worden. Datz eS nicht möglich gewesen ist, die Liquidation der Reichsgetreidestelle früher zu beenden, bedauere ich. Grund dafür sind die Rechtsstreitigkeiten, die einfach nicht früher erledigt werden konnten. Es handelt sich um Streitwerte von insgesamt etwa 2,5 Millionen Mark. Das Personal ist jetzt schon aufs äußerste abgebaut und wird zum 1. April ohne Ausnahme ausgeschieden sein.
Abg. Hepp (D. D.) erklärt, datz der Landwirt vor allem Betriebskredite brauche. Die Zollpolitik wolle nur die Produktionsbedingungen in Deutschland und den konkurrierenden Staaten ausgleichen. ,
Baden und die Reichsreform
Starke Abneigung gegen
Vcreinheillichungsbesirebungcn.
Karlsruhe, 25. Jan. (WTB.) Im badischen Landtag hat der Finanzminister Dr. Schmidt in seiner Etatrede auch zu dem Problem der Der- fassungsreform Stellung genommen, und zwar in einer Form, die starke Abneigung gegen die Aufgabe von Staatsaufgaben zugunsten des Reichs zeigt. So begrüßte der Minister z. B. die Aufhebung der Reichsbauverwaltung in Baden und die Ueber- tragung der Geschäfte auf die badischen Bezirksbauämter und stellt andererseits fest, daß das Reich fortgesetzt Maßnahmen treffe, welche entweder die Einnahmen der Länder mindern oder den Ländern neue Lasten auferlegen. Ganz besonders aber sei zu beklagen, daß das Reich immer mehr i n d i e Eigen st aatlichkeit der Länder ein- zugrcifen versuche. Außer dem Steueroer- einheitlichungsgesetz, gegen dessen verfassungsändernde Tendenz Baden im Reichsrat entschieden Stellung genommen habe und außer der E i n f ü h - rung eines gemeinsamen Länderarbeitsamtes für mehrere süddeutsche Länder beabsichtigt der Reichsverkehrsminister für den ganzen Stromlauf des Rheins eine einheitliche Reichs st rombauverwaltung einzuführen. Baden müsse vom Standpunkt der Eigenstaatlichkeit der Länder die schwersten Bedenken gegen dies^ erneute Ausdehnung der R e i ch s k o m p e t e n z erheben. Das neue Aufgabengebiet der Vereinheitlichung sei ferner die Tendenz des Reiches, sich auch mit dem Straß en- wesen zu befassen: soweit das Reich im Wege der Vereinbarung mit den anderen Ländern vorgehen wolle, sei nichts zu erinnern. Im übrigen beständen gegen die Zentralisation die schwersten Bedenken. Der beste Finanzausgleich bestehe aber nicht d-rin,'daß das Reich den Ländern Steuersummen überweist, sondern darin, daß das Reich den Ländern wieder die Steuern zurückgebe, deren sie notwendig bedürfen. Zur Berliner Länderkonferenz bezeichnet der Minister es als eine wesentliche Forderung der Länder gegenüber dem Reich, daß Ländern und Gemeinden das Recht der einmaligen Zuschläge möglichst bald erhalten. Mit allem Nachdruck muffe ferner die Verzinsung der Eisenbahnschulden gefordert werden. Durch die Unitarisierung des. Reiches könne nicht viel gespart werden. Es sollte darauf Bedacht gelegt werden, die Einheitlichkeit nicht im Wege des Diktats, sondern der Verein- banmg zwischen Ländern und Reich herbeizuführen.
Oer Verwattungsrat der Reichsbahn.
Der ehemalige Reichskanzler Dr. Luther über die preußischen Ansprüche.
Berlin, 25. Ian. (WB.) Reichskanzler a. D. Dr. Luther sendet uns eine Darlegung, in der es u. a. heißt: Die Reichsregierung hat der OeffentlichkeL gegenüber meine materiellen Beziehungen zur Reichsbahn durch die Mitteilung klargestellt, daß die Reichsbahnbezüge auf meine Reichskanzlerpension angerechnet werden. Nachdem diese Aufklärung von amtlicher Seite erfolgt ist, möchte ich persönlich zur Sache selbst sagen: Der springende Punkt der ganzen Angelegenheit ist, daß das Urteil des Staatsgerichtshofes nichts weiter enthält, als die abstrakte Anerkennung eines Anspruchs Preußens auf Ernennung eines von ihm ausgesuchten Mitglieds des Verwaltungsrates. Das Urteil erklärt also weder die Ernennung irgendeines Berwaltungsratsmitgliedes für ungültig, noch legt es die Verpflichtung irgendeines Mitgliedes fest, von seinem Amt im Verwaltungsrat zurückzutreten. Daß der Staalsgerichts- hof, wenn er etwas anderes gemeint hat, übersehen haben sollte, eine so schwerwiegende Feststellung wie die Ungültigkeitserklärung einer Ernennung in den Verwalt u n g s r a t oder die Verpflichtung zum Rücktritt eines Mitgliedes auszusprechen, kann man nicht gut unterstellen und zwar um so weniger, als auch dem Staatsgerichtshof nicht entgangen sein kann, datz eine solche Rücktrittsverpflichtung ein grundsätzliches Eingreifen in das System des Reichs- bahngesehes darstellen würde. Die Berufung der Verwaltungsratsmitglieder auf sechs Jahre soll nach dem Willen des Gesetzes die Sta- bilität der Reichsbahnverwaltung gewährleisten. Jeder, der die Ernennung zum Verwaltungsratsmitglied annimmt, hat also nicht nur ein Recht, sondern die zwar nicht juristische aber politisch moralische Pflicht, das ihm anver- traute Amt d u r ch z u f ü h r e n. Es kann nicht Sa^e des einzelnen Mitglieds des Verwaltungsrats sein, die allgemeine politische Verantwortung eines freiwilligen Rücktritts auf sich zu nehmen. Bei diesem Sachverhalt tritt die Frage in Den Vordergrund, warum die preußische Regierung nicht eine Entscheidung des Staatsoe- ricytshoses betreibt, durch die eine Rechts- grundlage für den Rücktritt eines Mitglieds geschaffen wird, die die untragbare eigene Verantwortung des ausscheidenden Mitgliedes ausichlieht.
Das Iietttnerversorgungsge^eh.
m^rlin, 25. Jan (VDZ.) Der Sozialpolitische Ausschuß des Reichstags erledigte am Mittwoch in Wetterberatung des demokratischen Gesetzentwurfs ziir Befriedigung der Rechtsan jpriiche der Kleinrentner die Frage, bis zu welck)er Grenze Kleinrentner unter das Gesetz fallen sollen Von demokratischer Seite w irde dargelegt, daß das Gesetz mit Aufwertung nichts zu tun habe. Es lag ein Antrag der Deutschen Volkspartei vor, nach dem nur diejeniaen einen Rechtsanspruch erhalten soll-n die in, Besitz eines Sparguthabens non minbeftens 1OOOO Mark bzw. eines Zin-
Keine Mennig des Reichsschulgesetzes.
Oie $ragc der Simultanschulländer ausgeschattet.-Keine Einigung über Höhe und Aufbringung der Kosten.
Berlin, 25. Ian. (Priv.-Tel.) Im Reichstage fanden am Dienstagabend noch interfraktionelle Besprechungen der Regierungsparteien über bas Reichsschulgesetz statt. Dabei wurde über die Frage der Srmultanschullän- der (§ 20) nicht mehr gesprochen, weil die Deutsche Volkspartei auf ihrem Standpunkt, der von den anderen Parteien abgelehnt wird, fest verhadrt. Die Deutsche Volkspartei fordert nämlich, daß der Schuh der Simultanschulen nicht wie im Regierungsentwurf befristet, sondern a l l- gemein und nicht nur für Baden und Württemberg, sondern für alle Länder ausgesprochen wird, in denen die Simultanschule gesetzlich oder nach Herkommen besteht. In Streitfällen würde, falls § 20 so gefaßt wird, der Staatsgerichtshof entscheiden müssen, welche Länder nach Gesetz oder Herkommen Simultanschulen besitzen.
Die interfraktionellen Verhandlungen drehten sich nach Ausscheiden dieser Frage nur noch um die Koste n, die die Durchführung des Reichsschulgesehes erfordert. Das Reichsfinanz- ministerium erklärte sich bereit, für den Liebergang 30 Millionen zur Verfügung zu stellen. Die Parteien entschlossen sich jedoch, die Summe noch offen zu lassen, da die tatsächlich entstehenden Kosten noch nicht zu übersehen sind und wahrscheinlich höher sein werden. Wie verlautet, waren sich jedoch die. Regierungsparteien darin einig, daß auch Länder und Gemeinden, da sie die Verwaltung der Schulen besitzen, an den Gesamtkosten beteiligt werden mühten.
3m Bildungsausschuß.
Reichsfinanzminister Köhler über Finanzausgleich und Schulgesetz. Berlin. 25. Ian. (DDZ.) Im Bildungs- ausschuh des Reichstages kritisierte der Abg. Löwenstein (Soz.) den in den interfraktionellen Besprechungen formulierten Antrag der Regierungsparteien, der auch eine einmalige Beihilfe des Reiches zu den Kosten des Reichsschulgesehes vorfieht. Er verlangte, daß
entweder das Reich dieGesamtkosten übernehme oder man die Kostenfrage in Verbindung mit dem Finanzausgleich bringe. Ferner beantragte er, daß durch die Umwandlung einer Schulform der Vermögeüsstand der betroffenen Schule nicht berührt wird. — Ein Vertreter der sächsischen Regierung gab eine Kostenberechnung für Sachsen. Danach würde die einmalige Last über 36 Millionen, die laufende 31/« Millionen, die Gesamtkapitalbe- laftung für Sachsen also rund 1 00 Millionen betragen. Die geplante Kostenregelung bedeute eine Aushöhlung der Finanzkraft der Länder.
Reichsfinanzminister Dr. Köhler weist darauf hin, daß die gestrige Erklärung des Reichsinnenministers keine Ressorterklärung, sondern eine Erklärung des Gesamtkabinetts gewesen sei, das sich durchaus einig auf den Standpunkt der Erklärung gestellt habe. Bei dieser Willensbildung des Kabinetts habe selbstverständlich auch der Reichssinanzminister mitgewirkt. Die Neuregelung der Finanzverhält- nisse zwischen Reich und Ländern sei im Fluß. Bei dieser Neuregelung, die den La st en ausgleich in sich schließe, wird man in den Jahren nach Einführung des Reichsschulgesehes und wenn die finanziellen Auswirkungen des Willens der Erziehungsberechtigten tatsächlich zu übersehen seien, selbstverständlich auf diese neuen Verhältnisse Rücksicht zu nehmen haben.
Abg. Dr. Philipp (Sn.) schlägt vor, um sorgfältige Unterlagen für den Kostenanschlag zu gewinnen, jetzt unter den Erziehungsberechtigten eine Enquete zu veranstalten, in welchem Umfange sie von ihrem Antragsrecht Gebrauch machen würden. — Bürgermeister S p i t t a - Bremen erklärt, ein besonders erschwerendes Moment sei, daß in Bremen sich eine große Zahl von Lehrens weigern werden. Religionsunterricht zu erteilen. — Abg. Schulz (Soz.) meint, mit der Abfindungssumme von 30 Millionen wolle sich diesmal das Reich l o s k a u f e n von den Kosten, die aus der Durchführung des Schulgesetzes erwachsen. Darin liege die große Gefahr für die künftige Entwicklung des Schulwesens.
eintommens von 500 Mark gewesen sind, während von sozialdemokratischer Seite beantragt wurde, die Grenze des Rechtsanspruchs schon bei 1000Mk. festzulegen. Der Ausschuß entschied sich dahin, daß die Grenze von 10 000 Mark nicht in Fraae kommen könne, ließ aber eine ziffernmäßige Festsetzung noch nicht eintreten. In Kreisen der Regierungsparteien erwartet man, daß im Interfraktionellen Ausschuß eine Einigung dahin zustande kommt, daß der Rechtsanspruch auch hinsichllich der Grenze des Sparguthabens so gestaltet wird, daß möglich st weite Kreise befriedigt werden.
Italiens Balkanpolitik.
Rumänischer Ministerbesuch in Rom
Paris, 26. Jan. (TU.) Die Pariser Presse verfolgt mit Aufmerffamkeit und einiger Besorgnis die Besprechungen des in Rom anwesenden rumänischen Außenministers Titulescu mit Mussolini. Im „Soir" gibt Paul Louis der Anschauung Ausdruck, Titulescu suche die zwischen dem italienischen Faschismus und der liberalen Bukarester Regierung bestehenden Bande enger zu knüpfen. Man dürfe nicht vergessen, daß im Jahre 1926 Italien die Annexion Bessarabiens durch Rumänien anerkannt habe. Recht merkwürdig sei, daß Titulescu sich gerade in dem Augenblick in Rom befinde, in dem die Kleine Entente in Genf gegen die Rüstungen des ungarischen Faschismus protestieren wolle. Jedermann wisse, daß der Duce seinen Einfluß auf dem Balkan durch Einkreisung Jugoslawiens verstärken wolle. Bereits die Ver- ha l.mgen von 1926 seien für das römische Kabinett ein Erfolg gewesen. Heute wolle es noch weitergehen und die Reise Titulescus nach denen den Grasen Bethlen und des griechischen Außenministers Michalamopulos scheine sehr bezeichnend. Rumänien verfolge gegenwärtig das gefährliche und komplizierte Spiel, das vor, während und nach dem Weltkriege seine Diplomatie ausgemacht habe.
Der „Eorr. d'Italia" beschäftigt sich eingehend mit der rumänisch - ungarischen Streitfrage. Während Titulescu, so heißt es u. a. in Rom verschiedene Fragen behandele, die die beiden lateinischen Völker interessierten, erinnerten wir unsere rumänischen Freunde daran, daß Italien, das mit Rumänien durch einen Freundschaftsvertrag verbunden sei, seit kurzer Zeit ebenfalls enge Beziehungen zum ungarischen Volk angeknüpft habe. Daher dürfe ein Wort Italiens in dem rumänisch- ungarischen Streit von großer Bedeutung sein. In diesem Interessenkonflikt könnte die Vermittlung Italiens nützlich fein, und darüber hinaus das italienische Prestige in allen Donaustaaten festigen.
Nervosität in Moskau.
Unangenehme Folgen aus dem Rapallovertrag.
Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers"
Berlin, 26. Jan. Die durch die Kriegsereignisse in Rußland geschädigten Reichsdeutschen haben eine von der deutschen Oes- fentlichkeit kaum beachtete Denkschrift an den Reichstag gerichtet, in der sie für sich eine bessere Entschädigung fordern. Darüber ist die Moskauer Presse ganz aus dem Häuschen geraten, sie untersucht die Denkschrift nach allen Richtungen und malt eine Trübung des deutsch-russischen Verhältnisses an die Wand wenn die Reichsregierung den Wünschen der Rußland Ge.cha i le i irge tbteie en spreche, sollt' □Han wird emlgecmaße.-i erfta mt fragen, woher DlC!e Aufregung rührt, da es sich doch um eine rein innerdeutsche Angeieze Helt han'ielt. die fernen Dritten was angeht. Aufklärung tbn» nen a&er nur die russisch-französischen Kriegs- schulde ^Verhandlungen und der Rapallo-De-traa
S.e DioglHkelt le teht, wenigstens theo- ML. ^?ß sich Rußland bereit erklärt, französische Staatsbürger, die in Rußland Besitztum
hatten, zu entschädigen. Würde dieser Fall Eintreten, dann müßte die Moskauer Regierung aber auf Grund des Rapallo-Dertra- ges, der auf der Basis der gegenseitigen Meistbegünstigung ruht, sich den geschädigten Reichsdeutschen gegenüber ebenso verhalten.
Die Russen fürchten nun. die Reichsregierung könnte sich diesem Personenkreis gegenüber auf eine Summe festlegen, die Rußland entweder finanziell außerordentlich belastet oder aber einen Abschluß der Verhandlungen mit Frankreich wegen der hier geschilderten Rückwirkungen unmöglich macht. Daher die Aufregung, die unseres Erachtens völlig überflüssig ist. Es liegt ganz in der Hand der Russen, ob sie von uns aufgefordert werden müssen, in die Tasche zu greifen. Sie wußten übrigens, welche Konsequenzen der Rapallo-Vertrag im Gefolge haben kann, hätten ihn also nicht zu unterzeichnen brauchen. Jetzt aber, da wir ihnen eben mit Hilfe dieses Vertrages wieder Zutritt zur Gemeinschaft der europäischen Nationen verschafft haben, möchten sie am liebsten die Freundschaft Frankreichs sich käuflich erwerben und uns unter Umständen prellen. Wir werden wachen und in dem Augenblick in die Erscheinung treten, da es notwendig wird, unsere Interessen zu verteidigen.
Oer König von Afghanistan in Paris.
Paris, 25. Ian. (WB.) Der König und die Königin von Afghanistan sind heute vormittag 11 Uhr in Paris eingefroren. Sie wurden vom Präsidenten der Republik und Außenminister B r i a n d empfangen und nach dem Außenministerium geleitet, wo sie während ihres Pariser Aufenthaltes Wohnung nehmen. Kurz nach ihrer Ankunft hat der König den Besuch des Präsidenten der Republik empfangen. Anschließend begaben sich der Präsident und seine königlichen Gäste nach dem Rathaus, wo ihnen ein feierlicher Empfang bereitet wurde. Dem König wurde als Ehrengeschenk die Goldene Medaille der Stadt Paris sowie ein Gewehr, der Königin eine Schreibtischuhr überreicht.
Aus aller Well.
Schiebungen im Gefrierfleifchhandel.
Nach der Mitteilung eines Berliner Mittagsblattes hat das Reichsernährungsministerium auf Grund eines umfangreichen Untersuchungsergebnisses des Gefrierfleisch - Enquete - Ausschusses Schiebungen aufgedeckt, die in die Millionen gehen und großes Aufsehen erregen dürften. Cs sollen innerhalb des letzten Jahres von einer Reihe von Großhändlern nicht weniger als 14 Millionen Mark unrechtmäßiger Gewinne erzielt worden sein, die durch Schiebungen mit Kontingentscheinen ermöglicht worden sind. Die Inhaber von Kontingentscheinen haben ihre Scheine, die das Recht auf Zuteilung einer gewissen Menge zollfrei eingeführten Gefrierfleisches geben, in Bausch und Bogen gegen beträchtliche Darentschädigun- gen an andere Händler abgetreten. Durch diesen Handel mit Kontingentscheinen, der durchaus unzulässig ist, da die Scheine nur für eine bestimmte Lieferfirma ausgestellt sind und Geltung haben, sind dann die erheblichen Mehrgewinne, die sich in einem Falle auf rund 50 000 Mark belaufen, herausgesprunaen. Da der gesamte Gefrierfleischgroßhandel rund 200 Kon- tingentinhaber aufweift, und 37 von ihnen den unrechtmäßigen Handel mit den Scheinen getrieben haben, kommen die unrechtmäßigen Gewinne von 14 Millionen Mark heraus. Die Riefengewinne sind auf Grund einer besonderen Un er u ^un i des Enquete-Ausschusses festgestestt worden, dem es schon seit langem aufgefallen ist, daß bei dem Handel mit Gefrierfleisch, das bekanntlich aus Grund der fle-.nen Zolltarifnovelle vom Sommer 1925 nur in beschränktem Umfang zollfrei ein- gefuhrt werden darf, irgendetwas nicht stimmen mußte. Der Ausschuß hatte daher durch eine besondere Kommission Erhebungen über diese
Mißstände anftellen lassen, die jetzt ihren Untersuchungsbericht bekannt gibt Es steht zu ertoarteü, daß von feiten der Staatsanwaltschaft nun auch eine genaue Untersuchung eingeleitet wird, um festzuftellen, inwieweit es sich bei den außergewöhnlichen Gewinnen um kriminelle Vergehen handelt. Dom wirtschaftlichen Standpunkt muß man jedenfalls fordern, daß in Zukunft alles geschehen muß, um diese Zustände ein für allemal aus der Welt zu schaffen.
In einer Sitzung des Beirats für die Gefrierfleischversorgung gelangte man einmütig zu der Auffassung, daß eine strengere Überwachung der Preisgestaltung unbedingt durchgeführt werden müsse, um ähnliche Zustände, wie sie durch den Enquete-Ausschuß aufgedeckt worden sind, in Zukunft zu unterbinden. Bekanntlich untersteht die Kontrolle dem Deutschen Städtetag, der auch die Kontingentierung bewerkstelligt. Er wird also von jetzt an auf Grund der Anregungen des Enqueteausschusses sein erhöhtes Augenmerk auf die Preisbildung lenken, um allen Auswüchsen von vornherein die Spitze abzubiegen. Entgegen der ursprünglichen Absicht, die Kontingente, noch einmal neu zu verteilen, soll es auch weiterhin bei dem einmal feftgelegten Verteilungsschlüssel bleiben. Denjenigen Händlern, denen ein unerlaubter Handel mit Kontingentscheinen jedoch nachgewiesen toetben konnte, ist die Konzession entzogen worden.
Canbraf a. D. Dr. Constantin f.
Der Leiter des deutschen und preußischen Land- kreistages, Landrat a. D. Dr. Constantin, ist nach längerem Leiden verstorben.
Wegen Mordversuchs am eigenen Kinde verurteilt.
Das Schweidniher Schwurgericht verurteilte den 28jährigen Landwirt Ritter wegen Mordversuchs' an seinem eigenen zweijährigen Kinde zu vier Jahren Zucht Haus und fünf Jahren Ehrverlust. Ritter hatte, um sein uneheliches Kind aus der Welt zu schaffen, dem Kind vergiftetes Konfekt gegeben. Das Kind gab aber das erste Stück Konfekt sofort wieder von sich und war nicht mehr zu bewegen, ein zweites Stück M nehmen. Einige Zeit später versuchte Ritter, dem Kinde Salzsäure in den Mund zu flöhen. Die herbeieilenden Pflegeeltern des Kindes entrissen es Ritter und es gelang, das Kind zu retten.
Ockankatastrophe in Amerika.
In Holmes Croek (Tennessy) wurde die Schule von einem Orkan umgerissen, wobei vier Kinder getötet und gegen 20 verletzt wurden. Der gleiche Orkan hat in den Süd- und Ost- floaten großen Sachschaden angerichtet. Zahlreiche Gebäude wurden zerstört und beschädigt. Das Schulhaus in Lang (Kentucky) wurde zerstört. Die Telegraphen-, Telephon- und Lichtleitungen sind an vielen Stellen unterbrochen. Die Ausläufer des Orkans richteten auch im Bezirk von Neuhork beträchtlichen Schaden an. Ein auf dem Dache eines elfstöckigen Geschäftshauses der Neuyorker Ostseite ausgestellter Wassertank wurde durch den Sturm umgerissen. Der Tank durchschlug vier Stockwerke. Man befürchtet, daß unter den Trümmern mehrere Personen begraben worden sind.
Oie Wetterlage.
G wontenios 0 heiter, o halb bedeckt » wolkig, • bedeexi • lTegei>
■* Schnee graupeln - Nebel n Grw,t*£r.(§)wind$tille. O-. sehr feichte- O$i £> nissige' Südsüdwest 'n stürmische" wdwesl Die Piene fliegen mit dem Winde. Pie Beiden Stationen stehenden Zahlen geben die Temperatur an. Die Limen verbinden Orte mit gleichest eui rsreresnivean nmoerechneten Luftdritf >
A?ettervoraussa6e.
Das neue, sich gestern den britischen Inseln und Island nähernde Tief ist in raschem Vorwärts- schrciten nach Skandinavien hin begriffen. Seine Randstörungen lassen es unter Ansteigen der Temperaturen vorläufig wieder zu stärkerer Bewölkung kommen, wobei mit Niederschlägen zu rechnen ist. Sehr bald dürfte sich aber der Einfluß der Rückseite auswirken, der wieder Temperaturrückgang und veränderliches Wetter heroorruft.
Wettervoraussage für Freitag: Zunächst wolkig bis bedeckt, milder mit Regen später wieder Temperaturrückgang und veränderliches Wetter.
Witterungsaussichten für Samstag: Weiterhin unbeständiges Wetter.
Lufttemperaturen am 25.3amior mittags 6,2 Grad Celsius, abends 0,5 Grad Celsius: am 26. Januar: morgens 1,7 Grad Celsius. Maximum 6,8 Grad Celsius, Minimum —0,8 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 25. Januar: abends 2,5 Grad Celsius: am 26. Januar: morgens 1 Grad Celsius. — Niederschlage: 4 Milli meter. — Sonnenscheindauer: 5 Stunden.
Winferfporimelöungen
Vogelsberg (hoherodskopf):
Temperatur: —3 Grad Celsius: Wind: Südost: Wetter: leichter Nebel: Schneehöhe: 25 Zentimeter: Beschaffenheit: gekörnt: Sportmöglichkeit: sehr gut.
herchenhainer höhe:
Schneehöhe: 20 Zentimeter: Beschaffenheit: gekörnt: Temperatur: —1 Grad Celsius: Sportmöglichkeit für Ski und Rodel: sehr gut.


