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Hr.278 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Montag, 26. November 1928

Aus der internationalen Arbeit des Roten Kreuzes.

Don unserem k-Derichterstatter.

Dachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Amsterdam, Rovember 1928.

Die Weltkonferenzdes Roten Kreu­zes welche im vergangenen Monat im Haag tagte, hat einen großen Fortschritt gebracht! fte hat die Rote Kreuz-Liga in Paris mit dem alten Komitee in Genf in einem Internatio­nalen Roten Kreuz vereinigt, und damit ein Ideal verwirklicht, das Gustav Ador noch in den letzten Jahren seines Lebens vor­bereitet hatte. Eine neue Epoche voll größter Möglichkeiten ist angebrochen.

Rach der gewaltigen Entwicklung, die das Rote Kreuz während des Krieges erfahren hatte, wollte man. als der Waffenstillstand kam. die Kräfte, die sich so glänzend bewährt hatten, nicht gang brachlegen; das zerrüttete Europa brauchte noch Hilfe. Der Amerikaner Davison gründete, tem Gebot der Zeit gehorchend, die internationale! Rote Kreuz-Liga in Paris, deren großes Pro­gramm in wenigen Worten folgende rmatzen lautete: Dekämpsung und Verhütung von Krank- heilen die Milderung des Leidens zur Gesundung der Menschheit! Reben der Sorge um die Opfer des Krieges, der Aufgabe des Genfer Ko­mitees. war ein neues Friedens Programm erstanden!

Die Wichtigkeit der neuen Liga sollte sich bald zeigen. Der Krieg hatte die Gesundheit der euro­päischen Völker erschüttert, überall brachen Epi­demien herein, es fehlte am Rotwendigsteni an Medikamenten. Verbandsstoffen und Rahrungs- mitteln. und die Hygiene ließ vor allem in den östlichen Ländern viel zu wünschen übrig. So mußte die Liga in den Jahren 1923/22 inPolen und in der' Tschechoslowakei gegen den Typhus und im Jahre 1921 gegen die große Hungersnot in R u ß l a n d arbeiten. Reben diesen dringenden Aktionen begann die planmäßige Arbeit, die Erziehung zur Hygiene durch Kurse in den verschiedenen Länd.'rn. Kurse über Kinder- pflege, der internationale Kampf gegen die Tuber­kulose. dessen Leitung die Liga von der französi­schen Hnion übernommen hat, gegen die Malaria und Geschlechtskrankheiten. Immer wi.'der wurde die Liga vom Völkerbund zu Rate gezogen, er­weiterte sie ihre Tätigkeit durch die Unter­stützung aller Vereinigungen, welche an der Ge­sundung der Menschheit arbeiten.

Anfangs nur eine Gründung des Roten Kreuzes von Amerika, Frankreich, England, Japan und Italien, konnte sie sich bald einer großen Zu­nahme ihrer Mitglieder erfreuen. Deutsch­land ist im Jahre 1922 beigetreten, und heute zählt die Liga nicht weniger als 50 Rote Kreuz- Vereinigungen mit 18 569 887 Personen 1 Eine be­sondere Gruppe bildet dabei die von der Liga ins Leben gerufene Iugendvereinigung des Roten Kreuzes, welche bereits über 10 Millionen umfaßt. Am größten ist die Deteiligung in Ame­rika mit 3 087 889 Erwachsenen und 5 826 025 Ju­gendlichen. dann kommt Japan mit 2,5 und 1,25 Millionen und dann Deutschland mit 1260 284 Erwachsenen und 10 000 Jugendlichen; von den anderen Ländern erreicht nur die Tschechoslowakei eine Anzahl von insgesamt 586 000 und Frankreich 300 000.

Die Liga hatte in den zehn Jahren ihres Be­stehens ihre Rotwendigkeit e rwiesen, die Zeit war zu einem Zusammenschluß mit dem Komitee in Genf reif geworden, die nur noch auf prinzipielle Schwierigkeiten stieß, denn die beiden Vereini­gungen müssen, auch innerhalb des großen Der- bandeS. ihre Selbständigkeit und verschiedenen Charakter wahren. Oberstleutnant Draudt, Vizepräsident des deutschen Roten Kreuzes und der Liga wurde mit der Aufgabe betraut; zu­sammen mit Gustave Ador und seinem Rach-

Kronprinz Rudolf von Oesterreich

Eine Buchbesprechung.

Hm Rudolf von Habsburg, den unglücklichen Sohn Kaiser Franz Josephs I. und der Wittels* bachischen Elisabeth hat sich ein ganzer Kranz von Legenden gebildet, die namentlich an das tragische Ende des Fürstensohnes anknüpfen. Die Tragödie von Mayerling ist, nicht ohne Schuld des Kaiser­hauses, Jahrzehnte hindurch Gegenstand des sen­sationslüsternen Klatsches in aller Welt gewesen. Bis zum heutigen Tage haben Literatur und Presse ihren Bedarf aninteressantem" Stoff der namentlich die Frauenwelt immer wieder fesselte aus dieser nie versiegenden Quelle geschöpft. So ist zwar jede Sekunde dieser letzten Stunden des österreichischen Kronprinzen von neugierigen Augen durchforscht und durchwühlt worden, aber das Leben dieses Unglücklichen, das 1889, wie heute unzweifelbar feststeht, durch Selbstmord endete, ist fast unbekannt geblieben. Da hat sich Oskar Freiherr von Mills das große Verdienst erworben, auf Grund aller ihm zugäng­lichen Qlften ohne Heberschwang und Phantaste­rei eine Biographie des Kronprinzen Rudolf zu geben, die vieles, bisher als selbstverständlich yingenommenes doch in sehr anderem Licht er­scheinen läßt.')

Kronprinz Rudolf, dem einst die vielen Kronen der österreichisch-ungarischen Monarchie zufallen sollten, hat das Glück gehabt, eine außerordent­lich sorgfältige Erziehung genossen zu haben. Bei dem konservativen, ja, bis zu einem gewissen Grade pedantisch-bureaukratischen Sinn des Va­ters überrascht es, daß Kaiser Franz Joseph bei der Auswahl der Erzieher eine für damalige 'Verhältnisse durchaus moderne und fortschrittliche Bildung für seinen Sohn im Auge hatte. Der berühmte Raturforscher Brehm und der be­deutendste österreichische Ratwnalökonvm Karl Menge r wurden u. a. seine Lehrer. Gewiß war es nicht leicht, den ganz außerordentlich umfangreichen Lehrstoff, dem zwar sehr intelli­genten und regen, aber schon in seiner Jugend nervösen und reizbaren Knaben nahe zu bringen, besonders schwierig noch durch die Notwendigkeit, neben den Wellsprachen französisch und englisch, auch noch die Hauptsprachen der Monarchie:

) Oskar Freiherr von Mitis: Das Leben des Kronprinzen Rudolf. Mll Driesen und Schriften aus dessen Rachlaß, zehn Bildtafeln und zwei Faksimiles. Insel-Verlag zu Leipzig (527).

folger Max Huber ist das Internationale Otote Kreuz geschaffen worden, welches die Konferenz annahm.

Das Komllee in Genf war in den vergangenen zehn Jahren unter Leitung seines prominenten Führers Gustave Ador eifr:g mit der Heilung der schweren Wunden des Krieges beschäftigt. Roch immer liefen Anfragen nach Vermißten em, 455 Fälle wurden in den letzten drei Jahren behandelt, wobei man die Genugtuung hatte, die Gesuchten lebend aufzufinden oder wenigstens Genaueres über ihr Schicksal zu erfahren. Ein in diesem Jähr aus Rußland nach Ungarn zurück- gekehrter Kriegsgefangener berichtete, daß sich in den kleinen sibirischen Dörfern noch zahlreiche Soldaten aus dem deutschen und österreichischen Heere befänden, die teils als Arbeiter, teils als Handwerker und Bergleute leben. Sie hätten meist keine Papiere und seit dem Jahr 1917 nichts von ihren Angehörigen gehört. Das Rote- Kreuz-Komitee ist mit der Untersuchung der An­gelegenheit beschäftigt.

Eine große Aufgabe für das Komitee bildet die Sorge für die durch den Krieg aus ihrem Land Vertriebenen und Austausch- flüchtlinge, wobei die Opfer der russischen Katastrophe der Zahl nach die größte Rolle spielen. In China allein sind, wie eine Unter* suchuno des Roten Kreuzes ergab, 86 000 russische Flüchtlinge, meist in schlechten Verhältnissen, ohne eine Unterstützung ihrer Regierung. Rur wenigen konnte man die Auswanderung nach Amerika oder Kanada ermöglichen, denn sie müssen die Fahrt selbst bezahlen und über einen kleinen Fonds verfügen. In Bulgarien hat das Komitee eine Völkerbundsanleihe für die Austauschflüchtlinge ermöglicht, um ihre Ansied­lung zu erteichtern. in Sy rien wurden 100 000 armenischen Flüchtlingen Land zur Bebauung gegeben, das sie langsam durch ihre Arbeit er­werben können. In diesen Fällen ist das Komitee der Vorarbeiter des Arbeitsbureaus des Völker­bundes, welcher dann die notwendigen Maß­nahmen trifft.

ungarisch, tschechisch, polnisch, serbisch und italie-, nisch zu lehren. Vielleicht liegt hier schon in der allzu frühen geistigen Ueberanstrengung ein Keim zu dem späteren Nervenzusammenbruch des Prin­zen. Intensive Studienreisen, namentlich auch ein sehr gründlich durchgesührter Studienaufent- hall in England, rundeten die ausgezeichnete Ausbildung des Thronfolgers nach der prakti­schen Erfahrungsseite hin ab. Rudolf wurde dann in die K. u. K. Armee eingereiht - seltsamer­weise für diesen so ganz auf das Geistige ein­gestellten und sehr anspruchsvollen Fürsten war der Kronprinz mit Leib und Seele Soldat und blieb Zeit seines Lebens mit dem Schicksal des ruhmreichen österreichischen Heeres neben dem Kaiserhause der Habsburger das einzige olle Völker der Monarchie zusammenhaltende Band auf das innigste verbunden.

Während seiner Dienstzell in Prag heiratete Rudolf die Prinzessin Stephanie von Bel­gien. Leider erfahren wir bei Mitis aufjer eini­gen wenigen Briefstellen sehr wenig über diese Ehe, ebenso wie auch früher schon über das Verhältnis des Kronprinzen zu seiner Mutter, der schönen und später auch so unglücklichen Eli­sabeth von Bayern kaum etwas gesagt wird. Wohl aber verband Rudolf eine innige Freund­schaft mit seinem Vetter mütterlicherseits, König Ludwig II. von Bayern. Häufig ist der Habs­burger in München und bald entspinnt sich auch ein herzlicher Briefwechsel zwischen den beiden Fürsten. Beide finden sich auch in einer heftigen Abneigung gegen Preußen und namentlich gegen Wilhelm 11. Und diese ganz entschiedene Ab­lehnung Wilhelms II. durch den habsburgischen Thronerben verbindet ihn auch mll dem ihm sonst gewiß sehr unähnlichen Eduard von Wales. So hatten gewiß Bismarck und der Alle Kaiser Grund, in einiger Angst für das Schicksal des Dreibundes nach einem etwaigen Thron­wechsel in Wien alles zu tun, den Kronprinzen Rudolf auf ihre politische Linie herüber zu ziehen. Es scheint jedoch, daß die Persönlichkeit Wil­helms II., wie in dem Verhältnis zu dem eng­lischen Thronerben, so auch in dem zu dem öster­reichischen Kronprinzen keine günstige politische Auswirkung gehabt hat.

Am Wiener Hof hat der außerordentlich tempe­ramentvolle, dabei nervös reizbare, sehr intelli­gente und selbstbewußte Thronfolger keine sehr glückliche Rolle gespielt. Der Vertrauensmann seines Vaters, des Kaisers, Graf T a a f f e, fast fünfzehn Jahre österreichischer Ministerpräsident, wurde sein heftigster Gegner. Auch zu dem alten Erzherzog Albrecht, der unbestrittenen Auto-

Die Spuren der russischen Katastrophe sind unendlich schwer zu überwinden und erfordern große Geldmittel; immer wieder gilt es, Fa­milien zusammenzubringen, welche durch die Re­volution oder den Krieg getrennt wurden. Leute ohne Dokumente und Wllt .l und di se Arbeit geht nur langsam vonstatten. 5600 Russen, weiche in der Türket teilweise eine neue Existenz gefunden hallen, müssen auf Anordnung der Regierung das Land verlassen; das Komitee tonnte nur einen Aufschub der Frist und eine größere amerikanilche Spende erreichen, die schwere Ausgabe der Unterbringung dieser Be­völkerung in anderen Ländern ist erst zur Hälfte gelöst

Besonders wohltätig ist die Sorge des Roten Kreuzes um die Soldaten der Fremden­legion; es vermittelt die Korrespondenz mit ihren Angehörigen, besorgt ihnen Zeitschriften und Bücher und erleichtert ihre Rückkehr ins Zivilleben, sobald ihre Dienstzeit ab gelaufen ist vorher ist ja nichts zu machen!

Ein Werk, dem Gustave Ador seine größte Aufmerksamkeit schenkte, ist die Lage der politischen Gefangenen; durch Besuche der Gefängnisse und Intervention bei den Re­gierungen ist ihre Behandlung in vielen Fällen verbessert worden; trotz der scharfen nationalen Gegensätze ist es dem Roten Kreuz sogar gelun­gen, den Austausch eines Teiles der poli­tischen Gefangenen zwischen Polen und Litauen herbeizuführen! Rur Rußland, über das ver­schiedene Klagen beim Rotcn-Kreuz-Kornitee ein­gegangen sind, weigert sich, eine Inspektion der Gefängnisse zuzulassen.

Diese Einzelheiten, welche noch bei weitem nicht das Werk erschöpfen, gestatten einen kleinen Einblick in die große Aufgabe, die sich das Rote Kreuz unter der Führung von Gustave Ador ge- stelll hat und die nun unter Max Huber kräftig forigesührt wird. Die engere Zusammenarbeit der beiden großen internationalen Vereinigun­gen, der Liga und des Komllees werden zweifel­los in der Zukunft das von idealer Kraft be- seelle Werk zum Wohl der Menschheit fördern.

rität in allen Fragen des Heeres, stand er bald in einem keineswegs guten Verhältnis. Sv be­schränkte sich seine Tätigkeit wesentlich auf die Erfüllung von Repräsentallonspllichten, denen er mit anerkanntem Geschick und großem Ginfüh- lungsrermögen für die sehr verschiedenartige Psyche der Völker der Monarchie nachkam. Zur Wissenschaft und Kunst halte er ein enges Ver­hältnis. Ramentlich aber gehörte die Liebe des Kronprinzen der Pubsi istik, immerhin ein Sonder- fall in der Fürftengeschichte; in den ihm miß­günstig gesinnten Kreisen des Hofes wurde ihm seine rege journalistische Tätigkeit indes bald sehr verübelt. Es hat auch den Anschein, als ob Rudolf in dem letzten Jahre feines Lebens in den Kreis von ungarischen Frondeuren hinein- gezogen wurde, die aus Anlaß der Wehrvorlage im ungarischen Parlament eine Loslösung Un­garns und die Krönung Rudolfs zum König der Magyaren planten. Es sind hierüber lediglich Andeutungen vorhanden, aber aus dem Gang der Ereignisse könnte man schließen, daß Rudolf sich durch Aeußerungen seiner ungarischen Freunde bloßgestellt gesthlt hätte.

Wir kommen damit schon in die Tage der Mayerling-Tragödie. Mills mißt dem Verhält­nis des Kronprinzen zu der Baroneß D e t s e r a, die bekanntlich gemeinsam mit Rudolf in den Tod ging, keineswegs die Bedeutung bei, wie dies in allen fenfationellen Veröffentlichungen der spä­teren Jahre aus durchsichllgen Gründen geschehen ist. Man wird wohl sogar kaum von einer Lieb­schaft sprechen können, denn selbst die vertrau­testen Freunde des Kronprinzen, Graf Hoyos, Graf Szögygny-Marich, und Prinz Phi­lipp von Koburg haben nichts von einem Ver­hältnis Rudolfs gewußt, kaum jemals den Ramen Detsera gehört. Mills legt viel stärkeres Gewicht auf die zwei ellos vorhandene krankhaft nervöse Veranlagung des Kronprinzen, die sich in den letzten Jahren seines Lebens immer mehr in einer kaum noch bezähmbaren wilden Iagdpas ion ge­zeigt hat, später dann auch in einem Hang zu Orgien in übelbeleumundeter Gesellschaft, was beides neben einer außerordentlich intensiv be­triebenen Geistesarbeit einherging. Der Qkr» faslet weist dann auf den Stammbaum Rudolfs hin, auf die enge Verwandtschaft seines mütter­lichen und väterlichen Hauses und die vielen Fälle von Geisteskrankheit ober zumindest ner­vöser Reizbarkeit unter seinen Ahnen. Vielleicht läßt sich hier mit dem Verfasser am ehesten die Hrsache zu dem, der großen Welt allerdings wie aus heiterem Himmel kommenden Rervenzusam­menbruch des Kronprinzen finden. Zweifellos

als weitere Beschreibungsmittel allerlei Repro­duktionen, Photographien, Zeichnungen, Gips­abgüsse sowie Hand- und Fuß abdrücke, endlich die Feststellung der Zugehörigteft zu einer der vier Blutgruppen. So entsteht das Bild eines Menschen in ollen seinen Einzel­heiten, das dann dem großen Archiv einverleibt wird. Diese Hauptabteilung der An­thropologie untersteht direkt dem Institutsleiter; sie befaßt sich mit der Abstammung des Men­schen, mit der Einteilung der Menschen in Rassen, mit deren Verbreitung über die Erde und mit der Rassenbiilogie, die die Erforschung des Erb­gangs der Rasseneigenschaften und ihre Beein­flussung durch die Hmwelt aufzullären sucht.

Eine Abteilung für menschliche Erblehre unter­sucht die Bedeutung der Erbanlagen für die kör­perlichen und geistigen Rasseneigenschaften, und ermittelt, welche Ergebnisse Rassenkreuzungen ge­wöhnlich liefern. Olls besondere Spezialität pflegt der Leiter dieser Otbteilung, Dr. v. Ber­sch u e r, die Untersuchung von Zwillingen. Ob­wohl die Zahl der Zwillinge nur den achtzigsten Teil der Bevölkerung ausmacht, gelang es 1200 Berliner Zwillinge zu veranlassen, sich als Meh- objekte zur Verfügung zu stellen. Die prak­tischen Folgerungen, die sich aus den in den zwei genannten OTbteUungen erzielten Daten ergeben, zieht die Abteilung für Eugenik oder Rassen- hygiene, die sich mit all den Maßnahmen befaßt, die zur Verbesserung der erblichen Gesundheit und Kraft des Dolles unternommen werden müssen. Der Leiter dieser Olbteilung, Prof. Dr. M u d e r m a n n, hat die Ergebnisse dieser For­schungen in einem Büchlein zusamnmngefaßt. Die Grundlage der modernen Rassenforschung ist die Feststellung des Erbgefüges, aller jener Eigen­schaften und Merkmale, die der Mensch von den Dorfahren bei der Geboxt mit auf den Weg bekommen hat. sowiejener nicht erblichen Ver­schiedenheiten, die sich bei den Menschen durch äußere Einflüsse der Lebenslage hüben, und schließlich die auch im Erbgefüge verankerten Ver­änderungen der sog. Idiovariallonen sowie der Mischvariallonen bei der Vermischung verschie­dener Rassen.

Heute ist man von der alten. Blumenbachschen Einteilung in fünf Menschenrassen längst abge­kommen. Die anthropologische For chung hat viel­mehr eine Menge anderer Rasen entdeckt, die tooy kaum in reiner Form, sondern als Rassen- gemisch die Erde bevölkern. Man kann also weder von einer germanischen oder jüdischen Rasse sprechen, die selbst wieder Mischungen vorstellen, wohl aber von germanischen ooer jüdischen Rassenmerkmalen. Man erhält Einblick in das einige Werden und Vergehen der verschiedensten Rassen, die sich auf ihren Wanherungen ver­mischten und so die heutige Bevölkerung Der Welt gebildet haben. Im Rorden Europas wohnt die nordische Rasse mit hoher, schlanker Gestalt, langschädlich, blondhaarig, b'auäugtg, und in einem ähnlichen Verbreitungsgebiet d:c wuchte er und grobknochiger gebaute basische Rasse. In den Küstenländern des Mittelmeeres ist die medi­terrane Rasie heimisch, die kleinste in Europa, mit braunen Haaren, braunen Augen und brauner Gesichtsfarbe. Dazwischen wohnt die alpine Rasse im Südwesten Frankreichs und in den Alpen mit Verzweigungen bis Mitteldeutschland, sie zeichnet sich Durch breiten runden Schädel und ein entsprechendes Gesicht aus. In den Dalkan- ländern tritt die dinarische Rasse mit hohem Wuchs und Schädel und starker Adlernase auf, und endlich gibt es in Europa noch die teil­weise der alpinen gleichende ostbaltische Rase. Außerhalb von Europa findet man in Asien die mit den Eskimos und der amerikanischen Hrbevölkerung verwandten gesbbraunen Mongo­liden und in Afrika die dunkelbraunen Regriden. wie Mongolen und Reger in neuer wissenschaft­licher Bezeichnung heißen. Einen befände en Menschenschlag stellte schließlich die vorderasia- llsche und die orientalische Rasse mit schmalem Schädel und Gesicht, ebensolcher gleichmäßig go­

lft nach dieser Veröffentlichung, daß mit Rudolf vorzeitig ein Mann endete, dem Großes bestimmt war. und der entschlossen und nach seiner hohen geistigen 03eranIagung auch fähig war, das von ihm Erwartete zu leisten. Der Unglücksstern des Hauses Habsburg stand auch über ihm und hat es nicht zugelassen, daß er zu den großen Taten be­rufen wurde, die allerdings not gewesen wären, um die habsburgische Doppe'monarchie durch die Klippen und Riffe der kommenden Jahrzehnte ungefährdet hindurchzusteuern.

Äersuche mit einer opUschen Zngsicherung.

In München wurde dieser Tage vor Presse­vertretern eine optische Z u g b e e i n f l u s- s u n g vorgeführt, die als Versuch zur Lösung des Problems der Sicherung des fahrenden Zuges von größter Bedeutung ist. Sie beruht im wesent­lichen darauf, daß bei bestimmter Signalstellung durch einen Raumspiegel eine Lichtwirkung auf eine Selenzelle ausgeübt wird. Hinter dieser ist eine TachometerschÄbe ungeordnet. Die Brems­wirkung wird bann durch ein Relais in allen Fällen automatisch bewirkt, in denen ein Zug an einem mit dem Raumspiegel ausgerüsteten Signal in einer so großen Geschwindigkeit vorbei­fährt, bah eine rechtzeitige Abbremsung bis zum Hauptsignal nicht mehr möglich wäre. Die Brems­wirkung wird automatisch, also ohne Einwirkung des Führers bet Maschine ausgelöst, wenn em auf Halt stehendes Signal überfahren worden ist. Die besonderen Vorzüge dieses opllschen Systems der Zugsicherung sind darin zu erbrüten, daß es entgegen der anfänglichen Vermutung gegen Witterungseinflüsse fast vollständig un­empfindlich ist. Es arbeitet billiger als die bisher erprobten anderen Systeme, übt einen unbeding­ten Zwang zum rechtzeitigen Hallen aus und läßt auch zahlreiche andere Anwendungsmöglich­keiten zu. Die Einrichtung wurde bereits be­triebsmäßig im Bereich der Reichsbahndirektion München in etwa 4500 Fahrversuchen erprobt, ohne baß ein Versager zu verzeichnen war. Die jetzt durchgeführten Fahrtversuche auf einer Der- suchssttecke zeigten, daß die neue Erfindung in allen Fällen automatisch die Bremswirkung aus­löste, in denen die mit der Einrichtung ausge­rüstete Maschine des Sonderzuges an dem Signal eine höhere Geschwindigkeit halle, als zur recht- zeillgen Bremsung notwendig war. Der Vor­führung dieser opllschen Zugbeeinflussung war im Verkehrsministerialgebäude eine theoretische Einführung in das Problem bet Zugsicherung vorausgegangen.

3n den BerlinerKatakomben".

Em Institut für Rassensorschung und Eugenik. - Wie die Menschheit vermessen wird. - 1200 untersuchte Zwillinge.

Von Dr. Hugo Berliher.

Seit einem Jahr besteht bas Kaiser- WüHelm-Jnstitut für Anthropologie in Berlin-Dahlem. Hnfer Mitarbeiter hat bie Forschet biefer Anstatt über bie gemachten Erfahrungen befragt unb schildert hier, welche Hmgcftaltung die gesamte Rassen­forschung in der letzten Zeit erfahren hat. 5000 Menschenschädel starten uns entgegen, fein säuberlich in einem riesigen Raum in Glasvitri­nen geordnet, bräunlich-schwarz vom Alter, von Toten aller Völler, Rassen und Stämme, in jeder Gröhe und Form. Bei ihrem Anblick könnte man glauben, sich in irgendwelchen Katakomben zu befinden; tatsächlich steht diese Schädelsammlung jedoch im zweiten Stockwerk des vor einem Jahr eröffneten Kaiser-Wilhelm-Instituts für An­thropologie in Dahlem. In dieser Forschungs­anstalt wollen hervorragende Gelehrte die wissen­schaftlichen Vorarbeiten leisten, mit deren Hilfe die kommenden Generationen günstig beeinflußt werden sollen, um das deutsche Volk noch tüch­tiger und leistungsfähiger zu gestatten. Wer den Rachwuchs der gesamten Bevölkerung ver­bessern will, muß natürlich zunächst einmal bie Zusammensetzung bes Volles nach Art unb Rasse genau kennen. Die Rassenbestanbteüe bes beut- schon Dolles zu erforschen, ist eine gewaltige Auf­gabe, zu bereu Bewältigung viele taufenb Men­

schen untersucht unb registriert werben müssen, unb biese Arbeit wirb nun von bem Letter bes Instituts, Prof. Eugen Fischer, am le- benbigen Material bes ganzen beutschen Dolles vorgenommen.

Ein Runbgang durch die ausgedehnten Ar­beitsräume des Instituts gibt dem Besucher ein Bild von der vielfältigen, große Hebung unb Ge- wanbthett erforbemben Arbeitsweise der For­scher. Ebenso eingehenb, wie ber Botaniker eine Pflanzezergliebert", wirb dort die zu beschrei­bende Person vom Anthropographen, dem messen­den Forscher, bei lebendigem Leibein Rasfen­merkmale zerlegt". Diesem Zweck dient ein gro­ßer photographischer Apparat vor einem Dreh­stuhl, eine Menge von eigens hierfür konstru­ierten Zirkeln. Greifern, Maßstäben und anderen Meßinstrumenten, von Farbentafeln für bie Be­stimmung ber Augen- unb Haarfarbe; so wirb ber Körper nach einer Unzahl von Meßpunkten wie ein Terrain aufgenommen, ferner werben Körperform, Zähne, Gebiß, Nägel unb an­bete anatomische unb biologische Einzel­heiten festgesteltt. Alle biese Daten wer­ben in einemsomatologischen Beobach­

tern gsblall" in 71 Punkten. bie Schädel- eigentümlichketten in einem kraniologifchen Archiv mit 79 Punkten niedergelegt. Dazu kommen noch