Sreltag, 27. April 1928
178. Jahrgang
ttr. 99 Erstes Flatt
Drod mb Derlog: vrühl'fchc Untoerfitäu Bud)« unö Stctnöruderet H. Lange tn Sietzen. Lchnftletrnng und SeschäflrtzeLe: Stulttra^e L
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Vor den Stichwahlen in Frankreich
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b u n be 8 beantragt hoben. Ber Redner fordert endlich Vorlage be8 neuen Berwa Itungs- g« sehe 8 und des ® e m e i n b e beamten-
begegne hierbei einem gleichen Wunsche Her - r to 18, wirb Dom „Paris Midi" als jeglicher
Gruppe Marin sehr Diel mehr Rücksichten nehmet muh, als er es heute braucht.
Umbildung des Kabinetts poincars?
Paris, 26. April. ($11.) Der herckig« Ministerrat beschäftigte sich mit lausenden Angelegenheiten. Es ist anzunehmen, bah die Minister dabei auch aus die Wahlen vom 22. und 29. April zu sprechen kamen. DS wird aber in Abrede gestellt, bah sie bereits zu dem durch seine Wahlniederlage notwendig werdenden Rücktritt des Arbeitsministers F a l l i l r c 8 Stellung nahmen. Man glaubt, dah Poincar 4, der mit Bestimmtheit wieder Minister- Präsident des kommenden sranzösischen Kabinetts sein wird, die Gelegenheit deS Ausscheidens Follieres Aur Umbildung der neuen Regierung ornuhen wird. Man spr cht bereits davon, dah die Ersetzung von mindestens zwei, wenn nicht drei Ministern nötig werden wird. So werden die Hamen des HandelSministerS Bokanowski. der wegen seiner Zoll- und Lustsahrtpvlitik weithin Anstoß erregte, und des Kolonialministers Perrier genannt. DaS von der kommunistischen „Humanit?" wiedergegebene Gerücht, Poincars strebe nach der Ueber- nähme des Außenministeriums und
Händen der Reaktion, sie gehörten aber b le Hand bet Arbei ter.
Abg. I^echthien (Eoz)
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Cbefrebdkteur Dr Fnedr diltj Lange. Verantwortlich »ur Bohttii Dr Fr Will) Lange für Feuilleton Di fj Cibqnot, für den übrigen Teil Ernst Blumichein, für den Anzeigenteil kurt hillmann.
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MchenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhefsen
Oer neue Kurs in -er hessischen Verwaltung
Innenminister Leuschner vor dem Landtag.
tionen entsprechen würde.
pariser Wahlmathematik.
P a r i S . 26. Aprll. (TU.) Die Pariser Blätter betreiben vor der Wahl am kommenden Sonntag ausS lebhafteste Wahlmathematik. Der „3n* tranfigeant" erklärt, er habe berechnet, daß der neuen Kammer 3 4 0 b i 8 85 0 Abgeordnete angehören werden, die aus dem Boden ber PoincarLschen Politik stunden. Er sei zu diesem Ergebnis gelangt, nachdem er alle zweifelhaften Fälle ausgeschieden und die WaU» fombination aufS sorgfältigste berücksichtigt habe. Sollte diese Voraussage des „Ontranfigcant“ zu- treffen, so wird man nach den Wahlen mit einer Rechtsregierung unter ber Leitung Poin - c a r 6 8 rechnen müssen, der als Vertreter der Linksparteien außer Herriot undBriand niemand angehören dürfte. Eine Anzahl von 350 Anhängern Poincares tn ber Kammer würde diesem eine Mehrheil von über hundert Stimmen geben und eine Regierung Poin- car6 bis zu den nächsten Wahlen in vier Jahren sichern. Dieser Auffassung deS rechtsstehenden .Cntranfigeant“ stehen wesentlich andere Voraussagungen der linksstehenden Presse arge nüber, die daraus hinwttst, daß der zweite Wahlgang nicht eine wesentliche Berichtigung des ersten Wahlganges bringen werde. Cs sei wahrscheinlich, dah die neue Kammer und damit auch das neue Kabinett sich nicht wesentlich von dem alten unterscheiden werde.
r io 18. wird Dom „Paris Midi" als jcgl , Grundlage entbehrend bezeichnet. DaS Verbleiben PoincarLS t m Finanzministerium wird von dem Blatte als sur die
gesetzeS. Sobald ein Teil d*S Verwaltung <- g.setzeS fertig sei. wünscht er Vorlage im La d- tag. Am Straßenbau, namentlich in Ober- Hessen. müsse mit aller öxrg-.e gearbeitet werden. Die Umbildung ber Kreise will der Redner blS zur Vorlage des Gutachtens des SparlommissarS zurück st eilen. Mit den Zuschlägen der Gemeinden zur Einkommensteuer lei eS nichts. Der Loh iabzug sei h.er kaum gangbar. Die Erwerbslosen- und Krisen- sür sorge drucke besonder- aut be.i Gemein ^e- säckel Der Innenminisrer möge seine Ausinerk- famteit besonder- dieser Frag.' zuwenden.
Aba. Sterner (On >
Aba. Werner (Dn.) wünscht ebenfalls Vorlage des Verwaltungsgesetze-. Die Umänderung der Kreise sei dringend ersorderiich. Der Beseitigung der Exklaven solle man sich wohlwollend nähern. Wie solle der dezentralistette Einheitsstaat der Demokraten und seine behauptete Billigkeit aussehen? Gerade die kleinen Orte würden bei dem Einheitsstaat schlecht abschnciden. Gerade die Sozialdemokraten haben scharfe Ausnahmegesetze gegen ihre politischen Gegner anaewandt. Die Nationalsozialisten seien wie in Preußen auch in Hessen verboten worden. Für den Heutiyen Ueberpariamcntarlsmus lehnten die Deutschnationalen die Verantwortung ab. Die Sozialdemokraten wollten ihre Anhänger nur in die oberen Beamtenstellen setzen Die non der Linken geforderte Demokratisierung der Der- roaltung werde unter Umständen dazu führen, daß die höheren Beamten mit ihrer Vorbildung ihre
Währungs-. Stabllisierungs- und Amortisie- rungspolltik sowie das Gleichgewicht deS Staatshaushaltes für notwendig erachtet. Wit der Durchführung dieser Pläne würde mindestens daS Ende des Jahres herannahen, toäf): amerikanischen Dahlen dann eine S ch r e g e l u n g ermöglichen könnten, die den Anregungen PvincareS für die Dutzbo r m a - chung der deutschen D a w e s-O b ! ig o -
Die „Bremen"-Flieger verlosten Greenly Island.
Auf dem -luge nach rSafßtngtou
Quebec, 26. April. (UNS) Die „BremaT- flrgrr. die heute früh in einem Fordslugzeug Bixenlg Island verließen, sind heute nachmittag L52 Uhr amerikanischer Feit In Lake St. Agne» l«l a n b e L Infolge eine» versehen» erhielt die .Bremen" keine Schneeknsen. Dieser Um- ueb in Verbindung mit ber Feststellung eine» 1 o I o r b e | e f I • unb mit bem eingetretenen Tau- »öfter bestimmte bie F'.ieger, die „Bremen" ju- Lckzvtassen Bach ber Ei,schmelze wirb bie .Bremen", durch einen Dampfer a b g e h o 11 wer- lew. Da» Jorbflugteug mit Köhl. Jltjmaurice und i. hünesetd wird am Freitag früh um b Uhr In Zote $1. Agne» starten und unmittelbar nach ÜMa | b I n g I o n fliegen, um bem Andenken des erstorbenen Jliegere Benne t eine Huldigung io rjubdngen. Da» Flugzeug wird von Balchen ge- Wt werden Die sterblichen Reste de» Jlieger» Jsmet werden morgen nachmittag auf dem Ehren- M kdhos von Ar11ngton In Gegenwart mehrerer fiebinett»mitglicber mit mlUlärifchen Ehren dei- ießtht roerben. Auch ber deutsche Botschaf- lt r o. prillwitz und Gassron wird der Beisetzung Bannet» In tirtlnglon beiwohnen und einen Kran; nm Grabe nieder legen.
General Nobile beim Reichspräsidenien.
Ur | ch ««»> iS glich, outzei Sonniag» enb Feiertag»
Beilegen
Stetzei»ei FamUiendläNe» Heimat im Bild
Di» 5d)oQe
Keiats-Bejegspret».
T Reichsmark unb 20 Keichspfeenig für Träger, lohn, auch bei Nichterscheinen etn;etnertttummeni »folge höhere, Gewalt, gernsprechanichlvsle: 51. 54 und 112
Ln sch riß für Drohtnach- ttchten Hnjelger »tetzeB. poIscheSkontv: frenffnrl am Main 116M.
Berlin. 26 April (WTB ) Reichspräfl- .ent d. fjlnbenburj empfing heute den Fuh t,-r des Italienischen Polarlustsch sses, General Noll le. Im Laufe der längeren Unterhaltung sprach General Nobile dem Herrn Reichsvräsibenten sei- • en Dank für die Unter st utzung und len Empfang aus, den er und fein Luftschiff In Deutschland gesunden haben Der Reichs- •rfiflbent beglückwünschte General Nobile für seinen fieberigen großen (Frfofa und gab in herzlichen Berten her zuversichtlichen Erwartung Ausdruck.
auch fein Nordpolflug von Gelingen und k,s o l g gekrönt fein werde. Dem Empfang neunten der königlich italienifche Botfchaster, Cent e Aldrooandi Marescotti, sowie cLaatefefrelär Meißner bet. ,
3m Gegensatz zu vielsach verbreiteten Nachrich- ■ kh, daß General Nobile schon Ende dieser -Joche nach Spitzbergen von Stolp abfliegen ^erbe, Ist feftjuftcUen, daß der Abflug nicht vor - er ersten Malwoche stattfinden wird, aus ;?gn einfachen Grunde, weil das Luftschiff „Italia" -jetzt abfliegen kann, bi» das Schiff „<T 11 ta (I Milano" in der »Inflflbag clngetrof- if n ist. Da fetzt aber das Eis das Abkommen des Riffes in Kingsban vor der ersten Maiwoche sehr lavahrscheinlich macht, so ist mit dem Abslua der Lalia" in den nächsten Tagen nicht zu rechnen.
stellt die Wichtigkeit d^s Innenministeriums .
die Sozialde.no: ratie als Reg.crungSpart i heraus. SiatSmäßig sei daS Ministeriu.n nicht sehr umstritten. Gerade die Kommunisten falltm keine unüberlegten Abstriche verlangen, denn t>;c Ausgaben des InnenministeriuinS seien namentlich m der Wohlsahrts-. der Krisen- und Arbeits- losensürsorge außerordentlich gestiegen. Wenn v. Keudell di« Psychologie des Volkes und Bismarcks Pollttk gekannt hätte, würde er jetzt kein Verbot des Roten Frontkämpfer-
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«’S® M '«TtfS nlA - Rheinische Dramv * Polyphon bis u ,ten- S'ngen sonst £ '«en nut selten über 1 "ursen von Aordd »er sind die Dezugr. m. Deutsche dlH Ausländer \ »u 1 Prozent °Ut dernochWyi. ^6,50 bis 1« Piv- 1 toat unMränbtrt. Mi. Honatigdb 1
ettoa l Promi Kursen wurde bdairt krate unverändey fi(. irbc es, mit Lisno^ 3, an dem nut !??-■ bhastet gehandelt.-/, :r. Eine starte fe- deioette. Dembn,-.- 18 8 Prozent ükln« 442 Prozent «gen. 4 Prrtzent Ltenz, Ais l vnest >nd auch men. Der Handel der > gering.
tteitebörft.
Upril Die Stimmung irkt wat heute zuver- i amerstauischen. Tkv . DaS * M axi. da auf dtt uz geübt wurde. Log' vMgi. 3m Zusammen^ ÜvggeMehl lebhasterrn n Ktlemittelmarkt lag ’angt. - Ss toutben aestmd, tnxfen. bi? ,50, Joggen 29,25 bi# 2775 bis 2825, Wais Wals lgelb) für andere , süddeutsches Spezial 0 Hs 39,50 bis 4i, Weizen- Meie 17. Tendenz fest achtvichmarkl.
S April. Auftrieb' zzSchase, 316 Schweine bet; W Wst. unb t mittl-« » unb ringe Kälber 50 Wj !t und jünger« 'M
60; mittlere Mist- LSS
Deutschland, Frankreich und England.
«amberlain über daS „Neue Europa".
! London, 27. April. (WTB. Funkspruch.)
3mf einem in Birmingham abgehaltenen Iahres- ber Englisch-französischen Gesellschaft au» jrtte sich ber Staatssekretär des Aeuheren Sir Tuften Ehamberiain, zu dem von Amerika tn ben letzten Tagen gemachten neuen Vorschlag an 5 Mk Rationen. Jeder Friedensvorschlag dieser Irrt werde von der englischen Regierung mit bereitwilligster AusrnerNamkeit und besonderer Jnnfl ausgenommen. Jeder Vorschlag, den Stieg ouS den Mitteln, die den Rattonen M Verfügung sieben, auSzuschließen. erlange die sorgfältigste Beachtung
Lhamberlain fuhr bann fort: Die Freund- «oft zwischen Frankreich und Eng- an d bildet die Grundlage, auf der bessere Beilegungen zwischen den europäischen Nationen und ^besondere bessere Beziehungen der beiden gemeinten Nationen zu Deutschland in den letzten :itr Jahren begründet wurden Ich bin der festen ! । isberzeugung, baß die Freundschaft zwischen r^ank- rid) und Großbritannien ein wesentlicher Wiktor für den Weltfrieden ist. Nicht -.Irin die Interesten der beiden Nationen machten ite engere Freundschaft und ein herzlicheres Ein- x-nehmen zur Pflicht, vielmehr war dies bie einige Bedingung, unter der bie Feindschaften, die in ü igfter Zeit Europa zersplitterten, im Verlauf der jet beseitigt werden können unb unter der e i n btu e 5 Europa errichtet werden kann. Nichts xx mich bei den Unterhaltungen in Locarno, z führte Chamberlain weiter aus, mehr erfreut, ’ls bie Gelegenheit, wo ich einem hervorragenben 3ertreter Deutschlands gegenüber der Hoffnung ünsbrurf verliey, daß im Laufe der Zeit die dort ! 2ti:crnommenen Schritte zu einer wirklichen Freund- ^ift zwischen denen führen möchte, die erst kürzlich |!] n Waffen einander gegenüber gestanden hatten. Jn jedoch kein Mißverständnis aufkommen zu las- *j'<era. fügte ich damals hinzu: „Eure Exzellenz wird licht annehmen, daß ich eine alte Freund- ha f t zu opfern gedenke, um eine neue rieundscha st zu gewinnen.' Der deutsche F?:treter erwiderte mir, niemand werbe ihn solcher - ’ SeDanten verbächtigen unb fügte hinzu, die Deut Wichen würden dies auch gar nicht wünschen, „denn Di t sehen in Ihrer Freundschaft die Sicherheit gegen tirae Wiederholung früherer Kriege".
Polizei müsse ba8 noch nachgeholt werben, waS beim hessischen Polizeigesetz wegen ber Finanzlage nicht möglich war. Der Redner fordert schärfste Durchführung des neuen Waffen- gesetzeS. Das beutsehc Volk brauche keine Wassen. Was sei bei bem Wafsensunb aul bem Lchissenberg herausgelornmen? Der Rebner fragt den Minister nach bem Stand ber Medizinalordnung, bem Gesetz für bie Ge- meinbebeamten unb der Bereinigung ber Gutsbezirke. Er erwartet von bem neuen Minister energisches Dorwärtstreiben.
Abg. v. b Schmidt iKomm.) setzt sich für den Einzug von Arbeitern in höhere Beamten stellen ein. Die Wassen bdlnben sich hnrte in den
Das auferftanbene Linkskarlell.
Der starte Erfolg ber Rechten bei den fran- Lösischen Wahlen hat doch bie eine Wirkung gehabt, baß bie Parteien des ehemaligen ßrnti* kartellS, bie Rabikalfozialisten und die Sozialisten sich aus sich selbst besonnen haben unb nun große Anstrengungen machen, um bie Scharten des ersten Wahllampfes wieder auszumerzen. Sie reden sich in eine künstliche Siegeszuversicht hinein, damit auch stimmungsmäßig gerettet werden kann, was no$ zu retten ist. Ob aber der kühne Entschluß nicht viel zu spät kommt, kann erst der nächste Sonntag lehren. Die Katzensammerstimmung selbst freilich ist begreiflich. ber Unterschieb zu den Ergebnissen ber Kartellwahlen, über bie Poincarö stolperte, ist zu gewaltig, als baß er nicht nachdenklich stimmen sollte. Hätten bie Parteien vor bem ersten Wahlgang bie Lage richtig erkannt, bann würden sie nicht durch allzu große Zersplittr- rungen ihren Aussichten selbst geschad7t haben. Heute ist bie Entwicklung aus eine DaHn geschoben, von der sie nicht durch den Entschluß der Führer allein wieder hnuntergrhoben werden fann; zumal in Frankreich nicht, wo di« Begriffe von Parteidisziplin noch sehr viel lockerer sind als bei uns. Die zahlreichen KirchturmSpolittker. die unter der Firma irgendeiner Partei ihre Persönlichkeitsla-ibibatur aufgezogen haben, werden es sich doch stark überlegen, ob sie dem großen politischen Gedanken zuliebr Hre, wenn auch geringer gewordenen Aussichten opfern sollen, unb vor allem die Wähler liegen nicht so fest in ber Hand bet Parteileitung, daß sie sich einfach nach rechts oder links verschieben lassen. Die Gefahr der Absplitterung ist bei solchen Generaiabkommen sehr viel größer und kann in ber Stichwahl peinlich« Lieberraschungen bringen.
Begreiflich genug, daß zumal die Sozialisten entrüstet sind über bie Kommunisten, bie nicht so sehr auf eigenen Antrieb, wie auf Befehl aus Moskau alle ihre Äanbibaturen aufrecht erhalten unb im zweiten Wahlgang dadurch zu einer erheblichen Schwächung ber Linken beitragen müssen, die aber dadurch auch ihre Aussichten auf Mandatsgewinne gefährden. weil sie von den Sozialisten parteimäßig so gut tote gar keine Unterstützung zu erwarten haben. Inzwischen schreiben sich die Sozialisten die Finger wund, um nachzuweisen, daß ber Gewinn ber Kommunisten keineswegs so hoch ist. wie die Ziffern selbst beweisen. Sie kommen aber nicht darum herum, bah nun einmal i n Paris minbest ens jeder fünft« Wählet kommunistisch wählt. Das wird sich auch nicht ändern, selbst wenn die Kommunisten infolge ihrer Taktik nur mit wenigen Mandaten in die zweite Kammer einziehen. Aber es ist doch aeachtenSvert, daß im Rorden die Sozialisten gegen die Parteiparvle angehen und sich für die Unterstützung der Kommunisten entschieden haben, toährend gleichzeittg Leon Blum seinen unter den deprimierenden Wirkungen des ersten Augenblicks gefaßten Entschluß, zugunsten der Kommunisten seine Kandidatur zu- rückzuziehen. nicht durch'ühren darf, sondern s i ch wieder zur Wahl stellen muh. Wir werden schon wieder darüber belehrt, daß feine Wahl gesichert sei. Warten wir es ab. vorläufig sind trotz der Wiederbelebungsversuche des Kartells die Aussichten ber französischen Rechten auch für die Sttchwahl nicht ungünstig, unb das wirb sich bann auch außenpolitisch auswirken, während Herr PoincarL bann auf bie
Trotz des schönen Detters entwickelte die hessische Dolkflvertrctung auch am Donnerstag einen erstaunlichen ?*rbe.t&elfer. Sie erledigte den gesamten Etat des I mit Ausnahme de» Kapitels der Polizei, zu dem mehrere Adänderunasanträge ein- gelaufen waren. Mit triefen wird sich der Finanz ausschuh am Freitag vor der Plenarsitzung beschäftigen. Dem neuen hessischen Innenminister Leusch n e r wurden von den Rednern der verschiedenen Parteien zur Verwaltungsreform so zahlreiche vor- schlage und Wünsche unterbreitet, daß er mehrere Jahre zu tun haben könnte, um allen Anforderun- Sen gerecht zu werden. In seiner Rede gab er den Intragftellern die Versicherung, daß on verschie- denen gewünschten Vorlagen schon mit Hochdruck gearbeitet werde und daß einzelne bereits im Herbst dem Parlament vorliegen würden. Die Wünsche würden rasch durchgeführt und, wenn f)efien allein zuständig sei, erledig! werden, lieber die Auswirkungen der von ihm betriebenen Beamten- Politik könne man wohl erst in einigen Jahren sprechen. Dann werde sich erweisen, daß sie richtig gewesen sei. Die Opposition machte es heute dem Innenminister nicht allzu schwer, weil ein großer Teil aller Ausführungen eine Polemik gegen die Politik andersdenkender Mitglieder des Hohen Hau- ses war. Nachdem die Abstimmungsmaschine zwi- schendurch gearbeitet hatte, entstand bei dem Kapitel der Landesheil- und Pflegeanstatten noch eine sehr ausgedehnte Debatte über die Frage, ob den Anstalten gestattet werden solle, ihren landwirtschaftlichen Betrieb zu erweitern. Besonders der Bauernbund wandte sich scharf dagegen. Eine letzte Erregung flammte noch einmal bei den roeniacn Abgeordneten auf, die solange ausgehatten hatten, als Abg. Werner sich für die Sterilisierung unheilbar Kranker einsetzte. Um 2.30 Uhr schloß Vizepräsident Helmvlt die Sitzung, da bei dem kleinen Kreis der Abgeordneten ein« Abstimmung nicht mehr möglich war.
Sitzungsbericht.
Darmstadt, 26. April. (WHP.) Pünttlich um 10.15 Uhr eröffnet Präsident Delp da» auf den Tribünen und im Saal gut besetzte Hau». Aus der Tagesordnung steht der Etat des Innern. Aus eine kommunistische kleine Anfrage: Ist der Regierung bekannt, daß die blaue Polizei mit der Schutzpolizei unb der Gendarmerie gemeinsam militärische Hebungen veranstaltet? Zu welchem Zwecke werden bic^e Hebungen vorgenommen? Was acbenft die Regierung zu tun, um die Militarisierung Oer blauen Polizei abzustellen? antwortet Ministerialrat Spa- mir: Es ist der Regierung nicht bekannt, daß die blaue Polizei mit der Schutzpolizei und der Gendar- mcric gemeinsam militärische Hebungen veranstaltet.
Abg. Schreiber (Dem.) verzeichnet als Symptom der srühereu Debatten über den 3nn«n«tat, dah die Rechte seinerzeit stets dem Innenminister v. Brentano ihr Vertrauen aussprach, wahrend die Linke wesentlich skeptischer war. Heute sei die Lage umgekehrt, und wenn die Demokratisierung der Verwaltung erst erfolge, werde wohl der Sturm der Rechten gegen den neuen 3nncn- minister einsetzen. ES genüge nicht, auf den Boden der gegebenen Tattachen sich zu stellen. Ramentlich in den oberen Deamtengruppen müsse die Liebe zur Republik noch einlehren. Auch für Republikaner gelte der Rachweis der Qualifikation, und die Demokraten wollten ebenfalls das DerusSbeamtentum erhalten. Eine der besonderen Ausgaben des Innenministers sei die überall geforderte Verwaltungsreform. Voraussetzung sei jedoch die Reform der innerstaatlichen Derhältnille. Gut ein Drittel der Verwaltungskosten werde durch den Dualismus von Reich und Ländern verbraucht. Der Redner setzt sich für eine bessere Sell>st- Verwaltung und Stärkung der Gemeinden ein. Hier müsse eS heißen: .Zurück zu Steinl" Die hefttgen Angrifse gegen die Gemeinden seien oft unverechttgt gewesen. Zur Bescheidung ihrer Ansprüche und Stärkung der Verantwortlichkeit solle man den Gemeinden das Zuschlagsrecht xut Einkommensteuer gewähren. Die bei der Sperrung des Anleihe- marttes sür Gemeindeanleihen ausgestellten Behauptungen feien durch den Städtetag als falsch erwieseru Die Regierung möge sich für Förderung der Interellen der Gemeinden rm rhein- mainischen Wirtschastsgebiet einsetzen. Den 61» pansionsbestrebungen der Städte, besonders von Mainz, müsse Rechnung getragen werden. Die Versorgung mit Gas und Wasser durch die Gemeinden habe sich bewährt. Polittsche Grenzen dürsten jedoch nicht durch wirtschaftliche ersetzt werden. Die zahlreichen Er Haven sollten bereinigt werden. Die Provinzial- birettionen hätten • ihre Berechtigung als staatliches Organ verloren. Hr fere Kreise mühten nach verkehr--- und wirtschaftlichen Gesichtspunkten neu eingeteilt werden. Den unteren und mittleren Beamten sollten minder wichtige Angelegercheiten zur selbständigen Bearbeitung übertragen werden, was ja den Wünschen dieser Beamten entgegenkomme. Der Der- waltungsakademie mit ihren für Staat und Beamt« so wertvollen Ergebnillen solle vom Innenministerium weitere Unterstützung gewährt werden. Die Oberrechnungskammer möge sich auch mit den Ausgaben, die der Lparkom- missar ersüllc, befassen. Für die Gemeinde-
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