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Nr. M Erster Blaff

178. Jahrgang

Dienstag, 26. Juni (028

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhesten

vnttk Mtv Verlag: vrLhl'lche UntverfilLlr'Y»^' und Steinönideret K lange in Giessen. Sdfrtftlelhing und Geschäftsstelle: Schnlstrasse 7.

HermannMüllerbildeieinKabineiiderpersönlichkeiien

Die Stabilisierung des Kranken

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Sensation im Donezprozeß.

Unt er ind)iingömet hoben der (4. P. N.

Kowno. 2b. Juni. (511,) 3n der Montags- sitzung des Schachty-Prvzesses, der allmählich seinem Ende entgegengeht, ereignete sich bei der Vernehmung des Angellagtcn 5f orutto ein dramatischer Zwischenfall. In der Voruntersu­chung hatte der Angeklagte kein Geständnis abgelegt und betonte auch seine Unschuld zu Beginn der jetzigen Vernehmung. Als er nun­mehr unverständlicherweise mitteilte, er habe in der Rocht vor der Vernehmung ein schrift­liches Geständnis abgelegt, schrie hände­ringend seine Frau, die sich im Zuhörer- raum befand, auf: .Du lüg ft, was tust du?

Haupt ein menschliches QBefcn noch mehr ver­langen ? Die Reichstag-Wahlen in Deutsch­land haben der Linken die Kontrolle gegeben Denn es jemals eine Politik gegeben hat. für die Weitblickende Staatsmänner sich ent­scheiden sollten, so ist eS die Politik der f of ne­tt g e n Räumung des Rheinlands S.

Erschetnr tAgltd),trafen Scmwtaq» s«d Feiertag» 8 ei tage«.

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Chefredaliteur

Dr. Fnedr. Will). Lange, 'verantwortlich für Voltiih Dr. Fr. Will) Üanae; für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Blumschem: für den An- getgenteil Äart fiillmann, sämtlich in Diefeen.

Du bist doch unschuldigk" Stonitto# Frau tollt in Ohnmacht, er 'clbst tnanft. Darauf ct- bebt er sich langsam und widerruft fein Geständnis mit der Bemerkung, hast er in den letzten Monaten sehr mürbe geworden sei und sich nur mit Mühe vor dem Wahnsinn bewahrt habe. Gr behauptet weiter, hast er in der fraglichen Rächt a l l e« unterschrieben hätte, was man ihm vvr- gelegt haben würde. Die er zur llnterschreibung triefe» Geständnisses gekommen fei. wisse e r nicht mehr.

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für das Bestehen der Regierung ebenso wenig ^-«scheidend wie in Preussen, wo z. B. Sozialdemo, titen und Zentrum Dodig entgegengesetzte 'Auf. Ortungen über die wichtige Frage über die preu- i che Stimmabgabe im Reichsrat vertreten. Herr ?. (Turtius, ouf dessen verbleiben im ^ichswirtschaffsministerium ich entscheidenden i.ert lege, teilt, wie ich aus verschiedenen Gkfprä-

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mit ihm weife, meine Ansicht."

Optimismus her presse.

Ernennung beb Kabinetts für Mitte her Woche erwartet.

Hoovers Kandidatur.

Tie republikanische Partei fast geschloffen hinter ihrem Präsidentschaftskandidaten.

Washington. 24. 3uni. (WDB.) Die füh­rende republikanische Zeitung ..Public Ledger" teilt mit, das» Senator ßaf eletle mit seinen Archängern beschlossen habe, Hoovers Wahl zu unterstützen. Auch Senator Bor ah werde Wahl­reisen für Hoover unternehmen. Hoovers ehe­mals erbittertster Gegner. Senator Johnson- Kalifvrnien. habe ebenfalls seine Mitwirkung -ugesagt und schliefeltch habe sich M c. Harn, der vor dem Kongress so energisch dafür ein­trat. dass die Regierung die Farmer unterstütze, bereiterllärt, trotz deS Widerstandes des r c- publikanischen Wohlprogramm- gegen einen AuSgleichSfondS für die Farmerhilfe, f ü r Hoover zu wirken und das Verlangen nach einer Regierung-Hilfe fallen zu lassen. Die Partei werde somit zu über 90 Prozent für Hoover- Wahl tätig sein. Hoover selbst werde das Land nicht bereisen, sondern Wahl­reden durch den Rundfunk halten.

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Be r Iin . 26. Juni. Unter der Tleberfchrift .^as neue Kabinett gesichert" schreibt die .Ger­mania" u. a.: Dieser- Kabinett, da- de facto j on den Parteien der Grossen Koa - i : : f i p n getrogen ist. wird sein Programm nrf die Richtlinien auf bauen, die Gegenstand <r vorher geführten Verhandlungen gewesen id. Die strittig gebliebenen Fragen, in erster ? nie der Rattonakfeiertog und die Amnestie, werden ihre parlamentarische <Jr- e>tflunfl finden, ohne dass die Haltung der in '«r Regierung vertretenen Fraktionen koalittons- -lifeifl gebunden ist. Wenn die Fraktionen bei ><r Parlament arischen Entscheidung dieser Fra- :*n auf den politischen Sinn dieser Regierung Mr erforderliche Rücksicht nehmen, dürste cs c-cht gelingen, die bestehenden Schwierigkeiten u überwinden. Wird dann auch später die vage einer Umbildung derpreusiischen .'Legierung spruchreif der Begriff der _ge» leben en Zeit wird dann wohl eine Klärung trabten dann .st anzunehmen. dass das Kabi- «t der Persönlichkeiten auch eine koali- tionSrnässige Bindung erhält. Der .-vorwärts" schreibt: 3m Reichstag rechnete um gestern damit, dass das Kabinett am heu­igen Tage fertig werden könnte, so dass die Er- xrmung deS Reichskanzlers und der Minister et va für Mittwoch zu erwarten wäre. 3 cs neue Kabinett wird dann den Rest der Loche benutzen, um sich übet die Rcgie- angserklärung und die zunächst einzu- ' 'cngenben Vorlagen schlüssig au werden. An Einberufung des Reichs tages coh in dieser Woche ist um so weniger tu denken, üs der Freitag (Peter und Paul» ein karhvli- cher Feiertag ist. Voraussichtlich wird sich die eie Regierung also am Montag. 2.3uli, >n Reichstag vorstellen, der mich einer nicht

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allzu langen Sommertagung in die Serien gehen wird. Die entscheidenden Proben seiner Leben-- und Arbeitsfähigkeit wird das neue Kabinett wohl erst im kommenden gerbst und Winter abzulegen haben.

Der Beschluß des Zentrums.

Berlin. 26. Juni. (D. D. Z.) Die Zen- trumsftaktion hat sich am Montag abend mit der Regierungsbildung beschäftigt. Sic hat bt- schlosfen, grundsätzlich den für die Kabinettsbil­dung vorgesehenen Mitgliedern der Fraktion die Genehmigung zum Eintritt In die ReichSregierung zu geben. Die Entschei­dung über die Personenfrage wurde auf DienStag vormittag zurückgestellt. Für daS Zentrum kommen in der neuen ReichSregierung äusser dem Arbeitsministerium das Ministerium für die besetzten Gebiete und daS Derkehtsministetium in Frage. Roch umstritten ist die Besetzung deS ReichS- etnähtung-ministetiums. das der Abg. Müller-Franken bisher vergeblich verschiedenen Persönlichleiten angeboten hat. Es ist möglich, dass auch diese- Ministerium für das Zentrum in Betracht kommt. 3n diesem Falle aber würde das Arbeitsministerium für da- Zentrum hin­fort in Wegfall kommen. Der Plan, einem der Vertreter deS Zentrum- ausserdem den Vize- kanzletpostenzu übertragen, ist fallengelallen worden. DaS Zentrum wünscht diesen Posten nicht zu übernehmen. Ferner erfahren wir. dass der Abg. Müller- Franken sich entschlossen hat. auf die Wiederbestellung eine- Vizekanzlers zu verzichtem Wie man weiter erfährt, hat der Abg. Müller-Franken sich den endgül­tigen Bescheid der Fraktion bis DienStag vormittag 11 Übr erbeten. Der Reichspräsi­dent soll bann vom Abg. Müller-Franken am Dienstagabend 7 Ufer unterrichtet werden.

Die kommenden Männer.

Die vorauösichtlichcVerkeilung derRefsortst

Be r 11 n, 25. 3uni. (prlo.-IcL) Rach der zustim­menden Erklärung Dr. Slrcfemann» hält man in parlamentarischen streifen das Zustandekom­men eines Kabinetts der Persönlich­keiten" ohne Bindung der Fraktionen nunmehr für gesichert. 3n den wandclgängen des Reichstag» wird daher heute die Personenfrage lebhaft erörtert. Dian zweifelt nicht daran, dass der Abg. Müller- Franken, der vom Reichspräsidenten mit Ver­handlungen über die Regierungsbildung betraut ist. selbst das Reichskanzleramt übernehmen wird. 3m übrigen glaubt man in parlamentarischen streifen, dass da» neue Kabinett etwa folgender- mafecn aussehen wird:

Reichsaufzenminister. Dr. Slrcfemann (Deutsche Volksparteis.

Reichswirtschastsminister: Dr. (urliu» (Deutsche voikspartels.

Rrichsjustizminister: Dr. stoch (Demofrat). Reichssinanzminister: Dr. hilferding (So).).

Reichsinnenminister: Seoering (So).).

Reichsarbeitsminister: Dr. Broun» (Zentrum).

Reichsoerkehrsminister: Dr. Wirth (Zentrum).

Reichsminister für die befefefen Gebiete: von Guerord (Zentrum).

Reichswehrminisler: von Gröner (ohne Partei).

Reichspostminister: Dr. Schötzel (Bayer. Volksportei)

Dae Amt eine» Vizekanzler» dürste in dem neuen Kabinett unbesetzt bleiben. Die Schwierigkeiten der Personenauswahl liegen gegenwärtig in der Haupt­sache bei der Fruge, wer da» Reichsernäh- rungsministerium verwalten soll. Keine der beteiligten Parteien zeigt grosse Reigung, gegen die Opposition der Deutsche.ationolen und der Bauernpartei einen Mann für diesen Posten bereit­zustellen. AI» Kandidat wird lautvorwärts" von einem Teil de» Zentrum» der frühere Reichsernäh­rung»- und JinaQ)mi«iflcr Hermes oorgeschlogen. Sollte Hermen nicht Ernährungsminister werden, so gelte al» nächster Anwärter für diesen Posten der Demokrat Dietrich (Boden).

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von unserem -P-Berichterstotter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.

Pari-, 25. 3unt 1928.

Der Franken beS Germinat vom Jahre Xi der grossen französischen Revolution ist tot. ES lebe ber Zwanzig-EenttmeS- Franlen von 1928! Ka­binett. Kammer unb Senat haben bte bittere Pille geschluckt, bie schon weit früher hätte gereicht werben können, wenn bie Währungs­frage nicht ein gar zu probates Mittel gewesen wäre, bas Kabinett ber Rationalen Einigung mit Poincar6 an der Spitze über bie Fährlichkeiten parlamentarischer Strubel in ben letzten anbert- halb Jahren hinüberzuretten. Die französischen Linksparteien haben zwar auch im allgemeinen keine befonberen 3bccn gehabt als bie Vertreter des Rationalblocks seligen unb unseligen An­gedenken- ber sich während ber zwei letzten Safere ber alten Kammer hinter dem Feigen­blatt .Unton nationale schämig verbarg, aber sie haben boch im Jahre 1924 und 1925 eine Stabilisierung des Franken vorgeschlagen, die nicht viel von berfenigen anderer Länder abwich.

Gs waren mehr inner- und aussenpolitische Prestige- denn sinanzielle Grünbe. die ber da­maligen parlamentarischen Opposition bie Worte In den Mund legten: .Wir nehmen feinen Ver­stoss gegen die Verpflichtungen beS Staates hin!" Damals hätte man den Franken zu einem wei t besseren KurSstanbe stabilisieren können als jetzt. Auch Herr Poincarß erklärte noch vor einem Jahre, bie Stabilisierung setze drei Dinge voraus: politische Stabilität. An­gleichung der Preise unb allgemeine Regelung des Schuldendrosilerns. Heute sind diese drei Bedingungen ebensowenig erfüllt wie vor Jahresfrist, und boch war eS Poincare Vor­behalten. bie Stabilisierung durchzubrücken, ber er im Innersten feine» Herzens auch wieder auS Prestigegründen widerstrebte. Auf der anderen Seite wird unb darf er aber auch eine gewisse Genugtuung darüber empfinden, bass er sell»st die erste Etappe vollenden konnte, die er sich auf dem feit ben stürmischen Julitagen 1928 zurückgelcgten Wege der Finanzsanierung gesteckt hatte.

Rur einem Wcllter ber politischen und parla­mentarischen Routtne wie P o i n c a r e konnte eS gelingen, eine so übergrosse Mehrheit für die währungspolitischen Massnahmen zu fla­bert. die von einem grossen Teile des Parla­ments unb deS Landes nur widerstreben!) bin» genommen werden. Die amerikanischen Zahn­ärzte sollen bie reizenbe Gewohnheit haben, ihren Klienten Geschmack an ber Zange baburch beiaubringen, dass sie mit Jazzmelä)ien ihre Sinne benebeln; immerhin ein angenehmeres Mittel alS bas übliche Ehloroform. Do liess auch Poincare am Donnerstag bei ihm unge­kannte Minen springen, um die Kammer von ber Rotwendigieit der Stabilisierung zu überzeugen. Gr. ber immer Verärgerte. Angriffslustige unb Gittgeschwollene. hatte bas stete Lächeln auf ben Lippen und bie gute Laune bes Wortes. Das lässt auch ben raschen Stimmungs- umfchwung ber neuen Kammer verstehen, die Links, Rechts und in ber Mitte in ber letzten Woche nicht wenig verärger, war. Hat man boch allen Ernstes nach ben Gerüchten über bie Demission des Gouverneurs ber Dank von Frank­reich das bevorstehende 2luf fliegen des Ka­binetts Poincare. nicht zuletzt auch wegen inne­rer Zwistigkeiten im Kabinetts'chossc säbst, vor- ausgesagt. Bezeichnend ist jedenfalls, dass Pen- fionsminister Marin, dessen Gruppe däemeisten

Stresemonns Antwort an Hermann Müller.

Der lin, 25. Juni. (DB) lieber die Ant- nort, bie der Führer ber Deutschen Volkspartei. KeichSaussenminifter Dr. Stresemarm. an den "beauftragten des ReichSpräf identen auf bie nage gegeben hat. ob er bereit fei, alS Fach- Minister i n ein Kabinett der Wei­marer Koalition, eventuell in ein sogen. Robinett der Persönlichkeiten, ein- rutreten. sind in ber Presse vielfach irrige Mel­dungen verbreitet. Die Rattonalliberale Korre­spondenz gibt daher bei folgenden Wortlaut er Antwort Stresemann« toieber: ..Ich »alte die sogen. Grosse Koaliton für bie Ee fi e prakttfche Möglichkeit, um einigermaßen labile RegierungSverhältniffe in Deutschland zu schaffen.

Dem versuch, sie auf der Bast» eine» von den Fraktionen im voran» feflgeleglen Programm» zu bilden, habe ich von vornherein mit Skepsis geaenubergcstanden, weil e» psychologisch kaum möglich ist. ein auf jaferc berechnete» Programm in wirtschaft» . handel»-, sozial-, steuer-, inner- unb aussenpolitischer Einsicht im voraus von allen beteiligten Zraktionen sich billigen zu lassen.

Nachdem dieser Versuch, wie Sie mir mitteilen, t »n Ihnen als gescheiter t angesehen wird, be- . wichtigen Sie, die sogenannte Weimarer In a l i t i o n zu bilden und haben an mich die Frage gerichtet, ob ich bereit fein würde, mich die­ser Koalition als F a dj m i n i ft e r zur Verfügung stellen. Ich muss diese Frage verneinen. ? nmal ist die» angesichts meiner Stellung in der unmöglich, unb weiterhin erscheint mir die lWeimarer Koalition al» eine zu schwache 8o f i , um die großen aussenpolitischen Fragen, i; ementlhh die Frage der enbgülligen fRepara- t I o n Io fu n g, mit der für die Regierung not- wnbfgen Autorltöt zu vertreten. Ich glaube nach öe uor, dass ein Zufammenwirken von Sozial- »«motraten bi» Vollspattei notwendig und g 11 d) ist.

Diese» Zusammenwirken wird am besten zum (Erfolge führen, wenn Persönlichkcitcn au» den Fraktionen der Grofeen Koalition sich über bas Programm klar werden, mit dem sie vor den Reichstag treten, unb ihrerseits mit diesem Pro­gramm stehen und fallen. Line solche Kabinett»- llbung entsoricht auch dem Geiste der deutsdx'n Reichsoersassung, die nur die persönliche verant wortlichkeil der Reichsminifter. nicht aber bie verantworttichkeit von Fraktionen kennt.

fdjon, von wenigen abgesehen, über einen gro- wn Komplex von Fragen überhaupt völlige Ueber- nstimmiing besteht, würde ich Vorschlägen, einen Dchen Versuch zu machen. Wenn in einigen Fra- *n nicht alle Fraktionen einstimmig sind, so ist

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int werden dürfen -w erniius. fiant, Thv^ iige Hamen betaue Solh-Pascha und £r Poriräigalerie gr- o recht nerfinnbiD- rlond Deutschlanstt ii die SviK" at. Gerade in o® i beitragen, die rub , heiler und Rarer r t herauSzuMn niflem. 3ta-.

Aufwertter zählt. eS vorzog. bie programma­tische Rebe bes Regierungschef- im ..Staats-» anzeiger" nachzulesen, statt sie auf ber Minister- bank sich persönlich anzuhörcn. Sin Sturz ber Regierung gerade über die Stabilisierungsfrage wäre nicht mir beswegen unverstänbllich. weil niemanb im Halbrunde bes PalaiS Bourbon bie Verantwortung bafür übernehmen möchte, ton- bem well auch bie (Stabilität bes Franken schon seit jenem Dekret vom 10. Januar, bas bie Schranken für bie Kapitalausfuhr nieberlogte, bestand, und durch die (Lin- und Aussuhr- erlaubniS für Gold unb Devisen eine bem jetzt gesetzlich geschaffenen Zustande sehr nahekom- menbe Lage vorherrschte.

wo recht froh über die nunmehr geietzllch garantierte Beständigkeit der französischen Wäh­rung ist allerdings niemand. Mehr oder minder wiegt in Frankreich eben doch bie Meinung vor. dir Stabilisierung fei nicht die Sanktionierung einer fpezifischen Arbeit unb Anstrengung, son­dern nur die Decke, die man hastig über einen Währungsirrtum breitet. Daran ist zum mindesten so viel richtig, dass schleunigst jenem System der Aufwertung - /Valorisierung" sogen bie Techniker ber Kredittnslatton ein ®nbe gemacht werden muhte. daS die Wäh­rungspolitik der Regierung gezeittgt hatte. Das Volk hatte, wie eine Zuschrift eine- Provinzler- an ein Pariser Blatt jüngst besagte, mehr Ver­trauen in die Finanzierung als die Finanz- Politiker und Fachleute. Es habe Poincare ver­traut. weil eS in ihm den entschlossenen A u f w e r t l e r zu sehen glaubte. Weithin ist jebensallS die Befürchtung vorhanden, bass neue P r eissteigerungen unb Erhöhung von Löhnen unb Gehältern als unangenehme Begleit- erfchemungen ber Stabilisierung folgen werden. Poincare bemühte sich zwar, die Oefsenllichkeit über eine Preissteigeruna zu beruhigen, rechnet aber doch wohl mit eiiWr solchen, wenn er sich zur Abstellung ber Missbräuche bereit erklärte. Oie etwa au stauchen sollten. Aus ber einen Seile hat Frankreich noch einen Golbpreisinber von 130. ber in Deutschland auf 140. in ber Schweiz auf 146 und in England auf 150 steht Auf der anderen Seite besteht aber doch auch die Mög­lichkeit. bass die oft künstlich aus gedunsenen Weltmarktpreise nach ber lyrantenftabdi» fierung eine s inkende Tendenz bekunden wer­den. was eine Minderung der Konkurrenzfähig­keit Frankreichs und eine Probuktions- krife zur Folge haben müsste. Das in ben Wandelgängen ber Kammer in Umlauf gesetzte Wert eines Radikalsozial'sten. <5tabilüierung löse die Wahrungsfrage ebenso wenig, wie bie Ab­lehnung des Antrags Walter und die Enthaf­tung Rossös unb Ricklins bie elsäsliche Frage lösen werben, hat gewiss recht viel für sich

$ür sofortige Räumung der Rheintande.

TicTailyRcwtz"gcgenPolcnundAranlreich

London. 26. Juni. (WTB. Funtspruch.) In be.* .Daily Rews-Westminster-Gazette schreibt Wilson Harri- $u den Aeusserungen deS pol­nischen Aussenministers Zaleskt über das Rheinlandproblem: Die Alliierten haben erklärt, dass die deutschen Abrüstungsver- pflichtungen erfüllt sind. Die ReparationS- tommission ist. überzeugt, dass Deutschland ge­mäss dem Dawesplai alles zahlt, waS eS zahlen kann. In der Frage ber Sicher­heit gewährt der Völkerbund eine Garan­tie, daS Locarno-Abkommen eine zweite unb der Kellogg-Pakt eine dritte. Was kann Frankreich ober Polen, was kann über-

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Aktive Anschlußpolitik.

Eigener Drahtbericht desGiessener Anzeigers^.

Berlin, 26. Juni. Dieser Tage ist bcrOefter« reichisch-deutsche Bolksbund, besten Vorsitzender der Reichstagspräiibent Lobe ist, bei den verschiedensten öffentlichen Körperschaften vor- fteUig geworden, um die Strassen und Bahn­höfe in Deutschland, die nach Siegen im preußi­schen Kriege von 1866 über Oesterreich benannt worden waren, in einem dem grofebeutfdjen Gedanken und dem Anschluss Oesterreichs an das Deutsche Reich huldigenden Sinne u m z u be­ne n n e n. In Berlin handelt es sich hierbei um die Königgrätzer Strasse, um die Sadowa-, Git-

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