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im Rordlanbe, von denen die größte die Llxah - v e r - Ochsenquelle genannt wird. Ihre Gestal­tung mit Decken, flachem Sinterkegel und Spring­röhre ist genau wie die des Geysirs im Süd' lande. Die Llxahver springt noch sehr häufig, mehrmals am Tage bis über 10 Meter hoch.

Einen dritten TYP der heißen Quellen auf Island finden wir in den Schwefelquellen oder Solfataren, den schnaubenden, spritzen­den und von beißenden Schwefeldämpfen um­gebenen Fumarolen und Schlammvul­kanen, die man allgemein in den Tuffgebieten findet. Die schönsten liegen auf der Halbinsel Rehkjanes, südlich von Reykjavik, bei Reykjanes und Krlsuvik, und im Rordlande östlich vom Myvatn, die Reykjalioarnamur (nama-Schwefel- quelle), sowie in der Mitte des Landes am Kerlrngarsjöll am Südhange des Hofsjökull. Währrend in der Mähe der heißen Quellen und Gehsire meist recht üppiger Graswachstum zu beobachten ist. erscheint die Umgebung der Schlammvulkane völlig leblos, als ob von den giftigen Dämpfen und der mächtigen Hitze des förmlich kochenden Erdreiches jedes Leben unmöglich gemacht wäre. Als ich an einein Iuli- Rachmittag vom Myvatn her mit meinem Be­gleiter am Westhang des Ramafjall hinaufritt, sahen wir einige große Schwefelablagerungen, deren Kegel hellgelb unb rötlich am Bergrücken aufleuchteten. An einzelnen Stellen beobachteten wir schon kleine Dampfstrahlen, die zischend aus irgendeiner Spalte oder einem Schwefel-inkru- stierten Höcker hervorbrachen und zähe, blub* bernde Schlammassen verdeckten. Als aber der Bergrücken überschritten war und wir wieder talwärts reiten wollten, setzten unsere frei vor uns herlausenden Packpferde in wildem Galopp davon in das nach Osten folgende Heidegebiet und Lavafell). Der Anblick, der sich hier bot, war trotz aller Größe und Schönheit, doch be­ängstigend und die reizenden, ätzenden Schwefel- dämpfe, die uns in dichten Schwaden entgegen­zogen, konnten die ängstlichen Ponys schon zum AuSreißen veranlassen. Rechts unter uns lag eine mehrere Hektar große, dröhnende, brodelnde imb in Dampffahnen gehüllte Hexenküche, in der aus Hunderten kleiner Oesfnungen heiße Dampf- strahlen mit zischenden und schnaubenden Ge­räuschen hervorbrachen. Rur mit Mühe konnten wir unsere Reitpferde zwingen, den Schlamm­vulkanen (leirhver) näherzukommen. Roch in großem Abstand davon weigerten sie sich, zit­ternd und hustend, weiterzugehen. Beim Bor- wärtsgehen stellten wir fest, daß das Gelände ringsum derart heiß war, daß die Hitze durch unsere Stiefelsohlen drang. Äeberall be­stand der Boden aus zusammengekochtem Ge­stein mit leuchtend roten Farben, die gegen die blau^schwarze Lava der umgebenden Felspartien lebhaft abstach. Dazwischen sah man zahllose gelbe Flecke, die aus sublimiertem Schwefel und Gips bestanden. Da der Boden von den schwefel­haltigen Dämpfen völlig durchweicht war, mußte man außergewöhnlich vorsichttg das Solfataren- Feld passieren, um nicht durch die dünne Ton- schicht in die siedend heißen, immerfort brodelnden Schlammassen einzubrechen.

Eine wundersame Farbenzusammensetzung herrschte in diesem großen ausgedehnten Schwefel- quellen-Gebiet. Die Hänge des Ramafjall wiesen derart seltsame Gemische von grell nebenein­ander aufgetragenen Farben auf, daß das Grau und Schwarz der Lava kl ip Pen auf der ganzen Ostseite des Bergstockes wirklich der Palette eines Malers glich. Scharf setzten sich die gelblichen SchwesLlkuppen <tu» dem Basalt ab, dazwischen ein Farbenspiel von gelb und grau, grün und blau, rot, orange unt> leuchtend weih, ohne jeg­liche Liebergänge waren diese großen Farben- kleckse nebeneinander gesetzt, die durch die zer­kochten und in bunten Ton verwandelten Ge­steine entstanden waren. In allen Pfützen und Pfuhlen, Decken und kraterförmigen Schlünden kochte unaufhörlich vielfarbiger Tonbrei brodelnd und klucksend unter starker Dampfentwicklung, mit wildem Getöse, wieBrei in einem eisernen Topfe". Aus jeder Oeffnung, jedem Loche, jedem Risse und jeder Kluft zischten und fauchten ver­schieden große Dampfstrahlen empor, deren Schwefelgeruch sich schwer auf die Lungen legte. Llnter uns hörten wir gedämpftes Pottern und Rumoren, Fauchen und Pfeifen, als ob der Feuermann unter gewalttgen Anstrengungen seine Kessel schürte. Ringsum platzten und knallten in dumpfen Tönen die Gasblasen und spritzten die Schlammassen über den Rand der Becken hinweg, so daß man sich an den Eingang der Hölle versetzt glaubte, und wir uns bald wieder aus diesem verräterischen, unheimlichen Solfataren- Feld zurückzogen, um auf den nun lustig davon- jagenden Ponhö unseren Packpferden nachzusetzen und bald wieder schönere, vor allem aber fried­lichere Landschaften zu genießen.

Gchubertfeier der pestalozzischule.

Die Pestalozzischule zu Gießen hatte aus Anlaß des 10 0. Todestages Franz Schuberts die Eltern ihrer Zöglinge, das Stadtschulamt und die Gießener Lehrerschaft am 19.Rovember zu einem Elternabend ein­geladen. Zweck der Deranstaltung war. in ge­meinsamer Feier der Schüler mit ihren Eltern in Franz Schubert einen Dolkserzieher, einen Kulturträger zu würdigen, der dem deutschen Dolle in seinen unsterblichen Tonschöpsunaen einen köstlichen Schatz Erbauungs- und Bil- dungsgutes geschenkt hat.

Wohl mit großer Spannung und wohlwollen­dem Interesse folgten wie man uns berichtet alle Kreise der Elternschaft dem Rufe der Schule so zahlreich, daß die Beranstaliung am Dienstagabend wiederholt werden mutzte. Lind wahrlich, diese Feierstunde war für alle Er­schienenen ein reicher, innerer Gewinn. Es sollttre ja kein Konzert sein in dem Sinne, wo hier der Künstler musiziert, dort das Publikum zuhört. Rein! Die Schule., als Bildungsstätte des Geistes und des Gemütes, wollte in dienender Liebe den Herzen der Eltern ihrer Pflege­befohlenen eine Persönlichkeit näherbringen, die es verdient, »Lehrer und Erzieher des deutschen DolkeS und der gesamten Menschheit" im wahr­sten Sinne des Wortes genannt zu werden. Lind in der Absttmmung auf diesen feierlichen Grundton war im festlich hcrgerichteten Raum, wo in würdiger Aufmachung Franz Schuberts Bildnis grüßte, sogleich das innige Gemein­schaftsband geschlungen zwischen der Schule, den Mitwirkenden und den herzlich willlonimenen Gästen.

Die Schule halte ihren Gästen ein Programm geboten, das in seinem Aufbau und Inhalt eine

würdige Schubertehruna bedeutete. Eltern, Lehrer, Freunde und Schüler sangen und musizierten aus Schuberts Werken. Zur Eröffnung des Abends spielte Frau Dr. Fischer, Gießen (Klavier) mit seclenoollem Vortrag aus Schuberts Impromptus. Die Herren Lehrer Momberger (Violine) und H. Simon (Klavier) trugen in exaktem Zusam­menspiel und fein nuancierter Weise Stücke aus Schuberts Sonatinen vor. Ein auf Schuberts rei­ches Innenleben abgestimmter Vorspruch mit viel innerer See'lenwärme, von Frl. Lehrerin Dora Mainzer vorgetragen, umrahmt durch Dankes- worte des Schülersprechchors, beschloß den einlei­tenden Teil des Programms. Frl. Hedwig Gunderloch (Sopran), einem Darmstädter Lehrerhause entstammend, hatte ihre herrliche Kunst in uneigennütziger Weise zur Verfügung gestellt. Eine abgeklärte, künstlerisch reife Schubertsängerin, sang sie mit ihrer sympathischen, vorzüglich ge­schulten Stimme mit innerer HingabeAn die Musik" undDie Allmacht", in den Herzen der Zuhörerschaft andachtsvolle Stimmung weckend. Ihre Partnerin am Klavier, Frau Dr. Fischer, trug durch ihre vollendete Begleitungskunst dazu bei, die hohe künstlerische Leistung der Sängerin zu nachhaltigen Eindrücken zu gestalten. Der mehr heitere Stimmungscharakter inHorch, horch, die Lerch'" gelang Frl. Gunderloch ebenfalls vorzüg­lich. Eine formvollendete Wiedergabe desLinoen- baums", wie man sie nicht oft hören dürfte, zeigte beide Damen auf der Höhe künstlerischen Könnens. Frl. Gunderloch sang mit tiefer innerer Erfassung denWanderer" anstelle des am Singen durch Heiserkeit verhinderten Herrn Simon. Auch die Buven mit ihren hellen, frischen Stimmen sangen Chöre und einstimmige Lieder mit Klavierbeglei­tung von Schubert mit viel Freude, von den Zu­hörern dankbar ausgenommen. Die Herren Kröll und Simon hatten sich der Einstudierung unter­zogen. Herr Kröll entledigte sich trotz starker In­disposition seiner Alpenjägerpartie mit gutem Er­folg. Im Kernpunkt der Liederdarbietung stand der mit großer Liebe und sachlichem Verständnis aus­gearbeitete Vortrag des Herrn H. Simon: Schuberts Erdenwallen und Schaffen". Es war die Rede von den schweren Nöten seines Lebens und dem doch so unentwegt reichen Schaffen. Das eigentliche Wesen der Schubertschen Neuorientie­rung auf dem Gebiete der Liedkompositton: Ver­einigung der selbständigen Singstimme und der selbständigen Klavierbegleitung zu einem neuen ein­drucksvollen Tongemälde wurde an Schuberts Li' d: Gretchen am Spinnrad" praktisch erläutert Herz­liche Worte des Schulleiters, Rektor Loos, an die Eltern, der Wunsch eines innig geknüpften Bandes zwischen Lehrern und Eltern, sowie Dankesworte an die Mitwirkenden leiteten zum Abschluß der Feier hin. Nochmals grüßte Frau Fischers Kunst im herlich gespielten Scherzo die dankbare Zuhörerschaft. Ein flott und sauber gespielter Dor- trag für Violine und Klavier beschloß den wohl- gelungenen Abend.

Es ist der Wunw) der Festteilnehmer, dem geisti­gen Urheber der Veranstaltung, Gesanglehrer Heinz Simon, für seine Hingabe, Liebe und Uneigen­nützigkeit bei den vorausgegangenen schwierigen Vor­arbeiten zu danken und ihn zum Gelingen der Ver­anstaltung zu belückwünschen.

Vortragsabend der Schule Heermann.

Am Samstag veranstaltete Herr Heermann, der zusammen mit seiner Frau seit einigen Iahren als Gesangsehrer in Gießen tätig ist. mit Unter- stützung einiger Schüler von Frau Dr. Spohr einen Schülervortragsabend. Obwohl es recht schwer ist, sich nach diesen verhältnismäßig geringen Proben ein genaues Bild über den Ausbildungsstand und -grad des einzelnen zu machen, so darf doch mit Recht gesagt sein, daß der Gesamteindruck des Abends eine sehr günstige Bilanz für die technische Durchbildung und Schu­lung des recht verschiedenen Materials ergibt. Ist die Intonationssichrryeit im allgemeinen recht befriedigend, so bedarf die Klarheit und Deutlich­keit der Aussprache ebenso wie Atemtechnik in einzelnen Fällen noch der Verbesserung. An der Ausführung des etwas reichhaltigen, doch ge- schmackroUen Programms beteiligten sich von der Schule Heermann: Martha Stoll, Senta Würzburger, Lore Michaelis-Sander, Emelh Horst, Gustel Kühn, Leonie Hummel, Marga Rowack und Herbert Konger. Gesanglich bot Emely H o r st durch die Wiedergabe zweier Händel-Arien eine recht gut: Leistung, dir leider durch einige Aeußerlichkeiten, die fehl am Ort waren, beeinträchtigt wurde. Gustel Kühn konnte dagegen den Hörern die Bach-ArieKomm süßer Tod" in eindrucksvollster Weise vermitteln. Ihre Stimme ist nicht sehr groß, aber bis ins weichste pp. tragfähig, und sie weiß sie vortrefflich im Dienste musikalischen Ausdrucks einzusetzen. Herbert Konger erntete ebenfalls mit seinen drei Schubert-Liedern und denWinterstürmen" wohlverdienten Beifall. Auch seine Stimme verrät gute Schulung und wird sicher und geschickt zu musikalischem Vortrag verwendet.

Zwischen den einzelnen Gesangsnummern hörten wir Stücke von Frau Dr. Spohr: Erich Gut, Agnes Dostroem und Herrmann Kopp. Die beiden ersten spielten, unterstützt von Walter Birnbaum, der das Amt des obligaten Cellos vortrefflich verwaltete, eine Trio-Sonate von Ph. E. Bach, mit guter Technik und musikalischer Gestaltung. Erich Gut hat einen warmen Ton und gute Dogentechnik. Agnes Dostroems Spiel ist wohl auch technisch sicher, aber etwas farblos, was sich auch bei den Eesangsbegleitungen erwies. Herbert Kopp spielte das ^-Moll-Kon'ert von Divaldi ebenfalls sicher und korrekt, ging aber musikalisch nur im langsamen Satz aus sich heraus und zeigte im Schlußsatz (Presto) Reigung zum Schleppen. Helmut Eger (Flöte) entledigte sich der ihm gestellten Aufgaben mit Erfolg. Das gleiche gilt von Walter Birnbaum (Cello), der sich bei der Begleitung der Gesänge sehr geschmackvoll anzupassen wußte. Am Flügel be- stättgten Herr Heermann und Frau Dr. Spohr abwechselnd vortreffliche Begleiler- eigenschaftei:.

Die zahlreiche Hörerschaft kargte nicht mit be­rechtigtem Beifall. fb.

Das Jahr 1929.

WSR. Das Iahr 1929, von dem uns nur noch wenige Wochen trennen, wird 365 Tage haben. Rach dem Iulianischen Kalender wäre es das Iahr 63-12. So Viel Zeit soll seit der Gründung Roms verflossen fein. Rach dem jüdischen Ka­lender. dessen Zeitrechnung mit der Erschaffung der Welt beginnt, befinden wir uns im 5639. und 5690. Iahre. Die Mohammedaner befinden sich im 1347. und 1348. Iahre. sie zählen die Iahre seit der Ankunft des Propheten. Die beweglichen Feste des Iahres 1929 werden an folgenden

Tagen gefeiert: Fastnacht vom 10. bis 12. Fe­bruar, Aschermittwoch 13. Februar. O ersonnlag 31. März. Christi Himmelfahrt 9. Mai. Pfingst­sonntag 19. Mai, Fronleichnamsfest 30. Mai. Der erste Advent ist am 1. Dezember. 3m Iahre 1929 finden zwei Sonnenfinsternis e und keine Mondfinsternis statt, von denen allerdings nur die letzte Sonnenfinsternis in unserer Gegend sichtbar sein dürfte: sie ist eine ringförmige und findet am 1. Rovember statt. Bei ihr wird ein Zehntel des Sonnendurchmessers verfinstert; sie dürfte für etwa eine Stunde bei uns sichtbar werden, und zwar von 11.33 bis 12.57 Llhr. Die erste Finsternis ist total unb ereignet sich am 9. Mai. Was das Wetter im Iahre 1929 an­belangt. so soll nach dem Hunderttährigen Ka­lender der Ianuar in seinen ersten Tagen Schnee­fälle und Külte bringen, während in den letzten Tagen gelinde Witterung eintreten wird. Der Februar dürfte neben Regen und Rebel auch Kälte bringen. Der März wird sich stürmisch, rauh und unfreundlich gebärden, worin ihm der April nicht nachstehen wird. Der Mai soll warm

MM

und regnerisch werden. Auch Iuni und Juli werden sich durch Regenwetter auszeichnen. In feiner zweiten Hälfte und in der ersten August- hälfte soll dann schönes Wetter fein, während der zweite Teil des Augustes durch Gewitter­regen sich auszeichnen wird. Die ersten drei Wochen des September werden schön sein, aber die letzte Woche beginnt mit nebeligem und regne­rischem Herbstwetter, das bis zur zweiten Ok­toberwoche anhalten soll. Die dritte Oktoberwoche soll noch einmal schöne Herbsttage bringen, so­dann soll das Wetter endgültig den ganzen Oktober und Rovember hindurch trübe und nebelig sein. Den ersten Schneefall soll es in der ersten Dezemberwoche geben, während es um die Weihnachtszeit nebelig und regnerisch sein soll. Erst kurz vor Sylvester setze eine Külteperiode ein. Frühlürgsanfang ist am Donnerstag, 21. März, Sommeranfang am Freitag, 21. Iuni, Herbstanfang am Montag. 23. September und Winteranfang am Sonntag, 22. De ember. Der kürzeste Tag des Jahres hat 7.51 Stunden, der längste Tag 16,28 Stunden.

Wirtschaft.

Oer deutsche Außenhandel im Oktober.

Die Ergebnisse des deutschen Außen­handels im Oktober sind nach den vom Statisttschen Reichsamt gegebenen Erläuterungen stark beeinflußt durch die Veränderung in der Erhebungsmethode infolge der am 1. Oktober in Kraft getretenen Reform der Außenhandels- statistik. Aus technischen Gründen erscheint in diesem ersten Llebergangsmonat die Einfuhr über­höht, die Ausfuhr zu niedrig. Von der Bildung einer Bilanz muß deshalb für diesen Monat Abstand genommen werden.

Im reinen Warenverkehr beträgt die Einfuhr im Oktober 1213,3 gegen 1088,2 Mil­lionen Mk. im September. Sie erscheint mithin um 125,1 Millionen Mk. höher. Die Zunahme verteilt sich, mit Ausnahme der geringen Ab­nahme bei lebenden Tieren, auf sämtliche Grup­pen. Zum Teil entspricht dies bei saisonmäßiger Steigerung einer tatsächlichen Zunahme ins­besondere für Weizen, Gerste, Obst und Süd­früchte. für Textilrohstoffe, Texttlfertigwaren, Pelze und Pelzwaren. Lieber die saisonmähige Zunahme hinaus aber hat sich die Einfuhrziffer deswegen erhöht, weil die Anmeldung der Ein­fuhr durch statistische Anmeldescheine gegenüber der bisherigen Anmeldung auf Grund der Zoll­papiere eine Beschleunigung der Erfassung be- toirft.

Bei der Ausfuhr liegen die Verhältnisse umgekehrt. Saisonmäßig pflegt die Ausfuhr Im Oktober auch aus konjunkturellen Gründen einen besonders hohen Stand zu erreichen. Freilich könnte sich die Zunahme nach dein ft arten An­wachsen der Ausfuhr im August und September verlangsamt haben. Auf eine Abnahme laßt je­denfalls weder die Saisonbewegung, noch die Kvnjunkturlage schließen. Bei dem reinenWa- renverkehr mit 949,8 Millionen Mk. Aus­fuhrwert im Oktober gegen 1058,6 Millionen Mark im September erklärt sich vielmehr der ziffernmäßige Ausfuhrrückgang um 108,8 Mil­lionen Mark daraus, daß die statistische Anmel­dung der über Hamburg seewärts ausgehen­den Waren ab 1. Oktober nicht' mehr bereits über die Zollgrenze erfolgt, sondern etwa zwei Wochen nach dem Abgang des Schifies, mit dem die Ware ausgeht. Diese Verlegung der An­meldung von der Freihafengrenze an die See­grenze hat zunächst zur Folge, daß ein großer Teil der im Oktober über Hamburg ausgegan­genen Waren statistisch nicht im gleichen Monat erfaßt werden konnte. Da der Anteil Ham­burgs als AusfaUtor für den Export beträchtlich ist, so wird hierdurch die ziffernmäßige Ab­nahme der Ausfuhr vollauf erklärt.

MchSbank-AuSVeis twm 23 Aoveinb r.

Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 23. No­vember hat die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 153,5 Millionen auf 1 887,9 Millionen Mark abgenommen, und zwar haben sich die Bestände an Wechseln und Schecks um 120,1 Mill, auf 1759,1 Mill. Mark und die Lombardbestände um 33,4 Mill, auf 36,6 Mill. Mark vermindert. Die Anlage in Effekten weist mit 92,3 Mill. Mark annähernd den gleichen Bestand auf wie am Ende der Vorwoche.

An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zu­sammen sind 142,5 Mill. Mark in die Kassen der Bank zurückgeflossen; im einzelnen hat der Umlauf an Reichsbanknoten um 129,5 Mill, auf 4043,3 Mill. Mark und der an Rentenbankscheinen um 13,0 Mill, auf 501,3 Mill. Mark abgenommen. Dementsprechend und unter Berücksichtigung, daß in der Berichtswoche Rentenbankscheine in Höhe von 20,9 Mill. Mark getilgt worden sind, hat der Be­stand der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 36,0 Millionen Mark abgenommen. Die fremden Gelder zeigen mit einem Bestand von 588,7 Mill. Mark eine Zunahme um 19,3 Mill. Mark.

Die Bestände an Gold und deckungs­fähigen Devisen insgesamt haben sich um 14.8 Mill, auf 2763,9 Mill. Mark erhöht. Im ein­zelnen sind die Goldbestände mit 2573,5 Mill. Mark, die Bestände an deckungsfähigen Devisen mit 190,4 Mill. Mark ausgewiesen. Die Deckung der Noten durch Gold allein besserte sich von 61,4 v. H. in der Vorwoche auf 63,6 v. H., biejenige durch Gold und deckungsfähige Devisen von 65,9 v. H. auf 68 v. H.

Äon den Schlachtviehmarkten.

An den deutschen Schiachtviehmärkten herrschte in der Berichtswoche des näherkvmmenden Mo­natsendes, aber auch der Witterung halber allenthalben nur ein ziemlich schwacher Betrieb, obwohl die Beschickung in verhältnismäßig be­scheidenen Grenzen gehalten war. Dies hatte zur Folge, daß die Preisbasis sich ttotz des nicht immer angenehmen Geschäftsganges im all­gemeinen gut behauptete und nicht selten eine Berschiebuirg nach oben erfuhr. Aufgetrieben waren an Rindern 17 800 gegen 25 000 Stück, Kälbern 16 900 gegen 20 300, an Schafen 7600 gegen 9100 und an Schweinen 75 400 gegen 84 800 Stück in dec Vorwoche.

Am Rindermarkt brachte der lässige Handel immerhin für Dullen und Ochsen durchweg klei­nere Aufschläge. während Kühe sich nur knapp auf letztem Riveau hielten. Das Kälbergeschäft lag unregelmäßig. Einbußen und Aufschläge gin­gen selten über 2 bis 3 Pf. hinaus. Beste und mittlere Mast- unb Saugkälber lagen etwas

?ünstiger im Geschäft. Schafe ließen bei trägem ierkehr vorwiegend etwas nach, zumal auch die Frischfleischmärkte nicht sonderlich gut ab­schnitten. Schweine lagen etwas freundlicher: es war durchweg etwas mehr zu nehmen. Es kosteten:

*

Rinder

Kälber

Schale <

Schweine

Berlin

17-54

45-95

30-70

73-84

Bremen

20-52

40-86

58-74

Breslau

14-55

45-72

48-65

70-85

Chemnitz

20-56

50-78

40-56

64-81

Dortmund

23-56

45-88

28-52

62-78

Dresden

23-58

50-78

20-64

68-85

Düsseldorf

20-59

43-83

53-80

Elberfeld

20-58

42-82

65-81

Esten

25-58

50-110

40-56

66-79

Frankfurt M.

25-58

48-70

25-45

64-79

Hamburg

15-54

35-92

18-60

62-80

Hannover

18-55

40-85

30-54

60-75

Husum

18-52

Karlsruhe

22-56

4877

71-80

Kastel

22-53

45-62

60-78

Kiel

18-53

32-84

31-62

50-76

Köln

18-57

45-110

30-54

60-80

Leipzig

20-56

35-73

32-60

62-82

Magdeburg

20-58

35-72

25-54

60-80

Mannheim

16-55

42-74

44-45

65-80

München

Stettin

15-54

30-87

20-55

65-81

Stuttgart

14-53

47-72

54-82

Zwickau

10-50

60-72

35-60

70-85

Abschluß der 32-Millionen-An­leihe der Stadt München. Am Samstag wurde beim Bankhaus Lazard Brothers L Co. Ltd. in London von Oberbürgermeister Scharnagl und Rechtsrat Pfeifier der Derttag über eine Anleihe der Stadt München abgeschlossen. Die Anleihe lautet auf einen Gesamtbetrag von 1625 000 englische Pfund, wovon ein Teil in Holland aufgelegt wird. Die Verzinsung beträgt 6 Proz., die Tilgung soll spätestens in 25 Iahren erfolgen. Der Emißionskurs belauft sich auf 94 Proz. Da die Bonds entgegen der sonstigen Hebung in diesem Fälle nicht auf den Inhaber, sondern auf Ramen lauten, konnte eine gütige Auszahlung erreicht werden. Die Auflegung er­folgt am 29. Rovember. Ter Anleiheerlös dient in Höhe von 27 Millionen Mark für den Ausbau ber Wasserkräfte der im Besitz der Stadtge­meinde München stehenden Elektri'itätswerke und in Höhe von 3 Millionen Mark dem Ausbau der ebenfalls im Besitz der Stadtgemeinde stehen­den Gaswerke. Im Gegensatz zur Sammelanleihe des Deufichen Sparkassen- und Giroverbandes wurde die Anleihe der Stadt München von der Beratungsstelle Berlin sofort genehmigt.

Kapitalerhöhung der American Glanz ft off Corporation. In der Auf- sichtsratsfitzung der American Glanzftofi Cor­poration in Reuyork, des bekannten Tochterunter­nehmens der Vereinigten Glanzftoff-Fabriken A.-G. in Elberfeld, wurde beschlossen, der auf den 28. Dezember einzuberufenden Versammlung der Aktionäre vorzuschlagen, die bisherigen An­lagen der American Glanzftosf Corporation in Anbettacht der großen Nachfrage nach den Pro­dukten der Gesellschaft zu verdoppeln und die erforderlichen Mittel durch Ausgabe von 150 000 Stück neuer Common Shares zum Preise von 60 Dollar per Stück zu beschaffen, welche den Aktionären im Verhältnis 2 :1 angeboten wer­den sollen.

* Schuhfabrik Herz A. G., Frank­furt a. M. Die Generalversammlung geneh­migte den bekannten dividendenlosen Abschluß. Wie bekannt, ist in der Generalversammlung vom 28. Ianuar 1928 Herabsetzung des Aktien­kapitals der Gesellschaft auf 405 000 TM. und Wiedererhöhung um 875 000 Mk. beschlossen toot- 6en. Außer den 500 000 Mt. neuen Aktien, die der Großaktionär Eugen Kaufmann (August An- nctthan-Leder QL G., Frankfurt a. M.) über­nommen hat, wurden wettere 95 000 Mk. Aktien gezeichnet, so daß das Aktienkapital nunmehr 1 Mill. Wt. beträgt. Die neuen Aktien lauten sämtlich über 100 Mk. Eine Ausgabe von Ak- tien über 1000 ML, wie sie ursprünglich ge­plant war, ist nicht erfolgt. Der Antrag auf Llmwandlung ber Vorzugs- in Stammaktien wurde zurückgezogen. Olls Folge der bekannten Erwerbung der FabrUanlagen der Firma Heroux & Leander QL»®, in Liqu., Offenbach a. TR., wurde Verlegung des Sitzes der Schuhfabrik Herz A.°G. nach Ofienbach a. M beschlossen. Auf Olktionärsanfrage wurde milgetetlt, daß die Gesellschaft, wie seither, sowohl mit eigenen, als auch mit gemieteten Maschinen arbeite.

* Eisenwerke G a g g e n a u - 2l. - G., © a g genau. Die Gesellschaft hat ihren Gläubigern einen Dergleichsoorschlag gemacht, wonach die For­derungen unter 500 Mark voll bezahlt werden sollen, während die übrigen Gläubiger 50 o. H. in bar, zahlbar Ende 1931, und 50 v. H. in Aktien, innerhalb von sechs Monaten für ihre Forderungen erhallen sollen. In der ersten Gläubigeroersamm- lung wurden diese Vorschläge von allen Rednern abgelehntt Es wurde eine Kommission gebildet, der einige Großgläubiger und Juristen und ein Beam­ter der Schwäbischen Treuhandgesellschaft angehö­ren, die die Verhällnisse bei der Gesellschaft zu un­tersuchen und insbesondere die kaufmännische und technische Lebensfähigkeit des Werkes nachzuprüfen Haven. Der gerichtliche Vergleickstermin ist der 21. Dezember; einige Zett vor diesem Termin wird