Nr 228 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (Generalanzeiger für Dberheffeiif Donnerstag 27. September 1928
Das Handwerk zur Handwerksnovelle.
Di« beim 5>eut14>eii Handwerks. unb Gewerbe- tonmertag imb dem Reichs verband des beurltben Hai dwerkS gebiUktm Au. 'chus|< für Bcruf*- stands- imb Wtrtfchaltspolifil traten zu einer StJVung m Hannover »ulammcn, i* der not allem Au fragen M Gewerberechts Stellung genommen wurde. 3u der Handwerks» ovelle. deren alsbaldige Vorlage und Deradschicdung dse 'Xeflterunfl*erfldnmg vom 3. 3uh d 3. yi- sicherte tnurk nächst ehender Bechluh geiaht:
I. Äe Ausfchüste tidlen fest, daß dte in dem 'tnörnxrl des Reichsverbandes des beutfchen Handwerks für eine Reichshandwerlsvr b n ung euffleflcölen Forderungen nach einer darchgrei- lenden Regelung der beruflichen Drgamfatwe des Handwerks in*bdonbetr fr V Inli-t) des Aufbaues der Fachver bände, durch den Entwurf der Novelle nicht erfüllt werden.
2. Ohne die weiter gehenden Fvederungen des Reichsverbandes de« deutschen Handwerks damit preiszugeben, etfeimen die vereinigten Los- fchüffe des Kammer tage« und Aerchsverban- des gleichwohl an. daß die Handwerksnovelle eine Berbef ferung des Handwerker getestet von 1W7 in feiner fetzigen Walfang bedeutet. 6te erklären deshalb den vorliegenden Regierurrgs- enftmirl als geei gnete Erundlage für di« Berabfchiedung dieses Gefetzes durch den Reichstag.
3. Da der Regierungsentwurf lediglich eine Rovelle zum Handwerkergesetz von 1897 bar- stellt, Lfynen die vereinigten Ausschüsse jebe grundsätzliche Aenderung In dem ursprünglichen Aufbau der amtlichen Bervfsvcrtretnng des Handwerks ab. Aus keinen Fall können sie zugeben, daß die Handwerksnvvcüe als Gelegenheit zu einer paritätischen Umgestaltung der Handwerks- and Gewerbekamrnern benutzt wird. Die Frage d r Umbitbunfl der amt ichen Bern 6- vertretungen der deutschen Wirllchaft muh der sorgfältigen Klärung durch den endgültigen Reichswiitschaftsvat Vorbehalten bleiben.
Hinsichtlich der tlebergangsdeü immun gen au § 129 RGO. lwiderruf!ich? Verleihung bei Befug s i s zur Anleitung von Lehrlingen durch Die höhere Verwaltungsbehörde) vertraten die Ausschüsse die Auffassung, dah diese Meberflangtbefi immungen nach 2Ojäbrigcr Geltung nunmehi entbehrt und nach Schaffung d^s Beru sausbildungsgese^eS aufgehoben tot eben können Ebenso sprachen sich auch die Ausschüffe dahin aus, dah die im 8 6 RGO. vorgesehene Ausnahme "jer Eifenbahnun- ter nehm ungen von den Be'i immungen der Gewerbeordnung insbesondere mit Rücklicht auf bic Bahnbofsfriseure in Zukunft in Wegfall geraten soll.
Venizelos in Rom.
Ter griechisch - italicnische ^renndschnstsvertrag
Fast ebenso sensationell wie feinerzett uie 2 ückkehr Benlzelo «' nach Griechenland und sein Sieg bei den griechischen Wahlen wirkte die Äachricht, dah der neue Ministerpräsident sich nach Rom zur feierlichen Unterzeichnung eines Freundschaftsvertrages mit Italien begeben werde. Run ist am Sonntag durch Mussolini und Benizelos dieser feierliche Akt borgenommen worden Die Genugtuung, die auf beiden Seiten bestehl, wird nur durch btt Tatsache der zwischen beiden Ländern noch immer bestehenden Gegnerschaft in der DodekaneS- Frage getrübt, und es besteht daher begründete Qkranlaffung zu der Annahme, dah das Zusammentreffen der beiden Staatsmänner zu gewissen bedeutungsvollen Verhandlungen hinter den Kulissen benutzt werden wird, tue sowohl der Regelung dieser Streitfragen Vie weitergehenden Abmachungen hinsichtlich der allgemeinen politischen Lage aus dem Vallan gelten werden.
Mit dem Abschluß diese« Dertrages hat Deni- zelos ohne Zveisel den Beweis dafür erbracht, dah er sich auch als Dreis die politische Biegsamkeit und Anpassungsfähigkeit bewahrt hat. DenizeloS gilt als Franzosenfreund Sv
Geld fällt vom Simmel.
Zftoman von Paul Sn-erlmg.
Copyright by Carl Tunffer, Verlag, Berlin.
2. Fortsetzung Nachdruck verboten
Drotteck prüfte die Gesichter der Neuangekommenen. Keiner glich den beiden Männern von vorhin. Sie betrachteten mißmutig bie Fülle der Gäste, lauschten aufmerffam der Sängerin und fnmmien, noch stehend, in den allgemeinen Beifall ein. Es schien eine Familie zu fern, die einem Gast vom Lande diese Sehenswürdigkeit der Stabt präsen- tierte. Mit einem verächtlichen Läwnln. da, seiner eignen Sorge gelt, trank er den schweren, dun Neu Lei».
„Na. haben Sie nun nachgedacht, Herr Nachbar?*
„lieber Ihren Berus? Nein. Ich dachte darüber nach, wie diefe alle Nebetkrähe von Sängerin es waaen darf, hier in der Deffentlutfett za krächzen."
„Pst! Sie ist fehr beliebt Sie war einmal ein Stern vom Variete."
„Schön fp die 3u—u—gend . . summte Dro'teck
Der andere verstand nicht ..Meinen Berus trie- ftn Sie also nicht heraus? Da» ist eine gute Emp. dhlung für mich, baba."
örouetf wollte sagen, dost ihm nichts gleichgiü- ttger |el Da neigte sich der Fremde zu ihm und flufterte chm ins Ohr: ^sth bin nämlich — unter un» gesagt — DetefhD.*
Grvtteck fühlte einen kalten Gust, der vom Dir- beluber den Rücken lief. Da» Glas, bat er eben besS fdj rIintr D<rnebmlid) auf der Marmorplatte
»Das sagen 6ie nun?"
3n ©rotlctffc Hirn begann es ffebemb zu arbeiten, Es mirbdte darin wie in einem zu rasch ab» laufenden Räderwerk. Und am Ende blieb bet trv» ftenbe Gedanke: es kann dir Ja noch nichts ge» Idnher.. Du erzählst ihm dir Geschichte, $ibft das Deld gegen eine vernünftige Quittung, und du bist es los. Eine große Erleichterung überkam chn bei dem Gedanken.
erachtete er 1916, obwohl es König Konstantin gelang Me Einmischung Griechenlands in den Weltkrieg zu nechindern. den Bündnwfall für gegeben. büMe in Saloniki eine zweite Regierung and zog siegreich in Athen ein während Abrtg ÄonRanim flüchten Mußte Rach Abschluh des Weltkrieges bat bet türti'che Feldzug und die schließliche Rieberl oat in Al ein- afitn eine -Zchw.'-chuna Griechenland» zurFolge gehabt, die 3talien geschickt atrtnuntc und kurzerhand die 3nlelgruppe der Dodekanes, die unmittelbar der griechffchen Küste vorgelagert und jetzt zu einem starken Flottenstützpunkt aus- gebaut ist. besetzte Be: .»eles war es auch, der un 3anuar 1923 während der Lausanner Friedenskonferenz feierlich erklärte, daß die Dodekanes-Frage ungeachtet der Verfügungen der i:a- lienischen Regierung für Griechenland nach wie vor offen bleibe Die Regierung, so verkündete Benizeios behalte sich vor. diese Frage aui Grund des M mberheiten rechts zu regeln, sobald sie zu Verhandlungen reif sei.
Ss liegt auf der Hand, das, dirie Zeil jetzt bi Griechenland für gekommen erachtet wird. der in Rom unterzeichnete Vertrag aber als em Freundscha lv. .rtrag bärgest l t und ihm j de weitere Bedeutung abgesprochen wird, wirb die Regelung dieser frage offensichtlich den Besprechungen Vorbehalten bleiben, die inzwischen hinter den Kulissen abgehalten twetben.....Ob
Wuffolini bei den Richtlinien seiner BaUanpoli- tik sich geneigt zeigen wird, eine frage der Rückgabe der Dodekanes an Griechenland überhaupt zu erwägen, kann füglich bezweiseit werden. Unb obwohl die Position Italiens auf dem Balkan und bie fröret gelt alt Mussolinis anscheinend aueb auf Denizelos ihren Ginflust soweit auS-
geubt haben, daß et sich nunmehr bereit et* "irr. auch mit Albanien einen freund- stdatlsvertrag abzuschliesten. gleichzeitig mii der Türkei in Behandlungen rtnzutreien und feine trabirionelle bulgarien-oind'lche Haltung zu revidieren, scheint er sich auf der anderen Veite durch die Ankündigung, ba'i er feine *u- rvpareife zunächst nach Paris sorifetzen und später Belgrad einen Besuch abstatteii wird, doch eine gewüle Rückversicherung gegen 3talien mit französischer Unterfriitnmg in vud- stawien schaffen zu wollen.
Diese Tatfach. vermag die Bedeutung de» römischen Vertrages immerhin heradzusenen Denn danach scheint es. daß Benizelos nicht ohne weiteres gewillt ist. fich dem «reis der italienfreundlichen Böller auf bvm Balkan an- zulchfieften. dast er flch vielmehr auch fetzt wieder an die alten Dege feiner Auhenpollfik erinnert. die stets mit Belgrad paktiert hat. Auch hier gibt es allerdings noch Schwierigkeiten zu bewältigen, so vor allem steht die alte ich-südslawische Streitfrage der ftrei« Hasenzone in Salvnik i einer Annäherung hindernd hn Dege Es ist aber anzunebmen, dast Frankreich seinen Enifluft auf Meten u ird um endlich eine Verständigung zwischen Achen und Belgrad herbeizufuhren — immerhin wird in Belgrad der römische Dertrag recht argwöhnisch betrachtet. Man ist sich offensichtlich noch nicht iw klaren, ob man auch heute noch der alten Gerbensreundscha't Benizelos trauen kann. E.fi ba» Ergebnis feiner weiteren Besprechungen in Rom und seine Besuche in Paris und Belgrad werde,, völlige Älarbeu über die kiinstige aufceit- politische Cbue Griechenlands bringen können
Geschichten aus aller Well.
Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
„Sic traflcn mein Kostüm, Madame!"
— Pari».
Paris. Boulevard Saint-Michel. Abendkvrfo. Sine nette junge Dame stolziert m einem funkelnagelneuen Sommerkostüm. Eine andere — ebenfalls nette - junge Dame schreit die elegante Spaziergängerin anher sich an: „Sie tragen mein Kostüm, M a da mef Die Passanten eradpen sich an dem nicht gerade alltäglichen Schauspiel (die Debatte der beiden Schönen wird immer heftiaer), bie Polizei greift ein, zerstreut bie Masse, die sich an gesammelt hat (die Leute haben ja für St rastens ensafion en immer reichlich Zeit) und sührt die Damen ab. Aus dem Revier erfolgt daun des Rätsels Aufllärung: die mit fremden Federn Geschmückte legt reumütig ein umfassendes Geständnis ab. 3hre Garderobe läßt viel zu wünschen übrig und so pflegt sie in ..angebrachten" Fällen, wo sie sich nämlich mll „befferen Herren" verabredet, die zur Repräsentation nötigen Toiletten stücke für billiges Geld auszuborgen. Born Inhaber einer chemischen Reinigungsanstalt. DaS besagte Kostüm wies einen Fleck auf, der nicht wegzubringen war und daS winzige Fleckchen ist der erfinberi- schen tarne zum Verhängnis geworden Die rechtmähige Inhaberin der Rode hatte eben einen überaus scharfen Blick und erkannie ihr Eigentum am Fleck wieder. Sie fordert jetzt Schadenersatz wegen — Diskreditierung. Mil der Begründung, dast „Kleider Leute machen" ...
Ein Mordbcrtchl „aus erster Hand".
(a> Reuhork.
®ine durch ihre näheren Umstände auster- gewöhnlich lebendige und dramatische Schilderung einer gerade verübten Mord.at Hai kürzlich eine umfangreiche Zuhörerschaft von Rundfunkteilnehmern in Amerika in leicht verständliche Erregung versetzt
lieber ein grostes Gebiet mit einem Radius von vielen hundert Kilometer lauschten bk Radio- teil nehm er einem von der Statin Dallas im Staate TeraS ausgesandten Rlavierfoio. in dessen Finale plötzlich em heftiger Knall tönte. Der Rundfunk-Ansager, der gerate bie M.Heilung der folgenden Programm-Rümmer vorbereitete, — es war noch am Hellen Rach-
mittag — sah vom Mckiophon auf und zur ©trabe hinunter in dem Glauben es sei ein Olutomobilreifen geplatzt Aber was er da Iah, war etwas ganz anderes, und sofort gab er den Rundfunkteilnehmern als un vor her gesehene 3m- prov saiion eine Schilderung beS aufregenden Vorfalles, dessen Zeuge er war.
Der Direktor der Lokal bank von Dallas, Oville Matthews, raste mit erhobenem rechten Arm über die Straste, während et die Lücke an die Brust pvestte. Dährend die Pasfanten Panikartig nach allen Seiten flüchteten, stürzte hinter dem offenbar verwundeten Mann fein Mörder her, der aus einem Revolver Isrtdauernd Feuer gab. Jeder dieser Schüsse war durch die erregte Erzählung des Ansagers hindurch - für jeden Rund unkte lnehmer deutlich vernehmbar. Bor einer Hoteitreppe sank Matthews, von mehreren Äugeln durchbohrt, enttoelt zusammen, der Täter wurde von heran stürmen den Polizisten aus der Stelle verhaftet (Wie sich später herausstellte, war es em Farmer, der sich mit dem Direktor wegen eines Berficherungs- geschäfteS überworfen hatte.)
Den nunmehr wieder programnbistig etuNtbm- ben Darbietungen sollen bic fRunbfurJtetlnebmer nicht mehr allzu grohe Aufmerksamkeit gewidmet haben.
Verkehrsstörung wegen einer weitze« Maust.
(f) London.
Dicht von ben sprichwörtlich .weihen Mäusen" sei hier die Rede, bereit Anblick nicht sehr ratsam sein soll, sondern von einem unschuldigen, wirklichen, weihen Rager, der es fertig brachte, vor einigen tagen in einer Hauptoeeckebrsstraste der Hauptstadt Grohbritanntens eine Verkehrsstörung herbeizuführen. Die Sache trug sich folgender- masten zu:
3n den Miitagsstunben bestieg ein Herr, der aus seiner Hand eine wriste Maus hielt, einen Omnibus, nahm Platz, und liest das Tlerch^-n, k»aS munter an seinem Arm aus un» ab lief, zum Ergötzen aller MUfahrenden seine Mätzchen machen. SchliestlIch kam der Schaffner und verlangte. der Herr möge ausst.-rgen, da es Verboten fei. Tiere tm Derk, hrsmitte! miüuitebmen. Der Furechtgcwi.sene erklärte, diese Borichrist ginge ibn nichts an, da in chr nut von Hunden imb kotzen, nicht aber von weihen Mäusen die Rede
Ehe er zum Sprechen, zur entlastenden Beichte anfesten konnte, fuhr der andere fort: „Er freut mich bah Sie mich nicht durchschauten Sie ver- ^hen,- boe tft bie Derbebingung für meinen
Datum mar dies" Aenlch eigentlich so vertrau, lidj? Hatte ber spanische Wein auch auf ihn gewirkt? Wollte er renommieren? Oder — wollte er warnen? Roch konnte er ihm nichts tun. Lies Geld, bat ein Bermögen bedeuten muhte, war ohne fein Zutun in feine Hande geraten. Aber mürbe man es ihm glauben, wenn man e» jetzt in (einen Manteltaschen entdeckte?
Plötzlich tag eftie Karie vor ihm. ..Stecken Sie sie nur rin *
Groucck brauchte eine lange Zeit, ehe er die auf. unb mebertanzenden Zetten zur Ruhe gebracht und begriffen hatte.
Ehriftooh Äietoemng. Leiter der Detektei .Dkolns" Relnhardtstrahe 119. Fernruf 7635.
»Ein privater Unternehmen?" fragte er ganz ruhig. E» hatte ihn merkwürdigerweise beruyttzl. dah es ein privates Unternehmen mar.
«3o. mein Herr*, fiel stiewening eifng ein. ..fflfo doppelt gefchäftsiuchNg Sie verstehen nur die privaten Haven den nötigen Schmung und Schneid. Ich bitte Sie jinb wir nicht aui (mp« feblungen anoewiejen? Sus da- Wohlwollen unje» rer Kundschaft? Und wodurch erringen mir e»? Durch ungeowhnliche Leistungen, durch nichts an- derer. Die staatlichen Beamten ... pah."
©rotted hörte die odMtempje&lung. bee axe vom Blau gelesen heraurkam. oerftänbrnrlos an. „Sie erleben wohl allerlei?" fragte er endlich die starte in ben Händen drehend.
„Bände, mein Herr. Bände. Uber im allgewrinen fpridjt man nicht gern darüber Steden Sie bie starte nur ruhig ein. S, «ft nicht nötig, dah hier jemand weiß, wer ich bin. Vielleicht können Sie meine Kbrefle auch ferner mal brauchen. Man kamt nie wiffen. Es gibt Leute, über deren Vergangen- heil man gern Bescheid müßte, oder deren dunkle Neigungen wertvoll zu wrflen ünd. Hetze. Vielleicht find Sie auch mal ar. einem Eindruck; beteiligt — ich meine natürlich indirekt, als Betroffener ..."
Ds Betroffener?" fragte Grotleck besten Hirn zu kreisen begann. Wußte dieser striwening schon
alles? Spielte er mit Ihm wie Me staße mit der Maus?
Sleeeixing lachte hell auf. ..«in kleines Öen sprechen, mein Herr Betroffen — Ich meine, daß |o em Einbruch sie betreffen hat. Sie brauchen mich gor nicht so finster anzusehen."
©rotttrf zuckte Me Achseln. „Denn bei mir jemand einbricht, suche ich mit nach Geld."
Ausg,ieichnri Also auf gute stameraMchaft jedenfalls. Prost."
Grotieck steckte die starte ein. ^Ich kann es mir nicht verstellen, daß Ich je davon Gebrauch machen konnte."
„Sagen Sie das MAL Es passieren die wllsten Dinge. Neulich jutn Bnfptd: Eine alte, allein, stehende Dame hier, ziernllch wohlhabend und lehr menschenscheu mrrnnt sich rin Dienstmädchen. Sie müssen misten, trne verdammt ängstlich sie mar. Sie verschieß beim Schlafengehen die Tür mit Äunft- schloß. Siegeln und Quent»ngen. sie stellte sogar einen Eimer Master und em paar Besen davor, um den Lärm de» Einbrechers nicht zu überhören."
„Cie hatte sich einen Hund hatten sollen *
„Ging nicht, Verehrtester. Sit hatte doch heben Katzen. Sieben fette statzenmccher, bie überall am- hetlagen Die Lohnuiw roch danach Aber für sie mar es mahl das schc»nfte Parfum.
..Pfui Teufel!* Je länger stieuremug «zutztte. desto mehr fuhttc Grolles ich von seine« muern Druck befreit. Er konnte fd>on wieder loch. •
..Das wollen Sie: die Geschmäcker find verschieden. Das neue 0ienstmadchen haue le.rie Papiere. Es mar eine junge, kräftige, bescheidene Person. Bel Tageslicht ging sie nutzt gern aus, um den lüfterwen Augen der Monver ju entgehen.* Cr meckerte ^e, so besorgt «ar dies Mädcheu um seinen Kus *
»Und bann?* fragte ©rottetf, wider Äflei ge» fponnt
Jlnb bann? Sie oerfchob Me Besorgung her Pa- Siere von log zu Tag. Aber dar gab nicht deu u»schlag. Eines Tage» sah bi« «tte. daß ihre Frieda d« fetteste der Katzen mtt dem Fuß eil bißchen unsanft berührte Da war e» vorbei mll ihrem Glauben an bie Menschheit, tmb T* trieptzv- nierte mich an *
„Das sollten Sie tun?*
„Beobachten. Sch pappte mir ein schwarz, Bärt chen an, denn jene Mach war blond. Und ch kam
lef. Die Fahrgäste nahmen für ihn unb gegen ben Schiffner Partei, ber Ichiieft ich dm Dagen zum Hallen brachte imb einen Schutzmann zu Hilfe rief. Auch dieser konnte aber bie .Doktor- trage nid?: Hätrii. war eine richtig«
IkrL brtürmng eingetreten, der Schaffner brülltet brr der Uxrßen Vkaus noch :nehe. und
Passagiere waren durch das AnP.isten des xahi ieuges erst re* aus- r Rand und Band. 3n dem großen Durcheinander, das der steinen eiager^ i rckfenbar auf b.e Aorven gefeDtm war. entschlüpfte Mek - und ir.irb nicht meße gesehen. 3* Berber wird nun die Londoner Omnidus- geffellschaft wegen .Beraubung" nerstagen.
roistpi wird tfwibmnft nrrftfifle-rt.
(m Moskau.
Die Sowjetimwn hat bm 100. Geburtstag V** Xolftot# zu großartigen Feiern benutzt in denen ber Verkünder des Evangeliums ber Menschenliebe, der Armut und ber Glrichbo- rrchb.gimg der Besitzenden und Mslof« all hitrenbei Geist des Kommunismu.» wub Vorkämpfer der heutigen ruMfchen Staatsordnung orie:ert wurde. 3n einigem -Bibelspruch dazu üebt das Verhalten ber Direktion berBldlw- chck von Etzarkofl. In Eharkefl hat man nämlich nor einigen Wochen eine Buchauktion beranfiallet Dabei murX-n bie Werke ToIstois. Turgenjew« imb Gsntfcha- rr»ws . nach Gewicht verfieigen Tolstok
pufttveife zum efflen. zw< iten und brütenI Die Bückxr von Flauheit, Daudet und anderer westlicher 34>ri HcUei aber würben sogar verbrannt. Wtrum? Weil alle diese Werke bet alleinseligmachenden, konnnunifistchen Doktrin zuwideilauten! -
Da» „nr<inriu*i!f - »on Philadrlphsa.
(r) Amsterdam.
dS Ist btt neueste Form der SeseMchaftsrwise, die Grsct^lechter gdrennt einzuschlsft-n, um gang „unter sich" zu fein Ein geschäu»tüchtiger Vwike« aus PMiebelphia organisierte Euco,»a-Relle>t .nur für Damen", und das erste amerckantscha ^Frauenschiss" ist vor hitwem in Rotterdam an* gekommen An der Reise nahmen rund siebzig Damen teU; alles .jüngere Jahrgänge' weich« Me .Reuerung" woh iiur aus Sens<itu>nslust auSprvbierien. Um so eher aU der geseMchaft- Ikbe Verkehr mit Herren durchaus nicht herbe*:en tft. 3n den Häfen können die Damen Hirten so t*I flc woUcn, mit das Schiff darf fe'.n männliches Individuum betreten Allerblngs best.ffp die gesamte Besagung b?» LurusdampietS au» Mämiern, und auch der Unternehmer reift selbst unk. Die Damen mit dem Motto .Mein Schiff ift nieme Burg" sollen einem holläiiMschen Re-' porter gegenüber c-in stimmig erklärt h.iben, baft das Recken aus dicke Wckse unverglebtzlich bequemer und — erlebnisreicher sei als bi der .hemmenden" Begleitung von Heroen...
Die kostümierten Parabic-frsmensche«.
fe) Vteg.
3n ber Stadt Hvri tz vn Bähoierwold finden angenbffckffch Festspiele statt. Die Darsteller. M« sich durchweg aus Bauern refturtcren, spt en auf einer frei.ichi'.nibiie biblisch. Stück« ’.-t ber letzten Borstellun« wurde folgendes P i auSgehängt
.Der Sündenfall um ParadiesI - Drohes dramatisches Vchauspiell — Historische Kostüme."
Ratürlich strömten die Menschen aus Hefe Ankündigung hin äu ber TofftcHung — doch mußten Tie zu ihrem Leibwe'cn Icftfieflen, bah von ben biftonfdKTi .Trachten" bes Paradtescs ke.ne Rede fein konnte, da Adam und Coa rcchl brav befietbet erschienen
Die rotliaarizc Geisha
(c) Tokio.
6tne steine Geisha hat in Dokvhama aus dem Gebsei ber Kosmetik eine Revolution oeranflal- let. Du junge Dame färbte ihr Haar noch europäischem Muster brennend rot, wofür in bet Drichichtc Japans kein Beispiel zu finden ift. 3n ^'PPvn tft ja sogar das Haarfärben an sich eine äußerste S.ltenhrit. mm noch gar das 2Lot- fätbeni Die steine Geisha wurde deshalb überall wo sie aufiauchte, ausaelacht. anb « gab natürtid) auch solche die sich übet beim Berttoß
als Vertreter einet Staub|auaerfirma. wett ich |o t>ne halbe Stunde in ber Wohnung gubnngen konnte, öährcnb ber Apparat wer ein wahnlmnia gemorbeiree «rokodtt heulte, wars Ich der »ack oet» lieble Blicke zu. Sie ging aber nicht barauj ein, befte. Und bann besah ich heimlich ihr Zimmer und sand einen Rasierapparat mit allen Schikanen."
,^3on einem Freund?"
„Da» war auch mein erster Gedanke. Ader mein zwetter mar. es ift gar kein Mädchen. Ihr (Bang »ar ein bißchen sehr derb, und ihr xopfbaar schien mir gerade fo echt tm, mein Bart. „Gnädig, Frau," |agir ich. .^tzr Madcknn ist ein verkleideter Mannl" Die Lite starrte mich einen Augenblick an, wurde räfebteid) und. dvm». fiel fit um.*
„Das haben sie sehr blefret gemacht, Herr Kiewe- nlna*
„Man tut, wo, man kann. Da» Beft, kommt aber: das Mädchen war ein schwerer Junge, der an «ist- chen ÄaubübcrfaUtn bUcUigt war Tat mar eie großer Tag für den vtolus
„Und die alte Dame?"
«Sie lag ein pao£ Wochen im Krankenhaus. Rervenknock-. Dillen Sie. Aber die Haupftache mar ja, baß mein Institut das Rennen moA*, *
„Natürlich, das war die Hauplfache. Prost!" Diesen Schmutzet bitte cr uderschatzrn fonnee? Alle Wolken waren weggcblafee. Die Veit und da» Leben mar eine patente Erfindung. E- mar Echer- Uch, unruhig zu fein, bloß, weil man Geld ln der Talche trug, bas einem vom Himmel gefallen war.
, Dar hier in der Nähe nutzt vorhin eine Schtagerri?*, fragte er plötzlich, fast ohne fich der frage bewußt zu werden
„gier? Nicht da» iw wüßte "
"Und draußen im Mauergang?" Grotteck prüfte ihn aufmerksam. „Es soll sogar ein Schuß gefallen fein."
.Kommt hier öfter vor Geht mich aber eicht» an. Es wird wohl <nid) nur ein» der rielen Märchen fein, m-t denen man unferefnen belästigt Ober haben 6ie es mit angeleben?*
Grotte^ konnte nur mit einem Kopffchüttel» antworten. Er hatte sich wohl doch zu weit vor- gewagt.
,.Na setzen fie wohl."
Eortsehllng folgt)


