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worden. Datz eS nicht möglich gewesen ist, die Liquidation der Reichsgetreidestelle früher zu beenden, bedauere ich. Grund dafür sind die Rechtsstreitigkeiten, die einfach nicht früher erledigt werden konnten. Es handelt sich um Streitwerte von insgesamt etwa 2,5 Millio­nen Mark. Das Personal ist jetzt schon aufs äußerste abgebaut und wird zum 1. April ohne Ausnahme ausgeschieden sein.

Abg. Hepp (D. D.) erklärt, datz der Landwirt vor allem Betriebskredite brauche. Die Zoll­politik wolle nur die Produktionsbedingungen in Deutschland und den konkurrierenden Staaten ausgleichen. ,

Baden und die Reichsreform

Starke Abneigung gegen

Vcreinheillichungsbesirebungcn.

Karlsruhe, 25. Jan. (WTB.) Im badischen Landtag hat der Finanzminister Dr. Schmidt in seiner Etatrede auch zu dem Problem der Der- fassungsreform Stellung genommen, und zwar in einer Form, die starke Abneigung gegen die Auf­gabe von Staatsaufgaben zugunsten des Reichs zeigt. So begrüßte der Minister z. B. die Aufhebung der Reichsbauverwaltung in Baden und die Ueber- tragung der Geschäfte auf die badischen Bezirksbau­ämter und stellt andererseits fest, daß das Reich fortgesetzt Maßnahmen treffe, welche entweder die Einnahmen der Länder mindern oder den Län­dern neue Lasten auferlegen. Ganz besonders aber sei zu beklagen, daß das Reich immer mehr i n d i e Eigen st aatlichkeit der Länder ein- zugrcifen versuche. Außer dem Steueroer- einheitlichungsgesetz, gegen dessen verfassungs­ändernde Tendenz Baden im Reichsrat entschieden Stellung genommen habe und außer der E i n f ü h - rung eines gemeinsamen Länderar­beitsamtes für mehrere süddeutsche Länder be­absichtigt der Reichsverkehrsminister für den ganzen Stromlauf des Rheins eine einheitliche Reichs st rombauverwaltung einzuführen. Baden müsse vom Standpunkt der Eigenstaatlichkeit der Länder die schwersten Bedenken gegen dies^ erneute Ausdehnung der R e i ch s k o m p e t e n z erheben. Das neue Auf­gabengebiet der Vereinheitlichung sei ferner die Ten­denz des Reiches, sich auch mit dem Straß en- wesen zu befassen: soweit das Reich im Wege der Vereinbarung mit den anderen Ländern vorgehen wolle, sei nichts zu erinnern. Im übrigen beständen gegen die Zentralisation die schwersten Bedenken. Der beste Finanzausgleich bestehe aber nicht d-rin,'daß das Reich den Ländern Steuersummen überweist, sondern darin, daß das Reich den Län­dern wieder die Steuern zurückgebe, deren sie notwendig bedürfen. Zur Berliner Länder­konferenz bezeichnet der Minister es als eine we­sentliche Forderung der Länder gegenüber dem Reich, daß Ländern und Gemeinden das Recht der einmaligen Zuschläge möglichst bald erhalten. Mit allem Nachdruck muffe ferner die Verzinsung der Eisenbahnschulden gefordert werden. Durch die Unitarisierung des. Reiches könne nicht viel gespart werden. Es sollte darauf Bedacht gelegt werden, die Einheitlichkeit nicht im Wege des Diktats, sondern der Verein- banmg zwischen Ländern und Reich herbeizuführen.

Oer Verwattungsrat der Reichsbahn.

Der ehemalige Reichskanzler Dr. Luther über die preußischen Ansprüche.

Berlin, 25. Ian. (WB.) Reichskanzler a. D. Dr. Luther sendet uns eine Darlegung, in der es u. a. heißt: Die Reichsregierung hat der OeffentlichkeL gegenüber meine materiellen Beziehungen zur Reichsbahn durch die Mittei­lung klargestellt, daß die Reichsbahnbezüge auf meine Reichskanzlerpension angerechnet werden. Nachdem diese Aufklärung von amtlicher Seite erfolgt ist, möchte ich persönlich zur Sache selbst sagen: Der springende Punkt der ganzen An­gelegenheit ist, daß das Urteil des Staats­gerichtshofes nichts weiter enthält, als die ab­strakte Anerkennung eines An­spruchs Preußens auf Ernennung eines von ihm ausgesuchten Mit­glieds des Verwaltungsrates. Das Urteil erklärt also weder die Ernennung irgend­eines Berwaltungsratsmitgliedes für ungültig, noch legt es die Verpflichtung irgendeines Mit­gliedes fest, von seinem Amt im Verwaltungs­rat zurückzutreten. Daß der Staalsgerichts- hof, wenn er etwas anderes gemeint hat, über­sehen haben sollte, eine so schwerwiegende Fest­stellung wie die Ungültigkeitserklä­rung einer Ernennung in den Ver­walt u n g s r a t oder die Verpflichtung zum Rücktritt eines Mitgliedes auszusprechen, kann man nicht gut unterstellen und zwar um so weniger, als auch dem Staatsgerichtshof nicht entgangen sein kann, datz eine solche Rücktritts­verpflichtung ein grundsätzliches Ein­greifen in das System des Reichs- bahngesehes darstellen würde. Die Berufung der Verwaltungsratsmitglieder auf sechs Jahre soll nach dem Willen des Gesetzes die Sta- bilität der Reichsbahnverwaltung gewährleisten. Jeder, der die Ernennung zum Verwaltungsratsmitglied annimmt, hat also nicht nur ein Recht, sondern die zwar nicht juristische aber politisch moralische Pflicht, das ihm anver- traute Amt d u r ch z u f ü h r e n. Es kann nicht Sa^e des einzelnen Mitglieds des Verwaltungs­rats sein, die allgemeine politische Verantwor­tung eines freiwilligen Rücktritts auf sich zu nehmen. Bei diesem Sachverhalt tritt die Frage in Den Vordergrund, warum die preußische Re­gierung nicht eine Entscheidung des Staatsoe- ricytshoses betreibt, durch die eine Rechts- grundlage für den Rücktritt eines Mitglieds geschaffen wird, die die untragbare eigene Verantwortung des ausscheidenden Mit­gliedes ausichlieht.

Das Iietttnerversorgungsge^eh.

m^rlin, 25. Jan (VDZ.) Der Sozialpolitische Ausschuß des Reichstags erledigte am Mittwoch in Wetterberatung des demokratischen Gesetzentwurfs ziir Befriedigung der Rechtsan jpriiche der Kleinrentner die Frage, bis zu welck)er Grenze Kleinrentner unter das Gesetz fallen sollen Von demokratischer Seite w irde dargelegt, daß das Gesetz mit Aufwertung nichts zu tun habe. Es lag ein Antrag der Deutschen Volkspartei vor, nach dem nur diejeniaen einen Rechtsanspruch erhalten soll-n die in, Besitz eines Sparguthabens non minbeftens 1OOOO Mark bzw. eines Zin-

Keine Mennig des Reichsschulgesetzes.

Oie $ragc der Simultanschulländer ausgeschattet.-Keine Einigung über Höhe und Aufbringung der Kosten.

Berlin, 25. Ian. (Priv.-Tel.) Im Reichs­tage fanden am Dienstagabend noch inter­fraktionelle Besprechungen der Regierungspar­teien über bas Reichsschulgesetz statt. Dabei wurde über die Frage der Srmultanschullän- der (§ 20) nicht mehr gesprochen, weil die Deutsche Volkspartei auf ihrem Standpunkt, der von den anderen Parteien abgelehnt wird, fest verhadrt. Die Deutsche Volkspartei fordert nämlich, daß der Schuh der Simultanschulen nicht wie im Regierungsentwurf befristet, sondern a l l- gemein und nicht nur für Baden und Würt­temberg, sondern für alle Länder aus­gesprochen wird, in denen die Simultanschule gesetzlich oder nach Herkommen besteht. In Streit­fällen würde, falls § 20 so gefaßt wird, der Staatsgerichtshof entscheiden müssen, welche Län­der nach Gesetz oder Herkommen Simultanschu­len besitzen.

Die interfraktionellen Verhandlungen drehten sich nach Ausscheiden dieser Frage nur noch um die Koste n, die die Durchführung des Reichsschulgesehes erfordert. Das Reichsfinanz- ministerium erklärte sich bereit, für den Liebergang 30 Millionen zur Verfügung zu stellen. Die Parteien entschlossen sich jedoch, die Summe noch offen zu lassen, da die tatsächlich entstehenden Kosten noch nicht zu über­sehen sind und wahrscheinlich höher sein wer­den. Wie verlautet, waren sich jedoch die. Re­gierungsparteien darin einig, daß auch Län­der und Gemeinden, da sie die Ver­waltung der Schulen besitzen, an den Gesamt­kosten beteiligt werden mühten.

3m Bildungsausschuß.

Reichsfinanzminister Köhler über Finanzausgleich und Schulgesetz. Berlin. 25. Ian. (DDZ.) Im Bildungs- ausschuh des Reichstages kritisierte der Abg. Löwenstein (Soz.) den in den interfraktio­nellen Besprechungen formulierten Antrag der Regierungsparteien, der auch eine einmalige Beihilfe des Reiches zu den Kosten des Reichsschulgesehes vorfieht. Er verlangte, daß

entweder das Reich dieGesamtkosten übernehme oder man die Kostenfrage in Ver­bindung mit dem Finanzausgleich bringe. Ferner beantragte er, daß durch die Um­wandlung einer Schulform der Vermögeüsstand der betroffenen Schule nicht berührt wird. Ein Vertreter der sächsischen Regierung gab eine Kostenberechnung für Sachsen. Danach würde die einmalige Last über 36 Millionen, die laufende 31/« Millionen, die Gesamtkapitalbe- laftung für Sachsen also rund 1 00 Millio­nen betragen. Die geplante Kostenregelung be­deute eine Aushöhlung der Finanz­kraft der Länder.

Reichsfinanzminister Dr. Köhler weist dar­auf hin, daß die gestrige Erklärung des Reichs­innenministers keine Ressorterklärung, sondern eine Erklärung des Gesamtkabinetts gewesen sei, das sich durchaus einig auf den Standpunkt der Erklärung gestellt habe. Bei dieser Willensbildung des Kabinetts habe selbst­verständlich auch der Reichssinanzminister mit­gewirkt. Die Neuregelung der Finanzverhält- nisse zwischen Reich und Ländern sei im Fluß. Bei dieser Neuregelung, die den La st en ausgleich in sich schließe, wird man in den Jahren nach Einführung des Reichsschulgesehes und wenn die finanziellen Auswirkungen des Willens der Erziehungsberechtigten tatsächlich zu übersehen seien, selbstverständlich auf diese neuen Ver­hältnisse Rücksicht zu nehmen haben.

Abg. Dr. Philipp (Sn.) schlägt vor, um sorgfältige Unterlagen für den Kostenanschlag zu gewinnen, jetzt unter den Erziehungsberechtigten eine Enquete zu veranstalten, in welchem Um­fange sie von ihrem Antragsrecht Gebrauch machen würden. Bürgermeister S p i t t a - Bremen erklärt, ein besonders erschwerendes Moment sei, daß in Bremen sich eine große Zahl von Lehrens weigern werden. Religionsunter­richt zu erteilen. Abg. Schulz (Soz.) meint, mit der Abfindungssumme von 30 Millionen wolle sich diesmal das Reich l o s k a u f e n von den Kosten, die aus der Durchführung des Schul­gesetzes erwachsen. Darin liege die große Gefahr für die künftige Entwicklung des Schulwesens.

eintommens von 500 Mark gewesen sind, während von sozialdemokratischer Seite beantragt wurde, die Grenze des Rechtsanspruchs schon bei 1000Mk. festzulegen. Der Ausschuß entschied sich dahin, daß die Grenze von 10 000 Mark nicht in Fraae kom­men könne, ließ aber eine ziffernmäßige Festsetzung noch nicht eintreten. In Kreisen der Regierungspar­teien erwartet man, daß im Interfraktionellen Aus­schuß eine Einigung dahin zustande kommt, daß der Rechtsanspruch auch hinsichllich der Grenze des Sparguthabens so gestaltet wird, daß möglich st weite Kreise befriedigt werden.

Italiens Balkanpolitik.

Rumänischer Ministerbesuch in Rom

Paris, 26. Jan. (TU.) Die Pariser Presse verfolgt mit Aufmerffamkeit und einiger Be­sorgnis die Besprechungen des in Rom an­wesenden rumänischen Außenministers Titulescu mit Mussolini. ImSoir" gibt Paul Louis der Anschauung Ausdruck, Ti­tulescu suche die zwischen dem italienischen Fa­schismus und der liberalen Bukarester Regie­rung bestehenden Bande enger zu knüpfen. Man dürfe nicht vergessen, daß im Jahre 1926 Italien die Annexion Bessarabiens durch Ru­mänien anerkannt habe. Recht merkwürdig sei, daß Titulescu sich gerade in dem Augenblick in Rom befinde, in dem die Kleine Entente in Genf gegen die Rüstungen des unga­rischen Faschismus protestieren wolle. Jedermann wisse, daß der Duce seinen Einfluß auf dem Balkan durch Einkreisung Jugo­slawiens verstärken wolle. Bereits die Ver- ha l.mgen von 1926 seien für das römische Kabinett ein Erfolg gewesen. Heute wolle es noch weitergehen und die Reise Titulescus nach denen den Grasen Bethlen und des griechi­schen Außenministers Michalamopulos scheine sehr bezeichnend. Rumänien verfolge gegenwärtig das gefährliche und komplizierte Spiel, das vor, während und nach dem Welt­kriege seine Diplomatie ausgemacht habe.

DerEorr. d'Italia" beschäftigt sich eingehend mit der rumänisch - ungarischen Streit­frage. Während Titulescu, so heißt es u. a. in Rom verschiedene Fragen behandele, die die beiden lateinischen Völker interessierten, erinner­ten wir unsere rumänischen Freunde daran, daß Italien, das mit Rumänien durch einen Freund­schaftsvertrag verbunden sei, seit kurzer Zeit ebenfalls enge Beziehungen zum unga­rischen Volk angeknüpft habe. Daher dürfe ein Wort Italiens in dem rumänisch- ungarischen Streit von großer Bedeutung sein. In diesem Interessenkonflikt könnte die Vermittlung Italiens nützlich fein, und dar­über hinaus das italienische Prestige in allen Donaustaaten festigen.

Nervosität in Moskau.

Unangenehme Folgen aus dem Rapallovertrag.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers"

Berlin, 26. Jan. Die durch die Kriegsereig­nisse in Rußland geschädigten Reichs­deutschen haben eine von der deutschen Oes- fentlichkeit kaum beachtete Denkschrift an den Reichstag gerichtet, in der sie für sich eine bessere Entschädigung fordern. Darüber ist die Moskauer Presse ganz aus dem Häuschen geraten, sie untersucht die Denkschrift nach allen Richtungen und malt eine Trübung des deutsch-russischen Verhältnisses an die Wand wenn die Reichsregierung den Wünschen der Rußland Ge.cha i le i irge tbteie en spreche, sollt' □Han wird emlgecmaße.-i erfta mt fragen, woher DlC!e Aufregung rührt, da es sich doch um eine rein innerdeutsche Angeieze Helt han'ielt. die fernen Dritten was angeht. Aufklärung tbn» nen a&er nur die russisch-französischen Kriegs- schulde ^Verhandlungen und der Rapallo-De-traa

S.e DioglHkelt le teht, wenigstens theo- ML. ^?ß sich Rußland bereit erklärt, fran­zösische Staatsbürger, die in Rußland Besitztum

hatten, zu entschädigen. Würde dieser Fall Ein­treten, dann müßte die Moskauer Regierung aber auf Grund des Rapallo-Dertra- ges, der auf der Basis der gegenseitigen Meist­begünstigung ruht, sich den geschädigten Reichsdeutschen gegenüber ebenso verhalten.

Die Russen fürchten nun. die Reichsregierung könnte sich diesem Personenkreis gegenüber auf eine Summe festlegen, die Rußland entweder finanziell außerordentlich belastet oder aber einen Abschluß der Verhandlungen mit Frankreich we­gen der hier geschilderten Rückwirkungen unmög­lich macht. Daher die Aufregung, die unseres Erachtens völlig überflüssig ist. Es liegt ganz in der Hand der Russen, ob sie von uns aufgefordert werden müssen, in die Tasche zu greifen. Sie wußten übrigens, welche Konse­quenzen der Rapallo-Vertrag im Gefolge haben kann, hätten ihn also nicht zu unterzeichnen brauchen. Jetzt aber, da wir ihnen eben mit Hilfe dieses Vertrages wieder Zutritt zur Ge­meinschaft der europäischen Nationen verschafft haben, möchten sie am liebsten die Freundschaft Frankreichs sich käuflich erwerben und uns unter Umständen prellen. Wir werden wachen und in dem Augenblick in die Erscheinung treten, da es notwendig wird, unsere Interessen zu ver­teidigen.

Oer König von Afghanistan in Paris.

Paris, 25. Ian. (WB.) Der König und die Königin von Afghanistan sind heute vor­mittag 11 Uhr in Paris eingefroren. Sie wur­den vom Präsidenten der Republik und Außenminister B r i a n d empfangen und nach dem Außenministerium geleitet, wo sie während ihres Pariser Aufenthaltes Wohnung nehmen. Kurz nach ihrer Ankunft hat der König den Besuch des Präsidenten der Republik empfangen. Anschließend begaben sich der Prä­sident und seine königlichen Gäste nach dem Rathaus, wo ihnen ein feierlicher Empfang bereitet wurde. Dem König wurde als Ehren­geschenk die Goldene Medaille der Stadt Paris sowie ein Gewehr, der Königin eine Schreibtisch­uhr überreicht.

Aus aller Well.

Schiebungen im Gefrierfleifchhandel.

Nach der Mitteilung eines Berliner Mittags­blattes hat das Reichsernährungsministerium auf Grund eines umfangreichen Untersuchungsergeb­nisses des Gefrierfleisch - Enquete - Ausschusses Schiebungen aufgedeckt, die in die Millionen gehen und großes Aufsehen erregen dürften. Cs sollen innerhalb des letzten Jahres von einer Reihe von Großhändlern nicht weniger als 14 Millionen Mark unrechtmäßiger Gewinne erzielt worden sein, die durch Schiebungen mit Kontingentscheinen ermöglicht worden sind. Die Inhaber von Kon­tingentscheinen haben ihre Scheine, die das Recht auf Zuteilung einer gewissen Menge zollfrei eingeführten Gefrierfleisches geben, in Bausch und Bogen gegen beträchtliche Darentschädigun- gen an andere Händler abgetreten. Durch diesen Handel mit Kontingentscheinen, der durchaus unzulässig ist, da die Scheine nur für eine bestimmte Lieferfirma ausgestellt sind und Geltung haben, sind dann die erheblichen Mehr­gewinne, die sich in einem Falle auf rund 50 000 Mark belaufen, herausgesprunaen. Da der gesamte Gefrierfleischgroßhandel rund 200 Kon- tingentinhaber aufweift, und 37 von ihnen den unrechtmäßigen Handel mit den Scheinen getrieben haben, kommen die unrechtmäßigen Gewinne von 14 Millionen Mark heraus. Die Riefengewinne sind auf Grund einer beson­deren Un er u ^un i des Enquete-Aus­schusses festgestestt worden, dem es schon seit langem aufgefallen ist, daß bei dem Handel mit Gefrierfleisch, das bekanntlich aus Grund der fle-.nen Zolltarifnovelle vom Sommer 1925 nur in beschränktem Umfang zollfrei ein- gefuhrt werden darf, irgendetwas nicht stimmen mußte. Der Ausschuß hatte daher durch eine besondere Kommission Erhebungen über diese

Mißstände anftellen lassen, die jetzt ihren Unter­suchungsbericht bekannt gibt Es steht zu ertoarteü, daß von feiten der Staatsanwaltschaft nun auch eine genaue Untersuchung eingeleitet wird, um festzuftellen, inwieweit es sich bei den außerge­wöhnlichen Gewinnen um kriminelle Vergehen handelt. Dom wirtschaftlichen Standpunkt muß man jedenfalls fordern, daß in Zukunft alles geschehen muß, um diese Zustände ein für allemal aus der Welt zu schaffen.

In einer Sitzung des Beirats für die Gefrier­fleischversorgung gelangte man einmütig zu der Auffassung, daß eine strengere Über­wachung der Preisgestaltung unbedingt durchgeführt werden müsse, um ähnliche Zustände, wie sie durch den Enquete-Ausschuß aufgedeckt worden sind, in Zukunft zu unterbinden. Be­kanntlich untersteht die Kontrolle dem Deut­schen Städtetag, der auch die Kontingen­tierung bewerkstelligt. Er wird also von jetzt an auf Grund der Anregungen des Enqueteaus­schusses sein erhöhtes Augenmerk auf die Preis­bildung lenken, um allen Auswüchsen von vorn­herein die Spitze abzubiegen. Entgegen der ur­sprünglichen Absicht, die Kontingente, noch ein­mal neu zu verteilen, soll es auch weiterhin bei dem einmal feftgelegten Verteilungsschlüssel blei­ben. Denjenigen Händlern, denen ein uner­laubter Handel mit Kontingentschei­nen jedoch nachgewiesen toetben konnte, ist die Konzession entzogen worden.

Canbraf a. D. Dr. Constantin f.

Der Leiter des deutschen und preußischen Land- kreistages, Landrat a. D. Dr. Constantin, ist nach längerem Leiden verstorben.

Wegen Mordversuchs am eigenen Kinde verurteilt.

Das Schweidniher Schwurgericht verurteilte den 28jährigen Landwirt Ritter wegen Mord­versuchs' an seinem eigenen zweijährigen Kinde zu vier Jahren Zucht Haus und fünf Jahren Ehrverlust. Ritter hatte, um sein un­eheliches Kind aus der Welt zu schaffen, dem Kind vergiftetes Konfekt gegeben. Das Kind gab aber das erste Stück Konfekt sofort wieder von sich und war nicht mehr zu bewegen, ein zweites Stück M nehmen. Einige Zeit später versuchte Ritter, dem Kinde Salzsäure in den Mund zu flöhen. Die herbeieilenden Pflege­eltern des Kindes entrissen es Ritter und es ge­lang, das Kind zu retten.

Ockankatastrophe in Amerika.

In Holmes Croek (Tennessy) wurde die Schule von einem Orkan umgerissen, wobei vier Kin­der getötet und gegen 20 verletzt wurden. Der gleiche Orkan hat in den Süd- und Ost- floaten großen Sachschaden angerichtet. Zahlreiche Gebäude wurden zerstört und be­schädigt. Das Schulhaus in Lang (Kentucky) wurde zerstört. Die Telegraphen-, Telephon- und Lichtleitungen sind an vielen Stellen unterbro­chen. Die Ausläufer des Orkans richteten auch im Bezirk von Neuhork beträchtlichen Schaden an. Ein auf dem Dache eines elfstöckigen Geschäftshauses der Neuyorker Ostseite ausge­stellter Wassertank wurde durch den Sturm um­gerissen. Der Tank durchschlug vier Stockwerke. Man befürchtet, daß unter den Trümmern meh­rere Personen begraben worden sind.

Oie Wetterlage.

G wontenios 0 heiter, o halb bedeckt » wolkig, bedeexi lTegei>

* Schnee graupeln - Nebel n Grw,t*£r.(§)wind$tille. O-. sehr feichte- O$i £> nissige' Südsüdwest 'n stürmische" wdwesl Die Piene fliegen mit dem Winde. Pie Beiden Stationen stehenden Zah­len geben die Temperatur an. Die Limen verbinden Orte mit gleichest eui rsreresnivean nmoerechneten Luftdritf >

A?ettervoraussa6e.

Das neue, sich gestern den britischen Inseln und Island nähernde Tief ist in raschem Vorwärts- schrciten nach Skandinavien hin begriffen. Seine Randstörungen lassen es unter Ansteigen der Tem­peraturen vorläufig wieder zu stärkerer Bewölkung kommen, wobei mit Niederschlägen zu rechnen ist. Sehr bald dürfte sich aber der Einfluß der Rück­seite auswirken, der wieder Temperaturrückgang und veränderliches Wetter heroorruft.

Wettervoraussage für Freitag: Zunächst wolkig bis bedeckt, milder mit Regen später wieder Temperaturrückgang und veränder­liches Wetter.

Witterungsaussichten für Sams­tag: Weiterhin unbeständiges Wetter.

Lufttemperaturen am 25.3amior mittags 6,2 Grad Celsius, abends 0,5 Grad Celsius: am 26. Ja­nuar: morgens 1,7 Grad Celsius. Maximum 6,8 Grad Celsius, Minimum0,8 Grad Celsius. Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 25. Ja­nuar: abends 2,5 Grad Celsius: am 26. Januar: morgens 1 Grad Celsius. Niederschlage: 4 Milli meter. Sonnenscheindauer: 5 Stunden.

Winferfporimelöungen

Vogelsberg (hoherodskopf):

Temperatur:3 Grad Celsius: Wind: Südost: Wetter: leichter Nebel: Schneehöhe: 25 Zentimeter: Beschaffenheit: gekörnt: Sportmöglichkeit: sehr gut.

herchenhainer höhe:

Schneehöhe: 20 Zentimeter: Beschaffenheit: ge­körnt: Temperatur:1 Grad Celsius: Sportmög­lichkeit für Ski und Rodel: sehr gut.