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Nr. 74 Erstes Blatt

{78. Jahrgang

Dienstag, 27. Mär; 1928

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(Lietzener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.

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Siebener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange-, für Feuilleton Dr H.THyriol, für den übrigen Teil Ernst Dlumschcin; für den An- zeigenteil Kurt Hillmann. sämtlich in Gießen.

poincares Eonntagswahlrede

das die

in erster Linie davon abhängen, ob das Zentrum ihm ein Mandat anbieten wird.

Unternehmen in die Oeffenllichkeit dringen konnte. Er habe selbst der Lufthansa und der Luftpolizei leine Mitteilung von dem Fluge gemacht. Seiner Gattin habe Köhl nur erklärt, daß er einen Probeflug machen und gegebenenfalls bis nach Baldonnel fliegen werde. Dort wolle er die englischen Wettermeldungen prüfen und davon seine weiteren Entschlüsse ab­hängig machen. Er sei fest entschlossen, den Flug zu unternehmen. Sollte aber der Wind sich be­reits zu Beginn des Fluges drehen, so werde er nach Baldonnel zurückkehren und gegebenen­falls den Berfuch der Ozeanüberquerung mehr­mals wagen.

Köhl will oon Baldonnel aus sobald als möglich, also in den er ft en Morgenstunden des Dienstag starten, um über Neufundland möglichst ohne Zwischenlandung den Flug­platz Mitch elfte Id bet Neuyork zu erreichen. Allerdings werden im Augenblick die Wetteraussich­ten n i ch t für günstig gehalten. Als Beranstalter des Fluges wird außer Freiherrn von Hünefeld, dem Eigentümer der Maschine, auch der Norddeutsche Lloyd genannt.

wurden mit der größten Heimlichkeit betrieben. Auch die ausgedehnten Probe- f l ü g e . die Köhl unternommen hatte, fanden nicht auf der Maschine statt, die jetzt zum Ozean­flug gestartet ist. Das Flugzeug D 1167 wurde erst in den letzten Tagen von Dessau nad) dem Flugplatz Berlin-Tempelhof gebracht. Köhl hat, um über die Tragweite seines heutigen Unternehmens zu täuschen, nur 360 Liter Be­triebsstoff einfüllen lassen, eine Menge, die an und für sich zum Flug nach Irland nicht aus­reichen würde. Auch über die sonstige Aus­rüstung des Flugzeuges wurde größtes Still­schweigen bewahrt.

Dor Antritt seines Fluges ist Köhl endgültig aus der Deutschen Lufthansa aus- geschieden, nachdem in den letzten Tagen eine Auseinandersetzung zwischen der Direktion der Lufthansa und Köhl erfolgt war. Sie Luft­hansa sei der Ansicht, daß ein Transozeanslug von Kontinent zu Kontinent nur mit Flug­booten ausgeführt werden könne, die über mindestens drei Motore verfügen. Köhl habe alles getan, um zu verhindern, daß fein

nahmen voll Rechnung zu tragen. Angesichts der Entwicklung der Gesamtlage richtet der Borstand des Deutschen Städtetages an seine Mitglieds­städte die Bitte, alleAusgabenzuunter- lassen, die nicht für unmittelbar kom­munalproduktive Zwecke bestimmt sind. Weiter heißt es in der Entschließung, die Ge­meinden sind bereit, für das Jahr 1928/29 an der Aufstellung eines Gesamtplanes für den dringlichsten Auslandanleihe­bedarf mitzuarbeiten, der den reparations­politischen Gesichtspunkten und den Verhältnissen am ausländischen Kapitalmarkt Rechnung trägt. Von der äleberzeugung erfüllt, daß die den deut­schen Staaten obliegende Arbeit für Staat und Volk nur auf der Grundlage gemeind­licher Selbstverwaltung und Selbst- verantwortung geleistet werden kann, richtet der Vorstand des Deutschen Städtetages an die Reichsregierung das dringende Ersuchen, mit größter Beschleunigung die Hemmungen zu be­seitigen, die einer sofortigen Erschlie­ßung des ausländischen Anleihemarktes ent» gegenstehen.

Gegen amerikanische Auslandkredite.

Statt dessen

Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit.

Neuyork, 26. März. (1BIB.) Das Institut für Arbeitsfragen des Zentralrates der amerikanischen Industrien hat eine Entschließung angenommen, die dafür eintritt, die Kreditgewährung ame­rikanischer Bankiers an das Ausland e i n z u s ch r ä n k e n und das amerikanische Kapital statt dessen zu öffentlichen Arbeiten im Lande selb st zu verwenden, um so eine Abhilfe gegen die Arbeitslosigkeit zu schaffen. Die Entschlie­ßung stellt die Forderung auf, daß bas Kapital nur

Berlin, 26.März. (1D.I.B.) Das Bunkers- Flugzeug D 1167, die frühereBremen, ist heute vormittag um 8.08 Uhr vöm Tempelhofer Feld unter Führung des Hauptmanns a. D. Köhl mit dem Freiherrn von hünefeld und dem Monteur Spindler gestartet und nachmittags 5.30 Uhr auf dem Flugplatz Baldonnel in Irland gelan­det, wo bereits vor einiger Zeit für diesen Flug Betriebsstoff gelagert wurde. Von hier aus soll der Weiterflug nach Amerika versucht wer­den. Die Flugstrecke, die Hauptmann Köhl von Ber­lin nach Baldonnel in knapp 9.30 Stunden zurück­legte, beträgt rund 1600 Kilometer. Der Iunkcrs- Eindecker hat also eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 170 Stundenkilometer entwickelt. Der Flug ist ohne Zwischenlandung erfolgt.

Die irischen Militärbehörden erwarteten von gestern mittag an das Flugzeug. Ein vom Gouver­neur des Flugplatzes Fihmaurice gesteuertes Flug­zeug flog über Dublin, um nach D1167 Ausschau zu halten. Kurz nach 5 Uhr kam das deutsche Flugzeug in Sicht. Es flog ziemlich tief und wurde von einem irischen Flugzeug begleitet. Die D 1167 flog nach Baldonnel weiter und landete dort wohlbehalten. Die irischen Behörden lehnten es ab, Pressevertreter zum Flugzeug zuzulassen oder irgend­welche Informationen über die Absicht der Flieger ;» geben. Es verlautet jedoch, daß die deutschen Flieger günstige Wetterberichte abwarfen und, sobald Anzeichen für eine gute Wetterlage über dem Atlantik vorliegen, nach Reuyork weiterzufliegen. Köhl sagte in einer Er­klärung, bei seinem Fluge nach Irland habe er mit starken Gegenwinden zu kämpfen gehabt, doch habe sich das Flugzeug glänzend gehalten. Heber feine weiteren Pläne gab Köhl keine Er­klärung ab. Der deutsche Flieger Loose und einige Mechaniker erwarteten mit Betriebsstoff für das Flugzeug die Ankunft der D1167 bereits feit einigen Tagen in Baldonnel. Die endgültigen Vor­bereitungen für den Weiterflug werden in Baldonnel zu Ende geführt. Möglicherweife wird Loose Köhl aus dem Transallaufikslug begleiten. Bei ihrer Landung in Baldonnel Henle nachmittag hatten die Flieger einige Schwierigkeiten; sie umkreisten den Flugplatz mehrmals, bevor sie niedergehen konnten. Da die Flieger die ganze letzte Rächt hindurch mit den Flvgvorbcreittmgen beschäftigt waren, fühlten sie sich sehr ermüdet.

Oie Vorbereitungen.

Trennung von der Lufthansa. Der weitere Flugplan.

3 Fast steht noch nicht, ob diese Kommission nur eine beratende oder eine entscheidende und damit auch die Reichsreaierung verpflichtende Meinung abgeben soll. Um dieses Problem hat es langwierige Erörterungen im Kabinett gegeben, bei denen der Finanzminister zunächst für ein sehr weitgehendes Entscheidungsrecht der Kommission eintrat. Allem Anschein nach aber wird man sich nur mit einer beratenden Meinungsäußerung begnügen und sich daraus verlassen, daß die Auto­rität dieser Kommission genügen wird, um ihren sachlichen Untersuchungsergebnissen auch zu der nötigen praktischen Auswirkung zu ver­helfen. Vor allem ist daran gedacht, daß bei der dringend notlvendigen Sparsamkeit, die bei unserer recht angespannten Budgetsituation erforderlich ist, die Kommission feftstellt, inwieweit besondere Ausgaben, wie z. B. Neubauten nsw. die auf Kosten des außerordentlichen Etats geplant find, jetzt noch einzuschränken oder zu unter- binden sind. Es ist selbstverständlich, daß bei die­sen Arbeiten auch alle besonderen Fonds, die im Rahmen des außerordentlichen Etats gehalten wer­den können, einer Durchprüfung unterzogen werden. Ser kommunale Anleihebedarf.

Städte und Auslandanleihen.

Berlin, 26. März. (WB.) Der Vorstand des Deutschen Städtetages hat auf seiner letzten Tagung einstimmig einer Entschließung zuge- stimmt, in der zunächst die Bereitwilligkeit oer deutschen Städte betont wird, der durch die Reparationsverpflichtungen beding­ten außenpolitischen und w i r t s cd a f t s p olr ti­schen Lage Deutschlands auch ihrerseits bei ihren finanz- und wirtschaftspolitischen Matz-

Jn einem Leitartikel schreibt dieKölnische V o l k s z t g.", die Nichtwiederaufstellung Dr. Wirths in Baden habe in der Linkspresse einen wahren Hexensabboth von Verdächtigungen gegen die badische" und die deutsche Zentrumspartei ent­fesselt. Die Zurückweisung dieser Angriffe müßte nut aller Bestimmtheit erfolgen. Die Linke begebe sich auf einen sehr gefährlichen Irrweg, wenn sie das Zentrum unter einen Druck oon Drohungen stellen wolle. Dr. Wirth habe von jedem seiner Beurteiler die Anerkennung gefordert, daß die, Gnindanschau- ungen der Zentrumspartei auch die starken Wurzeln seiner Kraft seien. Aufrichtig sei überall das Be­dauern, daß es infolge der von der Linkspresse selbst zugegebenen Fehler Dr. Wirths nicht durch den Willen der Parteileitung dahin gekommen sei, daß seine Wiederauf st ellung in Baden unmöglich wurde. Wirth habe auch als Kritiker, Mahner und Warner in der Partei seinen Wert, solange er eben innerhalb der Partei diese Funktion ausübe. Zum Schluß wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß es möglich ist, Dr. Wirth auf die Reichsliste zu setzen und ihn so wie­der in den Reichstag zu entsenden; denn, so schließt die ...Köln. Dolksztg": ..Wir wollen ihm den Weg nicht verbauen, aus dem er wieder zur allen Lei­stung, zur Geltung emporsteigen kann."

Klaus Zorn v. Bulach.

Paris. 26. März. (WTB) Baron Klaus Zorn v. Bulach sollte heute im Gefängnis in Straßberg seine dreizehnmonatige Ge­fängnisstrafe a n t r e t e n. Er ist jedoch nicht erschienen, sondern hat in einem Brief an den Staatsanwalt auf feine Krankheit hingewiesen und nochmals seine Llnschuld beteuert Die Regierung müsse doch endlich, so schreibt er, die Psychologie des Augenblicks, in dem gewisse ihm zum Vorwurf gemachte Taten begangen

Ein neuer deutscher Ozeanslug.

Hauptmann Köhl auf derBremen" in Irland zum Start nach Amerika gelandet

Berlin, 26. März. (Prio. - Tel.) Wie , B. T." aus Düsseldorf meldet, beabsichtigt ... Demokratische Partei, dem Zentrumsabgeordneten Reichskanzler a. 2. Dr. Wirth die zweite Stelle der Kandidatenliste in den Wahlkreisen Düssel- dorf-Ost und Düsseldorf-West anzubieten. Spitzenkandidat soll, wie bisher, der Abg. Erke­lenz bleiben. Der Vorstand der Demokratischen Partei der Wahlkreise Düsseldorf-Ost und -West hat gestern in einer Sitzung dem Vorschlag z u g e = stimm t. Dr. Wirth selbst hat. wie das Blatt mel­det, noch in keiner Weise zu dieser Anregung Stel­lung genommen. Seine Haltung werde vermutlich

Oer Hansabund gegen das Notprogramm.

Die ErsParungsmöglichkeiten einer Neichsreform.

Berlin. 26. März. Der wirtschaftspolitische Gesamtausschuh des Hansabundes ist heute vor­mittag im Hotel Esplanade zusammengetreten. Der Präsident des Hansabundes. Reichstags­abgeordneter Hermann Fischer, erstattete ein eingehendes Referat über die wirtschaftspolitische Lage. Es bedeute eine Fiaskoerklärung für das Hals über Kopf zur Durchführung gelangende Rotprogramm, fo führte der Redner aus, wenn man für 1928 die gleich hohe Lebensmitteleinfuhr wie für 1927 voraussetze. Aber Mangel an Ziel- klarheit fei ja das Hauptzeichen dieses Rot­programms.Wir alle haben," betonte Fischer, d a s größte Interesse an einer gut« gehendett Landwirtschaft. Aber über dieses Problem kann man nicht Herr werden, wenn man sich auf das Gebiet der staatlichen Subvention begibt. Wer für den Waren­austausch der verschiedenen Wirtschaftszweige eintritt, könne nicht dulden, daß man sich über die Bedenken des Handels, des Handwerks und der Industrie, über die einseitige Begün­stigung der Landwirtschaft hinwegfetze. Die jetzige Etats- und Wirtschaftspolitik ist gekenn­zeichnet durch eine niemals vorher gekannte Ziellosigkeit. Es ist eine der größten Sorgen der deutschen Wirtschaft, ob der künftige Reichstag in der Lage sein wird, eine Wirt­schafts- und Finanzpolitik auf weite Sicht endlich in Angriff zu nehmen."

Wie andere Spihenverbände hatte auch der Hansabund über die Frage der R e i ch s r e f o r m eine Untersuchung vornehmen lassen. Ministerial­rat K e d i n g -Schwerin, dem diese Arbeit über­tragen tourt», berichtete über seine bisherigen Feststellungen. Für Mecklenburg - Schwe­rin berechnete Keding entsprechend den Zahlen des Etats von 1928 Erfparungsmöglichkeiten von 6,4 Millionen Mark. So würde, von Mecklen­burg auf das Reich geschloffen, sich durch die Reuformung des Reiches in Verbindung mit einer Rationalisierung der gesamten Verwal­tung eine Ersparnis von mi ndestens 600 Millionen Mark im Jahre ergeben. Wo kann noch gespart werden.

Nachprüfung der Londerfonds.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

-Berit n. 27. März. Wie man aus gut unter­richteten Kreisen hört, soll jetzt endlich mit der schon feit langem geplanten Durchprüfung der außerordentlichen Etats und der damit zusammenhängenden besonderen Fonds bet den verschiedenen Ministerien begonnen werden. Zu diesem Zweck ist schon am Samstag ein Rundschreiben an die obersten Reichsbehörden ergangen, das auf öte be­vorstehenden llnterfudjungcn aufmerksam macht und bittet, die nötigen Unterlagen vorzubereiten. Der Prüfungsausschuß wird sich aus einem Ver­treter des Reichsfinanzministeriums und weiter einem Vertreter des Reichssparkommissars zu­sammensehen. denen von dem jeweils zu unter­suchenden Ministerium ein weiterer Vertreter bet- qeqeben werden soll. Es handelt sich dabet um die außerordentlichen Ausgaben vor allem des Arbeits-, des Verkehrs- und des Wehrministeriums, wobei beim Derkehrs- ministerium auch die besonderen Positionen, die für die Luftfahrt bereitgestellt werden, auf ihre Wirtschaftlichkeit nachzukontrollieren sind. Daneben laufen schon seit langem die mehr prinzipiellen Etatsuntersuchungen des Retchs- sparkommissars, der auch den Etat des Verkehrs­ministeriums einer eingehenden Durcyficht unter»

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 27. März. An und für sich dürfte es ja überflüssig fein, jede Wahlrede zu kom­mentieren. Vieles, was zum Zwecke der Wahlpro­paganda gesagt wird, kann gar nicht so ernst ge­nommen werden, wie es anscheinend dargestellt wird, und vor allem werden die Redner nach den Wahlen manches nicht mehr aufrecht erhalten, was sie nur aus w a h 11 a k t is chen G n- ben in ihren Reden während des Wahlkampfes vorgebracht haben. Trotzdem scheint es doch an­gebracht, wenigstens Herrn Poincare auf manche seiner Äeußerungen festzulegen.

Es wäre selbstverständlich verfehlt, alle Äeußerungen Poincarös auf die Goldwage legen tu wollen und daraus eine Politik zu kon­struieren, die irgend etwas mit Revanche und bergt zu tun hätte. Auch Herr Poincare muß als Wahlagitator sprechen. Es muß ihm darauf ankommen, nicht nur seine Freunde, son­dern auch seine Feinde und Gegner zu gewinnen versuchen. Also deshalb sind manche Ausführungen in dieser Rede rein aus dem Kompromiß heraus entstanden. 3m Vor­dergründe stand selbstverständlich die Verteidi­gung seiner gesamten Finanzpolitik seit dem Jahre 1922. Ob Poincare dabei die rich­tige Ansicht vertritt, dies zu entscheiden, muh dem französischen Wähler überlassen werden. Ans kommt es vielmehr darauf an. die Stel­len aus seiner Rede herauszuheben, die

Deutschland betreffen.

Daß Herr Poincarö seine Einstellung zur Ruhrpolitik noch nicht geändert hat, ist in Anbetracht der Tatsache einer Wahlrede auch nicht anders zu erwarten gewesen. Daß er dabei versuchte, einen Teil der Schuld an dieser ~ ' zu schieben, war

ielleicht nicht ganz

ungeschickt. Die. Äeußerungen des General D a - wes, daß, wenn Frankreich nicht im Ruhrgebiet gewesen wäre, Deutschland den Dawes- plan nicht angenommen hätte, laßt fick» in ihrer Echtheit heute nicht mehr fest stellen. Sie bedeutet jedoch, ganz gleich, ob sie richtig oder falsch ist, ein völliges Verkennen der Lage, denn vor der Ruhrbefetzung gab es ui Frankreich keinerlei Persönlichkeiten, die auch nur bas geringste in bezug auf eine Verstän­digung mit den Deutschen in der Reparations- frage unternommen hätten. Daß der Druck, den die Ruhrbcsehung verursachte, für Deutschland nicht ermutigend gewirkt hat, war toobz nicht anders zu erwarten.

Mit der Verständigungspolitik, auf bie Poincaro dann eingeht, winkt er dem Linlskartell. Liest man diese Sähe, fo tarnt man schwerlich noch eine Differenz mit Briand feststellen. Poincare, der geschickte Agitator, bringt es also fertig, jedem bas Seine $u geben. Trotzdem wollen wir uns diese Worte Pomcaräs merken, denn solche Friedensworte hat er noch niemals zu finden vermocht. 3m großen und ganzen stellt die Rede keine große politische Angelegenheit dar. Auch in Frankreich son­diert man noch, ähnlich wie in Deutschland, wo ja jetzt auch mit den ersten zaghaften Wayl- reben und Wahlartikeln aufgewartet wird. Das Kreuzen der Schwerter wird wohl erst im End- kampf kommen. Hoffentlich wird es möglich fein, den Kampf dann fo zu führen, daß, wenn auch wahlagitatorische Gründe gerechtfertigt werden müssen, der Kampf Formen annimmt, bie der Wahlhandlung in ihrer tiefsten Bedeutung auch zu entsprechen vermögen. Reine Luft soll nach solchen Kämpfen immer wehen. Wir warten ab, was wir danach zu sagen haben.

Berlin, 26. März. (WB.) Heber den Ver- such des Hauptmanns a. D. Köhl und des Frei­herrn v. Hünefeld über Irland nach den Ver- ------ , .

einigten Staaten zu fliegen, erfahren wir noch I Ruhrpolitik auf Briand folgendes: Die Vorbereitungen zu dem Fluge taktisch für feine Person viel

bann ins Ausland gehen dürfe, wenn eine eigens dazu geschaffene Kommission ihre Erlaubnis gegeben habe. Amerika, fo heißt es, ist das einzige Land der Hielt, das mit der Schaffung oon Siche­rungen gegen die Arbeitslosigkeit im Ruckstand ist, während Großbritannien dank solcher Siche­rungen einem der schwersten Stürme in der Ge­schichte des englischen Wirtschaftslebens Widerstand leisten konnte.

HeichSiagswahlen am 20. Mai.

Berlin, 26. März. (WTB.) Der Reichs­minister des Innern hat die Landesregie­rungen durch Rundschreiben davon verständigt, daß der Termin für die Reichstagswahlen auf den 2 0. Mai festgesetzt werden wird. Die Landesregierungen werden gebeten, die Be­hörden anzuweisen, mit der Anlegung der Wählerli st en zu beginnen und als Stichtag für die Aufnahme der Wahlberechtigten den 20. Mai vorzusehen.

Or. Wirth auf demokratischer Liste?