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Aus der provinzialhauptstadi.
Gießen, den 27. Januar 1928.
Oie angebliche Zunkerspionage.
3u den Verhaftungen von Funlern der Reichswehr in Gießen und anderen Garnisonen des nördlichen Teiles des Wehr- kreises V berichtet die gestrige „Vachtaus- ausgabe" in Berlin, ein Ableger des „Berliner Lokalanzeigers", daß die Untersuchung, die von der Division in Stuttgart unter Teilnahme von Reichsbehörden geführt wird, noch nicht abgeschlossen sei, daß aber dem ganzen Zwischenfall offenbar ein Vorgang zugrunde liege, der mit Landesverrat nichts zu tun haben könne. Bei der nördlichen Heeresgruppe sei festgesiellt worden, daß von der militärischen Funkstatton in Gießen Funksprüche verbreitet wurden, die sich aus dienstliche Angelegenheiten bezogen. Wahrscheinlich hätten aber die fünf daraufhin verhafteten Funker in gutem Glauben, wenn auch mit einer gewissen Fahrlässigkeit, die Vorschriften aus dem Funkwege zur Unterrichtung einer anderen Funkstation weitergegeben. Im Reichs- wehrministerium. so erklärt das Blatt, nimmt man auf Grund des bisherigen Ergebnisses der LIntersuchung an, daß höchstens eine disziplinarische Bestrafung wegen Dienstvergehens und Fahrlässigkeit in Betracht kommt.
In einer WSR.-Meldung aus Fulda wird mitgeteilt, daß nach einer Mit eilung des Fuldaer Artillerieregiments die Unter- fuchung des ..geheimn svollen Funkspruchs" die völlige Haltlosigkeit des Verdachts ergeben habe. Die Verha teten seien bereits wieder in Freiheit ge eht worden.
Aus unsere Erkundigungen an unterrichteter Stelle erfuhren wir, daß die oben berichteten Mitteilungen für die hiesige Stelle selbst völlig neu sind. Ob die Berliner Darstellung des Sachverhalts und die Fuldaer Meldung von der Haftentlassung zutreffend sind, konnten wir bis zum Redakttonsschluß nicht in Erfahrung bringen.
Talen für Samstag, 28. Januar.
Sonnenaufgang: 7.46 Uhr, Sonnenuntergang: 16 40 Uhr. — Mondaufgang: 10.35 Uhr, Mond» Untergang: 23.48 Uhr.
814: Kaiser Karl der Große gest. (geb. 742). — 1521: Eröffnung des Reichstages zu Worms. — 1596: Der englische See.ahrer Sir Francis Drake vor Portobello in Panama gest. (geb. um 1540. — 1841: Der Asrikaforscher Henry Morton Stanley in Denbigh in Wales geb. (gest. 1904). — 1868: Der Rovellist Adalbert Stifter in Linz an der Donau gest. (geb. 1805). — 1871: Kapitulation der Festung Paris.
Bornotizen.
Tageskalender für Freitag. Stadttheater: 7.30 Uhr, „Der Revisor" (Ende nach 10 Uhr). — Allgemeiner Verein für Armen- und Krankenpflege: 5 Uhr nachm., Evangelisches Schwesternhaus, Hauptversammlung. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Die Jugend der Kronprinzessin Louise": 10.45 Uhr. Vachtvorstellung Fred Marion. — Astoria-Lichtspiele: „Der Posträuber".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Am Mittwoch, 1. Februar, findet außer Abonnement bei ermäßigten Operettenpreisen eine Wiederholung von Johann Strauß' unsterblicher „Fledermaus" statt. Die Aufführung hat dieselbe vorzügliche Besetzung, durch die seinerzeit di« Erstausführung so gut gefallen hat.
— Heber „Bilder aus der Bahnhofs- Mission" spricht morgen, Samstag, abend im Johannesfaal auf Einladung des Vereins Freundinnen junger Mädchen, die Generalsekretärin Theodore 3t e i n e cf aus Berlin. (Siehe Anzeige.)
— Missionsfilm der Suda n-P Ionier- Mission. Man schreibt uns: In Aeaypten, dem Lande der Pharaonen und des heiligen Stromes, hat seit dem Jahre 1900 eine deutsch- evangelische Missionsarbeit, die in Wiesbaden beheimatete Sudan-Pionier-Mission, ihr Arbeitsfeld. Unter unsäglichen Mühen tut sie in diesem glutheißen Lande an den stolzen, selbstgerechten Männern und den armen, niedergetretenen Frauen ihr Liebeswerk. Auf drei Stationen im südlichen Teile des Villandes stehen 15 deutsche Missionsarbeiter, darunter als Missionsarzt der auch vielen Gießenern bekannte Dr. A. Kallenbach in aufopferungsreichem Dienst. Durch einen schönen, neuhergestellten Film ist nun jedem Missionsfreund Gelegenheit geboten, diese bedeutsame Arbeit näher kennenzulernen. Der Film zeigt in seinem ersten Teile in anschaulicher Lebendigkeit Land und Leute in Oberägypten, vermittelt des weiteren einen nachhaltigen Eindruck von der Werkfrömmigkeit der Mohammedaner und läßt uns zuletzt einen Blick tun in die Arbeit christlicher Liebe unter Arabern, Ru- biern und Beduinen. Eine zweimalige Vorführung des Films, der nicht nur Missionsfreunden, sondern auch allen, die an der Eigenart fremder Völker und Sitten Interesse nehmen, viel Wertvolles bieten dürfte, findet am kommenden Sonntag im Saale der Ev. Stadtmission. Löberstr. 14 statt. (Näheres in der Anzeige in der heutigen Rümmer.)
••BeflaggungberDienftgebäube zum Geburtstag des Staatspräsidenten. Das hessische Gesamtministerium gibt bekannt: Auf Beschluß des Gesamtministeriums sind aus Anlaß des 75. Geburtstages des Herrn Staatspräsidenten U l r i ch am 28. Januar 1928 sämtliche Dienstgebäude des Landes und der Gemeinden in den Reichs- und Landesfarben zu beflaggen.
D i e Herrichtung wichtiger Spaziergängerwege. Der Vorstand des Ver- kehrsvereins hat sich dieser Tage mit der Frage der Herrichtung eines einwandfreien Weges nach dem Philosophenwald, sowie der Spaziergängerwege im Philosophenwald selbst und in den angrenzenden Teilen des Stadtwaldes beschäftigt. Uebereinstimmend wurde dabei festgestellt, daß sich alle diese Wege in mangelhaftem Zustande befinden und daß die Bürgerschaft ein Recht darauf habe, hier baldmöglichst eine Wandlung zum Besseren zu sehen. Eine Herrichtung dieser Wege dürste mit Hilfe von einigen Wagen Kies oder Sand wohl nicht allzu schwer sein. Der Vorstand des Derkehrsvereins hat entsprechende Schritte bei der Stadtverwaltung unternommen.
•• Eine Liebig-Gedenktafel inDad- Salzhausen. Wie wir von gut unterrichteter Seite hören, soll im Mai d. I. im Zusammenhang mit der 125. Wiederkehr des Geburtstages Liebigs die Einweihung einer Liebig-Gedenktafel an einem Häuschen im Park von Bad Salzhausen stattfinden, wo Liebig die Analyse der Bad Salzhausener Quellen vorgenommen hat. Die Gedenktafel ist durch das Zusammenwirken von Geheimrat Prof. Dr. Sommer- Gießen und Geh. Iustizrat R oe mH e ld -Vidda von der Gesellschaft Liebigmuseum in Gießen und dem Kur- und Derkehrsverein Bad Salzhausen-Ridda gestiftet worden.
•• Städtische Drennholzversteige- rung. Bei der gestrigen Radelnutzholzverstei»
gerung in den Waldungen der Stadt Dießen wurden im Durchschnitt folgende Preise ie Festmeter erzielt: Fichtenlangholz la- und Ib-Klasse 40,50 Mk., Ha- und I Ib-Klasse 43 Mk., Kiefern- Langholz Id-Klasse 35,50 Mk.. Ha- und Ilb- Klasse 40,50 Ml., Illa- und Illb-Klasse 51 Mk., IVa-Klasse 68,50 Mk., Kiesern-Abschnitte Ha» und llb-Klasse, Illa- uni) IVa-Klasse 57.50 Mk., Fichtenderbstangen I. Klasse 42 Mk.. II. Klasse 37 Mk.. III. Klasse 26 Mk.
•* Kein Schönheitswettbewerb in Gießen. Ein Reichsverband für Schönheitswettbewerbe in Berlin — also auch hier schon wieder ein Verband! — hat sich an unsere Stadtverwaltung gewandt mit der Anfrage, ob in unserer Stadt ein Schönheitswettbewerb arrangiert werden könne. Die Stadtverwaltung hat diese Anfrage dem Verkehrsverein zur Stellungnahme übermittelt, der daraufhin durch Beschluß erklärte, daß e r sich mit derartigen Wettbewerben nicht befassen könne. Wir glauben, daß wir in Gießen auf solche Veranstaltungen wohl verzichten können, denn eine verkehrswerbende Kraft dürfte ihnen kaum beizumessen fein, sondern sie dürften wohl in erster Linie nur der Sensattonslust und dem Verventttzel einiger Leute dienen.
** Winterobstausstellung Gießen. Um jedermann den Besuch der am 4., 5. und 6. Februar stattfindenden Ausstellung zu ermöglichen, wurde in der letzten Ausschußsiyung, die unter Vorsitz von Regierungsrat Wolf im Kreisamt stattfand, das Eintrittsgeld ohne Rücksicht auf die hohen Unkosten an allen Tagen auf 30 Pfennig (Kinder die Hälfte), festgesetzt. Es soll gezeigt werden, daß wir in Oberhessen nicht nur gutes, sondern auch schönes und dauerhaftes Obst er e igen können. Wer noch Vorräte an gutem Obst verkäuflich hat, sollte diese Gelegenheit. es zu zeigen und kostenlos anzubieten, nicht versäumen. Plahmiete wird nicht erhoben.
Wettervoraussage.
Ein Ausläufer des Vordmeerttefs erstreckt sich südwärts bis nach Westdeutschland und brachte in Aachen und Vordhorn heute morgen Vieder- schläge, in unserem Gebiet bis jetzt nur leichten Wolkenaufzug. Gleichzeitig haben die maritimen Polarluftmassen an der Rückseite des Tiefs den westlichen Teil der britischen Inseln bereits überquert; sie werden auch unser Gebiet erreichen, so daß bei lebhaften nordwestlichen Winden zunächst mit veränderlichem Wetter zu rechnen ist. Vereinzelte leichte Schauer sind dabei nicht ausgeschlossen. Die Temperaturen gehen nachts vielfach unter den Gefrierpunkt, steigen tagsüber jedoch an.
Wettervoraussage für Samstag: Wechselnd wolkig mit Aufheiterung, vielfach leichter Äacht- frost. meist trocken.
Witterungsaussichten für Sonntag: Wolkiges Wetter, Temperaturen nachts um 0 Grad, tagsüber milder.
Lufttemperaturen am 26. Januar: mittags 4,6 Grad Celsius, abends 1,4 Grad Celsius; am 27. Januar: morgens 0,9 Grad Celsius. Maximum 4,9 Grad Celsius, Minimum — 1 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 26. Januar: abends 1,6 Grad Celsius; am 27. Januar: morgens 0,6 Grad Celsius.
Mnlersporlmeldungen.
Vogelsberg (hoherodskopf):
Wind: Ost; Wetter: heiter; Temperaturen: —3 Grad Celsius; Schneehöhe: 25 Zentimeter; Beschaf- fenheit: gekörnt; Sportmcg'.ichkeit: sehr gut.
herchen Hainer höhe:
Temperatur: —2 Grad Celsius, Schneehöhe: 17 Zentimeter, Beschaffenheit: Putoerschnee, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel, gut.
Saaerlanb-IDlntctberg.
Temperatur: — 1 Grad Celsius, Schneehöhe: 15 bis 20 Zentimeter, Beschaffenheit: Putoerschnee, Sportmöglichkeit: gut.
Willingen (Schwarzwald).
Temperatur: 0 Grad Celsius, Schneehöhe: 25 Zentimeter, Beschaffenheit: Pulverschnee, Sportmöglichkeit: vorhanden.
Oie Wetterlage.
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Berlin, 27. Jan. (WTB. Funkspruch.) Bei kleinstem Geschäft nennt man im Heutigen FrüHver- kehr gestrige Abendkurse (J.-G.-Farben 264 bis 264,5 und Siemens 286 bis 286,5), doch rechnet man, da gestern seitens der Spekulation viel Blankoabgaben vorgenommen worden sein sollen, mit Deckungen, weil keine neuen ungünstigen Nachrichten vorlägen und besonders der Diskont in Neuyork keine Erhöhung erfahren habe. Am Devisenmarkt hört man Paris gegen London mit 124,02, Mailand 92,075, Madrid 28,76, London gegen Kabel 4,8740 und die Reichsmark gegen Kabel mit 4,1950.
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