Nr. 278 Erstes Blatt -
178. Jahrgang
Montag, 26. November (928
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metzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Vrvck «nd Verlag: vrühl'fche Universitäts-Buch- und Zteindnickerer R. Lange in Sietzen. Schriftiektung und GeschastsfteNe: Zchulftratze 7.
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TheftedaKteur
Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh Lange für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An« zeigenteil Kurt Hillmann. sämtlich in Bietzen.
Schwere Slumkatastrophe auf den deutschen Aordseeiuselu.
Starke Klntverheernngen auf Sylt.
Zm Kampf mit dem Meer.
Homburg, 24.Nov. (2BIB.) Auf Sylt wütet seit Jreitag abend bei auherordenllich niedrigem Barometerstand eine Sturmflut, die selbst diejenigen der Jahre 1911 und 1923 übertrifft. Bei einem Destsüdwestwind mit einer Windstärke von 10 bis 12 wurde überall auf der Insel schwerer Schaden ungerichtet. Die Dörfer Morsum und Archsum sind durch die Fluten völlig von der Insel abgetrennt worden Vas Westerländer Rettungsboot ist zur Hilfeleistung nach den Ortschaften obgegangen. In Morsum mutzten die Bewohner von 15 Häusern flüchten. In dem Gebiete von Morsum bildeten sich durch die Sturmfluten abgeschlossene Inseln. Monkmarsch steht halb unter Wasser. In Wenningstedt sind wiederum große SUffabbrüche zu bezeichnen. Der Eisenbahndamm nach Hörnum wurde von den Fluten durchbrochen. In Eilum steht da» Wasser hoch an dem Steilufer. Auf dem h l n - denburgdamm blieb ein Morgenzug stecken. Da er nicht gegen die Gewalt de» Sturmes onkam, muhte eine Hilfsmaschine beordert werden. Trotz dieser Verstärkung hatte der Zug weniger Geschwindigkeit al» ein Fußgänger und traf mit eineinhalbstündiger Verspätung in Westerland ein. An dem Reubau des Postamtes In Westerland stürzte eine Mauer ein. Auch sonst ist sehr großer Schaden an den Häusern und am Strande aus der Insel angerichtet worden. Die Gefahr scheint noch zu wachsen, da sich der Sturm nach Rordwest dreht. Die Drehbrücke auf der Insel wurde überschwemmt. Auf der Reede stießen die Leichterschiffe „Rhein- und „Main" zusammen.
Durch einen hundert Meter breiten Z irstrom wurde bei Buhne 33 die Halbinsel Ellenbogen von der Mutterinsel abgetrennt. Die gewaltigen wasiermengen überfluteten den Damm, der zum Ellenbogen-Leuchtfeuer führt, beim alten Ret- tungshaus. Sie rissen alles mit sich, u. a. zwei Unterstände. Eine liefe Bucht breitete sich bei der Artillerie - Telephonzentrale bis zum westlichen Leuchtfeuer aus. Die Insassen des Ostlcuchtseuers konnien den Turm nicht verlassen. Zum Bruch des hörnmcr Bahndammes ist noch zu melden, daß es sich um fünf Bruchstellen handelt, durch die die gewaltigen Wasserfluten über die wiesen drangen und den südlichen Teil der Stadt Westerland unter Wasser setzten, aus dem die Häuser wie Inseln herausragen. Die Tinnumburg steht einsam in einer weiten Wasserwüste, desgleichen das Rettungshaus. Ein Haus iu Westerland-Süd wurde eingedrückt. In w e n n g- ft e d I bei der Kurhausstrandhalle wurden 12 Meter Kliff abgerissen. Das Restaurant steht nur noch einen Meter von der Abbruchkante entfernt. Die Slrandbuchhalle hängt zu drei vierteln über dem Anhang und wird mit Troffen gehalten. Der zweite Rochmittagszug ist infolge des starken Winddruckes trotz zweier Maschinen mit zweieinhalb Stunden Verspätung in Westerland angcforamen. viele Weskerländer Kinder können das Elternhaus nicht erreichen, da die Häuser durch das wasser obge- schuitken sind.
InGrivartung neuerSpringsiuten
Berlin, 26. Nov. (TU.) Nach einer Meldung des „Montag" aus Westerland fällt das Barometer ständig. Während der Durchschnittsstand 760 Millimeter beträgt, ist es am Sonntagnachmittag auf 718 gefallen. Infolgedessen erwartet man, namentlich mit Rücksicht auf den Neumond, in der Nacht .zum Montag schwere Springfluten. Ganz Sylt befindet sich infolgedessen gewissermaßen i n A l a r m z u st a n d. Hunderte von Arbeitern, die teilweise mit der Bahn vom Festlande herantransportiert sind, arbeiten Tag und Nacht, um die Beschädigungen mit Tausenden von Sandsacken auszufüllen und weitere Zerstörungen zu verhindern. Die Verbindung mit dem Festlande über den Damm ist noch nicht unterbrochen, die Zuge verkehren.
Schiffe in Rot an der holländischen Küste. Schwierige Nettungsarbciten.
Amster b a m , 24. Nov. (WB.) Während des heftigen Sturmes gerieten an der holländischen Küste und auf der Zuider°See zahlreiche Schiffe in Not. Mehrere Fischkutter sind gesunken. Verluste an Menschenleben sind bisher nicht gemeldet. Der deutsche Dampfer „Heinrich Po- deus" aus Rostock, der sich zur Vornahme von Reparaturen auf dem Wege nach Rotterdam befand und wegen des heftigen Sturmes vor dem Eingang des Rotterdamer neuen Wasserweges vor Anker ging, wurde losgerissen und nach Norden abgetrieben. Das Schiff geriet später in der Nähe von Schevenigen in große Rot und muhte SOS-Rufe aussenden. Die Rettung der Mannschaft war mit großen Schwierig
keiten verbunden. Es war unmöglich, mit Schleppern an das Schiff heranzukommen, das, nachdem es seine beiden Anker verloren hatte, hilflos nach Norden getrieben wurde. Samstag wurde es vom Sturm bei Zandvoort auf den Strand geworfen. Ein Rettungsboot, das zur Hilfe ausgelaufen war, mußte das Rettungswerk vorerst gegen den Sturm aufgeben. Nach langen Bemühungen gelang es dem Rettungsboot, mit Hilfe einer Leine an das Schiff heranzukommen und sechs Mann der Besatzung an Land zu bringen. Tausende von Zuschauern wohnten am Strande dem Rettungswerk
Duisburg, 24. Nov. (WTB.) Das LandeS- arbeitsgericht Duisburg verhandelte heute über die Berufung, die die Gewerkschaften gegen das Urteil des Arbeitsgerichts eingelegt hatten, das der Feststellungsklage der nordwestdeutschen Eisenindustrie stattgegeben hatte. Nach längeren Ber- handlungen verkündete der Vorsitzende Oberlandesgerichtsrat Dr. Kramer folgendes Urteil: Auf die Berufung des Beklagten wird das Urteil vom 12. November dahin abgeändert: Die Klage wird abgewiesen und der Kläger verurteilt, die Kosten zu tragen. Der Weü des Objekts wird auf eine Million Mark festgesetzt.
Zur Begründung des Urteils macht der Vorsitzende folgendes geltend:
Das Gericht ist zu der Auffassung gekommen, daß sich § 21 Abst 4 und 5 im Rahmen der Schlichtungsverordnung vom 30. Oktober halte. Da keine Einigung zwischen den Partein zustande kam, wurde der Schlichterkammer ein neuer Spruch auferlegt. Es wurde ferner festgestellt, bah bei der Stellung des Schiedsspruches bei dem Kollegium daS Mehrheit S- Prinzip erforderlich ist. AuS diesem Grunde konnte der Kläger mit seiner Behauptung, bah der Schiedsspruch deshalb ungültig sei, weil er nur mit der Stimme des Vorsitzenden abgegeben sei, keinen Erfolg haben. GS ist weiter zu beachten, dah ein Spruch, den der Vorsitzende der Schlichtungskammer verkündet, unantastbar ist. Dieser Staatsakt kann nicht mit der Begründung des fehlerhaften Zustandekommens des Schiedsspruches aus der Welt geschafft werden. Es kann höchstens geltend gemacht werden, dah die Schlichterkammer nicht richtig zusammengesetzt war.
Der Vorsitzende erklärt weiter, die Tatsache, daß ein Tarifvertrag an sich noch bestehe, schließe nicht aus, daß Interesse bestehen könnte, eine neue Vereinbarung zu treffen. Daß in solchen Fällen der Staat mm gezwungen wäre, nicht einzuAreisen und sich nicht zur Verfügung zu stellen, wurde ja eine Ohnmacht des Staates bedeuten. Der vorliegende Streitfall zeige, wie notwendig das Schlichtungsverfahren sei, und daß das Bestehen einer Gesamtvereinbarung nicht das Schlichtungswesen im Sinne des Gesetzes verhindert. Gerade die staatlichen Sch'lichtungsstellen haben die Ausgabe, einen bestehenden Tarifvertrag abzuändern, um eine klarere Fassung zu erhalten.
Das Gericht hat weiter die Frage des Einbruches in den Rahmentarif geprüft und gelangt zu der Auffassung, dah beglich des Akkordlohnes ein Einbruch vorliegt, und zwar aus dem Grunde, weil § 9 Artikel 2 ausdrücklich bestimmt, daß der Verdienst geregelt ist. Es liegt somit ein Einbruch vor nach dem ganzen Inhalt des Paragraphen, der feststellt, dah bei weiteren Zulagen eine tarifliche Aende- rung stattfindet.
Wie der Arbeitgeberverband Rordwest mitteilt, wird er selbstverständlich sofort Revision beim Reichsarbeitsgericht ein- legen, um so mehr als auch das Berufungsgericht den Einbruch in den noch bestehenden Rahmen - tarif durch den Lohnschiedsspruch ausdrücklich festgelegt hat und damit die Rechtsauffassung der älnternehmer in dem entscheidenden Punkte bestätigte.
Eine Kundgebung der Christlichen Metallarbeiter
Duisburg, 25. Nov. (WTB.) Der Christliche Metallarbeiterverband Duisburgs veröffentlicht eine Erklärung, in der zunächst darauf hingewiesen wird, dah infolge der extremen Haltung einer kleinen Gruppe unter den Großindustriellen weit über 200 000 Arbeitswillige gehindert seien, chr Brot zu verdienen. Die Erklärung polemisiert bann gegen die von Arbeitgeberselle gegen die Gültigkeit des Schiedsspruches angeführten Argumente, die sie als juristische Spitzfindigkeiten bezeichnet. Die gestern vom Landes- arbellsgerichk Duisburg gefällte Entscheidung, dah der Schiedsspruch gültig sei, entspreche dem Rechtsbewußtsein von Millionen Deutscher und das Urteil müsse rechtswirksam gemacht werden. Die Erllärung erinnert bann baran, bah von Arbeitgeberseite gegen dieses Urteil Revision eingelegt worden ist und dah die höchste
bei. Der Kapitän und der Steuermann sind weiter an Bord geblieben. Bis jetzt war es nicht möglich, das Schiff flott zu machen.
Das Wasser in der Zuider See hat einen außergewöhnlich hohen Stand erreicht, so daß die Ufer teilweise überschwemmt wurden. Am Samstag konnten noch verschiedene kleine Fischerboote, die in Not geraten waren, von Schleppern in Sicherheit gebracht werden. Ein Rheinschiff ist bei Nymwegen gesunken. Der Schiffer konnte sich retten. Samstag abend ist der deutsche Schlepper „Fair play“ mit fünf Verletzten an Bord im Hafen von Helder an« gekommen. Das Schiff war mit einem Salz-
Gerichtsinstanz, das Reichsarbeitsgericht, sich mit der Angelegenheit noch zu befassen habe. Die weitere Aufrechterhaltung der Aussperrung wäre eine Ungeheuerlichkeit. Wie die Metallarbeiter im Vertrauen auf die Entscheidung des Reichs- arbellsministers bereit gewesen seien, ihre lebenswichtige Arbeit fortzuführen, so /eien sie auch heute noch dazu bereit. Sie appellierten an das Gerechtigkeitsgefühl aller billig denkenden Menschen und forderten sie auf, mit ihnen gemeinsam der Reichsregierung klarzu- machen, daß sie endlich einschreiten müsse, um sich Geltung zu verschaffen. Die Reichsregierung, die den von den Arbeitgebern bekämpften Schiedsspruch für verbindlich erklärt habe, habe damit einen staatlichen Hoheitsakt vollzogen. Werde sie ihr damit gegebenes Wort endlich einlösen? Erforderlichenfalls sei ein Rot- gesetz $u erlassen, auf Grund dessen die Betriebe wieder geöffnet werden und der Rechts- strell auf dem ordentlichen Rechtswege ausgetragen werde.
Oie Zusammensetzung des Reichsarbeitsgerichtes.
Das Reichsarbeitsgericht, das nunmehr die endgültige Entscherdung über den Schiedsspruch für die nordwestliche Gruppe fällen wird, ist beim Reichsgericht errichtet. Den Vorsitz führt bei fernen Verhandlungen ein Se- natspräsidenl des Reichsgerichts, sein Senat besteht außer dem Voickitzenden aus zwei richterlichen unb je einem Beisitzer der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer.
Schiedsspruch für die Metallindustrie Hagen-Schwelm.
Dortmund, 24.Nov. (WTB.) In dem Lohn- ftreit in der Metallindustrie Hagen-Schwelm wurde folgender Schiedsspruch gefällt: Das zum 30. No- vember 1928 gekündigte Lohnabkommen wird mit Wirkung vom 1.Dezember 1928 ab wieder in Kraft gefeßt. Ab 1.April 1929 erhöht sich der Spitzen lohn dieses Abkommens auf 83 Pf. Von diesem Zeitpunkt ab ändern sich sämtliche Sätze des Lohnschemas entsprechend dem bisher angewandten Schlüssel. Diese Neuregelung bleibt u n - kündbar bis zum 30. März 1930 unb kann von da ab mit zweimonatiger Frist erstmalig bis Ende Mai 1930 gekündigt werden. Die Erklärunas« frist der Parteien läuft bis Montag, den 26. November, 10 Uhr abends.
9n Gewerkschaftskreisen findet der Schiedsspruch, wenn er auch die Forderungen der Metallarbeiter in vollem Umfange nicht anerkennt, eine günstige Beurteilung. Wie von füh« renber Gewerkschaftsseite versichert wird, wird sich die Obmännerversammlung höchstwahrscheinlich f ü r d i e Annahme des Schiedsspruches aussprechen. Dagegen kommt in einer Erklärung des Märkischen Arbeitgeberverbandes zum Ausdruck, daß der Schiedsspruch die von den Arbeitgebern gehegten Erwartungen auf eine gerechte Berücksichtigung der gegenwärtigen schlechten Wirtschaftslage nicht e r f ü l l e. Dies fei um so weniger der Fall, als verläßliche Unterlagen für eine etwa später eintretende Besserung desGeschäftsganges, wie die im Schiedsspruch mit Wirkung ab 1. April 1929 vorgesehene Lohnerhöhung auf 83 Pf. recht- fertigen könnte, nicht vorhanden seien. Unter diesen Umständen fei die Stellungnahme des Märkischen Arbeitgeberverbandes völlig ungewiß.
Zechenstillegungen im Ruhrgebiet.
Dortmund, 25. Nov. (WB.) Die Ständige Der Sachverständigenkommission für Stillegungs- angelegenheiten des Oberbergamtes in Dortmund teilt mit, dah gestern unter Beteiligung der in Frage kommenden Behörden Verhandlungen über den Antrag der Mannesmannrohrenwerke auf Stillegung der Zeche „Unser Fritz" in Wanne-Eickel stattgefunden haben. Die Still- legung wird mit der dauernden Verlust, wirtschaft begründet und soll dazu beitragen, die Feierschichten in den Werken des Mannesmannkonzerns herabzumindern. Die beigebrachten Unterlagen wurden als richtig anerkannt und die Stillegung genehmigt. Die Belegschaft der Zeche „llnfer Fritz" beträgt zur Zell 111 Angestellte und 1217 Arbeiter. Der größte Teil der Angestellten und Arbeiter wird auf den Mannesmannkonzernwerken sowie auf den benachbarten Zechen untergebracht werden.
Das Urteil der Zewsiingsinsianz im LisenkonM.
Das Landesarbeitsgericht gibt der Berufung der Gewerkschaften statt. Oie Arbeitgeber legen Revision beim Reichsarbeitsgericht ein.
f d) i f f i m S d) I e p p t a u auf dem Wege von Cux- Hafen nach Zaandam und ist am Freitag an der holländischen Küste in das Unwetter geraten. Die Schlepptaue rissen. Mit Lebensgefahr versuchte man bei haushohen Wellen, die Mannschaft des Salzschiffes zu retten. Fünf Personen wurden dabei ernstlich verletzt. Erst als der Schlepper selbst sein Steuer verloren hatte und arg beschädigt war, wurden die Versuche aufgegeben. Ueber das Schicksal der auf dem Salzschiff zurückgebliebenen drei Mann ist man ernstlich besorgt.
Schnee und Unwetter in Frankreich.
Keine Aussicht auf baldige Besserung der Weiterlage.
P^a r i s, 25. Rov. (WTB.) Entgegen der geltem von den französischen Wetterwarten für heute an- gekündigten Besserung der Witterung hat der seit zwei Tagen herrschende Sturm an Stärke zugenommen. Sowohl von der gesamten französischen Küste äls auch aus den: Innern treffen Nachrichten über ziemlich große Schäden ein, die durch das Unwetter verursacht worden sind. Eine Meldung aus Lorient kündigt e i n neues Tief an. Die Gegend von Douarmenez ist vom Sturm besonders heimgesucht worden. 3n Bayonne wurde ein englisches Schiss in der vergangenen Nacht vom Sturm vom Anker gerissen und gegen die dem Hafen vorgelagerten Felsen geworfen. Nach längeren Bemühungen gelang es einem Dampfer und einem Rettungsboot, das Schiff zu bergen. Auch Paris stand unter dem Zeichen des in ganz Frankreich wütenden Sturmes. Zahlreiche Schornsteine wurden niedergerissen und Dächer abgedeckt. Soweit bis jetzt bekannt, sind durch eine vom Sturm fort- gerissene Mauerkrone zwei Personen ziemlich schwer und eine wettere leichter verletzt worden. Don der Küste her lauten die Nachrichten weiterhin ungünstig. Der Hafen von Bordeaux ist gleichsam blockiert. Wegen des außerordentlich hohen Seeganges können die Schiffe ihn nicht an- «laufen und sind gezwungen, draußen zu kreuzen.
Aus Reims wird gemelbet, daß die Warne und die Aisne und ihre Nebenflüsse infolge eines seit 24 Stunden niedergehenden, wollenbruchartigen Regens bedenllich angeschwollen und stellenweise bereits über die Ufer getreten sind.
Der Hafen von Doulogne-sur-Mer ist mit Fischerbooten überfüllt, die vor dem Anwetter Schuh gesucht haben. Aus den verschiedensten Gegeirden Innerfrankreichs liegen Nachrichten über Verheerungen vor, die der Sturm angerichtet hat. Als besonders beunruhigend wird daS Steigen der Flüsse bezeichnet. Falls das Wetter nicht rasch umschlagen sollte, dürfte mit Hochwasser zu rechnen fein. Aus Südfrankreich werden starke Schneefälle gemeldet. An den Abhängen der Pyrenäen liegt der Schnee teilweise 20 Zentimeter hoch. Die französische meteorologische Hauptstation gibt bekannt, daß vorläufig keine Besserung der Wetterlage zu erwarten sei, besonders im Kanal und in der Bretagne werde der Sturm vermutlich mit unverminderter Gewalt anhalten.
0er Sturm in England.
London, 25. Nov. (WTB.) Die Blätter melden, dah der Sturm, 6er feit Freitag in England wütet, eine Anzahl von Todesfällen, großen Sachschaden, Störung des Telephondienstes und Verluste, sowie Verzögeru-.rgen in der gesamten Schiffahrt zur Folge hatte. In Süd-Wales werden 300 Bewohner eines Dorfes obdachlos. Mehrere Schiffe, darunter ein norwegisches mit einer Besatzung von 17 Mann, werden vermißt. Das Generalpostamt meldet großen Schaden an Telephon- und Telegraphenleitungen. Etwa 15 der Zernsprechleitungen nach dem Konttnent sind unterbrochen, davon acht Leitungen nach Paris. Die Telephonverbindungen mit Belfast und Dublin waren gestern vollkommen unterbrochen. Der Sturm über dem Kanal hält mit unverminderter Stärke an, so dah der Schiffsverkehr zwischen Frankreich und England nur ganz unregelmäßig über Calais durchgeführt werden Fann.
Starke Herbstgewitter über dem Rheinland.
Essen, 26. Nov. (WB.) Ein sellenes Naturschauspiel gab es in Essen und Umgebung in den späten Abendstunden des Sonntag. Wolkenbruch« artiger Regen war begleitet von einem starken Gewitter. Es herrschte undurchdringliche Dun« kelheit, die nur durch lodernde Blitzstrahlen zerrissen wurde. Die Ruhr schwoll stark an; die nächsten Anwohner mußten noch in den Nachtstunden Vor« kehrungen gegen lleberschwernmun- gen treffen. Der Sonntag selbst übertraf, was Regen und Sturm angeht, die Vortage bedeutend. Mit kurzen Unterbrechungen regnete es durch den ganzen Tag und die ganze Nacht zum Montag. Die Friedhöfe lagen am Totengedenktag vollkommen verwaist da. — In Köln hat der zweite orkanartige Sturm, der die ganze Nacht an verschiedenen Stellen der Stadt wiederum große Schäden ange« richtet. Kamine wurden umgeweht und starke Bäume aus dem Boden gerissen. Ununterbrochen niederströmender Regen behinderte die Aufräumungsarbeiten ganz erheblich, l'.e Feuerwehren waren ununterbrochen unterwegs, um die zahlreichen Verkehrshindernisse zu beseitigen. Gegen 16 Uhr entlud sich über der Stadt ein heftiges Gewitter, das ein«; Halde Stunde andauerte.


