bogenen QtaTc, Heller Haut und schwarzen Haaren dar.
Sie Indogermanen gingen in drei großen Strömen von ihrer Urheimat nach Europa und vermischten sich hier mit den vorhandenen Rassen. Der keltische Strom drang ins Gebiet der mediterranen, der nordischen und der alpinen Rassen bis England vor und dunkelt» diese Rassen ein. Der slawische Strom schützte das Germanentum vor den Mongolen: wie eine Mauer nahm er den Ansturm der Mongolen auf und zeigt noch heute deren Einfluß deutlich durch den Typus der breiten Gesichter und starken Backenknochen. Die Germanen vermischten sich in Süddrutschland mit der alpinen, in Skandinavien mit der mongolischen Rasse, im Rordosten mit Slawen, und nur in Holland und Rordwestdrutschland b ieb die nordische Rosse vorherrschend. Die Semiten, zu denen bekanntlich auch die alten Assyrer, Babylonier und Hebräer gehörten, entstanden durch Mischung der vorderasiatischen und der orientalischen Erbquellen.
Wenn die Anthropologie alle diese Völker und ihre seelischen Eigenschaften studiert, so tut sie es ohne Dorurteile, ganz kühl_ und objektiv: sie verschließt sich nicht den Vorzügen und Fehlern der Rassen, ohne einseitig in Extreme zu verfallen, ja, sie sucht sogar alle Rassengegensähe auszugleichen. Welches sind nun — im Sinn der Eugenik — die Folgerungen, die man aus der Arbeit des Instituts für die Zukunft ziehen kann? Besondere Aufmerksamkeit verdient die Entartung durch erbliche Belastung, die sich vor allem bei Geisteskrankheiten äußert und das Studium der Auslese, die Umschichtung der Bevölkerung, die langsame Vermehrung der hochstehenden, die rasche der niedrigen Volksschichten, der Geburtenrückgang, der Ersah der Aus alle durch Kriegsopfer. Wie wichtig eine Hebung der Volkskraft durch Eugenik ist. beweisen die riesigen Ausgaben für Lebensuntüchtige, da sich etwa 4 Proz. der Bevölkerung in Heil- und Pflegeanstalten befinden. Die Eugenik will bei der Eheschließuna den eugenischen Ge ich-spunkten Aum Durchbruch verheben, Wohnungsnot und Ar5eitslo ig'eit bekämpfen, Sittlichkeit und Rüchlernheit förd-.n; wenn so das neue Institut auch nur einen Teil der ihm Angewiesenen Aufgaben löst, so kann es eine der segensreichsten un.ercr Forschungsanstal- ten tn.tl'cn.
Der Welt-Lustverkehr.
Das englische und französische Kolonialreich. — Ter Nordailaniik.
Täglich wird die Welt mit neuen Weitstrecken- Flugplänen. mit neuen Projekten internationaler Flugverkehrslinien und mit den sich immer mehr übersteigernden Ziffern vvn neuen Großbauten von Flugzeugen und auch von Luftschiffen bedacht, so daß es immer schwerer wird, auf diesem Gebiete das Phantastische von dem noch in nächster Zeit real Möglichen unterscheiden. Zu- nächst sind wohl am greifbarsten die Pläne der beiden größten europasschmKo'onialstaatenEngland und Frankreich, Pläne die sich aus der wirtschaftlichen und geographischen Struktur dieser beiden Reiche sinngemäß entwickeln.
Für das englische Kolonialreich wird, wenn nicht die Politik noch einen unerwarteten Widerstand schasst, Kairo zum Ausgangspunkt der beiden großen Luftlinien nach Indien, Austra- lien-Reuseeland unb Südafrika werden, während Kairo selbst direkt mit dem Mutterlande verbunden werden soll. Schon heute wird der Weg nach Indien geflogen, allerdings einstweilen nur für Militär- und Postzwecke. Von Indien, d. h. von Singapur, dem großen im Ausbau begriffenen englischen Kriegshafen in Ostasien, wird dann — wohl noch in nächster Zeit — eine Verbindung nach Reufeeland und noch Australien hergestellt werden. In Australien selber ist heute schon ein sehr ausgedehnter Flugverkehr über den weiten Kontinent gelegt.
Auch von Kairo nach dem Sudan und dem Tanganjika-Gebiet wird heute schon ein englischer militärischer Luftdienst versehen, der später als eine Verbindung auch für den zivilen Verkehr bisKapstadt ausgedehnt werden soll. Aber diese letzte ßinie macht technisch noch_ die größten Schwittigk.i en, da hi:r die Anla-e nächtlicher Leuchtfeuer, Zwischmlandungsplätze und Reservelager besonders kompliziert ist. Im Endergebnis rechnet man damit, daß der Flug nach Australien nicht ganz acht Tage gegen 41/2 Woch n Seefahrt in Anspruch nehmen wird. Auch Frankreich versucht, sich in Marseille
Lache Vaiarz» !
Roman von 3- Schneider-Foerstl.
Urheberrechtsschutz Oskar Meister, Werdau i. Sa.
5. Fortsetzung Nachdruck verboten.
„Ich weih, was du sagen willst, Ioachim! — Llnd doch habe ich's getan! Also sie arbeitete bei mir ums tägliche Brot, hat Magddienste bei mir geleistet, die Stuben reingemacht, meine Garderobe in Ordnung gehalten, war Haus- und Zimmermädchen, Schwester. Empfangsdame und Köchin zugleich. Um fünf Uhr früh kam sie. So gegen heben Uhr abends ging sie dann immer weg. Ich habe sie nie gefragt wohin, habe sie auch nie heimbegleitet, damit eS kein Gerede gab. Dafür wär sie mir viel zu aut gewesen. Ich weiß nicht mehr, war's im Oktober oder schon tm Rovember, da ging ich einmal zufällig, um den Weg abzuschneiden, durch die Anlagen am Kai. Da sah ich sie mit einem Male vor mir herlaufen und hinter ihr ein Mann — von jener Sorte, du weißt schon — — —. Mein erstes war, daß rch ihn stellte. Wie er sah. daß rch Kraft in den Armen hatte, trollte er sich. Von ihr konnte ich nichts mehr entdecken.
Am anderen Morgen kam sie nicht. Vier Tage wartete ich auf sie. Als sie nach einer Woche noch immer nicht erschienen war. ging ich zur Polizei und ließ mir ihre Adresse geben. Sie wäre ausgezogen, hieß es bei den Leuten, wo ich Rachfrage hielt. Sie sei schon fett zwei Monaten mit der Miete im Rückstände gewesen, da hätte man ihr gekündigt. Wo sie sich zur Zeit auf Halle, wußte niemand.
Ich war verärgert und in Sorge zugleich.
Am selben Abend, — es mag so zwischm zehn und elf Uhr nachts gewesen fern, — läu.et's bei mir. Mes schüchtern leise Klingeln konnte ich. Mit ein paar Sätzen war ich an der Tüve. Sie stand draußen und lieh sich willenlos hevein- ziehen. Obwohl sie vor Kälte schlotterte, glühten ihre Wangen doch wie mit Blut übergossen, so groß war die Scham in ihr, daß sie zu dieser
einen Mittelpunkt für seinen Flugdienst nach den afrikanischen Kolonien au schaffen. Ein Militärflugzeug hat bereits kürzlich den Flug nach Timbuktu, dem Ausgangspunkt für weitere Verbindungen nach dem Senegal und nach Kamerun, geleistet.
Aber der Mittelpunkt aller großen Flugpläne wird auch schon aus finanziellen Gründen zweifellos der Rordatlantik werden. Hier wird England mit feinen beiden im Auftrage der Regierung erbauten Grvßluftschisfe, die von einer privaten Luftve rkehr sges rll s chaf t übernommen werden sollen, den ersten Versuch machen, einen regelmäßigen Flugdienst über den Atlantik einzurichten. Die Reisedauer soll etwa 50 Stunden betragen und der Preis pro Person rund 150 Pfund. Auch das Flugzeug wird sich aber um die Verbindung über den Rordatlantik bewerben und hier steht vor allem die Deutsche Luft-Hansa mit dem Dvrnier-Superwal und dem Rohrbach-Romar in der ersten Linie. Wahrscheinlich dürsten aber die Versuche gerade mit Flugzeugen, wenn ihre wirtschaftlich, n Aussichten auch in der weiteren Zukunft besser sein mögen gegenüber dem Luftschiff, noch viel Zeit in Anspruch nehmen.
Oberhessen.
Schützt den Lollarer Kopf!
* Lollar, 26.9100. Dor einiger Zeit glaubte man, die Gefahr einer weiteren Verschandelung des Lollarer Kopfes, des markanten Wahrzeichens von Lollar, durch Ausdehnung des ehedem Dausterfchen Steinbruches fei durch die Einsicht unseres Gemeinderats endgültig beseitigt. Als nämlich ein weiterer Verkauf von Gelände an den damaligen Besitzer abgeschlagen worden war, verkaufte dieser die gesamte Steinbruchanlage. Wie man nun aus den Aushängen in den Gemeindekästen ersehen kann, muß jetzt auch der neue B e - sitzer mit Kaufanträgen an die Gemeinde herangetreten sein. Es scheint daher angebracht, allen Naturfreunden und pflanAenkundlich Interessierten zu empfehlen, ihren Einfluß an geeigneter Stelle zur Geltung zu bringen, damit auch diesmal die Gefahr abgewandt wird, die diesem romantischen, abwechslungsreichen Ausflugsort der Lollarer, aber auch der Gießener und vieler anderer droht. Ebenso müssen die pflanzlichen Seltenheiten des Lollarer Kopses, denen auch eine alljährliche.botanische Exkursion der Lan- desuniversität gilt, erhalten bleiben. Es ist nicht billig, daß Werte, die einer großen Anzahl viel bedeuten, im Interesse eines einzelnen vernichtet werden dürften. Hätte über diese Angelegenheit die Gemeinde zu entscheiden, so wäre diese Mahnung hier keineswegs nötig. Die jetzige G e ° meindevertretung von Lollar hat es in der Hand, sich ein unvergängliches Denkmal au setzen, wenn sie durch die Tat beweist, daß sie klug und weitsichtig genug ist, hohe ideelle und landschaftliche Werte der Heimat einem vergänglichen materiellen Vorteil vorzuziehen. Lolla'r muß seinen Lollarer K 0 p f b e h a l t e n. D.
Jrieoberg und Bad-Nauheim.
= Friedberg, 24. Noo. Mit einer gewissen Spannung sah man hier und in Bad-Nauheim der gestrigen Stadtverordnetensitzung entgegen, da eine Erklärung des Bürgermeisters Dr. S e y d zu derB ad-NauheimerKlärbecken- frage angekündigt worden war und man auch eine Stellungnahme zu dem in letzter Zeit öfters in der Presse behandellen Problem Friedberg- Bad-Nauheim erwartete. Die Erklärung des Bürgerme.sters über die Abwässer der Stadt Bad-Nauheim legte in längeren, sehr sachlichen Ausführungen den Standpunkt der Stadt Friedberg klar. Da die peue Anlage der Stadt Bad-Nauheim versagt und nicht einwandsteies Wasser der an Friedberg vorbeifließenden U s a zugeführt habe, die tm Hochsommer im wahrsten Sinne des Wortes einer Jauchegrube geglichen, seien ständig Beschwerden bei der Stadtverwaltung eingelaufen. Im Interesse der Stadthygiene hätte er als Bürger- meister Schritte in der Angelegenheit unternehmen müssen, die der Stadtverordnetenversammlung vom 4. Oktober zur Kenntnis gegeben werden mußten. Bekanntlich erhob die Stadtverordnetenversammlung von Bad-Naicheim vom 8. Oktober Protest gegen die Friedberger Stellungnahme. Dazu gab nun Bürger- meister Dr. Seyd eine längere Erklärung ab, in der er wünschte, daß man dem Standpunkt der Stadt Friedberg etwas mehr gerecht' hätte werden sollen, zumal Friedberg jahrelang große Geduld bewiesen hätte. Genau so, wie man in Bad-Nauheim die Möglichkeit der Frage erörtert habe, ob die Stadt
Stunde zu mir kam. um mir zu sagen, was sie mir sagen wollte."
»Hansl" Hettingen griff mitleidig nach den Händen des Freundes.
«Sie wollte sich mir verkaufen."
„Verkaufen?---“
..Ial--Sie konnte tnne Arbeit bekommen,
kein Unte rfommen--nichts! Seit vier Tagen
hatte sie nichts mehr zu essen gehabt! Seit vier Tagen, Ioachrm!"
Hettingen ließ den Kopf erschüttert auf die Brust flicken.
„Es hat mich noch keiner berührt, Herr Doktor." stammelte sie. „Roch keiner! — — Ich beanspruche nichts, als daß ich nachts hier im Flure liegen darf. Die letzte Woche habe ich in einem Pavillon im Stadtparke genächtigt. Aber gestern hat mich einer aufgestöbert und halb zu Tode gehetzt. Ich weiß nicht mehr wohin! Ich werde Ihnen sicher nicht zur Last fallen. Wenn ich hier mit Arbeiten fertig bin, werde ich Umschau hatten, ob ich nicht noch nebenbei verdienen kann. Sie brauchen mir nichts zu essen zu geben! Kernen Dissen! Rur hier auf dem Boden schlafen! Wenn Sie mir das erlauben wollen. Herr Doktor! --Dafür..
Beide Hände vor das Gesicht geschlagen, kniete sie vor mir auf den Dielen.
ilnb als ich noch immer nichts sagte, — weil ich nicht konnte, vor Mstleid unb Entsetzen, hoben sich ihre kältestarven Finger gegen meine Brust. „Sie brauchen keine Angst zu haben, Herr Doktor! Ich werde niemals Rechte beanspruchen, die mir nicht zustehen. In der Stunde, in der Sie meiner satt sind, brauchen Sie mir nur die Türe zu weisen, und ich werde ohne Widerrede einer anderen Platz machen."
„Hans!" — Ioachlm war aufgesprungen und schüttelte Fehmann an den Schultern.
Dessen Arme hingen zwischen den Knien nach unten, und ein schütterndes Zucken ließ seinen Körper erzittern.
„Hans! — Du hast?--
„Ia! — Ich habe ihr mein Bett geboten und mich hier auf die Ottomane gelegt, so sehr sie
unter den Ausdünstungen des in Wolfersheim im Bau begriffenen neuen Schwelwerks zu leiden haben werde, müffe man auch das Handeln der Stadt Friedberg verstehen, die feit Jahren unter einem tatsächlich herrschenden unerträglichen Zustand der Ufa durch die Abwässer Nauheims gelitten habe. Bürgermeister Dr. S e y d erkannte dann an, daß die Stadt Bad°Nauheim alles getan habe, um die neue Kläranlage in Ordnung zu brinaen. Er hofft, daß der durch die Behebung der Fehler seit mehreren Wochen herrschende einwandfreie Zustand der Kläranlage ein Dauerzustand, auch in der warmen Jahreszeit, werden möchte. Bürgermeister Dr. Send will, so führte er wörtlich aus, die scharfen Angriffe der Bad-Nauheimer Stadtoerordnetensitzung nicht gleich scharf erwidern, da er den neu angebahn- ten Verständigungsverhandlungen zwischen beiden Städten mit dem Endziel, größere kommunale Aufgaben gemeinsam zu losen, nicht in den Weg treten will. Beia. Geh. Justizrat Dr. Windecker erklärte im Namen des gesamten Stadtver- ordnetenkollegiums, daß dieses die Erklärungen des Bürgermeisters einmütig gutheiße.
Weiter beschäftigte sich die Versammlung mit den Gerüchten, die bezüglich der Verlegung der Taubstummenanstalt laut geworden sind In einer einstimmig angenommenen Entschließung wurde die Erhaltung der allen Friedberger Anstatt im Interesse Gesamtoberhessens gefordert. Auch dezüg- lich des P r e b i g e r f e m i n a r s , dessen Existenz nach Mitteiluna eines Stadtverordneten ebenfalls gefährdet fein soll, will man ein wachsames Auge behalten. Zwei Dringlichkeitsanträge, die für die Glocken der Stadtkirche einen elektrischen Antrieb und für die Feuerwehr die Schaffung eines Alarmglocke nsy st ems forderten und dafür um Bewilligung von 6640 Mark bzw. 8300 Mark angingen, wurden zurückgestellt.
Der Verlauf der Sitzung hat eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für die Zukunft, da er dem Zusammenarbeiten Friedbergs mit Bad-Nauheim den Boden bereiten hilft.
Landkreis Gießen.
0 Großen-Linden, 25. Rov. Der Personen- und Güterverkehr am Bahnhof Großen-Linden nimmt immer mehr zu. Es müssen deshalb fortgesetzt Verbesserungen und Erweiterungen vorgenommen werden. So wurden die Büroräume auf Kosten der Warteräume vergrößert, die nun keinesfalls dem Verkehr entsprechen. Die Güte r h a l l e wurde zweckentsprechend vergrößert. Eine Gleisunterführung ist geplant, die hoffentlich zur Beseitigung der Lieber Führung und bem ungestörten Verkehr nach Leihgestern dient. Die Herrichtung der Stützmauern an dem hohen Damm, b?r das Schachachtal durchschneidet, geht ihrer Vollendung entgegen.
O Leihgestern, 25. Rov. Die Volkshochschule Gießen veranstaltet auch in unserer Gemeinde einen Kursus, an dem etwa 20 Personen teilnehmen. Der Einjührungsabend brachte Märchenerzählmraen, Rezitationen und einen Vor trag zur Menschenkenntnis. In drei Vortragen behandelte Dr. Reumann das Thema: „Schwererziehbare Kinder". Dr. ®um» bei spricht über: „Don der Einzelunterneh- mung zum Trust". Weitere Vorträge: 1. „Rer- vosität und ihre Heilung" von Dr. Reumann; 2. „Der Urmensch tm Bild des Märchens" von W. He gar; 3. „Gesunde Lebensführung" von Dr. med. Malech, folgen. Der Kursus schließt mit einem Musikabend und einem Elternabend am 23. Dezember.
— Grünberg, 25. Rov. In der Turnhalle fand das diesjährige Konzert des Gesangvereins „Sängerkranz" statt. Der erste Teil des Programms war dem Gedächtnis Schuberts gewidmet. Vorgetragen wurden die Ehöre „Heilig, heilig" aus der Deu.schen Messe und „Die Rächt", die Quartette „Der Lindenbaum" und „Die Forelle". Als weitere Ehöre sind zu nennen: „Waldgruh" von Isemann, „Hinterm Dorfe flieht die Szamos" und der Matrosenchor aus dem „Fliegenden Holländer" von Richard Wagner. Der letzte Teil des Programms mit Chören von Silcher, Schwarz und Rüken war dem Volkslied gewidmet. Das ganze kann als wirllicher Kunstgenuß bezeichnet werden. Hat es doch der Dirigent Konrad Ricolai vortrefflich verstanden, selbst die schwierigsten Stellen mit seinen gut geschulten Sängern meisterhaft auszuarbellen. Der Gesamteindruck von dem Konzert war auf alle Fälle ein ausgezeichneter.
Kreis Friedberg.
4- Dad-Rauheim. 24. Rov. Die hiesige Singakademie hat sich mit dem Dutz -
sich auch dagegen sträubte. —' Erst habe ich weiter gar mchts dabei gedacht — Aber so — nach ein paar Wochen habe ich eingesehen, daß das auf die Dauer keinen Sinn und Zweck hat und ein schlimmes Ende nehmen muh. Ich bin dreißig Iahre und sic einundzwanzig. Unb wir liebten uns! Unb sie hat hinter dieser Türe dort geschlafen. Ich sah, daß sie immer scheuer und immer schmäler unb blässer wurde, obwohl ich gar nichts von ihr verlangte.
Als ich nimmer aus und ein wußte, bin ich zu dem Pfarrer gegangen, der früher im Gymnasium unser Religionslehrer war. Dem habe ich mich anvertraut und baba ihm alles gesagt, wie es um uns betbe steht, unb ihm einen Blick in all unsere Rot und Verzweiflung tun lassen. Drr hat uns bann getraut, ohne viel Förmlichkeit und Aufsehen, ganz still unb klanglos, draußen in einer kleinen Kapelle in Döbling. Kein Mensch außer ihm weih davon. Run kann ich nachts doch wenigstens die Türe zu ihrem Zimmer offen- lassen und brauch nicht vor mir selber auszu- spucken, wenn ich zu ihr gehe."
„Hab sie?" frug Ioachim aufatmend.
„Sie? — Ach Ioachim, so bemütig Magd ist noch kern Weib ihrem Manne gewesen, wie Hilde mir! — An unserem Hochzeitstag," ein bitter wundes Lächeln spielte dabei um Feß- manns Mund, „hat sie am Abend, eh ich es hindern konnte, vor mir gekniet unb mir die Füße geküßt unb mir gedruckt, daß ich sie nicht erniedrigt habe — und wenn ich sie ab und zu im Arme hatte, zittert sie heute noch, weil sie immer noch nicht glauben kann, bah ich sie zu meiner Frau gemacht habe unb nicht bloß zur Geliebten!"
„Hans, du hast gehandelt wie ein Ehrenmann!"
„Rein! — Wie ein Schuft!" schrie Feßmann heiser auf.
Hettingen starrte ihn an. „Ich verstehe dich nicht mehr! Du mußt mir helfen! Meine Begriffe von Ehre und Moral verwirren sich sonst."
„Gut, ich helfe dir! Wenn ich ein Ehrenmann gewesen wäre, Ioachim bann hätte ich metn Blut bezwungen und nicht die Rot des WeibeS,
bacher Musikvereinschor zu emem «es* hen G emischten Chor zusammengeschlossen, der jetzt schon über etwa 100 Mitwirkende zHllt. Mit einer Schubertfeier tritt der Gesamtchor im Ianuar erstmalig hier und auch in Dutzänh vor die Öffentlichkeit.
Kreis Schotten.
* Lardenbach, 25. Rov. Wie von amtlicher Seite mitgeteilt wird, kann vorerst von einer Alebertoeifung der neuen G rundstücke in dem Seenbachgebiet nicht die Rebe sein, da die gesetzlichen Voraussetzungen hierzu noch nicht vorliegen. Bevor an eine Reuzutei- lung gedacht werden kann, ist der allgemeine Meliorationsplan, der das neue Wegnetz enthält, aufzustellen und die Abschätzamg der Grundstücke ossenzulegen. Erst dann sind die gesetzlichen Unterlagen für die Reueiitteilung geschaffen. Auch aus technischen Gründen ist eine Reuzuteilung biszum Frühjahrl929un- d e n k b a>r. Gs besteht lediglich die Absicht, den alten Besitzern vorläufig ein ihrem alten Besitz ungefähr entsprechendes Stück zur Bewirtschaftung zuzuweisen, vorbehaltlich späterer Regelung auf dem durch das Gesetz vorgeschriebenen Weg.
# Freienseen, 25. Rov. Dieser Tage wurde hier von der Kultursilmstelle des Kreises Schotten unter Leitung von KreiS- fchulrat Kinkel der Film „Die erwachende Sphinx" den Schulkindern der umliegenden Gemeinden in der für diese Zwecke bestens geeigneten Turnhalle vorgeführt. Der Film führte die Kinder von Kapstadt nach Kairo: er bot eine wertvolle Ergänzung zu der erdkundlichen Besprechung dieses Erdteiles, klärte auch manche irrtümliche Auffassungen, die über dieses vielfach noch als dunkler Erdteil b^eich- nete Gebiet vorherrschen. Besonders fesselnd waren die Landschaftsbilder mit ihrer eigenartigen Tierwelt, die Bebauung dieser Gebrete, an der deutscher Fleiß einen nicht geringen Anteil hatte, wie die Gebiete unserer ehemalige« Kolonien beweisen. Interessante Bilder zeigten die Raturschönheiten jener Gebiete, den ilrtoalö, die gewaltigen Wasserfälle des Sambesi u. a. m., daneben baß Leben jener Völker, ihre Sitten, die trotz der nach unb nach eindringenden Zivill- sation sich nicht verdrängen lassen. Ein lustiger Film aus dem Reich der Tierfabel schloß die Vorführung.
Preußen.
Kreis Wetzlar. >
WSR. Wetzlar, 25. Rov. Der ®bar* unb Bauverein Wetzlar hat sein großes Wohnungsbauprogramm, bas 112 Wohnungen umfaßte, glücklich zu Ende führen können, so daß die Wohnuicgen zum 1. Dezember, 15. Dezeniber unb 1. Ianuar beziehbar sind. Der Durchschntttsthp ist die Zweizunmer- wohnung mü moderner Wohnküche. Der Durch- schntttsmietpreis für eine Zweizimmerwohnung betragt 42 Wk., für eine Dreizimmerwohnung 65 lief., für eine Dierzimmerwohnung 90 RU- Die Wohnungen sind In fünf Wohnblocks an verschiedenen Stellen der Stadt zusammengefaht. Die Vie^immerwohnungen besonders zeichnen sich durch schöne, freie Lage unb bauliche Ausgestaltung auS.
Z Groß-Rechtenbach, 25. Nov. Dieser Tage wurde in der Gastwirtschaft „Zur Post" bterfelbtt. eine Versammlung von Landwirten, sowie vvn Mitgliedern der Raisseisen-Geirossenschatten, der Hessen-Rassauischen Genossenschaten und der Orts bauern schäften der hiesigen unb der umliegenden Gemeinden abgehalten, deren Zweck die Gründung einer G en 0s sen s cha f t s- Diehverwertung war. Di. lom-Land itt Haack, Gießen, verbreitete sich in eingehenden Ausführungen über die praktische Ausgestattung einer solchen Genossenschaft in den Gemeinden des Hüttenbergs unb empfahl die Bildung eines Verladeringes mit bei Bestimmung der Bahnstation Großen-Linden als Verladestation. Der Dorttag löste eine lebhafte Aussprache aus. die damit endete, daß vorläufig ein die Gemeinden des Hüttenbergs umfassender Derlab e r i n g gebildet und als Derladestatton die Bchsstation Großen-Linden bestimmt wurde. Es wurde ein Vertrauensmann gewählt, bet schon in den nächsten Wochen den ersten Versand von Schlachtvieh nach dem Frankfurter Schlachtvichnarkt bewerkstelligen soll. Die Verwertung des Viehes auf dem Schlachtviehmarkt
das in seiner Verzweiflung zu mir kam, aus* genützt!"
„Ausgenützt?"
„Ich hab sie zu meiner Frau gemacht, statt sie ruhig hinter jener Türe den verdienten Schlaf finden au lassen, auf den sie durch ihre Arbeit für mich Wohl ein Recht hatte! Unb nun ist sie dreifach betrogen: sie muh mir Frau sein und Magd und noch in anderer Leute Häuser bienen gehn unb kann nie wieder los von mir — nie wieder, beim ich werde sie hatten bis zu meiner unb ihrer letzten Stunde. Hätte ich sie nicht an mich gefettet, würde sich über kurz ober lang doch etwas Passendes für sie gefunden haben, eilte Stellung oder eine Partie, die sie vor jeder Rot geschützt hätte. Das ist nun für sie alles aus und vorbei!"
Der Doktor hob beide Fäuste gegen die Augen.
Hettingen zog sie ihm gütig herab. „Deine Ideen sind krankhaft, Hans! Du hast sie doch lieb?"
Ein schrilles Auslachen. „Ia — ich hab sie lieb! So lieb, Ioachim." — seine Stimme dämpfte sich zu heiserm Flüstern — „daß ich schon feit vier Tagen nächtens an ihr Bett schleiche und mit meinen Fingern nach der Stelle taste, wo eine Kugel am ersten für sie tödlich ist!"
„Hans!" Feßmann fühtte sich von zwei harten Fäusten emporgerissen, roh geschüttelt und bann wieder niedergedrückt. „Mensch! Wenn ich nicht wüßte, daß du klar bei Verstand bist, würde ich glauben, ich hätte es mit einem Wahnsinnigen zu tun!“
„Ia! — Richt wahr? — Wahnsinnig! — Du toirft es bestätigen. Achim!"
„Richts werde ich bestätigen! Hörst du? Gar nichts!" Ioachirns Augen zwangen sich tn die des Freundes, die ihm zu entrinnen suchten. „Rur das eine will ich dir noch sagen: Wir beide sind fertig miteinander. Deine und meine Begriffe von Freundschaft sind so verschißen, daß ich keinerlei Gleichklang mehr zwischen uns beiden finde."
Hettingen war auf gestanden, griff nach feinem Hut und schlüpfte hastig in den Mantel.
(Fortsetzung folgt) V f


