Lehren des Geparaiistenprozesfes.
Ein Nachwort
des Oberbürgermeisters Jarres.
Berlin, 27. San. Die D. A. Z. veröffentlicht ein politisches Nachwort des Oberbürgermeisters Dr. Jarres zum Kölner Separatistenprozetz. Dr. Jarres führt u. a. aus: Der Prozeß Lim- bourg hat mit einer vernichtenden Niederlage der Gebrüder Limbourg und ihres Anhanges geendet. Sch sehe die Bedeutung des Prozesses in einer ,.L u f t r e i n i g un g", wie Professor Grimm, einer der Verteidiger des an« geklagten Redakteurs der Kölnischen Zeitung sich ausgedrückt hat, und zwar in inner- wie außenpolitischer Beziehung. Sn dem Prozeß sollten selbstverständlich die sachlich-politischen Gegensätze nicht verschleiert werden, welche in der sog. Rheinlandfrage unter ben Parteien bestanden haben. Aber das eine steht erfreulicherweise fest: daß jene Meinungsverschiedenheiten streng sachlicher Natur waren, daß jene Erörterungen in steter Verbindung mit Reichs- und Staatsregierung geführt worden sind und daß sämtliche beteiligten Parteien und Wirtschastsgruppen in einmütigem Gegensatz zu dem Separatismus Dortenscher Richtung standen, welchen das Kölner Gericht als den „verächtlichen' Separatismus bezeichnete und den ich etwas deutlicher verbrecherischen Separatismus nenne.
Die Bedeutung des Kölner Prozesses liegt innerpolitisch in diesem ein für allemal geklärten Tatbestand. Außenpolitisch ist von neuem einwandfrei sestgestellt. daß jene Separatistenbewegung mit feindlichem Kapital und feindlichen Bajonetten ermöglicht und gehalten worden ist. Deutschland hat auf Grund des Versailler Vertrages und der zwischenzeitlich getroffenen internationalen Abmachungen einen Rechtsanspruch auf alsbaldige völlige Räumung des noch besetzten Gebietes. Wenn die Leitung der französischen Politik bisher noch ge- ßlaubt hat auf Stimmungen und Verstimmungen un Rheinland rechnen zu können, um dort in irgendeiner Weise bleibend Fuß zu fassen, so wird sie der Ausgang dieses Prozesses belehren müssen, daß das deutsche Rheinland einmütig irgendeine Einmischung in .deutsche Angelegenheiten zurückweist. Die Rheinlands verlangen die endliche Befreiung von der Besatzung, welche sie als vertragswidrig empfinden
Oie Arbeitslosigkeit.
Günstige Gestaltung der Konjunktur?
Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers".
Berlin, 27. San. Lieber dis beträchtliche Steigerung der Arbeitslosigkeit in der letzten Zeit bringt im „Reichsarbeitsblatt" die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung ein äußerst interessantes Zahlenmaterial. Daraus geht wieder einmal sehr deutlich hervor, daß 1927 auf Grund der Statistiken über den Arbeitsmarkt im ganzen ein S a h r der Hochkonjunktur gewesen ist. So war es sogar möglich, die Anfang 1927 vorhandenen 2,4 Millionen Arbeitsuchenden bis auf 870 000 Arbeitslose wiederindenProduktions- prozeß einzubeziehen und aufzunehmen. Erst in der zweiten Oktoberhälfte setzte dann der übliche Saisonumschwung in den Außenberufen ein, so daß die Zahl der arbeitsuchenden Facharbeiter im Baugewerbe, die Ende September noch auf 13 700 stand, schon Ende November auf 132 000 gestiegen war. Aehnliche Steigerungen kann man in den anderen mit dem Baugewerbe zusammengehörigen Betrieben beobachten, während die Sndustrie an der Zunahme mit 18 Prozent beteiligt ist. Auch an der geringen Zunahme der Kurzarbeiterziffern im Dezember 1927 zeigt sich die immer rwch günstige Konjunktur in der Sndustrie. Auch die Zahl der stets verfügbaren offenen Stellen blieb im Dezember 1927 noch verhältnismäßig stabil und betrug gegenüber 1926 sogar beinahe das Tappelte. Dazu kommt noch, daß die Zahl der im Dezember erwerbslos Gemeldeten sich noch durch die winterliche Ruhezeit in der Landwirtschaft beträchtlick vergrößert. Allem Anschein nach ist auch nicht anzunehmen, daß sich inzwischen ein Umschwung in der allgemeinen Wirtschaftslage herausgebildet hat, denn es verlautet, daß nach den neuesten Teilberichten verschiedener Landesarbeitsämter sich das Zunahmetempo neu gemeldeter zu unterstützender Erwerbslosen wieder verlangsame. Sogar fallende Ziffern sind festzustellen, die besonders unter der Rubrik Reinigungs- und Tabalgewerbe stehen.
Ausgaben jährlich mit etwa 800 biS 900000 Mark, falls die angebotenen Beamten und Angestellten in den Reichsdienst übernommen to erben.
Das Danziger Reformprogramm
Verminderung des Regierungs- und Verwaltungsapparats
Danzig, 26. Jan. (WB.) Im Vollstag verlas heute ©enatspräfitent Dr. Sahm die Erklärung der neuen Regierung. Danach ist der neue Senat bestrebt, vertrauensvoll mit dem Völkerbunde zusammenzuarbeiten. Auch in den Beziehungen zu Polen will die neue Regierung eine Entspannung erzielen. Sie fordert jedoch von Polen, daß es die Selbständigkeit Danzigs und seinen deutschen Charakter achtet. Bei den deutsch - polnischen Handelsvertragsverhandlungen will die Danziger Regierung mit Anteil haben. Bei dem zur Förderung der Danziger Wirtschaft geplanten Ausbau des Danziger Hafens erwartet der Senat von Polen Unterstützung. Im Interesse größtmöglichster Sparsamkeit ist eine Vereinfachung und Reorganisation der Danziger Verwaltung in Aussicht genommen. Die vom Völkerbundsrat geforderte Verminderung der Staatsbedienste- ten um 8 00 will die neue Regierung Ende des Rechnungsjahres 1928 erreicht haben. Dem Wunsche der Bevölkerung entsprechend wird die neue Regierung dem Volkstage alsbald die Gesetzentwürfe über Verkleinerung des Senates und Volkstages, Verantwortlichmachung des Gesamtse, .s, Auflösbarkeit des Dolkstages und Wiederherstellung der Magistratsverwaltung vorlegen.
Kre-iihisse bei der Landwirffchast.
Beschlüsse des Haushattsausschuffes.
Berlin, 27. San. (D. D. Z.) Der Haushalts- ausschuß des Reichstags lehnte in der Einzel- beratung des Landwirtschaftsetats eine Reihe von Anträgen der Oppositionsparteien ab. Angenommen wurden dagegen die von den Regierungsparteien in den interfraktionellen Besprechungen formulierten Entschließungen. Der erste fordert die Gewährung von zweiten Hypotheken zur Umschuldung schwebender Schulden an Landwirte, die in der rationellen Fortführung der Betriebe bedroht sind. Zu diesem Zweck sollen territoriale Kreditinstitute alsbald Vorschüsse von zusammen 100 Millionen Reichsmark erhalten. Nach Bedarf sollen weitere Vorschüsse durch Begebung von Schatzwechseln beschafft werden. Durch Verhandlungen mit den territorialen Kreditinstituten sollen diese zur Aufnahme von Anleihen veranlaßt werden, die ihnen die Gewährung weiterer zweiter Hypotheken ermöglichen. Auch die K r e d i t l a g e der Roggenschuldner soll durch diese Kredite erleichtert werden. Für den kleineren Besitz sollen nicht zweite Hypotheken, sondern andere Kreditformen gewählt werden. Bei der Vergebung der Kredite sollen Gutachter der landwirtschaftlichen Selbstverwaltungskörper und der Kreditinstitute mitwirken.
Die zweite Entschließung fordert, daß die durch die Preußenkasfe gegebenen Reichskrcdite erst nach der kommenden Ernte und in Raten bis
März 1929 zurückverlangt werden.
Die dritte verlangt, daß den Landwirten die Abwicklungskredite der Preußenkasfe unter Entlastung der Preußenkasfe durch das Reich so lange belassen werden, daß sie aus den Ernteerträgen zurückgezahlt werden können.
Nach der vierten Entschließung sind die Landesfinanzämter anzuweisen, daß die durch Anordnung vom 1. August 1927 vorgenommene Erhöhung der Rahmensätze zur Einkommen- und Umsatzsteuer für nicht buchführende Landwirte ohne besonderen Antrag der Steuerpflichtigen durch entsprechenden Nachlaß bei den Abschluß- und Vorauszahlung en in allen denjenigen Gegenden rückgängig zu machen ist, wo eine Erhöhung der Einnahmen aus dem Verkauf landwirtschaftlicher Erzeugnisse gegenüber dem vorhergegangenen Steuerjahr nicht eingetreten ist. Dabei soll insbesondere bei bäuerlichen Betrieben eine etwaige Entlassung von Lohnarbeitern und deren Ersetzung durch Familienangehörige berücksichtigt werden. —
Nach der fünften Entschließung sind die Cantes- finanzämler anzuweisen, daß die Anträge auch dem Erlaß von Zinsen für Sleuerrückstänte Rechnung tragen.
Nach der sechsten Entschließung soll sich die Reichsregierung einen gebührenden Einfluß bei ter Verteilung und Verwendung ter Mittel sichern. Sn ter siebten Entschließung wird die Reichsregierung um Vorlegung einer Denkschrift über die wirtschaftliche uni soziale Lage der Landarbeiter und über die Belastung ter Landwirtschaft durch die sozialen Einrichtungen ersucht. Angenommen wurde ferner ein deutschnationaler Antrag, daß die Preise für die künstlichen Düngemittel tunlichst bis auf weiteres in ein angemessenes Verhältnis zur Kaufkraft der ländlichen Bevölkerung gebracht werten. Einen teutschnationalen Antrag, ter Tatsache Rechnung zu tragen, daß große Mengen von Fleisch und Schlachtvieh aus dem Auslande eingeführt werten, hält
Frau Abg. Wurm (Soz.) für verfehlt. Auf ihre weiteren Darlegungen erklärt Reichsernäh- rungsminister Schiele: Das Leichskabinett hat sich gestern mit den Fragen besaßt, die in diesem Antrag berührt sind. Dies hat aber mit der Frage des Gefrierfleischs und ter Zollpolitik nichts zu tun.
Das Problem, das zu lösen ist, ist, daß wir auf dem Gebiete des Vieh- und Fleischmarktes ein völlig unausgeglichenes System haben, das geordnet werten muß.
DaS Reichskabinett hat mich zu folgender Erklärung ermächtigt: Die Reichsregierung wird zur Organisation des Absatzes von Schlachtvieh und Fleisch und von Einrichtungen, die diesen Zwecken dienen, Reichsmittel bis zum Betrage von 30 Millionen Mark zur Verfügung stellen. Die zum Teil übergroße Preisspanne zwischen Produzenten und dem letzten 2lbsahpreis muß einer geordneten Regelung Platz machen. — Abg. D i e t r i ch-Baden (Dem.) bittet um eine nähere Erläuterung über die Verwendung der Mittel. Seine Fraktion habe inzwischen beantragt, das System der Einfuhrscheine auf Schweinefl ei sch aus- zudehnen und durch Gewährung von Prämien und anderen Maßregeln hochwertige Molkereiprodukte zu fördern, einen Gesetzentwurf vorzulegen, nach dem eine einheitliche zollpolitische Behandlung der Gefrierfleischeinfuhr stattfindet, wobei für das Gefrierfleisch ein Zollsatz von 35 Mark einzusehen ist. — Reichsminister Schiele: Von der Reichsregierung ist es dem Reichsfinanzminister Vorbehalten, diese 30 Millionen dort einzustellen, wo er es für zweckmäßig hält. Cs trifft nicht zu, daß die Einfuhr von Gefrierfleisch quantitativ geringer ist als die Einfuhr von anderem Fleisch. Die Einfuhr von Fleisch beträgt für das Sahr 1927 insgesamt 2 099 542 Doppelzentner. Davon find ungefähr 1,2 Mill. Doppelzentner Gefrierfleisch.
Eine Kundgebung der oldenburgischen Landwirtschaft.
O l d e n b u r g, 26. San. (WTB.) Heute mittag veranstaltete die Landbevölkerung in Oldenburg eine große Notkundgebung, an der etwa 25 bis 30 000 Personen teilnahmen. Sn einer Denkschrift, die der Reichsregierung überreicht werten soll, wird verlangt: Sperrung der Grenzen gegen jede überflüssige Ausiandeinfuhr, gleicher Schuh ter Landwirtschaft durch Zölle ähnlich der Sndustrie, Vereinfachung des Steuersystems, Steuererlaß für notleidende Handwerker und Kaufleute, Verminderung der öffentlichen Ausgaben und Aufgaben, äußerste Sparsamkeit der öffentlichen Wirtschaft und Herabsetzung des Beamtenheeres, einstweilige Aussetzung der Durchführung des Beamtenbesoldungsgesehes, Abbau der sozialen Lasten, Zulassung freiwilliger Mehrarbeit nach der achtstündigen Arbeitszeit, planmäßiger Abbau der Wohnungszwangsbauwirtschaft und Forderung der Bauwirtschaft, Her- aabe von langfristigen, billigen Krediten mit dem Ziele der Entschuldung.
Nach Schluß ter Versammlung marschierten die Teilnehmer in zwei Demonstrativ.rszügen durch die Stadt. Eine Abordnung begab sich zum oltenburgischen Staatsministerium, die Forderungen ter Landbevölkerung zu unterbreiten.
Die Besprechungen mit Woltemaras.
Ein deutsch-litauischer Freundschaftsvertrag?
Berlin, 26. San. (WTB.) Wie den Blättern mitgeteilt wird, beginnen heute die Handelsvertragsverhandlungen des hier weilenden litauischen Ministerpräsidenten Woldemaras mit den Sachbearbeitern, die zwei bis drei Tage in Anspruch nehmen dürsten. Ob dann eine abschließende Besprechung mit Minister Dr. Stresemann stattfinden wird, steht noch nicht fest.
Wie die „Voss. Ztg." zuverlässig erfahren haben will, haben die Verhandlungen im Auswärtigen Amt mit Woltemaras im Verlaufe des gestrigen Tages zu einer weitgehenderen Einigung geführt, als man ursprünglich annehmen konnte. Es sind bisher fast ausschließlich die rein politischen Fragen erörtert worden, während man die wirtschaftlichen Punkte für die späteren Verhandlungen zwischen den beiderseitigen Wirtschaftssachverständigen zurückgestellt hat. Sn besonders unterrichteten Kreisen sieht man schon jetzt die Atmosphäre für den in Aussicht genommenen Schiedsvertrag als so günstig an, daß man bereits von der Möglichkeit eines deutsch- litauischen F r e u n d s ch a f t s v e r t r a g e s spricht.
Oie Srage der Splitterparteien.
Berlin, 26. San. (Priv.-Tel.) Die für Donnerstag vorgesehene Besprechung der Reichstagsparteien übet den Gesetzentwurf, der die Frage der Splitterparteien regeln soll, hat deshalb nicht stattgefunden, weil auf Eingreifen des Reichsministers des Snnern v. K e u - beli erst eine Besprechung der Regierungsparteien darüber abgehalten werden soll. Der Reichsinnenminister beruft sich dabei auf eine vor Sahresfrist getroffene Abmachung unter ten Regierungsparteien, derzufolge bei Verfassungsfragen die Regierungsparteien zunächst untereinander Stellung nehmen sollen und keine Regierungspartei allein vorzugehen habe.
Wie das Nachrichtenbureau aus parlamentarischen Kreisen hört, wurde in der Besprechung der Regierungsparteien eine Verständigung noch nicht erzielt. Man war der Auffassung, daß die bisher gemachten Vorschläge nicht geeignet sind, das erstrebte Ziel zu erreichen. Die Besprechungen wer den in den nächsten Tagen fortgesetzt.
Oie Schuldebatte imBildungsausschuß
Berlin, 26. San. Nach weiterer Debatte über die Kosten des Reichsschulgesetzes lehnte der Bildungsausschuß des Reichstags sämtliche Anträge der Sozialdemokraten. Demokraten und
Kommunisten ab. Angenommen wurde der Kompromißantrag der Regierungsparteien, der folgenden neuen § 21 einfügt: Zur Bestreitung von Mehrkosten, die infolge ter Durchführung dieses Gesetzes den Ländern und Gemeinden erwachsen, stellt das Reich den Ländern eine einmalige Beihilfe zur Verfügung. Sm Anschluß an die Regelung der Kostenfrage wurde auch ein Antrag öer Deutschen Volkspartei angenommen, wonach bte landesrechtlichen Bestimmungen über das Schulvermögen durch das Reichsschulgeseh unberührt bleiben sollen.
§ 19 wurde in der Fassung der Regierungsvorlage genehmigt: „Die Länder haben die zur Ausführung dieses Gesetzes erforderlichen Vor- schnften so rechtzeitig zu erlassen, daß spätestens zwei Sahre nach seiner Verkündigung mit der Durchführung begonnen werden kann."
Oer Tarifstreit der Reichs- und Staatsangestellten.
Berlin, 26. San. (WTB.) Wie der G. d. A. Prefsedienst zum Tarifstreit der Reichs- und Staatsangestellten meldet teilte der vom R.A.M. bestellte Schlichter, Unter,taatssekretär a. D. Prof. 0. Möllendorf, den Parteien mit, daß es ihm nicht gelungen sei, von jeder Beisihergruppe einen Teil für seinen Kompromißvorschlag zu gewinnen. Er empfahl den Parteien, nochmals Ln direkte Verhandlungen einzutreten. Dabei führte er aus, daß die seitherigen Versuche, die notwendige Lösung zu verfeinern, die Verhandlungen nur erschwere, hingegen bringe ein Versuch mit gröberen Mitteln — denn ein solcher fei die von ihm zuletzt vorgeschlagene prozentuale Zuschlagsregelung — eine ganz beträchtliche Erleichterung. Die vom Schlichter vorgeschlagenen direkten Verhandlungen der Parteien haben heute stattgefun- den. Grundsätzlich sind beide Parteien danach bereit, in die obengenannte „prozentuale Zuschlagsregelung" einzutreten. Nur über Einzelheiten bestehen noch Meinungsverschiedenheiten.
Aus aller Wett.
Erdstoß in Lüdwcstdenischland.
Jreiburgi.Br., 27. Ian. (MTB. Funkfpruch.) Heute früh gegen 4.15 Uhr wurde hier ein leichter, aus südwestlicher Richtung kommender Erdstoß verspürt, der durch leichte Erschütterungen der Häuser in den Außenbezirken der Stadt und durch klirren ter Fensterscheiben einsehte. Die gleiche Beobachtung wurde nach bisher eingegangenen Berichten zur selben Zeit in ter Umgebung von Mühlheim a. Rh. gemacht. Auch auf der Barre wurde der Erdstoß wahrgenommen, der hier etwas stärker auftrat. In Donaueschingen
erkannte man den Erdstoß mit größter Sicherheit am knarren des Gebälks in verschiedenen Häusern.
Jamilicntragöble.
Sn Bein stedt int Anhaltischen erhängte sich auf dem Hausboden ter 18jährige Walter Schröder, wahrscheinlich, weil ihm wegen wiederholten Fernbleibens vom Forlbildungsschulunterricht Vorhaltungen gemacht worden waren. Die Großmutter eilte auf den Boden, in ter Hoffnung, den Enkel noch retten zu können. Sie trat aber in der Aufregung in ein auf dem Boden befindliches Loch und verletzte sich so schwer, daß sie bald darauf im Ballenstedter Krankenhaus verstarb.
Bombenwürfe in Ehikago.
Mitglieder einer Baute, die in Kraftwagen mit großer Geschwindigkeit fuhren, warfen Bomben gegen die Häuser zweier Anhänger des Bürgermeisters Thompsen als Vergeltung, wie die Detektive erklären, dafür, daß ihnen ter Befehl gegeben worden ist, die Stadt zu verlassen. Die ganze Front eines der Häuser wurde zerstört.
Der Sturm im Atlantischen Ozean.
Der Lunard-Dampser „A q u i t a n i a“ ist infolge des Sturmes im Atlantischen Ozean in Neuhsrk mit 45 Stunden Verspätung eingetroffen. Bei dem Orkan, der auch Kanada und den Ostteil ter Vereinigten Staaten heim- suchte, verloren zehn Personen ihr Leben. Sn der Stadt Neuyork allein wurde durch ten Sturm Glas im Werte von 250 000 Dollar zertrümmert. 42 Persone-' wurden durch Glas- split.er, herab, allende Ziege, und Schilder verletzt.
Vulkanausbruch in Nicaragua.
Snfolge eines Ausbruches des auf einer Snsel im Nicaragua°See gelegenen Vulkans Onetepe ergriff die am Fuße des Berges wohnende Bevölkerung großer Schrecken. Die Einwohner flüchteten von der Snsel. Der Lärm des Ausbruches wurde viele Meilen weit gehört, und der Aschenregen geht bis auf eine Entfernung von 10 Meilen nieder.
Eine neu entstandene Insel.
An der Stelle der Sundastraße (Niederländisch- Sndien), an der die unterirdischen Ausbrüche des Snselvulkans Krakatau ftattfinten, ist eine neue Snsel entstanden.
Typhus in Hagen L ID.
In Hagen sind in ten letzten Tagen insgesamt zwanzig Personen o n Typhus er» krankt. Wie verlautet, handelt es sich um ziemlich schwere Fälle. Die Ursache konnte noch nicht fe-stgestellt werden. Die städtische Gesundheitsbehörde hat sofort alle notwendigen Maßnahmen getroffen. Von ten Erkrankten sind inzwischen drei verstorben.
Todesurteil wegen Amtsvergehens.
Die transcau.a ifche Politische Verwaltung verurteilte Leonid Nowikow, den ehemaligen Leiter der Warenabteilung tes transkaukasischen Hantelskommis,ariats zum Tode. Nowikow war angeklagt, einer Gruppe Getreidespekulanten In Tiflis auf ungesetzlichem Wege Genehmigungen zur Getreideausfuhr aus verschiedenen Gebieten tes Nordkaukasus verschafft zu haben, wofür systematisch Destechungsgelder annahm. Das Todesurteil ist bereits vollstreckt worden.
Verurteilung eines Bürgermeisters wegen Meineids.
Das Schwurgericht L a n d s h u t verurteilte den Landwirt und Bürgermeister Sebastian Holzner von Lichtenhaag wegen eines fortgesetzten Der- brechens des Meineids zu einem Jahr drei Monaten Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust sowie dauernder Eidesunfähigkeit. Bürgermeister Holzner hatte vor dem Amtsgericht trotz des gegenteiligen Zeugnisses von etwa 50 Zeugen beschworen, daß der Wirt Reichgruber von Lichtenhaag, mit dem er verfeindet war, am Jo- sephsiag 1927 mit zahlreichen Gästen d i e Polizeistunde übertreten habe.
Bandiienüberfall auf eine Autobuskolonne.
Sn Ostbulgarien überfielen auf ter Straße von Stara Zagora nach Radnowo sieben bewaffnete Räuber drei knapp hintereinander fahrende Autobusse. Sie schossen auf die Chauffeure und plünderten die 60 Fahrgäste völlig aus. Ein unter den Passagieren befindlicher Gendarmerieoffizier wurde von den Räubern furchtbar gemartert und durch zwei Revolverschüsse verletzt, weil ec von ihnen beschuldigt wurde, an Räuberverfolgungen vor einigen Monaten teilgenommen zu haben. Die Räuber zündeten eines der Automobile an.
Das Urteil für einen Toten.
Das mit der Durchführung des zweiten K u - tiskerurteils betraute Gericht hat jetzt, nachdem der vielgenannte Angeklagte Swan Kutisker im Herbst vorigen Sahres während deS Prozesses verstorben ist, das Urteil gegen ihn fertiggestellt, das nicht weniger als 500 Druckseiten umfaßt. Das Gericht kommt zu dem Schluß, daß Kutisker wesentlich milder bestraft worden wäre und daß das Gericht nur auf Gefängnisstrafe erkannt hätte, wenn der Haupt- angeklagte das Urteil erlebt haben würde. Das Gericht erblickt einen sehr erheblichen Milderungsgrund in dem Verhalten der früheren S t aatsbankd i r e k tor en Rühe und Hellwig, die es Kutisker nur allzuleicht gemacht hätten, seine Schwindeleien auszuführen. Beide (Beamte der Staatsbank hätten es jedoch an der in ihrem Amte unerläßlichen Sorgfalt fehlen lassen, und so sei auch durch ihr Verschulden die Schuld des Hauptangeklagten immer größer geworden. Auch die übrigen Angeklagten sind in dem zweiten Urteil besser fortgekommen, so wurde der Angeklagte Kaufmann Grieger, der frühere Direktor der mechanischen Treibriemenfabrik in Tempelhof, fr ei gesprochen, während der älteste Sohn Kutiskers, Alexander Kutisker, anstatt sechs Monate drei Monate Gefängnis erhielt. Gegen dieses Urteil hat Alexander Kutisker Revision eingelegt, so daß nunmehr auch das Reichsgericht als dritte Snstanz sich mit dem Fall des verstorbenen Kutisker wird befassen müssen.
Eine Riesenerbschaft.
Die Witwe von Stephan Harkneß, der zusammen mit Rockefeller sen. die Standard Oil-Company gegründet hatte, hat ein Vermögen von 107 Millionen Dollar hinterlassen, für das 18 Millionen Dollar Erbschaftssteuer zu zahlen waren. Es ist dies das größte Vermögen, das je von den Steuerbehörden des Staates Neuyork zu verzeichnen ist. Der Sohn der Verstorbenen, der der Haupt- erbe ist, erhält über 90 Millionen Dollar.


