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len Degensatz der Anschauungen hinweg einen Ausgleich zu erzielen. Wahltaktisch gesehen könnte man sich zwar denken, daß das Zentrum bei einer sesten und entschlossenen Haltung in dieser Frage das gilt aber auch für die Volks- Partei gewinnen würde, aber von der Möglichkeit künftiger Koalitionen betrachtet, würde eine solche Politik in Zu­kunft manche Verständigung erschweren, vor­ausgesetzt, daß nicht überhaupt das ganze Schul­gesetz fallen gelassen wird. Schwer zu übersehen sind im Augenblick noch die möglichen Konsequenzen, die sich aus der Bemerkung des Staatssekretärs Z w e i g e r t vom Reichsinnen- Ministerium zu § 20 ergeben können, der die Rechtslage in byug auf die Simultan- schulländer für zweifelhaft erklärte und die An­sicht vertrat, daß man zur Annahme dieses Paragraphen einer Zweidrittelmehrheit bedürfe. Auf jeden Fall hat die heutige Aus­schuhberatung über das Schulgesetz, wie selbst ein ganz rechtsstehendes Blatt sagt, nur einen technischen- Fortschritt gebracht, während die politische Situation immer mehr einer Krise entgegen zu treiben scheint.

Oie Meinung der presse.

Noch keine Regierungskrisis aber ernste Lage.

Berlin, 28. Ian. (Priv.-Tel.) Die deutsch­nationalen Zeitungen treten der Version entgegen, dah durch die Annahme des vom Zentrum bekämpften Antrages, eine Kabi- nettskrise entstanden sei. DieKreuz- zeitung- spricht von Tartarennachrichten, die von teutschnationaler Seite als völlig irrig be­zeichnet würden. In einer Auslassungvon be­rufener parlamentarischer Seite", die das ge­nannte Blatt wiedergibt, wird auf die Erklärung des Staatssekretärs Zweigeri hingewiesen, wo- nach die Fassung des Antrages der Deutschen Volkspartei verfafsungsändernd sei, allo eine Zweidrittelmehrheit erfordern würde. Der Deschluh könne also in dieser Form nicht bestehen bleiben, sondern es müsse eine Zwischen­lösung gesucht werden. Zur Kündung eines Ausgleiches, so heißt es in der Auslassung weiter, ist der Antrag der Deutschnationalen, der noch nicht zur Abstimmung kam. bedeutsam. Er läßt der südwestdeutschen christlichen Simul- tanschul« ihren geschichtlich gewordenen Eharakter. raubt aber der Elternschaft in Baden, Hessen und Hessen-Rassau nicht dauernd das Eltern- bestimmungsvecht. Die D. A. Z. betont unter Hinweis darauf, daß Deutschna Zonale und Deutsche Dolkspartei ihren Willen zur Mit­arbeit am Schulgesetz hinreichend erwiesen hätten, daß keine Krise bestehe. Das Kabinett zeige am besten durch die neue außenpolitische Initiative, dah es nicht daran denke, seine Tätigkeit vorzeitig abxubrechen. DieTägliche Rundschau nimmt eine abwartende Stellung ein, sie erklärt, sollte daS Zentrum den Beschluß fassen, aus der Ange­legenheit des Antrages zu § 20 eine Kabi - nettSfrage zu machen, so würde sich die Deutsche Volkspartei dadurch in ihren Entschlie­ßungen nicht beeinflussen lassen. Ihre Stellung­nahme zu $ 20 des Reichsschulgesetzentwurfes beruht auf innerster Ueberzeugung und ist ein Bekenntnis zu ihrer liberalen Lleberlieferung. Sie ist seit Monaten festgelegt und würde durch Forderungen oder Drohungen irgendwelcher Art nicht erschüttert werden. DieGer­mania" betont, daß ein« Regelung im Sinne des vvlksparteilichen Antrages im Widerspruch mit dem klaren Wortlaut der Verfassung selbst stehe. Das Blatt fährt dann fort: Wir haben bei unserer zur Verständigung neigenden Hal­tung nicht nötig zu betonen, daß uns mutwilliger Streit fernliegt. Aber darüber ist man sich doch wohl im volksparteilichen Saget ganz im klaren, daß, wenn der Antrag der Deutschen Dolks­partei Gesetz wird, das gesamte Schul'- geseh gefährdet ist. Wir halten es für notwendig, dah rasche Klarstellung erfolgt, und dah festgestellt wird, wie weit Verhandlun­gen ein anderes Resultat erhoffen lassen. Wie wir hören, sind Vereinbarungen über kommende Verhandlungen getroffen worden. Ist eine Eini­gung nicht erzielbar, dann würden sich daraus die Konsequenzen ganz von selbst er­geben.

Förderung der Landwirtschaft.

Beschlüsse des Haushaltsausschusses

Berlin, 27. Jan. Der Haushaltsausschuh des Reichstags setzte die Einzelberatung des Etats des Reichsernährunasministeriums fort. Es werden fol­gende Entschließungen genehmigt, die Reichsregie­rung zu ersuchen, wirtschaftspolitisch der Tatsache Rechnuna zu tragen, daß große Mengen Schlachtvieh und Fleisch eingeführt werden, trotzdem die deutsche Landwirtschaft in der Lage ist, den Fleischbedarf der Bevölkerung voll­kommen zu 'decken. Ferner wurde eine demokratische Entschließung angenommen:

1. Das System der Einfuhrscheine auch auf die Ausfuhr von Schweinefleisch auszudehnen.

2. Gemeinsam mit den Länderregierungen durch die Gewährung von Prämien und anderen ge­eignet erscheinenden Maßnahmen die E r z e u - g u n gv on hochwertigen Produkten der Molkereibetriebe zu fördern.

3. Zur Abwicklung drückender Verbindlichkeiten und zur Erleichterung der überaus schwierigen Kreditoerhältnifse der deutschen Landwirtschaft, insbesondere der Bauernschaft, einen nam­haften Reichskredit zu einem erträg­lichen Zinsfuß« zur Derfügung zu stellen.

4. Die Mittel anzufordern, damit das Land der nicht mehr existenzfähigen landwirtschaftlichen Großbetriebe vom Reiche für die Zwecke der bäuerlichen Siedlung aufgekauft werden kann.

5. Eine Vorlage einzubringen, welche das zoll­freie Kontingent für die Einfuhr von Gefrier­fleisch aufhebt.

Gebieisausiausch zwischen Thüringen und Sachsen.

Weimar, 27. Jan. (2BB.) Der Thüringer Land­tag nahm eine Gesetzesvorlage über einen Gebiets- austausch zwischen Thüringen und dem Freistaat Sachsen einstimmig an. 3n der Aussprache wurde der Wunsch zum Ausdruck gebracht, daß die Be­rn ütjun gen um Grenzberichtigungen in groß­zügiger weise sofort fortgesetzt wer­den mühten. Die vom Austausch betroffenen Ge­meinden haben in einer Entschließung die N o i - wendigkeit ihres Austausches aus wirtsch^ft- schaftlichen und politischen Gesichtspunkten a n e r -

Sozialistische Angriffe gegen Hergt.

Oie Besprechung des Zustizetats im Reichstag.

Berlin, 27. Ian. (V. D. Z.) Die zweite Be­ratung des Iustizetats wird fortgesetzt. Abg. Haas- Baden (Dem.) erklärt, die Lehre des Reichsjustizministers, von einer Vertrauens­krise nicht zu sprechen, könne die Krise selbst doch nicht beseitigen. Höchste Richter gäben die Tatsache des erschütterten Vertrauens zu. Der Abg. Dr. Kahl komme dem Problem näher, wenn er in Verbindung mit feinem klaren und festen Bekenntnis zur Republik erkläre, daß viele Dichter den seelischen und intellektuellen Schmerz über den Verlust der ihnen einst heiligen Werte noch nicht überwunden hätten. Es gebe Richter, die sich von den gesellschaftlichen Anschauungen ihrer Schicht nicht loslösen könnten. Aus dem ganzen Volke mühten dem Richtertum die Kräfte zufliehen. Der Richter müsse in seinem Urteil frei sein. Der Redner fordert weiter die Reichs­regierung auf, zu prüfen, ob nicht schon jetzt die Iustizverwaltung der Länder auf das Reich übernommen werden könne. Die Ge­setzgebung mühte auf das notwendigste Maß beschränkt werden. Die besten Gesetze nützten aber nichts, wenn sie von ungeeigneten Männern angewandt würden.

Abg. Hampe (W. Vg.) führt aus: Die Vertrauenskrise der Iustiz fei nicht dadurch aus der Welt zu schaffen, dah man sie ableugnet. Leider werde diese Krise zum groben Teil künstlich aufrecht erhalten durch un­sachliche Kritik und systematische Hetze gegen das Richtertum. Die Strafrechtsreform sei ein Prüf­stein für den gegenwärtigen Reichstag, ob er imstande ist, ein so grobes Werk zu vollenden. In dieser Zeit sei es besonders bedauerlich, wenn in die Arbeit des Rechtsausschusses immer wieder Unruhe getragen werde durch die An­kündigung eines baldigen Reichstagsschlusses, wie sie sogar aus den Reihen der Regierungsparteien gekommen sei. Der demokratische Antrag auf Uebertragung der Iustizhoheit der Länder auf das Reich sei nicht notwendig, sondern schädlich in der jetzigen Zeit, wo hinsichtlich des Ver­hältnisses zwischen Reich und Ländern noch alles im Fluß sei.

Abg. Dr. Pfleger (BVP) erklärt: Die Vertrauenskrise der Iustiz könne unmöglich mit dem Mittel der Derreichlichung beseitigt werden. Diese Vertrauenskrise sei kein Wunder, ange­sichts der Rechtssprechung in der Inflations­zeit, wo die Leute wegen gemeinen Wuchers verurteilt tourten, die ganz gewiß keine Wucherer waren. Eine wirklich harmonische Einheit sei nicht mit Uniformierung zu erreichen, sondern auf dem Wege, den das alte Zentrumsprogramm dahin kennzeichnete, dah der Bundesstaatscha­rakter des Reiches gewahrt bleiben müsse.

Abg. Saenger ((5.)

verweist auf Ausführungen des Senatspräsiden­ten Dr. Schulz über die Reformbedürf­tigkeit des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Biele Bestimmungen ter neuen Reichsverfassung seien in das BGB. noch nicht übergegangen. Die nach diesem Gesetzbuch bestehende eheherr­liche Bevormundung der Ehefrau widerspreche geradezu der im Artikel 119 der Reichsversassung sestgelegten Gleichberechtigung ter Geschlechter. Dringend notwendig sei auch die Reform deS Ehescheidungsrechts. Der Redner richtet an den Minister die Frage, was er zu tun gedenke gegen die planmäßige und bewußte Ausschaltung des Laien- e l e m e n t s aus der Rechtspflege. Darin liege eine Verletzung der Verfassungsbestimmung, daß die Staatsgewalt vom Volke ausgehen soll. Die Art, wie der Minister geredet hat, war das ungeeignetste Mittel, das Vertrauen in die Justiz zu fördern. (Lebhafte Zustimmung links.) Es ist schlechthin unglaublich, daß der parlamentarische Minister, zu dessen vornehmsten Pflichten der Schutz des Rechtes und der Verfassung gehört, aus parteipolitischen Gründen sich höhnend wei­gert, zu einer Grundfrage der Verfassung sich zu äußern. (Hört! hört! links.) Wenn er sich weiter weigert, dann werden wir uns an den Reichs­kanzler wenden. (Beifall links.) Der Redner trägt dann unter lauten und sich immer verstärkenden Hört-Hört-Rufen der Linken Bekundungen aus dem bayerischen älntersuchungsausschuß über die Vorbereitung des H i t l e r - P u t s ch e s vor und erklärt im Anschluß daran: Rach diesen Feststellungen wissen wir, daß zwei in allen wesentlichen Punkten überführte Hochverräter, nämlich Kahr und Lossow von der Justiz be­wußt geschont worden sind. Der Gesandte von Preger sei im Sinne eines Direktoriums in Berlin tätig gewesen. (Hört! hört! links.) Dieser diplomatische Vertreter des königlichen Frei­staates Bayern ist noch heute aktiv in Berlin. (Hört! hört! links.) Ich richte jetzt an den Reichsjustizminister die Frage, ob er sich ange­sichts der im bayerischen Untersuchungsausschuß festgestellten Tatsachen nicht als Hüter des Rechts verpflichtet fühlt, auf Grund des Gerichtsver- fassungsgesehes und des Strafgele^buches eine Anweisung an die Reichsanwaltschaft zu geben, sie solle prüfen, ob jetzt nicht Anlaß besteht, das Verfahren gegen Kahr und Lossow wegen Verbrechens des Hochverrats einzuleiten. (Leb­hafter Beifall links, Händeklatschen bei den Sozialdemokraten.)

Reichsjustizminister Hergt:

Ich habe meine Antwort auf die Ausführun­gen des Abg. Landsberg vielleicht mit einer

Ausnahme durchaus sachlich gehalten. Bei meiner Antwort auf die Angaben über die Stahlhelm­angelegenheit ift mir allerdings zu meinem Be­dauern die Bemerkung entschlüpft, mit solchen Vorwürfen mache sich Abg. Landsberg wirklich etwas lächerlich. Ich gebe zu, daß es besser gewesen wäre, wenn ich diesen Ausdruck nicht gebraucht hätte. Selbstverständlich werde ich auf alle Fragen antworten, die meine politische Ver­antwortlichkeit betreffen. Ich habe den Eid auf die Verfassung geschworen und ich halte ihn loyal. Ich werte selbstverständlich die Verfassung nur loyal auslegen und werde selbstverständlich keine illoyale formalistische Auslegung zu irgend­einem Zweck, ter mit dem Geist der Verfassung in Widerspruch steht, billigen. Ich bin nicht in der Lage und berufen, mich über die baye­rischen Verhältnisse im allgemeinen zu äußern. (Unruhe links.) Was Abg. Sänger mit­geteilt hat, ist ja nicht eine Feststellung, son­dern es sind nur Meinungen, Aeußerungen und persönliche Mitteilungen. (Stürmischer Wider­spruch links.) Es ist noch gar kein abschließen­der Bericht des Untersuchungsausschusses er­schienen. (Hört! hört! rechts.) Ich habe mich wegen dieser Mitteilungen an die baye­rische Regierung gewandt. Die bayerische Regierung ist im Augenblick nicht in ter Sage, unS objektives Material darüber mitzuteilen. (Gelächter links.)

Bayerischer Staatsrat^ v. Rühlein weist darauf hin, daß vor dem Hitlerputsch in Bayern die Lage so gewesen sei. daß sich die Parteien mit geladenem Gewehr gegenüber» standen. Infolgedessen mußte ter Iuftizminister als Staatsmann handeln und sich fragen, ob es zweckmäßig war, die Verhandlung gegen die Freischärler ftattfinten zu lassen. Der andere Fall fei, dah ter Iuftizminister den Staatsan­walt ersuchte, von der Verfolgung des Einspruchs gegen die Bewährungsfrist für Hitler abzusehen. Das sei alles, was man vorgebracht habe. (Leb­hafte Zurufe links: Das genügt ja!) Wegen dieser Vorwürfe fei dec älnterfuchungsausschuh vom bayerischen Landtag eingesetzt worden. Dort habe ter Iuftizminister Rede und Antwort ge­standen. Es sei nun Sache des bayerischen Land­tags, die Entscheidung zu treffen. Diese Ent­scheidung müsse abgetoartet werden. Die Fälle Kahr. Lossow und Seiher seien auch vom Ober» reichsanwalt geprüft worden, der auf Grund ter objektiven Tatsachen gleichfalls die Einleitung eines Verfahrens abgelehnt habe.

Ein Zwischenfall.

Abg. Dr. Frick (Natsoz.) verlangt eine Amnestie für die sogenannten Fememörder, für den am Rathenaumord beteiligten Dechow i nd für die bei­den Erzbergermövder Schutz und Tillesen. Die Schuld der Schulz und Tille ff en wiegt federleicht, so fährt er fort, gegenüber dem todeswürdigen Der- orechen, die die Erzberger und Genossen gegen das deutsche Volk begangen haben. (Stürmische Pfuirufe und Cntrüstungskundgebungen links u.ab im Zen­trum). Vizepräsident Gräf ruft > i Redner zur Ordnung). Als der Redner weiter ausführt, Erz­berger habe das deutsche Volk wehrlos gemacht, ko-mint es zu neuen Entrüstungskungebungen. Vize­präsident Gräf erklärt, er werde nachher die Aus­führungen des Redners prüfen und evtl, nach- trä glt d) einen Ordnungsruf erteilen. Abg. Dr. Frick verlangt dann unter wachsender Unruhe der Linken ine An Nage wegen Landes- und Volks­verrats gegen die sozialdemokratischen Abgeordneten Hermann Müller, Scheid emann und gegen den Reichstagspräsidenten L o e b e. Bei der Fort­setzung dieser Ausführungen steigert sich die Erre­gung in den Reihen der Sozialdemokraten und Kommunisten. Der kommunistische Abg. Florin tritt vor und ruft dem Redner zu:Sie sind ein abgefeimter Lump!" Vizepräsident Graes ruft den Abg. Florin zur Ordnung und weist ihn unter großem Lärm aus dem Saale, als er seinen Zuruf trotzdem dreimal wiederholt. Abg. Florin verläßt den Saal, während zwischen den Völkischen und den Kommunisten Schimpfrufe ausgetauscht werden. Der kommunistische Abg. B e r tz geht mit­ten in dem allgemeinen Lärm auf die Redner­tribüne und stellt sich drohend vor den Abg. Dr. Frick, der seinerseits auch die Fäuste ballt. Völ­kische und deutschnationale Abgeordnete kommen von rechts, Kommunisten von links; sie drängen zur Rednertribüne herauf, aber es kommt nicht zu Tät­lichkeiten, sondern Abg. Bertz fügt sich schließlich dem Vizepräsidenten Gräf, der ihn aus dem Saale weist. Ein Kommunist ruft: ,Herr Präsident, müssen wir uns jede Frechheit gefallen lassen?" Als Vizepräsident Gräf meint, er könne den Redner nicht unterbrechen, ruft Abg. Iadasch (K.) dem Präsidenten zu:Wenn das so weitergeht, hole ich Sie herunter! Dr. Frick schließt unter großer, Unruhe mit scharfen Angriffen gegen die Republik, die er ein jämmerliches, auf Meineid und Hochverrat aufgebautes Gebilde nennt. Don links und vom Zentrum kommen stürmische Pfui- und Schlußrufe. Abg. Dr. B r e i t f ch e i d (S.) ruft dem Vizepräsidenten Gräf zu: Wollen Sie denn nicht einschreiten? Vizepräsident Gräf: Ich habe vorhin bereits gesagt, daß bei der allgemeinen Unruhe die Einzelheiten von mir nicht gehört werden. Ich be­halte mir vor, die Rede nachher zu prüfen. Abg. Dr.

(S.): Die anderen schließen Sie aus. Das ist die Unparteilichkeit des deutsch-nationa­len Vizepräsidenten. Unter andauerndem großen Tumult wird die Weiterberatung auf Samstag vertagt.

kannl, aber erklärt, daß damit nur der An­fang gemacht sein dürste zu einem neuen Staat Mitteldeutschland.

Einberufung des hessischen Landtags.

Darmstadt, 27. Jan. (Eig. Meldg.) Heute mittag tagte der Ql eite ft en rat des Hessischen Landtags, um zu dem kommunistischen Einspruch gegen die Zusammensetzung des Staatsgerichtshofs Stellung zu nehmen. Die Kommunisten begründen ihren Protest mit Formfehlern bei der Wahl der parlamen­tarischen Mitglieder des. Gerichts. Es sei Ver­hältniswahl gesetzlich vorgeschrieben, aber sieben Mitglieder wären en bloc und das achte durch Stimmzettel vom Landtag gewählt worden. Der Aeltestenrat beschloß, um allen Weiterungen aus dem Wege zu gehen, daß die Wahl noch einmal vorgenommen werden fort. Aus diesem Grunde wurde der Landtag auf morgen (Samstag) nachmittag 1 A Uhr einberufen. Die

auswärtigen Mitglieder des Landtags wurden auf dem Drahtwege von der Einberufung in Kenntnis gesetzt.

Glückwunsch -er Reichsregierung an Staatspräsident Mich.

Berlin, 28. Jan. (WTB. Funkspruch.) Reichs­kanzler Dr. Marx hat dein hessischen Staats- und Ministerpräfidenten Ulrich in Darmstadt zur Voll­endung des 75. Lebensjahres zugleich im Namen der Reichsregierung die a u f r i ch t i g ft e n Glück wünsche ausgesprochen.

Württemberg ersucht um Entsendung des Reichssparkommissars.

Stuttgart, 27. Jan. (WTB.) Dos Staats­ministerium hat mit Schreiben vom heutigen Tage die Reichsregierung gebeten, den Reichsspar- ko m m i s s a r, Staatsminister a. D. Dr. S o e - misch, nach Württemberg zu entsenden.

Schiedsspruch für die Reichs- und Staatsangestellten.

Berlin, 27. Ian. (WTB.) In dem Lohnstreit der Reichs- und preußischen Staatsangestellten wurde gestern abend vom Schlichter ein Schiedsspruch gefällt, der Gehaltserhöhungen von 25 bis 16 Prozent Vorsicht. Für Mehrarbeit soll keine besondere Vergütung gewährt werden, son­dern diese soll durch Freizeit ausgeglichen werden. Die Erklärungsfrist über Annahme oder Ab­lehnung dieses Schiedsspruches durch die Parteien läuft bis zum 3. Februar. Ueber die Verteilung der einzelnen prozentualen Erhöhungssätze sollen auf Vorschlag des Schlichters direkte Verhandlungen zwi­schen den Parteien ftattfinten.

Geringe Zunahme der Arbeitslosigkeit.

Berlin, 27. Jan. (WTB.) In der Zeit vom 1. bis 15. Januar ist die Zahl der Hauptunterstützungs­empfänger in der Arbeitslosenversicherung nur noch in verhältnismäßig geringem Umfange gestiegen, und zwar von rund 1 188 000 auf 1 371 000 ober um 15,4 v. H. Eine ähnliche Entwicklung zeigt die Krisenfürsorge. Die Zahl der Hauptunterftül- zungsempfänger in ter Krisenfürsorge betrug also am 15. Januar insgesamt 228 200 gegenüber 211 400 am Ende des vorigen Monats, die Zunahme mithin 7,9 o.H.

Prügeleien bei einer nationalsozialistischen Kundgebung. Berlin, 27. 3an. (WTB.) Bei einer von 5 bis 6000 Menschen besuchten Kundgebung ter Rationalsozialisten setzte sich Reichstagsabgevrd- neter Kube für die Freilassung der vier wegen Fememords zum Tode Verurteilten ein und verlas nach seiner Rede eine entsprechende Resolution. Auf seine Zusicherung, daß niemand von den An­wesenden, der gegen die Resolution stimme, etwas geschehen würde, stimmten etwa 15 Personen gegen die Annahme ter Entschlie­ßung. Sie wurden sofort überfallen und mißhandelt. Die Schutzpolizei sah sich zum Eingreifen genötigt, um zu verhindern, daß die Opponenten auch auf der Straße verfolgt wur­den. Der Tumult im Saale richtete sich dann auch gegen die anwesenden Pressevertreter, in deren Rähe Beamte zu ihrem Schutze Aufstel­lung nahmen.

Aus aller Wett.

Richard Weber f.

Der Zeitungsverleger Richard Weber, Herausgeber derKasseler Post" ist im Kasseler Krankenhaus Rotes Keuz, wo er Heilung von einer schweren Kopfgrippe suchte, nach vier­wöchigem Krankenlager im 46. Lebensjahre ge­storben. Der Tod Richard Webers bedeutet für dieKasseler Post", für den Mitteldeutschen Zeitungsverlegervercin, dessen erster Vorsitzender er war sowie für die Stadt Kassel, M deren öffentlichem Leben er eine hervorragende Rolle spielte, einen schweren Verlust. Richard Weber gehörte auch dem Hauptvorstand des Deutschen Zeitungsverlegervereins in Berlin an. Bei dem Marburger Tlniversitätsjubiläum im letzten Iahre war er zum Ehrensenator ernannt worden. Schwere Explosionskatastrophe in Texas.

mcLamey (Texas), 27. Dan. (1DIB.) Eine furchtbare Explosion von Benzintanks zerstörte die gesamten Anlagen der Humble Oil He­nning Gesellschaft. Arbeiter, die sich auf einem der Tanks befanden, wurden bei ter Explosion 2 5 Fuh hoch in die Lust geschleudert. Die ersten Meldungen über die Lxplosionskataftrophe. die be­fürchten ließen, daß etwa 60 Arbeiter ums Leben gekommen seien, scheinen sich glücklicher­weise nicht zu beftäligen. Zur Zeit der Explosion befanden sich etwa 100 Angestellte in ter Oelanlage. Das Schicksal von 21 von ihnen ist ungewiß.

KreuzerEmden" in Latein-Amerika.

Der deutsche SchulkreuzerEmden", der von San Franzisko kommend in den letzten Monaten Südamerika umschiffte, hat bei den latein­amerikanischen Staaten eine überaus freund­liche Aufnahme gefunden. Die Bevölkerung benutzte den Besuch vielfach als Gelegenheit, um dem Deutschtum, dem Reichspräsidenten v. Hindenburg, der deutschen Kunst und Wissenschaft und den Südamerikanern deutschen Ursprungs herzliche Ovationen zu be­reiten. Dies kam besonders stark in der Presse der südameri/anischen Länder zum Ausdruck. Dor allem wurde aber des im Kriege berühmt ge­wordenen Kreuzers gleichen Ramens gedacht. Es ist nicht verwunderlich, dah dem deutschen Schulkreuzer nach dieser überaus freundlichen Einführung durch die brasilianische Presse in Rio de Ianeiro und Pernambuco ein glänzender Empfang zuteil wurde. Die Emden" hat inzwischen nach siebentägigem Aufenthalt den Hafen von Pernambuco verlassen und ist nach Mittelamerika gegangen.

Lawinenunglück im Riefengebirge.

Bei starkem Sturm ging am Westhang de s Seiffengrabens unterhalb ter Ham­pelbaute eine riesige Schneelawine nieder. Die Holzbaracke, die bei dem Dau ter Schief ierhaus- Rotelbahn als Kantine dient, wurde zertrüm­mert. Unter den ungeheuren Schneemassen lag ter Logierhausbesiher Gustav Hampel aus Oberbrüdenberg begraben; man fand die Trümmer seines Hörnerschlittens. Rach mehr­stündigen anstrengenden Arbeiten von über hun­dert Mann tourte auch die Leiche aus den Schneemassen geborgen. Die Leiche wies sehr schwere 'Verletzungen auf.

Durch eine Lawine getötet.

In Hinterstubach (Salzburg) ging im Tauern­moos eine Staublawine nieder, durch die ein Bautechniker aus Innsbruck verschüttet tourte. Er konnte nur als Leiche geborgen werden.

Lin Walfischsänger mit 13 Mann gesunken.

Der WalfischfängerS c a p a" ist auf dem Fangfelde südlich der Orkneyinseln untergegangen. Von der 16 Mann starken Be­satzung sollen nur drei Monn gerettet sein. Das Schiff gehörte einer britischen Gesell­schaft, hatte aber norwegische Besatzung an Bord.

Fünffaches Todesurteil.

Das Schwurgericht in Weiden verurteilte im Rovemter 1927 den Fabrikarbeiter Karl Müller wegen fünffachen Mordes fünfmal zum Tode. Die vom Angeklagten gegen dieses Ur­teil beim Reichsgericht eingelegte Revision ist verworfen worden. Der Angeklagte hatte seine erste grau, seinen Schwiegervater, zwei