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Nr.49 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffeu)Montag, 27. Februar 928

Pariser Akademie der Wissenschaften in einem versiegelten Paket hinterlegt und am 3. Dezember desselben Jahres von einer Kommission der Akademie eingesehen und besprochen wurden. Die Fachleute äußerten sich von vornherein ab­lehnend, man bestritt rundweg die Möglichkeit einer mechanischen Wiedergabe der menschlichen Stimme, und so kam es, daß der wenige Monate später in der Oeffentlichkeit aufsehenerregende Apparat Edisons den französischen Erfinder Croß mit seiner Sprechmaschine in den Schatten stellte. Wohl kam man nun in Frankreich zu der Ueberzeugung, daß Croß kein Phantast gewesen sei und überhäufte ihn mit Ehren, die chm nun jedoch nicht mehr viel nützten, denn der Edison- sche Apparat verschaffte sich schnell Weltruf, und der Name Croß kam in Vergessenheit.

Interessant ist es nun zu erfahren, wie Edison auf den Gedanken zur Konstruktion einer Sprcch- maschine gekommen ist. Da alle Erfindungen dieses genialen Mannes eng miteinander ver­knüpft sind, so wird es nicht überraschen, zu hören, daß Edison den ersten Gedanken zur Verwirklichung des Phonographen bei dem Ver­such einer neuen Vorrichtung des Telegramm- veüehrs empfing. Als man diesen QIpparat, der aus einer rotierenden Walze bestand, der durch einen Schreibstift die Punkte und Striche des Morsealphabetes mechanisch eingeritzt wur­den, war es Edison aufgefallen, daß jedesmal ein feiner singender Ton entstand, wenn der Schreibtisch die Walze berührte. Dieses Klang­phänomen war es, dem er nachsorschte. das ihm die Möglichkeit verhieß, eine Konstruktion zu er­finden, die es vermochte, die menschliche^ Stimme festzuhalten und in der gleichen Tonstärke mtb Klangfärbung wiederzugeben. Mit der ihm eigenen Zähigkeit und Konzentrationsfähigkeit auf einen bestimmten Gedanken gelang es ihm, einen gangbaren Weg zu finden, und eines Tages erhielt einer der Mechaniker in Menlo- park den Auftrag, an Hand einiger Zeichnungen eine kleine Maschine zu bauen, deren Kon­struktion so primitiv war, daß Edisons Mit­arbeiter sich abso'ut keinen Vers darauf machen konnte, wozu dieses Ding nütze sein sollte. In 30stündiger Arbeit hatte der Mechaniker das gewünschte Gerät fertiggeftetlt. Es bestand aus

Oie indische Freiheitsbewegung.

Von Prof. Tarachand Roy, Lektor am indogerm. Seminar der Univ. Äerlin.

In Indien stammte es in diesen Tagen aller- «rten auf. Das ganze Land wird augenblicklich »on einer ungeheuren Welle nationaler Ernpö- »ung überflutet. Was geht in Indien vor? Was Lat die Lage plötzlich fo zugespiht? Um für den Vang der Ereignisse daS richtige Verständnis zu «rwecken, muß man weit ausholen.

Vicht erst in neuerer Zeit, sondern bereits |?it Jahrzehnten ist die nationale Unab - L ä n g i g k e i t die Losung der Inder. Genauer «esagt, schon seit der Mitte des vorigen Iahr- Junderts. Der Sipahi-Aufstand von 1857 war das erste Flammenzeichen der indischen Dc- ffirebungen zur Erlangung der Freiheit. Im Jahre 1884 nahm die Nationalbewegung eine konstitio- melle Gestalt an, unter dem Namen des von einsichtigen Engländern und Indern gegründeten ^Indischen Nationalkongresse s". Man versuchte die Interessen Indiens mit denen Eng- llands zu versöhnen. Alljährlich wurde der Kon­greß mit den Wünschen und Forderungen des indischen Volkes bei der englischen Regierung vorstellig. Der Sieg Japans über Rußland flößte Den Indern Mut ein und spornte sie auf dem Wege zur nationalen Freiheit mächtig an. Der Vizekönig, Lord Curzon, glaubte, dem zu- nehmenden Unabbängiqkeitsdrang der Inder Ein­falt tun zu müssen und nahm mit eiserner Hand Sie Teilung Bengalens (Partition of Bengal") vor. Die Wirkung war aber gerade das Gegen- keil. Die Wogen der Entrüstung brausten ge­waltig auf. Die Regierung mußte die Teilung Bengalens rückgängig machen. Das bedeutete eine schwere Niederlage für Lord Curzon und einen nicht unerheblichen Sieg für die Inder. Das Tempo des nationalen Fortschritts nahm nun immer mehr zu. Unter der Führerschaft B a l Dangadhar Tilaks (gest. 1920) bildete sich eine extreme Partei, die gegen die englische Regierung vorging. Der ersehnte Erlclg blieb aber aus. Alle Versuche scheiterten an der klugen Taktik Englands.

Im Iahre 1914 kehrte Mahatma Gandhi aus Südafrika nach Indien zurück und brachte Den Versuch einer eigenen Lösung des Freiheit- Problems mit. die mehr vom Geiste der Religion als der rücksichtslosen Politik durchtränkt war. Der Ausbruch des Weltkrieges schien mH einem Schlag das heißersehnteH o m e r u I e In die nächste Nähe zu rücken. Die englische Re­gierung stellte die Erfüllung der nationalen For­derungen als eine Belohnung für die Teilnahme am Kriege bereitwilligst in Aussicht. Im Iahre 1917 versprach der damalige Staatssekretär für Indien, Montagu, dem indischen Volke eine toerantworiliche Regierung (Responsible Govern- rnent) und 1918 unterzeichnete der indische Vize- röntg, Lord Chelmsford, mit Montagu einen offiziellen Bericht über die konstitionellen Re- f orrnen. Indien half und wartete auf die versprochene Belohnung, aber vergebens. Diese schmerzliche Enttäuschung rief in Indien große Entrüstung hervor. Maßlose Empörung griff mit Blitzesschnelle um sich. Mahatma Gandhi erkannte die Gefahr, in der sein Land schwebte. Er machte die Inder auf die Sinnlosigkeit und Herstörende Natur der Gewalt aufmerksam. Er predigte Gewaltlosigkeit.Swaraj (Selbswerwal- tung) kann nicht ohne die Seelenkräfte, die die eigentlichen Waffen Indiens sind, erreicht wer­den", lehrte er.

Im Iahre 1919 gab England durch eine Paria- nientsakte bekannt, daß es im Iahre 1929 eine ^.Kommission" nach Indien senden würde, um die Verhältnisse an Ort u n d Stelle zu untersuchen und Vorschläge für eine Verfas - s ungsrevision gegebenenfalls für die Gewährung der Selbstregierung auS- »u a r b e i t e n.

Inzwischen hat sich in Indien manches zuge- tragen. Die Non Cooperations-Bewegung Ma- tzatma Gandhis mußte im Sande verlausen, weil es an den größtmöglichen Opfern der aröht- niöglichen Zahl fehlte. Die nationalistischen S w a- rraj i ft en mit ihrer bedingten Mitarbeit haben genau so wenig Erfolg zu erringen vermocht,

wie die Liberalen und Responsivisten durch ihre Mitarbeit mit der englischen Regie­rung. Letzten Endes hat diese immer ihre eige­nen Theorien und Beschlüsse in die Tat um- geseht. Trotz des riesenhaften Protestes seitens des indischen Volkes wurden voriges Iahr i n - dische Truppen nach China verschickt. Unter derOröinance and Regulations, Act III of 1818" wurden vor einigen Jahren eine statt­liche Anzahl indischer Patrioten ohne Gerichts­verfahren deportiert, von denen noch heute viele im Kerker sitzen oder in elendem Zustande in der Verbannung vegetieren müssen. In Schott­land wurden vor kurzem die indischen Studenten von den Besitzern von öffentlichen Lokalen höchst ungentlemanlike" behandelt. Ohne irgendwelche triftige Begründung, nur auf Grund der dunklen Farbe wurde ihnen der Zutritt zu den Restau­rants und Gesellschastsstäiten verweigert. Neulich wird das sehr anfechtbare BuchMutter Indien" von der Amerikanerin Miß Mayo, das Indien in den Augen der Welt Herablehen soll, in Europa und Amerika verbreitet. Cs soll an die Mit­glieder des Parlaments gratis verschickt worden sein.

Es ist darum kein Wunder, wenn angesichts dieser Tatsachen die Geduld Indiens fast erschöpft ist. Indien kämpft für seine Ehre. Cs will nicht mehr am Gängelband geführt werden. Es will über fein Schicksal selbst bestimmen Das ganze Land ist durchwallt von dem Wunsch nach dem Swaraj". Die gegenwärtige Lage hat nun die britische Regierung veranlaßt, die für das Iahr 1929 vorgesehene Kommis ion zur Prüfung der indischen Verfassung schon jetzt nach Indien zu schicken. Sie ist dort bereits eingetroffen. Aus der versprochenen königlichen Kommission ist, ent­gegen dem Dersassungsgeseh von 1919, aber bloß eine Parlamentstommission geworden, die aus drei Konservativen, zwei Liberalen und zwei Mitgliedern der englischen Arbeiterpartei zusammengesetzt ist. Es sind lauter Eng­länder, kein einziger Inder ist darunter. Man kann begreifen, daß die Inder d ese Art der Zusammcwehung dc> K mmiLion als einen Sch'ag ins Gesicht empfunden haben.

Schon bei Bekanntwerden der Tatsache, daß sich kein Inder in der Kommission befindet, rauschte ein Sturm der Empörung in ganz Indien auf. Das setzte allen Beleidigungen die Krone auf. Die Inder hatten doch erwartet und erwarten dürfen, daß sie bei der Prüfung der politischen Lage ihres Heimatlandes und bei der Ausarbeitung der neuen Derfassungsresorm zur aktiven Mitarbeit herangezogen würden. Sie hatten geglaubt, daß sie als gleichberech­tigte Mitglieder mit den Engländern in der Kommission sitzen würden. Nicht im entfern­testen hatten sie daran gedacht, daß man sie gänzlich übersehen würde. Schwer enttäuscht und maßlos empört sind sie jetzt alle wie ein Mann gegen diese Rücksichtslosigkeit der Regierung in die Hohe geschnellt. Oft kommt aber das Glück gehüllt in den Mantel des Unglücks in einer Hinsickt hat sich die Simon Kommission für In­dien bereits segensreich erwiesen. Wie mit einem Zauberschlag hat ihr Erscheinen die verschiedensten Parteien. Rassen und Volksschichten zu einer Einheitsfront gegen die englische Regie­rung zufammengeschwcißt. Seit den erfolgreichen Tagen der Non Cooperations-Bewegung Ma­hatma Gandhis hat sich noch nie wieder die ge­samte Kraft des indischen Volkes mit einer solchen spontanen Aufwallung gegen England zusammen­gefunden wie zu dieser Stunde. Es gibt jetzt keine Partei in Indien, die sich nicht für einen Boy­kott der Simon-Kommission erklärt hat. Der Hindu Mahasabha erinnert an die großen Ver­sprechungen, die England den Indem während der schweren Zeit deS Weltkrieges gemacht hat und verurteilt die Entsendung der Simon-Kom­mission aufs schärfste. Auch die Liga der M o - hammedaner hat sich für den Boykott ausge­sprochen. Sogar die indischen Christen haben sich mit ihren Landsleuten in diesem Punkte

Aas fünfzigjährige Grammophon

Von E. M. Andersen.

Arn 19. Dezember 1877 war es, als der De- amte des Washingtoner Patentamtes, Abteilung mechanische Apparate, den Eingang eines Ent­wurfes zur Herstellung eines Phonographen legiftrierte. Wahrscheinlich hat er dabei ver­wundert den Kops geschüttelt. Eine Maschine yir Fixierung der menschlichen Stimme? Der- Sseichen war in Amerika noch nicht bekannt, und ie Listen des Patentamtes, so eifrig sie auch Durchsucht wurden, führten nichts Aehnliches an. Alber der Entwurf kam von Thomas A. Edi- ff»n, dem Zauberer von Menlopark, und dem war das Unmöglichste zuzutrauen. Die praktische Ausführung des Apparates, die dann in den Versuchsräumen des Patentamtes erprobt wurde, Überraschte jedoch alle, die bei dem Versuch zu­gegen waren, und im Februar 1878 erhielt Edi- fbn das Patent und kurze Zeit später erschien Las erste Modell in der Oeffentlichkeit.

Dennoch war Thomas A. Edison nicht der erste, Ser auf den genialen Gedanken gekommen war, eine Maschine zu konstruieren, die es vermochte, stimmen und Geräusche genau wiederzugeben. Der englische Gelehrte und Arzt Dr. Thomas V ou n g, hatte schon zur Zeit Napoleons I. eine Alrt Sprechmaschine konstruiert, die im Iahre 1840 von dem Franzosen Duhamee, 1844 von Bern Deutschen Wertheim, 1857 von Lissa­bon x und später von Helmholtz,Regnault »nd Mescadier verbessert wurde. Aller- Sings waren diese Apparate mit dem Edison- sshen Phonographen kaum zu vergleichen, da ihre Vorrichtung es nur vermochte, die menschliche Stimme nachzuahmen, also nicht wirklich fest- yuhalten und auf mechanischem Wege wieder- zugeben.

Einen Schritt näher kam ihm der Apparat Lines Typographiearbeiters Scott in tfrant- »eich, dem es gelang, Stimmen und Geräusche mittels einer leicht vibrierenden Membran aufzu- mehmen, doch bewährte sich die Konstruktion in Der Praxis nicht. Dann aber kam der Pariser Lroß mit einer Verbesserung, deren genaue Aufzeichnungen am 30. April 1877 bei der

solidarisch erklärt. Der Allindische Gewerk­schaftskongreß hat sich sehr energisch gegen die Parlamentskommission gewandt. Die All- indische Khalisatskonserenz hat alle Mo­hammedaner ausgefordert, den Boykott streng durchzuführen und mit den anderen Indem zur Erlangung der Freiheit Schulter an Schulter zu kämpfen. Und last not least trat der QI 111 r. ö i - fche National-Kongreh hervor, der im Dezember 1927 zum 42. Male in Madras tagte und zum ersten Male feit seinem Bestehen er­klärte, daß das Ziel des indischen Volkes nicht derDominion Status" innerhalb deS britischen Reiches, sondern die volle nationale Un­abhängigkeit Indiens fei. Ferner wurde jede Mitarbeit mit der Simon-Kommission abge­feimt. Es wurde beschlossen, am Tag ihrer An­kunft in Bombay einen Generalstreik auszu­rufen.

Tatsächlich hat die Kommission bei ihrem Ein­treffen in Indien einen schlimmen Empfang er­lebt. Hier und dort ist es zu schweren Unruhen gekommen. Sir John Simon, Führer der Kom­mission, scheint den Ernst der Lage erkannt zu haben, denn er hat sich in einem Dries an den Dizekönig, der in den indischen Zeitungen abge­druckt wurde, an die indischen Politiker gewandt und sie zur Mitarbeit auf«geforöcrt. Diese verhalten sich aber völlig ablehnend, denn sie glauben an den Wert eines solchen Qkr- I fahrens nicht und vertreten die Ansicht, daß ihnen damit nicht gedient wäre. Indien befindet sich im Zustand höchster Spannung. Man muß abwarten; die nächste Zeit wird lehren, welchen Weg dort die politischen Ereignisse einschlagen.

Oberheffeu.

Landkreis Gieszen.

I Heuchelheim, 26. Febr. Unter sehr starker Beteiligung der Gemeinde und der Lehrerschaft des Kreises wurde'heute Rettor i. R. Heinrich Schmidt zu Grabe getragen. Der Verstor­bene hat lange Iahre als' Lehrer und Rektor am hiesigen Orte gewirkt. In welch hohem Maße er sich in dieser Zeit die Liebe und Verehrung der Einwohnerschaft erworben hat, davon legte das außergewöhnliche Trauerge olge Zeugnis ab. Vor zwei Jahren zwang ihn eine schwere Krank­heit. den geliebten Brus aufzugeben. Vergebens hofttc man aus volle Wiederherstellung. 2m Alter von 61 Jahren machte ein Schlaganfall seinem arbeitsreichen Leben ein Ende. Mit Rettor Schmidt ist ein Mann dahingegangen, der eng mit den Geschicken unferm Gemeinde ver­bunden war. Er war Mitglied des Kirchen­vorstandes, Vorsitzender des Kriegervereins und hatte andere Ehrenämter inne. Wo es galt, eine Ar. et für die A Igem inheit zu über, ebnen, war der Verstorbene stets in uneigennütziger Weise bereit. Pfarrer Dörr sprach treffende Worte über das Wirken und Schaffen des Ver­blichenen. Lehrer W o l f s ch m i d t gedachte In tief bewegten Worten deS Kollegen und Freun­des. Im Namen des Lehrervereins Gießen- L a n d sprach Lehrer H o f m a tt'n (Lang-GönS), ein früherer Schüler von Rektor Schmidt. Er schilderte den Verstorbenen als lieben Amts- genossen und treuen Lehrer und betonte, daß alle seine Schüler in Dankbarkeit und Verehmng seiner gebenden werden.

(=) Lang-Göns, 26. Febr. Bei der 93 er­geb u n g des Nutzholzes wurden am Sams- tag sehr anseh"'iche Preise erzielt. Es handelte sich um Kiefern- und Fichtennutzholz. Im Durchschnitt kam der Festmetcr auf 50 bis 52 Mk. Käufer waren Lang-Gonser Handwerker.

* Lich, 26. Febr. Die Meldefrist für die durch das Ableben von Bürgermeister Völker verwaiste Berufsbürgermeister st eile, die zum 1. April neu besetzt werden Toll, ist gestern abgelaufen. Es haben sich insgesamt 10 5 Bewerber gemeldet. Zwei Kandidaten sind, wie wir Horen, aus Lich selbst. Die Be­werber gehören den verschiedensten Berufen an, viele stehen im kommunalen Verwaltungsdienst.

F Obbornhofen, 26. Febr. Im Saalbau Henzel hielt der hiesige TurnvereinGut Heil" einen wohlgelungenen Werbeabend ab, zu dem sich ein zahlreiches Publikum einge­funden hatte. Der Vorsitzende Z u l a u f wies

einer, mit der Hand zu drehenden Walze, einem in eine Membran eingeschalteten Schreibstift und einem über die Membran gestülpten Schall­trichter. Da stand es nun auf dem Arbeitstisch in dem großen, hellen QZersuchsraum von Menlo­park, und neugierig hatten sich die Gehilfen um den Tisch gruppiert. Was würde Edison damit anfangen?

Lächelnd setzte sich der Zauberer von Menlo­park an den Apparat, legte ein Stanniolblatt um die Walze und befestigte es an den Rän­dern mit einem Bleistreifen. Nun drehte er mit der rechten Hand die Walze und sprach dabei in den Schalltrichter einen Vers:

Mary had a little lamb, its fleece was white as snow, and every-where that Mary went, the lamb was sure to go.

(Marie hatte ein kleines Lamm, fein Fell war weiß wie Schnee, und wo Marie auch immer ging, ging auch das Lamm mit ihr).

Man staunte. Was hatte das zu bedeuten? Und von neuem drehte Edison an der Walze, setzte den Stift in die Anfangsrinne und nun kam das große Wunder. Während der Stift in der Rinne weiter lief, ertönte aus dem Schalltrichter Edisons Sttmme. Wort für Wort, etwas näselnd zwar, aber doch unverkennbar in der Klangfarbe der wohlbekannten Stimme vernahmen die Umstehenden den kleinen Kin- dervers, und nun gab es stürmischen Jubel. Wie die Schulbuben gebärdeten sich die Erwach­senen an diesem denkwürdigen Tage in Edisons Arbeitsraum, immer wieder wurde der Wunder­apparat in Bewegung gesetzt, jeder wollte seine eigene Stimme aus ihm hören, und wohl kaum hatte eine an sich so einfache Erfindung so viel Erregung in Menlopark hervorgerusen wie dieser Phonograph, dessen Lob dann auch bald die ZeitschriftScientific American in alle Welt hinaustrug. 3m Laufe der Jahre verbesserte Edison den primitiven Qlpparat immer mehr. Das Stanniol wurde durch Wachsüberzug der Walze erseht, aber noch immer war man nicht so weit, von den Originalwalzen Qlbgüsie her­zustellen. Erst im Jahre 1888 gelang es, gal­vanische Walzenübergüsfe anzuferttgen, die als Dußformen für die in großen Mengen herzu-

nack den üblichen DegrüßungSworten auf die Bedeutung der körperlichen Ausbildung gerade in der Jetztzeit hin und ermahnte zur Unter­stützung der edlen deutschen Turnsache. Eine Damenriege und eine Abteilung der besten Turner deS Turnvereins Echzell führten nun Geräte­übungen vor, die geradezu als Glanzleistungen anzusprechen waren. Die Arbeiten für die Anlage einer Wasserleitung mit Kana­lisation sind in vollem Gange. Vollendet ist biS jetzt die Entwässerungsanlage im WieS- graben. Wegen des geringen Gefäils und weil dieser Strang die Niederschläge des größten Teiles der Feldgemarkung abzunchmen hat, mußten die 22 Zentner schweren Zementrohre von einem Meter lichter Weite in eine Tiefe von über zwei Meter gelegt werden. Ursprüng­lich sollte hier ein Detonkanal zur Ausführung kommen. Bei den Ausschachtungsarbeiten in der Kommenturgasse stieß man aus Pferdeskelette und fand eine Anzahl eigenartig geformter klei­ner Hufeisen, die wohl aus den Russendurch- zügen in den Freiheitskriegen stammen. Die Ausführung der Arbeiten hat das Tiefbauunter- nehmen Stefan Kuhn von Inheiden über­nommen, das hier 56 Arbeiter beschäftigt, die bis auf drei hier beheimatet sind. Ein Taucher war am Freitag bei den Bohrarbeiten der H e s r a g" am hiesigen Trinchxunnen in Tätig­keit getreten, um zwei je 4 Zentner schwere Stablmeihel, die abgebrochen im Bohrloch liegen, zu heben. Er konnte jedoch die Hebungsarbeiten nicht durchführen, da er wegen des Auftriebs der quellenden Wassermassen nicht bis auf den Grund der Qlbteufung gelangen konnte.

Kreis Friedberg.

O KirchgönS, 26. Febr. Bei der im hie­sigen Gemeindewald stattgehabten Nutzholz- Versteigerung wurden folgende Preise er­zielt: Eichenstämme von 20 bis 48 Zentimeter Durchmefser 80 bis 100 Mark je Festmeter, Kiefernstämme von 20 bis 29 sowie von 30 biS 43 Zentimeter Durchmesser 45 bis 50 Mark je Festmeter, Eichenstämme von 15 bis 31 Zenti­meter Durchmesser 45 bis 50 Mark je Festmeter, Fichtenderbstangen 3,80 bis 4 Marl je Stück, Fichtenreisstangen 4. Klasse 17 bis 18 Mark je 50 Stück, 5. bis 6. Klasse 6 bis 8 Mark je 100 Stück.

Kreis Schotten.

Ulfa, 26. Febr. Die Gemeinde ist zur Zeit dabei, sämtliche Abzweigungen von dem Hau tftrang der Wasserleitung zu den Wasserent.iehmern herauszureihen und durch die besseren Gußrohre zu er­sehen. Tie seitherigen Abzweigrohre haben sich als wertlos erwiesen und sind nach lOjähriger Benutzung völlig verbraucht. Die auszuführenden Arbeiten sind mit einem Kostenaufwand von 7000 bis 8000 Mk. verbunden. Auch die beiden anderen Orte, Ober-Schrnitten und R a i n- r o d, die an das gleiche Wasserleitungsnetz an­geschlossen, sind durch einen Beschluß des Kreis- ausschusses verpflichtet, die Auswechselung bis zum 1. Mai d. I. vorzunehmen. Inzwischen konnte aber festaestellt werden, daß der hier auftretende Wassermangel weniger auf defekte Leitungsrohre als auf undichte Schieber zurück- zusühren ist. Die bei Rain rod liegende Quelle liefert nach wie vor einen starken Wasserüber- schuß.

± Ober-Cat«, 26. Febr. Di« kirchliche Statistik'für daS Jahr 1 927 weist fol­gende Zahlen auf: Bei 1070 Seelen des Kirch­spiels (Ober-Lais und Glashütten) wurden 35 Kinder konfirmiert, 21 Kinder getauft, 13 Ver­storbene beerdigt; Trauungen sanden nur fünf statt. Für Werie der Wohltätigleit gingen an Gaben und Kollekten ein 1125 Mark. In dieser Gesamtsumme sind einbegriffen die Kirchenkollek­ten von zusammen 787 Mark. Der Kirchenbesuch beträgt 33,8 Prozent, er hat sich gegen die Vor­jahre kaum verändert. An besonderen kirchlichen Ereignissen brachte das Jahr 1927 die Ein­weihung der renovierten Kirche zu Unter-Lais am dritten Advent. Am Donnerstag wurde die älteste Frau der Gemeinde, Karoline Sender, gebürtig aus Eichelsachfen, im 87. Lebensjahr z u Grabe getragen. Seit 2. August, an dem Lehrer Bechtold dieser war am

stellenden Wachswalzen benutzt werden konnten, und nun begann das Grammophon sich geschäft­lich zu rentieren.

Der Deutschamerikaner Emil Berliner war es dann, der die unhandliche Walze durch die viel praktischere Platte ersetzte, und denkt man heute, da seit der Entstehung des Phonographen viele kluge Köpfe an Verbesserungen der Kon­struktionen, besonders an der Veredelung des Tones gearbeitet haben, an die Anfänge zu­rück, so lächelt man über die Ahnen unserer heutigen eleganten Schrank- und Kofferapparate, die das verunzierende Ungetüm des Schall­trichters nicht mehr kennen und die den näseln­den Ton fast verloren haben.

Hochschulnachnchien.

Der Lehrstuhl der Pharmakologie an der Uni­versität Breslau (an Stelle des Geh. Medi­zinalrats Julius Pohl) ist dem ordentlichen Professor an der Universität Greifswald Dr. phil. nat. et med. Otto Rießer angeboten worden. Zum Nachfolger des emeritierten ord. Professors Bruno Liedich auf den Lehrstuhl der indischen Philologie an der Universität Bres­lau ist Professor Dr. Otto Strauß von der Universität Kiel in Aussicht genommen. Der durch das Qlbleben des Prof. Otto Franke an der Universität Königsberg erledigte Lehrstuhl der indischen Philologie ist dem a. o. Professor Dr. Helmuth v. G 1 a s e n a p p in Berlin angeboten worden. Zur Wieder- besehung des durch das Qlbleben des Prof. Alfred Brunswig an der Universität Münster erledigten Lehrstuhls der Philosophie ist ein Ruf an den ord. Professor Dr. theol. et phil. Heinrich Scholz in Kiel ergangen. Der durch die Berufung des Prof. F. Haffner nach Tübingen an der Universität Königsberg erledigte Lehrstuhl der Pharmakologie ist dem ord. Pro­fessor an der Medizinischen Akademie inDüssel- dorf Dr. med. Fritz Hildebrandt angeboten worden.

Dr.-Jng. Dr. phil. Friedrich Wachsmuth, Privatdozent für Baugeschichte und Kunstwissenschaft an der Technischen Hochschule in Darmstadt, hat sich zugleich an der Universität Marburg für Bauforschung habilitiert.