknüppel 6-8 Mk., Eichenreiser 50 Pf. - Die Drecharbeiten im hiesigen Gemeindesteinbruch, der an den Llnternehmer Weber auf Lieferung verpachtet ist, haben ihren Anfang genommen. Es liegen bereits 'Bestellungen von über 200 Raummeter Bruchsteinen für die umliegenden Dörfer vor. Unser Steinbruch liefert einen sehr begehrten Mauerstein.
Kreis Schotten.
□ Laubach, 27. März. Am Samstag hielt die hiesige Realschule (Studiendirektor Dr. Hainer) eine in allen Teilen wohlgelungene öffentliche Schulfeier ab. Das Leitmotiv war: Moritz von Schwind, ein Märchenabend. Den ersten Teil bildete ein Lichtbildervortrag, die Kunst des deutschen Märchenmalers M. von Schwind. Als zweiter Teil kam zur Aufführung ein Märchenreigen von Holst und Winter: „Die sieben Raben". Als dritten Teil führte man das Märchenspiel von Elisabeth Goerike: „Der gestiefelte Kater" auf. Um die Regie und Kostümierung machte sich sehr verdient Frau Studiendirektor Hainer. Alle Darsteller spielten mit anerkennens-
fich das nicht immer gönnen konnte! Man selber hatte wohl die Mühe davon, andere aber den Genuß. Man war eben dumm, so dumm darin wie in allem anderen. Mit diesem Tropfen im Leibe sah man die Welt ganz anders an. Er fühlte, wie es ihm leicht ums Herz wurde.
Der Mann hatte schon das dritte Glas geleert, als die Frau noch am ersten nippte; es stand noch vor ihr halb voll. Es war chr so seltsam, daß sie hier mit ihrem Mann sitzen und Wein tonten sollte, )o seltsam, wie er selber ihr seltsam vorkam. Seine Miene war aufgehellt, er sprach, er lachte sogar. Das erschreckte sie mehr, als daß es sie erfreute. Ach, sie hatte ja so gar teinen Grund zum Sichsreuen! Und als sie wieder das Glas zum Munde hob, rann eine Träne hinein.
Bremm fah es. „Daß ihr Weiber immer heulen müßt! Freu dick doch, bat ick auch «mal vergnügt bin. Wat meinfte, wenn unf Maria den Kaspar Dreis heiraten töt, wär dat nit en Freud?"
„En Glück," sagte sie rasch. „En groß Glück!" Sie wurde ganz rot Hastig rückte sie ihrem Mann näher und faßte seine Hand, die im Takt auf den Tisch trommelte: „Sag bloß, wie kommste dadraus? Wer hat bat gesagt? Hat er et gesagt? Hat die Maria et gesagt? Ach, die is ja noch gar nit da — Jesus, ich bin wohl ganz dumm vor Freud!" Sie hing an seinem Mund, sie drängte: „Sag doch!" Das war ja ihr Herzenswunsch, eine Hoffnung, die sie schon lange heimlich genährt halle. Wenn der Dreis die Maria heiratete, bann war dieses Kind gut versorgt, der junge Mann war tüchttg und fleißig, und er würde seine Frau in Ehren halten. Wie war dieses Glück nur so rasch gekommen? Sie rüttelte ihren Mann, der vor sich hin in sein Glas blickte: „Nu sag doch, sag doch!"
Der Mann lächelte geheimnisvoll. Und dann, das letzte Glas der Flasche sich eingießend und rasch leerend, sagte er: „Und Geld zum Oktober hab' ich auch. Ich kann die Zinsen bezahlen. Ich kann die Steuern bezahlen. Ich kann alles bezahlen!"
Die Frau schlug die Hände zusammen. Es fiel ihr nicht einmal ein zu fragen: „Woher weißt du denn das von der Heirat — und woher hast du das Geld?" Es wurde ihr wacklig auf den Seinen, die Knie zitterten ihr, ihr mar, als müßte sie auf die niederstürzen: „Du schicht uns Hilf in unsrer sJlot — Kyrie eleison!" Sie faltete die Hande. Und nun folgten der einzelnen Träne, die ins Weinglas gefallen war, noch mehr Tränen. Der Summer, besten
wertem Verständnis und mit sichtlicher Lust Die Zuschauer spendeten reichen, wohlverdienten Beifall.
)—( Ruppertsburg, 27. März. Dieser Tage fand bei Gastwirt Becker die Hauptversammlung der Ortsgruppe Ruppertsburg des Kreis-Obst- und Gartenbauvereins Schotten statt. Der Obmann erstattete einen kurzen Jahresbericht, aus dem wir entnehmen, daß die Ortsgruppe im abgelaufenen Jahre durch den Tod und durch Wegzug zwei Mitglieder verloren hat. Reu eingetreten sind zwei Mitglieder, so daß die Gruppe zur Zell 44 Mitglieder zählt. Nach einem kurzen Referat über die bevorstehenden ILmpfropfungen und bessere Obstverwertung schritt man zur Gratisverlosung von 44 Portwnen Gemüsesämereien und vier Apfelbäumchen, die aus Mitteln der Ortsgruppe beschafft Warrn. — In einer von etwa sechzig Personen besuchten Versammlung hielt der Feld- bereinigungskommiffär, Regierungsrat Dr. O h l h - Lauterbach, einen aufflärenben Vortrag über Zwecke und Ziele der Feldbereinigung, über Art und Weise ihrer Durchführung, sowie die Höhe der Kosten und die Art ihrer Aufbringung. In der anschließenden Aussprache unterhielt man sich hauptsächlich über die im Falle der Durchführung der Bereinigung unserer Gemarkung eventuell vorzunehmende Verschleifung der außerordentlich zahlreichen und großen Schluchten und die Regulierung der Horloff.
Kreis Alsfeld.
■er. Homberg a. d. Ohm, 27. März. In Gegenwart der Mitglieder des Schulvorstandes und des Gemeinderats eröffnete am Sonntag- nachmlltag Lehrer He brich, als Vorsitzender des Schulvorstandes, di« in unserer Stadthalle untergebrachte Ausstellung der Handarbeiten. Die ausgestellten Arbeiten stammten von den Mädchen der vier Klassen unserer Vollsschule, der Fortbildungsschule, sowie von denen der Höheren Bürgerschule. Sie zeigten, wie die Industrielehrerin, Frau L i e h m e r, mü großem Fleiß und Verständnis an ihre Aufgabe herangetreten ist, trotzdem ihr manchmal bei der Anschaffung des nötigen Materials Schwierigkeiten bereitet wurden. Andererseits zeigten sie auch, wie die Schülerinnen mit großem Eifer und Interesse an die Ausführung dieser praktt- chen Gegenstände herangetreten sind und fie mit Geschicklichkeit und Ausdauer ausgeführt haben. Die Ausstellung, die allgemein sehr gelobt wurde, hatte starken Besuch zu verzeichnen.
ck. Aus dem Ohmtal, 27.März. Bei der in Nieder-Ohmen abgehaltenen Holzverstei- getung wurden folgende Preise erzielt: Buchenscheitholz 1. Kl. 24 bis 30 Mk., 2. Kl. 16 bis 20 Mk., Buchenknüppel 18 bis 22 Mk., Buchenstock 12 bis 16 Mk.. Buch en reisig 4,50 bis 8 Mk., Eichenscheit 12 bis 16 Mk., Eichenknüppel 12 bis 14 Mk., Eichenstock 7 bis 9 Mk., Eichenrundscheit 12 bis 22 Mk.; Fichtenrundscheit 20 bis 23 Mk.. Fichtenrundscheit 2. Kl. 14 bis 21 Mk., Fichten- Knuppel 16 bis 19 Mk., Fichtenknüppel 2. Kl 12 Mk., Fichtenstock 7 Mk.; Kiefernrundscheit 1.Kl. 18 bis 22 Mk., Kiefernstock 8 Mk.: Hain- buchennutzscheit 25 Mk., Hainbuchenknüppel 16 bis 18 Mk. alles je 2 Raummeter. Ferner wurde noch Nutzholz wie folgt verkauft: Cichennutzholz 38 bis 100 Mk., Buchennuhholz 30 bis 45 Mk.. Kiefernnuhholz 25 bis 40 Mk., Lärchennuhholz 40 Mk., Fichtennutzholz 20 bis 48 Mk. je 1 Fest- meter.
Kreis Lauterbach.
ch Eichenrod, 27. März. Die Klagen über die Wasserleitung wollen nicht verstummen. Seit einiger Zeit macht sich der Mangel an Wasser auch in der Nachbargemeinde Hörgenau bemerb bar, die an dieselbe Leitung angeschlossen ist, ebenso rote Hopfmannsfeld. Hier wie dort gibt die Leitung nur in den frühesten Morgenstunden Wasser her, um dann für den ganzen Tag zu streiken, gewöhnlich bis zur Mitternacht. Nur zur Feier des Sonntags anscheinend läuft das Wasser auch eine Stunde am Nachmittag. Unter solchen betrüblichen Zuständen ist die Hoffnung auf bessere Verhältnisse nicht berechtigt, die eintreten sollen, wenn erst mit dem Frühjahr die Molkerei ihre eigene neue Wasserleitung in Betrieb genommen haben wird. Sichere Anhaltspunkte weisen immer wieder darauf hin, daß der S ch a b e n im Ortsnetz der Leitung Hopf- mannsfelb zu suchen ist.
die Frau soviel halle schlucken müssen in letzter Zell, löste sich auf in milde wohltuende Tränen. Sie weinte, aber ihr Mund lächelte.
13. Kapitel.
Letzte Septembertage an der Mosel, so schön wie Tage im Süden; nie ist der Himmel höher und blauer, die Sonne strahlender, die Berge goldener. Kein Gedanke daran, daß der Oktober an manchem Baum die Blätter doch schon gilbt und eine bereits früher sinkende Sonne Das Signal gibt zu langer dunklerer Zeit.
Der Alle vom Berge saß oben auf seiner Bank, hinter ihm ragte das große Kreuz, fast drohend streckte es seine Arme und warf seine Schemen über ihn. Er aber saß behaglich, in vollstem Wohlgefühl, er hatte keine ernsten Gedanken. Er war voll freudiger Ungeduld, voll froher Erwartung: gestern war die Hochzell des Sohnes in Berlin gefeiert worden, heute abend traf das junge Paar in Koblenz «in und morgen waren fie bei ihm — nun würde er feiern! Hier! Einen langen wohlgefälligen Blick warf Herr Doufemont rundum: die junge Frau würde staunen. So etwas Schönes hatte die noch nicht vor Augen gehabt. So etwas Schönes gab es mich nicht anderswo. Er konnte es kaum abwarten, bis er sie hier heraufführte und ihr all das — all das zeigte. Er streckte die Arme aus und spreizte die Finger, als wäre dies alles, über das er wie segnend inc Hände hielt, fein — sein Eigentum, sein Land, sein Reich, ein Königreich, dessen Gold noch nichl ausgemünzt war, dessen Berge Schätze in sich bargen, von denen die törickste Well draußen viel zu wenig no chahnte. Schade, daß fein Heinrich kein unternehmender Geist war, daß der nur seine Doktorei im Kops hatte und seine Edich, sonst würde der hier cm der Mosel ein Hotel bauen, so groß und io mit gIlern Komfort, daß selbst die verwöhntesten Leute nichts daran aussetzen könnten. Dann würden sie kommen in Scharen. Hier auf dem Berg, den ein Aussichtstempel bann fronte anstatt des Bethäuschens, würden sie die Aussicht bewundern, und all der Wein, der jetzt in den Kellern lagerte, wurde dann ausgetrunten. Eine schöne Idee, ein glücklicher Gedanke — aber freilich, ach nein, lieber nichts In einer Aufwallung von Egoismus fdrittelte fick Herr Doufemont: brrrrr! Das wäre ja schrecklich, wenn hier die vielen Fremden herumkiefen, von seinem Berg die Aussicht bewunderten, ooa (•einem Berg! (Fortsetzung folgt)


