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wurden, begreifen. Außerdem fei er jetzt immer noch bereit, der Sache Frankreichs und des Elsaß zu dienen.

Der Bestechungsskandal beim Reichsbahnzeniralami.

Neichöbahnoberrat Schultze vom Amte suspendiert.

Berlin, 26. März. (Wolff.) Die Hauptver­waltung der Deutschen Reichsbahngesellschast hat sich nun doch entschlossen, gegen den Reichsbahn­oberrat Erich Schultze, der beschuldigt wird, gegen seine Amtspflicht dadurch verstoßen zu haben, daß er sich durch kaufmännische Firmen Geld bzw. geldwerte Vorteile habe zusichern lassen, alle Folgerungen zu ziehen. Unter dem 23. März ist ein amtliches Schreiben der Hauptverwaltung an Schultze herausgegangen, in dem ihm mit- geteilt wird, daß er vorläufig seines Dienstes enthoben sei und daß zur Durch­führung des Dienststrafverfahrens ein Gericht, bestehend aus Beamten der Reichsbahn- gesellschast sich konstituiert habe. Die Suspension erfolgte mit der Maßgabe, daß nur der vierte Teil des Diensteinkommens einzubehalten sei. Die disziplinarische Anklage stutzt sich auf die Paragraphen 33 StGB., 10 des Reichsbeamten­gesetzes und 3 des Reichsbahnpersonalgesetzes. Die Verteidigung Schultzes auch vor dem Di­sziplinargericht liegt in den Händen des Rechts­anwalts Dr. Fred.

Der Verdacht, daß sog. Lizenzzahlungen außer von der Firma Reifert auch von an­deren Firmen an Reichsbahnoberrat Schultze und andere Beamte geleistet wurden, hat sich bestätigt. Es ist festgestellt worden, baß b i e AEG. ebenfalls derartige Zahlungen, und zwar eigentümlicherweise über das Konto des Berliner Vertreters der in die Affäre verwickelten Kölner Firma Reifert, geleistet hat. Wie derVoss. Ztg." dazu von maß­gebender Seite der AEG. mitgeteilt wird, sind diese Zahlungen auf durckaus legalem Wege erfolgt, da die Betreffenden, die Lizenz­zahlungen zu erhalten hatten, die Lieberweisung aus das Konto des Vertreters der Kölner Firma, Gläßner, ausdrücklich verlangt hätten.

Neue Verhandlungen im Lohntonflikt der Reichöbahnarbeiier.

Berlin, 26. März. (WTB.) Wie wir hören, hat die Deutsche Reichsbahngesell-- schäft zu dein Erklärungstermin, der im Schiedsverfahren über die Lohnregelung der Reichsbahnarbeiter heute um 18 Llhr ablief, keine Erklärung abgegeben, so daß damit auch vonseiten der Reichsbahn der Schiedsspruch als nicht angenommen gilt. Der Reichs­arbeitsminister hat die beiden Parteien für mor­gen 11 Llhr zu einer nochmaligen Be­sprechung geladen, an der sich auch die Reichsbahn beteiligen wird.

Lunatscharski zur Lage.

Die Zusammenarbeit in Genf und die Deutschenverhastungen.

Berlin, 27. März. (TU.) Der sowjelrufsifche Volkskommissar Lunatscharski gewährte einem Mitarbeiter derlägt Rundschau' in Gens eine Unterredung, in der er u. a. erklärte, er glaube, daß einzig für Rußland Nützliche der Abrüstungs- diskussion sei ihr propagandislifcher Wert. Rußland habe niemals geglaubt, daß man vollständig abrüsten wolle, hinsichtlich der Zusam­menarbeit mit der deutschen Abrüstnngsdelega- lion sei er sehr zufrieden. Die von ihrem Führer befolgte Politik sei klar und geschickt ge­wesen. Lr betone diesen Umstand, weil die Situation durch dleverhaftung deutsch erSkacrks- angefjöriger in Rußland heikel geworden sei. Ls werde in dieser Angelegenheit zu einem iu voller Oeffentlichkeit geführten Prozeß kommen. Er glaube, daß die Beschuldigten nicht wußten, was sie getan haben, und daß sie das Werkzeug Fremder gewesen feien. Das Schlechteste, was sie erwarten könnte, sei Aus­weisung. Er sei der Anschauung, daß diese An- gelegenheit die russisch-deutschen Beziehungen nicht verderben können. Er hofse auf baldige Wie­deraufnahme der deutsch-russischen M k r f - schaflsverhandlungen.

Die Gpezialistenhehe in Rußland.

Reue Techniker-Berhaflungett. - Das Verhör der Deutschen.

Riga, 26. März. (WB.) Ein deutscher In­genieur, der in Rußland eine leitende Stellung bekleidet, erklärte auf seiner Durchreise von Mos­kau nach Berlin einem Vertreter der rigaischen Rundschau", es lasse sich bisher noch nicht fest« stellen, wieviel Angehörige des tech­nischen Personals in der letzten Zeit verhaftet worden seien, doch scheinen nahezu sämtliche Techniker, die noch aus der Vorkriegszeit zurückgeblieben waren, fest genommen worden zu sein. Die Aufforderung der G. P. LI. an die russische Ar­beiterschaft, den Spezialisten auf die Finger zu sehen, habe bereits zu unzäh­ligen Denunziationen geführt, nicht nur im Donezgebiet, sondern in dem gesamten In­dustriegebiet. Man höre bereits wieder von neuen Verhaftungen unter Eisenbahnern und Bau­technikern.

Wie aus Moskau gemeldet wird, sind gestern in Rostow am Don neue Vernehmungen der deuts chen Ingenieure erfolgt. In­genieur Otto lehnt jegliche Schuld an den ihm zur Last gelegten Vergehen ab und besteht auf seine sofortige Freilassung. Die drei Wochen währende Haft ist auf den körperlichen und geisti­gen Zustand der Verhafteten nicht ohne Einfluß geblieben. Auf Drängen des Gefängnisarztes sind die Lebensbedingungen der Gefangenen ver­bessert worden. Der wirtschaftliche Ausbau deö Industriegebietes wird durch die Verhaftungen erheblich verzögert. Sie Spezialistenfrage hat sich bedeutend zugefplht, da an Stelle dervor dächtigen" Spezialisten feineunzuverlässigen" Elemente gesetzt werden formen

Tiroler Wirischastskrisis.

Die Folgen der Trennung von Oesterreich.

Innsbruck, 26. März. lWTB.) Wie die Innsbrucker Rachrichten" melden, haben die beiden deutschen südtiroler Abgeordneten, Ba­ron Sternbach und Dr. Tinzl, im Zu­sammenhang mit der Vorsprache bei dem neuen Llnterstaatssekretär im Ministerratspräsidium, die unlängst in Rom stattsand, eine ausführliche Denkschrift über die augenblickliche schwie­rige Wirtschaftslage in Südtirol überreicht. Die deutschen Wgeordneten betonten darin freimütig, daß die Ursachen der Südtiroler Wirtschaftskrise vor allem in der gewaltsamen Zerreißung der natürlichen Wirt­schaftseinheit mit Rordtirol gelegen seien. Die Verluste, welche das Wirtschaftsleben in Südtirol im ersten Jahrzehnt italienischer Herrschaft zu verzeichnen habe, beliefen sich auf rund eine halbe Milliarde Gold­kronen, oder auf rund drei Milliarden Papierlire. Obwohl die Provinz Bozen im Ver­hältnis zu den übrigen 91 Provinzen Italiens mit Rücksicht auf ihre Bodenbeschaffenheit die ge- ringstewirtschaftlicheErtragsfähig- k e i t ausweise, sei in Südtirol die Steuerbe- la st un g um etwa ein Viertel höher als im übrigen Italien.

Die Seemächte zu den englischen Vorschlägen.

London, 26. März. (WTB^ Eine Stellung­nahme der amtlichen Kreise Washingtons zu dem englischen Vorschläge, den Tvmrengehalt der Linienschiffe zu verringern, das Kaliber der Geschütze herabzusehen unö die Lebensdauer der Schisse zu verlängern, liegt noch nicht vor, aber inoffiziell wird erklärt, daß diese Vor­schläge nichts neues seien. Die britische Dele­gation habe sie schon im Juni in Genf gemacht. Damals habe die amerikanische Delegation fest­gestellt, daß durch eine Herabsetzung des Tonnen­gehaltes der Linienschiffe der strategische Wert der amerikanischen Flotte vermindert werde, obwohl diese infolge des Fehlens von Flottenstützpunkten an sich bereits benachteiligt sei. Jeder Vorschlag, Den Tonnengehalt unter 30000 Tonnen herabzudrücken, werde die bri­tische Lleberlegenheit zur See in ent­sprechendem Grade steigern. - Auch der japanische Marinemimster ist der Ansicht, daß es schwierig sein werde, den neuen eng­lischen Vorschlägen mizustimmen. weil Groß«

Die Landemiswchle« im Gaargrbiri.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin. 27. März. Nachdem die Deutschen in Polen sich vor einigen Wochen so brav geschlagen und den Beweis erbracht haben, daß politische und wirtschaftliche Daumenschrauben dazu dienen, das Rationalbewußtsein zu ftärien, sind am Sonntag d i e Deutschen an der Saar zur Wahlurne gegangen und haben den Franzosen die Quittung gegeben für dieAssi- milierungsarbeit". die dort seit zehn Jahren ge­trieben worden ist. Es hat eine Zeit gegeben, wo Frankreich damit krebsen ging, daß an der Saar lauter Franzosen säßen, ©lernen- ceau hatte sogar jenes berüchtigte Dokument mit den gefälschten Unterschriften in der Tasche, womit er auf Wilson einen gewissen Eindruck machte und das französische Regime an der Saar überhaupt erst erzwang.

Die Franzosen mochten vielleicht auch gehofft haben, daß es ihnen gelingen würde, moralische Eroberungen zu machen und entweder mit Zucker­brot oder Peitsche bei der Abstimmung, die fünfzehn Jahre nach Dem Friedensschluß an der Saar erfolgen soll, sich eine Mehrheit zu sichern. Sie haben sich aber längst davon über­zeugen müssen, daß sie sich da einer sehr bitteren Täuschung hingegeben haben. Genau wie in Elsaß-Lothringen häuften sie eine Ungeschicklichkeit auf die andere und trieben die Bevölkerung in einen Rationalwiderstand hin­ein, an dem alle Beeinflufsungsversuche ab­prallten. Die Diplomaten, die in Versailles von der Starke der französischen Bewegung hörten, und daraufhin über das Schicksal der Saar ent-

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schieden, müssen sich einigermaßen Dumm vor­kommen, wenn sie bei jeder Gelegenheit erkennen, wie fürchterlich sie angelogen worden sind.

Dabei hat Frankreich es an Geld für eine zwecklose Propaganda nicht fehlen lassen. Bei den letzten Wahlen wurde sogar noch eine eigene Separatistenliste aufgestellt, die es aber trotz dem rollenden Franken nur auf wenig mehr als sieben Stimmen brachte und nicht ein einziges Mandat erringen konnte. Diesmal haben die Franzosen die Wie­derholung Der blamablen Experimente nicht einmal mehr versucht. Sie haben vor dem Rationalbewußtsein der Saardeutschen ein­fach Die Segel gestrichen und Damit stillschweigend zugegeben, daß an Dem Charakter des Landes nichts mehr zu ändern ist.

So waren die Deutschen bei dem Kampf um die Sitze tm Landesrat unter sich, tatsächlich besteht ja dort den Franzosen gegenüber eine Einheitsfront, der sich in politischen Fra- g e n auch die Kommunisten nicht entziehen kön- nen. Trotzdem ist der Ausgang Der Wahl nicht uninteressant, weil er zeigt, daß die extremen Linksparteien bei dem Kampf unter nationalem Zeichen nicht gut abschneiden. Die Kommunisten haben sich zwar behaupten fomten, die Sozial­demokraten haben zwei Sitze oerlorent, während das Zentrum mit 20 000 Stimmen mehr ab­schnitt und sich die Hälfte aller Sitze sicherte. Ein Teilergebnis, dchß gerade Die Sozialdemo­kratie nachdenklich stimmen und ihr bedeuten sollte, daß auch bei den kommenden Reichstags- Wahlen ihre Bäume nicht in den Himmel wachsen.

Berlin, 27. März. Rach außerordentlich langwierigen und zum Teil auch für längere Zeit unterbrochenen Verhandlungen ist es am Samstag erfreulicherweise zum Abschluß eines Handels- imD Schiffahrtsvertrages zwischen Deutschland und Griechenland gekommen. Der verhältnismäßig rasch zustande gekommene Ver­tragsabschluß ist vor allem auch den Verhand­lungspartnern auf beiden Seiten zu danken, die in unermüdlicher Arbeit die Möglichkeit gesun­den haben, beide Interessen so aneinander an­zugleichen, daß für sie in jeder Hinsicht ein Vorteil herausgekommen ist. Aller Wahrschein­lichkeit nach wird der Reichstag den Vertrag in Gemeinschaft mit Dem Schwedenvertrag noch zur Annahme bringen, und ihn somit n o ch i n dieser Session rechtskräftig werden lassen.

Während wir früher mit Griechenland nur ein allgemein gehaltenes unD wenig spezifiziertes Liebereinkommen getroffen hatten, ist es nunmehr möglich gewesen, außer Der Meistbegünsti­gung auch eine große Anzahl von Zvllbin- düngen für zahlreiche wichtige deutsche Grzeug- niffe durchzusehen. Die Zollermätzigrmgen be­laufen sich auf etwa 30 bis 50 Prozent Der geltenden Zölle und dürften wohl geeignet sein, Der deutschen Ausfuhr nach Griechenland dadurch einen starken Impuls zu erteilen. Die Ver­günstigungen, die GriechenlanD uns zugestanden hat, umfassen nicht weniger denn achtzig Posi­tionen aller Art, wobei sogar zum Teil die be­stehenden Vertragssätze Griechenlands noch unterschritten wurden, anDetn Teils aber zumindest eine Senkung unter Die auto­nomen Sätze erreicht werden konnte. Das Feld für die deutsche Ausfuhr nach Griechenland ist außerordentlich groß. Richt nur die Möbel­industrie, Eisen- und Mefserschmiedewaren, land­wirtschaftliche Maschinen, elektrotechnische und optische Instrumente, Porzellan, Llhren und Musikinstrumente, Papierwaren, Spielzeug und

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chemische Erzeugnisse haben Aussicht auf einen günstigen Absatz, sondern man kann Wohl sagen, fast die ganze deutsche Wirtschaft kann nunmehr in reichem Maße ihre Waren nach Griechenland bringen.

Selbstverständlich haben w i r Grieckenland eben­falls entgegenkommen müfjen. Manchmal sogar stärker als es ursprünglich geplant war. So wurde Der bereits im türkischen Handelsvertrag von 24 auf 16 Mk. reduzierte Korinthenzoll nicht nur auf die Hälfte, sondern schließlich sogar auf 5 Mk.. also unter den Rosinenzoll, herabgesetzt. Eine wesentliche Ermäßigung erfuhr auch der Teppichzoll, der für die Türkei von 2400 auf 800 Mk. pro Doppelzentner herabgesetzt worden war und für Griechenland nunmehr auf 600 Mk. festgesetzt wurde. Der Zollsatz für Zitronat wurde von 1.00 Mk. auf 90 Mr. verringert. Eine andere Klassifizierung der griechischen Süßweine konnte nicht zugestanden werden, da wir mit Portu­gal bereits eine präjudizierende Vereinbarung ge­troffen haben. Leider ist ein Vorbehalt seitens der Griechen geblieben und das ist die Aufrecht­erhaltung des Anspruches auf weitere Ein- und Ausfuhrverbote. Deutschland hat durch ein besonderes Kündigungsrecht der Auswirkung derartiger Maßnahmen Griechenlands vorgebeugt. Andererseits hat Griechenland auch keinen Verzicht auf eine Valorisierung seiner Zölle aus- aesprochen, was jedoch keineswegs von solcher Ge­fahr sein dürste, wie die äquivalente Maßnahme der Polen. Dagegen hat es nunmehr endgültig auf Den Paragraph 18 des D. D., betreffend das B e s ch l a g - nahmerecht deutschen Eigentums, ver­zichtet, und dies auch offiziell fellgelegt. Die Sala­misfrage ist schließlich einem schiedsgerichtlichen Ver­fahren unterbreitet worden. Man darf nur hof­fen, daß die Erwartungen, die an diesen Vertrag gestellt werden, sich auch ganz erfüllen mögen, da­mit die Beziehungen zwischen uns und Griechenland sich auch noch weiter und inniger ausbauen können.

Britannien, das modernere Schiffe besitze, bei Annahme seiner Vorschläge größere Vorteile gewinne als die anderen Mächte.

Die KohlenlrW in Südwales.

London, 26. März. (TLl.) Eine Anfang Januar von der englischen Regierung eingesetzte Llntersuchungslommission bereist gegentDartig die Kohlengebiete in Südwales und RorDenglanD, um sich mit den stets dringlicher werdenden Fragen der Verpflanzung der arbeits­losen Bergarbeiter in andere Be­rufe, Auswanderungsmöglichkeiten, Durchfüh­rung eines großzügigen Wohnungsprogramms und anderen Gründen der Arbeitslosigkeit zu befassen. Die Lage in den Dortigen Kohlen bezirken wird auch von der Regierung als alarmierend anerkannt. Die Versicherungen der Kommission, daß die Regierung bereit ist, alles in ihrer. Macht Stehende zu tun, um Die Lage Der schwer leidenden Bevölkerung zu erleichtern, wird, wie man hofft, bereits eine gefühlsmäßige Erleichle- rung schaffen. Die Arbeiterschaft und die Ge­werkschaftsführer werden eingehend über ihre Einstellung zu der Möglichkeit einer Auswande^ rung von Bergarbeitern vernommen werden. Im Llnterbaus fand heute eine Kohlendebatte statt, in der der Wohlfahrtsminister Reville Chamberlain zugab, daß die Sage in eini­gen Bezirken sehr e rn st sei, in einigen Be­zirken sei die Lage ohne Beispiel, wenigstens in Der neueren Zeit, doch würde der Staat richtig verfahren, wenn er die Fürsorge für die Rot- leidenden nach wie vor den örtlichen Wohlfahrts­behörden überlasse. Die Bemühungen müßten sich Darauf richten, die Leute aus Den 'Bezirken, wo sie keine Aussicht auf Wiederbeschäftigung hätten, in andere Bezirke zu verbrin» g e n. Der Konservative Boothby forderte die Regierung auf, die Grubenbesitzer zur Bil­dung operativer Verkaufsvereini­gungen zu ermutigen, eine gründliche Reor­ganisation der Kohlenindustrie sei unbedingt nötig.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 27. März. Im Reichstag wird die zweite Beratung des Haushalts des Reichsinnen­ministeriums fortgesetzt. Abg. Dr. Moses (Soz.) wendet sich gegen die vielen Verleihungen des Ehrendoktortitels durch die Fakul­täten der Universitäten. Diese Verleihungen seien zum groben Unfug geworden. Der Redner verur­teilt thnm unter lebhafter Zustimmung die Expe­rimente, die an Kindern in öffentlichen Kli­niken imb Krankenhäusern vorgenommen morden

sind. Sehr gesundheitsgesährtich« Experimente seien auch in Düsseldorf an Kindern ohne jeden wissen­schaftlichen Nutzen oorgenommen worden. Hier sollte der Präsident des Reichsgesundheitsamts ein­schreiten.

Michsrrinettminister Or. v. Keudell kündigte eine wissenschaftliche Untersuchung des Pro­blems des Geburtenrückganges an. Der Minister stellt fest, daß er bereits mit dem Reichs- sinanzminister wegen einer Prüfung darüber in Verbindung getreten sei, inwieweir den außer­ordentlich nützlichen und segensreichen Bestrebungen des Bundes der Kinderreichen von feiten Der Reichsregierung geholfen werden kann. Der Minister setzte sich Dann mit den Ausführungen des Demokratischen Abgeordneten Dr. Heuß über Elternrecht und Gewissensfreiheit auseinander und erklärt, es entspreche nicht der Ge­wissensfreiheit und Dem demokratischen Prinzip, wenn man die Vergewaltigung eines Teiles Der christlichen Elternschaft wolle und der Weimarer Verfassung eine Interpretation aufzwiihtze, die ihrem Wortlaut nicht entspricht.

Der Präsident des Reichsgesundheitsamtes, von Hamel, gibt einen kurzen Ueberblick über den gegenwärtigen allgemeinen Gesundheitszustand. Der Gesundheitszustand sei b e f r i e d i g e n o. Die Sterb­lichkeitsziffer sei in allen Altersklassen zuruckge­gangen. Erfreulich sei besonders die Verminde­rung der Säuglingssterblichkeit. Unerfreulich sei die Zunahme der Kinderlähmung, Die Ver­breitung Der Infektionskrankheiten im allgemeinen sei zurückgegangen. Bei Der Tuberkulose habe gerade das Industrieland Sachsen die kleinste Sterblichkeits­ziffer. Nach der Einführung des Gesetzes gegen die Geschlechtskrankheiten sei in Hamburg ein großer Rückgang dieser Krankheiten festzustellen.

Damit schließt die Aussprache. Es folgt die zweite Beratung des SrgänzungsetatS.

2lbg. Dr. David (Soz.) ist mit dem von der Regierung vorgeschlagenen Rotprogramm zur Organisation des direkten Absatzes von Schlacht­vieh und Fleisch zwischen Verbraucher- und Er­zeuger-Genossenschaften einverstanden. Die Bürgerblockparteien hätten hier eine Anleihe bei der marxistischen Wirtschaftstheorie gemacht. Der Redner beantragt Die Einsetzung eines Lieber* wachungsauöschuffes. Damit Die Hilfsmittel des Rotprogramms auch Der Bauernschaft unD nicht bloß Dem Großgrundbesitz zugute kommen.

Abg. Blum (3entr.) schildert die Lage Der rheinischen Landwirtschaft, Die im bedrohten Grenzgebiet schwer zu leiden habe.

Die Aussprache ist Damit beendet. Der Er­gänzungsetat wird angenommen, ebenso eine Entschließung des Volkswirtschaftlichen Ausschus­ses, Die Mittel zur Umschuldung für Die Roggen- Pf andbriess chuldner verlangt. Hierauf werden die vorher zurückgeftellten Abstimmungen zum Haus­halt des Innenministeriums borgenommen. Die Ausschußenrschließung, Die eine Reichsstädte- ordnung und eineR e i ch s l a n d g e m e inde° ordnung fordert, wird im Hammelsprung mit 172 gegen 132 Stimmen bei einer Enthaltung angenommen. Dagegen haben Deutschnatio­nale, Zentrum und Bayerische Dolkspartei ge­stimmt. Die Ausschußentschließung auf B e - seitigung der Ländergesandtschaf- ten wird gegen eine starke Minderheit abge­lernt. Angenommen wird eine Entschließung, die verlangt, daß Daß Impfgeseh auf seine wissenschaftlichen Grundlagen hin nachgeprüft wird.

Der Etat des Innenministeriums wird in zweiter Beratung angenommen, dazu das Ge­setz über Erzeugung und Verkauf von Schuß­waffen und Munition. Der Rachtragsetat wird gleichfalls m zweiter Beratung angenom­men. Die Abstimmung über Den Grgänzungsetat toirD auf Dienstag vertagt. Auf Der Tages­ordnung stehen außerdem Der Marineetat unD der Phvebusbericht.

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LöeNervorattssage.

Sine flache Druckstörung, Die heute morgen über OstDeutschlanD lag, brachte Dort in Beglei­tung Der kühleren ßuftmaffen an Der Rückseite vereinzelte RieDerschläge. Der süDwestliche Hoch- druckvorstoß ist Durch die weitere AusDehnung Des süDlich von Island liegenden neuen Tief­druckgebietes zurückgeDrängt. InfolgeDcssen wird Dem vorübergehenD aufheiternDen unD trockenen Wetter unter Der Zufuhr neuer ozeanischer Cuft- maffen morgen Bewölkung folgen, wobei schon vereinzelte RieDerschläge nicht ausgeschlossen sinD. Die Temperaturen werden wenig Aenderung erfahren.

Wettervoraussage für Mittwoch: Zeitweise stärker bewölkt, mild, später Reigung zu Riederfchlägcn. _

Witte rungsaussichten fürSTou- ners tag: Wolkiges, mildes Wetter mit ver­einzelten RieDerschlägen.