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vk. 22 Erft« Blatt
178. Jahrgang
Donnerstag, 26. Januar 1928
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Betiefti:
Gtehener Famtttendlütter Heimat im Bild Die Scholle.
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2 Reichsmark and 20 Reichspfenntg fflr Träger» lohn, and) bei Nichterscheinen einzelnerNumm ern infolge höherer Gewalt. Fernsprech ans ch lüsse: 51, 54 und 112.
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GlchenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
vnttk vnd Verla-: vrühl'sche Ulttverfitittr-Vuch- und Stetttöruderd R. Lange in Gietzen. Schriftlettung und Seschaftrftelle: Zchulftratze 7.
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Chefredakteur
Dr. Friedr. Wilh. Lange. Deranttoortlich für Politik Dr. Fr. WUH Lange, für Feuilleton l)r H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Bietzen.
SerIustizelat vordemAeichstag.
ReichsMi-minister Hergt zur ^vertrauenskrisis" in der Rechtspflege.
Berlin, 25. Ian. (DDZ.) Auf der Tagesord- nung steht di« zweite Beratung des I u ft i z e t a t s mit den dazu von den Parteien eingebrachten Anträgen und Interpellationen.
Reichsjustizminister Hergt
leitet die Beratung ein. In einer Broschüre ist die Rationalisierung der Gesetzgebung verlangt und die Anregung geaeben worden, das Justizministerium möge gewissermaßen als Kontrollinstanz der übrigen Ressorts darauf hinwirken. Wenn ich auch eine solche Kontrollfunk- tion ab lehnen muß, so hat das Reichsjustizministerium doch die Aufgabe, dafür zu sorgen, daß die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt werden unb daß nur das möglichst Gereifte und dringend Notwendige an gesetzgeberischer Arbeit geleistet wird, Qualitätsarbeit also anstelle der Massenfabri- fation. Schon jetzt ist beinahe etwas zu viel des Guten an Gesetzen geleistet worden, und der Rechtsausschuß ist mit der Bearbeitung der verschiedenen Vorlagen geradezu überlastet. Das Verhältnis des Reiches zu den Ländern erfordert noch viele Arbeit zur Herbeiführung eines vereinfachten Zusammenarbeitens beider Teile. Die Län- derkonferenz hat in dieser Beziehung sehr fruchtbare Ergebnisse geliefert, und ich verspreche mir davon großen Nutzen, gerade auf dem Gebiet der Justizgesetzgebung. Der Entwurf über den Strafvollzug ist schon di« Frucht dieses freiwilligen sachlichen Zusammenarbeitens. Wenn wir die Rechtsangleichung mit Oesterreich erstreben, so sollten wir auch die Rechtsangleichung im Reiche mit den Ändern fordern. Das wäre besonders notwen- dig in den Fragen der Ausbildung der Juristen, der Freizügigkeit der Anwälte, der Gebührenregelung. Die deutsch-österreichische Zusammenarbeit bei der Strafrechtsreform hat sich ausgezoichnet bewährt. Wir wünschen, daß die Rechtsangleichuna sich nicht auf das Strafrecht b«schränkt, sondern sich weiter ausdehnt auf andere Geoiete und schließlich auf das allgemein« bürgerliche Recht. Unsere Wünsche decken sich hier mit denen führender Juristen und Staatsmänner Oesterreichs. Wenn unter „Vertrauenskrise der Justiz^ verstanden wird, daß die Mehrheit des Volkes kein Vertrauen zu den Richtern fjabc, so müßte ich die Existenz einer sol- chcn Krise glatt bestreiten. Das bedeutet nicht die Ableugnung mancher Verfehlungen und Verstöße, die in Richt erkiesten selbst am schärfsten gerügt werden. Wir haben uns sehr eingehend über die sogenannte Vertrauenskrise ausgesprochen. Jetzt sollten die Dinge einmal ruhen.
Wir haben seht geradezu eine politische Justiz von unten, nicht nur von oben. Die Einflußnahme der öffentlichen Meinung auf das prozessuale verfahren hat einen Grad erreicht, der nicht mehr erträglich ist. Sie beginnt schon mit der ersten Anzeige, begleitet die Voruntersuchung, das öffentliche Verfahren, die Revision und die Begnadigung. Die öffentliche Meinung mag sich mit der Rechtsprechung beschäftigen, aber das darf nicht in der Form geschehen, wie es in der letzten Zeit immer mehr beobachtet werden muhte. Man sucht nach politischen Motiven bei Staatsanwalt und beim Richter. Man trägt die Politik in das Verfahren selbst hinein. Man macyt schon die Plädoyers des Staatsanwalts fertig, ehe er selbst dazu gekommen ist. So entsteht vielfach der (Sinbrvrf, daß man ein- schüchtern und drohen will.
(Sehr wahr, rechts, Unruhe links.) Der Vorwurf einer politischen Justiz von oben kann nicht erhoben werden. Ich halte es nicht für meine Aufgabe, dem Oberreichsanwalt zu viele Anweisungen zu geben. Die Statistik ergibt, daß im Reiche und auch in Preußen die Zahl der Strafverfolgungen wegen Hoch- und Landesverrats in den letzten Jahren ganz außerordentlich stark zurückgegangen ist. Im Iah« 1927 sind deswegen 845 Anzeigen erstattet worden, zur Anklageerhebung kam es aber nur in 49 Fällen. Das beweist am besten, daß die Klagen über eine wachsende Hochflut solcher Prozesse unberechtigt sind. (Beifall bei den Regierungsparteien.)
Abg. Landsberg (Soz.): Es wäre erfreulich, wenn man einmal bei einer Etatsberatung nicht von der „Vertrauenskrise der Justiz" zu reden brauchte. Es ist die Schuld vieler Richter, daß die peinliche Aussprache über diese Dinge nicht verstummen kann. Die Kritik des Ministers an der Einflußnahme der Presse auf die Rechtspflege sollte wohl der ihm nahestehenden „Deutschen Tageszeitung" gelten, die bei dem Fememordprozeh gegen Oberleutnant Schulz und Genossen von einem .Bluturteil" des Schwurgerichts sprach. Der Redner übt Kritik an verschiedenen Urteilen des Reichsgerichts. Der Abgeordnete wendet sich gegen die vom Oberreichsanwalt ohne Begründung verfügte Einstellung des Strafverfahrens gegen Clah. Clah habe mit feifiem bekannten Plan zweifellos den Hochverrat vorbereitet mit dem Ziel, den Zeitungsverleger Hugenberg zum Diktator und den General v. Möhl zum Kriegminister au machen. Fünf Generale hatten den Reichspräsidenten von Hindenburg in einer Petition beschworen, die Pläne des Herrn Clah zu fördern, aber der Reichspräsident habe diese Zumutung Clah zurückgewiesen. (Beifall.) Eine andere Entschei- oung war nicht zu erwarten von einem Mann, der den Eid auf die Verfassung nicht als Farce betrachtet. (Beifall.)
Der Redner sucht juristisch nachzuweisen, daß im Gegensatz zu der Enftcheidung des Ober-
Litauischer Besuch in Berlin.
Oer litauische Oiktator verhandelt mit Etresemann über den Handelsvertrag.
Eigene Drahtmeldung des .Gießener Anzeigers" Berlin, 26. Jan. Der litauische Ministerpräsident, Professor W o l d e m a r a s , ist nunmehr tn Berlin eingetroffen. Wie man ihm ansah, war er recht hoffnungsfreudig, als er auf dem Bahnhof Friodricyftraße ankam. Ein bestimmtes Programm glaubt er wohl mitzubringen, doch steht es natürlich noch nicht fest, nach welcher Richtung t)in es sich realisieren lassen wird. Der heutige Tag ist zunächst einmal den konventionellen Besuchen Vorbehalten. So hatte er sich bereits beim Reichskanzler unb bei Dr. Stresemann und Staatssekretär Dr. v. Schubert für gestern morgen zur Visite angemeibet. Gestern nachmittag fanden bie ersten Besprechungen zwischen ihm uni) dem Reichs- außenminister statt, bie selbstverständlich, nur der Vororten tierung galten. Am Abend gab der litauische Generalkonsul zu Ehren des Ministerpräsidenten ein Diner. Heute vormittag nahmen die Verhandlungen ihren Fortgang und werden dann in ein positiveres Stadium eintreten. Für den Mittag ist ein Frühstück bei Dr. Stresemann vorgesehen und für den Abend ein Diner, das Reichskanzler Dr. Marx zu Ehren des litauischen Gastes gibt. Der Empfang beim Reichspräsidenten findet am Samstag statt und am gleichen Tage gibt der hiesige litauische Gesandte Sidsikauskas ein Essen in der Gesandtschaft. Die Rückreise ist für Sonntag vorgesehen. Selbstverständlich wird man in diesen wenigen Tagen wohl kaum zu positiven Abschlüssen kommen, es steht jedoch zu hoffen, daß das Feld wenigstens soweit sondiert wird, daß die direkten Verhandlungen in Kürze ausgenommen werben können und möglichst bald zu einem Ziele führen werden.
Trotzdem ist die Tatsache, daß der litauische Ministerpräsident persönlich nach Berlin g e k o m m e n ist, um mit der deutschen Regierung über die Möglichkeiten des Abschlusses eines Handelsvertrages zu beraten, selbstverständlich bedeutsamer als es zunächst scheint. An und für sich spielt der Abschluß eines Handelsvertrages mit Litauen an seinem Werte für die deutsche Wirtschaft keine allzu große Rotte. Darauf kommt es aber gar nicht so sehr an, denn immer noch ist der Osten mit seinen tausend ungeklärten Situationen ein Gebiet, in dem es noch gilt, reiche Arbeit zu leisten, um zu einer klaren Lage zu kommen. Daß zu gleicher Zeit auch die Verhandlungen mit P o l en um den Abschluß eines Handelsvertrages wcitergehen, erleichtert die Lösung des Problems keineswegs.
An und für sich handelt es sich bei Handelsverträgen ja nicht um politische Abreden, sondern lediglich um das Fe st sehen gewisser Vorteile, die man sich gegenseitig im Warenverkehr bietet. Ein Handelsvertrag kann aber und wird es schließlich auch zu einer starken Stühe der Beziehungen zweier Staaten untereinander werden und bietet damit Vorteile int politischen Zusammenspiel der beiden Mächte, die sich immer erst später zeigen.
Das Kernproblem im Osten ist ja nun gar nicht so sehr die Beilegung des Konfliktes zwischen Polen und Litauen, denn auch das ist ja nur ein Teil der zu losenden Aufgaben. Daneben spielt die Klärung des gesamten Baltikum« Problems natürlich eine große Rolle und wenn Prof. Woldemaras in seinen heute der Presse gegebenen Ausführungen von einem Bunde der Baltikum st aaten spricht, so deutet er schon an, nach welcher Richtting hin man im allgemeinen da oben gehen will. Als drittes Problem gesellt sich das dazu, was man kurzweg mit Rußland bezeichnet. Hierbei muß es ohne Frage ebenfalls einmal zu einer Klärung kommen, will man nicht im Osten etwas schaffen, was voreiligerweise schon vielfach mit dem Begriff Balkanisierung des Ostens angedeutet worden ist. Lind schließlich ist für Deutschland eine der wichtigsten Fragen des Ostens die der Regelung seiner Ost grenzen, die heute auf Grund des Versailler Vertrages einen unhaltbaren Zustand bieten. Reiht man all dies zusammen, so kann man sagen, daß das Ostproblem wohl eins der schwierigsten euro
päischen Probleme ist. Gelöst werden muß es einmal und man kann nur hoffen, daß unsere Verhandlungen mit Polen ebenso wie mit Litauen ein gutes Stück der Lösung dieses Problems entgegensühren. Unter diesem großen Gesichtspunkte muß man jedenfalls die jetzt laufenden deutsch-polnischen und deutsch-litauischen Verhandlungen betrachten.
Woldemaras verspricht.
Deutschland will endlich Taten sehen.
Berlin. 25. 3an. (DTB.) Der litauische Ministerpräsident woldemaras schreibt in der „B. 3.“ über die deutsch-litauischen Beziehungen: Das wichtigste Problem für Litauen ist nach der Wilnafrage gewiß die deutsche Frage, wir sind uns der Notwendigkeit durchaus bewußt, unseren deutschen Staatsbürgern Im Rahmen der Verfassung i n jeder weise entgegenzukommeu. Die litauische Regierung weiß sich frei von jeder Feindseligkeit gegen die deutsche Minderheit. Tausende, die für Deutschland optiert haben, halten sich noch im Memelgebiet auf, ohne daß wir ihnen die geringsten Schwierigkeiten in den Weg legen. Rur wo es sich um Beamte handelt, müssen sie natürlich ausgetauscht werden. 3ch versichere, daß wir in Zukunft Uebergriffe einzelner Stellen gegen das Deutschtum in Litauen noch weniger dulden werden als bisher. 3ch selber werde mich
wegen jeder einzelnen klag«, die mir zum Gehör kommt, in Verbindung setzen. Persönlich übernehme ich die Verantwortung dafür, daß unsere deutschen Staatsbürger keinen Grund mehr zu Klagen haben werden, wie sehr die litauische Regierung die deutsch« Kultur zu schätzen weih, hat sie durch Errichtung und Erhaltung eines deutschen Gymnasiums in fiorono bewiesen. Darüber hinaus wünschen wir auftichtige politische Zusammenarbeit mit dem Deutschen Reiche.
Auf diese schönen Redensarten des litauischen Diktators. mit denen er schon in Genf die deutschen Staatsmänner einzulullen versuchte, kann man nicht besser antworten als es in einem Rückblick der DAZ. auf die fünfjährige litauische Herrschaft im Memelgebiet geschieht, den das Blatt mit folgenden Sähen schließt: wenn es Litauen wirklich aufrichtig darum zu tun ist, sich mit Deutschland zu verständigen und in Freundschaft zu leben, dann muß das nicht allein mit Worten gesagt, sondern auch mit der Tat bewiesen werden. Die Brücke von Deutschland nach Litauen führt über das Memelgebiet; wie es der litauische Ministerpräsident so schön gesagt. Dann darf er bas Memelgebiet aber auch nicht so behandeln lassen, daß es zu einer Scheidewand werden muh. Bei den bevorstehenden Verhandlungen wird es sich auch wieder zeigen, ob die litauische Freundschaft Doutsch- Icmd gegenüber e ch t ist.
Die Hilfsaktion für die Landwirtschaft.
Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers".
Berlin, 26. 3an. 3m Vordergründe der gesamten parlamentarischen Arbeit steht jetzt die Frage der Behebung der Rot in der Landwirtschaft. 2nd es zeigt, welch großes Verständnis man für die Dringlichkeit der Lösung dieser Frage hat, wenn sich alle Parteien darüber einig sind. Gewiß kann es sich jetzt nur um Notstandsmaßnahmen handeln und erst später wird man notwendigc.weise zu einer durchgreifenden Aktion schreiten müssen. Eine Frage ist nach wie vor ungeklärt, und zwar die, ob man auch zollpolitisch der Landwirtschaft beispringen soll. Zunächst will man namentlich die Zinsen für Steuerrückstände niederschlagen die Düngemittel- k r e d i t e verlängern, 30 Mill. Mk. für Z i n s- verbilligungen a fonds perdus geben, baä Gefrierfleischkontingent mindern, die Einfuhr von levendem Vieh beschränken und erhebliche Mittel zur Absahregelung rfhö Produktionsverbilligung auf dem Schweinemarkt bereitstellen. Man hofft, diese Maßnahmen so rasch durchführen zu können, bah sich die Lage der Landwirtschaft nicht noch weiter verschlimmern kann. Dann aber wird es notwendigerweise zur Aufrollung eines weitgehenden agrarvoUlischen Programms kommen müssen, mit dessen Hilfe man auf schnellstem Wege zu einer bleibenden Gesundung der deutschen Landwirtschaft gelangen kann.
3m Haushaltsausschuß.
Berlin, 25. 3cm. (DDZ.) Der Haushalts- ausschuh des' Reichstags setzte die allgemeine Aussprache über den Haushalt des Reichsernährungsministeriums fort. Abg. Kling (D. B. B.) beklagt die Langsamkeit der Rotstandsmaß- nahmen für die Landwirtschaft. Trotz größter Einschränkung leide gerade der Landwirt, der möglichst intensiven Betrieb erstrebt habe. Was nütze denn bei solchen Verhältnissen eine Zerschlagung der größeren Güter? Der kleine Ansiedler könne sich, wenn ihm nicht Boden und Einrichtung geschenkt werde, gar nicht behaupten. Mit dem kontingentierten Gefrierfleisch sei ein Millionenschwindel getrieben
worden. Die Besteuerung und die Einziehung der Steuer sei zu ruinös.
Abg. 3andreh (Dn.) bemerkt, die Landwirtschaft habe auf Grund der Vorschläge der Regierung, des Handels usw. ihren Betrieb intensiviert, motorisiert, den Milchpreis für Berlin auf 14 Pf. herabgedrückt. Hat das alles der Landwirtschaft genützt? 3m Gegenteil, die Preise sind noch weiter gedrückt unb die neuen Handelsverträge sind wieder auf Kosten der Landwirtschaft gemacht. Dazu die Raturkala- strophenl Dadurch sei u. ; in Vorpommern die Lage so verzweifelt, daß ein Funke in das Pulver- fa-ßi genügt, die Exploftvn hervorzurufen. (Hört! Hört!) Hier könne nur eins die Landwirtschaft wieder rentabel machen: höhere Schutzzölle, Entschuldung mit Reichsmitteln und eine Reform der Steuereinziehung, Riederschlagung der Zinsen für Steuerrückstände und Einschränkung der Zwangsverkäufe.
Abg. Dr. Hilferding (Soz.): Die Kredithilfe dürfe kein Kredit für Aufrechterhaltung des Besitzes, sondern müsse „Detriebskredit", d. h. produktiver Kredit sein. Deshalb müsfe eine Kontrolle über seine Verwendung geschaffen werden. Ob es gelinge, den Zinsfuß für Auslandkredite so weit zu senken, daß ihn der Landwirt alte;«* trage, erscheine ihm zweifelhaft. Es werde schließlich auf eine verschleierte Auslandanleihe des Reiches hinauskommen.
^eichsernährungsminister Schiele erklärt, daß die Beratung des Kabinetts über die Kreditmahnahmen noch nicht beendet ist. Das wichtigste ist, die Personal- und schwebenden Schulden von drei bis vier Milliarden, soweit irgend möglich, in Real- k r e d i t umzuwandeln. Das soll durch die Zwischenkredite angebahnt und erleichtert werden. Um möglichst schnell für Betriebsmittel Kredite freizumachen, sollen die Kredite in zweite Hypotheken umgewandelt werden. Der Reichsbankpräsident Dr. Schacht hat diesem Plan zu- g e st i m m t. Die Schuld bei den Mißständen auf dem Gefrierfleischmarkt liegt tm System, namentlich bei den Kontrollmahnahmen und diese lägen bei den Gemeinden. 16 Firmen sind die Konzessionen entzogen
reichsanwalts das Vorgehen des 3ustizrats Clah zweifellos als ein versuchter Staatsstreich von oben und als Hochverrat zu betrachten sei. Es sei praktisch der Hochverratsparagraph gegen rechts aufgehoben und in Geltung nur Segen links. Das sei geradezu Korruption der luftig.
Reichsjustizminister Hergt
erklärt, der Reichsjustizminister könne sich unmöglich zu allen Einzelfällen äußern, die von Debatterednern vorgebracht werden. (älnruhe links.) Der Fall Clah hat allerdings in anderer Beziehung Aufsehen erregt. Sie wissen ja, daß damals Haussuchungen bei sehr ehrenwerten Männern vorgenommen wurden. (Große Llnruhe und Zurufe links.) Die Strafverfolgung und die Maßnahmen der preußischen Polizei gingen von Voraussetzungen aus, di« sich nachher als ganz irrig herausgestellt haben. Man nahm damals an, daß Clah eine unmittelbare Gewaltanwendung plante. Wenn der Oberreichsanwalt der Meinung ist, daß ein schlüssiger Beweis gegen die subjektive Auffassung vom» Clah nicht geführt werden kann, so muh diese Meinung des hohen richterlichen Beamten respek
tiert werden. (Abg. Landsberg (Soz.): Sind Sie derselben Meinung, wie der Oberreichs- anwaft?) 3ch sehe gar nicht ein, weshalb ich mir hier vom Abg. Landsberg solche Fragen stellen lassen soll. (Große Llnruhe links.) Alle Behauptungen, daß die Entscheidung des Ober» reichsanwalts durch mich beeinflußt worden sei, sind erstunken und erlogen. 3ch habe den Oberreichsanwalt lediglich um eine Beschleunigung des Verfahrens ersucht. Schließlich war aud) der Oberreichsanwalt nicht allein entscheidend, sondern das ganze Reichsgericht hat ihm zugestimmt. (Beifall rechts.)
Abg. Lohmann (Dn.) begrüßt die Rechtsangleichung mit Oesterreich- 3m Mai wird di« internationale Konferenz der Reform des älrheberrechts stattfinden. 3m allgemeinen 3nter«sse erscheint eine Verlängerung der Schutzfristen nicht angebracht. Eine gewisse Vertrauenskrise in der 3ustiz läßt sich nicht leugnen. Als ihre Ursachen werden angeführt Dolksfremdheit des Rechts, Rechtsfremdheit des Volkes, Weltfremdheit der Richter. Dazu kommen die Vorwürfe der Klassenjustiz und politischen 3ustiz. Eine gewisse Volksfremdheit des Rechts ist eingetreten durch die Tlebernahme des Römischen
Rechts. Daß auch bei den Richtern manche Mißgriffe vorgekommen sind, wird niemand bestretten. Viele Richter haben sich mit der Staalsumwäl- zung und der neuen Staatsform innerlich noch nicht abgesunden. Die Reichsverfassung gewährleistet dem Richter wie jedem Beamten die Freiheit der politischen Gesinnung. Selbstverständlich wird der Richter sich bei feiner amtlichen Tätigkeit durch seine politische Gesinnung nicht beeinflussen lassen. Der Vorwurf, daß ein großer Teil der deutschen Richter verfasfungsseindlich sei, ist durchaus falsch. Die deutschen Richter haben den guten Willen, sich den neuen Verhältnissen anzupassen. Das wird ihnen erschwert durch die schon vom Mimster geschilderte Einflußnahme der öffentl. Meinung und der parteipolitischen Agitation aus die 3ustiz. Vielfach kann man geradezu von einem Eingriff der Straße sprechen. Rotwendig ist eine Besoldung der Richter, die ihnen drückende materielle Sorgen erspart. 3m demokratischen Staate muh bei dem starken parlamentarischen Cinfluh die ök n a b h'äng i g k ei t der Richter als unentbehrliches Gegengewicht bestehen bleiben. Weiterberatung des Etats am Donnerstag.


