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Die sorgfältig Blatt für Blatt gelbsten Tabaksorten gleiten auf
Mischtrommeln, die aus einer Reihe von rotierenden Kästen bestehen.
In einem bestimmten System von Bewegungen fallen die Tabakblätter einzeln durch einen breiten Schacht langsam und leicht, von der Luft getragen, in die vorher kreisenden Kästen, senken sich schwebend auf den Boden und legen sich dort Blatt für Blatt übereinander.
Durch diese Erfindung werden die Tabaksorten mit einer bisher unbekannten mathematischen Genauigkeit und Gleichmäßigkeit rezeptgemäß gemischt.
CIGARETTEN REEMTSMA ©WA
Aus der provinzialbaupistadi.
Gießen, den 27. Rovernber 1928.
Verschärfte Beitragsüberwachung der AngesteNtenversicherung.
Don Walther Duffe, Gießen.
3n den kommenden Wintermonctten wird von der hiesigen Revisionsstelle dar RerchSversrche- rungSantalt für Angestellte eine verschärfte Prüfung der Dertragsentrrchtung ur Angestellten-Versicherung im Stadtgebiet Gießen dorgenommen werden. Den Arbeitgebern mit verficherungspslichtigen ^gestellten ist daher anzuempsehlen, die Angestellten- versicherungskarien alsbald ordnungsgemäß zu kleben da die nicht ordnungsmäßige und rechtzeitige Entrichtung der Beiträge Strafen nach sich ziehen kann. Für die Deitragsentrichtung ist grundsätzlich der Arbeitgeber verantwortlich Die Zahlung der Beiträge, die durch Kleben von Beitragsmarken in die grünen Dersiche- rungskarten zu erfolgen hat. ist spätestens am Monatsschlusse vorzunehmen. Die Höhe der zu verwendenden Beitragsmarken, die auf den Postämtern erhältlich sind, richtet sich nach dem gezahlten Entgelt einschließlich Raturalbezügen, Gratifikationen, Gewinnanteilen, Fahrgeldzulagen usw. Vorgesehen sind die Klassen A bis H mit monatlich 2 bis 30 Mark, zu denen noch zwei weitere Klassen (I und K) mit monatlich 40 und 50 Mark für freiwillig sich höher versichernde Angestellte kommen. Hebet die Höhe der zu verwendenden Marken geben die in den Schalterräumen der Postämter aushängenden grünen Bekanntmachungen Auskunft.
Zur Behebung von Zweifeln sei ausdrücklich darauf hingewiesen, daß auch Lehrlinge ver- sicherungs^lichtig sind, f ob alb ihnen ein baves Entgelt gewährt wird. Als solches rechnet auch Taschengeld, Kostgeldbeihilfe. Fahrkartenzuschuß usw. Barbezüge bis zu 10 Mark monatlich sieht die Angestelltenversicherung jedoch nicht als Entgelt im Sinne des Gesetzes an. Die bis Ende 1922 für die Versicherungspflicht vorgesehene Minoestaltersgrenze von 16 Jahren besteht nicht mehr, so daß jeder Lehrling verfichenrngspflichtig tft, wenn die Bestimmungen bezgl. des Entgeltes erfüllt sind.
Die Versicherungshöchstgrenze ist seit dem 1. September 1928 auf monatlich 700 Mk. (vorher 500 Mk.) festgesetzt. Bei Heberschreiten dieser Gehaltsgrenze scheidet ein Versicherter aus der Dersicherungspslicht jedoch erst mit dem ersten Tage des vierten Monats nach Heberschreiten der Grenze aus der Versicherungspflicht aus. Es sind also noch während drei weiterer Monate Beiträge zu zahlen.
Jeder Versicherte ist berechtigt, durch den Arbeitgeber eine höhere Beitragsmarke als die Pflichtmarke verwenden zu lassen. Allerdings hat er den über den Pflichtbeitrag hin- ausgehenden höheren Betrag selbst zu entrichten. Diese Höherversicherung steigert sein späteres Ruhegeld und auch die Hinterbliebenenrenten, da sich die Höhe der Leistungen nach der Gesamtheit der eingezahlten Beiträge errechnet.
Daten für Mittwoch. 28. November.
1830: der Komponist Anton Rubinstein in Wech- wotynitz geboren: — 1831: der österreichische Dichter
Stephan Smeig in Dien geboren; — 1898: der schweizerische Dichter Konrad Ferdinand Meyer in Kilchberg gestorben.
Regen und Hochwasser.
Der gestrige Tag und die letzte Rächt brachten uns erneut umfangreiche Regen alle. Die Lahn war gestern abenD so erheblich gestiegen, daß gegen 9 Hhr die Feuerwache alarmiert werden mußte, um die nach Hause zurücklehrenden, durch das Wasser aber am Erreichen ihrer Hauser verhinderten Bewohner der Schützenstraße mit Kähnen zu den Hauseingängen zu bringen. Heute früh mußten die zu ihrer Arbeitsstelle strebenden Leute der dortigen Häuser ebenfalls in Kähnen von der Feuerwehr wieder abgeholt werden. Mittlerweile ist die Lahn um etwa 20 Zentimeter gefallen, jedoch wird mit einem erneuten Steigen des Wassers zu rechnen sein, wenn nun erst vom Oberlauf und von den Rebenflüssen die Wassermengen hierher gelangen.
Aus dem Lumda tal wird uns berichtet, daß die sonst so ruhige Lumda sich geradezu in einen reißenden Fluß verwandelt hat. Die Wiesen und Aecker sind weithin überschwemmt.
Aus dem Ohm tal wird mit geteilt, daß dort der Sturm in der Rächt zum Montag erheblichen Schaden angerichtet hat. 3m Burgwald zwischen Mücke und Grünberg wurden starke Bäume glatt abgebrochen. Bei Ober-Ohmen trat die Ohm über die Hf er und überschwemmte in Ober-Ohmen selbst einen großen Teil des Ortes. Die Keller standen teilweise erheblich unter Wasser, aus den Ställen mußte das Vieh fortgetrieben werden. Der Wiesengrund zwischen Ober-Obmen und Ruppertenrod gleicht einem See. Die Bahnstrecke zwischen Mücke und Rieder-Ohmen wird zu beiden Seiten vom Wasser umspült, das Bahnwärterhäuschen ragt wie eine Insel aus dem Wasser hervor.
Auch vom Hntetlauf der Ohm, aus der Gegend von Kirchhain, werden große Heber- schwemmungen gemeldet. Dort sind einige Dörfer durch das Wasser von jedem Verkehr abgeschnitten.
Große Heberschwemmungen und Wasserschäden werden ferner aus dem Gebiete der Eder, der Werra und der Fulda, sowie vom mittleren bis unteren Laufe der Lahn berichtet.
Kostüme für das Giadtiheaier.
Die Stadttheater-Intendanz teilt uns mit, daß die Uraufführung von „Karl und Ann a" von Leonhard Frank nunmehr auf Mitte Januar fest- qelegt ist. Dieses Stück, das auch vom Berliner Sta^tstheater angenommen ist, verspricht einer der größten Erfolge des diesjährigen Theaterwinters zu werden. Nähere Angaben und genauer Uraufführungstermin werden noch bekanntgegeben. Das Stadttheater richtet an die Bevölkerung Gießens die Bitte, eventuelle Kostüme aus Prwatbesitz aus den 80er und 90erJahren des vorigen Jahrhundert dem Kostümfundus zur Erwerbung anzubieten.
Vornotizen.
— Tageskalender für Dienstag. Stadttheater Gießen: „Der Patriot". Beginn 19.30 Uhr. — Verband Deutsche Frauenkultur: Weihnachtsmesse, Cafs Amend, BillardVaal. — Lichtsvielhaus, Bahnhofstraße: „Die Nacht oyne Hoffnung . — Astoria-Licht- spiele: „Zwei höllische Tage".
— Stadttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute abend 19.30 Hhr findet die erste Wiederholung von Alfred Reumanns Schauspiel „Der Patriot" statt. Spielleitung: Walter Ebert-Grassow. — Bruno Frank, der bekannte Autor der Stücke „Zwölftausend" und „Das Weib auf dem Tiere", eines der erfolgreichsten Theaterautoren der modernen deutschen Literatur, kommt morgen abend mit seinem Lustspiel ..Die Perlenkomödie" am Gießener Stadttheater heraus. Die Aufführung seines Schauspiels „Zwölftausend", das in der vorigen Spielzeit gegeben wurde, ist dem Gießener Theaterpublllum sicher noch in bester Erinnerung. Das Freitag-Abonnenten-Publikum wird den besonderen Genuß haben, die erste Wiederholung der Operette „Eine Frau von Format" anhören zu können. . .e Operette fand bei ihrer Erstaufführung am Ai.ttwoch, dem 21. Rovernber, einen begeisterten Publikumserfolg. — Vielseitigen Wünschen entsprechend ist es der Intendanz gelungen, das Frankfurter Reue Operettentheater nochmals für eine einmalige Wiederholung der erfolgreichen Operette „Die Dollarprinzessin" zu gewinnen. Die Aufführung geht am Sonntag, 2. Dezember, 18 Hhr als Fremdenvorstellung bei ermäßigten Operettenpreisen in Szene.
** Universitäts'Personalie. Ernannt wurde der Veterinärarzt Dr. Dietrich K ü st in Springe a. D. mit Wirkung vom 16. November ab zum außerordentlichen Professor für Geburtshilfe und Poliklinik an der veterinär-medizinischen Fakul- tät der Landesuniversität Gießen.
•• Bautätigkeit am Marktlaubengebäude. Rachdem die Bauzäune entlang der Markllaubenstrahe und dem Brandp.atz, sowie gegen die Hofreiten in der Schlohgas.e aufgestellt und die in Wegfall kommenden Gebäude abgebrochen sind, wird nunmehr mit dem Ausschachten für die Fundamente und die K.llerräume begonnen. Die Erd-, Maurer- und Eisenbetonarbeiten kommen durch die hiesige Detonbau- gesellschaft zur Ausführung. Wenn nicht die Fundierung des Gebäudes besondere Schwieriglei en bringt, oder durch Witterungseinflüs.e feine Unterbrechung der Sauarbeiten eintritt, wird bald mit der Fertigstellung des Rohbaues gerechnet werden können.
** Verkehrsunfall in Klein-Linden. Gestern abend gegen 6 Uhr wurde in Klein-Linden der von Gießen kommende Arbeiter Karl Müller von einem Kleinauto, das in Richtung Frankfurt am Main fuhr, angefahren. Der bedauernswerte Mann erlitt einen Unterschenkelbruch und mußte von der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz der Chirurgischen Klinik zugeführt werden. Der Unfall soll daraus zurückzuführen sein, daß ein aus der Richtung Frankfurt kommendes Auto nicht genügend abblendete, wodurch der Führer des Kleinauws die Uebersicht über die Straße verlor und zu weit nach rechts abkam.
** Irauerf eier im Marineverein. Am vergangenen Totensonntag veranstaltete auch der Marine-Derein Gießen unter zahlreicher Beteiligung in seinem Bootshause eine Gedenkfeier für die Gefallenen. Nach dem Gesänge des Niederländischen Dankgebetes hielt der erste Dorsttzende des Dereins, Kamerad Geiß, eine ergreifende An- spräche, wobei er besonders betonte, daß an dem Totentage alle Gräber mit Blumen und Kränzen
geschmückt werden konnten, nur btt Gräber bet dahingegangenen Seeleute nicht. Zum Gedächtnis der im Wellkriege Gefallenen wurde an der Gedenktafel ein prachtvoller Kranz aufgehängt. Der gemeinsame Gesang „Jesus meine Zuversicht" be- schloß die würdige und eindrucksvolle Feier.
'* Anlagenkonzert findet morgen, Mittwoch, 15.30 Hhr, durch das Musikkorps des 1. (Hessischen) Grenadier-Bataillons, 15. 3nt- Regirnents, bei günstiger Witterung in der Süd- anlaae (Ecke Plockstraße) statt. Leitung: Ober- Musikmeister 2 ober. Die Musikfolge ist. 1.Parademarsch der „Langen Kerls", M. Roland. 2. Gr. Fantasie aus dem Ballett „Eoppelia", L. Delibes. 3. Armeemarsch III, Rr. 69: Der Torgauer Parademarsch. 4. „Zwei Herzen, ein Schlag", Konzert-Polla für zwei Trompeten, ö. Hasselmann. 5. Historische Märsche: Große chronologische Zusammenstellung, E. Kaiser.
•• Personalien. Ernannt wurde der Iu- stizinspektor bei dem Amtsgericht Ridda, Eduard Baer, zum geschäftsleitenden Iustizinspek- tor bei dem gleichen Gericht mit Wirkung vom 1. Rovernber ab. — Auf sein Rachsuchen in den Ruhestand verseht wurde der Kulturbauoberinspektor Albert Kunz zu Lauterbach mit Wirkung vom 1. Februar 1929 an.
** Schuh dem Fischadler. 3n diesem Herbst scheint sich im Gebiet des HnterrnainS, in der Wetterau und an den Abhängen des Vogelsbergs ein seltener Raubvogel, der Fischadler, öfters zu zeigen. Der Vogel ist etwas größer als der Bussard und an feinem taumelnden, unsteten Flug erkennbar. Auf der Hnterseite ist er weiß oder hellgrau gefärbt, der Rücken und die Flügä sind braun. Im Sitzen erscheint er plump, well er die Rackenfedern emporgesträubt zu tragen pflegt. Beim Fliegen trägt er den Hinterleib etwas gesenkt. Beobachtungen wolle man K. Rudolf Fischer, Laubach oder Gießen, Weserstraße 8, oder Professor Fr. Balser, Friedberg, Ludwigstrahe 4, mitteilen.
Sprechstunden der Redaktion
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