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Zuchtviehversteigerung in Gießen.

Die erste diesjährige Zuchtoiehocr steige- r u n g des Landwirtfchaftskammerausfchuffes für Oberhessen sand gestern in Gießen statt. Aufgetrie­ben waren 71 Bullen des hessischen Fleckoiehschlages (Simmentaler) und 5 Eber von der Rasse des oer- edelten Landschweins. Unter den Bullen befanden sich ganz hervorragende Exemplare. Einer der Leistungsbullen stammt von einer Kuh, die die höchste Fettleistung in der ganzen Provinz in 1927 aufzuweisen hat, nämlich 384 Pfund Fett. In der Hauptsache waren die aufgetriebenen Tiere aus den Zuchten der Kreise Lauterbach und Alsfeld, und hier waren es wieder in erster Linie die bekannten Hoch­zuchten zu Angersbach, Maar, Zell und Willofs, die ihre besten Zuchttiere gesandt sandten. In Anbe- der großen Auswahl und des züchterischen Wertes der Tiere hatten sich zahlreiche Interessenten, dar­unter auch Starkenburger, zu der Auktion einge- funden. Das Angebot war indessen größer als die Nachfrage, so daß die Preise etwas gedrückt waren.

Ergebnis der Versteigerung:

1. Bullen: Den höchsten Steigerungspreis er­zielte 1. Hch. Euler (Reuters) mit 1130 Mark, Käufer blieb die Gemeinde Langsdorf; 2. Züchter Hch. Schwarz (Angersbach) an Gemeinde Stadt Pfungstadt für 1120 Mark, 3. Züchter Heinrich Schäfer VI. (Angersbach) an Gemeinde Krum- stadt für 1100 Mark; 4. Züchter August Marx (Willofs) an Gemeinde Nieder-Weiscl für 1010 Mk.; 5. Züchter Eduard Scharch (Windhausen) an Ge­meinde Hahn (bei Pfungstadt) für 1000 Mark; 6. Züchter Ioh. Wahl XVI. (Angersbach) an Ge­meinde Dorf-Gill für 960 Mk.; 7. H. S chme l z IV. (Allmenrod) an Genossenschaft Nieder - Kleen für 910 Mark; 8. Züchter Hch. Ritz IV. (Willofs) an Gemeinde Herbstein für 890 Mk.; 9. Züchter Heinr. Heß XXI. (Leihgestern) an Gemeinde Dietzenbach für 870 Mark; 10. Züchter Georg Möller II. (Angersbach) an Gemeinde Queckborn für 810 Mk. 11. Züchter 9. Pfeffer (Arnsl-ain) an Gomeipde Rüddingshausen für 800 Mark; 12. Züchter Fr. Will (Holzheim an Gemeinde Fauerbach (Nidda) 790 Mark; 13. Züchter Otto Kaspar (Zell) an Gemeinde Ober-Ohmen für 780 Mark; 14. Züchter K. Seim (Maulbach) an Gemeinde Holzheim für 760 Mark; 15. Züchter Konr. Häuser I. (Nieder- Weise!) an Gemeinde Zeilbach für 750 Mark; 16. Bürgermeister Simon (Zell) an Gemeinde Mün­ster (Lich) 650 Mark; 17. Züchter Hch. von Alt (Wallenrod) an Gemeinde Nainrod für 780 Mark; Züchter Hch. von Alt (Wallenrod) an Gemeinde Södel für 660 Mark; Züchter Fr. Möller II. (Angersbach) an Gemeinde Babenhausen für 610 Mark; Züchter Peter Häuser I. lNieder-Weisel) an Gemeinde Watzenborn-Steinberg für 610 Mark; Züchter Krausmüller (Schwabenrod) an Ge­meinde Eberstadl für 600 Mark. 2. Eber: 1. Züchter K. Feuer st ein (Stangenrod) an Ge­meinde Nonnenroth für 175 Mark; 2. Züchter Otto Horst (Stangenrod) an (gemeinde Ober-Sei- bertenrod für 145 Mark.

Gießener Wochenmarktpreise

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 140 bis 160, Matte 30 bis 35, Wirsing 30 bis 40, Weihkraut 20, Rotkraut 30 bis 35, gelbe Rüben 15, rote Rüben 15, Spinat 40 bis 50, Unter-Kohlrabi 10, Grünkohl 25, Rosen­kohl 50 bis 60, Feldsalat 150, Tomaten 120, Zwiebeln 20 bis 25, Meerrettich 50 bis 80, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kartoffeln 5 bis 51/«, Aepfel 8 bis 15, Birnen 10 bis 15 Pf. das Pfund; Käse (10 Stück) 60 bis 140 Pf.; Eier 16 bis 17, Blumenkohl 60 bis 120, Salat 30 bis 40, Endivien 30 bis 35. Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 30, Sellerie 10 bis 60 Pf. das Stück.

Bornotizen.

Tageskalendcr für Donnerstag. Gießener Konzertverein: 7.15 Uhr, Stadttheater, Symphoniekonzert. Schachklub Gießen: 8.30 Uhr, Eaf6 Aftoria", Generalversammlung. Singsaal des Realgymnasiums: 8 Uhr, Lortrag. Lichtspiel­haus, Bahnhofstraße:Die Jugend der Kronprin­zessin Louise".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Zu der Jubiläums- und Ab­schiedsvorstellung für Intendant Steingoetter am Dienstag, 7. Februar, dis, wie bekanntgegeben, ShakespearesS o m rn e r n a ch t s t r a u m" bringt, fei noch mitgeteilt, daß bei dieser Vorstellung durch Mitwirkung der Reichswehrkapelle Mendelssohn- Bi'tholdys berühmteSommernachts-Musik" voll­ständig zu Gehör gebracht wird. Die Eintritts­bedingungen mußten daher den anderen Vorstellun­gen mit Orchester gleichgesetzt werden.

Cinfüyrungsvortrag z u 3bsens Peer G h n t. 3m Rahmen der Volks­hochschule hält Professor Collin am Sams­tag. 28. Januar, im Großen Hörsaal der Unt- versität einen Vortrag zur bevorstehenden Auf­führung von 3bsensPeer Gynt". (Räheres siehe heutige Anzeige.)

3 m Goethe-Bund liest am nächsten Mittwoch Wilhelm v. S ch o l z, der Präsident der Deutschen Dichterakademie in Berlin, aus eigenen Werken. Scholz ist ein philosophisch ge­schulter Denker, ein erfolgreicher Erzähler, Dra­matiker und Theoretiker des Dramas. 3n aller Erinnerung dürfte noch die Aufführung seines DramasDer Wettlauf mit dem Schatten" im hiesigen Stadttheaterein. So werden die hiesigen Literaturfreunde eine interessante Dich.erpersön- lichkeit am Vortragstische kennen lernen. (Siehe heutige Anzeige.)

Zwei Experimentalvorträge des bekannten Okkultisten Fred Marion finden am Freitag- und Samstagabend im L i ch t- spielhaus Bahnhofstraße ab 10,45 Ahr, also im Anschluß an die üblichen Abendvorfüh­rungen, statt. Marion genießt auf dem Ge­biete des Gedankenlesens, der Psychometrie und das Hellsehens weithin einen besonderen Ruf.

Sowohl Vertreter der Wissenschaft, wie auch ernste Pressestimmen geben Marion beste Zeug­nisse. 3m Herbst vorigen 3ahres hat er durch sein Auftreten auf dem parapsychologischen Kon­greß in der Pariser Sorbonne großes Aufsehen erregt, im Oktober v. 3. hat er im großen Saale des Saalbaues in Frankfurt a. M. über das Pro­blem von Konnersreuth gesprochen. Das Auf­treten dieses Mannes in Gießen dürfte demnach von besonderem 3nteresse fein.

** Abschiedsbesuch b ei der hiesigen Garnison. Gestern abend traf der Kommandeur des 15. Äif.-Regts., Generalmajor Fett, hier ein. Heute vormittag hatte Generalmajor F e U mehrere Besichtigungen, heute nachmittag wird er sich von dem auf dem Kasernenhofe aufgestellten Bataillon verabschieden. Generalmajor Fett kehrt morgen früh nach Kassel zurück. Bekanntlich ist er ab 1. Februar als Infanterieführer I nach AUenstein versetzt.

** Schließung der hessischen Aemter am Geburtstag des S t a a t s p r ä f i d e n ° t e n. Laut Beschluß des Gesamtministeriums bleiben anläßlich des 75. Geburtstages des Staatspräsidenten U l r i ch die Diensträume der hessischen Behörden am 28. Januar geschlossen. Soweit erforderlich, ist Sonn­tagsdienst einzurichten.

WSR. Doch Verlegung der Ober­postdirektion Darmstadt? Wie der »Hessische Volksfreund" aus angeblich zuverlässi­ger Quelle erfährt, ist am Montag in Darm­stadt die Meldung eingetroffen, daß das Reichs­postministerium endgültig beschlossen hat, die Oberpostdirektion Darmstadt zu verlegen. Sie soll ihren Sih zukünftig entweder in Frankfurt a. M. oder Karlsruhe haben.

" Hebersehung fremdsprachlicher Urkunden. Der hessische 3ustizminister hat mit Wirkung vom 1. Februar 1928 die Gebühr der hesjischen Liebersetzer auf drei Mark für die Seite von mindestens 20 Zeilen mit mindestens 12 Silben festgesetzt. 3st eine verlangte Heber- sehung in eine fremde Sprache oder aus einer fremden Sprache infolge äußerer oder sprach­licher Umstände besonders schwierig oder zeit­raubend, so kann statt der vorgesehenen Ver­gütung nach der Seitenzahl die Gebühr nach Maßgabe der jeweils geltenden Vorschriften der Reichsgebührenordnung für Zeugen und Sach­verständige verlangt werden.

** Evangelisch-kirchliche Persona­lien. Durch die Kirchenregierung wurde übertragen dem Pfarrassistenten Theodor W i ß m ü l l e r zu Ar- heilgen die evangelische Pfarrstelle zu Haingründau, Dekanat Büdingen, und dem Pfarrverwalter Wilh. Weinberger zu Friedberg die zweite evangelische Pfarrstelle zu Friedberg, Dekanat Friedberg.

** Arbeitsjubiläum. Der Rohrleger Karl Sch i m m e l aus Klein-Linden ist morgen 25 Jahre als Rohrleger beim städtischen Gas- und Wasserwerk beschäftigt. Aus Anlckß dieses Jubiläums wurde er von seinen Kollegen mit einem Geschenk beehrt.

** S (.trennen auf dem Hoherodskopf. Der Skiklub Gießen beabsichtigt, am nächsten Sonn­tag, 29. Januar, ein Rennen auf dem Hoherodskopf abzuhalten. Die Rennen werden sicherlich zahlreiche Zuschauer anlocken. Autoverlnndung Schotten Breungeshain ist im Anschluß an die Frühzüge sowie nachmittags für die Rückfahrt vorgesehen. Im einzelnen sei auf die Veröffentlichung des Skiklubs im heutigen Anzeigenteil verwiesen. Für Samstag abend ist ein Fackellaus der Skijugend am Hang des Hoherodskopfs vorgesehen.

** Die Verbandswettläufe des Sti­ll u b s Sauerland. Infolge der weiterhin un­günstigen Schneeverhältnisse werden die Verbands­wettläufe des Skiklubs Sauerland auf den 4. und 5. Februar verschoben. Der Iugendskitag findet ent­sprechend am 12. Februar in Willingen statt; die Kampfrichter- und Kurslciterprüfung vom 2. bis 5. Februar in Winterberg.

** Verlängerung des Vertriebes der Hin den bürg marken. Entsprechend den Wünschen weiter Kreise hat sich das Reichs­postministerium entschlossen, die Hindenburg- Wertzeichen und -Postkarten noch bis Ende März durch die Postanstalten nach den bis­herigen Bestimmungen vertreiben zu lassen. Mit den Wertzeichen können Postsendungen noch bis Ende Mai freigemacht werden.

** Versicherungsgesetz für Ange­stellte. Durch eine Ergänzung dieses Gesetzes vom 22. Dezember 1927 wurden für die freiwillige Bei­tragsentrichtung (§ 184, 185 Versicherungsgefetz für Angestellte) die Beitragsklaffen G, H, I und K ge­bildet. Der freiwillige Monatsbeitrag beträgt in der Beitragsklaffe G: 25 Mk., in der Beitragsklaffe H: 30 Mk., in der Beitragsklaffe I: 40 Mk., in der Bei- tragsklasie K: 50 Mk. Das Gesetz tritt am 1. April 1928 in Kraft.

** Die Dorfkirchenvereinigung Gie - ßen-Wetzlar hielt Montag nachmittag im Saale der Iohannesgemeinde ihre 3. Tagung für Pfarrer und Lehrer ab. Pfarrer Mahr- Gießen eröffnete mit einer kurzen Andacht die Versammlung, die von etwa 120 Geistlichen und Lehrern aus den Kreisen Gießen, Friedberg und Wetzlar besucht war. Pros. D. Hans Schmidt- Gießen hielt einen größeren Vortrag überBauernerzählungen und Bauernleben im heutigen Palästina". Der Redner, der 1910/11 studienhalber in Palästina weilte, forschte dort nach Erzählungen, die im arabischen Bauernleben noch erhalten sind. Er erzählte zuerst Kultussagen, die noch eine Fülle von Aberglauben in sich bargen. Aber auch die vom Volk erdachten Erzählungen und Sagen, die namentlich noch in Familien erzählt wer­den, wurden durch den Vortragenden mitgeteilt. Es find bestimmte Wahrheiten in vielen dieser Erzäh­lungen ausgedrückt. Man konnte aber auch in ein­zelnen Erzählungen feststellen, wie der Geist Christi in ihnen lebendig ist. In der Hauptsache stammten die Erzählungen von alten Leuten, weit­aus die meisten von einer sehr alten Frau aus einem Dorje im Gebirge Ephraim, wo sich Pros. Schmidt 19 Tage lang auf hielt, um Erzählungen zu sam­meln. Bei der palästinischen Jugend gehen die Er­zählungen allmählich verloren. Die zahlreichen Licht­

bilder, zum großen Teil von dem Vortragenden selbst aufgenommen, unterstützten den ausgezeichne­ten und sehr interessanten Vortrag. Die Bilder zeig­ten hauptsächlich Sitten und Gebräuä)e bei Hoch­zeiten, Leben und Treiben der Bevölkerung in und außer dem Hause. Die Ausführungen des Redners waren in hohem Maße geeignet, wesentliche Aus­flüsse über das alte Palästina und feine Bauern- veligion, insbesondere aber recht wertvolle Anregun­gen für den Unterricht im alten Testament zu bie­ten. Pfarrer Mahr dankte dem Redner für feine schönen Darbietungen und forderte Pfarrer und Lehrer dazu auf, heimische Erzählungen zu sammeln und ihrer ursprünglichen Art zu erhalten.

Kriegerverein Gießen. Man berich­tet uns: Zur Feier des 54. Stiftungsfestes des Kriegervereins Gießen hatten sich zahlreiche Kameraden mit ihren Angehörigen in der Turn­halle eingefunden, ein Zeichen, daß die Kamerad­schaft der alten Soldaten noch fortlebt; möge auch die junge Generation diesen Geist in sich auf­nehmen und pflegen. Die Ausgestaltung des Abends lag in bewährten Händen, und der Bei­fall, der den einzelnen wohlgelungenen Darbie­tungen folgte, bewies, daß man aUseitS damit zufrieden war. Die Musik, unter der flotten Leitung des Kam. Weller, verschönte den Abend; die Verlosung brachte den glücklichen Gewinnern viel Freude. Kam. Stümpert rich­tete an die Erschienenen herzliche Worte der Begrüßung und ermahnte sie, den kamerad- schäftlichen Geist hochzuhalten, damit dereinst die hohen Ziele der- »Hassia" in Erfüllung gehen. Herr Klein jun. sprach ernste Worte über das Heranziehen der 3ugend unserer Mitglieder und forderte zur Errichtung einer 3ugendgruppc auf; hoffentlich folgt dieser Mahnung die Tat. Die kleine Gretel Möller trug ein nettes Weihnachtsgedicht vor, Frl. A m e n d einen ernsten Dorspruch. Frl. Fenchel und Kam. Hartmann gaben in einem Duett »Am Sil­berhochzeitstag" manchem Kameraden Anlaß, seine Gedanken in weit zurückliegende Zeiten schweifen zu lassen. Ausgezeichnet gefiel das Theaterstück3m Riesengebirge", bei dem alle 'Mitwirkenden großes Können an den Tag legten. Kam. Büttner als Böhmer, Frau B e ch st e i n als seine Tochter. Herr Seih als Berliner, Frl. A m e n d als seine Frau, Kam. Hartmann und Frl. D o p f als junges Paar auf der Hoch­zeitsreise und Herr B i r k e n st o ck als Freier meisterten ihre Rollen in hervorragender Weise. Der anschließende Tanz hielt alle noch einige frohe Stunden zusammen.

Auftrieb auf bem heutigen Frank­furter Schlachtoiehmarkt: 1094 Kälber, 397 Schafe, 1010 Schweine.

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)

2!. ICO. Als ..Kommunaldarlehen" im Sinne des Anleiheablöfungsgefetzes gelten nicht bloß Darlehen, die den Charakter einer öffentlichen Anleihe haben, sondern auch solche, die von Ge­meinden bei Einzelpersonen ausgenommen worden sind. Sie unterliegen der 12,5prozentigen Auf­wertung. Hierin liegt eine große Härte, da z. B. Hypotheken Privater der 25- prozentigen Aufwertung unterliegen. Sehen Sie zu, daß 3hnen die Gemeinde in bezug auf die Verzinsung entgegenkommt. Wir ver­weisen im übrigen auf § 40 ff. des Gesetzes vom 16.3uli 1925, Reichsgesetzblatt von 1925, Teil I, Seite 142, das Sie bei 3hrer Bürgermeisterei einsehen können.

Kirchliche Nachrichten.

Israelitische Tteligionegemeintie. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 28. Januar. Vorabend: 5 Uhr; morgens 9 Uhr; abends 5.25 und 6.05 Uhr.

Israelitische Religionsgesellschafi. Sabbatfeier den 28. Januar. Freitag abend 4.50 Uhr; Samstag vor­mittag 8.30 Uhr; nachmittags 3.30 Uhr; Sabbal- ausgang 6.05 Uhr. Wochengottesdienst morgens 7, abends 4.30 Uhr.

Berliner Börse.

Berlin, 26. 3an. (WTB. Funkspruch,) 3m heutigen Frühverkehr sieht es wieder etwas freundlicher aus. Die gegen Schluß der gestrigen Abendbörse eingetretene Erholung scheint sich behaupten zu können, zumal die letzten Mel­dungen in der Freigabe-Angelegenheit wieder etwas günstiger lauteten. Auch der Reichsbank­ausweis soll eine stärkere Entlastung aufweisen. Man hört 3.°G.-Farben mit ca. 268, Siemens 290 bis 291 und AEG. 168,5 bis 169. Am De- Visenmarkt nennt man Paris gegen London 124,02, Mailand 92,07 bis 92,11, Madrid 28,87 bis 28,90, London-Kabel 4,8750 bis 4,8755 und die Reichsmark gegen Kabel mit 4,1945 bis 4,1955.

Das gröfete Vermögen für jedermann fit ßesnniiheil, SMensM Wohlbehagen Durch den Gebrauch von Ferromaaganin tonnen ikörver und Nerven neträfiigi und widernandS- abiflcr werden. Zn vielen wällen tft es möglich den Zu» iiand d. Blutes auf ufrtfchen und zu verbessern. Durch das altbewährt, ärzll. empfohlene

Ferromanganin

wird der Avveiit angeregt und besseres Aus­sehen und Wohlbehagen kann berbeigeführt werden. Seor angenehm von Geschmack und leicht verdaulich. Lrtginalflasche RM. 3.35 in Artotheken und Drogerien.

Ferromanganin-Gesellschaft Franksurt-M.

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Aus der provinzialhauptstadi.

Gießen, den 26. 3anuar 1928.

Geschichten erzählen.

Roch sind die langen Winterabende, noch ist das Wetter so, daß die Kinder nicht hinaus können ins Freie. Das Spiel im Zimmer kann nicht immer währen. Bald kommt die Ermüdung und die Bitte: .Erzähl mir eine GeschichteI" Wie oft wird da geantwortet .3ch habe keine Zeit." Diese Antwort s ollte eigentlich niemals auf eine Kindesbitte kommen. Man muh sich eben die Zeit nehmen. Und wenns nur einmal in der Woche ist.

Hast du deinen Kindern schon einmal etwas erzählt? Wenn ja, hast du auch bemerkt, daß das gar nicht so leicht ist? Es mag manchem lächerlich erscheinen, aber es ist so: Man muß sich auf solche Erzählabende vorbereiten, denn Kinder sind unbarmherzige Kritiker.

3ch habe einen vierjährigen 3ungen. der hört gar zu gern kleine Geschichten. Er ist schon dank­bar, wenn man ihm ein einfaches Tageserlebnis in Form einer Erzählung darbietet. Z. B. die Geschichte vom Milchmantr. Aber seit einigen Wochen habe ich ihm auch Märchen erzählt, und da sind ihm nun die alltäglichen Sachen nicht mehr .spannend" genug. Aber .Der Wolf und die sieben jungen Geihleinl" Wie oft habe ich das nun erzählt! Aber wehe mir, wenn ich einmal eigen Satz etwas anders forme, als das erste Mal. Er bittet: .Vater, erzähl mir doch mal vom Wolf und den Geißlein!" 3ch hatte das erste Mal angefangen wie bei den Brü­dern Grimm zu lesen ist .Es war einmal eine alte Geiß." Beim zweiten Male sagte ich: .Also, da waren einmal sieben..." Uno schon unterbrach mich der kleine Kritiker: .Richt .also", cs muß heißen: Es war einmal eine alte Geiß" usw.

Also vorbereiten. Es ist ja so leicht. Wir haben in den Grimmschen Märchen einen Quell, der nie versiegt. Man nehme sie, ti>ic* sie sink. Rur keine Bearbeitung! Schöner und besser kann sie niemand machen. Aber man soll sie nicht vorlesen, sondern frei erzählen.

Wenn du im Angesicht deines Kindes sein inniges Miterleben sehen kannst, dann bin ich überzeugt, daß du öfters Märchen erzählst. Denke einmal an die Szene, in der Schneewittchen vom Jäger hinaus in den Wald geführt wird und soll da von ihm getötet werden. Sieh dir in diesem Augenblick dein Kind an! Wie ihm vor Mitleid die Tränen in die Augen steigen, wie es vor Angst säst vergeht, und die Frage in seinem Gesicht steht: Wird das arme Kind getötet?

Eine solche Stunde daheim im Zimmer, im Dämmerlicht, Auge in Auge mit deinem Kind, ist eine W e i h e st u n d e. Änd wer solche Stun­den im Hause erlebt hat, für den finb sie eine heilige Erinnerung.

Viele von uns haben in ihrer 3ugendzeit das Glück gehabt, von der Mutter oder der Groß­mutter Märchen zu hören. Und je weiter diese Zeit zurückliegt, desto Heller und glänzender er­scheint sie uns. Deshalb wollen wir auch unfern Kindern diese Stunden nicht vorenthalten. Wohl werden durch den Rundfunk und auch in der Hchule Märchen erzählt, aber sie können nie das ersehen, was die Kinder im Hause von ihren Eltern oder Großeltern hören. Wenn auch die autc alte Zeit in manchem gar nicht so gut war, so ist doch daS eine gut gewesen: die Großmutter als Märchenerzählerin.

Wenn der Sturm mit seiner Kraft zornig an Den Fensterläden rüttelt und wir sitzen am war­men Ofen, dann ist für große und kleine Kinder -nichts schöner als ein uraltes Volksmärchen, und wenns noch so gruselig ist. Das glänzende Auf­leuchten der Augen deines Kindes ist ein Lohn, wie er dir schöner nirgends in der Welt zuteil wird. P.

Daten für Freitag, 27. Fannar.

Sonnenaufgang: 7.45 Uhr, Sonnenuntergang: 16.30 11!)r. Monduntergang: 22.27 Uhr, Mond- «ufgang: 10.16 Uhr.

1756: Der Komponist Wolfgang Amadeus Mo­zart in Salzburg geb. (gest. 1791). 1808: Der "Philosoph David Friedrich Strauß in Ludwigs­burg in Württemberg geb. (gest. 1874). 1828: "Der Forstmann 3oh. Friedr. 3udeich in Dresden d!eb. (gest. 1854). 1859: Wilhelm II., ehemaliger .Deutscher Kaiser, in Berlin geb. 1901: Der -Komponist Guiseppe Verdi in Mailand gest. »geb. 1813).

Siaditheaier Gießen.

Man schreibt uns: Die Aufführung des Märchens »Peterchens Mondfahrt" am Sonntag. 29. 3 a n u a r , ist bereits die sie- Bente des reizenden Stückes, und sie dürfte nach «ollen Anzeichen eben so gut besucht werden, wie Sie erste. Diese unverminderte Anziehungskraft <cHärt sich aus der hübschen 3dee des Stückes nmb der wirklich gediegenen und sehenswerten ** Ausstattung, die auch auf Erwachsene ihre An- .WOlmg^raft ausübt. Beginn dieser Vorstellung 2"1 o 11 b,**, Ende gegen 5l * Uhr.

Qllti Fremdenvorstellung (Beginn 6-^Hhr) ist für den kommenden Sonntag ein be= lannler älterer SchwankDer Raub d er Sabinerinnen" angcsetzt worden, der be- Ivnders durch den nun verstorbenen Carl Wil­liam Büller als ©triefe in ganz Deutschland Popularität erworben hat. Wer von älteren ^Theaterbesuchern den Titel des Schwankes liest, weiß, daß er sich köstlich unterhalten und herz­lichst lachen wird. Reben Rrcholf Goll als Striese wirken die ersten Luftspielkräfte mit, und liie Lachsalven, die schon bei den seitherigen Dor- tellungen das Haus erschüttert haben, werden <m Sonntag gewiß nicht ausbleiben.

Vorbestellannahmen sind eingerichtet: Krofdorf: bei Kaufmann Karl Wagner. Hauptstraße 79; Lich: bei der Buchhandlung Hermann V o l k m a nn ; Wißmar: bei der

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