Donnerstag, 27. Dezember 1928
178. Jahrgang
Ur. 505 Erstes Blatt
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MsgehtimRheililandvor?
Die französische Kriminalpolizei im besetzten Gebiet nimmt seit Wochen planmäßig Verhaftungen vor. Namentlich Beamte der Reichsoer- mögensverwaltung sind von ihr den Kriegsgerichten der Besatzungsarmce zugeführt worden, ohne daß es dem deutschen Vertreter bei der Rheinlandkom- Mission, dem Rcichskommissar v. Langwerth- Simmern, bisher gelungen ist, die Gründe die- ser Massenverhaftungen in Erfahrung zu bringen. Es ist ihm nur von den Franzosen angedeutet worben, daß sie einer S p i o n a g e a f f d r c auf die Spur gekommen feien, die einen großen Umfang habe, über die aber vor Abschluß der eingeleiteten Untersuchungen nichts gesagt werden könne. Wenn wir auch noch immer nicht wissen, welche Anklagen im einzelnen gegen die Verhafteten, deren Zahl noch ständig wächst, erhoben werden, so dürfte doch bereits soviel feststehen, daß vor irgendeinem französischen Kriegsgericht im kommenden Jahre ein Prozeß gegen deutsche Staatsbürger zu erwarten ist, dem man schon jetzt seine besondere Aufmerk- samkeit wird schenken müssen. Denn soviel scheint festzustehen, daß die F r a n 3 0 f c n ajif einen groß, angelegten Spionageprozetz starten, dessen Beginn etwa mit den Beratungen der Reparations- fachverständigen zusammenfallen wird, weil sie zu diesem Zeitpunkt ein ihrer antideutschen Propaganda würdiges Objekt brauchen, mit dessen Ausbeutung sie die gesamte Weltmeinung gegen uns aufbringen wollen, um dann um so leichter ihre reparationspolitischen Ziele erreichen zu können. Daß die Wirkung derartig einseitig aufgebauter Prozesse nicht unterschätzt werden darf, haben wir namentlich vor dem Schachty-Prozeß erlebt, haben wir aber auch beim Autonomistenprozeß in Kalmar erfahren. In beiden Fällen arbeiteten die Ankläger mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln auf eine Schädigung des deutschen Ansehens, ja sogar auf ein Wachrütteln aller jener Leidenschaften hin, die wir während des Krieges im Auslande auf Schritt und Tritt zu spüren bekamen und deren geschickte Ausnutzung durch die Alliierten eine noch niemals dagewesene deutschfeindliche Stimmung bei fast allen Völkern des Weltalls auslöste. Schachty und Kolmar waren Beispiele dieser noch immmcr nicht vergessenen Methoden der Vergangenheit, sie werden beim Benoit. Prozeß, der, nach den französischen Pressestimmen zu urteilen, wieder em einziger Hahgesana gegen Deutschland werden wird, aufs neue in die Erscheinung treten; wir werden sie aber bei der Aburteilung der jetzt im Rheinland verhafteten deutschen Staatsbürger mit verdoppelter Wucht zu spüren bekommen. Daß von einer Spionage deutscherBeamter keine Rede sein kann, ist uns allen klar. Aber im Auslande wirken auch heute noch französische Tendenzberichte, weiß man noch immer nicht die Wahrheit von haltlosen Anklagen zu unterscheiden. Daraus baut Frankreich, das jetzt von der Seite eines Spionageprozesses zur Entlastungsoffensive ansetzt, um dann um so leichler und ungestörter mit Hilfe einer gegen uns aufge- pciischlen Weltmeinung seiner Reparationspolitik zum Siege zu verhelfen, zu der natürlich die Aufrechterhaltung der Besatzung oder die Kontrolle des Rheinlandes bis zur reft losen Abgeltung unserer finanziellen Verpflichtungen gehört.
ReueBeamien-Ve» Hastungen.
WSR. Koblenz. 24. Dez. Gestern wurde der früher beim Reichsvermögensamt Koblenz bo- schäsügte Postsekretär Scholz ohne Angabe von Gründen von den Franzosen f e st g e n 0 m- m e n. Wie verlautet, soll gegen alle verhafteten deutschen ^Beamten Anklage wegen Spionage und Gefährdung der Sicherheit der Befahungs- truppen erhoben werden.
Der verhaftete Oberverwaltungs-Inspektor Kratz hat durch die schwere Llntersuchungshast einen Rervenzusammenbruch erlitten und mutzte in das französische Militärlazarett über» geführt werden.
Wiederttebergriffe der Surete
MSR. Ludwigshafen. 24. Dez. Am Mittwoch, 19. Dezember, zwischen 10 und 11 W. wollten zwei deutsche.Kriminalbeamte an der Ecke Schützenstraße-Bleichstraße einen ihnen fremden Mann kontrollieren. Als ber fragliche Mann seinen Personalausweis vorzcigen wollte, mischte sich der französische Kriminalbeamte Foucon ein. packte den Mann am Ann und zog ihn mit den Worten: „Marsch, weikerl" mit sich fort und machte dadurch die Ausübung der polizeilichen Kontrolle unmöglich. Gegen diesen Eingriff in die deutsche Polizeihoheit hat der Oberbürgermeister beim französischen Platzkommando Verwahrung eingelegt.
Wie wir hierzu weiter erfahren, handelte es sich bei dem zu kontrollierenden Mann um eine Person von ausländischem Typ, die von den beiden Beamten an diesem Morgen schon längere Zeit beobachtet worden war und ihren Verdacht erweckt hatte. Als sie ihn. wozu sie in solchen Fällen ohne weiteres berechtigt sind, nach seinen Papieren fragten, machte der Mann auch Miene, seinen. Ausweis vorzuzcigen. Ehe er jedoch dazu kam, kam der genannte französische Surete-Beamte aufgeregt hinzu und schrie die deutschen Beamten an: „Haben Sie jetzt genug gespitzelt?" Als die Beamten sich diese grobe Beleidigung verbaten und auf ihr Recht verwiesen, sagte der Franzose: „Das gebt Sie gar nichts an.“ 'Fs handelt sich hier offenbar um piNen krassen Bruch der vertraglich ge- f idjerten und vereinbarten Rechte, er-
Weihnachts-Kundgebungen Müllers und Stresemanns.
Aufgeregtes Echo in Paris.
Oer Reichskanzler zur Reparationsregelung.
Berlin, 24. Dez. (TU.) Der Sozialdemokra- lisch: Pressedienst veröffentlicht folgenden Ar- tikel des Reichskanzlers Hermann Müller:
Das Zahr 1929 wird mit der Einleitung wichtiger internationaler Verhandlungen beginnen. Auf Grund der am 16. September in Genf getroffenen Vereinbarung sollen unabhängige Sachverständige die Endlosung für die beut« ch e Reparationslast finden, was nur nach eingehender Prüfung der finanziellen Leistungs- ähigkrit Deutschlands möglich ist. wenn diese Lasten wirtlich getragen werden sollen. Auf die Bedeutung dieser Verhandlungen brauche ich im einzelnen nicht einzugehen. Zch habe das erst am 12. Dezember in einer öffentlichen Rede beim Verein Berliner Presse getan, in der ich gleichzeitig betonte, dah
Deutschland auf die endgültige Befreiung der besetzten Gebiete ein Recht habe.
Mir ist gelegentlich der Vorwurf gemacht worden, daß diese Rede, die ich als Reichskanzler gehalten habe, keine sozialdemokratische Rede gewesen sei. Die französische bürgerliche Presse hat dagegen gleichzeitrg behauptet, dah das nicht die Rede eines deutschen Staatsmannes, sondern die eines Parteimannes gewesen wäre. Der Reichskanzler, der die Aufgabe hat, die auf dem Boden der republikanischen Verfassung stehenden Parteien zu gemeinsamer Arbeit zusammenzufassen, damit das parlamentarische System durchgeführt werden tarnt, wird nicht immerReden halten können, die jeder Partei gefallen, die in der Regierung vertreten ist. Von der Rede die ich am 12. Dezember gehalten habe, darf ich aber sagen, dah sie ebenso gut von jedem sozialdemokratischen Parteiführer gehalten werden konnte.
3n der Forderung der Räumung der besetzten Gebiete, und zwar im Interesse der dauernden Befriedung Europas, in der Betonung des kerndeutschen Charakters der Saarbevölkerung in der Anerkennung des Selbstbeslimmungs- rechtes auch für die deutschen Stamme im Reich und in Oesterreich ist sich die deutsche Sozial- demokralie mit dem gesamten deutschen Volke einig.
Die Behandlung der Deutschen als Gleichberechtigte gehört auch zu den Sicherungen, die für einen Dauerf rieden notwendig sind. Für einen Dauerfrieden ist es aber auch notwendig, dah, wie Briand sagt, endlich alle Rechte aus der Kriegszeit liquidiert werden. Dazu gehört auch, dah endlich festgesetzt wird, was Deutschland $u zahlen hat. Der frühere französische Finanzmmister Klotz, der den Vertrag von Versailles mitunterfebrieben und augenblicklich in Untersuchungshaft sitzt, sagte einst: „Die Boches werden alles zahlen." Zeder nüchtern denkende Wirtschaftler hat inzwischen eingesehen, dah kein Land alle Kriegslasten allein übernehmen kann. Immer mehr hat sich der von Rorman Angel geprägte Sah als richtig herausgestellt: „Der Krieg ist eine falsche Rechnung." Zn Deutschland folgte auf Krieg und Blockade die Zeit der Inflation. Zn ihr tourten große Vermögen vernichtet. Der deutsche Mittelstand wurde zum großen Teil enteignet, die Sparguthaben der Arbeiter, Angestellten und Beamten schmolzen dahin. Gewiß hat sich die deutsche Wirtschaft feil 1924 wieder erholt. Das geschah durch den Fleiß und die Zntelligenz der deutschen Arbeiter und Angestellten, aber auch mit Hilfe im Ausland geborgter Kredite. Wenn die Sachverständigen die gegenwärtige Lage der deutschen Wirtschaft feststellen wollen, müssen sie eine ernsthafte Prüfung vornehmen, um zu erkennen, was aus eigener Kraft geleistet werden kann. An dieser ilnterfudnmg haben alle Teile des deutschen Volkes das größte Znteresse.
Die Lösung muß so erfolgen, daß die deutsche Währung gesichert und eine neue Inflation unter allen Umständen ausgeschlossen bleibt. Durch letztere würden die deutschen Lohn- und Gehaltsempfänger wiederum am schwersten getroffen werden. Wenn es im Zahre 1929 gelingen sollte, in den noch strittigen Fragen für die Völker Europas die Lösung zu finden, so würde sich das deutsche Volk nach Wiedergewinnung seiner politischen Freiheit mit ganzer Kraft für den Wiederaufbau im Znnern und für den Frieden nach außen einsetzen können. Möge in diesem Sinne das Zahr 1929 glückbringend sein. Stresemann über unser Recht auf die Rheinlandräumung. Berlin, 27. Dez. (Täl.) Wie „D.T." berichtet, gewährte Dr. S t ce'f emann dem Korrespondenten der „Daltimove Sun" eine älnter- redung, in der er ihm den Standpunkt der deutschen Regierung über die Ausführungen des britischen Außenministers im Unterhaus und des Lordkanzlers im Oberhaus über die Rheinlandräumung klarlegte. Dr. Stresemann erklärte u. a., daß man in einer so lebenswichtigen Frage die Tatsache, dah der Versailler Vertrag der deutschen Regierung nach ihrer Lieberzeugung einen begründeten Rechtsanspruch auf Räumung gebe, nicht einfach in den Hintergrund treten lassen könne.
(Es handele sich dabei nicht um subtile juristische Deputationen, sondern um die vernünftige und loyale Auslegung einer kurzen, aber äußerst wichtigen Bestimmung des Versailler Vertrages.
Wenn auch die britische Auffassung sich in der Auslegung des Art. 431 auf einen anderen Artikel des Versailler Vertrages, nämlich 429, stütze, so sei es doch unmöglich, dabei so weit zu gehen, dah man ine vorzeitige Räumung des Rhein- landes von der effektiven Abtragung der deutschen Reparativnsschuld abhängig mache. Es sei überhaupt interessant, dah die britische Regierung nicht immer die gleiche Ansicht wie jetzt vertreten habe. Hm die Richtigkeit der deutschen Auffassung, dah av(ch hinsichtlich der Reparationen die Voraussetzung des Art. 431 bereits jetzt erfüllt sei, zu beweisen, wies Dr. Stresemann auf die durch den D a w e s p l a n geschaffenen effektiven Pfänder hin, zu eren Bestellung Deutschland nach dem Versailler Vertrag nicht verpflichtet ist. Die deutsche Auffassung finde außerdem in der gemeinsamen Erklärung Wilsons, Clemenceaus und Lloyd Georges eine Stütze, in der es heißt, dah, wenn Deutschland vor 1935 Beweise seines guten Willens und ausreichende Garantien für die Erfüllung seiner Vertragsverpslichtungen gegeben habe, die beteiligten Alliierten und Assoziierten Mächte bereit fein würden, eine Vereinbarung über die frühere Beendigung der Besetzungsperiode zu treffen. Dr. Stresemann stellte sodann die Frage, ob man etwa bestreiten wolle, dah Deutschland Beweise seines guten Willens und ausreichende Garantien im Sinne dieser Erklärung gegeben habe. Rach alledem, so erklärte ©trefemann, halte ich mich für berechtigt, zu erwarten, daß unsere juristischen Argumente auf die Dauer nicht ohne Wirkung bleiben und dah sie zusammen mit den nicht weniger starken politischen und moralischen Argumenten dazu führen werden, die Besetzung deutschen Gebietes, dieses letzten militärischen äleberbleibsels aus dem Weltkriege, endlich zu beseitigen.
poincare und Briand antworten nicht.
Paris, 26. Dez. (TU.) Zn französischen politischen Kreisen ist man der Ansicht, daß weder
P 0 i n c a r e noch Briand auf die Erklärungen des deutschen Reichskanzlers in der Reparationsund Anschluhfrage antworten werden, da ein solcher Austausch von Erklärungen geeignet sei, eher Mißverständnisse hervorzurufen als zu beseitigen. Wegen der Erklärung des beut» schen Reichskanzlers über die Rach Prüfung der deutschen Zahlungsfähigkeit bringt man in gutunterrichteten politischen Kreisen 3um Ausdruck, dah die französischen Sachverständigen sich kategorisch der Revision des Dawes-Planes widersehen werden, da seit Anwendung des Planes nichts eingetreten sei, was die Annahme zulassen würde, dah die deutsche Zahlungsfähigkeit sich vermindert habe.
Deutschfeindliche
Hetze in der pariser presse.
Paris, 27.Dez. (TU.) Die Kundgebung führender deutscher Staatsmänner in der Repara - tions- und A n s ch l u ß f r a g e hat in der französischen Presse wieder eine lebhafte Aufregung hervorgerufen.
Der „Temps" besaßt sich in einem Leitartikel „mit den deutschen Hoffnungen". Nach seiner Meinung läuft die Haltung des Reichskanzlers Müller, der in den Deutschen die Illusion einer neuen Prüfung der deutschen Zahlungsfähigkeit unterhalten wolle, Gefahr, zu ernsten politischen Unannehmlichkeiten zu führen, wenn die sogenannten Hoffnungen sich als eitel Herausstellen sollten. Die tausendmal wiederholten Behauptungen der berufensten deutschen Staatsmänner würden in nichts die tatsächliche Lage ändern. Sie würden nur noch mehr das Mißtrauen der Alliierten wachrufen und eine Atmosphäre schaffen, die die endgültige Lösung der Reparationsfrage schwieriger gestalten müsse.
Auch die Reden über den Anschluß werden vom „Temps" vom politischen Gesichtspunkt aus als ungelegen angesehen. Die vqn Minister Koch angewandte Taktik, die Einrichtungen und Verwaltungsorganisationen Deutschlands und Oesterreichs einander anzupassen, wird vom „Temps" als gefährlicher bezeichnet, als die brutale Forderung des Rechtes, die Vereinigung sogar gegen den Geist und den Buchstaben der Verträge durchzn- führen. In Wien wie in Berlin könne man nicht verkennen, daß diese Frage sich nicht mit Erfolg vor dem Völkerbund stellen werde, wo sich niemals eine notwendige Einmütigkeit finden lassen werde, um den Bestrebungen der Pangermanisten Recht zu geben. Ferner dürfe man nicht verkennen, daß man mit dem Willen gegen den Geist und den Buchstaben der Verträge zu einem neuen europäischen Kriege drängen werde.
Das „Zournal des Debats" hält es für bezeichnend, daß nach den älnterhaltungen von Lugano und am Vorabend der Sachverständigen- konferenz der deutsche Reichskanzler die These aufgreift, der Stresemann vor Brian d und Chamberlain nicht Geltung verschaffen konnte. Das Blatt schreibt weiter, nichts leweise, dah die gegenwärtigen Gefühle zwischen Deutschland und Oesterreich sich nicht später einmal unter irgendwelchem Einfluß in feindliche Gefühle verwandeln könnten. Die erklärten Anhänger des Friedens müßten sich also einer politischen Vereinigung widersetzen, die sofort zu einem internationalen Konflikt und später wahrscheinlich zu schweren Komplikationen führen würde.
Aehnlich äußert sich die nationalistische „L i • 6 e r 16". Die Frage sei em st und verdiene größte Aufmerksamkeit in London und Paris. „Was werde," so meint das Blatt, „schließlich Italien tun, wenn die deutschen und österreichischen K a ° nonen 25 Kilometer von der Adria entfernt aufgestellt würden "
„0 euere" fragt: Warum kommt Reichskanzler Müller auf die Anschlußfrage zurück? Um zu zeigen, daß der Pangermanismus nicht nur den Deutschnationalen gehört? Man wirst uns in
schwort durch eine gemeine Beschimpfung der beiden Polizeibeamten.
Einen weiteren Eingriff erlaubten sich zwei Surete-Beamte, darunter auch der vorgenannte, am gleichen Tage einige Stunden später, indem sie ohne jeglichen Grund einen Ludwigshafener stellungslos en Kaufmann von der Straße weg zur französischen Surete Mitnahmen und ihn dort einem eingehenden Verhör unterzogen, das sich insbesondere darauf bezog, ob der betreffenbe Mann im Dienste der Ludwigshafener Polizei stehe. Sie warfen ihm dann vor, er habe sie scharf beobachtet. Rach dem Verhör wurde der Mann wieder frei- gelassen. Auch dieser Fall stellt einen unzulässigen älebergrif f der Surete Dar, da der Verhaftete einen ordnungsmäßigen Ausweis bei sich hatte und nach deutscher Feststellung den Franzosen keinen Grund zum Einschreiten gegeben hat.
Oer englische Knegsmmister reist nach Paris.
Paris, 26. Dez. (WTB.) Wie Havas aus Calais berichtet, ist der englische Kriegs-
minifter Wvrthington Evans heute nachmittag dort eingetroffen und hat unverzüglich die Weiterreise nach Paris angetreten.
Krisenfürsorge für die hessischen Tabakarbeiter
WHP. Darmstadt, 24. Dez. Die Zentrums - abgeorbneten Wesp und Späth haben im Hessischen Landtag folgenden Antrag eingebracht:
„Der Landtag wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, bet -Der Reichsregierung dahin vorstellig zu werden, daß die Krisenfür- sorge auch auf die Arbeiter und Arbeiterinnen in der Tabakindustrie ausgedehnt wird."
Begründung: Die Tabakindustrie leidet zur Zeit unter einer großen Wirtschaftskrise. Zn der Zeit des Weihnachtsfestes war früher stets Hochkonjunktur zu verzeichnen. Zn Dietern Zahre ist gerade das Gegenteil der Fall. Schon seit August d. Z. macht sich von Monat zu Mona! eine immer größere Arbeitslosigkeit empfindlich bemertbar. Die Arbeitslosig- T eit in der Tabakindustrie beträgt in Hessen einschließlich Kurzarbeit 50 Prozent. Sie wird sich mit Beginn des neuen Zcchres
leider noch wesentlich erhöhen. Ein großer Teil dieser bisher unterstützten Arbeitnehmer ist bereits, andere werden in Kürze ausgesteuert sein Es ist deshalb dringend notwendig, dah die Krisenunter st ühung auch auf die in der Tabakindustrie beschäftigten Arbeitnehmer alsbald ausgedehnt wird.
Beilegung des Konflikts zwischen Paraguay und Bolivien.
Washington, 26. Dez. (WTB.) Das Protokoll zwecks Beilegung des Streites zwischen Paraguay und Bolivien, das nunmehr beiden Mächten vorgelegt worden ist. sieht die Einsetzung eines neungliedrigen Richterkollegiums vor, das die Llrsachen der Zusammenstöße und die Verantwortung dafür seststellen soll. Von Paraguay und Bolivien füllen je zwei Richter, die übrigen fünf von der Schiedskommission bestimmt werden. Das Rich- terkollegium wird mindestens sechs Monate benötigen, um das Material zu sammeln. Es wird sich jedoch nur mit dem jüngsten Streitfall und nicht mit der Grenzfrage beschäftigen.


