Ausgabe 
27.6.1928
 
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Selbsterhaltung. Auch die unentbehrliche Ver­sorgung der heimischen Wirtschaft mit kolonialen R o h st o f f e n und der hin­reichende Absatz deutscher Jndustrieprodukte kön­nen nur durcy möglichste Unabhängigkeit Deutsch­lands onn ausländischen Produktions- und Msatz- stätten gesichert werden. Der wirtschaftliche und po­litische Friede unter den Völkern bleibt so lange ge­fährdet, als Deutschland nicht wie jede andere Wirl- schastsgroßmacht der Erde über hinreichend d e n Entfaltungsraum verfügt. Die plan- mäßige Erschliehnng aller Wirtschaftskräfte der Erde setzt voraus, daß die kolonialwirtschoftlichen Fähigkeiten der Deutschen nicht von dieser Gemein- schaftsaufgabe der Völker ausgeschlossen werden. Aus allen diesen Gründen erheben wir, unter Auf­rechterhaltung aller unserer kolonialen Rechtson. spräche, die Forderung auf sofortigen Wie­dereintritt Deutschlands in eine ak­tive Koloniolarbeit in eigenen Kolonial- gebieten". ________

Oer Volksbank-Prozeß in Wetzlar.

Arn Montag nahm vor dem Erweiterten Schöffengericht Wetzlar die Derhand- lung gegen den früheren Geschäftsführer Dre­scher der Volksbank Wetzlar ihren Anfang. Die Anklage lautet auf Unterschlagung, Urkun­denfälschung. Untreue, Betrug und Bilanzver­schleierung. Der Angeklagte befindet sich bereits seit Dezember v. 3. in Untersuchungshaft.

Aach Verlesung des Gröfsnungsbeschlusses gab der Angeklagte die Urkundenfälschungen zu. allerdings behauptete er, nickt zu seinem per­sönlichen Vorteil gehandelt, vielmehr diese Fäl­schungen im Interesse der Bank und zum Teil auch im Einverständnis mit einem Vorstands­mitglied vorgenommen zu haben. Ueber die übri­gen ihm zur Last gelegten Straftaten will er nichts wissen. Der Angeklagte gab dann vorerst, eine Schilderung seiner früheren Tätigkeit, wo­nach er 1905 im Gießener Bankhaus Hertz als Lehrling eintrat, dort bis 1909 verblieb. Danach übernahm er bet der Volksbank Edenkoben eine Buchhalterstelle. Die Verteidigung hob hervor, daß der Angeklagte aus der Stellung bei Bankier Hertz freiwillig ausgeschicden und nicht, wie in der ersten Verhandlung erwähnt war. wegen Unregelmäßigkeiten entlassen worden war. Ein Zeugnis aus dieser Stellung gelangte zur Ver­lesung. Dann begann die Militärzeit, und nach dem Kriege, am 1. April 1920, die Uebernahme der Geschäftsführung der Volksbank Wetzlar. Gr schilderte weiter, daß er keinen großen Aufwand in seinem Haushalt getrieben habe. Eine Jagd hatte er mit zwei weiteren Teilnehmern im Jahre 1922 gepachtet, deren Pacht im Jahre 1924 oder 1925 auf 900 Mk. festgesetzt worden war. In Spekulation will er lein Geld verloren haben.

Als Geschäftsführer der Dolksbank war er gleichzeitig Mitglied deS Vorstandes, der aus 3 Personen bestand. Ueber diesem stand der Aufsichtsrat mit 9 Personen. Sein Gehalt als Geschäftsführer betrug in 1924 400 Mk. und von 1925 ab 450 Mk. neben freier Wohnung. Um Verträge zu tätigen waren jeweils zwei Vorstandsmitglieder erforderlich, ebenso für Ge­währung von Kredit daS Einvernehmen des AufsichtSrats. Die Höchstgrenze für die Ge­währung von Krediten für Mitglieder war durch Beschluß der Generalversammlung auf 5000 Ml. festgesetzt. Nachdem im Juli 1925 eine Revision durch einen Revisor aus Kassel stattgefunden hatte, nahm derselbe Revisor etwa 5 Monate später wieder eine außerordentliche Revision vor, die aber auch nichts Wesentliches zutage förderte.

Erst anfangs 1927 kam die VerbandSleitung der ^Genossenschaften infolge des Rückgangs der Bi­lanzen zu der Vermutung, daß es bei der r Volksbank Wetzlar nicht ganz in Ordnung sei.

Der nach Wetzlar geschickte Verbandsrevisor Schneider stellte dann bei einer unverinuteten Revision die Verfehlungen des Angeklagten fest. 3m Verein mit den Feststellungen des heute als Sachrerstündigen fungiereirden vereidigten Büchersachverständrgen, Universitätsdozenten Ha r z m a n n kamen schließlich die Machen­schaften des AngeNagten an- Tageslicht. Sv z. B. entnahm er der VollSbank Kredite und schrieb, um seine Schulden zu verdecken, seinem Konto fingierte Einzahlungen gut. Einen Erlös aus verkauften Wertpapieren schrieb er statt der Volksbank seinem Konto gut. Um seine Schulden zu verdecken und bessere Bilanzen erscheinen zu lassen, arbeitete er vielfach mit fingierten Einzahlungen, die er inS Kassenbuch eintrug, nämlich am 30. 6. 24 2000 Mk., 30. 12. 24 4350 Mk.. 30. 6. 25 6000 Mk.. 30. 6. 26 3592 Mk. und 30. 12. 26 9200 Mk. Diese Beträge belastete er dann wieder seinem Konto. während er die 9200 Mk. auf dem Akzeptkontv ab» buchte, anscheinend weil die Gefahr der Ent­deckung hier geringer war. Die Bilanz von Ende 1926 präsentierte er mit 6672 Mk. Gewinn, während der Verlust fast 100 000 Mk. betrug, entstanden durch Veruntreuungen ,md leicht­fertige Kredithingabe. An die Metallgießerei und Armaturenfcrbrik D. m. b. H.. deren Ge- sellschafter der Angeklagte war. bewilliate er einen Kredit von 29 rö7 Mk. Diese geriet danach mit dieser Schuldsumme in Konkurs. Für sich entnahm er 5500 Ml. und ließ den Betrag über fremdes Konto auSbuchen. Eme Uebcr- weisung von 1000 Mark auf andere Dank geschah, ohne daß sein Konto damit belastet wurde. Um eine Schuld der Metallgießerei verschwinden zu lassen, erfolgte Falschbuchung von 20 000 Mk., so daß sich die Schuld um diesen Betrag er­mäßigte. Diese Zatschbuchung wurde aber wieder ri4)tig gestellt. Um eine weitere Falschbuchung zu Gunsten der Metallgießerei zu vertuschen, radierte er den Betrag weg. während die Schluß- additrm stehen blieb. Eine Reichsbankquittung über 34 100 Mk. Vorkriegs- und Kriegsanleihe wurde durck 'Dorsetzen der Zahl 1 auf 134100 Mark erhöht, um einen höheren Wertpapierde­stand erscheinen zu lassen, sowie Unterschlagungen zu verdecken.

Der Angeklagte ist bezüglich der bis jetzt besprochenen Fälle nur wenig geständig und versucht, vieles zu entstellen und Vorstands­mitglieder zu belasten. Obei einer derartigen Be- schmdigung deS Borstandsmitg iedeS durch den Angeklagten kam es zwischen Dem Vorsitzenden und dem Verteidiger zu einem Zu­sammenstoß. wobei letzterem vom Vor­sitzenden das Wort entzogen wurde, wäh­rend der Verteidiger den Vorsitzenden als be­fangen ablehnte. Die Verhandlung wurde darauf zwecks Herbeiführung eines Beschlusses durch das Landgericht Limburg um 3 Stunden unter­brochen. Es kam jedoch nicht zur Entscheidung über die Ablehnung des Vorsitzenden, da der

Das 75. Feldbergfest.

Sonderbericht des ..Gießener Anzeigers".

Der Große Jeldberg im Taunus sah am Sonntag die Turner des Mitlelthein- gebiete» zu frischem Wettkampf in großer Zahl vereinigt. Es war alles, wie gewohnt. Rur der Himmel hielt sich nicht an die Tradition, mit der er vielen, vielen Feldbergfesten den Stempel aufgedrückt hat. Er hatte als schönste Iubiläumsgabe dem Jubelfeste Prachtwetter be­schert. das den etwa 1600 Wettkämpfern aus 220 Vereinen und den Tausenden Festbesuchern den Aufenthalt auf der historischen Turnstätte zur Lust machte nach den langen Tagen eines regnerischen kalten Vorsommers.

Tie Zubiläumsscicrlichkeiten

am Samstagabend waren erfüllt von den riesen Gedanken (^huschen Turnertums und getragen von der immer noch frifchen Kraft turnerischen Gemeinschaftslebens. Das stimmungsvolle Wer- he spiel der Spielschar des Wain-TaunuS- Gaues am sagenumwobenen Brunhildisfelsen zog jeden einzelnen der großen Fe st gemein de in seinen Bann. Der feierliche Fackeltanz der Tur­nerinnen der Turngemeinde Rödelheim gab die rechte Einstimmung zu der eigentlichen Sonnen­wendfeier. Das hochauflodernde Freuden­feuer, dessen Symbol Prof. Bender, Frank­furt in zündender Feuerrede deutete, entbot den Feldberg- und Turnfreunden des Borlandes den Zeldberg- unö Turnergruh und ließ auch sie im Geiste die Feierstunde miterleben. Die Feidberg- hauser vereinigten dann bis zur Mitternachts­stunde eine große Festgemeinde zu froher Ge­selligkeit. Unter den zahlreichen Gratulanten, die dem Feldbergfest und seinem rührigen Au^ schuh Glückwünsche übermittelten, fehlten auch nicht die Turngemeinde Hanau und die Turn­vereine Offenbach, Butzbach und Frankfurt, die einst an der Wiege des Volksfestes ge­standen, oder an seiner Entwickelung erfolgreich mitgearbeitet haben. Der Sprecher der Hanauer überreichte dem Feldbergfest-Ausfchuh als Er­innerungsgabe ein wertvolles Blld August Schörttners, des in der Turnerbewegung der Sturmjahre 1848 und 1849 bekannt gewordenen Turner- und Frecheitskämpfers. Dezirksjugend- Pfleger Grebenstein, Frankfurt a.'M.. über­brachte die Grüße und Glückwünsche der Re­gierung und würdigte treffend die Gedanken Johns in ihrer Bedeutung für unsere Zeit.

3m Zeichen des Jubiläum« stand auch die Eröffnung des

Wetturnens

in der Frühe des Sonntag«. Philipp Röbig, Rödelheim, der bewährte Vorsitzende des Feld- berg-Ausschusfes, entbot seinen in langen Reihen angetretenen Turnern den mit Begeisterung auf- genommenen Gutheil-Gruß und hieß besonder- herzlich willkommen die Vertreter der staat­lichen Behörden und den gesamten Kreisvorstand des Mittelrheinkreises der D.T. Der Feldberg- sest-Ausschuß freue sich, vor berufenen Gästen zeigen zu können, daß er eS ernst meine mit den dem Volk und Vaterland dienenden Be­strebungen. Der Kassenwart der D. T. und zweite Kreisvertreter des Mittelrheinkreises, Kommerzienrat Schill, Osthofen, ehrte die Ver­dienste Philipp Aöbigs. der seit 25 3cchren an der Spitze des Feldberg-Ausschusses steht, durch Ueberreichung einer kunstvollen Urkunde, die dem unermüdlichen Turnersührer den Dank des Mittelrheinkreises und des Feldbergfest-AuS- schusses ausspricht. An den alten Feldberg­getreuen Fritz Engel, Wiesbaden, der seit 1901 Dem Zeldbergsest-Ausschuß als Obmann ange- hort, tonnte der Vertreter der D.T. die höchste turnerische Auszeichnung, die Ehren-Ur- künde der D. T., aushändigen. Für den Main- Taunus-Gau fand Landrat A pel, Höchst a. M., treffliche Worte der Begrüßung, die seines Verständnis für das edle Streben der Turner­schaft verrieten. 3m Auftrage des Regierungs­präsidenten ehrte der Redner die Verdienste des Vorsitzenden des Feldbergfest-Ausschusses durch Ueberreichung einer wertvollen Plakette. Der Kreisvertreler des Mittelrheinkreises, Fabrikant A. Pfeiffer, Wetzlar, verband mit seinem Gruß an die Turner und Festgäste den Wunsch, daß der Feldbera der. Turnerschaft als kost­bares Kleinod erhalten und nicht wieder durch frembc Machthaber versperrt werden möge. 3n allen Ansprachen tarn mit Stolz die Bedeutung zum Ausdruck, die der Feldberg in der Turn- und auch der Geistesgeschichte des vergangenen Jahrhunderts einnimmt.

Die Ansprachen vor dem Werturnen beschloß Fritz Engel mit einem humorvollen Dankes- wort, um anschließend die Turner und Turnerin­nen zur ernsten Arbeit des Tages aufzurufen.

Diese wurde unter Leitung des OberturnwarteS 5 riebe. Frankfurt a. M.. mit allgemeinen Frei­übungen begonnen, die eindrucksvoll zur Durch­führung kamen. 3n 36 Riegen nahmen dann die volkstümlichen Wettkämpfe tKugelstoßen, Lauf. Weitsprung, Freiübung für Turner. Jugend- turnet und Allersturner: Lauf, Kugelstoßen, Hochsprung. Freiübung für Turnerinnen) einen flotten Berlauf. Den Ginzelkümpfen folg­ten die iroch spannenderen historischen Wann­schaftskämpfe. Ss bewarben sich um daS Bblfungenhorn drei, um den Iahnsch i l d neun, um den Brunhildensschilb fünf Mannschaften. Es wurden im allgemeinen recht ansprechende Leistungen geboten.

Mil der Siegerverkündigung fand das in jeder Beziehung wohlvorbereitete und wohlverlaufen« 75. Feldärgfest den würdigen AuSklang.

Oie Erfolge der heimischen Turner.

3n sehr großer Zahl nahmen Turner aus dem Turngau Hessen nach altem Brauche al« Wettkämpfer, Kampfrichter oder Festbesucher am

Feldbergfest teil. Die sehr umkangreiche Sreger- lifte weist für unseren Heimatgau inflgc'amt 57 Sinzelsiege und einen Mann­schaftssieg auf. DaS ist mit die höchste Zahl von Erfolgen, die vom Gau jemals beim Feldberg- fest erreicht worden ist. 3m einzelnen verteilen sich die Siege wie folgt M. = Männer. 3. = Zugendturner. QL = Altersturner. T Turne­rinnen): Ä_ .

Männer turnverernGteßen 13 © t e gc (3 M.. 3 3., 6 T., 1 Mannschaftssieg): Tv. 1860 Bad-Rauheim 10 Siege (7 M..23.1 A.): Tv. 1 84 6 GießenS Siege (3 M.. 3 3.. 2 QL); T xl Spv. Butzbach 8 Siege (2 W-, 2 3-, 1 A. 3 2.); Tgm. Friedberg 7 Siege (2 M.. 3 3.. 2 T.); Tv. Lang-D önS 4 Siege (3 3.. 1 QL); Tv. TreiS a. d. Lda. 2 Stege (1 M.. 1 3.): Tv. Haina 2 Siege (1 M., 1 QL); Tv. Großen-Linden 1 3.; Tv. Wetzlar 1 W.; Tv. Grünberg 1 3.; Tv. Rieder- Wöll st a d t 1 M.

Die unten stehende Rangfolge beweist. daß unsere Hessenturner zum Teil ganz vorzüglich abgeschnitten haben. Das zeigt sich auch bet einigen Einzelleistungen. Ss sei hier nur cr- toäfrnt der Freihochsprung der Gießener Turnerin Else Bickelhaupt von 1.55 Meter, die am meisten bestaunte Leistung des Tages, da es sich um eine ganz hervorragend beachtliche Höchstleistung handelt. Auch der Mannschaftssieg der Gießener Tur­nerinnen vom Mtv. ist ein Erfolg, auf den der ganze Gau stolz sein darf.

Rachfolgend sind wir in der Lage. Die Erfolge des Gaues Hes en im einzelnen nennen zu können. Der Auszug aus der Siegerliste enthält in jeder Stufe die ersten Sieger, dann die Erfolge deS Gaues Hessen. _

Männer (512 Bewerber, 380 Sieger): 1.Sieg: B. Siegemund, Tgd. Bockenhrim. S. Wengenroth. Tv. 1860 Frankfurt a .M.. 87 P.: 2. E. Weiland, Tv Bieber, 86 P.; 3. K. Groß. Tv. 1817 Mainz, 84 P.: 11. Peter Boltz. Tv. 1860 Bad-Rauheim, Theo Koch. Tv. 1860 Bad-Rauheim. 76 P.; 14. Dr. K. Hofmann. Tgm. Friedberg. 73 P.: 16 L. Malkomesius, Mtv. Gießen, W. Sinnwell, Tv. 1860 Bad-Rauheim. 71 P.: 21. Karl Bern­hardt. Tv. Rieder-Wällstadt. R. Wagner. T. u. Sp. Butzbach. 66 P.: 23. W- Roth, Tv. 1860 Bad-Rauheim, W. Glock. T. u. Sp. Bufchach, 64 P.; 25. R. Wiener, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 62 P; 27. W. Reitz, Tv. 1846 Gießen. Kurt Walter, Tv. Treis a. d. da., 60 P.: 28. Walter Loh, Tv. 1846 Gießen, E. Reinhard, ^.v. 1860 Dad-Qiaaheim. Rudolf Spuck. Mtv. Gießen. QL Frackmann. Tv. Haina. 59 P.; 30. H. Deckent. Tgm. Friedberg. W. Bornemann, -in. 1860 Bad-Rauheim. Karl Ludewig, Tv. Wetzlar, 57 P.; 32. Artur Krelling, Mtv. Gießen. W. Arzbacher. Tv. 1846 Gießen, 55 P.

3ugendturner (352 Bewerber, 218Sieger): 1. -2L Ritzel. Tv. Bieber. R. Reichert, Tv. Offen­bach a. W.. W. Leichum, Tv. Reu-Vsenburg. 78 P.; 2. E. Bangert, Tv. Offenbach a. M., 77 P.: 3. Heinz Rothermel, Mtv. Gießen. 74 P.; 6. (5t Smarzynski, Tv. 1860 Bad-Rau- heim 71 P.; 9. Karl Müller, Tv. LanggönS. Erich Seib, Mtv. Gießen, 58 P.: 10. Franz Müller, Tv. 1846 Gießen. 67 P.: 11. Ä Bierwirth. Tv. 1860 Bad-Rauheim, Ernst Stengel. Tv. Großen-Linden, 66 P.; 12. Willi Dem, Tv Lang-Göns, 65 P.; 13. Otto Jüngst. Tv. 1846 Gießen, 64 P.; 14. Hugo Müller. Tgm. Fried­berg. QI. Bender, T. u. Spv. Butzbach. 63 P-: 15 Wilh. Dreier. Tv. Lang-Göns. W. Reinhardt, Tgm. Friedberg. 62 P. . 16. L. Urft. T. u. Spv. Butzbach, 61 P.: 17. K. Grieshaber. Tgm. Fried­berg 60 P.; 18. Kart Horeyseck. Tv. 1846 Gießen, Hans Schütz. Mtv. Gießen, Otto Matthies, Tv. Grünberg. 59 P.: 23. Karl Lein­weber. Tv. Trei« a. d. L.. 54 P.

Altersturner. 35 bis 39 3ahre (52 Dewer- ber 44 Sieger): 1. H. Sitberreis, Tgm. Unter« liederbach. 91 P.: 2. F. Fritfchler, Tgm. Bocken- hcim 85 P.: 3. G. Wespi. Tgm. Unterliederback. 84 P ; 8. F. Schefte, T. u. Spv. Butzbach, 74 P.. 21. Wilh. Keßler. Tv. Lang-Göns, 58 P.

Altersturner, über 40 3obre (99 Be­werber, 88 Sieger): 1. D. Arlt. Tv. Bad Ems, 98 P.; 2. QL Well. Tv. Hofheim. 93 P.; 3. W. Burkert, Tv. 1860 Frankfurt a. W. Fr. Kotier, Tv Homburg v. d. H.. 91 P . 8. Hrch. Glimmer. Tv. Haina. 85 P., 17. Hrch. Hamel. Tv. 1846 Gießen. 75 P.; 19. Qlnton Feuerstein, Tv. 1860 Bad-Rauheim. 73 P.: 37. Fr. Wiegand. Tv. 1846 Gießen. 54 P.

Turnerinnen (147 Bewerberinnen. 102 Siegerinnen): 1. Gertrud Rlüller, Tv. 1817 Mainz, 86 P 2. Else Bickelhaupt, Mtv. Gießen, 83 P.: 3. Elisabeth Schauh. Eintracht Wiesbaden, 76 P.. 10. Tilli Efpach, Mtv. Gießen, 66 P; 11 Elli Langbein. T. u. Sp. Butzbach. 64 P.: 12. Erna Althaus. Mtv. Gießen. 63 P.; 16. Paula Hofmann. Wtv. Gießen. 59 P.; 17. Elisabeth Krvhmann. Tgm. Friedberg. Hanni Graf, T. u. Sp. Butzbach, 58 P.; 18. Loni Hel- duser. T. u. Spv. Butzl«ch. Eharlotte Amend. Mw. Gießen. 57 Punkte: 20. Ria Schwan. Mtv. Gießen. 55 P ; 24. Ria Rvsenschon. Tgm. Friedberg. 51 P.

Mannschaftökampfc

Dölf ungenhorn (100-Weter-Lauf. Well- hochsprung, Schleuderballwurf, Freiübung; 'Ver­teidiger Tv. 1860 Frankfurt a. M); 1. Tv. Bieber.

Drunhildenschild (viermal 75-Meter» Pcndel-Staffel für Turnerinnen; Verteidiger Tv. 1817 Mainz): 1. Wtv. Gießen: 2. Tv. 1817 Mainz: 3. Tv. 1860 Frankfurt a. M.

3 a h n s ch i l d (fünfmal 100-Meter-Pendel- staffel; Verteidiger Tv. 1817 Mainz): 1. Tv. 1817 Mainz; 2. Tv. Völklingen (Saar): 3. Tv. Homburg v. d. H.

Verteidiger ferne Ablehnung wieder zurückzog. worauf um 14 Uhr die Verhandlung vertagt wurde Auch der Qlachmittag verllef mit der Befragung de« Qlngctlagten zu den einzelnen Pilnkten der Anklage. Ein alS Zeuge geladener trüberer Angestellter der DolkSbank vermag nichts Wesentliches zu befturden. Darauf wurde dic CSei terr crbanMung auf Diems tag vormittag vertagt.

Schwurgericht Gießen.

* Gießen. 26. Juni. Unter dem Vorsitz bei 2anDgerid?t6rat« Hirsch wurde heute gegen den Maschinisten Johann Z e i n i n q e r von Dießen wegen Meineids verhandelt.

Die Vernehmung de« Angeklagten und die Be­weisaufnahme ergaben folgende«: Dor einiger Zeit wollten der Qlngellagte und die Zeugen D. und V. eine« Abends noch in der Wirtschaft de« Zeugen P. ein Glas Bier trinken. P. verwei­gerte Da« mit Rücksicht auf di« Poi^erstünde. Die drei entfernten sich au« bet Wirtschaft; un­mittelbar Darauf wurde die Türe zum WirtS- zimmer von außen eingetreten. ES wurde ein Strafverfahren gegen V. eingeleitet und am 27. März 1928 der heutige Angeklagte dl« Zeuge vor dem Amtsgericht Gießen vernommen Er beschwor, nicht zu wissen, wer die Türe eingetre­ten habe und blieb auch auf Vorhalt bei dieser Angabe; B. habe sie aber nicht eingttreten. Ob V. sie ein getreten habe, wollte er auch nicht

wissen. Rach Verkündung de« Urteil« und bei gegen ihn wegen Weineidsverdachts erlassenen HaftbesehlS gab er Dann zu. selbst die Türe etn* getreten zu haben.

Staatsamvalt Fifcher beantragte unter De- rück'.chttgung Der Strafmilderung nach § IST St.G.B. eine Gefängnisstrafe von 6 Wonaten. Rechtsanwalt Rothenberger beantragte in erster S?inic Freilptechung, cs handle sich hier um einen straflosen Rücktritt vom versuchten Meii»- eid. Das Urteil lautete auf die Mindeststrafe von 4 Monaten 15 Tagen Gefängnis mit Rück'icht insbesondere darauf, daß Z. im wesentlichen geständig war und sich bei der Qkr- nehmung in einer gewissen Zwangslage befun­den hatte.

Oer Mordprozeß Wichmann.

WSR. Frankfurt a. M., 26. 3unL Qün zweiten VerhandlungSkag wird Wichmann zu­nächst über die Beziekmngen zu feinen Eltern vernommen. DaS Verhältnis zur Mutter wäre ein ganz besonder« gute« gewesen. Qluch au den übrigen Familienmitgliedern sühltz er sich hin- gezogen. Wichmann schllderte dann Tfen Her­gang der Tat. Einig« Tage vor der Tat, so gab er an. habe seine Frau, wie sie ihm erzählt hätte, ihrem Schwiegervater geschrieben, 3n einem Eilbrief habe fie um dringende Hilfe gebeten. Der Vorsitzende bemerkt, daß über die­sem Brief ein tiefe« Dunkel sctzoebe. da Frau Wichmann, wie sich in der Voruntersuchung er­geben habe, in Den letzten 3ahren niemals an ihren Schwiegervater geschrieben habe. Wich­mann erklärt dazu, daß er fest daran geglaubt habe, daß feine Frau ihren Schwiegervater um Hilfe angegangen fei. Wichmann gibt bann «ine eingehende Schilderung über den Verlauf der Tat. Am Qlbend de« 29. Februar fei er mit seiner Frau zusammen am Bahnhof gewesen und habe bis zur Qlnfunft de« letzten Zuge« aus Saarbrücken gewartet, weil er hoffte, daß je­mand aus feiner Familie kommen wurde, um Hilfe zu bringen. Qll« er sich in dieser Annahme getäuscht sah, sei er verzweifelt. Von nun an habe er keine genaue Erinnerung mehr an die Vorgänge. Er wisse nur noch, daß feine Frau zu essen verlangte, weil sie schon feit zwei Tagen nichts mehr ?u sich genommen hatte. Was sie in einer.Wirtschaft, in Die sie einkehrten, ge­gessen habe, wisse er nicht mehr. Spät abend« seien sie nach Hause gegangen. Don den Vor­gängen in der Wohnung will der Qlngeklagte nicht« mehr wissen. Er sah, so erllürte er. daß seine Frau im slackernden Licht einer Kerze Briefe schrieb. .Plotzllch fab ich die gebrochenen Augen meines Sohne« Hans. 3ch torkelte mit meiner Frau zusammen auf mein Bett und legte meinen Kopf in ihren Schoß. Qll« nächstes Bild sah ich, daß meine Frau Dai großen Wolfgang betten wollte, und dann fab ich gleichzeitig bei einem Blick in den Kinder­wagen. daß mein kleiner Friedel tot war. Darm sank ich auf meinem Bett zusammen und erwachte erst wieder, al« da« Tageslicht durch die Fenster­läden in« Zimmer fiel. Ick holte auf Verlangen meiner Frau Wasser. Dann betete ich mit meiner Frau. Wir küßten uns und baten Gott um Ver­zeihung. Dann legte sich meine Frau einen Rie­men um den Ha IS und hat mich inständig, zuzu- ziehen. Daraufhin machte ich längere Zeit ernste Selbstmordversuche. Ich wollte mich am Fenster- Haken erhängen, tarn aber nickt dazu, well ich immer mit den Füßen den Boden berührte. Als ich nun die gebrochenen Qluaen meiner Frau sah, tarn in mir ein starker Wille xum Leben auf. so daß ich nur noch das Verlangen hatte, tn« Freie zu kommen. Ich bin dann rn Der Stadt umbergeirrt" Der Vorsitzende macht dem An- gcITagten nun mehrere Vorhaltungen au« feiner Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter, wo Der Angeklagte zugegeben hatte, daß er zwei seiner Kinder erdrosselt habe. Der Qlngeklagte erklärt, daß er damals nicht in der Lage ge­wesen sei, selbst Sätze zu formulieren. In (einen vielen Vernehmungen vor dem Untersuchungs­richter habe er in erzählender Form über beit Hergang der Tat gesprochen. Dann habe ber Untersuchungsrichter diktiert

Rach der Verlesung der hinterlassenen Qib- schiedSbriefe und Briese an die Behörden folgt Die Vernehmung des ittrte rs uchungSrichter« Lanv- geci-chtsrat H e h m a n n. Die Frage bei Vor­sitzenden. ob Anhaltspunkte vorhanden wären, daß sich der Angeklagte einen Derartigen Her­gang zurecht gemacht haben tonne, verneint der ^lnterluchungsrichter. Wichmann war damals sehr herunter, und es wurde alle Rücksicht auf seinen Zustand genommen und der Tatkompleff so schnell al« möglich durchgeaangen. um W. menschlich zu schonen. Ss überrasche ihn, daß sich jetzt der Qlngellagte nicht mehr erinnern rönne.

In der Rachmittagssitzung folgte noch eine Sv- gänzung zur Vernehmung des Q(ng«iki$tei. Die Leiche der Frau Wichmann wurde in «tuet Lage gefunden, au« der zu folgern war. daß nach der Erwürgung die Leiche berumgelegt worden ist. Der Angekiaqte kann Dafür feint Erklärungen abgeben.

SrgreifenD war Dic Vernehmung des 7 2jäh- tiger. Vater« deS Angeklagten, der heule als pensionierter Beamter im Saargebiet lebt. Darüber befragt, ob in der Familie geistige Erkrankungen vorgekommen find, erklärt ber Zeuge, daß vor etwa 20 Jahren eint seiner Schwestern über Den Tod eines Kindes tief» s innig wurde. Andere Geschwister des Vaters Des Angeklagten sind an Tuberkulose gestorben. Ueber feinen Sohn äußerte fick der alte Wann 'ehr gut. Der Angeklagte fei eine weiche Qlatur gewesen, der sich stet« mit VUten an die Mutier wandte. Der Zeuge meint, daß er vielleicht 'einen Sohn zu streng erzogen habe, und führt das Dertrauensverhältnis zwischen Sohn unh Mutter darauf zurück. Der Zeuge fei gegen Die eheliche Verbindung ferne« Sohnes gewesen, und Daraus erkläre sich, daß der Sohn nach lewer Hochzeit die Verbindung mit dem Eltemhaufe nicht mehr m bet früheren Weif« aufrecht er­hielt. Während der ganzen She hab« Die Frau de« Angeklagten nie an Di« Familie ihre« Mao- tx« geschrieben. Wit tränenerftidter Stimme be­kundet der Vater, daß sich fein Sohn wohl aus falscher Scham und aus falschem Ehrgefühl heraus nicht mehr an ihn gewandt habe.Ich hätte ihm geholfen, .ich bin doch sein Vater. Wäre der "Brief, den meine Schwiegertochter ge­schrieben hat, anflctontmcn. wäre da« nicht va'siert F Die Schwester des Angeklagten unter* stützte im wesentlichen die Angaben des Vater« Wichmann.

SloüteanmaUjdiaftsrat Dr. Berndt beantragte um 3.30 Ubr, dic BcrhaillUung zu otrtaaen, do Die schweren Aufgaben, Die an all» ProzegbeteillgteU

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