Ausgabe 
27.10.1928
 
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FrSste der vorigen Woche begünstigt massen­haft ab und liegen wie gesät unter den Bäumen. Unsere Gemeinde hat in den letzten Tagen die Eicheln lesen lassen, um sie wieder zu Saatzwecken zu verwenden; sie hat für das Kilo 30 Pf. be­zahlt. 3m ganzen wurden 17><> Zentner, größten­teils von Kindern und auch von einigen älteren Leuten, gesammelt, doch dürfte immer noch ein reichgedeckter Tisch den Tieren des Waides ver­bleiben. 3m Laufe des Sommers erhielten hier viele Häuser einen neuen An­strich. Das schmucke, gefällige Aussehen beson­ders der älteren Fachwerkhäuser trägt sehr zur Verschönerung unseres Straßenbildes bei.

Dollar, 26. Ott. 3n der Nacht auf Don- nerstag wurden im Wohnhaus des Sägewerks - besitzers V. A u h n und in der Metzgerei von Konrad Nürnberger zwei freche Einbrüche ausgeführt. Der Täter muh dabei mit auftrr- ordentlicher Geschicklichkeit zu Werke gegangen sein, da er von den in den Höfen wachenden Hunden nicht bemerkt wurde. Trotzdem ist die Deute verhältnismäßig gering. 3n der Bevölke­rung macht sich in begreiflicher Weise eine leichte Erregung bemerkbar, da sich hier vor einigen Wochen ähnliche Fälle ereigneten.

f Treis a. d. Lda., 26. Olt. Die Sch a r - lacherkrankungen unter den Schulkindern, die sich durch den ganzen Sommer in verein­zelten Fällen hinzogen, haben in letzter Zeit nachgelassen. 3n einem Fall muhte sogar für ein paar Tage der Schulunterricht der unteren Klasse ausfallen, da die Kinder einer im alten Schulhause wohnenden Familie erkrankt waren. Zur Zeit sind nur noch zwei Scharlachfalle be­kannt. Die Bautätigkeit war in diesem 3ahre dahier recht rege, sind doch auher vielen Reparaturen und Erweiterungen von Häusern, Ställen und Scheunen sechs neue Wohnhäuser, darunter drei Zweifamilien-Wohnungen und eine grohe Scheune, errichtet worden. Die Liefe­rung der neuen K i r ch e n o r g e l ist der Firma Nikolaus & Förster in Lich übertragen worden. Die Aufstellung soll noch vor Ostern erfolgen.

Kreis Friedberg.

pb. Butzbach, 26. Oktober. Der gestrige Schweinemarkt war mit 232 Ferkeln be­fahren. Gezahlt wurden für Ferkel bis zu sechs Wochen 14 bis 16 2Nk., von 6 bis 8 Wochen 17 bis 19 ML., von ö Wochen und darüber 20 bis 22 Mk. Der Handel war mäßig, es blieb äleber- stand. Ein auswärtiger Obstkäufer hat einen hiesigen Einwohner um sein Geld für verlaute Z^-etschen geprellt. Er bot dem Manne su« #n Zentner Zwetschen 16 Mk., worauf dieser in Anbetracht des hohen Preises mit Freuden einging. Die Zwelschen wurden ver­packt und auf gegeben. K.irz vor Abgang des Zuges übergab der Händler dem Lieferanten zwei Zwanzigmarkscheine für die zwei Zentner Zwetschen, worauf ihm der Lieferant 8 Mark herausgab. Als letzterer sich bei Licht die Scheine aber näher besah, merkte er, daß er zwei Dorkriegsscheine erhalten hatte. Er rief nach der Polizei, jedoch konnte diese auch nichts mehr machen, da inzwischen der Zug abgefahren und dem Verkäufer weder Name noch Adresse des Käufer« bekannt war. Auf diese Wei e war der Geprellte seine Zwetschen i$n b auch noch 8 Mk. los. Vorsicht bet Annahme von Papiergeld und beim Verkauf an unbekannte Händler!

Kreis Büdingen.

I Nidda, 26. Ott Der Gemeindever­band Nidda-^llfa wird in den nächsten Tagen einen probewcisen Verkehr feiner Auto- omnibuffe nach dem benachbarten Geih-Nidda einrichten, da aus dieser Gemeinde der Wunsch nach Anschluß an den Autoverkehr lautgewor­den ist.

I Fauerbacb bei Nidda, 26. Okt. Der Malte Markl zu Ortenberg wird von jeher aus unseren Dörfern, wie auch aus der weiteren Umgegend, auherorden'lich stark besucht. Die ßeitung des G e rme indeverbandes Nidda-ällfa will diesem Umftanbe dadurch Rechnung tragen, dah sie ihre Autobusse an den beiten Haupttagen des Marktes. Montag, 29. und Dienstag, 30. Oktober, vormittags und nachmittags je dreimal nach Ortenberg Verkehren läht. Wit einer sehr starken Beteiligung an diesen Fahrten ist, zumal bei dem derzeitigen unbestän­digen Wetter, bestimmt zu rechnen.

Mue Bücher.

Unter dem Titel ,.D a s Hessische 6 tra­ft e n to e f e.n ist unter besonderer Berücksichti­gung der Ortsdurchfahrten, Gemeindewege und Privatwege, mit Einschluß der Vorschriften über die Zuständigkeit und das Verfahren bei der Dauverwaltung und der Baupolizei eine Zu­sammenstellung aller gesetzlichen Bestimmungen in Form eines Kommentars bearbeitet und für den praktischen Gebrauch erläutert von Geheime- rat Dr. h. c. Fey, Provinzialdirektor a. D. in dem Verlage 3. Diemec in Mainz erschienen. Preis 3.80 Mk. (396). Bei der Bedeutung, die das Sttaßenwesen im Wirtschaftsleben, namentlich in­folge der Ausdehnung des Kraftsahrwesens spielt, dürste diese wichtige Neuerscheinung, die alle ge­setzlichen Fragen in organischer Weise behandelt und erläutert, von allen Verwaltungsbehörden, Stadt- und Ganbgemeinöen, den Bau- und Poli­zeibehörden, aber auch von allen getoerbetreiben- den Firmen sowie Einzelpersonen, die z. D. durch Autohaltung an diesen Fragen mterefiiert sind, als Auskunfts- und Nachschlagebuch begrüßt werden.

Die Rationalisierung der Ge­setzgebung" von Ministerialdirektor Professor Dr. Schlegelberger im Reichsjustizministe­rium, Verlag von Franz Vahlen in Berlin W 9, Linkstraße 16. 1.20 Mk. (398). - 3n wohl abge­wogenen wuchtigen, oft von leichter 3ronie ge­würzten Sätzen zeigt der Verfasser ein Problem auf, dessen Lösung ober Nichtlösung für unser staatliches Leben schicksalbestimmend fein kann. Der Parteipolitik entrückt wird hier mit dem Mute und dem Verantwortungsgefühl des über den Dingen Stehenden nachgewiesen, wie sich die Gesetzgebung nur zu oft nach Maß, Form und Werdegang in den Bahnen offenbarer Un­vernunft bewegt und der Weg zur Umkehr und zur Gesundung gewiesen.

Ludw. Wolff: Ariadne in Hoppe- gar t e n. Verlag Ullftein, Berlin (426). Dieser Roman bringt in einer sichergeführten Handlung Menschen, die man lieb gewinnt, und deren Schicksal man mit Teilnahme verfolgt. Als Kenner des grünen Rasens verlegt Wolff auch diesmal den Ausgangspunkt der Handlung auf den Rennplatz. Es ist jedoch kein Turfroman, sondern die Geschichte einer Ehe zwischen einem reifen Arbeitsmenschen und einer jungen ver­mögenslosen Frau. Eharakteristisch und oft hu­morvoll gekennzeichnete Gestalten aus dem Ber­liner und dem österreichischen Leben umgeben in reizvollen Episoden die Träger der Handlung.

Abriß der Sozialpädagogik. Von Professor Dr. L. Heyde. 5. Airflage. Wissenschaft und Bildung. Gebunden 1,80 Mk. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig (415). Das Er­scheinen des 25. Tausends dieses Wrisses beweist, wie trefflich der Herausgeber derSozialen Praxis" mit dieser älebersicht über Ziele und Wege der Sozialpolitik einem weitgehenden Be­dürfnis gerecht zu werden verstand. Sein Grund­gedanke, den gewaltigen Stoff leicht faßlich, aber doch wissenschaftlich, mit gerechter Kritik, aber völlig unparteiisch zur Darstellung zu bringen und so einen raschen Heberblid über das ganze Gebiet zu ermöglichen, erwies sich als fruchtbrin­gend. 2In Hand dieses Wrisses vermag sich heute jeder in wenigen Stunden über das gesamte Ge­biet der Sozialpolitik unb die geltenden Bestim­mungen zu unterrichten.

Vorwärts zur Einheit. Ein Ruf an alle Getreuen Christi. Don Dr. Albert v. R u Ville, a. o. Professor der Geschichte an der Universität Halle-Wittenberg. Wit kirchlicher Approbatton. VIII und 94 Seiten 8°. Drosch. 3,50 Mk., Geinte. 4,80 Mk. Verlag Kirchheim

& Eo. G. m. b. H., Mainz. (521) Das Duch ist dem Wunsche entsprungen, zur kirchlichen Eini­gung, die allerwärts die Gemüter bewegt beizu­tragen. Es ruft alle Christen zu ihrer Förderung auf und zeigt, wie zu ihr zu gelangen. Dieser Weg zur Einheit ist abgeleitet aus dem Weg, der zur Spaltung geführt hat, und zwar mit ausführlichen historischen Erörterungen. Aus dem historischen Verlauf ist auch entnommen, wie weit sich die Christenheit schon der Einheit genähert hat und was alles noch zu tun übrig bleibt, wie sich die Konfessionen dabÄ betätigen können. Völlige Unparteilichkeit und unbeirrtes Streben nach Wahrheit treten überall zutage. Nicht strei­ten will der Verfasser, sondern finden, feststellen. Eine freudige und begründete Zuversicht auf Gelingen spricht besonders aus den letzten Ka­piteln.

Gustav Renker: Der Abend des Heinrich Biehler. 3n elegantem Ganzlein- wandband 4.80 Mk. Verlag von Friedrich Rein­hardt in Basel. (423). Mit warmer Sohnes- liebe zeichnet der Verfasser die Gestalt des al­ternden Heinrich Biehler mit seiner engen Natur­verbundenheit und seinem starken Innenleben. Diesem äußerlich so unscheinbaren Menschen ver­dankt sein Sohn Hans das Beste in seiner Kunst. Der Vater allein versteht es, daß der junge Polhtechniker das Studium der Musik ergreift. Er stützt ihn durch seinen Glauben an seine Beru­fung unb er ist es auch, der ihm die Bekannt­schaft mit jenem ideal veranlagten Mädchen ver­mittelt, das bann später feine Braut wird.

Ernst Klein: Madame Circe. Roman. 194 S. 8°. Preis 1 Mk. Verlag Guido Hacke­beil 01.=®., Berlin S 14. (420) Die in tem­peramentvollem Stil geschricb.ne Erzäh'ung des Verfassers derSollen Herzogin" 'Dürfte der stattlichen Lesergemeinde Ernst Kleins neue An­hänger zuführen.

Wahrheit und Recht für Feme, Schwarze Reichsweh r unb Oberleut­nant Schulz. Don Rechtsanwalt Dr. W. ßuetgebrune, Göttingen. 3. F. Lehmanns Ver­lag, München, 1928. Mit einem Dildnis. Geh. 2,50 Mk., geb. 3.50 Mk. (425) - Dr. Cuetgebrune ist der Verteidiger fast aller Angeklagten in den sogenannibrn Feme-Prozessen gewesen. Er kennt wie kein anderer Den zeitgeschichtlichen Hinter­grund wie die Feme-Taden und die Angeklagten selbst. Er schildert eingehend die Verhältnisse der Schwarzen Reichswehr, zeigt, wie ihre Ge­heimhaltung Lebensbelang und Landesverteidi­gung war, und sucht nachzuweifen, daß ihre An­gehörigen zweifellos Soldaten, keine Zivillisten waren. Da der Staat sich nicht zu ihnen beken­nen wollte oder vielleicht auch nicht konnte, waren fie nach seiner Ansicht gegen unlautere Kameraden und Landesverräter in den eigenen Reihen zur Selbstjustiz gezwungen.

Schulung des Denkens. Von Mini­sterialrat Dr. med. QL Deyer. 242 Seiten. 3n Leinenband 8 Mk. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. (464) Kann man das Denken lernen? Die Denkfähigkeit ist jedem angeboren. Notwendig ist nur die Schulung des Denkens. Genau wie man Korpersport treibt und dadurch geschmeidiger wird, genau so kann man Denksport treiben und dadurch die geistige Deweglichkeit und die Elastizität des Denkens wieder erlangen. Und wir brauchen diesen Denksport, denn das Leben stellt uns täglich neue Aufgaben, die nur durch Denken zu lösen sind unb die Zukunft jedes einzelnen und der Volksgemeinschaft wird davon abhängen, wer am sichersten und schnell­sten denken kann.

Kreis Schotten.

I Ober-Lais, 26. Oft Von den verschie­densten Seiten, insbesondere aus den Kreisen der in den Eisenwerken Hirzenhain beschäftigten Ar­beiterschaft, ist nunmehr nach Eintritt der schlech­ten 3ahreszeit der Wunsch geäußert worden, der Zweckverband Aidba-ällfa möge seinen OZerkehr auch nach Hirzenhain ausdehnen. Leider steht der Zweckverband der Anregung bis jetzt noch ablehnend gegenüber, da er erst eine entsprechende Anregung von Seiten der an diesem 'Verkehr unmittelbar interessierten Gemeinden ab- tearten möchte.

Kreis Alsfelv.

* Alsfeld, 25. Okt. Gestern fand hier eine Besprechung über Maßnahmen statt, die zur Vertilgung von Schwarzwild im Laufe des kommenden Winters ergriffen werden sollen. Anwesend waren Vertreter der Ministerialforst- abteilung, die Amtsvorstände der staatlichen Forstämter Wsfeld, Eudorf, Göringen, Gre­benau und Romrod, sowie die leitenden Beamten der Graf Görhifchen und Freiherr Riedeselschen Forstvertealtungen. Man darf die Hoffnung aus­sprechen, dah ein kommender schnee reich er Win­ter eintritt, als wesentliche Voraussetzung für

einen durchschlagenden Erfolg der zur Anwen­dung kommenden Maßnahmen.

Rheinhessen.

WSN. Mainz, 26. Oft. Anläßlich bet Ver- leihunA Der Würde eines Ehrendoktors an den Staatspräsidenten Adelung hat Ober­bürgermeister Dr. K ü l b folgendes Glückwunsch­telegramm an ihn gerichtet:Unterem verehrten früheren Kollegen und Bürgermeister von Mainz, dem Herrn Staatspräsidenten Dr.-3ng. h. c. QI t> c- I u n g, herzliche Glückwünsche zu Der Ehrung. Dr. K ü lb, Oberbürgermeister."

ODSR. Worms, 26. Oft. 3n der jüngsten Etadtverordnelensitzung wurden nach längerer Debatte für Notstandsarbeiten 250 000 Mark und für die Erweiterung der Trink­wasserversorgungsanlage der Stadt 550 000 Mark bereitgeftcllt.

TagungberVehördenangestellten

Der Reichsverband der Dureauangesteltten und -beamten hatte die Mitglieder der Fachgruppe Ange st eilte bei Reichs-, Staats- und Kommunalverwaltungen dieser Tage zu einet Tagung in das Haus des Deutschnatio­nalen Handlungsgehilfen-Verbandes in Frank­furt a. M. einberufen. An den Verhandlungen nahmen etwa 300 Personen teil.

Hauptgefchäftsfühver Meißner, Berlin, sprach überGegenwartsfragen der Dehörden-Angestell­ten". Er betonte, dah die Verwaltung vielfach nicht die gleiche Einschätzung finde, wie die pro­duzierende und die für den Absatz der Produktion sorgende Volksgruppe. Dennoch sei beten Tätig­keit ebenso wertvoll, wie die der Hersteller und der ^Verkäufer. 3n dem Verwaltungsappavat werden die Angestellten nicht ihrem Wert und ihrer Leistung gemäß eingeschätzt. Zwar haben sie die gleichen Pflichten wie die Beamten sie sind beeidigt, haben die Schweigepflicht ufto., aber sie haben nicht die Rechte der Be­amten. trotz vielfach gleicher Tätigkeit. Seit den 90er 3ahven hat sich das Dienstrecht für die Dehördenangestellten nicht vorwärtsentwickett. Besondere Kritik verdient der Mihbrauch des be­fristeten Dienstverhältnisses durch die Behörden. Die diesbezüglichen Bestimmungen müllen bei den Verhandlungen über das neue Arbeitsvertrags­gesetz beseitigt werden. Gefordert muh werden die Bezahlung nach Arbettslellttrng. Sett 3ahren wird bereits eine 20prozentige Erhöhung der Be­züge als'Ausgleich für die Nprozenttge Pensions- rücklage der Beamten verlangt. Durch die Ein­führung einer Altersversorgung für die An­gestellten, die sich als durchaus ungünstig für diese erwiesen hat, sollte diese Forderung tot- gemacht werden. Von grobem wirtschaftlichen Nachteil für die Dehördenangestellten ist die Kürzung des Krankengeldes. Alle lVersuche, eine Desserung in diesen Punkten herbeizusühren, ha­ben bisher zu keinem Ergebnis geführt.

lieber die berufsständige Gliederung als be­rufspolitische Arbeit sprach Wrsitzender der Ge- dag-Kasse, Plintz, Hamburg; Kreisgeschäfts­führer Klaue im D. H. D., Frankfurt, beschäf­tigte sich in einem weiteren Referat mit dem Thema: Gemeinschaftsarbeit.

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