von koloristischen Einzelmotiven auf, die malerisch nicht miteinander verbunden, ausgeglichen und gelöst werden können, die Unruhe ins Bild bringen und selbst aus großer Entfernung das ^Zusamn-ensehen" sehr schwer machen.
Das farblich ohne Zweifel feine Gefühl die es Malers bewährt sich jedenfalls unserer Ansicht nach viel aparter und viel unmittelbarer in anoeren Bildern, kleineren Formates, die nicht im Lieber fluß der Palette ersticken. Das gilt vor allem von den englischen Parklandschaf- ten, die auf wenigen, sehr ruhigen Lokaltönen aufgebaut sind und diipch einzelne kontrastierende und belebende he le Färb Decken die Bildhaftigkeit und malerische Geschlossenheit des Ganzen vorteilhaft steigern und unaufdringlich zur Geltung Bringen. Von ähnlich dekorativer Wirkung — aus gehöriger Weile ge'ehen — erscheint uns hierneben etwa die Baden-Badener Landschaft.
2m Ganzen gibt die Ausstellung der Gemälde einen bemerkenswerten Lieberblick über eineosfenbar durch viele Jahre sich' hinziehende künstlerische Entwicklung: zwischen Stil und Ausdrucksmitteln der ruhigen, klaren und etwas akademischen Bil er (wie etwa „Travemünde") und der ausgelockerren, hastigen und harten Farben- akkumulation der vorher besprochenen Strand- bilber (tin Hinte en Kabinett des Ausstellungs- raumes) liegt ein weiter Abstand. —
Die Radierungen von S t e i b verarbeiten mo- tivi'ch vorwiegend Landscha,.en und Architeltur- stücke, Genreszenen aus dem täglichen Leben, einige biblische Vorwürfe und wenige Porträts. Sie zeichnen sich durch eine vielseitige und sichere Technik aus, durch eine zumal den architektonischen Themen und S.äölebildern zugute kommende Akkuratesse der Linienführung, darüber hinaus in den besten Stücken durch eine, vielfach in graphischen Darstellungen zu vermissende Dild- yaftigkeit und atmosphärische Dichte des tot* getragenen Raturausschnittes. 2n manchen Stücken, die uns eine besonders glückliche Hand zu verraten scheinen, wie z. B. „Kaiserswerth und „Vorfrühling in der Eifel", gewinnt das Landschaftsbild eine aquareilistisch - malerische Rundheit: ähnliches gilt von der „Cochemer Landstraße", den eingegl ederten „Obstbäumen und dem „Alten Haus am Iura". —
Die Ausstellung wurde ge em vormittag durch den ersten Vorsitzenden des Kun'ivercins, Land- gerichtsdicektor Bücking, der Oefsentlichkeu übergeben, der mit einer kurzen Ansprache Die De'ucher willkommen hieß und in Wesen und Wert der ausstel lenden Künstler ei wahrte.
hw.
80. Stall mit dem Rad tödlich verunglückt -- Wer zur letzten Ruhe gebettet wurde, hatte feine Beerdigung stattgefunden, ein überaus seltenes Vorkommnis. — Zur Zeit werden in un- Srer Gemeinde eine Unmenge von alten Lumen gefällt. Der Grund ist einerseits hx den sehr hohen Holzpreisen zu suchen, zum anderen wohl in der bevorstehenden Feldbe» reinigung. In diesem Jahr erhalten die hiesigen Ortsbürger zum erstenmal keinerlei Brennholz aus dem gemeinschaftlichen Wald der Gemeinden Ober-Lais und Fauerbach, da die vorhandene tzolzmenge den Bedarf nicht deckt.
V Gedern, 26. Febr. Am Freitag fand im Dergwirtshaus die Generalversammlung der Gederner Bank A.--G. statt. Der Dor^ sitzende des AufsichtsratS, Kaufmann K. Funk, wieS darauf hin, daß das abgelaufene Geschäftsjahr ein Markstein in der Geschichte der Gederner Dank ist. Sind es doch 50 Jahre her, seitdem einige Weitschauende Männer klar erkannten, daß sowohl für das aufblühende Geschäftsleben, als auch für den Bauersmann die Errichtung eines Geldinstituts hier am Platze unbedingt erfolgen müsse. So wurde 1877 eine Genossenschaft mit unbeschränkter Haftung gegründet, aus der dann im Laufe der fünf Jahrzehnte die Gederner Bank erwachsen ist. Der Vorsitzende dankte allen, die dazu beigetragen haben, daß sich das Institut so entwickeln konnte. Insbesondere dankte et dem jetzigen Geschäftsführer Distel für seine wertvollen Dienste. Herr Distel gab dann den Geschäftsbericht, die Bilanz und die Gewinn- und Derlustrechnung für das Geschäftsjahr 1927. Wie Wohl bei den meisten Kassen, so sind auch hier die Spareinlagen in den letzten Jahren stark angewachsen. So hatte die Gederner Bank im Jahre 1924 63, 1925 197, 1926 316, 1927 522 Sparkonten mit einem durchschnittlichen Einlagebestand von 360 Mark. Recht gute Erfolge hat man auch mit den Heimsparkassen erzielt. Infolge der Röte der heimischen Landwirtschaft war es nicht möglich, die bei der Landesgenossenschaftsbank aufgenommenen Kredite zurückzuzahlen, um dadurch vom Bankkredit frei zu werden. An 138 Personen konnten Darlehen ausgegeben werden. Die Aufwertung der alten Sparguthaben wurde im verflossenen Jahre durchgeführt. Auf Wunsch wurden allen Aufwertungsgläubigern über 60 Jahren die aufgewerteten Beträge sofort ausgezahlt. Das Jahr schließt ab mit einem Gewinn von 6032,80 Mk.. von denen 2400 Mk. als 8 proz. Dividende zur Verteilung kommen, je 1000 Mark dem Reservefonds, Pensionskonds zugewiesen und dem Mobilienkonto abgeschrieben, während 300 Mk. für rückständige Derwaltungs- kosten und der Rest mit 332,80 Mk. als Vortrag aus neue Rechnung gebucht werden. Aus diesen Zahlen ist zu entnehmen, daß das Institut sich günstig entwickelt hat. Die Bilanz und die Gewinnverteilung wurden einstimmig genehmigt. Ebeixso wurde dem Vorstände und dem Aufsichtsrat einstimmig Entlastung erteilt. Die drei ausscheidenden Aufsichtsratsmitglieder Karl Funk, Berthold Simon und Wilhelm O b e r h e i m wurden durch Zuruf wiedergewählt.
i' M i t te l se e me n, 25. Febr. Gestern ereignete stch im hiesigen B a s a l t st e i n b r u ch ein schwerer Unglücksfall. Drei Arbeiter waren dort mit Brechen von Steinen beschäftigt, als sich plötzlich überhängende Steinmassen loslösten und a b st ü r z t e n, die unten beschäftigten Arbeiter begrabend. Der 59jährige Steinrichter Appel konnte nur als Leiche geborgen werden, während sein Arbeitskollege Nies an Kopf und Hand schwere Verletzungen erlitt und dem Gederner Krankenhaus zugeführt werden mußte, wo man ihn am Leben zu erhalten hofft. Der dritte Arbeiter kam mit leichten Verletzungen und dem Schrecken davon.
§ Ulrichstein, 25. Febr. Heute vormittag um 9.30 Uhr entstand im Gasthaus „Zum Vogelsberger Hof" ein K a m i n b r a n d , der bei dem herrschenden heftigen Wind leicht weitere Häuser in Mitleidenschaft hätte ziehen und großes Unheil anrichten können. Zum Glück ging der Besitzer des Hauses, Gastwirt K. Groh, sogleich mit einem Feuerlösch
apparat vor, so daß die mit großer Schnelligkeit herbeigeeilte Feuerwehr, die nach dem Abreißen einiger Dachschindeln durchs Dach hindurch die Spritze anlegte, nur noch kurze Zeit zu tun hatte. Einiges Material ist teils mehr, teils weniger stark beschädigt, der im ganzen entstandene Schaden ist glücklicherweise nicht sehr beträchtlich.
Kreis Lauterbach.
* Engelrod, 26. Febr. Heute fand hier im Schäferschen Saale eine von über 300 Personen aus allen Teilen des Vogelsberges gut besuchte V e r f a m m 1 u n g statt, die der Aussprache über die verschiedenen Bahnbauprojekte im Do getsbera galt. Unter dem Vorsitz des Bürger meisters Appel (Ulrichstein) wurde die (Erorte rung in sehr umfassender Weise durchgeführt und schließlich mit überwältigender Mehrheit das Ergebnis der Aussprache dahin festgestellt, daß für die weitere Erschließung des Dogelsberges zunächst rur eine Bahnstrecke Mücke — UIrt ch st ein — Rixfeld in Betracht kommen könne. (Eine Entschließung in diesem Sinne fand Annahme.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
2 Wetzlar, 26. Febr. Dem Kreise Wetzlar sind für das Jahr 1928 5 0 0 0 Ml. Beihilfe zum Llmveredeln von Obstbäu
Wehlar umfassenden, zentralisierten Milchkontrollveretn mit dem Sih in Wetzlar zu gründen, infolge ungenügender Beteiligung nicht durchgeführt werden konnte, hat man nun beschlossen, in den einzelnen Bürgermeistereien lokale Milchleistungs- prüsungsstellen ins Leben zu rufen. Man hofft, auf diese Weise zum Ziele zu kommen. Die Herdbuchgesellschaft des Kreises Wetzlar für das Vogelsberger Rind und alle dem Verbände angeschlossenen Züchter haben großes Interesse cm der Einführung der Milchleistungsprüfungen. Schon im verflossenen Jahre konnte man die Beobachtung machen, daß auf den großen Versteigerungen des Verbandes Mitteldeutscher Rotviehzüchter die Tiere mit Abstammungs- und Leistungsnachweis bedeutend höhere Preise erzielten, als die anderen Tiere. Der auf» blühenden Rotviehzucht des Krei- s e s wird die Einführung der Milchleistungs- Prüfungen sicher zur weiteren Förderung geraten. In absehbarer Zeit sollen zu den großen Ausstellungen der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft und zu den Märkten und Tierschauen des Verbandes Mitteldeutscher Viehzüchter nur noch Tiere mit dem obenerwähnten Leistungsnachweis zugelassen werden. Es wäre aber gefehlt, wenn man hierin den alleinigen Ruhen der Milchleistungsprüfungen erkennen wollte.
Die golderren Verse
Oer aufsehenerregende, letzte große Vornan von
<£faea Vtebis
erscheint vom 2S.Zebruar an im Gießener Anzeiger
Bestellungen für März nehmen entgegen in Gießen die Geschäf.sstelle des Gießener Anzeigers und die
Trägerinnen, auswärts die örtlichen Dertriebsstelien und die Post
men zur Verfügung gestellt worden. Der Betrag ermöglicht es, die Kosten der Veredelung von etwa 50 000 Baumköpfen zu decken. Die Obstzüchter des Kreises sind aufgefordert, von der Beihilfe ausgiebig Gebrauch zu machen. Die Anmeli ungen zum Llmveredeln haben bei den Gemeindebaumwärtern und, wo solche nicht vor- Händen sind, bei den Gemeindevorstehern zu erfolgen. Als Beihilfe wird ein Betrag in Höhe der Häl te der entstehenden Kosten gegeben, baS fini> für den Kopf 10 Pf. An die Hergabe der Beihil en sind folgende Bedingungen geknüpfte 1. Verwendung von nur zwei bis drei Apfel- und ebensoviel Dirnensor.en im Veredelungsgebiet: 2. Sicherung sachgemäßer Pflege der umveredelten Bäum« in den nächsten drei Jahren: 3. Kontrolle der umveredelten Bäume in den nächsten drei Jahren durch den Kreisobstbaulehrer.
l_ Aus dem Kreise Wehlar, 26. Febr. Rachdem der Plan, einen den ganzen Kreis g—11 . HITT"-~T- Jllll M
2luch der Landwirt, der nicht ausgesprochener Züchter reinrassiger Vieharten ist, hat von der Einführung der Milchleistungsprüfung große Vorteile, da ihm durch diese die Möglichkeit gegeben wird, eine bessere Futterausnutzung und Verwertung und hierdurch auch höhere Milch, ertrüge zu erreichen. Für den Kreis Wetzlar sind vorläufig drei Kontrollringe geplant. Der bereits bestehenden Prüfungsstelle Hörnsheim—Hochelheim sollen noch die Orte Lützellinden, Dor. Holzhausen, Groß- und Klein- Rechtenbach angeschloßen werden. Ein anderer Ring soll die Orte Garbenheim-Atzbach, Dorlar, Steindorf, Albshau en. Altensberg und Wetzlar umfassen, und der dritte Ring die Orte aus der Bürgermeisterei Atzbach-Launsbach: Krosbori, Odenhausen, Wißmar, Launsbach und Salzböden. Die Mindestzah. der jedem Kontrollring angeschlossenen Kühe soll 200 betragen. Ein Kontrollassistent, der die staatliche Prüfung abgelegt hat, wird die Milch auf Quantität und Feingehalt
prüfen. Die Kosten sind gering, pro Kuh 35 au je Monat, dürften sich aber bei recht zahlreicher Beteiligung, die zu erhoffen ist, noch verringern da auch die Landwirtschaftskammer, der Kreider landwirtschaftliche Verein und die Kreist bauernschaft Zuschüsse leisten.
~ Klein» Rechtenbach. 26. Febr. Bet der im hiesigen Gemeindewald stattgehabten Holz- Versteigerung wurden folgende Preise er. zielt: Kiefernnutzknüppel (3 Meter lang) 26 bis 30 Mark je 3 Raummeter, Kiefern knüppel 15 bis 19 Mark je 2 Raummeter, Kiefernstockhvl» 4 bis 8 Mari je 3 Raummeter, Kiefern- und Fichtenreiser (gemischt) 3 bis 4 Mari je 4 Raummeter. Der Preis für die Kiefern- und Fichten, reifer war so gering, daß die Gemeinde den weiteren Verkauf einstellte. Es ist fraglich, ob die Gemeindevertretung die Versteigerung' bei solch billigen Preisen genehmigen wird.
<> Oberkleen, 26. Febr. Am 16., 17. und 18. Juli findet hier das G a u t u r n f e st des Turn, gaues Wetterau statt. — Die von dem hiesigen Turnverein veranstaltete Turnhallenbau l o t t e r i e ergab einen Reinertrag von rund 600 Mk. Der Verein hat das Geld vorläufig zins- tragend angelegt.
<> Ebersgöns, 26. Febr. Wie bereite berichtet, waren unter den Schulkindern der hiesigen Gerne nbe die Masern in einem solchen Umfange au, getreten, daß die Schule gc- schlossen werden mußte. Rachdem die Krankheit in den letzten Tagen wesentlich zurückgegangen ist, ist nun der Schulbetrieb wieder auf, genommen worden.
Oberwesterwaldkreis.
D Höhn, 26. Febr. In der jüngsten öffentlichen Sitzung der hie igen Gemeindevertretung lag zunächst zur Kenntnis und Genehmigung em Rachtrag zum Pachtvertrag zwischen Gemeinde und Gewerkschaft Albert vor, wonach die Kontrolle der zu verladenden Steine nicht durch einen Wiege-, sondern durch einen neuzeitlichen, patentierten Zählapparat erfolgen soll. Zur Verhütung einer Benachteiligung, die der Gemeinde durch das Zählen statt des Wiegens entstehen konnte, sichert sich die Ge- meinde durch einen Passus, der die Gewerkschaft bei Zahlung einer hohen Konventionalstrafe verpflichtet, die Wagen nur bis zu einer gewissen Stückzahl von Pflastersteinen zu beladen. Dem Gemeindeforstbea ten steht jederzeit das Aus. sichts- und Kontrollrecht bei der Verladung der Steine zu. Bei mangelhafter Funktion der Zahl- Vorrichtung ist die Gemeinde berechtigt, das Verladen der Steine so'ort zu unterbinden. Der Rachtrag war vom Kreisausschuh entworfen und in einer gemeinsamen Sitzung mit der Forst- behörde und dem hiesigen Ge windevorstand in der vorliegenden Form erarbeitet worden. — Der Bürgermeister brachte der Vertretung ein Schreiben des Landratsamtes zur Kenntnis, daß der Landwirffchaftsminister beabsichtige, ber Landwirtschaft zu Drainage- und Mel io- rationszwecken einen Auslandkredit zu erwirken. Trotz des günstigen Angebots glaubt die Gemeindevertretung darauf verzichten zu können, da sie der Ansicht ist, daß die ihr zur Verfügung stehenden Mittel für solche Arbeiten in der Gemeinde vollkommen ausreichend sein dürften. — Der Vertrag mit der Bobenver besser ungs - Gesellschaft, die der Gemeinde auch in diesem Jahre ein Darlehen von 1180 Mk. zur Melioration der Viehweide zur Verfügung stellt, wird auch für dieses Jahr genehmigt. — Der Schulneubau ist dadurch, daß die Regierung die Gemeinde veranlaßt, zu dem Regierungsentwurf Stellung zu nehmen, In ein neues Stadium getreten. Die Ansichten über den Bau sind zwischen Regierung einerseits und der Gemeinde andrerseits äußerst divergierend. Während bei der Regierung die Baukosten, b. h. die Höhe des vom Staate zu gewährenden Dandrit'els im Vordergründe steht, ist für die Gemeinde, die etwas Einheitliches und Ganzes schaffen möchte, an erster Stel.e das Praktische und Annehmliche — unbeschadet der Mehrkosten, die die Gemeinde zu zwei Drittel auszubringen bereit ist — matz-
Der Blumentopf.
Von Clara Bliithgen.
Schön ist's wahrhafttg nicht, wenn in solchem Berliner Gart-nhau e einer dem andern in die Fenster guckt. Wie einer vom andern gan; genau treib: Riedergang der Verhältni se — selbst Dienstmädchen spie, en — möblierte Zimmer vermieten — berufstätig sein und allerlei anderes.
Wie im Andersenschen Märchen vom Schweinehirten riecht man ganz genau, was in den gegenüberliegenden Kuchen in den Töp en brodelt. Man erlebt es mit, wie der Sonntags- braten geklopft und der Schnee für die süße Speise geschlagen wird. Wie die Wimpelr ihe von Taschentüchern, die jeden Montag vor dem Schlafstuben, enster dem Tro inen gntg "genflat ert, immer fadenscheiniger und fadenschein g r wird.
Hat man besonders Glück, so klettert wohl an der Wand gegenüber blutroter Wein empor, alle die häßlichen, abgeblätterten St ilen des Gemäuers wohltätig ver.chleiernd. oder ehe Loggia Prangt im Schmuck anspruchsloser Efeu- ranken. Aber die meisten Häusrrwänb? sind kahl, trostlos kahl. In öder Symmetrie stehen die Fenster: hier die zwei Fenster der Schlafstube. daneben das geteilte von Bad zi nmer und Speisekammer, dann das Küchenfenster und w i er das buntverglaste der Treppe, das sich so freundlich erhellt, wenn ein ausschweifender Mittelstandsmensch abends nach Hause kommt.
, scheint die Sonne, so bringt sie es fertig, felbft dieses häßliche Hinterhaus zu begnaden. Fenster fliegen auf, Gardinen leuchten in verdoppelter Weiße, das Bauer mit dem Kanarien- bogcl wird aufs Fensterbrett gestellt. Gesichter, die man feit Ewigkeit als alt und mißvergnügt fennt, prangen in erneuter Jugend.
«. ^ur 3wei Fenster verschließen sich hartnäckig huV Eegensspenderin. Vor dem einen
nv-n s 3h !yaIou^ ständig herabgelassen. Kein spähendes Auge hat je gesehen, daß sie sich auch nur um eines Zolles Breite gehoben hätte. Am andern Fenster ist sie zur Hülste aufgezogen. Der freie Teck zeigt gelbe, etwas ausgeblichene Rouleaus und das Weiße Eisengestell ein's Bettes, mit dem Kopfende dicht ans Fenster gerückt.
In dem Zimmer haust eine Frau. Ob alt ob jung, ob schön ober unschön? Man fragt es nicht denn man wird erschüttert von der Bürde des Leidens, die auf diese schmalen Schultern unter dem grauen Jumper gehäuft ist. Von der absoluten Freudlosigkeit, Die die ganze Erscheinung ausströmt. Eine von den Stillen, deren eigent
liches Ich »on der Rot der Zeit bis zur Llnkenntlichkeit umgeprägt wurde, die nun das Dunkel suchen.
Ratürlich weiß man von ihr: Früher Besitzerin der ganzen Wohnung. Run die drei schönen Vorderzimmer abvermietet an irgendwen. Sie selbst berufstätig. Irgendwie. Wer früh aufsteht, kann es noch mitanschauen, wie sie mit müden Bewegungen das Bett auseinanderlegt, und in der gemein; djaftlicfcen Küche sich etwas Tee aufgießt. Wer spät zu Bett geht, wie sie zurückkommt. sich müde Tee auf- gießt. bann übermübet ins Bett |intt.
Mwin der Sonntag gehört ihr. Da sieht man ein Staubtuch wehen, ein Rock wird gebürstet. ein Paar Halbschuhe an ben Sohlen geschwärzt, eine Bluse getoa chen unb zum Trocknen vors Fenster gehängt. Ausgezwungene Rot- wenbigkeitsarbeiten, nirgends ein Aufschwung, nichts, was auch nur an die bescheidenste Freude erinnerte.
Plötzlich wirb bas anberg. Auf dem Fenster- breit, vor dem Hintergrund des weißen Ei en- bettes macht sich ein Blumentopf breit. Eine Fuchsie, mit gefunden gr inen Dl ttern, mit halb erschlcs enen du k'lroten Bl te.i und (ugebgen b a r len Kno pen. Cin Fuchsie, wie es ihrer tjunberttaafenbe in der Großstadt gibt. An sich nichts Besonderes. Aber in dieser grauen Umgebung ein leuchtendes Wunder, ein Zcuibergew ichs aus einer and ren freudigeren Welt nach hier verschlagen. Wenn letzt die Sonne scheint, so macht sie keinen Llmweg mehr um die beiden Fenster, sondern sie ver- wellt ausgesucht liebevoll gerade dort All ihren Glanz sammelt sie auf dem Blumentopf, damit Die Pflanze wachsen unb gebeihen möge in ihrer wunbervollen Bestimmung, ein bißchen Sreube in ein verarmtes Menschenherz zu bringen.
Trotz ber sonstigen Allwissenheit in bezug auf jebes Erlebnis des Rachbarhau'es weiß man nicht, was für eine Bewandtnis es mit dem Blumentopf hat. Ob er einfach auf dem Wochenmarkt getauft wurde? Ob eine liebe Hanb ihn stiftete, vielleicht sogar eine männliche? Lim den Faden nach einem flüchtigen Begegnen nicht abreiben zu lassen? Ob als Anfang oder als Schluß eines Herzenserlebnßses? Alles ist dunkel aber darin liegt vielleicht gerade der Reiz dieses Blumentopfes.
Run ist die Frau nicht mehr allein, nicht mehr vereinsamt Da ist ein Geschöpf Gottes, das zu ihr gehört, das sie morgens begießen' t>on welken Blattern und Blattläu en befreien darf, für das. je nach dem Bedarf seines Wohl
befindens, das Fenster geschlossen od:r geöffnet werben muß. Wenn sie abenbs nach Hause kommt, lohnt es, nachzusehen, ob keine Blüte neu aufgebrochen ist, ober von ben längst erschloßenen feine verwol.t vom St n;el gefallen.
(Sin tounberbaier Verjüngungspw^eß i,t mit dem zu früh verblühten Gericht der Frau vor sich gegangen. Man sieht jetzt erst, wie fein- linig diese Züge sind, wie natür ich gewellt der leicht angegraute Scheitel. Welch leuchtende Tiefe in diesen sonst so harten Augen ruht. Leise und zärtlich berührt sie ben Stengel ber Pfl.a"^ — ganz, als ob sie etwas Liebes streichle. Llnb jetzt — wahrhastig — jetzt lächelt siel
Oberhessischer Kunstverein.
Tie gestern eröffnete neue Ausstellung des Kunstvereins um aßt eine Ko leftion Oelgemälbe Don Rubols Hellwag (Berlin) unb eine größere So ge Radierungen von Josef Steib (Tckss^l- borf).
Die Gemälbe sind durchweg Freilichtbilder, vornehmlich nach lanbscha tlichen Motiven aus i Deutschland. England und Italien. Die stilistische Eigenart Hellwags scheint uns in einer ausgesprochen malerischen unb ausgesprochen flächigen Malweise begründet zu sein. Die farbliche Behandlung und ßö.ung eines gegebenen Themas steht im Vorderarunde seiner künstlerischen In- tentionen. Die Problematik seiner Arbeiten ist vorwiegend unb oft ausschließlich koloristischer Ratur. Mit andern Worten: dieser Maier ist im wesentlichen nicht linear eingestellt, und er geht niemals von ber räumlichen unb plastischen Erfassung unb Gestaltung bes jeweiligen lanb° schasttichen Motives aus: bte Folge davon ist eine teils dekorative, teils ziemlich unrealistische Wirkung dieser Bilder.
Sie stehen - wie ihr Schöpfer überhaupt modischen Stileinflüssen wenig zugänglich zu sein scheint — am weitesten entfernt vom prägnanten Ausdruck gegenwärtiger Malbestrebungen. Hellwag hat auch mit bem Expressionismus kaum etwas gemein (dazu ist er bvch zu nüchtern unb zu biszipliniert: wir urteilen natürlich immer nur nach ben hier zugänglichen Arbeiten) — am ehesten scheint er, in manchen Stücken wenigstens der im- pre' ionih ->en .Se' • ' - aV--. gen.Ob
wohl er wiederum um m ressio ist zu e n, u deutlich. zu gründlich, zu oetoni malt, u ,o uoerdies zuviel vorn Außenbilbe und Augeneinbruck auf ber Leinwand festhalten, zusammentragen und bereinigen will. Lleberhaupt weisen manche seiner Bilder — unb leiden darunter — ein Llebermah


