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n unb insbesondere In mg unterblieben !t bie Beslagaung btr Innsbruck als ein« nb Iattlo|iflfeil -rBollszeitung' heV utz biefer Setzler n Siegers besondere (rfj bas reale 3nW Bedienungen zu Rollen onen in Innsbruck bit> vitz nichts nutzen -»r- e Erregung d-r wohl mitsuylen.

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Nr. 125 (Erftes Blatt

(78. Jahrgang

Samstag, 26. Mai 1928

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2 Beich»»arN enö 20 Reichspfenntg ftr Trüge» lohn, auch bei Richter- scheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschltzss«: 51, 54 und 112

8w|d)rif1 Hu Drahlnach- richten Anzeiger Gieße».

polscheckksitt»: KronttnN am Blain 116M.

MetzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Ihefredaliteur

Dt Friedr Wich. Lange. Derantroortlich für Politik Dr Fr Wich Lange für Feuilleton Dt H.THyrtoi, für den übrigen Teil Ernst Blumschein! für den An­zeigenteil Aurt hillmann, sämtlich m Gießen

Deutsche Pfingsten.

D<» deutschen Volke» Pfingstfest ist auch heule noch nbch fast zehn Fohren seit dem Ende de» furchtbarsten aller Kriege grau und trübe, kalt und unfreundlich zoie die Natur dieser Molwochen. Düstere Wolken hangen über deutscher Zukunft. Nur mit innerem Widerstreben rüsten wir zur Frühllngsfeter, nur mit Zagen Horen wir die Der- Äna vom Stege de» Geiste» über die Materie.

i de» Grauen», der Enttauschuna und Demüti­gung lehrten uns Argwohn und Mißtrauen gegen­über der allgewaltigen Botschaft de» Frieden» und der Versöhnung Und doch gab e» Im Laufe der Geschichte der Menschheit selten eine Zeit, in der soviel von Friede und Ausgleich, von Freundschaft und Annäherung der Volker gt|prodwn wurde, al» die unsrige Völkerbund und Abrüstung, da» lallten wohl eigentlich rechte Kinder des Psingftglauben» sein. Ader wo» ist au» ihnen ge­worden unter der Hand verblendeter Menschen, die sich einbildeten, unter dem Mantel höchster Ideale die Verewigung de» Unfriedens, die Beugung de» Recht», die Herrschaft der brutalen Gewalt ver­bergen zu können^ Der Völkerbund, der Gedanken- weit eine» vielleicht wohlmeinenden, aber gewiß weltfremden und diplomatischen Ranken unkundigen Gelehrten entsprungen, wukde in der Hand robuster, willensstarker Machtpolitiker umgebogen zu einem brauchbaren Instrument für die Verewigung de» Spruch» von Versailles Lus der Liga der Ra- Honen, nach dem verschwommenen Willen ihres Gründer» die Keimzelle für das Reich de» ewigen Frieden», wurde in Wahrheit eine Genofsenschost der Siegerftaaten zur Sicherstellung ihrer Kriegs- gewinne Stolze, verheißungsvolle Worte von Ge­rechtigkeit und Gleichberechtigung finden sich wohl in ihren Satzungen, aber die Taten sehen anders au», sobald die Interessen der Mächtigen dieser Welt aus dem Spiele stehen.

Sollte nicht die allgemeine Abrüstung der erste Schritt zur Verwirklichung Wilsonscher Ideale (ein? Und wa» ist au» ihr geworden? Al» ihre Vor- aussetzuno Hot man in Dersoille» die Entwaffnung der im Weltkrieg unterlegenen Mächte statuiert unb dann mit unendlichen Schikanen und Demut'gun gen für die betroffenen Volker rigoros durchgeführt. Aber denkt man heute ernsthaft Daran, nun auch seinerseits den Buchstaben de» Vertrages zu erfüllen , der In Versailles feierlich verbrieft und beschworen wurdet Oder unterhalten die Sieger nicht weiter Riesenheere, die mit allen Mitteln mo­dernster Technik zu neuen Kriegen gerüstet sind? Werden nicht von den Siegcrmachtcn unter Füh­rung Frankreich» alle Anstrengungen gemocht, jeden brauchbaren Abrüstungsplan in einer Flut von Papier zu erftlrfen, in irgendwelchen Kommissionen zu begraben, eine ernsthafte Diskussion überhaupt nicht auskommen zu lassen? Und wie ist e» dem amerikanischen Vorschlag ergangen, durch einen feierlichen Pakt der Großmächte den Krieg als Tiit- tcl der Politik zu ächten > Das entwaffnete, wehr­lose Deutschland bat sich zwar mit Recht beeilt, dem Gedanken Kelloggs aus aufrichtigem Herzen zuzu- fHmmen, aber sind nicht Frankreich so gut wie Eng- land mit Vorbehalten bei der Hand gewesen, die den amerikanischen Vorschlag Kelloggs illusorisch machen, sa seine Absichten in ihr Gegenteil oer- kehren, wenn die beiden Mächte ihre eigenen, nicht aerobe karg bemessenen Interessensphären von den Segnungen de» Friedenspoktes ausnehmen wollen und die vereinigten Staaten freundlichst daran er­innern, daß doch auch Amerika Gebiete hat. In denen es sich wenigstens bislang nicht gern von dritter Seite hineinreden liefe? Der deutsche Hin­weis auf bie Monroedoktrin wird schon seine Wir­kung nicht verfehlen, in Amerika einen, wenn auch DiHleuftt nur stillen Teilhaber bei dem Geschäft zur Sabotage dev Kriegsächtungsvaktes zu bekommen. So gibt uns der Blick in bie Welt wenig Zuversicht auf baldige Verwirklichung der PfingstverHeißung.

Aber sieht e* bei und im eigenen Hause freundlicher auf? Die Wahlen zum Deutschen Reichstag liegen hinter und. eine Woche bet Besinnung und Sammlung, des Wagens unb UeberschauenS ist vergangen. Manches, was in der Erregung des WahllampfeS oder nach eben beendeter Schlacht in ersten Augenblicken bitterer Enttäuschung, heftigen Mißmuts, voreiligen Der» zagens, auf der einen stolzer Genugtuung unb frohen SiegeSbewußtseinS auf der andern Seite gesagt wurde, mag der nüchternen Prü­fung ruhiger Stunden vielleicht nicht in allem standhaften, mag auch manchem Ohr begreif­licherweise überscharf oder allzu zugespitzt ge- llungen haben, das darf und soll uns doch nicht hindern, auch in 3uhmft wieder zwar viel­leicht nicht immer auf gleichen Wegen, aber in gerechter Würdigung jedes ehrlichen Wollens dem einen gleichen, uns allen gemeinsamen großen Ziel der Befreiung unseres Dolles zuzu- streben.

ES rst verständlich. daß der Staatsbürger, der soeben mit dem Stimmzettel in der Hand leinen politischen Willen kundgclan hat. nun erst einmal bei Betrachtung des Wahlergebnisses eine Erfolgs rechnung auf macht und sich mit AUfe von Bleistift und Logarithmentafel ein Bild von der 3ufammen<«feung des neuen Reichstags unb den Möglichkeiten einer Regierungs- bildung xu machen sucht. Er zählt und zählt, eine Rechtskoalition. eine Regierung der Mitte, eine Große Koalition, eine Weimarer .Koalition, aber da bleiben eine Reihe unsicherer Faktoren, He nicht hier, nicht dort unterxubringen sind. m ganzen beträchtliche Ziffern, deren Zu- und Abtun hier Möglichkeiten öffnet, dort zerstört, wenn man eben wüßte, auf welchen Renner sie >u bringen wären: es ist die nicht geringe Zahl bet vorwiegend nach wirtschaftlichen 3nterefien

Politik und Rechtsprechung im Colmarer Prozeß.

O Straßburg, o Straßburg../

Al» im Colmarer Geiichtssaal, der wegen der er- warteten Kundgebungen vom Publikum geräumt war, da» Urteil verkündet wurde, da» die angeklag- ten elsässischen Autonomisten vor ihren eigenen Volksgenossen diffamieren sollte, ftimmte, so wird berichtet, die nach Tausenden zählende Menge vor dem Iuftizgebäude da» LiedD Straßburg, o «träfe- bürg ..." an. Cs klang in den Gerichtssaal hinein, wo gerade der Präsident die Geschworenen zu ihrem Spruch beglückwünschte, als die schärfste Demonstration gegen ein Verdikt, das in den 15 Angeklagten und vier verurteilten das ganze elfäffifche Volk treffen sollte. Das Lied klang aber auch über den Rhein hinweg nach Deutschland hinein, es wird über Frankreichs Grenzen in bie ganze Welt hinaus klingen als Kundgebung eine» gequälten vergewaltigten Volke», das feit der Rückkehr zurfranzösischen Mutter", wie es 1919 phrasenhaft und verlogen In der Pariser Presse hieß, nichts als Unbill erfahren hat. Stärker als in diesem Volkslied läßt sich das hemmungslose Bekenntnis zu deutschem Blut und deutschem Volkstum nicht ausdrücken, und Herr Fachot, der Colmarer Staatsanwalt, müßte hiernach die ganze Menge, die es gesungen hat, das ganze elsässische Volk, besten Seele bei diesen Klängen mit- schwingt, vor sein Tribunal zitieren.

Freilich, der französischen Justiz wird an einer Neuauflage des Colmarer Prozestes auf womöglich noch verbreiteter Basis kaum liegen. Denn man hat es schon während des Prozesses in Paris empfun­den, und wird es nach der Aufnahme, die das Ur­teil im Elsaß gefunden hat, noch mehr empfinden, daß die ganze Aktion ein juristischer und vor allem ein politischer Fehlschlag allerer ft en Ranges geworden ist. Vie ganze Welt fragte schon nach der Anklagerede de» Staatsanwalts: .Dft das alle»?", Ile wird den Colmarer Spruch nicht nur al» juristischen Fehler, sondern al» eine politische und moralische Selbstschödigung der französischen Republik bezeichnen.

Man kann sich jetzt, nachdem der Gejamtverlouf klar zu überschauen ist, rin Bild von der Zweck- setzung dieses Prozesses machen. Er ist so von allem Anfang an nirgends anders al» ein politi­sches Manöver Potncarck» empfunden worden: es paü niemals. Recht zu finden, sondern stet» innerpolitrfche Intereffen Poincars» zu vertre­ten. Schon einmal hatte ja der jenige französische Kultusminister Herriot einen Vorstoß unternom­men, das Elsaß durch seine Laisierungsbestrebunqen dem übrigen Frankreich völlig zu assimilieren. Den Fehlschlag von damals wollte Poincorö durch lei­nen Prozeß wetttnachen. Schon der Beginn aber stand unter einem sehr ungünstigen Stern. Denn trotz eingehender Haussuchungen usw. fand sich kein durchschlagendes Material, das die oateriandsoerrä- terifche Haltung der Führer des elsässischen Autono- mlsmus hätte beweisen können, so daß die sinn­losesten Vorwürfe und ein töricht verzweifelte» Spiel der Dialektik, das die Heimatbewegung in El- saß-Lothrinqen mit Separatismus gleich- setzen wollte, herhalten mußten, um überhaupt bie Anklageerhebung zu ermöglichen. Auch in Deutsch­land sind ja während der letzten Jahre allerlei po­litische Prozeste geführt worden, es wird aber kei­nen deutschen Staatsanwalt geben, der etwa jetzt in der Haut Fachots hätte stecken wollen. Richt ein­mal die schon anfangs brüchige Konstruktion von der finanziellen Beteiligung Deutschlands an der Autonomiebewegung hat er plausibel machen tonnen, so daß sein Dersuch. das Reich als moralischen Mitangeklagten vor den Col­

marer Geschworenenbänken In Erscheinung treten zu lassen, wirkungslos verpuffte. Auch die Geschworenen selbst waren ja nut mit knapper Mehrheit von einer ..Schuld' einiger weniger Angeklagter zu überzeugen, und daß das Urteil von den abwesenden Angeklagten, tote beispielsweise dem in Berlin ansässigen Herausgeber der ..Elsaß-Lothringischen HeimatSstimme". Dr. Ernst, überhaupt nicht spricht, ist vielleicht am bezeich­nendsten für die Zweifel, bie da- Gericht selbst in feine Kompetenz zur Verurteilung überhaupt feilte.

Aber eS ist nun einmal so: Der auf Betreiben PoincaröS angezettelte Prozeß mutzte toenig- stenS einige Opfer erbringen, um Frankreichs Prestige zu retten. Daß man sich dazu die pro­minentesten Führer der elsässischen Heimatbewe­gung, darunter zwei eben gewähtte Abge­ordnete. aussuchte, ist nun nicht mehr weitet verwunderlich Bleibt nur die Frage, ob daS Prestige der ftawwsifchen Republik durch diesen Spruch in Elsaß-Lochringen rricht mehr gelit­ten hat. alS wenn sich die Pariser Regisseur, durch eine Freisprechung offen aut Fehlerhaftig­keit ihres DotgehenS bekannt hätten. Wer die Alemannen im Elsaß kennt, der weiß, daß sie nun erst recht zu ihrem Dolkstum. zu ihrer Sprache, zu ihren kulturellen Rechten stehen wer­den. Das Ergebnis von Eolmar kann und wird nur eine weitere Entfremdung zwi­schen Paris und Sttaßburg bringen, und auch das fünfjährige Aufenthaltsverbot, durch das die verurteilten Angeklagten aus ihrer Heimat verbannt werden, wird dagegen nichts helfen.

Schlimmer aber noch fast wird die Prsstige- einbuhe sein, die Frankreich durch feine moralische Selbstverurteilung in der ganzen Welt erleidet. Die französische Autzenpolittk der letzten Jahre ist mindestens nach außen hin eng mit Locarno verknüpft gewesen, also mit der Idee einer Der - ständigung zwischen Deutschland und Frank­reich Sehr zu Recht hat darum auch einer der Angeklagten daraus hingewiesen. daß überall in Frantreich von tyr Rotwen. igleit der deutsch- französischen Annäherung gesprochen werden dürfe, nur ausgerechnet im Elsaß nicht, daS nach dem Urteil des Professors Müller von der Straßburger Universität durch seine ganze eigen­artige Stellung eigentlich berufen ist, oie Brücke zwischen beiden Rationen yu bilden Es kann gar nicht ausbleiben, daß sich aus dem Ausgang deS ProzesieS die imgünftigften Rück­wirkungen auf Den Locamogedanken ergeben, unb gerabc die Garanten deS Paktes, vor allem alfo England, aber auch Italien, dürften sich über die französische Haltung wohl ihre eigenen Gedanken machen Das Prvtestlied einer gequälten Minder­heit wird man gerade wegen der unter Um- ständen sehr weitgehenden allgemeinpolitischen Wirkungen von Colmar weder an der Themse noch am Tiber überhören dürfen.

3m englischen Licht.

London. 26. Mai. (WTD. Funkspruch.) .Time S" stellt in die Frage, ob es nicht klüger seitens der französischen Regierung gewe'en wäre, die Eftäsler Autonomisten überhaupt nicht unter Anklage au stellen. Das Blatt be­tont, daß die Elsässer einen nationalen unb einen provinzialen Patriotismus haben, die m i t- einander verschmolzen werden mütien. Der Pariser Korrespondent derTimes" führt auS. die Kommentare der Sttaßburger Presse deuteten darauf hin, daß die Sache der Der-

sohnuna einen Rückschlag erlitten habe. AuS der Stimmung, bie der Protest erzeugte, gehe flar hervor, daß daS Elsaß sorgfältige Be­handlung erfahren müsse, wenn die Gelegen­heiten. die man in den ersten 3obren nach dem Kriege Vorbeigehen liefe, jetzt ergriffen werden sollen. 3n der ersten Begeisterung über die Wiedervereinigung hätten die Slsäs er erwartet, einen neuen Himmel und eine neue Erde zu erben.

(Stimmen ans dem Elsaß.

Colmar, 25. Mai (WTB.) Die ßofolprcffe sowie Straßburger Zeitungen nehmen zu dem Ur­teil im Autoiiomistenprozcß eingehend Stellung Un­ter den deulsw geschriebenen Zeitungen erklärt der Elsässer Kurier" u. a.: Da» Unglaubliche ist Tatsache gewordene Elsässische Geschworene Haben es in unbegreiflicher Verblendung fertig gebracht, die vier führenden Persönlichkeiten unter den Ange- klagten schuldig zu sprechen. Der sranzösilchen Sache im Elsaß ist durch dieses schnöde Urteil unbe­rechenbarer Schaden zugefügt worden. Die Verteidiger haben beschlossen, gegen da» Urteil Be­rufung einzulegen. Der Kassationshof wird schwer­lich um die Kassierung des Urteils her- umkommen. Dann erleben wir einen neuen Kom­plott-Prozeß in vermehrter und verbesserter Auf­lage vor dem Schwurgericht in Straßburg

DieStraßburger R e u e st e n Rachr > ch - ten" jdeutsche Ausgabe) schreiben Der Spruch ist den Geschworenen sicher nicht leicht gefallen, e i n unglaublicher Druck ist auf sie au »geübt wor­den Eins der traurigsten Kapitel der elsässischen Ge­schichte hat seinen Abschlufe gefunden Die bestehenden Schwierigkeiten können nur durch viel Ruhe unb Frieden gcL ft werden. - DieC o l m a r e r R e u e- ft en Nachrichten" sagen (ebenso wie die fron- zasische Ausgabe derNeuesten Rachrichten" in Straßburg): Die Geschworenen wünschten ein Urteil, das durch seine Milde Beschwichtigung und Frieden gestalten sollte Sie verurteilten daher nur diejenigen, die ihnen die Führer zu sein schienen. Wir wünschen sehnlichst, daß das Elsaß nicht in zwei feind­liche Lager, wie gestern die Menge im Schwur- gerichtssaa^ zerrisien werde. DasM ü I b a u I e r Tageblatt" (ebenso wie die in ftanzosilcher Sprache erscheinende ZeitungLa France de l'Est") führt aus Sicherlich wird man versuchen, das Urteil zum Ausgangspunkt einer neuen Agitation zu machen. Die Lage ist gegenwärtig schwieriger denn je. Um sie wieder herzustellen, muß die Re­gierung auf die Mithilfe und den guten Willen oller Bürger de» Elsaß zahlen können

Das katholische OrganD e r E I s ä s s e r" schreibt Die gleichen Torheiten, die das deutsche Regime begangen hatte, wiederholen sich jetzt. Das Problem wird gebildet durch den Konflikt zwischen dem zen­tralistischen und dem regionalistischen System Wenn wir nicht bald wieder zu einer gerechten und libe­ralen Lösung gelangen, fürchten wir. daß eines Tages ein schreckliches Erwachen kommt " Das sozialistische elsässische BlattFreie Presse" beugt sich vor dem Urteil, ist aber der Ansicht, daß es besser gewesen wäre, diese Ange- legenheit nicht auszurollen. Die Geschworenen haben mehr aus dem Gefühl für Sauberkeit als auf Grund von ziemlich unklaren Beweisen eines Komplotts gehandelt.

Von der in französischer Sprache erscheinenden Presie nimmt u. a. Stellung dasJournal d'Aljace et de Lorraine" (Straßburg), das die Verurteilung der vier Hauptangeklagtcn, die es weniger bedeutende Männer nennt, und bie Frei-

eingestellten Parteien, die jede Rechnung über die Möglichkeiten künftiger Koalitionsbildungen äußerst unsicher macht. Auch noch au8 andern Gründen ist die Wahlarithmetik nn augenblick­lichen Stadium noch ein recht undankbares Ge­schäft. Der Sozialdemokratie, fällt als der stärksten aus dem Wahlkampf hervorgegan- genen Partei das Recht und die Pflicht zu, als erste den Berfuch zu einer RegierungSbllduna zu machen. 20ber sie hat sich vorläufig noch von ihrem, in diesem Ausmaß ihr wohl selbst überraschend gekommenen Siege nicht erfeolt. 3br Berliner Zentralorgan üxr.igficn* kokettiert eifrig mit der proletarischen Einheitsfront und macht den Kommunisten Anerbietungen, die ob ernst gemeint oder nicht doch zur Genüge kundtun, wohin unter sozialdemokratischer Füh­rung die Reise gehen soll. Es wäre töricht, diese Anbiederungsversuche durch vorelliges Drängen bürgerlicher Parteien stören zu wollen. In Kreisen der Mittelparteien wird man sich bei ruhiger Betrachtung der Lage doch wohl llargemacht haben, daß es wahrlich keine reine Freude sein wird, mit einer Sozialemokratie in einer Koalition zu sitzen, die nicht nur die ehe­maligen Unabhängigen in ihren Reihen zählt, sondern bei allen ihren Entschlüsien aus Furcht vor ihren Dähtern die größte Rücksicht aus die Kommunisten nehmen är-. Und noch dazu in einer Koalition, in der das Bürgertum im aller- günstigsten Falle insgesamt nicht einmal über die gleiche Zabl der Mandate verfügen würde, wie die Sozialdemokratie für sich allein.

Sich zu einem solchen Bündnis zu drängen, liegt nun doch wahrlich weder für das Zentrum noch für die Dolkspartei rrgerrdwelche Beran- lasiung vor. AuS den Ministersisten. die heute schon eilfertig kolportiert werden, beliebe man doch zu fefeciL wie sich die Sozialdemokraten eine ÄotiUitnieetgietwm mit ßürgersichan Par­

teien denken. Da werden in schönem Freimut für jeden Ministersessel gleich zwei sozialistische Thrvnanwärter genannt. Womit dann die bür­gerlichen Koaliftoi'.Sgenosien abaespeift werden sollen, ist bei solcher Bescheidenheit der Linken grade.zu ein Preisrätsel. Wozu also die Drän­gelei zu einem Bündnis, in dem man viel­leicht grade noch geduldet wird? Die Par­teien Der Mitte werden warten Banen, biS auch die Sozialdemokratie auS den Wollen hoch­gemuten Siegesrausches wieder zu nüchterner Be­trachtung der tatsächlichen Lage herabsteigt und dementsprechend ihre, heute noch inS wilde Jahrhundert gehenden Ansprüche auf das ihnen tatsächlich zukornmende Matz herab'chraubl. Für künftige Bundesgenossen der Sozialdemokratie, mögen sie nun ausschließlich Demokraten und Zentrum heißen oder auch die Dolkspartei ein­beziehen. wäre diese notwendige Wartezeit gewiß nicht schlecht angewandt, wenn sie dazu benutzt würde, die Mittel pari eien zu einem einheit­lichen politischen Willen zufammenzufalsen und auf eine gemeinsame Marschroute zu einigen, bevor die sozialdemokratischen Unterhändler darangehen, die bürgerliche Front von links auf­zurollen und in Separatverhandlungen die bür­gerlichen Parteien vor ihren Wagen zu spannen.

Auch bei engstem taktischem Zusammengehen der Rsittelpartmen wird ihre Stellung äußerst schwierig sein. Sine ganze Reihe von dringend der Erledigung oder der 3nangriffnafeme harren­den Problemen erfordert unsres Erachtens zwar^släusig. daß die bürgerliche Witte auch in einer Koalition mit der Linken die Tuch- füfilung mit der großen Rechten nicht aufgibt. Wrr nennen aks wichtigstes nur fre Außen­politik, bei deren Fortführung, sei es durch Stressmann, sei es durch einen Minister der Weimarer Koalition, verständnisvolle SufammenatbeH mit der nationalen

Opposition um so mehr dringendes Gebot der Stunde ist, als ein von der Sozialdemo­kratischen Partei behnnschtes Kabinett ohnehin eine siche« Belastung und Schwächung unserer deutschen Außenpolitik z. B. g gcnüber einer Re­gierung Poincare darstellt, die selbst mit ver­stärktem rechten Flügel aus den Wahlen zuruck­gekehrt ist. Dir nennen weiter die WIrt - schasts- und Sozialpolitik, in der zu Zeiten schwerster lanlnoirttcha'tsicher Krisis und abflauender Äonjunltur in Industrie. Gewerbe und Handwerk 'vzialpolitische Experimente unS um Jahre zurücrwersen können. Wir nennen schließlich nur noch die Reichswehr, auf die eine zur Macht gelangte Sozialdemokratie mit verdoppelter Kraft ihre Anschläge wied'rho'en wird, um unser letztes Bollwerk gegen innere und äußere Feinde des deutschen Staate- durch Um­gestaltung nach öster«ichischAn Muster zu einem willfährigen Instrument der Parteipolitik zu machen. Hier müssen die Parteien der Mitte in engster Derbundenheit mit der Rechten je2>en sozialistischen Versuchen ein entschiedenes Halt entgcgenstellen.

Werm sich nun also auch von unserer innen­politischen Lage beim besten Dillen kein beson­ders erfreuliches Bild entwerfen läfet so wollen Dir doch dessen eingedenk fein, daß auch dieses Pfingsten, an dem wir geneigt sind, alles Grau in Grau zu schauen, ein Fest der Hoffnung ist, der im Glauben und in der Liebe starkem Hoffnung und festen Zuversicht an eine bessere Zukunft unseres deutschen Dolles auf einem zwar steilen unb dornigen, aber tn zäher harter, gerne infamer Arbeit stetig auswärts führen­den Weg zu einem freien glücklicheren Deutsch­land. 3n indem gewissen, siegverheitzenden Glau­ben laßt uns das Pfingstfest recht begehen!