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Auf diese Weise würde ein dreifaches Ziel er­reichte

1. Der Aufbau der englischen In­dustrie mit deutschem Repara ti-vns- geld:

2. Wiederanhäufung einer beträchtlichen deut­schen Auslandschuld durch die Rotwendig- keit der Ausnahme weiterer Anleihen zur Durch­führung der Daweszahlungen und

3. Beibehaltung der gegenwärtigen weit­gehenden politischen KvntrolleDeutsch- lands wenigstens noch für ein« Llebergangs^eit bis zur Durchführung der eigenen industriel- len Reorganisationen.

Britischer Optimismus.

Die Einladung an Amerika.

London. 27. Rov. (WTB. Funkspruch.) Times" schreibt: Die britische Auffassung der Lage ist ausgesprochen optimistisch. Es wird die Ansicht - geäußert, daß die Iahreszahlungen, die auf Grund des Dawes-Planes von Deutschland erwartet werden, die Verbindlichkeiten der Al­liierten für Kriegsschulden übersteigen werden, und dah ein lleberschuß übrigbleiben werde nicht nur für den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete, sondern auch für gewiss« Deutschland einzuräumende Vergünstigungen. Es rst möglich, dah die deutsche Regierung aufgefordert wird, die Initiative zu ergreifen, um durch ihren Botschafter in Washington di« Einladung an die amerikanischen Sachverstän- d i g « n ergehen zu lassen. Dieser Schritt würde von den Botschaftern der Machte, die den Genfer Beschluß vom 16. September gefaßt haben, unter­stützt werden.

pilsubskiS Vlock der Ostmächte.

Das britisch-russische Schachspiel.

B e r l i n. 26. Rov. (Eigene Meldung.) Der un­garische Außenminister W a l k o weilt dieser Tage in Warschau, und schon kann die polnische offiziöse Presse verkünden, dah der Abschluß eines Schiedsgerichtsvertrages zwischen Po­len und Ungarn unmittelbar bevorstehe. In Ber­liner politischen Kreisen steht man in diesem Vertrag mehr, als ein Glied in der schier un­absehbaren Kette der Schiedsgerichts- und Ver­gleichsverträge, mit denen das heutige Europa angeblich seine Sicherheit zu erhöhen trachtet. Die polnische Politik arbeitet seit langem an der Schaffung eines Blocks der Ostmächte, dessen politischer Zweck für jeden Einsichtigen ohne wei­teres klar sein dürfte, wenn man bedenkt, einen wie starken Einfluß in Polen seit der Stabili­sierung der polnischen Währung die englische Politik besitzt. Denn Polen ist heute in der Tat nichts weiter als eine Figur i m S ch a ch- spiel Englands, von dem man genau weiß, daß die Einkreisung Rußlands nach wie vor das Hauptziel bildet.

Als Pilsudski im Sommer angeblich nur zur Erholung in Rumänien weilte, wußte man gleichfalls genau, daß dort hochpolitische Dinge verhandelt wurden. Zwischen Rumänien und Rußland besteht ein Militärbündnis, über dessen Inhalt von russischer Seite neulich Auf­sehen erregende Mitteilungen verbreitet werden konnten. Es mag sein, daß der bolschewistische Prvpagandadienst nicht in allen Einzelheiten ein­wandfrei gearbeitet hat, an der Tatsache als solcher ist aber nicht zu zweifeln, ölner der wesentlichsten DerhandlungSpunkt« Pllsubskts in Bukarest war der Ausgleich zwischen Ungarn und Rumänien, wo bekanntlich die leidige Optantenfrage immer wieder ein Zusammenkommen verhinderte. Wie Ru­mänien sein engeres Verhältnis zu Polen mit der Mitgliedschaft zur Kleinen Entente ganz vereinbaren will, bleibt sein Geheimnis. Die näheren Mstichben der neuen Regierung Maniu kennt man zwar noch nicht ganz genau, ober man weih doch immerhin soviel, daß Rumä­nien jetzt ernsthaft entschlossen ist, mit seiner Verschleppungspolitik in der Optantenfrage ein Ende zu machen. Denn wahrend bisher di« diretten ungarisch-rumänischen Verhandlungen im­mer wieder vertagt worden sind, wurde jetzt plötzlich ein Termin, und zwar in sehr nahe­liegender Zeit, anberaumt. Insofern scheint Pil- sudskis Bukarester Besuch von Erfolg ge­krönt zu sein.

Die besonderen Aussichten der ungarischen Politik bei dieser neuesten Wendung zu Polen hin, sind auch noch nicht klar zu übersehen. Im Gegensatz zu der Verbrüderungsszene, in deren Mit­telpunkt am Samstag in Berlin Graf Aponyi gestanden hat, scheint sich die offizielle ungarische Politik gegenüber Deutschland zu versteifen. Die Handelsvertragsverhandlungen stehen unter keinem günstigen Aspekt, wobei zweifellos auch der in Buda­pest mächtige italienische Einfluß eine erhebliche Nolle spielt. Sicher ist jedenfalls, daß Ungarn äugen- blicklich seine politischen Geschäfte mit denjenigen Mächten zu machen sucht, die man als ausgesprochen deutschfeindlich bezeichnen muß.

Der künftige Wohnungsbedars.

Von unserer Berliner Redaktion.

Berlin, 27. Rov. Die zukünftigen Ver­änderungen des Wohnungsbedarfs hängen ent­scheidend von der Entwicklung der Zahl der Haushaltungen ab. Die Statistiken der Eheschließungen, der Sterblichkeit und der Auswanderung lassen ein« schätzungsweise Be­rechnung der Grundrichtung der Bewegung zu, um die sich der tatsächliche Haushaltungszuzug in jährlichen Schwankungen, je nach der wirt­schaftlichen Lage, voraussichtlich bewegen wird. Die Grundrichtung der Bewegung wird bis zum Iahre 1935 noch aufwärts gerichtet sein, eine Folge des schrittweisen Einrückens der durch Kriegsverluste nicht mehr betroffenen Iahrgänge 1902/14 in die Altersjahre mit größter Ehe­schließungswahrscheinlichkeit (22 bis 35 Iahre).

Dabei ist in den Iahren 1931/35 mit einem ziemlich gleichbleibenden jährlichen Rein- zugana (Haushaltungsgründungen abzüglich Haushaltungsauflösungen) von 250 000 Haushal­tungen zu rechnen. Vom Iahre 1936 ab beginnt der jährliche Haushaltungszugang rasch zu fin­te n. Dieser Rückgang geht von der außergewöhn­lich schwachen Besetzung der nun in das Heirats- alter einrückenden Kriegsjahrgänge aus, bildet aber zugleich den ilebergang zu einem nun ständig niedriger bleibenden Zugang infolge der gesunkenen Geburtenziffer der Rachkriegsjahre. Rach einem vorübergehen­den Ansteigen des HaushaltungSzugangs um die Mitte der vierziger Iahre, als Auswirkung der hohen Geburtenziffern der Iahre 1920 und 1921,

überwiegt gegen 1960 bereits wieder die sinkend« Tendenz. Ihr Andauern wird von der Entwick­lung der Geburtenziffern abhängen. Rechnet man für 1928 mit etwa dem gleichen Reinzugang an Wohnungen wie im Iahre 1927 (290 000 Woh­nungen), so dürfte sich über die Deckung des jährlichen Zuwachsbedarfs von gegenwärtig 220 000 Wohnungen hinaus der Wohnungs­fehlbedarf im Reich in diesen beiden Iahren um je 70 000. zusammen also 140 000 Wohnungen, vermindert haben. Rimmt man nach den Schätzungen des Reichsarbeitsministeriums den dringenden FehBedars von Ende 1926 mit rund 600 000 Wohnungen an, so wäre dieser demnach Ende 1928 noch auf rund 450 000 zu beziffern.

Bis zu welchem Zeitpunkt dieser Fehlbedarf völlig gedeckt sein wird, hängt von dem Umfange der Wchnungsbautäftgkeit in den nächsten Iahren ab.

Der ab 1936 zu erwartend« Rückgang des jähr­lichen Zuwachsbedarfs an Wohnungen von 250 000 auf 100 000 und noch darunter bedeutet für bi« beteiligten Gewerbezweige an sich die Gefahr einer entsprechenden zukünf­tigen Minderbeschäs igung. Für. Bau­gewerbe Eönnte dieser Ausfall, wenn man von der Entwicklung der gewerblichen und öffent­lichen Bauaufträge absieht, durch eine verstärkte Bautätigkeit für den Ersatz überalterter Wohnungen wesentlich gemildert werden.

ÄeiieVerhandlungen derpackienmEikenkonW.

Düsseldorf, 27. Roo. (prio.-Zel.) Vie drei Metallarbeiteroerbande haben heute ein gemeinsames Schreiben an den Arbeit­geberverband gerichtet, in dem mit dem Hin­weis auf das Urteil des Landesarbeils- g e r i ch t s die Aufhebung der Aussperrung und die unverzügliche Wiedereröffnung der Betriebe gefordert wird, und in dem weiter die Arbeitgeber für allen Schaden verantwortlich gemacht werden, deraus der Nichtbefvlgung dieses Ausforderungsschreiben» entsteht".

Zu den für heule vorgesehenen gemeinsa­men Verhandlungen der beiden Parteien wird von Arbeitgeberseite erklärt, daß man in der Metallindustrie nach wie vor dec An­sicht sei, dah der juristische Eutscheid des Konfliktes den Einwand der Arbeitgeber nicht zu entkräften vermag, dah die Folgen des Schieds­spruches aus wirtschaftlichen Rücksichten nicht zu tragen seien. Der juristische Austrag laufe also parallel zu der von der Arbeitgeberseite ange­strengten Verhandlungsgrundlage, den Streit unter Berücksichtigung der wirt­schaftlichen Tragbarkeit zu führen. Das Abwarten der juristischen Entscheidung kann also nur eine Verzögerung des möglichen verftändi- gungswillens der beiden Parteien zur Folge haben. Der nunmehr angefkreble Entscheid des Reichs- arbeilsgcrichtes dürfe eine Hinauszögerung der Streitigkeiten über das Ende des Mo­nats Dezember hinaus zur Folge haben und angesichts der schweren Folgen einer solchen Verzögerung ein Abwarlen des Schiedsspruches im höchsten Grade untunlich erscheinen lassen. Der gerichtliche Austrag sei geeignet, Verwir­rung anzurichten, da nach den bisherigen gerichl- licheu Entscheidungen beide Parteien einmal Recht bekommen haben.

Heber das voraussichtliche Ergebnis der ge­meinsamen Verhandlungen herrscht nach wie vor auch in den beteiligten Kreisen völlige Ange­rn ißh eil. wenn man von den beteiligten Kreisen selbst absiehl, scheint das Interesse an den Iler- Handlungen allmählich in der breiteren Oeffentlich- teit stark abzuebben. Das wird vielleicht zu einer günstigeren Atmosphäre für das Zu­standekommen einer Einigung führen. 3m Inter­esse einer recht baldigen Entscheidung hofft man, daß die Parteien jetzt den Stttil um juristische

Auslegungen zurückstellen werden, nachdem jede Partei in einer Instanz in dem schwebenden Streit- verfahren abgesiegt hat.

Der Schiedsspruch für Sagen-Schwelm von Aweitzeberseiie ab?elehnt.

Nachverhandlungcn im Reichsarbeits- Ministerium.

Dortmund, 26. Rov. (WTD.) Rachdem die beteiligten Metallarbeiterverbände den Schiedsspruch in der Ei en- und Stahlindustrie Hagern Schwelm angenommen und eine Derbindlichkeitserklärung beantragt, und di« Arbeitgeber mit der Begründung, dah der Schiedsspruch für >ie nicht tragbar sei, ab gelehnt haben, sind die Rachver- handlungen auf Mittwoch, 28. Rovember, vormittags 10.30 Tlhr im Reichsarbeitsministe­rium in Berlin angesetzt worden. Der märkische Arbeitgeberverband hat den Schi.dssbruch des Schlichters in Dortmund unter folgen der Begründung abgelehnt: Der für die märli'che Eisenindustrie gefällte Schiedsspruch sieht eine Erhöhung des SpihenlohneZ um 3 Pf. vor, was einer Tariflohnerhöhung von rund 4 Prozent gleichlommt. Die Lohnerhöhung ist also recht erheblich. Die gegenwärlige Wirt­schaftslage der Eisenindustrie ist schlecht, und be­sonders der märkischen Eisenindustrie, die zu einem großen Teil auftragslos und dadurch schon zu erheblichen Betriebs- einschränkungen und Arbeiterentlas­sungen gezwungen war. Eine am 1. Ap.il ein­tretende Lohnerhöhung jetzt schon zu t>:frctie.en, ist heute angesichts der sehr ernsten Lage der märki­schen Eisenindustrie ungerechif.r igt und unbe­greiflich, da niemand voraussrhen kann, auch nicht die staatftchen Sch ichtungsdrh Irden, ob die wirtschaftliche Lage sich nicht noch weiter ver­schlechtern wird, so dah die märli'che Eisenindustrie am 1. April noch weniger als heute imstande sein wird, diese Lohnerhöhung auf sich zu nehmen. Die einseitig«, nur Gewerkschaftsinter es,en die­nende Gewohnheit der staatlichen Schlichtungs- beborben, in steten Lohnerhöhungen das Allheilmittel zu sehen, wächst sich zu einem Un­glück für die Dolksges amtheit aus, da bei den Lohnerhöhungen nur Preiserhöhun­gen und dadurch Auftragsmangel und BetriebSeinschränkungen die unaus­bleibliche Folge sind.

Folgen der Gturmkaiasirophe.

Der Gcheldedamm gebrochen.

Ueberschwemrnungen in Belgien.

Genf, 26. Rov. (Havas.) Heute früh 4 LIhr ist der Schelde da mm an drei Stellen bet Termonde gebrochen. Einige Dörfer sind überschwemmt. Das Wasser stieg zum Teil zwei Meter hoch Zahlreiche Bewohner haben ihre Dörfer Hals über Kopf verlassen müs­sen. Man hat militärische Hilfe herangezogen, um zu versuchen, durch schleuniges Verstärken der Dämme weitere Dammbrüche zu verhüten. Man befürchtet, daß die lleberschwemmungen beim Ansteigen der Flut noch zunehmen wer­den. In Ostende wütet der Sturm mit un­verminderter Heftigkeit. Bei Eintritt der Flut drang das Wasser überdieDämme. Ander ganzen belgischen Küste, in Ostende und Dlanken- berghe namentlich, schäumte das Meer durch die an die Dämme anstoßenden Straßen ins Innere der Stadt. Der Schaden ist be­trächtlich. In Dlankenberghe sind auch Häuser eingestürzt. Rach einer Meldung aus Antwerpen strömte der Rupelfluß über den Damm, der unter der Gewalt der Wasser nach­gegeben hatte, in Fabriken und zahl­reiche Ziegeleien in Terhaegen. In Ho- boken brach der Scheldedamm. Die niedrig gele­genen Wiesen wurden überschwemmt. Etwa 60 Arbeiterhäuser sind stark bedroht. In Callvo gab der Schrldedamm gleichfalls nach. Etwa 100 Mann Infanterie sind in Lastkraftwagen an die ftlnglücksstätte abgegangen.

Geemannslos.

Ein italienischer Dampfer vor Amniden mit der Besatzung untergegangen. Keine

Rettung möglich.

A m st e r d a m, 26. Rov. (MTV.) Der italienische Dampfer5 a le n t o ist ungesühr vier Kilometer südlich von pmuiden ge ft rundet. Die gesamte 2 5 Mann starke Besatzung dürfte u m ge­kommen sein. Sowohl von pmuiden, wie auch von Zandvoort aus waren Rettungsboote entsandt worden. Das pmuidener Rettungsboot schlug jedoch um. Lin Mitglied der Besatzung fand dabei den Tod. Aus Zandvoort wurde nachmittags 6 Ahr gemeldet, daß die Besatzung des Dampfer»$a- lenlo" endgültig alr verloren angesehen wer­den muß. Den vielen Hunderten von Menschen, die sich trotz des stürmischen, regnerischen Meilers im Laufe des Tages am Rordseestrande zwischen Zand­voort und pmuiden einfanden, bot sich ein tra­gisches Schauspiel. Da da» verunglückte Schiff etwa 800 Meter von der Küste entfernt auf einer Sandbank festliegt, konnten die Rettungs­boote bei der starken Brandung, die den ganzen Tag anhielt, trotz aller Anstrengungen keine R e 1- tung bringen. Gegen 3 Ahr nachts konnte man

die letzten Notsignale wahruehmen. Einige Mitglieder der Besatzung wurden vormittags noch auf der Kommandobrücke bemerkt. Am Nachmittag ragte nur noch die Ma st spitze aus dem Wasser hervor. Ein letzter Rettungsver­such wurde von drei Militärflugzeugen unternommen, die durch Abwurf von Leinen eine Verbindung zwischen Schifs und Strand herzu­stellen versuchten. Dieser Versuch mißlang jedoch, da der Sturm die Leinen von dem sinkenden Schiss immer wieder hinwegrih. Die Leiche eines Matrosen wurde nachmittags bereits an Land ge­spült.

Hochwasser im Rheirrstrorngebret.

Trier, 26. Nov. (WB.) Die Mosel führt seit heute nacht Hochwasser. In der Zeit vom Sonntag­abend bis Montagmorgen ist das Wasser von 3,15 Meter auf 4,35 Meter gestiegen. Vom Oberlauf wird weiteres Steigen gemeldet. In einigen Orten stehen bereits die Keller unter Wasser. Auch die Saar führt Hochwasser. In Saarburg sind in der Unterstadt die Keller überschwemmt. Nach einer Mitteilung der Rheinstrombauverwaltung sind in­folge starker Regenfälle auch der Mittel- und Oberrhein, der untere Main, Lahn und Ruhr stark gestiegen. Ein noch stärkeres Stei­gen bis zur Höhe mittleren Hochwassers ist für die nächsten Tage zu erwarten.

Die Lage auf Sylt.

Schwere Verheerungen des Sturmes.

Westerland, 26. Rov. (T. 11.) Rach den schweren Stürmen des Freitag und Samstag machte sich am Sonntag ein erhebliches Rachlassen der Sturmflut bemerkbar. Augenblicklich pendelt der Wind zwischen Rord- ost und Rord, so dah bei einem stärkeren Herüberschwenken nach Rorden wieder mit einer erhöhten Flut gerechnet werden muh. Die LIeber- schwemmungen auf der Insel gehen überall zu­rück. Auch die Abtrennung der Halbinsel E l - l e n b o g e n ist feine endgültige. Bei Sinken der Flut wird di« Verbindung wieder- hergestellt sein. Während der alteBahn- dämm, der frühere Militärbahndamm, von Westerland nach Hörnum an fünf Stellen ge­brochen ist, hat der Hindenburg-Damm die Sturmflut gut überstanden. Eine Ge­fahr für den Damm besteht in feiner Weise. Rur an einigen Stellen haben die Fluten Gras­boden herausgerissen und Heinere Löcher in den Damm gespütt, die jedoch bereits wieder aus­gebessert werden konnten. Lieber der Rvrdsee werden in der Rähe der deutschen Küste Wind­stärken bis zu 11 gemeldet. Der Wind wird tagsüber noch aus Rordwest bis Rord stehen- bleiben und weiter gewaltige Wassermassen in die Elbe hineintreiben.

Die Besichtigung der Sturmschäden auf Sylt, die Landrat Skalweit mit den Gemeindevor­stehern der Insel am Sonntag unternahm, ergab,

daß die Schäden in Wenningstedt und Kämpen noch erheblicher sind als zunächst ange­nommen wurde. Rördlich Klrffende sind ungefähr 25 Meter von der Steilküste abgerissen wor­den, in Wenningstedt 16 bis 18 Meter. Eine derartige Abbruchsstelle wurde noch nie ge­sehen. Lleberall befinden sich Risse: bei noch­maliger Flut würde alles in sich zusammenfallen. Tie dortigen Gebäude befinden sich in großer Gefahr. Der Pegelstand in Morsum betrug wäh­rend der Sturmflut 3,70 Meter über Rormal. Es ist also als ein Glück zu bezeichnen, daß feine Springtiede war (die ungefähr am Mittwoch. 28. d. M, eintreten wird), sonst wäre der Scha­den unübersehbar gewesen.

Ernste Erkrankung des Königs von England.

London, 27. Rov. (Driv.-Tel.) König Georg V. von England liegt seit längerer Zeit bereits im Ducingham-Palast an einer schweren Erkältung darnieder, die sich nun doch als schwerer herauszustellen scheint, als man ursprünglich annahm. Der König hat eine kom­plizierte Lungen- und Rippenfell­entzündung, die bei seinem Alter nicht ganz unbedenklich erscheint. Zwar ist er organisch vollkommen gesund und kräftig^ so daß vorläufig wenigstens noch keinerlei Befürchtungen gehegt zu werden brauchen. Heute nacht gegen 12 Ubr sind die behandelnden Aerzte erneut an das Krankenlager des Monarchen gerufen wor­den. Während des Taaes umsäumt eine große Menschenmenge den Palast, um Rachrichten vom Befinden König Georgs zu erhalten. Der dcuische Botschafter Sthamer hat im Palast Vorgesprächen, um sich im Auftrag der Reichsregierung nach dem Tesinden des Königs zu er?unbigen.

Oie Beisetzung

Hermann Sudermanns.

Die Kapelle des Friedhofes Derlin-Grunewald konnte bei der Beisetzung Hermann SudernwnnS die große Trauergemeinde bei weitem nicht fassen. Man bemerkte u.a. den preußischen Kul­tusminister Dr. Becker, den Oberbürgermeister Dr. Böß und zahlreiche Vertreter des deutschen Schrifttums und der Kunst. Rach Orgelspiel und dem Gesang eines Doppelquartetts sprach im Ramen ferner nächsten Freund« Rudolf Presber, der den Dahingeschiedenen als Men­schen, als Freund und immer hilfsbereiten Ge­nossen, trefflichen Gatten und Vater und den allezeit seiner Heimat Ostpreußen aufs engste verbundenen Sohn feierte. Dann widmete für die preußische Akademie der Künste Walter v. M o l o dem verstorbenen einen warmen Rach­ruf. Als Vertreter des Reichsbundes Deutschen Schrifttums und des Verbandes deutscher Er­zähler sprach Georg Engel tief empfundene Worte. Im Ramen des Goethe-Bundes gedachte dessen Vorsitzender Landau Sudermanns als Schöpfer und Begründer und unerschütterlichen Fichrer des Bundes durch lange Zeit hindurch. Für den Verband Deutscher Bühnen schriftsteller und Komponisten sprach Walter Harlan, für Gerhart Hauptmann legte Herbert Gulen- berg einen Kranz nieder als Zeichen der Freundschaft. Dann ergriff das Wort der Vor­sitzende £e: Deutschen Bühnen genossen schäft Wad- lauer. Er dankte im besonderen dem Bühnen­schriftsteller Sudermann für die zahlreichen großen und guten Rollen. Dann sprachen noch Dertr-«er der Heimat, des Memel gebiet es und der Provinz Ostpreußen. Rach Gesang und Orgelspiel wurde der Sarg auS der Kapelle getragen, geleitet von den Angehörigen, Freunden, zahlreichen Fahnen­abordnungen und der großen Trauergemeinde, die ihm noch das Geleit bis zur Gruft gab.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Durch das Auffüllen der Oftseestörung hat Druck­anstieg eingesetzt und hoher Luftdruck breitet sich von Südwesten her aus. Dabei geben aber die zu- fließenden Kaltlufttnafsen immer noch Anlaß zu vereinzelten Niederschlägen, die sich bis in unser Gebiet auswirken dürften.

Wettervoraussage für Mittwoch: Wolkig mit Aufheiterung, Temperaturen vorläufig wenig verändett, Nachlassen der Niederschläge.

Witterungsaussichten sürDonners- tag: Teils wolkiges, teils aufheilerndes Wetter, vorwiegend trocken.

Lufttemperaturen am 26. November: mittags 6,1 Grad Celsius, abends 5,5 Grad Celsius: am 27. November: morgens 4,1 Grad Celsius. Maxi­mum 6,8 Grad Celsius: Minimum 3,7 Grad Cel­sius. Erdtemperaturen am 26. November: abends 5,2 Grad Celsius: am 27. November: mor­gens 4,8 Grad Celsius. Niederschlag 4,2 Milli­meter. Sonnenscheindauer 1- Stund«.