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Aus der yrovinzialhauptstadi.

Gießen, den 27. März 1928.

Krovinziaiausschuß Oberheffen.

Der Provinzialausschuß Oberhessen verhandelte in seiner Sitzung vom Samstag über folgende Angelegenheiten:

Antrag der Oberpvstdirektion Darm­stadt auf Enteignung von Gelände in Vilbel für den Bau eines Postamtes. Die Oberhvstdirettion in Darmstadt hat für die Er­bauung eines neuen Postamtes in Bilbel auf Grund des Gesetzes, die Enteignung von Grund­eigentum betreffend, und des Reichspostfinanz-- gesehes. die Enteignung von Grundstücken be­antragt die den Georg Friedrich Kron er Ehe­leuten imb dem Heinrich Hein in Bilbel ge­bären. Da vor der Lokalkommission des Kreis- amts Friedberg eine gütliche Einigung zwischen Unternehmerin und Grundstückseigentümern auch nicht zustande fom. hatte sich der Provinzial- ausschuß mit der Angelegenheit zu befassen. Die Lotallommisfion war einstimmig der Ansicht, daß es sich bei der beantragten Enteignung uni einen außerordentlichen und stark fühlbaren Ein­griff in die Eigentumsverhältnisse der beiden Grundstückseigentümer handle, denn sollen von einer bestehenden Hofreite Teile abgeschnitten werden, die für die Entwicklung eines land­wirtschaftlichen oder eines gewerblichen Betriebs entscheidend sind. Der Provinzialausschuh er­kannte zu Recht: ^Als Gegenstand der Ent­eignung waren gemäß dem Antrag der Ober­postdirektion die folgenden, in der Gemarkung Bilbel gelegenen Grundstücke festgestellt: 1. von Flur II Br. 76 Grabgarten der Georg Friedrich Kroner I. Eheleute: ein Teilstück von 271 qm; 2. von Flur II Br. 73 Hofreite des Heinrich Hein: ein Teilstück von 195 qm. Die Unternehmerin hat als Entschädigung zu bezahlen: 1. an die Georg Friedrich Kroner I. Eheleute den Be­trag von 7 Mk. für den Quadratmeter unter der Boraussetzung, daß innerhalb Jahresfrist, gerechnet vom Tage der Rechtskraft des Ent- etgnungsausspruches die Biederlegung des von Alfred Weil erworbenen Wohnhauses nebst Hinterhaus von der Gemeinde Bilbel genehmigt und Räumung ermöglicht wird. Andernfalls be­trägt die Entschädigung 9 Mk. für den Quadrat­meter. Die mitenteigneten Obstbäume sind nach Ta?e des Obstbauinspektors Rentsch (Friedberg) besonders zu entschädigen; 2. an Heinrich Hein den Betrag von 6 Mk. für den Quadratmeter, zuzüglich eines Betrags von 100 Mk. für die mitenteignete Einfriedigung nebst Mauerwerk. Die Kosten des Verfahrens fallen der älnter- nehmerin zur Last.

Beschwerde des Otto Bolitsch und Ge­nossen in Aulendiebach gegen die Ent­scheidungen des Bezirkswohnungskom­missars des Kreises Büdingen vom 5. Dezember 1927 in Sachen: Beschaffung von Baugelände für die Christian St re um, Ehe­leute. in Aulendiebach. Das Deschwerdegericht beschloß auf Antrag des Beschwerdeführers, zu­nächst weitere Beweise zu erheben durch An­hörung eines Sachverständigen über die Be­wertung des vorhandenen Kalkofens.

Die dritte Angelegenheit betraf die De - rufung der Gemeinde Langd gegen das älrteil des Kreisausschusses des Krei­ses Gießen vom 5. Bovember 1927 t S. Besoldung des Gemeinderechners der Gemeinde Langd. Der Gemeinderat zu Langd hatte am 19. Januar 1927 bei Beube- sctzung der Gemcinderechnerstelle den Gehalt des Gemeinderechners vertraglich auf 600 Mark fest­gesetzt. Der Kreisdirektor des Kreises Gießen beanstandete diese Festsetzung, da die Besoldung nicht im richtigen Verhältnis zu den an den Ge- meinderechner zu stellenden Anforderungen stehe. Der Amtsvvrgänger hatte eine Vergütung von

jährlich 1545 Mark. Der Gemeinderat beharrte auf der von ihm beschlossenen Besoldung, weil der neue Rechner sich mit einer Besoldung von 600 QUati einverstanden erklärt habe. Es kam zum Derwaltungsstreitverfahren, und der Kreisaus­schuh des Kreises Gießen erkannte auf Grund der mündlichen Verhandlungen vom 5. Bovember 1927 zu Recht,daß die Besoldung des Ge­meinderechners in Langd auf jährlich 1300 Mark lestzusetzen ist, und daß in diesem Betrag Du- reaukosten nicht mitenthalten sind." Das Derwal- tungsgericht konnte dem Umstand, daß sich der Rechner mit einer Besoldung von 600 Mark ein­verstanden erklärt hatte, eine ausschlaggebende Bedeutung nicht beimessen, vertrat vielmehr den Standpunkt, daß nach der Größe und den wirt­schaftlichen Verhältnissen der Gemeinde und den an den Rechner zu stellenden Anforderungen eine Mindestbesoldung von 1300 Mark zu gewähren ist. Gegen dieses Urteil verfolgte die Gemeinde Langd Berufung an den Provinzialausschuh. Die Gemeinde zählt 580 Einwohner; der Um­satz der Gemeinde beträgt jährlich etwa 39 000 Mark. Der Provinzialausschuh wies die Be­rufung als unbegründet kostenpflichtig ab.

Daten für Mittwoch, 28. März.

Sonnenaufgang 5.45 Uhr, Sonnenuntergang 18.26 Uhr. Mondaufgang 9.39 Uhr, Monduntergang 2.09 Uhr.

1483: der Maler Raffael Santi in Urbino geboren gestorben 1520); 1515: die hl. Theresia in Avila (Altkastilien) geboren (gestorben 1582); 1749: der Mathematiker und Astronom Pierre Sinion Graf Laplace in Bcaurnont-en-Auge geboren (gestorben 1827); 1824: der Naturphilosoph Ludwig Büchner in Darmstadt geboren (gestorben 1899); 1926: Herzog Philipp non Orleans gestorben (geboren 1869).

Gießener Wochenmarktpreise

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 170 bis 180. Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 45, Weißkraut 30 bis 35. Rotkraut 40 bis 45, gelbe Rüben 20. rote Rüben 20, Spinat 45 bis 50, Unter-Kohlrabi 10 biS 12, Grünkohl 45. Rosenkohl 80. Feldsalat 150 bis 200. Endivien 100 bis 120. Tomaten 130, Zwiebeln 25, Meerrettich 40 bis 100, Schwarz­wurzeln 60 bis 90, Kartoffeln 4 bis 5, Aepfel 10 bis 18, Birnen 10 bis 15, Honig 45 bis 50, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfund; Eier 12 bis 13, Blumenkohl 60 bis 180, Salat 40. Lauch 10 bis 25, Sellerie 10 bis 50 Pf. das Stück; Radieschen Bd. 30 Pf.

Bornotizcn.

Tagestalcnder für Dienstag: Stadttheater: 7.30 Uhr ..College Crampton" (Ende nach 10 Uhr). Deutsche Demokratische Partei: 8.15 Uhr, Hotel Schütz. Vortrag von Prof. Dr. MittermaierDie Todesstrafe". Katho­lischer Deutscher Frauenbund: 8 Uhr, Katholisches Vereinshaus. Vortrag von Rudolf Schi etz- hold-BerlinDer Mensch und seine Ernäh­rungsweise". -- Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Pat und Patachon in Pelikanien". Astoria- Lichtspiele:Der Grenzreiter". Palast-Licht- spiele: 8.30 Uhr, Filmvorführung.

AuS dem Stadttheatecbureau wird uns geschrieben: Da am Karfreitag keinerlei theatralische Aufführungen stattfinden dürfen, sah sich die Intendanz genötigt, die an diesem Tage fällige Abonnements-Vorstellung auf Mitt­woch. 2 8. März, vorzuverlegen. Es kommt an diesem Tage Hermann Bahrs Meister- LustspielDas Konzert" zur Aufführung. Die Freitags-Abonnenten werden also notgedrungen in dieser Woche mit zwei aufeinanderfolgenden Vorstellrmgen (am 28. und 30.) bedacht, worauf ausdrücklich hingewicsen sei. Das Mittwochs- Abonnement wird für den Ausfall durch ein Gastspiel der Darmstädter Oper inSiegfried"

am 2. Mai entschädigt werden. Ein früherer Termin war von feiten des Landestheaters leider nicht zu ermöglichen.

"SonntagsrückfabrkartenfürOstern werden ausgegeben vom Gründonnerstag, 5. April, bis Ostermontag, 9. April, einschließlich. Sie gelten zur Hinfahrt: Am Gründonnerstag von mittags 12 Uhr an, am Karfreitag, am Karsamstag, am Ostersonntag, am Ostermontag, und zur Rückfahrt am Karfreitag, am Karsamstag bis 9 Uhr vor­mittags, am Ostersonntag, am Ostermontag, sowie am Dienstag, dem 10. April, bis 9 Uhr vormittags. Am Gründonnerstag gelten Sonntagsrückfahrkarten auch schon zu einzelnen zwischen 11 und 12 Uhr vormittags verkehrenden Personenzügen. Sofern die Rückfahrt mit Sonntagsrückfahrkarte schon am Karsamstag durchgeführt wird, muß sie an diesem Tage, ebenso wie am Dienstag, 10. April, auf der Zielstation oder auch auf einer Unterwegsstation mit dem letzten vor 9.01 vormittags auf der Ziel» station der Sonntagsrückfahrkarte abgehenden Bug angetreten werden. Die Rückfahrt darf in diesen Fällen nach 9 Uhr nicht mehr unterbrochen werden. Schnell- und O-Züge mit Ausnahme der FO-Züge sind zur Benutzung mit Sonntagsrückfahrkarten gegen Lösung des tarifmäßigen Schnellzugzuschlags freigegeben.

I Don der Frankfurter Straße. Die Eifenbahnverwaltung ließ in den letzten Tagen die vor der Eisenbahnwohnkolonie stehenden Akazien und Kastanienbäume gründlich beschneiden, so daß nun Luft und Sonnenlicht in die Wohnungen dringen kann. Einen Schutz gegen die furchtbar starke Staub­plage bietet indes noch die Kastanienreihe, die die Frankfurter Straße an ihrer Westseite abschließt. Die vor den Häusern liegenden, von den Bewohnern bebauten Gärtchen haben durch die Ausästung der ausgeputzten Bäume auch viel gewonnen.

"DieEinlösungdes7. Abschnittsder Stadttheater-Abonnements hat am Donnerstag, 29. März, zu erfolgen. Näheres siehe heutige Anzeige.

"EineModenfchau veranstaltete am gestri­gen Nachmittag und Abend die Firma S. Rose­nau, vorm. Fritz Nowack, im Saale des Cafs Leib. Zu der Abendvorführung, deren Augenzeuge wir waren, hatte sich em sehr zahlreiches Publikum ein- gcfunden. Die veranstaltende Firma ließ eine große Menge Damenkleider für die verschiedensten Zwecke, daneben aber auch noch Morgenbekleidung und Badeanzüge vorsühren, wobei sie den Beweis lie­ferte, daß sie über ein reichhaltiges, auf die verschie­denartigsten Wünsche eingerichtetes Lager verfügt. Weiter wurden zahlreiche Modelle der Herrenbeklei­dung zur Schau gebracht, ebenso Kinderanzüge und Mädchenkleider der verschiedensten Art; auch auf diesem Gebiete offenbarte sich eine Vielseitigkeit, die der Kunde von heute bei einer Auswahl nun ein­mal verlangt. Die bekanntgegebenen Preise bewegten sich auf einer Höhe, der sich auch ein weniger statt­lich gefülltes Portemonnaie anpassen kann. Einen hübschen Hintergrund des Dorführungspodiums bil­dete die nett hergerichtete Bühne, auf der zur Ab­wechslung ein kleiner Modesketch gegeben wurde, der bei vielen Besuchern Beifall fand. Die Deranstaltung erhielt dadurch eine besondere Note, daß es der Firma gelungen war, u. a. auch die deutsche Mode- königin Hilde Zimmermann zum Auftreten zu gewinnen, der oft freundlicher Bestall gespendet wurde. Diskrete Musik umrahmte die Vorführungen, denen die Interessenten oft ihren Bestall zuteil wer­den ließen.

" Der Lahntalsängerbund wird sein diesjähriges Dundesfest am 9., 10. und 11. Juli in Kirchhain abhalken. 1929 nehmen die Bundesvereine am 100jährigen Jubel­feste desLiederkranz"-Weilburg teil, der der älteste Gesangverein des Lahntals xft. Dem Bund sind kürzlich drei weitere Männerchöre, aus Gr.- Buseck, Lollar und Homberg, beigetreten, so daß er jetzt 22 Vereine umfaßt.

Berliner Börse.

Berlin, 27. März. (WTB.-Funkspruch). Dir in der gestrigen Aussichtsratssitzung der Ver­einigten Glanzstoff veröffentlichte Absicht der Gesellschaft, eine Kapitalerhöhung um 15 Mil­lionen Mark vorzunehmen und den Mttonären ein Dezugsrecht von 8 zu 1 zu 125 Prozent anzubieten, hat das Jntereste der Spekulation im heutigen Frühverkehr auf dieses Papier kon­zentriert. Man hört einen Kurs von 740 Geld, und ist. hierdurch angeregt, auch für die übrigen Märkte freundlicher gestimmt. J.-G.-Farben hört man mit 245,5 Prozent. Arn Devisenmarkt nennt man Paris gegen London mit 124,02, Mailand 92,40. Madrid 29.09, London gegen Kabel 4,8820 und die Reichsmark gegen Kabel 4,1813.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinden.

Mittwoch, ben 28. März.

Johannevkirche. 6 Uhr: Passtonsandacht; Pfarrer Bechtolsheimer.

Freitag, den 30. März.

Kapelle des Alien Friedhofs. 6 Uhr: Passtons­audacht; Pfarrer Lenz.

Sprechstunden der Redaktion.

12 bis 1 Uhr mittags. 5 bis 7 Uhr nachmittags, Samstag nachmittag geschlossen.

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1928, in der Zeit von 15 bis 18 Uhr an der Kasse in der Vorhalle des Stadttheaters zu

Logenrückplatz......

II. Sperrsitz und I.Rang, Rück­platz ..........

III. Sperrsitz und II. Rang, Bor- dcrplatz . ........

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Gießen, den 27. März 1928. Der Oberbürgermeister. I. B.: Klingspor.

II. Rang, Mitte . . II. Rang, Rückplatz

Soweit möglich, ist die Einlösung Abonnements schon von Mittwoch, dem 28. März 1928 an, während der üblichen Kaffenstunden gestattet. 32908

la- Ila- 11b- F la- F Ib- F Ha»

Bekanntmachung.

Die Rechnung der Landjudenschaft der Provinz Oberhessen für das Rechnungs­jahr 1926 liegt zur Einsicht der Beteütgteu 8 Tage lang auf dem Bureau des Unter- '.eichneten, Alicenstraße Nr. 2, offen.

Nur während dieser Zett können gegen die Richtigkeit Einwendungen erhoben werden.

Wietze«, den 27. März 1928. 3278D

Der Vorsteher der Landjudenschaft der Sani« Marcus, Drovin; Oberhessen.

7,95 Fstm.

2,78

5,94

9,22

0,58

MC 0,59

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Angebote sind bis zum Termin schrifttich und mit Aufschrift versehen auf der Bür­germeisterei abzugeben, wo auch die Be­dingungen eingesehen werden können.

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Hess. Bürgermeisterei.

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Bekanntmachung.

Infolge des Uebergangs des staatlichen Kraftwerkes Wölfersheim an dieHessen- Frankfurt A.-G." (Hesrag) wird die bis­herige gemeinschaftlicheBergwerks- und Kraftwerksdirektton Wölfersheim" mit Wirkung vorn 1. April 1928 an aufgehoben. Die staatlichen Braunkohlenwerke in Ober­hessen unterstehen vorn 1. April 1928 an der Bergwerksdirektion, welche die amt­liche Bezeichnung:Hessische Bergwerks- direttion Wölfersheim" führt. 8288V

Darmstadt, den 22. März 1928. Der Hessische Finanzminister.

Holzsubmission.

Donnerstag, den 29. März, vormittags 11 ¥2 Uhr, soll auf der Bürgermeisterei Allendors a. d. Lahn nachbenanntes Stamm- und Langholz aus dem Ge­meindewald Hopfenstein auf dem Wege

erfolgen.

Die zu zahlende siebte Rate beträgt ftir: Proszeniumsloge, Rangloge u.

I. Rang Borderplatz - -

I. Sperrsitz, I.Rang, Mitte und